Im Dialog mit Serge Aubin und Craig Streu: „Ich bin mir sicher, dass wir die Playoffs erreichen werden!“

Aktuell befinden sich die Eisbären Berlin noch in der Länderspielpause. Erst am Freitagabend geht es mit dem Heimspiel gegen die Iserlohn Roosters weiter. Dann haben die Hauptstädter auch die Chance, endlich die Aufholjagd in der PENNY DEL zu starten. Denn nach 18 Spielen steht ein mehr als enttäuschender 13. Platz zu Buche. Nur 21 Punkte konnte man einfahren und die Tor-Differenz ist auch negativ (53:61). Höchste Zeit also mal nach den Gründen für diesen schlechten Saisonstart nach zwei Meisterschaften in Folge zu fragen. Und wer kann diese Fragen besser beantworten als das Trainerteam um Head Coach Serge Aubin und Co-Trainer Craig Streu? Die Beiden stellten sich am Dienstagabend den Fragen im Fanbogen beim „Im Dialog mit…„. Wir waren für euch vor Ort und fassen für euch die wichtigsten Aussagen von Aubin und Streu zusammen:

Dass die Eisbären in dieser Saison große Verletzungsprobleme hatten, ist kein großes Geheimnis. Zum Glück hat sich diese Situation deutlich gebessert und nahezu alle Spieler sind inzwischen fit. Mal abgesehen von Brendan Guhle, dazu aber später mehr.
Die Eisbären konnten in den letzten beiden Jahren jeweils die Meisterschaft gewinnen. Dafür haben die Berliner zu Saisonbeginn den Preis bezahlt. Denn in den letztjährigen Playoffs hatten sich die beiden Stürmer Leo Pföderl und Yannick Veilleux schwerer verletzt. Was zu einigen Umstellungen führte. Trainer Serge Aubin fasste es so zusammen:

Die Saison hat damit angefangen, dass wir den Preis dafür bezahlt haben, dass wir die Meisterschaften in den letzten beiden Jahren gewonnen haben. Der Preis ist, dass Leo Pföderl und Yannick Veilleux verletzt waren. Durch diese Verletzungen mussten wir Umstellungen vornehmen. Wir haben versucht, die jungen Spieler rein zu holen. Natürlich sind diese aber noch nicht an der Stelle, wo sie sein müssten, um das Team komplett auffangen zu können. Es ist wie ein Strudel, in den man dann rein gerät und aus dem man nur schwer wieder rauskommt. Es war jetzt extrem wichtig, dass diese Pause gekommen ist. Es ist einfach ein Zusammenspiel aus ganz vielen Faktoren, die dazu führen, dass es im Augenblick nicht so läuft wie es laufen sollte oder könnte.

Nun hat das Trainerteam aber wie bereits erwähnt wieder fast alle Spieler zurück und kann endlich mit voller Kapelle antreten. Zu was die Eisbären zu leisten im Stande sind, haben sie immer mal wieder für kurze Phasen im Spiel angedeutet. Doch so eine Negativserie oder aber auch so ein schlechter Saisonstart macht natürlich auch etwas mit den Spielern, wie Aubin sagte:

Je länger so eine Phase andauert, desto mehr schlägt es natürlich auch mental auf die Spieler. Man fängt immer mehr an, sich Gedanken zu machen, was nicht besonders gut ist für das Spiel. Es wissen alle Beteiligten selber, dass es keine erfreuliche Situation ist. Aber ich bedanke mich bei den Fans, dass sie extrem geduldig waren und sind. Das brauchen die Spieler auch. Es ist für sie gut zu wissen, dass die Fans auf ihrer Seite sind.

Da hat er Recht. Im Vergleich zu anderen Standorten oder auch früheren Spielzeiten ist es in Berlin trotz der Krise verhältnismäßig ruhig. Ja, es gibt immer Fans, die ständig am Kritisieren sind und auch den Trainer in Frage stellen. Aber eben nicht in der Häufigkeit, wie es bei anderen DEL-Vereinen der Fall ist. Und letztendlich darf man auch nicht vergessen, dass man genau mit diesem Trainerteam in den letzten beiden Jahren die Meisterschaft gewonnen hat.
Nun ist aber genau dieses Trainer-Duo, welches seit 2016 bereits zusammen arbeitet, gefordert. Serge Aubin und Craig Streu müssen die Eisbären aus der Krise führen. Sie müssen dafür sorgen, dass die Jungs wieder zurück in die Erfolgsspur kehren. Doch wie gehen die beiden Coaches das an. Craig Streu mit der Erklärung:

