Die Eisbären Berlin in der Saison 2023/2024: Vom Abstiegskampf zur zehnten deutschen Meisterschaft

Die Saison 2023/2024 ist seit etwas mehr als einer Woche beendet und die Eisbären Berlin haben ihre zehnte deutsche Meisterschaft gefeiert. In der Finalserie setzten sich die Hauptstädter mit 4:1-Siegen gegen das Überraschungsteam der Saison, die Fischtown Pinguins Bremerhaven, durch und bauten somit ihren Vorsprung als DEL-Rekordmeister aus. Wir blicken heute noch einmal zurück auf diese Meistersaison der Eisbären.

Wer hatte vor dieser Saison ernsthaft mit dem Ausgang der Saison 2023/2024 gerechnet? Die Eisbären hatten in der Vorsaison als zweifacher deutscher Meister in Folge erstmals seit 22 Jahren wieder die Playoffs verpasst. Am Ende der Hauptrunde reichte es nur zu Platz elf mit drei Punkten Rückstand auf Platz zehn, den damals die Löwen Frankfurt belegten und somit sich das letzte Ticket für die erste Playoff-Runde sicherten. Lange Zeit steckten die Berliner in der Saison im Abstiegskampf, es drohte der Absturz in die DEL2. Während bei anderen Vereinen in der DEL Panik ausgebrochen wäre und man sich mit sofortiger Wirkung vom Trainerteam getrennt hätte, behielt die Chefetage der Eisbären Berlin absolute Ruhe, analysierte die Situation bereits während der katastrophalen Saison und kam zum Entschluss, dass man mit Trainer Serge Aubin und Co-Trainer Craig Streu weiter arbeiten möchte. Für diese Entscheidung hagelte es seinerseits ordentlich Kritik, doch mit ein wenig Abstand werden auch die Kritiker heute einsehen, dass das genau die richtige Entscheidung von Geschäftsführer Thomas Bothstede und Sportdirektor Stéphane Richer war. Denn Serge Aubin zahlte genau dieses Vertrauen jetzt mit dem Gewinn der zehnten deutschen Meisterschaft zurück.

Enttäuschte Gesichter nach dem Verpassen der Playoffs 2023: (Foto von Marco Leipold/City-Press GmbH)

Die Verantwortlichen des Hauptstadtclubs setzten sich nach dem Verpassen der Playoffs zusammen, analysierten alles ganz genau und sorgten im Sommer für einen radikalen Umbruch im Kader. Satte 15 Spieler mussten die Eisbären damals verlassen. Beide Torhüter (Tobias Ancicka/Juho Markkanen), zwei Verteidiger (darunter auch die Club-Legende Frank Hördler, welchen es nach Selb in die DEL2 zog) und elf Stürmer (u.a. Matt White, Giovanni Fiore, Peter Regin) erhielten keinen neuen Vertrag bei den Eisbären.
Dem gegenüber standen zwölf Neuzugänge vor und zwei Neuzugänge während der Saison 2023/2024. Und im Gegensatz zur Vorsaison, wo fast kein Transfer zum Volltreffer wurde, schlugen nahezu alle Neuzugänge in der abgelaufenen Saison ein. Sportdirektor Stéphane Richer hatte diesmal mehr als nur einmal ein goldenes Händchen und bastelte im vergangenen Sommer ein Team, welches definitiv das Zeug hatte, am Ende die Meisterschaft wieder nach Berlin zu holen.

Das Bild der Saison – Deutscher Meister 2024: Eisbären Berlin (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Fangen wir aber an bei der so wichtigen Torhüter-Position, wo sich die Eisbären mit Jonas Stettmer (Ingolstadt) und Jake Hildebrand (Frankfurt) verstärkten. Ich glaube, uns allen liegen noch die kritischen Aussagen einiger Fans im Ohr, die damals die Verpflichtung von Jake Hildebrand kritisierten, dass man mit ihm keine Meisterschaft gewinnen kann. Ich glaube, Jake hat alle Kritiker Lügen gestraft und deutlich bewiesen, dass er zu den absoluten Top-Goalies in der PENNY DEL zählt. In der Hauptrunde überzeugte Hildebrand bereits mit einer Fangquote von 91,72 Prozent und einem Gegentorschnitt von 2,38 pro Spiel sowie drei Shutouts. In den Playoffs steigerte sich Hildebrand nochmal und wuchs förmlich über sich hinaus. In den Playoffs kam er auf eine Fangquote von 93,60 Prozent und einen Gegentorschnitt von 1,91 pro Spiel. In den letzten drei Finalspielen kassierte er nur noch zwei Gegentore und feierte im entscheidenden fünften Spiel sogar einen Shutout. Jake Hildebrand war mit einer der wichtigsten Faktoren, warum die Berliner am Ende die zehnte deutsche Meisterschaft feiern konnten.
Jonas Stettmer kam in der Hauptrunde in 13 Spielen zum Einsatz, wo er stets zu überzeugen wusste. Auch seine Werte nach der Hauptrunde konnten sich mehr als sehen lassen. Eine Fangquote von 91,33 Prozent sowie einen Gegentorschnitt von 2,28 pro Spiel zeigten, dass die Eisbären über ein sehr starkes Torhüter-Duo verfügten. Stettmer feierte zudem auch noch einen Shutout.

Vor der Saison kritisiert, am Ende dann aber der gefeierte Held: Goalie Jake „The Wall“ Hildebrand“: (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

In der Defensive sorgte Richer mit der Rückkehr von Kapitän Kai Wissmann für den Königstransfer vor der Saison. Dazu kamen Ben Finkelstein (Wien), der jedoch während der Saison seine Karriere beenden musste, und Rio Kaiser (Salzburg). Während der Saison stieß dann auch noch Thomas Schemitsch dazu.
Wissmann übernahm sofort wieder Verantwortung in der Berliner Defensive und wurde wieder zu einem unverzichtbaren Leistungsträger. Mit 30 Scorerpunkten (5T/25A) war Wissmann am Ende der Hauptrunde sogar sechstbester Scorer in der internen Scorer-Wertung der Eisbären. Und das in nur 44 Spielen, denn der Verteidiger fehlte zwischenzeitlich verletzt. Wissmann verlieh der in der Vorsaison doch arg anfälligen Berliner Defensive deutlich mehr Stabilität und das machte zugleich auch seine Mitspieler besser. In den Playoffs scorte Wissmann auch nochmal stark und kam am Ende auf zehn Scorerpunkte (2T/8A), was ihm Platz fünf in der internen Scorer-Wertung einbrachte.
Finkelstein kam mit vielen Vorschusslorbeeren in die Hauptstadt, leider musste er aber im Laufe der Hauptrunde seine Karriere vorzeitig beenden. Am Ende standen für ihn 15 Vorlagen zu Buche. Es wäre spannend gewesen, wie sich Finkelstein in Berlin weiter entwickelt hätte.
Rio Kaiser kam insgesamt nur auf drei Spiele in der letzten Saison, was eine Bewertung extrem schwierig macht. Aber seine Zeit wird noch kommen und vielleicht kommt er in der neuen Saison auf mehr DEL-Einsätze.
Kommen wir zu Thomas Schemitsch, welchen die Eisbären kurz vor Ende der Hauptrunde verpflichteten. In fünf Hauptrundenspielen kam er auf starke vier Scorerpunkte (1T/3A). Man merkte ihm seine lange Pause überhaupt nicht an, er fügte sich nahtlos ins Team der Eisbären ein und harmonierte direkt mit seinem alten Kumpel Julian Melchiori, welchem er direkt zu den ersten Saisontoren verhalf. In den Playoffs kamen nochmal vier Assists hinzu. Die Verpflichtung von Schemitsch war zunächst mit einem Risiko versehen, entpuppte sich am Ende aber als Volltreffer. Bleibt zu hoffen, dass wir ihn nächste Saison wieder in Berlin auf dem Eis sehen.

Zwei enorm wichtige Leistungsträger in der Defensive der Eisbären Berlin: Jonas Müller (links) und Kapitän Kai Wissmann (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

In der Offensive gab es den größten Umbruch und dort gelang es Sportdirektor Richer, echte Kracher nach Berlin zu holen. Ty Ronning (Ingolstadt), Rückkehrer Blaine Byron (Oskarshamn), Patrice Cormier (Yekaterinburg), Michael Bartuli (Bad Nauheim), Lean Bergmann (Mannheim), Tobias Eder (Düsseldorf) und Frederik Tiffels (München). Zudem kam Jeadon Descheneau während der Hauptrunde. Gerade die Transfers auf dem deutschen Spielersektor sorgten für Aufsehen bei der Konkurrenz, denn da waren schon einige Top-Spieler dabei.
Ronning machte in der vergangenen Saison in Ingolstadt auf sich aufmerksam und diese Leistung konnte er in Berlin bestätigen. In der Hauptrunde kam der kleine Flitzer nur auf 27 Spiele, sammelte dort aber starke 20 Scorerpunkte (13T/7A). In den Playoffs steigerte sich Ronning nochmal und erzielte acht Tore und bereitete ein weiteres Tor vor. Gerade sein Hattrick im vierten Finalspiel gegen Bremerhaven bleibt in Erinnerung, als er die Schwachstelle von Pinguins-Goalie Kristers Gudlevskis offenbarte. Mit den acht Treffern wurde er zu Berlins Top-Torjäger in den Playoffs.
Byron machte nach einem Jahr Pause direkt da weiter, wo er in Berlin vor einem Jahr aufgehört hatte. Auch er kam verletzungsbedingt nur auf 33 Spiele, in denen er aber auf satte 26 Scorerpunkte (9T/17A) kam. In den Playoffs kamen nochmal elf Scorerpunkte (5T/6A) hinzu, wovon er vier Punkte in Überzahl sammelte.
Auch Cormier wurde zu einem wichtigen Puzzleteil auf dem Weg zur Meisterschaft und entwickelte sich zu seinem Spieler, gegen den man nicht gerne spielte. In 37 Hauptrundenspielen kam er auf 21 Scorerpunkte (12T/9A). Vier seiner zwölf Tore erzielte er dabei in Überzahl. In den Playoffs kam nur noch ein Assist hinzu, aber da war Cormier auch eher als physischer Spieler gefragt, der dem Gegner unter die Haut gehen sollte.
Bartuli war als U23-Spieler eingeplant und kam in 32 Spielen auf eine Torvorlage. Viel Eiszeit bekam er von Trainer Serge Aubin aber nicht.
Lean Bergmann kam verletzungsbedingt in der Hauptrunde nur auf 15 Spiele, in denen er aber bereits andeutete, wie wichtig er für die Mannschaft von Trainer Aubin werden könnte. Drei Tore und drei Assists standen für ihn am Ende der Hauptrunde zu Buche. In den Playoffs kam dann die Serie gegen Mannheim und sein legendärer Torjubel sowie der Fight gegen Leon Gawanke. Spätestens seit dem ist Bergmann ein Publikumsliebling in Berlin. Zwei Tore und zwei Assists steuerte die Nummer zehn in den Playoffs noch hinzu.
Tobi Eder schlug voll ein und erzielte in der Hauptrunde starke 22 Tore und bereitete zudem noch neun weitere Tore vor. Vier Tore erzielte er dabei in Überzahl. Drei Tore und drei Vorlagen folgten noch in den Playoffs. Die erste Saison von Tobi Eder als Eisbär war ein voller Erfolg!
Mit Freddy Tiffels gelang Richer ein weiterer Königstransfer. In 50 Hauptrundenspielen erzielte der deutsche Nationalstürmer zwölf Tore und bereitete 26 (!) Tore vor. Fünf Tore erzielte er dabei in Überzahl. Aber gerade seine Arbeit in Unterzahl zeichnete die Nummer 95 aus, als er die Gegner immer wieder früh im Spielaufbau störte – meistens auch erfolgreich. In den Playoffs sammelte er nochmal starke neun Punkte (2T/7A) und war somit auch ein Garant für die Meisterschaft. Wie eigentlich nahezu alle Spieler im Kader der Eisbären Berlin!
Descheneau kam in der Hauptrunde 17-mal zum Einsatz, erzielte fünf Tore und bereitete zwei weitere Treffer vor.

Drei Neuzugänge, die direkt eingeschlagen haben: Tobi Eder (links), Blaine Byron (mitte) und Freddy Tiffels (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Natürlich schauen wir auch auf die Spieler, die nach der verkorksten Saison 2022/2023 weiterhin das Trikot der Eisbären trugen. In der Defensive waren das Morgan Ellis, Marco Nowak, Eric Mik, Jonas Müller, Korbinian Geibel und Julian Melchiori. Und da muss man allen voran Eric Mik nennen, der mit sechs Toren in der Hauptrunde der Top-Torjäger unter den Verteidigern wurde. Mik hat den nächsten Schritt gemacht und bewiesen, was für ein starker und vor allem wichtiger Spieler er für die Eisbären ist.
Ellis kam wie Wissmann auf fünf Tore in der Hauptrunde, Müller und Melchiori auf je vier Treffer. Müller stach vor allem mit seinen 20 Torvorlagen in der Hauptrunde hervor, welche ihm Platz sechs in der teaminternen Scorer-Wertung einbrachte. Aber auch Ellis (16A) und Melchiori (13A) scorten in Sachen Assists zweistellig.
Besonders hervorheben möchte ich aber Korbinian Geibel, denn der Youngster hat sich seinen Stammplatz im Profiteam erspielt und das absolut zurecht. Er absolvierte alle 52 Hauptrundenspiele und bereitete vier Tore vor. Geibel hat definitiv eine große Zukunft vor sich und es bleibt zu hoffen, dass er den Eisbären noch viele Jahre erhalten bleibt.
Und dann muss man natürlich auch noch Marco Nowak erwähnen, der keine einfache Saison hatte und meist als überzähliger Spieler auf der Tribüne saß. Und trotzdem hat er sich stets in den Dienst der Mannschaft gestellt und war zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. Was nicht selbstverständlich in so einer Situation ist, aber einmal mehr beweist, was für ein feiner Mensch Marco Nowak ist.
In den Playoffs trugen sich Müller (3), Wissmann (2) und Melchiori (1) nochmal in die Torschützenliste ein und gerade Müller sein Solo gegen Bremerhaven in Finalspiel zwei bleibt wohl auf ewig in Erinnerung. In Sachen Assists sticht natürlich Kapitän Kai Wissmann hervor, der insgesamt acht Tore vorbereitete. Ebenso erwähnenswert sind die je drei Assists von Marco Nowak (da er nur dreimal zum Einsatz kam) und Korbinian Geibel, der wie bereits erwähnt den nächsten Schritt gemacht hat.
Insgesamt hatten die Eisbären eine deutlich gefährlichere Defensiv-Abteilung als noch in der verkorksten Vorsaison.