Du kannst nichts anderes machen außer arbeiten. Wir machen viel Video. Wir sind die bestvorbereiteste Mannschaft in der Liga, keine Frage. Es ist einfach so. Das ist alles, was du machen kannst. Die Jungs sind jeden Tag da und trainieren hart. Es war schwer ein Team zu formen, als wir die vielen verletzten Spieler hatten. Aber jetzt sind fast alle zurück. Die Woche war gut. Wir hatten super Training und super Video. So müssen wir anfangen. Es geht jetzt nur Shift für Shift. Wir schauen nicht auf das Ende der Saison sondern auf Freitag, auf das nächste Spiel. Das ist der einzige Weg. Step by Step. Mehr können wir nicht machen.

Ein Problem, vor dem die Trainer aber auch die Spieler stehen, ist der Fakt, dass es für viele Neuland ist. Eine Krise mit den Eisbären kennen viele der Spieler gar nicht. Verständlich nach zwei gewonnenen Meisterschaften in Folge. Trainer Aubin sagte daher, dass es gerade für die Spieler schwierig sei, damit umzugehen, dass man eben kein Erfolg gerade hat. Ebenso mangelt es am nötigen Vertrauen untereinander. Aubin äußerte sich zu dieser Thematik wie folgt:

Es ist schwierig für die Spieler damit umzugehen, dass sie kein Erfolg haben. Das ist das erste Mal für sie in Berlin. Die Spieler brauchen Selbstbewusstsein. Wir müssen besser sein in der Defensive, um den Torhütern Selbstvertrauen zu geben und auch der Mannschaft insgesamt. Aber ich sehe, dass sie arbeiten, aber es schwer haben. Es ist immer eine kleine Schlacht und man muss jede kleine Schlacht für sich gewinnen, um vorwärts zu kommen und erfolgreich zu sein. Wir müssen kleine Schritte gehen. Es gibt kleine Erfolge, die man als Fan vielleicht nicht sieht, die aber da sind. Es ist für das Team wichtig, sich wieder gegenseitig zu vertrauen. Wir haben die Pause genutzt, um den Reset-Button zu drücken. Wir haben am Teambuilding gearbeitet. Wir als Trainer haben aber keine Panik. Ja, es muss etwas passieren und wir arbeiten auch dran, aber hier läuten noch nicht die roten Alarmglocken. Wir haben Vertrauen in das Team und führen sie dahin, dass sie Vertrauen in sich selbst haben.

Vertrauen ist auch das Stichwort, wenn man auf die jungen Spieler zu sprechen kommt. Diese mussten in dieser Saison bereits sehr viel spielen. Weil sie eben die Ausfälle der Leistungsträger auffangen mussten und das auch so gut wie möglich taten. Jetzt aber sind wichtige Leistungsträger wieder zurück und die Youngsters spielen wieder vermehrt in Weißwasser. Was gerade für ihre Entwicklung sehr wichtig ist, wie Co-Trainer Craig Streu sagte:

Wir haben viele junge Spieler, die auch in Weißwasser spielen, was für sie auch sehr wichtig für ihre Entwicklung ist. Sie können uns jetzt vielleicht sofort helfen für einen Wechsel, aber wir wollen, dass sie uns langfristig in der Zukunft helfen. Es ist ein Prozess bei den jungen Spielern. Aber wir haben das Vertrauen in sie. Wir haben überhaupt keine Angst, sie auf das Eis zu schicken. Wir schauen viel mehr Video mit denen, aber sie können sich nur verbessern, wenn sie ein paar Fehler machen. Die alten Spieler machen auch Fehler. Aber die jungen Spieler müssen einfach Fehler machen, um daraus zu lernen.