Machte in der letzten Saison einen großen Schritt nach vorne: Korbinian Geibel (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Kommen wir aber nun zum Prunkstück der Meistersaison, nämlich der Offensive. Ganze sieben Stürmer blieben noch übrig nach der Saison 2022/2023: Manuel Wiederer, Yannick Veilleux, Eric Hördler, Maximilian Heim, Zach Boychuk, Marcel Noebels und Leo Pföderl.
Noebels lieferte wie eh und je ab und war am Ende der Hauptrunde der Top-Scorer der Eisbären mit 47 Scorerpunkten (13T/34A). Pföderl folgte direkt dahinter mit 45 Scorerpunkten (15T/30A). Boychuk wurde mit 23 Toren zum Top-Torjäger der Berliner, bereitete zudem auch nur 21 Tore vor. Veilleux traf 14-mal und gab 15 Assists, auch Wiederer traf zweistellig und kam auf elf Tore, dazu kommen noch 14 Assists.
Die Youngster Maxi Heim (2T/7A) und Eric Hördler (1T/5A) hatten natürlich auch ihren Anteil. Gerade das erste DEL-Tor von Eric in Wolfsburg bleibt natürlich in positiver Erinnerung.
In den Playoffs muss man natürlich wen zuerst nennen? Genau! Leo Pföderl, den MVP der Playoffs. Der hat alleine im Finale nochmal ordentlich aufgedreht und war am Ende auch der Top-Scorer der Eisbären. Fünf Tore und zehn Assists steuerte die Nummer 93 in den Playoffs nochmal dazu. Diesmal gab es die umgekehrte Reihenfolge, denn diesmal folgte Noebels auf Platz zwei mit vier Toren und zehn Assists. Auch ein Boychuk lieferte mit elf Punkten (3T(8A) wieder enorm stark ab. Auch Manuel Wiederer, der auf drei Tore und drei Assists kam, ist wohl der am meisten unterschätzte Spieler im Kader der Eisbären. Was sicherlich auch daran liegt, dass er häufig in Reihe vier eingesetzt wurde. Aber was er kann, zeigte er, als er in den vorderen Reihen eingesetzt wurde. Ich sage nur Hattrick in München. Und dann muss man natürlich in den Playoffs auch Eric Hördler erwähnen, dem zwei Assists gelangen. Ja, kein berauschender Wert, aber Eric ist eben ein Youngster und bekam nicht so viel Eiszeit, was das dann eben wieder zu etwas ganz Besonderem machte.

Playoff-MVP Leo Pföderl. (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Insgesamt muss man sagen, dass der Mix aus jungen und erfahrenen Spielern in diesem Jahr perfekt harmonierte. Die Eisbären hatten die verkorkste Saison 2022/2023 komplett aufgearbeitet und die richtigen Schlüsse gezogen. Waren die Transfers in der Vorsaison fast ausschließlich Fehlgriffe bzw. passten nicht ins Team-Gefüge, so schlugen in dieser Saison alle Neuzugänge ein. Stéphane Richer hat mal wieder bewiesen, dass er ein absoluter Top-Sportdirektor ist. Ja, er hat auch das Team der Vorsaison zusammengestellt und war sich der Schuld auch bewusst. Aber wie man darauf reagiert hat, verdient den aller größten Respekt. Auch der Mut, an Serge Aubin festzuhalten, ist in diesem Geschäft alles andere als üblich. Aber die Eisbären haben sich trotz Kritik dafür entschieden, am Trainer festzuhalten. Und somit kommen wir zum Trainer Serge Aubin.

Der Vater des Erfolges: Sportdirektor Stéphane Richer (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Aubin feierte mit den Eisbären seine dritte Meisterschaft in den vergangenen vier Jahren und hat mit den Berlinern noch keine Playoff-Serie verloren. Auch an ihm nagte die Vorsaison mit dem Verpassen der Playoffs. Aber wie er die neuen Spieler ins Team integrierte und daraus eine Spitzen-Mannschaft formte, verdient ebenso den aller größten Respekt. Man hatte zu Beginn der Saison damit gerechnet, dass es ein etwas holpriger Start werden könnte angesichts des doch großen Umbruchs im Sommer. Doch es kam anders und man startete mit drei Siegen zu Beginn und sieben Siegen aus den ersten zehn Spielen in die neue Spielzeit. Serge Aubin und seine beiden Co-Trainer Craig Streu und André Rankel hatten aus dem vorhandenen Personal schnell eine Spitzen-Mannschaft geformt, welche früh ihre Ansprüche deutlich machte. Vor der Saison war das ausgegebene Saisonziel ein Platz unter den ersten Vier. Relativ schnell wurde aber deutlich, dass diese Mannschaft in der Lage ist, um die deutsche Meisterschaft mitzuspielen.
Man kassierte nie mehr als drei Niederlagen in Folge. Und diese kassierte man zum einen nach bzw. inklusive dem chaotischen Heimspiel gegen Wolfsburg (6:9), als man danach auch die Heimspiele gegen Düsseldorf (1:4) und Iserlohn (0:3) verlor. Auch zu Beginn des neuen Jahres verlor man nochmals drei Spiele in Serie (2:3 gegen Schwenningen/1:5 in Bremerhaven/2:6 in Straubing). Aber auch davon ließen sich die Berliner nie von ihrem Weg abbringen und gaben stets die Antwort danach auf dem Eis.

Meistercoach Serge Aubin (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Auch vom Fehlstart in die Playoffs, als man Spiel eins gegen Mannheim mit 1:7 verlor und in Spiel zwei nach nicht einmal fünf Minuten bereits mit 0:2 hinten lag, ließ man sich nicht aus der Ruhe bringen. Die Eisbären fanden immer eine Antwort, wurden immer wieder perfekt vom Trainerteam auf den jeweiligen Gegner eingestellt. Oder wie es Hannes in unserer Meisterfolge im Podcast sagte, dass die Eisbären es immer schafften, das zu zerstören, was den Gegner so stark und so gefährlich machte. Auch das ist ein Verdienst des Trainerteams.
Nach dem 1:7 gegen Mannheim folgten inklusive dem Halbfinale gegen Straubing sieben Siege in Serie. Erst in Spiel vier setzte es mal wieder eine Niederlage am Pulverturm. Danach sollten die Berliner nur noch das erste Finalspiel in Bremerhaven verlieren, ehe sie bis zum zehnten Meistertitel durch marschierten.
Und Niederlagen im Auftaktspiel einer Playoff-Serie sind für Serge Aubin auch nichts Neues. 2020/2021 in der Corona-Saison, als man nur Best-of-Three spielte, verloren die Berliner stets das erste Spiel. 2021/2022 verlor man das erste Finalspiel gegen München. Und in dieser Saison verlor man das erste Spiel im Viertelfinale gegen Mannheim und das erste Finalspiel in Bremerhaven. Die Eisbären standen also stets mit dem Rücken zur Wand, doch Serge Aubin fand immer einen Weg, die Serie anschließend doch noch zu gewinnen. Inzwischen steht er bei neun gewonnenen Playoff-Serien in Folge.

Hatte auch seinen Anteil am Gewinn der deutschen Meisterschaft: Co-Trainer Craig Streu (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Die Eisbären Berlin haben also die richtigen Schlüsse aus der vergangenen Saison gezogen und entgegen der Gesetze im Sport bewiesen, dass man nicht immer den Trainer austauschen muss, wenn es mal nicht läuft. So ein Seuchenjahr kannst du immer mal wieder haben, das ist im Sport nichts Ungewöhnliches. Wichtig ist nur, wie du darauf reagierst und welche Schlüsse du daraus ziehst. Die Eisbären sind ein Paradebeispiel dafür, dass man nach einer Saison, welche im Fast-Abstieg endete, gestärkt zurückkommen kann. Dass man dann sofort die Meisterschaft wieder gewinnt, macht diese fast schon märchenhafte Geschichte perfekt. Serge Aubin und die Eisbären Berlin, das passt einfach wie die Faust aufs Auge!

Auch er hat einen großen Anteil am Gewinn der deutschen Meisterschaft: Geschäftsführer Thomas Bothstede (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Stéphane Richer: „Wir wollen wieder zu den Top-Teams gehören“

Am heutigen Montag hatten die Eisbären Berlin wieder zur alljährlichen Saisoneröffnungs-Pressekonferenz geladen. Diesmal fand diese in der Mercedes-Benz Arena statt. Dort, wo ab Freitag wieder der Puck über die Eisfläche flitzt, saßen die Protagonisten der heutigen Pressekonferenz. Dabei fühlte man sich fast wie bei einem Heimspiel, denn bevor diese losging, ertönte erst einmal die Eisbären-Hymne, das Intro-Video lief auf dem Videowürfel und die Feuertonnen waren auch im Einsatz. Da kommt definitiv Vorfreude auf die neue Saison auf. Wenn man diese bis jetzt nicht schon hatte.

Wie jedes Jahr durfte auch heute wieder der Vorstandsvorsitzende der GASAG, Georg Friedrichs, die Pressekonferenz eröffnen und betonte noch einmal, dass man bereits in die 28. gemeinsame Saison mit den Eisbären geht:

Das hier ist heute die Pressekonferenz vor der nächsten erfolgreichen Saison und nicht die Pressekonferenz nach der letzten Saison. Das ist uns wichtig. Wir freuen uns auf erfolgreichen Sport mit den Eisbären. Wir gehen in die 28. gemeinsame Saison. Das freut uns sehr. Es ist kein Ende abzusehen, das darf ich an der Stelle sagen. Wir freuen uns auf die nächste erfolgreiche Saison und sind froh, dass wir als GASAG ein Teil dieser Geschichte sind.

Geschäftsführer Thomas Bothstede während der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz. (Foto von Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH Bildagentur)

Überall war die Vorfreude auf die neue Saison zu spüren. Verständlich, haben die Eisbären doch was gut zu machen nach der verkorksten letzten Saison. Fast sechs Monate war das letzte Punktspiel in dieser Arena her, wie Geschäftsführer Thomas Bothstede sagte:

Wir freuen uns alle unfassbar, dass es endlich wieder losgeht. Freitag geht es endlich wieder los. Wir sind nicht ohne Grund heute hier. Alle von uns waren so lange nicht in der Arena. Fast sechs Monate, habe ich mir sagen lassen, auf den Tag genau. Und es wird einfach wieder Zeit, dass es hier losgeht.

Anschließend nannte der Geschäftsführer beeindruckende Zahlen, welche verdeutlichen, wie groß die Euphorie in Berlin ist. Nicht selbstverständlich nach der letzten Saison. Aber die Fans sehen, wie groß der Umbruch im Team war und die Vorbereitung hat die Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison verstärkt:

Wir haben mehr als 13.000 Karten für den Freitag verkauft. Wir gehen fest davon aus, dass die Mercedes-Benz Arena rappelvoll wird und wir ausverkauftes Haus vermelden dürfen. Die Fankurve ist für die kommenden vier Spiele schon ausverkauft bzw. gibt es nur noch Restkarten. Wir haben über 5.500 Dauerkarten verkauft. Wir sind darüber glücklich und stolz. Das ist ein unfassbar schönes Gefühl. Das zeigt, wie loyal und treu unsere Unterstützer und Fans sind. Es ist aber natürlich auch so etwas wie eine Aufforderung, so eine Saison wie die vergangene nicht nochmal zu haben. Wir reden nicht mehr über die vergangene Saison. Insider wissen das. Es gibt ein Sparschwein in der Kabine und jedes Mal, wenn wenn jemand was über die vergangene Saison sagt, muss da rein gezahlt werden.

Ein besonderes Anliegen hatte Thomas Bothstede dann aber auch noch. Zum einen ließ er es sich nicht nehmen, der deutschen Basketball-Nationalmannschaft zum WM-Sieg zu gratulieren. Es soll ja Verbände geben, denen andere Themen wichtiger sind und die es nicht für nötig halten, den Basketballern zu deren größten Triumph zu gratulieren. Die spielen glaube ich mit so einem komischen runden Ball und halten sich für die größten…
Die anderen Sportarten stehen leider nicht so sehr in der Öffentlichkeit wie Fußball, was die Eisbären Berlin nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der Eishockey-WM ändern wollen. Thomas Bothstede zur Aktion:

Diese Sportarten (u.a. Basketball, Handball, Eishockey) stehen unserer Meinung nach viel zu selten in der Öffentlichkeit und die Wertschätzung fehlt. Wir möchten den größten Erfolg der Eishockey-Nationalmannschaft seit 70 Jahren nutzen und uns für eine sensationelle WM bedanken. Wir als Eisbären werden die Nationalspieler, Trainer und Betreuer bei unseren Heimspielen ehren. Wir werden bei jedem Heimspiel, bei dem wir jemanden von der Nationalmannschaft hier haben und der Teil der WM war, aufs Eis holen und vor dem Spiel ehren. Am kommenden Freitag werden gleich neun Protagonisten geehrt. Wenn alles gut geht, begrüßen wir am 21. Dezember gegen Augsburg den letzten Spiel bei uns in der Mercedes-Benz Arena, der vor dem Spiel geehrt wird.

Sportdirektor Stéphane Richer während der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz. (Foto von Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH Bildagentur)

Kommen wir nun aber zu den Haupt-Akteuren der neuen DEL-Saison im Team der Eisbären Berlin. Da hat sich im Sommer einiges getan. Was aber auch dringend notwendig war, schließlich verpasste man vergangene Saison erstmals seit 20 Jahren mal wieder die Playoffs. Damit dieser Super-GAU nicht noch einmal eintritt, hat Sportdirektor Stéphane Richer eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt:

Endlich ist die sehr lange Sommerpause für uns vorbei. Wir haben die letzte Saison sehr intensiv aufgearbeitet und alles analysiert. Wir haben einige neue Spieler verpflichtet, vor allem auf dem deutschen Sektor konnten wir uns noch breiter aufstellen. Wir haben eine starke Mannschaft. Aber wie immer wird die Liga sehr ausgeglichen sein. Auch andere Teams haben sich sehr gut verstärkt. Wir stecken uns immer hohe Ziele und wollen wieder zu den Top-Teams der Liga gehören.

Trainer Serge Aubin während der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz. (Foto von Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH Bildagentur)

Auch Trainer Serge Aubin ist mit der Mannschaft absolut zufrieden, wie er heute sagte:

Wir haben eine gute Mannschaft. Wir haben eine sehr gute Tiefe im Kader. Das ist eine junge und schnelle Truppe, die Stéphane Richer dort zusammengestellt hat. Die Vorbereitung war sehr gut. Es war keine einfache Vorbereitung. Aber die Flexibilität, die der Kader bietet, ist sehr gut mit Blick auf die lange Saison, sollte sich mal einer verletzen, was wir natürlich nicht hoffen.

Wenn der Trainer schon einmal vor Ort ist, dann muss er natürlich auch ein Statement zum Saisonstart gegen Ingolstadt abgeben. Dass es ein schweres Spiel wird, davon gehen sicherlich alle Fans aus. So auch Trainer Aubin:

Ich erwarte ein sehr schweres und hartes Spiel gegen Ingolstadt. Der ERC ist als Vizemeister, und das hat er in der CHL schon gezeigt, eine sehr gute Mannschaft. Aber für mich geht es darum, dass wir wieder Eisbären-Eishockey aufs Eis bringen. Es wird am Ende des Tages darauf ankommen, wie wir es umsetzen und wie gut die Einsatzbereitschaft ist. Ich freue mich sehr auf das erste Spiel, aber es ist nur Schritt eins einer langen Saison.

Kapitän Kai Wissmann während der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz. (Foto von Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH Bildagentur)

Einer, der wieder zurück in Berlin ist, ist Verteidiger Kai Wissmann. Und die neue und alte Nummer sechs hat auch gleich viel Verantwortung übertragen bekommen. Denn Wissmann ist der Nachfolger von Frank Hördler als Kapitän. Wie fühlt sich das an, Kai?

Es ist natürlich eine riesengroße Ehre, bei einem so großen Verein wie den Eisbären das Vertrauen zu bekommen, Kapitän zu sein. Ich werde mein Bestes geben, dass ich sowohl auf als auch neben dem Eis die Rolle so gut wie möglich ausfüllen kann.

Auch Wissmann hat die Euphorie, welche in Berlin herrscht, mitbekommen:

Ich freue mich wirklich sehr. Man hat schon im Vorbereitungsspiel hier gegen Prag gesehen, dass die Begeisterung auf die neue Saison groß ist. 10.000 Fans in einem Vorbereitungsspiel habe ich in den neun Jahren zuvor bei den Eisbären noch nie erlebt, das war unglaublich. Wir sind alle bereit für Freitag und freuen uns schon sehr.

Damit ist also alles angerichtet. Trainer und Sportdirektor sind zufrieden mit der neuen Mannschaft. Der Geschäftsführer und der Kapitän sind voller Vorfreude. Die Fans sind es ebenso. Es wird also Zeit für den Startschuss der 30. DEL-Saison. Noch vier Tage bis zum ersten Eisbären-Heimspiel in der Jubiläumssaison.

Serge Aubin: „Es wächst wieder was zusammen“

Die Eisbären Berlin stehen nach aktuell 40 absolvierten Spielen auf dem enttäuschenden 13. Platz. Der Abstand auf Platz zehn, welcher für die Pre-Playoffs reichen würde, beträgt zehn Punkte. Ebenso zehn Punkte beträgt der Vorsprung auf Platz 14, welcher ein möglicher Abstiegsplatz wäre. Das aber auch nur, wenn in der DEL2 Kassel, Dresden oder Krefeld die Meisterschaft holen und somit aufsteigen würden. Rein rechnerisch kann es also noch in beide Richtungen für die Berliner gehen. Pre-Playoffs oder Abstieg.

Doch mit dem umstrittenen 4:3-Sieg n.V. gegen Augsburg vom Freitagabend haben die Eisbären sich zumindest ihren Vorsprung auf die Abstiegszone gehalten und sogar um einen Punkt ausgebaut. Mit den von Marcel Noebels nach dem Sieg in Nürnberg anvisierten drei Punkten wurde es zwar nichts, aber dennoch hatte man gewonnen. Der Berliner Stürmer hatte im Vorfeld des Abstiegsduells die leise Hoffnung, mit einem Sieg nochmal an den Top-10 ankratzen zu können. Und der Abstand auf eben jenen zehnten Platz ist genauso groß wie der Vorsprung auf Rang 14.

Und doch sollten die Eisbären diesbezüglich nicht in Euphorie geraten, was sie aber auch nicht tun. Man schätzt die Situation im Moment genau richtig ein, lässt aber auch durchblicken, dass man nach wie vor noch den Traum von den Pre-Playoffs hat, wie Stürmer Frank Mauer nach dem Sieg gegen Augsburg sagte:

Für uns ist jetzt jedes Spiel ein kleines Endspiel, vor allem mit dem Ziel, dass wir noch in die Pre-Playoffs kommen wollen. Wir gehen jetzt Schritt für Schritt und dürfen nicht nach den Sternen greifen. Wir müssen jedes Spiel einzeln nehmen und dann schauen, was passiert.

Und genau das sollten sie auch machen. Man sollte jetzt nach zwei Siegen in Folge nicht schon wieder in Träumereien verfallen und von den Playoffs träumen. Denn gerade das Spiel gegen Augsburg hatte wieder die zwei Gesichter der Eisbären in dieser Saison gezeigt. Aber auch das hat man inzwischen selbst gemerkt und redet sich die Spiele nicht mehr schön, wie es vor Wochen noch der Fall war. Da wurden selbst schlechte Spiele als ein Schritt nach vorne verkauft. Das Spiel gegen den AEV ordnete Frank Mauer genau richtig ein:

Wir haben heute wieder die zwei Gesichter gezeigt. Das erste Drittel war eigentlich sehr gut, dann haben wir den Faden verloren und leichte Gegentore bekommen. Dann liegst du zurück, aber wir haben uns daraus gekämpft. Das spricht auch dafür, dass wir die Situation angenommen haben, wie sie ist. Wir sind mit anderen Erwartungen in die Saison gegangen, aber jetzt ist es so wie es ist. Aber wir wollen natürlich das Bestmögliche.

Frank Mauer (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Und das sind in dieser Saison eben maximal die Pre-Playoffs. Und der Trend im Jahr 2023 spricht durchaus für die Chance der Eisbären. Denn von den bisher fünf ausgetragenen Spielen im neuen Jahr konnte man drei gewinnen. Die Siege gelangen in den letzten vier Spielen. Damit stehen die Eisbären in der Jahrestabelle aktuell auf Platz sieben mit acht Punkten. Die drei Teams, welche aktuell noch vor den Berlinern stehen und welche man überholen müsste, um noch Platz zehn zu erreichen, stehen in diesem Jahr noch hinter den Hauptstädtern. Iserlohn steht mit zwei Siegen und sieben Punkten aus fünf Spielen auf Platz acht. Die Roosters haben aber in vier der fünf Spielen gepunktet. Schwenningen kommt auf einen Sieg aus fünf Spielen und fünf Punkten. Das reicht für Platz 13 im Jahr 2023. Zwei der vier Niederlagen setzte es erst nach Verlängerung bzw. Penaltyschießen. Und die Löwen Frankfurt kommen ebenso nur auf einen Sieg aus fünf Spielen und nur vier Punkten, da nur eine der vier Niederlagen im Shootout kassiert wurde. Die Tendenz spricht also für die Berliner.

Doch was haben die Eisbären in diesem Jahr anders gemacht? Schließlich setzte es vor dem Jahreswechsel noch in den drei Auswärtsspielen drei Niederlagen. Doch bereits dort war Trainer Serge Aubin mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden, wie er am Freitag auf der Pressekonferenz sagte. Der Berliner Coach blickte dort noch einmal auf die letzten Wochen seit November zurück und hofft darauf, dass der Comeback-Sieg gegen Augsburg der Mannschaft einen Push geben wird:

Ich hoffe, dass uns der Sieg einen Push geben wird. Im November mussten wir von neun Spielen siebenmal in die Overtime oder ins Shootout. Nach Weihnachten hatten wir drei Auswärtsspiele in Folge, wo wir sehr gut gespielt haben. Jetzt haben wir drei Siege aus vier Spielen geholt. Es wächst wieder was zusammen.

Ein großer Faktor, weshalb es 2023 so gut für die Eisbären läuft, ist allen voran das Powerplay. In der Liga steht man insgesamt auf Rang zwei mit einer Erfolgsquote von 29,46 Prozent. Aber im Jahr 2023 hat man bisher das mit Abstand beste Powerplay. 13-mal durfte man in den fünf Spielen in Überzahl ran, achtmal entstand daraus ein Tor, was eine Erfolgsquote von 61,54 Prozent macht. Ein echtes Faustpfand also, was man vor allem am Freitag gesehen hatte, als man die drei Tore in der regulären Spielzeit allesamt in Überzahl erzielte.

Serge Aubin (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Top-Scorer in den fünf Spielen in diesem Jahr ist Zach Boychuk mit zwei Toren und fünf Vorlagen. Doch der Stürmer scort generell in dieser Saison schon sehr gut. Für mich ist vor allem Morgan Ellis in diesen fünf Spielen die Überraschung. Vor den fünf Spielen im neuen Jahr kam er in 34 Spielen auf zehn Scorerpunkte (zehn Assists). In den fünf Spielen kam er auf fünf weitere Scorerpunkte (ein Tor/vier Vorlagen). Der Verteidiger kommt damit zusammen mit Boychuk und Marcel Noebels auf einen Punkteschnitt von 1,00 pro Spiel im Jahr 2023. Boychuk sogar auf 1,40.
Was für mich auch ein Faktor für den Aufschwung ist, ist der Fakt, dass die 13 Tore von zehn verschiedenen Spielern erzielt wurden und dabei keiner mehr als zwei Tor erzielt hat. Was die Eisbären vor dem Tor schwerer auszurechnen macht. Wobei natürlich so ein richtiger Goalgetter auch schön wäre.

Aber was haben die Eisbären nun anders gemacht als noch in 2022? Frank Mauer mit dem Versuch einer Erklärung:

Wir haben viele Sachen angesprochen und Dinge umgestellt. Wir haben jetzt in den letzten vier Spielen drei gewonnen. Das kann man ja auch mal als Teilerfolg sehen, aber das reicht uns natürlich nicht. Wir müssen da trotzdem noch ein paar Schippen drauflegen, was wir auch können.

Das große Problem der Eisbären war aber in dieser Saison bisher, dass man es kaum mal geschafft hat, über 60 Minuten sein Spiel durchzuziehen. Da gab es in diesem Jahr auch schon wieder genügend Beispiele (München, Köln, Augsburg). Zudem schaffte man es in dieser Saison einfach nicht, mal mehrere Spiele in Serie zu gewinnen. Die längste Serie hatte man Anfang Oktober (!) mit drei Siegen in Folge. Der Sieg gegen Augsburg war der zweite Sieg in Serie. Das war zuletzt am 09. Oktober 2022 gelungen.

Schafft man es nun endlich mal mehr als drei Siege in Serie zu holen? Will man die Pre-Playoffs erreichen und das Abstiegsgespenst endgültig aus der Hauptstadt verbannen, wäre dies von Nöten. Wenn man in den nächsten Spielen weiterhin die Leidenschaft der letzten Spiele an den Tag legt, dann ist das durchaus möglich. Dafür muss man aber weiterhin daran arbeiten, die immer noch zahlreich vorhandenen individuellen Fehlern abzustellen oder zumindest zunächst einmal zu minimieren. Dann muss man von der Strafbank fernbleiben und die unnötigen Strafzeiten weglassen. Vor dem Tor sollte man seine Chancen eiskalt verwerten und hinten defensiv weiter so kompakt stehen. Dann kann man seinen Teil dazu leisten, um die Chance auf Platz zehn am Leben zu erhalten. Dafür müssen aber auch die Konkurrenten mitspielen. Und generell sollte es in erster Linie erst einmal darum gehen, den Klassenerhalt so schnell wie möglich zu sichern.

Von den noch verbleibenden 16 Spielen muss man noch je achtmal zu Hause und achtmal auswärts ran. Die Schlüsselspiele im Kampf um den Klassenerhalt und Platz zehn hat man dabei noch vor der Brust. Im Kampf um den Klassenerhalt geht es noch zweimal gegen Augsburg (je einmal zu Hause und einmal auswärts). Im Kampf um Platz zehn trifft man noch je zweimal auf Aufsteiger Frankfurt und Schwenningen (je einmal heim und einmal auswärts) sowie einmal auf Iserlohn (auswärts). In diesen direkten Duellen sind Punkte Pflicht, will man das neue Saisonziel Platz zehn noch erreichen. Punkte in den anderen Duellen wären dann Bonuspunkte, mit Ausnahme vom letzten Gastspiel in Bietigheim, wo man angesichts der aktuellen Situation von drei Pflichtpunkten sprechen muss. Allerdings sollte man den Tabellenletzten nicht auf die leichte Schulter nehmen, kämpfen die Steelers doch noch um Platz 14 und die Minimalchance auf den Klassenerhalt. Was aber nur klappt, wenn es keinen Aufsteiger aus der DEL2 gibt.

Die kommenden Wochen werden entscheiden, in welche Richtung die Eisbären ihre Saison kippen werden. Startet man endlich die lang ersehnte und angesprochene Siegesserie und greift somit nochmal im Kampf um Platz zehn ein? Oder bleibt mein seiner abwechselnden Leistungen treu und muss bis zum Hauptrundenende um den Klassenerhalt zittern? Der Trend lässt auf Szenario eins hoffen. Aber die Eisbären sind eben eine Wundertüte in dieser Saison.

Im Dialog mit Serge Aubin und Craig Streu: „Ich bin mir sicher, dass wir die Playoffs erreichen werden!“

Aktuell befinden sich die Eisbären Berlin noch in der Länderspielpause. Erst am Freitagabend geht es mit dem Heimspiel gegen die Iserlohn Roosters weiter. Dann haben die Hauptstädter auch die Chance, endlich die Aufholjagd in der PENNY DEL zu starten. Denn nach 18 Spielen steht ein mehr als enttäuschender 13. Platz zu Buche. Nur 21 Punkte konnte man einfahren und die Tor-Differenz ist auch negativ (53:61). Höchste Zeit also mal nach den Gründen für diesen schlechten Saisonstart nach zwei Meisterschaften in Folge zu fragen. Und wer kann diese Fragen besser beantworten als das Trainerteam um Head Coach Serge Aubin und Co-Trainer Craig Streu? Die Beiden stellten sich am Dienstagabend den Fragen im Fanbogen beim „Im Dialog mit…„. Wir waren für euch vor Ort und fassen für euch die wichtigsten Aussagen von Aubin und Streu zusammen:

Dass die Eisbären in dieser Saison große Verletzungsprobleme hatten, ist kein großes Geheimnis. Zum Glück hat sich diese Situation deutlich gebessert und nahezu alle Spieler sind inzwischen fit. Mal abgesehen von Brendan Guhle, dazu aber später mehr.
Die Eisbären konnten in den letzten beiden Jahren jeweils die Meisterschaft gewinnen. Dafür haben die Berliner zu Saisonbeginn den Preis bezahlt. Denn in den letztjährigen Playoffs hatten sich die beiden Stürmer Leo Pföderl und Yannick Veilleux schwerer verletzt. Was zu einigen Umstellungen führte. Trainer Serge Aubin fasste es so zusammen:

Die Saison hat damit angefangen, dass wir den Preis dafür bezahlt haben, dass wir die Meisterschaften in den letzten beiden Jahren gewonnen haben. Der Preis ist, dass Leo Pföderl und Yannick Veilleux verletzt waren. Durch diese Verletzungen mussten wir Umstellungen vornehmen. Wir haben versucht, die jungen Spieler rein zu holen. Natürlich sind diese aber noch nicht an der Stelle, wo sie sein müssten, um das Team komplett auffangen zu können. Es ist wie ein Strudel, in den man dann rein gerät und aus dem man nur schwer wieder rauskommt. Es war jetzt extrem wichtig, dass diese Pause gekommen ist. Es ist einfach ein Zusammenspiel aus ganz vielen Faktoren, die dazu führen, dass es im Augenblick nicht so läuft wie es laufen sollte oder könnte.

Nun hat das Trainerteam aber wie bereits erwähnt wieder fast alle Spieler zurück und kann endlich mit voller Kapelle antreten. Zu was die Eisbären zu leisten im Stande sind, haben sie immer mal wieder für kurze Phasen im Spiel angedeutet. Doch so eine Negativserie oder aber auch so ein schlechter Saisonstart macht natürlich auch etwas mit den Spielern, wie Aubin sagte:

Je länger so eine Phase andauert, desto mehr schlägt es natürlich auch mental auf die Spieler. Man fängt immer mehr an, sich Gedanken zu machen, was nicht besonders gut ist für das Spiel. Es wissen alle Beteiligten selber, dass es keine erfreuliche Situation ist. Aber ich bedanke mich bei den Fans, dass sie extrem geduldig waren und sind. Das brauchen die Spieler auch. Es ist für sie gut zu wissen, dass die Fans auf ihrer Seite sind.