Ein Youngster, der nach den ersten DEL-Spielen aufgrund der Personalprobleme wieder zurück nach Weißwasser musste, ist Eric Hördler. Auf den Sohn von Kapitän Frank Hördler hält man in Berlin aber große Stücke, weshalb er eben vorerst in Weißwasser Spielpraxis sammeln soll. Craig Streu hatte diesbezüglich eine sehr interessante Erklärung parat, warum das so ist:

Manche Spieler werden ausgebildet, um in Zukunft in den ersten drei Reihen zu spielen. Manche sind ausgebildet, um in der vierten Reihe zu spielen. Und deswegen sind viele junge Spieler in Weißwasser. Ein Eric Hördler zum Beispiel. Er ein Top-Talent für die Zukunft, er ist kein „Vierte-Reihe-Spieler“. Er hilft uns hier nicht viel, wenn er in der vierten Reihe spielt. In zwei, drei Jahren spielt er hoffentlich in den Top-3-Reihen bei uns. Für ihn ist es daher viel besser, diese Erfahrung jetzt in Weißwasser zu sammeln. Und dann kann er uns im nächsten oder übernächsten Jahr weiterhelfen.

Die Eisbären haben ihre Visionen mit den jungen Spielern. Und da reden wir nicht nur von den Feldspielern, nein, wir reden da auch von den jungen Torhütern Tobias Ancicka und Juho Markkanen. Viele Experten, aber auch viele Eisbären-Fans, haben dieses Vorhaben vor Saisonbeginn sehr skeptisch gesehen. Die aktuelle Platzierung machen daher viele Fans auch an den beiden Goalies fest. Doch das sehen weder Serge Aubin noch Craig Streu so. Aubin sagte daher auch nochmal, dass man aktuell nach keinem Torhüter sucht:

Wir suchen nicht nach einem Torhüter. Wir glauben an Tobias Ancicka. Es ist schlicht der Job des Teams, vor ihm besser zu spielen. Tobi ist ein guter Torhüter und das Team ist in der Pflicht. Es gibt aktuell auch keine deutschen Torhüter auf dem Markt, die besser sind als Tobi.

Und Craig Streu ergänzte auch noch, dass man jetzt für die Zukunft investiert mit diesem jungen Torhüter-Duo. Gleichwohl ging er auch noch auf die Frage ein, ob man für Juho Markkanen einen Importspieler auf die Tribüne setzen würde:

Wir bleiben bei unserem Plan. Wir investieren für die Zukunft, besonders für Tobi. Er muss jetzt lernen, wie eine Nummer eins lebt. Er muss lernen, mit Druck umzugehen. In ein, zwei Jahren werden wir genau davon profitieren. Markkanen kämpft auch. Er ist ein guter Torwart. Wir vertrauen ihm und wenn er spielt und wir müssen dadurch einen Ausländer auf die Tribüne schicken, dann machen wir das. Wenn wir denken, das macht unsere Mannschaft für diesen Tag besser, dann machen wir das.

Die Gründe für den Fehlstart der Eisbären Berlin wurden nun also beleuchtet. Nach der Länderspielpause wollen die Hauptstädter die Aufholjagd starten. Was ist für den DEL-Rekordmeister in dieser Saison noch drin. Diese Frage beantwortete natürlich der Trainer selbst:

Ich gehe davon aus, dass wir nicht schlechter als Platz sechs abschneiden werden. Es ist aber auch noch ein langer Weg bis zu den Playoffs. Aber ich bin mir sicher, dass wir die Playoffs erreichen werden. Mir ist es aber lieber, dass wir Sechster oder Siebter werden und volle Kapelle haben, als dass wir Zweiter oder Dritter werden und uns acht Spieler fehlen. Weil wenn wir volle Kapelle haben, haben wir in den Playoffs ganz andere Möglichkeiten als wenn uns die Hälfte der Leistungsträger fehlt. Insofern ist für mich die Platzierung aktuell nicht wichtig solange es am Ende ein Playoff-Platz ist. Und dann ist auch die Meisterschaft durchaus möglich.

Ein Saisonziel haben die Berliner bereits verpasst. Und zwar die KO-Runde in der Champions Hockey League (CHL). Immer wieder gibt es Kritik aus dem Fanlager der Eisbären, man würde diesen Wettbewerb nicht ernst nehmen. Doch das verneinte Serge Aubin und fügte zudem gleich an, warum es in diesem Jahr nicht mit dem Achtelfinale klappen konnte:

Die CHL ist für uns sehr wichtig. Aber nicht auf Kosten der Spieler, auch nicht der jungen Spieler. Auch nicht auf Kosten von weiteren verletzten Spielern. Wir gehen die Spiele so an, dass wir sie gewinnen wollen. Aber wir hatten neun verletzte Spieler zu Beginn der CHL. Was dazu geführt hat, dass wir zwei Drittel super gespielt haben und im letzten Drittel eingebrochen sind, weil einfach die Kraft gefehlt hat. Ich würde gerne immer CHL spielen, aber nicht um jeden Preis.