Da hat er Recht. Im Vergleich zu anderen Standorten oder auch früheren Spielzeiten ist es in Berlin trotz der Krise verhältnismäßig ruhig. Ja, es gibt immer Fans, die ständig am Kritisieren sind und auch den Trainer in Frage stellen. Aber eben nicht in der Häufigkeit, wie es bei anderen DEL-Vereinen der Fall ist. Und letztendlich darf man auch nicht vergessen, dass man genau mit diesem Trainerteam in den letzten beiden Jahren die Meisterschaft gewonnen hat.
Nun ist aber genau dieses Trainer-Duo, welches seit 2016 bereits zusammen arbeitet, gefordert. Serge Aubin und Craig Streu müssen die Eisbären aus der Krise führen. Sie müssen dafür sorgen, dass die Jungs wieder zurück in die Erfolgsspur kehren. Doch wie gehen die beiden Coaches das an. Craig Streu mit der Erklärung:

Du kannst nichts anderes machen außer arbeiten. Wir machen viel Video. Wir sind die bestvorbereiteste Mannschaft in der Liga, keine Frage. Es ist einfach so. Das ist alles, was du machen kannst. Die Jungs sind jeden Tag da und trainieren hart. Es war schwer ein Team zu formen, als wir die vielen verletzten Spieler hatten. Aber jetzt sind fast alle zurück. Die Woche war gut. Wir hatten super Training und super Video. So müssen wir anfangen. Es geht jetzt nur Shift für Shift. Wir schauen nicht auf das Ende der Saison sondern auf Freitag, auf das nächste Spiel. Das ist der einzige Weg. Step by Step. Mehr können wir nicht machen.

Ein Problem, vor dem die Trainer aber auch die Spieler stehen, ist der Fakt, dass es für viele Neuland ist. Eine Krise mit den Eisbären kennen viele der Spieler gar nicht. Verständlich nach zwei gewonnenen Meisterschaften in Folge. Trainer Aubin sagte daher, dass es gerade für die Spieler schwierig sei, damit umzugehen, dass man eben kein Erfolg gerade hat. Ebenso mangelt es am nötigen Vertrauen untereinander. Aubin äußerte sich zu dieser Thematik wie folgt:

Es ist schwierig für die Spieler damit umzugehen, dass sie kein Erfolg haben. Das ist das erste Mal für sie in Berlin. Die Spieler brauchen Selbstbewusstsein. Wir müssen besser sein in der Defensive, um den Torhütern Selbstvertrauen zu geben und auch der Mannschaft insgesamt. Aber ich sehe, dass sie arbeiten, aber es schwer haben. Es ist immer eine kleine Schlacht und man muss jede kleine Schlacht für sich gewinnen, um vorwärts zu kommen und erfolgreich zu sein. Wir müssen kleine Schritte gehen. Es gibt kleine Erfolge, die man als Fan vielleicht nicht sieht, die aber da sind. Es ist für das Team wichtig, sich wieder gegenseitig zu vertrauen. Wir haben die Pause genutzt, um den Reset-Button zu drücken. Wir haben am Teambuilding gearbeitet. Wir als Trainer haben aber keine Panik. Ja, es muss etwas passieren und wir arbeiten auch dran, aber hier läuten noch nicht die roten Alarmglocken. Wir haben Vertrauen in das Team und führen sie dahin, dass sie Vertrauen in sich selbst haben.

Vertrauen ist auch das Stichwort, wenn man auf die jungen Spieler zu sprechen kommt. Diese mussten in dieser Saison bereits sehr viel spielen. Weil sie eben die Ausfälle der Leistungsträger auffangen mussten und das auch so gut wie möglich taten. Jetzt aber sind wichtige Leistungsträger wieder zurück und die Youngsters spielen wieder vermehrt in Weißwasser. Was gerade für ihre Entwicklung sehr wichtig ist, wie Co-Trainer Craig Streu sagte:

Wir haben viele junge Spieler, die auch in Weißwasser spielen, was für sie auch sehr wichtig für ihre Entwicklung ist. Sie können uns jetzt vielleicht sofort helfen für einen Wechsel, aber wir wollen, dass sie uns langfristig in der Zukunft helfen. Es ist ein Prozess bei den jungen Spielern. Aber wir haben das Vertrauen in sie. Wir haben überhaupt keine Angst, sie auf das Eis zu schicken. Wir schauen viel mehr Video mit denen, aber sie können sich nur verbessern, wenn sie ein paar Fehler machen. Die alten Spieler machen auch Fehler. Aber die jungen Spieler müssen einfach Fehler machen, um daraus zu lernen.

Ein Youngster, der nach den ersten DEL-Spielen aufgrund der Personalprobleme wieder zurück nach Weißwasser musste, ist Eric Hördler. Auf den Sohn von Kapitän Frank Hördler hält man in Berlin aber große Stücke, weshalb er eben vorerst in Weißwasser Spielpraxis sammeln soll. Craig Streu hatte diesbezüglich eine sehr interessante Erklärung parat, warum das so ist:

Manche Spieler werden ausgebildet, um in Zukunft in den ersten drei Reihen zu spielen. Manche sind ausgebildet, um in der vierten Reihe zu spielen. Und deswegen sind viele junge Spieler in Weißwasser. Ein Eric Hördler zum Beispiel. Er ein Top-Talent für die Zukunft, er ist kein „Vierte-Reihe-Spieler“. Er hilft uns hier nicht viel, wenn er in der vierten Reihe spielt. In zwei, drei Jahren spielt er hoffentlich in den Top-3-Reihen bei uns. Für ihn ist es daher viel besser, diese Erfahrung jetzt in Weißwasser zu sammeln. Und dann kann er uns im nächsten oder übernächsten Jahr weiterhelfen.

Die Eisbären haben ihre Visionen mit den jungen Spielern. Und da reden wir nicht nur von den Feldspielern, nein, wir reden da auch von den jungen Torhütern Tobias Ancicka und Juho Markkanen. Viele Experten, aber auch viele Eisbären-Fans, haben dieses Vorhaben vor Saisonbeginn sehr skeptisch gesehen. Die aktuelle Platzierung machen daher viele Fans auch an den beiden Goalies fest. Doch das sehen weder Serge Aubin noch Craig Streu so. Aubin sagte daher auch nochmal, dass man aktuell nach keinem Torhüter sucht:

Wir suchen nicht nach einem Torhüter. Wir glauben an Tobias Ancicka. Es ist schlicht der Job des Teams, vor ihm besser zu spielen. Tobi ist ein guter Torhüter und das Team ist in der Pflicht. Es gibt aktuell auch keine deutschen Torhüter auf dem Markt, die besser sind als Tobi.

Und Craig Streu ergänzte auch noch, dass man jetzt für die Zukunft investiert mit diesem jungen Torhüter-Duo. Gleichwohl ging er auch noch auf die Frage ein, ob man für Juho Markkanen einen Importspieler auf die Tribüne setzen würde:

Wir bleiben bei unserem Plan. Wir investieren für die Zukunft, besonders für Tobi. Er muss jetzt lernen, wie eine Nummer eins lebt. Er muss lernen, mit Druck umzugehen. In ein, zwei Jahren werden wir genau davon profitieren. Markkanen kämpft auch. Er ist ein guter Torwart. Wir vertrauen ihm und wenn er spielt und wir müssen dadurch einen Ausländer auf die Tribüne schicken, dann machen wir das. Wenn wir denken, das macht unsere Mannschaft für diesen Tag besser, dann machen wir das.

Die Gründe für den Fehlstart der Eisbären Berlin wurden nun also beleuchtet. Nach der Länderspielpause wollen die Hauptstädter die Aufholjagd starten. Was ist für den DEL-Rekordmeister in dieser Saison noch drin. Diese Frage beantwortete natürlich der Trainer selbst:

Ich gehe davon aus, dass wir nicht schlechter als Platz sechs abschneiden werden. Es ist aber auch noch ein langer Weg bis zu den Playoffs. Aber ich bin mir sicher, dass wir die Playoffs erreichen werden. Mir ist es aber lieber, dass wir Sechster oder Siebter werden und volle Kapelle haben, als dass wir Zweiter oder Dritter werden und uns acht Spieler fehlen. Weil wenn wir volle Kapelle haben, haben wir in den Playoffs ganz andere Möglichkeiten als wenn uns die Hälfte der Leistungsträger fehlt. Insofern ist für mich die Platzierung aktuell nicht wichtig solange es am Ende ein Playoff-Platz ist. Und dann ist auch die Meisterschaft durchaus möglich.

Ein Saisonziel haben die Berliner bereits verpasst. Und zwar die KO-Runde in der Champions Hockey League (CHL). Immer wieder gibt es Kritik aus dem Fanlager der Eisbären, man würde diesen Wettbewerb nicht ernst nehmen. Doch das verneinte Serge Aubin und fügte zudem gleich an, warum es in diesem Jahr nicht mit dem Achtelfinale klappen konnte:

Die CHL ist für uns sehr wichtig. Aber nicht auf Kosten der Spieler, auch nicht der jungen Spieler. Auch nicht auf Kosten von weiteren verletzten Spielern. Wir gehen die Spiele so an, dass wir sie gewinnen wollen. Aber wir hatten neun verletzte Spieler zu Beginn der CHL. Was dazu geführt hat, dass wir zwei Drittel super gespielt haben und im letzten Drittel eingebrochen sind, weil einfach die Kraft gefehlt hat. Ich würde gerne immer CHL spielen, aber nicht um jeden Preis.

Fehlt noch eine Info, die sicherlich viele Fans interessiert: Was ist eigentlich mit Verteidiger Brendan Guhle? Da gibt es eine kleine Hoffnung, wie Serge Aubin sagte:

Er trainiert mit und es sieht langsam immer besser aus. Aber genaueres kann ich da noch nicht sagen, wann er zurückkommt. Wir schauen von Woche zu Woche.

Foto: eisbaerlin.de/walker

Eisbären Berlin: Sorgt der zweitbeste Angriff der vergangenen Saison erneut für viel Torgefahr?

Seit gestern läuft die neue PENNY-DEL-Saison. Heute Abend geht der 1. Spieltag weiter. Und am Sonntagnachmittag greift dann auch der amtierende Deutsche Meister in den Spielbetrieb ein. Das Ziel nach zwei Meisterschaften in Folge ist klar: Man will auch in dieser Saison wieder um den Titel mitspielen und dann den Titel-Hattrick perfekt machen. Dieses Ziel gehen die Hauptstädter mit einem stark veränderten Team an. Satte zwölf Spieler haben den Verein verlassen, ebenso viele Spieler sind aber auch neu dazu gestoßen. In unserem letzten Teil des Kader-Checks sind wir heute in der Offensive angekommen, welche wir einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Mit 194 Toren stellte das Team von Head Coach Serge Aubin den zweitbesten Angriff in der vergangenen Hauptrunde. Nur Finalgegner München erzielte zwei Tore mehr als Berlin. 173 Tore davon erzielte die Berliner Angreifer. 44 dieser 173 Tore erzielten sechs Stürmer, welche in der kommenden Spielzeit nicht mehr in der Hauptstadt spielen werden. Zwei dieser sechs Abgänge trafen zweistellig und hinterlassen in Berlin doch große Lücken.
Zum einen wäre da natürlich Blaine Byron zu nennen, welcher in der Hauptrunde auf 18 Tore und 24 Vorlagen kam. Seine 42 Scorerpunkte in nur 43 Spielen beweisen, wie wichtig er für die Eisbären war. In den Playoffs steigerte sich Byron nochmal deutlich und avancierte mit 14 Scorerpunkten (5 Tore/9 Assists) zum Playoff-Top-Scorer der Eisbären. Sein Abgang schmerzt die Eisbären besonders, doch die Verlockung in Schweden zu spielen, war dann für Byron doch größer, als mit Berlin erneut um die Meisterschaft zu spielen.
Er kam während der Hauptrunde, spielte sich sofort in die Herzen der Fans und hatte am Ende ebenso einen großen Anteil am Gewinn der Meisterschaft. Die Rede ist von Frans Nielsen, welcher seine Karriere beendet hat. In der Hauptrunde traf der Däne in 33 Spielen zwölfmal und bereitete zudem 15 weitere Treffer vor. In den Playoffs folgten nochmal sieben Scorerpunkte (4/3). Auch sein Abgang trifft die Eisbären hart.
Die restlichen vier Abgänge im Sturm hatten natürlich auch ihren Anteil an der Meisterschaft, doch schmerzt der Verlust der vier Spieler nicht so sehr wie der von Byron und Nielsen. Mark Zengerle kam in der Hauptrunde auf 18 Scorerpunkte (6/12). In den Playoffs kam er nur noch viermal zum Einsatz, wo er keinen Punkt verbuchte. Ihn wird man in der Liga weiterhin sehen, wechselte Zengerle doch nach Straubing.
Ebenso ein Wiedersehen geben wird es mit Sebastian Streu und Dominik Bokk. Streu kam in der Hauptrunde auf sieben (4/3) und in den Playoffs auf zwei Scorerpunkte (0/2). Ihn zog es nach Iserlohn an den Seilersee. Der während der Hauptrunde nachverpflichtete Bokk kam auf elf Scorerpunkte (3/8) in 14 Hauptrundenspielen. Drei Scorerpunkte (2/1) legte er in den Playoffs nochmal nach. Er wechselte zum Aufsteiger und DEL-Rückkehrer Frankfurt.
Der letzte Abgang ist Johan Södergran, welcher ebenso während der Saison nachverpflichtet wurde. In der Hauptrunde kam er in sieben Spielen auf vier Scorerpunkte (1/3). In fünf Playoff-Spielen legte er noch ein Tor und eine Vorlage nach. Ihn zog es wie Byron nach Schweden.

Über wie viele Tore werden sich die Spieler der Eisbären Berlin in dieser Saison freuen können? (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Den sechs Abgängen im Sturm stehen sieben Neuzugänge gegenüber. Die Neuzugänge sind ein Mix aus erfahrenen und jungen, talentierten Spielern. Mit Frank Mauer kommt ein Spieler zu den Eisbären, der weiß, wie man Deutscher Meister wird. Er wurde viermal in Folge Deutscher Meister – einmal mit Mannheim, dreimal mit München. In der vergangenen Saison brachte Mauer es in 43 Hauptrundenspielen auf 17 Scorerpunkte (5/12). Drei Vorlagen folgten dann noch in elf Playoff-Spielen. Mit ihm bekommen die Berliner enorm viel Erfahrung, die vor allem für die vielen jungen und talentierten Spieler im Kader der Eisbären von Vorteil sein kann.
Peter Regin ist der zweite erfahrene Neuzugang der Hauptstädter. Der Däne kam aus der Schweiz von Ambri-Piotta nach Berlin, wo er in der vergangenen Saison 23 Scorerpunkte (3/20) in 41 Spielen kam. Regin bringt die Erfahrung von 254 NHL-Spielen (Chicago, New York Islanders, Ottawa), zehn WM- und einer Olympia-Teilnahme mit. Er soll sozusagen die Lücke füllen, die Frans Nielsen hinterlassen hat.
Zwei junge und vor allem sehr talentierte Spieler konnten die Eisbären von direkten Konkurrenten verpflichten. Da wäre zum einen Marcel Barinka, welcher aus Köln nach Berlin kam. Mit 23 Scorerpunkten (11/12) in 48 Spielen war er der achtbester Scorer der Haie in der Hauptrunde. In der Hauptstadt will Barinka nun den nächsten Schritt in seiner Karriere machen.
Den will auch Jan Nijenhuis machen, welcher aus Wolfsburg nach Berlin gewechselt ist. Mit sechs Scorerpunkten (2/4) in 46 Hauptrundenspielen weist er dabei natürlich nicht die Statistiken eines Marcel Barinkas auf. Dennoch kann man sich in Berlin auf Nijenhuis freuen, das haben seine bisherigen Auftritte in der CHL durchaus gezeigt. Er ist schnell unterwegs und hatte dabei auch viel Zug zum Tor.
Die restlichen drei Neuzugänge sind aus der Kategorie Youngsters. Von den Eisbären Juniors sind Eric Hördler und Kevin Handschuh hoch zu den Profis gezogen worden. Hördler, der Sohn von Eisbären-Kapitän Frank Hördler, sammelte dabei in 35 DNL-Spielen 31 Scorerpunkte (15/16). Handschuh kam in 33 DNL-Spielen sogar auf 40 Scorerpunkte (17/23).
Maximilian Heim kam von den Jungadlern Mannheim in die Hauptstadt. Für die Jungadler kam er in elf DNL-Spielen auf fünf Scorerpunkte (2/3).
Alle drei Youngsters sollen behutsam aufgebaut und an das Profi-Niveau herangeführt werden. Sie werden sicherlich vermehrt Eiszeit beim Kooperationspartner Weißwasser erhalten. Aber wenn in die Berlin Personalnot bestehen sollte, wird sich Serge Aubin nicht davor scheuen, die jungen Spieler ins Line-up zu werfen.