Fehlt noch eine Info, die sicherlich viele Fans interessiert: Was ist eigentlich mit Verteidiger Brendan Guhle? Da gibt es eine kleine Hoffnung, wie Serge Aubin sagte:

Er trainiert mit und es sieht langsam immer besser aus. Aber genaueres kann ich da noch nicht sagen, wann er zurückkommt. Wir schauen von Woche zu Woche.

Foto: eisbaerlin.de/walker

Eisbären Berlin: Sorgt der zweitbeste Angriff der vergangenen Saison erneut für viel Torgefahr?

Seit gestern läuft die neue PENNY-DEL-Saison. Heute Abend geht der 1. Spieltag weiter. Und am Sonntagnachmittag greift dann auch der amtierende Deutsche Meister in den Spielbetrieb ein. Das Ziel nach zwei Meisterschaften in Folge ist klar: Man will auch in dieser Saison wieder um den Titel mitspielen und dann den Titel-Hattrick perfekt machen. Dieses Ziel gehen die Hauptstädter mit einem stark veränderten Team an. Satte zwölf Spieler haben den Verein verlassen, ebenso viele Spieler sind aber auch neu dazu gestoßen. In unserem letzten Teil des Kader-Checks sind wir heute in der Offensive angekommen, welche wir einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Mit 194 Toren stellte das Team von Head Coach Serge Aubin den zweitbesten Angriff in der vergangenen Hauptrunde. Nur Finalgegner München erzielte zwei Tore mehr als Berlin. 173 Tore davon erzielte die Berliner Angreifer. 44 dieser 173 Tore erzielten sechs Stürmer, welche in der kommenden Spielzeit nicht mehr in der Hauptstadt spielen werden. Zwei dieser sechs Abgänge trafen zweistellig und hinterlassen in Berlin doch große Lücken.
Zum einen wäre da natürlich Blaine Byron zu nennen, welcher in der Hauptrunde auf 18 Tore und 24 Vorlagen kam. Seine 42 Scorerpunkte in nur 43 Spielen beweisen, wie wichtig er für die Eisbären war. In den Playoffs steigerte sich Byron nochmal deutlich und avancierte mit 14 Scorerpunkten (5 Tore/9 Assists) zum Playoff-Top-Scorer der Eisbären. Sein Abgang schmerzt die Eisbären besonders, doch die Verlockung in Schweden zu spielen, war dann für Byron doch größer, als mit Berlin erneut um die Meisterschaft zu spielen.
Er kam während der Hauptrunde, spielte sich sofort in die Herzen der Fans und hatte am Ende ebenso einen großen Anteil am Gewinn der Meisterschaft. Die Rede ist von Frans Nielsen, welcher seine Karriere beendet hat. In der Hauptrunde traf der Däne in 33 Spielen zwölfmal und bereitete zudem 15 weitere Treffer vor. In den Playoffs folgten nochmal sieben Scorerpunkte (4/3). Auch sein Abgang trifft die Eisbären hart.
Die restlichen vier Abgänge im Sturm hatten natürlich auch ihren Anteil an der Meisterschaft, doch schmerzt der Verlust der vier Spieler nicht so sehr wie der von Byron und Nielsen. Mark Zengerle kam in der Hauptrunde auf 18 Scorerpunkte (6/12). In den Playoffs kam er nur noch viermal zum Einsatz, wo er keinen Punkt verbuchte. Ihn wird man in der Liga weiterhin sehen, wechselte Zengerle doch nach Straubing.
Ebenso ein Wiedersehen geben wird es mit Sebastian Streu und Dominik Bokk. Streu kam in der Hauptrunde auf sieben (4/3) und in den Playoffs auf zwei Scorerpunkte (0/2). Ihn zog es nach Iserlohn an den Seilersee. Der während der Hauptrunde nachverpflichtete Bokk kam auf elf Scorerpunkte (3/8) in 14 Hauptrundenspielen. Drei Scorerpunkte (2/1) legte er in den Playoffs nochmal nach. Er wechselte zum Aufsteiger und DEL-Rückkehrer Frankfurt.
Der letzte Abgang ist Johan Södergran, welcher ebenso während der Saison nachverpflichtet wurde. In der Hauptrunde kam er in sieben Spielen auf vier Scorerpunkte (1/3). In fünf Playoff-Spielen legte er noch ein Tor und eine Vorlage nach. Ihn zog es wie Byron nach Schweden.