Zu den sieben Neuzugängen gesellen sich noch zehn Stürmer, welche bereits in der vergangenen Saison für die Eisbären auf Torejagd gingen. Sieben der zehn Spieler trafen dabei zweistellig. Matt White (32/41) und Marcel Noebels (21/45) waren dabei die mit Abstand besten Scorer der Berliner.
Leo Pföderl (22/30), Kevin Clark (15/24), Zach Boychuk (22/12), Giovanni Fiore (19/15) und Yannick Veilleux 13/20) scorten ebenso regelmäßig. Leider fehlen Pföderl und Veilleux aktuell verletzungsbedingt. Wann sie zurückkehren werden, steht noch in den Sternen.
Einer, der sich im Verlaufe der letzten Saison immer mehr gesteigert hat, war Manuel Wiederer. Er hat in Berlin zurück zu alter Stärke gefunden und kam am Ende auf insgesamt 17 Scorerpunkte (9/8) inklusive Playoffs.
Bennet Roßmy (2/2) und Marco Baßler (1/3) kamen auf je vier Scorerpunkte. Wobei hier das Hauptaugenmerk klar auf Roßmy liegen dürfte, dem man eine ähnliche Karriere wie Lukas Reichel zutraut. Bei der U20-WM machte er erst kürzlich auf sich aufmerksam und aktuell weilt er beim Camp der Los Angeles Kings. Es würde nicht verwundern, sollte es Roßmys letzte Saison in Berlin sein, bevor er Reichel und Kai Wissmann in die NHL folgt.

Die Eisbären Berlin verfügen auf dem Papier wieder über eine sehr tief besetzte Offensive. Diese besteht aus einem Mix von erfahrenen und jungen, talentierten Spielern. Viel wird davon abhängen, ob Peter Regin und Frank Mauer die schmerzhaften Abgänge von Blaine Byron und Frans Nielsen auffangen können. Denn diese beiden Spieler werden der Offensive der Eisbären doch deutlich fehlen.
Mit Marcel Barinka und Jan Nijenhuis hat man zwei hoffnungsvolle Talente unter Vertrag genommen. Ihnen kann man durchaus zutrauen, zweistellig zu scoren. Barinka hatte das bereits in Köln getan.
Scoren Matt White, Marcel Noebels, Zach Boychuk und Co. auch in der neuen Saison wieder so zuverlässig, kann es für die Eisbären erneut eine torreiche Saison werden. In der letzten Saison war vor allem die Unberechenbarkeit der große Faustpfand der Hauptstädter. Denn es ging von allen vier Reihen Gefahr aus. Das ist auch in dieser Saison wieder möglich.
Allerdings hängt es natürlich auch davon ab, was mit Leo Pföderl und Yannick Veilleux passiert. Beide fehlen aktuell verletzungsbedingt und lt. Sportdirektor Stéphane Richer wird bei beiden Spielern von Woche zu Woche entschieden. Wann die beiden Leistungsträger also wieder auf Torejagd gehen können, ist derzeit noch unklar. Fakt ist, dass den Eisbären dadurch zwei enorm wichtige und gefährliche Angreifer fehlen werden.
Dass es aber auch ohne sie zu Toren reichen kann, hat die Vorbereitung gezeigt, wo die Eisbären bereits schon wieder schwer auszurechnen waren. Zach Boychuk war mit fünf Toren der Top-Torjäger in der Vorbereitung inklusive CHL. Matt White und Marcel Noebels folgten mit je drei Toren. Es scheint also fast so, als ob die da gebliebenen Stürmer nichts von ihrer Torgefahr eingebüßt haben.
Nun liegt es am Trainerteam um Serge Aubin, aus den 17 Stürmern eine torgefährliche Offensive zu formen. Wenn ihm das gelingt und Leo Pföderl und Yannick Veilleux schnellstmöglich zurückkehren, dann dürfte die Berliner Offensive wieder für Angst und Schrecken sorgen.

Die Eisbären Berlin vor dem Saisonstart: Die Meisterschaft als Ziel – Pföderl, Veilleux und Guhle weiterhin verletzt

v.l.: Serge Aubin, Stéphane Richer, Georg Friedrichs, Thomas Bothstede, Frank Hördler (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Heute Mittag fand in der Verti Music Hall die alljährliche Saisoneröffnungspressekonferenz der Eisbären Berlin zusammen mit Hauptsponsor GASAG statt. Dort wurde noch einmal zurückgeblickt auf die erfolgreiche letzte Saison und natürlich ein Ausblick auf die neue Saison und die Ziele in der Spielzeit geworfen. Die GASAG und die Eisbären gehen dabei in das 26. gemeinsame Jahr. GASAG-Vorstandsvorsitzender Georg Friedrichs, welcher selbst erst seit anderthalb Jahren im Amt ist, freut sich, Sponsor der Eisbären zu sein:

Es ist eine große Freude für uns Sponsor der Eisbären zu sein. Wir sind im 26. Jahr der Zusammenarbeit mit dem Eisbären-Team. Das ist wahrscheinlich ein Unikum in der deutschen Sport-Landschaft, dass man so lange so gut zusammenarbeitet und auch kein Ende sieht.

Die Eisbären ohne die GASAG kann man sich auch gar nicht vorstellen. Von daher gut zu wissen, dass ein Ende der Zusammenarbeit nicht in Sicht ist. Auch während der vergangenen beiden schweren Spielzeiten aufgrund der Corona-Pandemie ist die GASAG immer an der Seite der Eisbären geblieben und war ein verlässlicher Sponsor.

Ebenso den Eisbären die Treue gehalten haben die Fans, für die die letzten beiden Jahre auch alles andere als einfach waren. Eisbären-Geschäftsführer Thomas Bothstede konnte heute auch stolz die Zahl der verkauften Dauerkarten verkünden:

Wir sind wieder bei 5.000 verkauften Dauerkarten. Und das ist unfassbar. Das ist bemerkenswert. Das ist sensationell. Ich möchte mich bei unseren Fans für Ihre Treue und Loyalität bedanken.

Zum einen wird es sicherlich damit zusammenhängen, dass sich mehr denn je alle Fans nach Eishockey sehen. Denn die Auslastung der Arenen schwankte ja in den letzten beiden Jahren doch enorm. Vom Corona-Jahr in der vorletzten Saison ohne Zuschauer über halbvolle Arenen oder Spiele vor nur 2.500 Zuschauern bis hin zu 14.200 in den Playoffs der vergangenen Spielzeit war alles dabei. Die Fans sind einfach nur froh, ihre Eisbären wieder live spielen sehen zu können.
Und dass die Hauptstädter in den vergangenen zwei Spielzeiten am Ende jeweils die Meisterschaft gewannen, tut dann ihr übriges. Werden die Fans denn auch in der kommenden Saison wieder die Meisterschaft bejubeln können, Stéphane Richer?

Die Eisbären haben immer das Ziel, die Meisterschaft zu gewinnen. Wir erwarten eine spannende Saison. Die anderen Mannschaften haben sich gut verstärkt. Die PENNY DEL ist immer ganz eng und ausgeglichen. Wir freuen uns auf die neue Saison, aber wir erwarten eine enge Saison.

Der Sportdirektor gibt also die Meisterschaft als erneutes Ziel aus. Herr Friedrichs von der GASAG hatte selbiges in seiner Eröffnungsrede „gefordert„, aber wie sieht es der Verantwortliche an der Bande? Haben die Eisbären wieder eine Mannschaft zusammen, welche um die Meisterschaft mitspielen kann, Serge Aubin?

Ich bin davon überzeugt, dass wir das Zeug haben, erneut die Meisterschaft zu gewinnen. Die Mannschaft besteht aus einem guten Mix aus jungen und erfahrenen Spielern. Natürlich haben wir drei sehr junge Torhüter, aber es sind drei sehr gute Torhüter. Ich bin von ihnen absolut überzeugt. Tobias Ancicka ist in den letzten beiden Jahren zweimal mit uns Meister geworden. Das ist eine Erfahrung, die man ihm nicht nehmen kann. In der Defensive schmerzt natürlich der Abgang von Kai Wissmann, aber er wurde sehr gut ersetzt. Wir haben eine starke und große Verteidigung. Im Sturm sind wir auch sehr gut aufgestellt. Wir werden eine gute Mannschaft auf das Eis schicken.

Dass diese Mannschaft einen sehr großen Umbruch hinter sich hat, ist hinlänglich bekannt. Für die Fans und auch die Experten ist dabei die Torhüter-Position die spannendste Personalie in Berlin. Aubin hatte es ja in seiner Saison-Prognose schon angesprochen, dass er viel von den jungen Goalies hält. Gibt es aber für ihn auch eine klare Nummer eins nach dem doch sehr schmerzhaften Weggang von Mathias Niederberger, welcher die unumstrittene Nummer eins war?

Es gibt keine klare Nummer eins. Es ist einfach ein gesunder Wettbewerb zwischen allen drei Torhütern. Der Wettbewerb pusht die Jungs auch, um besser zu werden. Ich glaube an alle drei Torhüter. Wer gut spielt, spielt am Ende.

Dass Nikita Quapp dabei eher der Goalie sein wird, welcher vermehrt in der DEL2 bei Kooperationspartner Lausitzer Füchse Eiszeit erhält, dürfte allen klar sein. Demnach werden Tobias Ancicka und Juho Markkanen um den Platz im Tor „streiten„. Serge Aubin sieht beide bereit für den nächsten Schritt:

Beide Jungs sind bereit für den nächsten Schritt. Tobi ist für mich auch kein junger Torhüter mehr, allen voran wegen der letzten beiden Jahre, wo er die Meisterschaft mit uns gewonnen hat. Er hat einen sehr großen Schritt gemacht. Die Situation bei den Eisbären ist für beide eine sehr große Möglichkeit.

Für die Eisbären beginnt die Saison am Sonntag mit einem Auswärtsspiel in Nürnberg. Davor hat man bereits vier CHL-Spiele absolviert, von denen man zwei gewann und zwei verlor. Eisbären-Kapitän Frank Hördler ist froh, dass die Saison jetzt endlich beginnt und fasste auch gleich noch mal die CHL-Spiele zusammen:

Wir sind froh, dass es wieder losgeht. Wir haben eine ziemlich harte Vorbereitung hinter uns. Serge Aubin hat uns in eine Top-Form gebracht. Jetzt geht es endlich um Punkte für uns. Wir haben in der Champions League schon gezeigt, dass wir bereit sind. Wir haben sehr gute Spiele gespielt. Wir sind als Mannschaft sehr gut zusammen gewachsen.

Wir haben in Grenoble einen sehr guten Start hingelegt. Wir haben dann ein bisschen gedacht, dass es einfacher läuft in Göteborg und da haben wir schnell feststellen müssen, wenn wir die Kleinigkeiten nicht richtig machen und nicht jedes Mal hundert Prozent geben, dass wir dann schnell unter die Räder kommen. Wir haben dann ein gutes Zeichen gezeigt, dass wir dagegen steuern können und das Zeug dazu hatten, zwei sehr gute Spiele zu machen.

Die große Frage vor dem Saisonstart ist natürlich diese, welche Spieler überhaupt zur Verfügung stehen. Denn bei den Eisbären gab es da ja doch noch das ein oder andere Fragezeichen. Sportdirektor Stéphane Richer klärte auf und gab ein aktuelles Personal-Update:

Frank Mauer hat sich im Spiel gegen Frölunda eine kleine Verletzung zugezogen. Wir entscheiden bei ihm von Tag zu Tag. Es ist keine große Verletzung und er war heute kurz auf dem Eis. Definitiv nicht spielen werden am Sonntag Leo Pföderl, Yannick Veilleux und Brendan Guhle. Bei allen drei Spielern schauen wir eher von Woche zu Woche. Sie sind auf dem richtigen Weg. Wir hoffen, dass sie bald wieder spielen. Deswegen werden wir Veilleux und Guhle vorerst nicht lizenzieren. Das werden wir erst tun, wenn sie wieder einsatzbereit sind.

Durch die derzeitige Nicht-Lizenzierung von Veilleux und Guhle hätten die Eisbären also demnach noch drei freie Importstellen, doch Richer meinte direkt danach, dass man davon ausgeht, dass beide diese Saison noch spielen werden und man sie eben dann auch wie bereits erwähnt noch lizenzieren wird.

Es ist also alles angerichtet für die neue Saison, welche mit dem Auswärtsspiel im Frankenland beginnt. In Nürnberg haben sich die Eisbären in den letzten Jahren doch das ein oder andere Mal schwer getan. Was erwartet Trainer Serge Aubin vom Saisonauftakt bei den Ice Tigers?

Ich erwarte ein hartes Spiel. Es ist das erste Saisonspiel, da ist man immer ein bisschen gespannt, was einen erwartet. Dazu kommt noch, dass es ein Auswärtsspiel ist. Aber die Mannschaft ist vorbereitet, wir haben gut trainiert und werden bereit sein, mindestens 60 Minuten alles zu geben und zu kämpfen. Wir fahren nach Nürnberg, um diese Partie zu gewinnen.

Einer, der am Sonntag sicherlich noch nicht sein DEL-Debüt für die Eisbären feiern wird, ist Eric Hördler. Der Sohn von Kapitän Frank Hördler wird vermehrt in Weißwasser eingesetzt werden. Dennoch hofft Papa Hördler, welcher übrigens unheimlich stolz auf Eric ist, auf ein paar mehr Spiele zusammen mit seinem Sohn in der DEL:

Es bedeutet mir wahnsinnig viel. Ich freue mich sehr für ihn, dass er die Chance bekommt, oben mitzuspielen. Ich freue mich auch, dass er denselben Weg gegangen ist wie ich. Es macht mich unheimlich stolz. Ich hoffe, dass es mehr als nur ein paar Spiele sein werden, die wir zusammen spielen können. Das wird auf jeden Fall ein Highlight.

Die Eisbären Berlin vor dem CHL-Auftakt: „Die Schonfrist ist vorbei“

Die Vorbereitung ist Geschichte, die Champions Hockey League (CHL) steht vor der Tür. Morgen Abend starten die Eisbären Berlin in Grenoble in die CHL-Gruppenphase. Zwei Tage später ist man dann bei CHL-Rekordsieger Frölunda HC in Göteborg zu Gast. Mit einem guten Gefühl werden die Hauptstädter nach der Vorbereitung aber nicht in die beiden Spiele gehen. Fünf Testspiele absolvierte der neunmalige DEL-Meister in Vorbereitung auf die neue Saison in der PENNY DEL und eben der CHL – nur das erste davon konnte man siegreich gestalten. Danach folgten vier Niederlagen in Folge, wobei da nur die letzte besonders herausstach, als man mit 1:6 bei Ambri verlor. Die restlichen drei Spiele waren doch vom Ergebnis her eher etwas knapper. Dennoch konnte man sich kein Selbstvertrauen holen. Trainer Serge Aubin wurde daher vor dem CHL-Auftakt gefragt, ob die beiden Spiele genau zum richtigen Zeitpunkt kommen, um wieder auf die Siegerstraße zurückzukehren:

Ja, ich denke schon. Jetzt ist es Zeit für Tore. Natürlich wird dieses Turnier auf einem hohen Niveau stattfinden. Wir werden gegen Mannschaften spielen, die Meister oder in ihren jeweiligen Ligen weit oben in der Tabelle stehen, die viel Qualität haben. Für uns ist es also an der Zeit, Gas zu geben, uns zu messen und zu verstehen, dass ab jetzt jedes einzelne Spiel zählt. 

Die Eisbären und die CHL, bisher ist es keine wirkliche Erfolgsgeschichte. Über das Achtelfinale kamen die Berliner noch nie heraus und den Start letztes Jahr verpatzte man direkt mit vier Niederlagen in vier Spielen. Das wollen die Berliner in diesem Jahr unbedingt verhindern und direkt mit einem Sieg in die CHL starten. Verteidiger Morgan Ellis freut sich jedenfalls auf die Herausforderung und glaubt auch daran, dass ein Sieg zum Start möglich ist:

Ja, wir haben bisher ein paar tolle Spiele gegen ein paar gute Mannschaften gespielt. Und jetzt in der Champions Hockey League treffen natürlich die besten Teams ihrer jeweiligen Ligen aufeinander. Also werden wir uns auf jeden Fall steigern und bereit dafür sein zu spielen. Wir haben eine großartige Truppe, wir glauben aneinander. Es wird toll sein, da rauszugehen, zu gewinnen, mit einem Sieg anzufangen und von da aus immer weiter zu machen. 

Eine Steigerung nach der Vorbereitung ist definitiv notwendig. Fünf Spiele, nur ein Sieg, 8:17-Tore. Hinten anfällig, vorne stockt der Offensiv-Motor noch. Die acht Tore erzielten acht verschiedene Spieler. Kein Spieler, der sich da also bisher in den Vordergrund spielen konnte. Geht man rein nach den Statistiken, dann waren vier Spieler mit je zwei Scorerpunkten die besten der Vorbereitung. Manuel Wiederer (1 Tor/1 Assist) und Giovanni Fiore (1/1) kennt man dabei noch aus der vergangenen Saison. Mit Frank Mauer (1/1) und Brendan Guhle (0/2) gesellen sich aber auch zwei Neuzugänge dazu, was Hoffnung macht. Mauer nahm auch kein Blatt vor den Mund und meinte vor dem CHL-Auftakt, dass die „Schonfrist“ nun vorbei sei:

Wir müssen einen Zahn zulegen, ich denke die Schonfrist ist vorbei. Wir hatten jetzt Zeit zu testen, was zu versuchen, uns zu finden. Jetzt zählt es nur, die Spiele zu gewinnen und dafür müssen wir natürlich das Level der Intensität noch ein bisschen anheben. 

Die erste Chance dazu besteht bereits morgen Abend in Grenoble. Sicherlich der Gegner aus der Eisbären-Gruppe, den man als sogenannten Underdog bezeichnet. Dennoch warnt Mauer vor den Franzosen:

Die Franzosen sind ein Underdog, aber in der CHL spielen nur gute Mannschaften, deswegen dürfen wir sie nicht unterschätzen. Wir müssen gut ins Spiel kommen, Dampf geben und dann ist es auch eine lösbare Aufgabe.

Auch Trainer Serge Aubin nimmt Grenoble nicht auf die leichte Schulter und warnt vor ihnen:

Es wird schwer werden. Sie haben in diesem Jahr schon viele Testspiele bestritten. Auch gegen eine Schweizer Spitzenmannschaft, und die haben sie geschlagen. Außerdem haben sie für die Champions Hockey League zusätzliche Spieler aus Lausanne in der Schweiz geholt. Es ist also ein komplettierter Hockeyclub. Eine ganz schöne Maschine, gegen die wir da antreten. Hier hat also niemand einen Vorteil. Wir müssen wirklich sicherstellen, dass wir unser Bestes geben. Wenn wir das tun, haben wir eine Chance. Wenn wir das nicht tun, könnte es ein langer Abend werden.

Hinzu kommt, dass Grenoble in Frankreich Meister geworden ist. Unterschätzten sollte man die Franzosen also definitiv nicht, wenn gleich die Eisbären natürlich rein vom Papier her der Favorit in diesem Spiel sind. Und trotzdem verfügt Grenoble über einige gute Spieler, wie Morgan Ellis verriet:

Es gibt eine Menge Spieler, gegen die ich in der Vergangenheit schon mal gespielt habe. Sie haben einige großartige Spieler. Es wird also definitiv kein einfaches Spiel werden. Sie haben ein tolles Team. Wir müssen also bereit sein zu spielen.

Nur zwei Tage später geht die Auswärtstour der Berliner bereits weiter. Dann ist man in Schweden bei Frölunda HC in Göteborg zu Gast. Der Rekordsieger der CHL wird eine ganz harte Nuss werden für die Eisbären. Wenn du da keine 100 Prozent gibst, kann das ein böses Erwachen geben, meint Frank Mauer. Und Serge Aubin schlägt in die selbe Kerbe, analysierte die Schweden aber noch einmal etwas genauer:

Bei Frölunda handelt es sich ja um den Verein, der in der Champions Hockey League unangefochten die meisten Punkte geholt hat. Sie sind also ein großartiger Hockeyclub. Da gibt es keine Zweifel. Aber das ändert für uns nun mal rein gar nichts. Wir müssen dafür sorgen, dass wir aufs Eis gehen, unsere Kämpfe gewinnen und konkurrenzfähig sind. Wenn wir das tun, haben wir eine Chance. Wenn wir das nicht tun, werden wir keine Chance haben. Unabhängig davon, gegen wen wir spielen, ob es sich um Grenoble oder Frölunda handelt: Wir werden vor große Herausforderungen gestellt und haben gleichzeitig die Möglichkeit zu sehen, wo wir stehen.

So sieht es aus. Nach den beiden Spielen bzw. vor allem nach dem Spiel am Samstag werden die Eisbären wissen, wo sie aktuell stehen. Die Vorbereitung war eher dürftig, jetzt aber geht es um wichtige Punkte im Kampf um eine gute Ausgangsposition in der Gruppe, um am Ende der Gruppenphase das Minimalziel Achtelfinale zu erreichen. Gewinnen die Eisbären, werden sie ordentlich Selbstvertrauen für die nächsten Wochen tanken. Verliert man jedoch weiter, dann wird sich das auch auf die Stimmung im Team auswirken. Nun heißt es also den Worten Taten folgen zu lassen. Denn wie sagte Frank Mauer doch so schön? „Die Schonfrist ist vorbei!“

Das Saisonziel? „Das letzte Spiel der Saison zu gewinnen!“

Am heutigen Montag war es so weit: Eisbären-Trainer Serge Aubin hatte die Mannschaft zum ersten offiziellen Eistraining gebeten. Und das unter den Augen der neugierigen Eisbären-Fans, die auch zahlreich erschienen waren. Natürlich wollten die Fans ihre alten Lieblinge auf dem Eis wiedersehen, aber natürlich auch ein erstes Auge auf die doch zahlreichen Neuzugänge werfen. Was die Spieler, welche man bereits aus der DEL kennt, können, weiß man ja aus den Ligaspielen gegeneinander. Von daher waren die Hauptaugenmerke vor allem auf die Neuzugänge gerichtet, welche man eben noch nicht aus der DEL kennt.

Der neue Goalie Juho Markkanen (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Und ich persönlich hatte mir vor allem mal Juho Markkanen angeschaut. Unseren neuen Goalie aus Finnland. Und der 20-jährige Goalie packte bereits beim Training schon die eine oder andere spektakuläre Parade aus, was ihm viel Applaus von den Rängen einbrachte. Er hat einen sehr aktiven Spielstil, geht dem Angreifer auch mal entgegen und versucht ihm die Scheibe mit der Torwartkelle von dessen Schläger zu schlagen. Am jungen Finnen könnten wir durchaus viel Freude haben, auch an seinem Torhüterstil, den man natürlich erst genauer beschreiben kann, wenn man die ersten Spiele gesehen hat. 

Von Düsseldorf nach Berlin gewechselt: Verteidiger Marco Nowak. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Einer, der auch neu in Berlin, aber nicht in der DEL ist, ist Verteidiger Marco Nowak, welcher von der DEG aus Düsseldorf zu den Eisbären wechselte. Der 32-jährige deutsche Nationalspieler kann zu einem absoluten Führungsspieler in der Berliner Defensive werden. Nowak stand nach dem Training zum Interview bereit und äußerte sich über das aktuelle Team, warum er nach Berlin gewechselt ist und warum er froh ist, die Eisbären-Fans nun hinter sich statt gegen sich zu haben:

Wir haben eine überragende Truppe, wo schon viele gute Sachen dabei sind. Es macht Riesenspaß hier zu sein. Wenn man die Chance bekommt, bei dem besten Club der Liga zu spielen und dann auch noch Berlin, dann sagt man nicht Nein. Es ist eine große Ehre für mich, dass ich hier sein darf. Es war immer unangenehm gegen Berlin zu spielen. Und jetzt mit den Fans im Rücken gegen die anderen Mannschaften zu spielen ist eine tolle Sache.

Beim ersten Training kam Nowak genau wie seine neuen Teamkollegen bereits ordentlich ins schwitzen. Es wurde wie immer das Passspiel und der Torabschluss trainiert. Zudem wurden Überzahlangriffe (2-auf-1 und 3-auf-2-Konter) und 3-gegen-3 sowie 4-gegen-4 trainiert. Das Tempo war bereits ordentlich hoch und was vor allem auffiel, dass die Defensive enorm hart verteidigte und es den Angreifern somit enorm schwer machte, zum Abschluss zu kommen. Zum Ende gab es wieder das obligatorische Penaltyschießen.

Will erneut das letzte Saisonspiel gewinnen: Marcel Noebels: (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Einer, für den das kein Neuland mehr ist – auch nicht der Trainingsauftakt vor so vielen Fans – ist Leistungsträger Marcel Noebels. Auch er stand nach dem Training zum Interview parat. Mit ihm wurde über sein Saisonziel und die Neuzugänge gesprochen:

Das Saisonziel ist das letzte Spiel der Saison zu gewinnen. Das ist ganz klar. Wenn man zweimal hintereinander gewinnt, dann ist es schwierig zu sagen, wir wollen die Playoffs erreichen. Wir wollen wieder bis zum letzten Spiel dabei sein. 

Ich glaube schon, dass wir uns gut verstärkt haben. Die Jungs sind ja jetzt keine Unbekannten. Den ein oder anderen kennt man aus der Liga, wo er sehr gut gespielt hat. Was auch Gründe dafür sind, dass die Jungs jetzt bei den Eisbären sind. Wir haben uns von der Erfahrung her nicht verschlechtert. Klar, es gibt auch ein paar Sachen wie unser Torhüter-Duo, was sehr jung ist, aber sie werden ihre Chancen kriegen, sich zu beweisen. Was nicht jeder Verein macht, glaube ich. Ein Verein, der oben mitspielen möchte oder Ambitionen hat, um die Meisterschaft mitzuspielen. Da muss man ja wirklich sagen, dass man viel Vertrauen in die Jungs steckt und was auch, wie ich finde, nach einer Zeit verdient ist. Ich wünsche den Jungs, dass sie es packen und auch schaffen. Wir werden gut aufgestellt sein. 

Noebels spricht das junge Torhütergespann an. Natürlich kann es ein Risiko sein, mit drei sehr jungen Goalies in die Saison zu gehen  (Juho Markkanen, Tobias Ancicka, Nikita Quapp). Aber die Verantwortlichen werden sich was dabei gedacht haben und die Tatsache, dass man eine Ausländerlizenz für einen jungen Goalie verwendet, vermittelt den Eindruck, dass man sich seiner Sache sehr sicher ist. Und finnische Goalies sind definitiv keine schlechte Wahl und Markkanen hat bereits heute angedeutet, was er zu Leisten im Stande ist. 

Head Coach Serge Aubin (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Über zehn neue Spieler haben die Eisbären verpflichtet. Diese muss man natürlich erst einmal ins Team einbauen und denen das System der Eisbären beibringen. Was bringen die Neuzugänge mit ins Team? Das wurde Trainer Serge Aubin heute nach dem Training gefragt:

Jeder ist unterschiedlich, aber wir haben ein paar Jungs mit ins Team gebracht, die große, gute Schlittschuhläufer sind, zudem Erfahrung haben, aber auch junge Spieler wie Guhle. Er ist noch nicht alt, hat aber Qualitätseishockey gespielt und ist ein absolut großartiger Schlittschuhläufer. Die neuen Jungs sind eine gute Ergänzung zu dem, was wir bereits hatten. Alle Neuen schlagen sich wirklich gut. Wir sind noch dabei, ein System zu etablieren und die Jungs werden dann sehen, wo sie reinpassen, aber bisher sind sie alle gut mit dabei. 

Als Aubin auf Marco Nowak angesprochen wurde, wurde er etwas ausführlicher:

Marco ist ein sehr solider Zwei-Wege-Verteidiger, der ab und zu Offensive ins Spiel bringen kann, aber auch sehr gut im defensiven Spiel ist. Er ist ein großer, rechts schießender Verteidiger und auch ein großartiger Leader. Er hat Führungsqualitäten in sich und ist eine wirklich solide Ergänzung für uns. 

Die Eisbären Berlin sind also zurück auf dem Eis. Die Neuzugänge machen, wie es Aubin bestätigt, einen sehr guten Eindruck. Nun liegt es am Trainerteam, die neuen Spieler schnellstmöglich und vor allem bestmöglich ins Team einzubauen und zu integrieren, damit man in der neuen Saison erneut um die Meisterschaft mitspielen kann. Dann wollen die Berliner den zehnten Titel anpeilen und die dritte Meisterschaft in Folge. Serge Aubin wurde nach dem Training darauf angesprochen, dass es schwerer ist, einen Titel zu verteidigen als ihn zu gewinnen. Welche besondere Herausforderung sieht er denn nun, wenn seine Jungs den Titel zum zweiten Mal verteidigen müssen?