Über wie viele Tore werden sich die Spieler der Eisbären Berlin in dieser Saison freuen können? (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Den sechs Abgängen im Sturm stehen sieben Neuzugänge gegenüber. Die Neuzugänge sind ein Mix aus erfahrenen und jungen, talentierten Spielern. Mit Frank Mauer kommt ein Spieler zu den Eisbären, der weiß, wie man Deutscher Meister wird. Er wurde viermal in Folge Deutscher Meister – einmal mit Mannheim, dreimal mit München. In der vergangenen Saison brachte Mauer es in 43 Hauptrundenspielen auf 17 Scorerpunkte (5/12). Drei Vorlagen folgten dann noch in elf Playoff-Spielen. Mit ihm bekommen die Berliner enorm viel Erfahrung, die vor allem für die vielen jungen und talentierten Spieler im Kader der Eisbären von Vorteil sein kann.
Peter Regin ist der zweite erfahrene Neuzugang der Hauptstädter. Der Däne kam aus der Schweiz von Ambri-Piotta nach Berlin, wo er in der vergangenen Saison 23 Scorerpunkte (3/20) in 41 Spielen kam. Regin bringt die Erfahrung von 254 NHL-Spielen (Chicago, New York Islanders, Ottawa), zehn WM- und einer Olympia-Teilnahme mit. Er soll sozusagen die Lücke füllen, die Frans Nielsen hinterlassen hat.
Zwei junge und vor allem sehr talentierte Spieler konnten die Eisbären von direkten Konkurrenten verpflichten. Da wäre zum einen Marcel Barinka, welcher aus Köln nach Berlin kam. Mit 23 Scorerpunkten (11/12) in 48 Spielen war er der achtbester Scorer der Haie in der Hauptrunde. In der Hauptstadt will Barinka nun den nächsten Schritt in seiner Karriere machen.
Den will auch Jan Nijenhuis machen, welcher aus Wolfsburg nach Berlin gewechselt ist. Mit sechs Scorerpunkten (2/4) in 46 Hauptrundenspielen weist er dabei natürlich nicht die Statistiken eines Marcel Barinkas auf. Dennoch kann man sich in Berlin auf Nijenhuis freuen, das haben seine bisherigen Auftritte in der CHL durchaus gezeigt. Er ist schnell unterwegs und hatte dabei auch viel Zug zum Tor.
Die restlichen drei Neuzugänge sind aus der Kategorie Youngsters. Von den Eisbären Juniors sind Eric Hördler und Kevin Handschuh hoch zu den Profis gezogen worden. Hördler, der Sohn von Eisbären-Kapitän Frank Hördler, sammelte dabei in 35 DNL-Spielen 31 Scorerpunkte (15/16). Handschuh kam in 33 DNL-Spielen sogar auf 40 Scorerpunkte (17/23).
Maximilian Heim kam von den Jungadlern Mannheim in die Hauptstadt. Für die Jungadler kam er in elf DNL-Spielen auf fünf Scorerpunkte (2/3).
Alle drei Youngsters sollen behutsam aufgebaut und an das Profi-Niveau herangeführt werden. Sie werden sicherlich vermehrt Eiszeit beim Kooperationspartner Weißwasser erhalten. Aber wenn in die Berlin Personalnot bestehen sollte, wird sich Serge Aubin nicht davor scheuen, die jungen Spieler ins Line-up zu werfen.

Zu den sieben Neuzugängen gesellen sich noch zehn Stürmer, welche bereits in der vergangenen Saison für die Eisbären auf Torejagd gingen. Sieben der zehn Spieler trafen dabei zweistellig. Matt White (32/41) und Marcel Noebels (21/45) waren dabei die mit Abstand besten Scorer der Berliner.
Leo Pföderl (22/30), Kevin Clark (15/24), Zach Boychuk (22/12), Giovanni Fiore (19/15) und Yannick Veilleux 13/20) scorten ebenso regelmäßig. Leider fehlen Pföderl und Veilleux aktuell verletzungsbedingt. Wann sie zurückkehren werden, steht noch in den Sternen.
Einer, der sich im Verlaufe der letzten Saison immer mehr gesteigert hat, war Manuel Wiederer. Er hat in Berlin zurück zu alter Stärke gefunden und kam am Ende auf insgesamt 17 Scorerpunkte (9/8) inklusive Playoffs.
Bennet Roßmy (2/2) und Marco Baßler (1/3) kamen auf je vier Scorerpunkte. Wobei hier das Hauptaugenmerk klar auf Roßmy liegen dürfte, dem man eine ähnliche Karriere wie Lukas Reichel zutraut. Bei der U20-WM machte er erst kürzlich auf sich aufmerksam und aktuell weilt er beim Camp der Los Angeles Kings. Es würde nicht verwundern, sollte es Roßmys letzte Saison in Berlin sein, bevor er Reichel und Kai Wissmann in die NHL folgt.

Die Eisbären Berlin verfügen auf dem Papier wieder über eine sehr tief besetzte Offensive. Diese besteht aus einem Mix von erfahrenen und jungen, talentierten Spielern. Viel wird davon abhängen, ob Peter Regin und Frank Mauer die schmerzhaften Abgänge von Blaine Byron und Frans Nielsen auffangen können. Denn diese beiden Spieler werden der Offensive der Eisbären doch deutlich fehlen.
Mit Marcel Barinka und Jan Nijenhuis hat man zwei hoffnungsvolle Talente unter Vertrag genommen. Ihnen kann man durchaus zutrauen, zweistellig zu scoren. Barinka hatte das bereits in Köln getan.
Scoren Matt White, Marcel Noebels, Zach Boychuk und Co. auch in der neuen Saison wieder so zuverlässig, kann es für die Eisbären erneut eine torreiche Saison werden. In der letzten Saison war vor allem die Unberechenbarkeit der große Faustpfand der Hauptstädter. Denn es ging von allen vier Reihen Gefahr aus. Das ist auch in dieser Saison wieder möglich.
Allerdings hängt es natürlich auch davon ab, was mit Leo Pföderl und Yannick Veilleux passiert. Beide fehlen aktuell verletzungsbedingt und lt. Sportdirektor Stéphane Richer wird bei beiden Spielern von Woche zu Woche entschieden. Wann die beiden Leistungsträger also wieder auf Torejagd gehen können, ist derzeit noch unklar. Fakt ist, dass den Eisbären dadurch zwei enorm wichtige und gefährliche Angreifer fehlen werden.
Dass es aber auch ohne sie zu Toren reichen kann, hat die Vorbereitung gezeigt, wo die Eisbären bereits schon wieder schwer auszurechnen waren. Zach Boychuk war mit fünf Toren der Top-Torjäger in der Vorbereitung inklusive CHL. Matt White und Marcel Noebels folgten mit je drei Toren. Es scheint also fast so, als ob die da gebliebenen Stürmer nichts von ihrer Torgefahr eingebüßt haben.
Nun liegt es am Trainerteam um Serge Aubin, aus den 17 Stürmern eine torgefährliche Offensive zu formen. Wenn ihm das gelingt und Leo Pföderl und Yannick Veilleux schnellstmöglich zurückkehren, dann dürfte die Berliner Offensive wieder für Angst und Schrecken sorgen.

Die Eisbären Berlin vor dem Saisonstart: Die Meisterschaft als Ziel – Pföderl, Veilleux und Guhle weiterhin verletzt

v.l.: Serge Aubin, Stéphane Richer, Georg Friedrichs, Thomas Bothstede, Frank Hördler (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Heute Mittag fand in der Verti Music Hall die alljährliche Saisoneröffnungspressekonferenz der Eisbären Berlin zusammen mit Hauptsponsor GASAG statt. Dort wurde noch einmal zurückgeblickt auf die erfolgreiche letzte Saison und natürlich ein Ausblick auf die neue Saison und die Ziele in der Spielzeit geworfen. Die GASAG und die Eisbären gehen dabei in das 26. gemeinsame Jahr. GASAG-Vorstandsvorsitzender Georg Friedrichs, welcher selbst erst seit anderthalb Jahren im Amt ist, freut sich, Sponsor der Eisbären zu sein:

Es ist eine große Freude für uns Sponsor der Eisbären zu sein. Wir sind im 26. Jahr der Zusammenarbeit mit dem Eisbären-Team. Das ist wahrscheinlich ein Unikum in der deutschen Sport-Landschaft, dass man so lange so gut zusammenarbeitet und auch kein Ende sieht.