Ich mag, wie bescheiden das Team ist. Wir haben die Fertigkeiten, aber wir arbeiten auch hart. Und wir werden das machen, was wir halt machen. Wenn wir so spielen, wie wir in der Lage sind und die Arbeit machen, die gemacht werden muss, dann geben wir uns selbst die Chance. Unser Ziel hat sich nicht geändert: Wir wollen das letzte Spiel gewinnen. Aber das ist schwer und das wissen wir. Wir sehen nichts als selbstverständlich an und bisher kann ich sagen, dass die Jungs in guter Form zurückgekommen sind. Sie hatten einen guten Sommer und das ist sehr positiv.

Das Ziel ist also klar: Die Eisbären Berlin wollen auch in der kommenden Saison den Pokal wieder in die Höhe strecken. Die Konkurrenz ist hart und hat sich enorm gut verstärkt. Aber die Eisbären werden sich wie in den letzten beiden Jahren nur auf sich und ihre Fähigkeiten konzentrieren. Alle ziehen an einem Strang, alle haben das selbe Ziel, alle sind heiß auf die dritte Meisterschaft in Folge. Ob es mit dem Vorhaben klappen wird, davon können wir uns ab Mitte September überzeugen, wenn es endlich wieder losgeht. 

Die Eisbären Berlin in der Saison 2021/2022: Vom letzten Platz am 1. Spieltag zur neunten Meisterschaft am Ende der Saison

Am 04. Mai 2022 endete die PENNY DEL-Saison 2021/2022 mit dem erneuten Gewinn der Deutschen Meisterschaft für die Eisbären Berlin. Geht man rein nach der Statistik, dann war das auch schon vor der Saison klar gewesen. Denn wenn der Hauptstadtclub Deutscher Meister wird, dann mindestens zweimal in Folge – 2005, 2006 – 2008,2009 – 2011, 2012, 2013 – 2021, 2022. Und wenn man diese Statistik weitergeht, dann steht also nächstes Jahr die zehnte Deutsche Meisterschaft an. Denn von 2011-2013 machten die Berliner sogar den Hattrick perfekt. Nächstes Jahr könnte man dieses Kunststück ein zweites Mal wiederholen. Doch bevor es in die neue Saison geht, steht uns erst einmal die Sommerpause bevor. Und bevor wir Euch in diese schicken, wollen wir natürlich noch einmal – wie Ihr es gewohnt seid – auf die vergangene Saison zurückblicken.

Die Eisbären sind als Titelverteidiger in die Spielzeit 2021/2022 gegangen und konnten für diese Saison das Gerüst des Meisterkaders nahezu zusammenhalten. Zwei Abgänge, die sicherlich schmerzten, war der von Ryan McKiernan in der Defensive und Lukas Reichel in der Offensive. Zwei Leistungsträger, welche einen enormen Anteil am Gewinn der achten Meisterschaft hatten, verließen die Berliner. McKiernan zog es nach Schweden (Rögle) und Reichel nach Übersee, wo die Chicago Blackhawks ihn gedraftet hatten.
Ein weiterer Abgang, der zumindest eine Lücke in die Offensive riss, war der von Kris Foucault nach Iserlohn. Die restlichen Abgänge (John Ramage, Thomas Reichel, Nino Kinder, Fabian Dietz, Mark Olver, Haakon Hänelt, PC Labrie) fielen nicht unbedingt ins Gewicht.
Denn allen Fans war klar, dass Sportdirektor Stéphane Richer schon für adäquaten Ersatz sorgen würde. Und so war es auch. In der Defensive zog er Morgan Ellis von Ligakonkurrent Ingolstadt und Nicholas B. Jensen von Düsseldorf an Land. In der Offensive wurden Manuel Wiederer (Deggendorf), Kevin Clark (Rapperswil), Yannick Veilleux (Laval Rocket), Bennet Roßmy (Lausitzer Füchse) und Blaine Byron (Ontario Reign) verpflichtet.

Damit hatte man einen guten Kader zusammen, um erneut die Deutsche Meisterschaft in Angriff zu nehmen. Die Eisbären wurden auch von den Experten als Titel-Kandidat genannt, schaute man aber rein auf das Personal, sah man vor Saisonbeginn die Adler Mannheim als am besten besetzt und somit Top-Favoriten auf den Gewinn der Meisterschaft. Das sollte sich jedoch mit den drei Nachverpflichtungen der Eisbären ändern. Durch die Transfers von Frans Nielsen, Dominik Bokk und Johan Södergran waren es auf einmal die Berliner, welche den am tiefsten besetzten Kader hatten und somit der Top-Favorit waren. Das lag aber natürlich auch am bisherigen Saisonverlauf, doch dazu später mehr.

Nichts zu holen gab es für die Eisbären Berlin in der diesjährigen CHL-Saison. (Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker)

Vor dem Start der PENNY DEL ging es für die Hauptstädter zunächst in der Champions Hockey League (CHL) zur Sache. Auch in die CHL-Saison war man mit hohen Erwartungen gestartet, welche man jedoch bereits nach vier Spielen enttäuscht begraben musste. Denn die ersten vier Spiele gingen allesamt verloren. Vor allem die Gegentorflut gab Anlass zur Sorge, denn man kassierte gegen Tampere sechs und fünf Gegentore, gegen Skelleftea waren es jeweils fünf Gegentore in beiden Spielen. Mit 21 Gegentoren aus vier Spielen ging die Generalprobe für den Ligastart also in die Hose.

Vor dem ersten DEL-Spiel wurde das Meisterbanner unter die Hallendecke gezogen. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Und zum Saisonauftakt folgte gegen den Erzrivalen München beim 1:4 zugleich die fünfte Pflichtspielniederlage in Folge. Diese konnten die Eisbären zwar mit zwei Auswärtssiegen in Iserlohn (7:4) und in Bremerhaven (4:0) beenden. Doch stand man auf einmal vor einem anderen großen Problem. Denn kaum waren die Fans wieder in die Arena am Ostbahnhof zurückgekehrt, taten sich die Berliner enorm schwer, einen Heimsieg einzufahren. Inklusive der beiden CHL-Spiele verloren die Eisbären sechs Heimspiele in Folge. Dagegen schien man auswärts als unbesiegbar, wurden doch die ersten sieben Auswärtsspiele der Saison gewonnen. Das sorgte schon für Kopfzerbrechen bei den Eisbären-Verantwortlichen, doch das Trainerteam um Serge Aubin behielt stets die Ruhe und wies immer wieder daraufhin, dass die Mannschaft sich in einem Prozess befindet und man noch auf der Suche nach der Normalform ist. Warum es auswärts besser klappte als daheim, dafür hatte er allerdings auch keine Erklärung, behielt aber auch hier weiterhin die Ruhe.

Heimsiege waren zu Saisonbeginn eine Rarität. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Und dann klappte es ja auch endlich mit Heimsiegen. Der 6:3-Erfolg gegen Lugano in der CHL machte den Anfang. In der DEL gewann man dann auch gegen Köln (6:3) und Ingolstadt (5:3). Nachdem man insgesamt sieben Pflichtspiele in Folge (DEL, CHL, Heim, Auswärts) gewann, wurde man von Schwenningen (1:3) auf eigenem Eis wieder ausgebremst.
Auswärts hatte es den Deutschen Meister dann auch erstmals erwischt. In Wolfsburg zog man beim 4:5 n.V. erstmals den Kürzeren auf fremden Eis. Beim 2:5 in Ingolstadt folgte die zweite Auswärtsniederlage in Folge und die erste nach regulärer Spielzeit. Bis zum Jahresende verlor man von den letzten fünf Auswärtsspielen aber nur noch eins – erneut in Wolfsburg (2:3 n.P.).
Zuhause feierte man in den restlichen elf Heimspielen bis zum Jahreswechsel acht Siege. Besonders eine Niederlage sorgte aber derweil für viel Gesprächsstoff – das 6:7 n.V. gegen Düsseldorf. Zum einen wegen der vielen Gegentore, zum anderen, weil man dieses Spiel trotz klarer Führung noch aus der Hand gegeben hatte.

Auswärts hatten die Eisbären-Fans diese Saison jede Menge Grund zum Jubeln. (Foto: Ela on Tour)

Doch inzwischen zeigte sich auch, dass mit den Eisbären dieses Jahr zu rechnen ist. Denn man kassierte nie mehr als zwei Niederlagen in Folge. Was eben an der enormen Auswärtsstärke der Berliner lag. Zudem punktete man zwischen den beiden Heimspielen gegen Nürnberg satte zwölf Spiele in Folge, gewann davon neun Spiele. Die Eisbären waren längst auf Platz eins der Tabelle angekommen. Den Platz sollte man auch nicht mehr abgeben.
Nach dem zweiten Heimspiel gegen Nürnberg gab es noch vier Spiele für die Eisbären bis zur Olympiapause zu absolvieren. Zwei davon gewann man (in Ingolstadt und in München), zwei davon verlor man (gegen München und in Mannheim). Mit der Niederlage gegen Nürnberg kassierte man erstmals drei Niederlagen in Serie. Als Erster ging man in die Länderspielpause. Aus dieser kam man mit fünf Siegen in Serie bestmöglich heraus. Dabei darf man aber nicht vergessen, das zwei dieser fünf Siege nach der Corona-Pause eingefahren wurden. Und zwar mit einem dezimierten Kader, was die Berliner aber nicht davon abhielt, mit 4:0 in Mannheim und 3:2 in Schwenningen zu gewinnen.

Bis zum Saisonende wechselten sich Licht und Schatten bei den Eisbären ab. Man hatte die Playoff-Teilnahme sicher, man war erneut für die CHL qualifiziert, man hatte das Heimrecht in der Tasche und am Ende auch den ersten Platz. Da ließ die Konzentration dann doch zu wünschen übrig. Zwei 2:1-Siege in Back-to-back-Spielen in München und Nürnberg folgten somit zum Ende der Hauptrunde zwei 3:6-Niederlagen gegen bzw. in Straubing. Aber das schärfte nur noch mehr die Sinne der Spieler und im letzten Hauptrundenspiel gegen Bietigheim fand man beim 5:1-Sieg zurück in die Erfolgsspur.

Als Erster gingen die Eisbären Berlin in die Playoffs und waren dort der Top-Favorit. Und doch gab es vor allem eine Baustelle, welche man die gesamte Saison über nicht in den Griff bekam, wenn gleich es zu Saisonende hin deutlich aufwärts ging. Das Powerplay, welches seit Jahren das Problemkind der Eisbären ist, war es auch in dieser Saison wieder. Mit einer Erfolgsquote von nur 18,02 Prozent war man in diesem Ranking nur auf Platz zwölf zu finden. Zu schlecht für eine Mannschaft, die das Ziel Meisterschaft hat.
Dafür stach bereits in der Hauptrunde das Penaltykilling hervor. Platz drei mit einer Erfolgsquote von 83,94 Prozent stand zu Buche. Zwischenzeitlich überstanden die Eisbären 32 Unterzahlspiele in Folge ohne Gegentor auf fremden Eis.

Kurzen Prozess machten die Eisbären Berlin im Viertelfinale mit den Kölner Haien. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Im Viertelfinale ging es zunächst gegen die Kölner Haie, welche sich in den Pre-Playoffs gegen Ingolstadt durchgesetzt hatten. Die Berliner galten als der klare Favorit und setzten sich letztendlich auch in drei Spielen souverän gegen die Domstädter durch. Einzig in Spiel eins konnte es Köln eng gestalten und verlor nur denkbar knapp mit 1:2. Bei einer besseren Chancenverwertung wäre für die Haie da einiges möglich gewesen. Die beiden anderen Ergebnisse fielen da schon deutlicher aus – 5:1 in Köln und 4:0 im entscheidenden dritten Spiel in Berlin.

Hart umkämpft ging es in der Halbfinalserie der Eisbären Berlin gegen die Adler Mannheim zur Sache. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Im Halbfinale kam es zum ewig jungen DEL-Klassiker Eisbären Berlin vs. Adler Mannheim. Ein brisantes Detail aus Mannheimer Sicht war sicher dieses, dass die Kurpfälzer seit 20 Jahren auf einen Playoff-Seriensieg gegen die Eisbären warteten.
Spiel eins begann aus Berliner Sicht sehr gut und man führte schnell mit 2:0. Doch die Adler gaben nicht auf und glichen aus. Auch die erneute Berliner Führung konterten die Mannheimer und zwangen die Eisbären so in Spiel eins in die Verlängerung. Die große Chance für die Adler also, das Heimrecht direkt zu klauen. Doch Manuel Wiederer hatte etwas dagegen und schoss die Berliner in der Verlängerung zum ersten Sieg. Wiederer sollte sich im Verlauf der Serie zum Adler-Schreck entwickeln.
Spiel zwei gewannen die Berliner klar mit 6:3 und alles war angerichtet für den Finaleinzug auf eigenem Eis. Doch Mannheim zog den Kopf nochmal aus der Schlinge und gewann Spiel drei in Berlin mit 5:3. Auch Spiel vier holten sich die Mannheimer (4:3) und erzwangen so den ultimativen Showdown in der Hauptstadt. Doch dort erwiesen sich die Eisbären als zu abgezockt und gewannen mit 3:0 und zogen verdient ins Finale ein. Aber die Kurpfälzer hatten den Eisbären in dieser Serie alles abverlangt.

Das Bild der Saison: Deutscher Meister 2022 Eisbären Berlin. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Die Eisbären trafen nach fünf hart umkämpften Spielen in nur neun Tagen im DEL-Finale auf Red Bull München, welche vor dem ersten Finalspiel vier Tage frei hatten. Die Eisbären hingegen mussten keine 24 Stunden nach dem fünften Halbfinalspiel das erste Finalspiel bestreiten. Es war das erste von möglichen drei Back-to-back-Spielen für die Berliner, sollte die Finalserie über die volle Distanz von fünf Spielen gehen.
Die Eisbären schockten München in Spiel eins und lagen nach 21 Minuten mit 3:0 vorne. Doch dann ließ die Konzentration nach und man machte entscheidende Fehler, welche München ausnutzte und das Heimrecht dank eines 4:3-Sieges klaute.
In Spiel zwei erwischte München den besseren Start und ging in Führung. Doch die schnelle Antwort durch Leo Pföderl nur 35 Sekunden später war enorm wichtig gewesen. Frans Nielsen brachte die Berliner zu Beginn des letzten Drittels erstmals in Führung. Diese verteidigte man enorm leidenschaftlich, doch zwei Minuten vor dem Ende glich München doch noch aus. Es folgte die Verlängerung und dort ging es für die Hauptstädter um alles. Eine Niederlage wäre gleichbedeutend mit dem Matchpuck für München gewesen. Diesen hätten sie dann nur einen Tag später in der Hauptstadt verwerten können. Doch Frans Nielsen schockte ganz München in der 84. Spielminute und sicherte den Eisbären den 3:2-Sieg in der zweiten Verlängerung und brachte somit das Heimrecht zurück nach Berlin.
Nur einen Tag später ging die Serie also in der Hauptstadt wieder von vorne los und die Eisbären hatten diesmal den besseren Start durch Zach Boychuk, was München aber schnell konterte. Am Ende war es Dominik Bokk vor der zweiten Drittelpause gewesen, welcher den 2:1-Sieg sicherte und Berlin den Matchpuck bescherte.
Zwei Tage später konnten die Eisbären ihre herausragende Saison krönen und taten dies mit einer absoluten Machtdemonstration. Mit 5:0 wurde München in eigener Halle im entscheidenden Finalspiel gedemütigt. Matt White schoss die Eisbären nach einem zuvor nicht gegebenen Tor für München auf die Siegerstraße. Er sollte noch zwei weitere Male treffen und so den Hattrick schnüren. Leo Pföderl und Frans Nielsen erzielten die anderen beiden Tore. Der Rest war Ekstase pur.