Die Eisbären ohne die GASAG kann man sich auch gar nicht vorstellen. Von daher gut zu wissen, dass ein Ende der Zusammenarbeit nicht in Sicht ist. Auch während der vergangenen beiden schweren Spielzeiten aufgrund der Corona-Pandemie ist die GASAG immer an der Seite der Eisbären geblieben und war ein verlässlicher Sponsor.

Ebenso den Eisbären die Treue gehalten haben die Fans, für die die letzten beiden Jahre auch alles andere als einfach waren. Eisbären-Geschäftsführer Thomas Bothstede konnte heute auch stolz die Zahl der verkauften Dauerkarten verkünden:

Wir sind wieder bei 5.000 verkauften Dauerkarten. Und das ist unfassbar. Das ist bemerkenswert. Das ist sensationell. Ich möchte mich bei unseren Fans für Ihre Treue und Loyalität bedanken.

Zum einen wird es sicherlich damit zusammenhängen, dass sich mehr denn je alle Fans nach Eishockey sehen. Denn die Auslastung der Arenen schwankte ja in den letzten beiden Jahren doch enorm. Vom Corona-Jahr in der vorletzten Saison ohne Zuschauer über halbvolle Arenen oder Spiele vor nur 2.500 Zuschauern bis hin zu 14.200 in den Playoffs der vergangenen Spielzeit war alles dabei. Die Fans sind einfach nur froh, ihre Eisbären wieder live spielen sehen zu können.
Und dass die Hauptstädter in den vergangenen zwei Spielzeiten am Ende jeweils die Meisterschaft gewannen, tut dann ihr übriges. Werden die Fans denn auch in der kommenden Saison wieder die Meisterschaft bejubeln können, Stéphane Richer?

Die Eisbären haben immer das Ziel, die Meisterschaft zu gewinnen. Wir erwarten eine spannende Saison. Die anderen Mannschaften haben sich gut verstärkt. Die PENNY DEL ist immer ganz eng und ausgeglichen. Wir freuen uns auf die neue Saison, aber wir erwarten eine enge Saison.

Der Sportdirektor gibt also die Meisterschaft als erneutes Ziel aus. Herr Friedrichs von der GASAG hatte selbiges in seiner Eröffnungsrede „gefordert„, aber wie sieht es der Verantwortliche an der Bande? Haben die Eisbären wieder eine Mannschaft zusammen, welche um die Meisterschaft mitspielen kann, Serge Aubin?

Ich bin davon überzeugt, dass wir das Zeug haben, erneut die Meisterschaft zu gewinnen. Die Mannschaft besteht aus einem guten Mix aus jungen und erfahrenen Spielern. Natürlich haben wir drei sehr junge Torhüter, aber es sind drei sehr gute Torhüter. Ich bin von ihnen absolut überzeugt. Tobias Ancicka ist in den letzten beiden Jahren zweimal mit uns Meister geworden. Das ist eine Erfahrung, die man ihm nicht nehmen kann. In der Defensive schmerzt natürlich der Abgang von Kai Wissmann, aber er wurde sehr gut ersetzt. Wir haben eine starke und große Verteidigung. Im Sturm sind wir auch sehr gut aufgestellt. Wir werden eine gute Mannschaft auf das Eis schicken.

Dass diese Mannschaft einen sehr großen Umbruch hinter sich hat, ist hinlänglich bekannt. Für die Fans und auch die Experten ist dabei die Torhüter-Position die spannendste Personalie in Berlin. Aubin hatte es ja in seiner Saison-Prognose schon angesprochen, dass er viel von den jungen Goalies hält. Gibt es aber für ihn auch eine klare Nummer eins nach dem doch sehr schmerzhaften Weggang von Mathias Niederberger, welcher die unumstrittene Nummer eins war?