Die Eisbären Berlin haben allen Widrigkeiten in den Playoffs getrotzt. Nach fünf Spielen in neun Tagen gegen Mannheim folgten nochmal vier Spiele in nur sechs Tagen gegen München inklusive einer zweimaligen Verlängerung. Doch die Eisbären zogen das gnadenlos durch und holten irgendwo immer wieder Kraft-Reserven raus. Auch die Ausfälle von Yannick Veilleux, Zach Boychuk und Blaine Byron konnten sie nicht stoppen. Weil diese Mannschaft unglaublich zusammenhielt und Jeder für jeden kämpfte. Hinten verteidigte man mit unglaublich viel Leidenschaft und unterstützte somit den alles überragenden Mathias Niederberger im Tor. Und in der Offensive schoss man die Tore immer genau zur richtigen Zeit. Dieser unbändige Wille, dieser Charakter in der Mannschaft, diese Leidenschaft, das alles und noch viel mehr führte am Ende zur erfolgreichen Titelverteidigung.

Was aber auch ein Schlüssel zum Erfolg war, waren die Special Teams. Denn die Eisbären haben es in den Playoffs geschafft, ihr Powerplay rechtzeitig in Form zu bringen. Auf einmal klappte es in Überzahl und man traf in zwölf Spielen elfmal, was einer Erfolgsquote von 26,19 Prozent entsprach. Damit hatte man in den Playoffs das beste Powerplay. Du kannst die ganze Hauptrunde über das schlechteste Powerplay haben. Wenn es in den Playoffs auf den Punkt da ist und funktioniert, hast du alles richtig gemacht.
Auch das Penaltykilling verbesserte sich im Vergleich zur Hauptrunde nochmal deutlich. In den Playoffs war man mit einer Erfolgsquote von 92,50 Prozent das zweitbeste Team. Man ließ in 40 Unterzahlspielen nur ganze drei Gegentore zu. Auch die Special Teams hatten also ihren entscheidenden Anteil an der neunten Meisterschaft.

Goalie Mathias Niederberger wird die Eisbären Berlin nach zwei gewonnenen Meisterschaften Richtung München verabschieden. (Foto: eisbaerlin.de/Netti und Jasmin)

Wer natürlich auch seinen Anteil am erneuten Gewinn der Meisterschaft hatte, war Goalie Mathias Niederberger. Er kam in den zwölf Playoff-Spielen auf eine Fangquote von überragenden 93,56 Prozent. Dazu feierte er drei Shutouts. Und das waren nicht irgendwelche, nein, er spielte jeweils in den entscheidenden Spielen im Viertelfinale, Halbfinale und Finale zu Null – 4:0 vs. Köln, 3:0 vs. Mannheim, 5:0 in München. Das musst du erst einmal schaffen.
Zur Wahrheit gehört aber natürlich auch dazu, dass Niederberger im Halbfinale schwächelte und er somit auch ein Grund war, weshalb es zu Spiel fünf kam. Wenn du auf deine eigene Leistung aber so reagierst, dann zeugt das davon, was für ein Weltklasse-Keeper Mathias Niederberger ist. Insofern schmerzt sein Abgang nach dieser Saison natürlich enorm. Der deutsche Nationaltorhüter schließt sich ja wie bereits erwartet Finalgegner München an.

Ansonsten ist es natürlich wirklich sehr schwer, einzelne Spieler hervorzuheben. Denn die Meisterschaft war ein absoluter Team-Erfolg einer leidenschaftlich kämpfenden Mannschaft. Aber natürlich sind da die beiden Playoff-Top-Scorer Blaine Byron und Matt White (je 14 Punkte) zu nennen. Matt White hat sich mit seinem Hattrick in Spiel vier in München unsterblich gemacht. Byron hat in den Playoffs bewiesen, wie wichtig er für die Mannschaft sein kann. Auch sein Abgang wird eine große Lücke in der Offensive hinterlassen.
Über Leo Pföderl (11 Scorerpunkte) und Marcel Noebels (10) braucht man nicht viele Worte verlieren. Die beiden deutschen Nationalstürmer liefern einfach immer ab, wenn es gefordert ist. Egal ob Hauptrunde oder Playoffs. Es ist enorm wichtig, dass man diese Beiden halten konnte.
Frans Nielsen hat bei seiner letzten Karriere-Station noch einmal bewiesen, was für ein Weltstar er ist. Er steuerte in den Playoffs nochmal sieben Scorerpunkte zur Meisterschaft zu. Gerade sein Siegtor in der zweiten Overtime in Spiel zwei in München wird für immer in Erinnerung bleiben.
Manuel Wiederer ist natürlich auch zu nennen, der nach schleppendem Saisonstart, womit aber zu rechnen war, im Verlauf der Saison immer stärker wurde und in den Playoffs zu einem entscheidenden Faktor wurde. Gerade in der Halbfinalserie gegen Mannheim, wo ihm drei Tore gelangen. Gut, dass man ihn in Berlin halten konnte.
Über Frank Hördler braucht man glaube ich nicht viele Worte verlieren. Was er geleistet hat, ist unbeschreiblich. Er hat mit den Eisbären seine neunte Meisterschaft gewonnen und wurde zurecht zum Playoff-MVP gewählt. Nun hat er nur noch einen einzigen Traum: Einmal mit seinem Sohn Eric zusammen für die Eisbären Berlin spielen.
Man könnte eigentlich alle Spieler aufzählen, aber das würde den Bericht sprengen. Doch zwei Spieler muss ich noch hervorheben und das sind ganz klar Kai Wissmann und Jonas Müller. Beide haben punktetechnisch ihre beste Hauptrunde der Karriere gespielt. Beide Verteidiger kamen auf 20 Scorerpunkte (4 Tore/16 Vorlagen). In den Playoffs legten beide Spieler nochmal eine Schippe drauf und kamen auf sieben (Wissmann) bzw. sechs Scorerpunkte (Müller). Vor allen die drei Tore von Jonas Müller in den Playoffs stechen dabei natürlich heraus.
Kai Wissmann hat in dieser Saison den nächsten Schritt in seiner Karriere gemacht und wurde dafür von Bundestrainer Toni Söderholm mit der Nominierung für die WM belohnt. Diese läuft ja aktuell und da bestätigt Wissmann seine Leistungen und sorgt auch in Finnland für Furore.

Zweimaliger Meistertrainer der Eisbären Berlin: Serge Aubin (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Die Eisbären Berlin sind gerade dabei, in eine neue Dynastie zu starten. Auch wenn viele (dazu zählt auch der Autor dieser Zeilen) Fans nicht gerade davon begeistert waren, als Sportdirektor Stéphane Richer damals Serge Aubin (Foto links) als neuen Trainer nach Berlin holte. Diese Investition hat sich mehr als gelohnt und Serge Aubin hat die Eisbären Berlin zusammen mit seinem Trainerteam um Co-Trainer Craig Streu zurück zu alter Stärke geführt. Ja, er hat sie sogar zurück an die nationale Spitze geführt. Aubin hatte seine Visionen, als er in die Hauptstadt kam. Diese setzte er bereits in der wegen Corona abgebrochenen Saison um. Bereits in der damaligen Saison hatte man den Eisbären gute Chancen eingeräumt, am Ende die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Das taten sie dann in der vergangenen Corona-Saison. Diesen Erfolg konnte Aubin in dieser Saison wiederholen und sein Ziel in der neuen Saison wird ganz klar die zehnte Deutsche Meisterschaft und der damit verbundene Hattrick sein.
Das Team dafür wird er zur Verfügung haben. Auch wenn man mit Niederberger, Byron oder Bokk wichtige Stützen im Team verlieren wird. Richer wird erneut für adäquaten Ersatz sorgen und dann werden die Eisbären auch in der nächsten Saison wieder die Gejagten sein. Denn der eingeschlagene Weg wird weiter verfolgt. Mit einem Mix aus erfahrenen und jungen, talentierten Spielern werden die Eisbären ihre Vorherrschaft in der PENNY DEL verteidigen wollen. Und ein anderes Ziel, welches Serge Aubin wichtig ist, hat er auch schon angedeutet: Man will in der CHL ein Wörtchen mitreden, wenn es in der KO-Phase um das Ganze geht. Man blickt also auch nach dem erneuten Gewinn der Meisterschaft in Berlin nur nach vorne. Der Weg dieser Mannschaft ist noch lange nicht beendet. Auch in der neuen Saison wird man wieder angreifen. Und dann werden wir am Ende der Saison 2022/2023 vielleicht von der zehnten Meisterschaft berichten. Zuzutrauen ist es den Eisbären Berlin allemal.

Doch bevor es in die neue Saison geht, verabschieden wir uns erstmal in die wohlverdiente Sommerpause. Wir bedanken uns bei Euch für die Treue während der Saison. Ihr seid einfach eine klasse Community und wir hoffen, Euch auch in der neuen Saison wieder hier begrüßen zu dürfen. Bis dahin wünschen wir Euch eine schöne Sommerpause und alles Gute. Bleibt gesund und vor allem negativ!

Serge Aubin: „In den Playoffs kommt es jetzt auf jeden einzelnen Wechsel an.“

Heute Abend starten die Playoffs in der PENNY DEL. Köln und Ingolstadt sowie Nürnberg und Düsseldorf stehen sich in der ersten Playoff-Runde gegenüber. Die Eisbären Berlin können sich diese Spiele in aller Ruhe von zu Hause aus anschauen und dabei den potentiellen Viertelfinalgegner begutachten. Nürnberg, Düsseldorf oder Köln könnten der Gegner der Berliner ab Sonntag sein. Wer es am Ende wird, ist Stürmer Marcel Noebels egal, wie er nach dem Spiel am Sonntag gegen Bietigheim im Interview sagte. Letztendlich nimmt man es so, wie es kommt:

Also ich hab vor zwei Minuten erst geschaut, wer wie gespielt hat. Es kommt eh so wie es kommen soll. Wir können uns eh nur auf uns konzentrieren, was der kleine Nachteil ist, wenn man als Erster oder Zweiter in die Playoffs geht. Andere wissen gegen wen sie spielen. Da kann man sich in der Woche gut Zeit nehmen, um sich auf den Gegner vorzubereiten. Falls es so ist, dass wir erst Freitag Bescheid wissen, dann gibt es für uns eh kaum Vorbereitungszeit, um sich speziell einzustellen. Die Woche wollen wir nochmal nutzen, um kleine Verletzungen und Blessuren auszukurieren. Deswegen haben wir die Saison so lange gespielt, um die erste Runde aussetzen zu können. Es ist egal, wer am Sonntag kommt, wir freuen uns darauf, dass es endlich wieder um was geht.

In den Playoffs geht es natürlich um die Titelverteidigung, das ist das erklärte Saisonziel des Deutschen Meisters. 55 Spiele haben die Berliner in der Hauptrunde auf dem Weg in die Playoffs absolviert und die Hauptrunde als Tabellenerster abgeschlossen. 34 Spiele gewann man dabei nach regulärer Spielzeit, 12 Spiele verlor man nach 60 Minuten. Ging es in die Verlängerung oder ins Penaltyschießen, gewannen die Hauptstädter nur ein Penaltyschießen. Viermal ging das Spiel in der Verlängerung verloren, viermal im Shootout. Doch was nimmt Trainer Serge Aubin aus den 55 Spielen mit? Was fand er gut, was muss aus seiner Sicht noch besser werden? Das wurde er nach dem Spiel gegen Bietigheim am Sonntag auf der Pressekonferenz gefragt:

In den Auswärtsspielen waren wir sehr, sehr stark. Bei den Heimspielen weiß ich, dass wir besser auftreten müssen. Die konstante Leistung über die Saison ist hervorzuheben. Wenn wir uns zurück kämpfen mussten, haben wir es getan. Die Arbeitseinstellung meiner Spieler über die gesamte Hauptrunde hat mir sehr gut gefallen. In den Playoffs kommt es jetzt wirklich auf jeden einzelnen Wechsel an. Wir müssen eine konstante und solide Leistung bringen. Unser Energielevel muss während der Spiele konstant hochgehalten werden.

Sieht seine Mannschaft gut gerüstet für die Playoffs: Trainer Serge Aubin. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Aubin spricht sie an, die Auswärtsbilanz. Von 27 Spielen gewannen die Berliner 19 nach regulärer Spielzeit. Vier Spiele gingen nach 60 Minuten verloren. Einmal gewann man nach Penaltyschießen, einmal verlor man nach Verlängerung und zweimal nach Shootout. Diese Auswärtsstärke kann in den Playoffs natürlich zum Trumpf werden.
Man sollte es aber vermeiden, in die Overtime zu gehen, denn da konnte man lediglich einmal gewinnen. Und da sind die Heim- und Auswärtsspiele schon zusammengerechnet.
Aber wie Aubin schon sagte, es wird auf jeden einzelnen Wechsel ankommen. Und vor allem auch darauf, dass man seine Leistung über die vollen 60 Minuten und wenn nötig auch mehr durchzieht, denn da hatte man gerade zuletzt doch erhebliche Probleme. Da überzeugte man meistens nur ein oder zwei Drittel. Doch in den Playoffs sollten die Sinne dafür wieder geschärft sein.

Einer, auf den es in den Playoffs auch ankommen wird, ist Stürmer Marcel Noebels. Der Torjäger wurde zuletzt geschont, um in den Playoffs wieder bei voller Stärke zu sein. Aus seiner Verschnaufpause kam er hoch motiviert zurück und trug sich sofort wieder in die Torschützenliste ein. Wie sah die Berliner Nummer 92 die bisherige Saison? Das wurde er am Sonntag nach dem Spiel gegen Bietigheim gefragt:

Es war vieles dabei. Wir haben Phasen gehabt, da haben wir ohne Zuschauer gespielt, das war natürlich auch so eine Zeit, wo wir uns als Team umstellen mussten. Klar, wir haben uns irgendwie dran gewöhnt, aber auf der anderen Seite war es schön heute zu sehen, was wir ab nächster Woche erwarten können. Wir hatten Höhen, wir hatten Tiefen. Wir haben gut gespielt, wir haben nicht so gut gespielt. Jetzt ist es für eine gute Mannschaft auch Zeit, es auf das Eis zu bringen. Wir wollen nächste Woche Sonntag mit einem Sieg starten und den Heimvorteil hier behalten.

Gegen wen es dann geht, werden wir spätestens am Freitagabend wissen. Dann können sich die Berliner auch auf ihren Viertelfinalgegner einstellen. Denn aktuell kann man nur die Akkus wieder aufladen und im Training an den Feinheiten arbeiten. Und ab Sonntag sind die Eisbären dann der Gejagte. Dann werden alle den Meister vom Thron stoßen wollen. Aber wenn die Eisbären zu ihrer Form der Hauptrunde finden und an den Baustellen im Training arbeiten, dann können sie sich nur selbst schlagen.