Es gibt keine klare Nummer eins. Es ist einfach ein gesunder Wettbewerb zwischen allen drei Torhütern. Der Wettbewerb pusht die Jungs auch, um besser zu werden. Ich glaube an alle drei Torhüter. Wer gut spielt, spielt am Ende.

Dass Nikita Quapp dabei eher der Goalie sein wird, welcher vermehrt in der DEL2 bei Kooperationspartner Lausitzer Füchse Eiszeit erhält, dürfte allen klar sein. Demnach werden Tobias Ancicka und Juho Markkanen um den Platz im Tor „streiten„. Serge Aubin sieht beide bereit für den nächsten Schritt:

Beide Jungs sind bereit für den nächsten Schritt. Tobi ist für mich auch kein junger Torhüter mehr, allen voran wegen der letzten beiden Jahre, wo er die Meisterschaft mit uns gewonnen hat. Er hat einen sehr großen Schritt gemacht. Die Situation bei den Eisbären ist für beide eine sehr große Möglichkeit.

Für die Eisbären beginnt die Saison am Sonntag mit einem Auswärtsspiel in Nürnberg. Davor hat man bereits vier CHL-Spiele absolviert, von denen man zwei gewann und zwei verlor. Eisbären-Kapitän Frank Hördler ist froh, dass die Saison jetzt endlich beginnt und fasste auch gleich noch mal die CHL-Spiele zusammen:

Wir sind froh, dass es wieder losgeht. Wir haben eine ziemlich harte Vorbereitung hinter uns. Serge Aubin hat uns in eine Top-Form gebracht. Jetzt geht es endlich um Punkte für uns. Wir haben in der Champions League schon gezeigt, dass wir bereit sind. Wir haben sehr gute Spiele gespielt. Wir sind als Mannschaft sehr gut zusammen gewachsen.

Wir haben in Grenoble einen sehr guten Start hingelegt. Wir haben dann ein bisschen gedacht, dass es einfacher läuft in Göteborg und da haben wir schnell feststellen müssen, wenn wir die Kleinigkeiten nicht richtig machen und nicht jedes Mal hundert Prozent geben, dass wir dann schnell unter die Räder kommen. Wir haben dann ein gutes Zeichen gezeigt, dass wir dagegen steuern können und das Zeug dazu hatten, zwei sehr gute Spiele zu machen.

Die große Frage vor dem Saisonstart ist natürlich diese, welche Spieler überhaupt zur Verfügung stehen. Denn bei den Eisbären gab es da ja doch noch das ein oder andere Fragezeichen. Sportdirektor Stéphane Richer klärte auf und gab ein aktuelles Personal-Update:

Frank Mauer hat sich im Spiel gegen Frölunda eine kleine Verletzung zugezogen. Wir entscheiden bei ihm von Tag zu Tag. Es ist keine große Verletzung und er war heute kurz auf dem Eis. Definitiv nicht spielen werden am Sonntag Leo Pföderl, Yannick Veilleux und Brendan Guhle. Bei allen drei Spielern schauen wir eher von Woche zu Woche. Sie sind auf dem richtigen Weg. Wir hoffen, dass sie bald wieder spielen. Deswegen werden wir Veilleux und Guhle vorerst nicht lizenzieren. Das werden wir erst tun, wenn sie wieder einsatzbereit sind.

Durch die derzeitige Nicht-Lizenzierung von Veilleux und Guhle hätten die Eisbären also demnach noch drei freie Importstellen, doch Richer meinte direkt danach, dass man davon ausgeht, dass beide diese Saison noch spielen werden und man sie eben dann auch wie bereits erwähnt noch lizenzieren wird.

Es ist also alles angerichtet für die neue Saison, welche mit dem Auswärtsspiel im Frankenland beginnt. In Nürnberg haben sich die Eisbären in den letzten Jahren doch das ein oder andere Mal schwer getan. Was erwartet Trainer Serge Aubin vom Saisonauftakt bei den Ice Tigers?

Ich erwarte ein hartes Spiel. Es ist das erste Saisonspiel, da ist man immer ein bisschen gespannt, was einen erwartet. Dazu kommt noch, dass es ein Auswärtsspiel ist. Aber die Mannschaft ist vorbereitet, wir haben gut trainiert und werden bereit sein, mindestens 60 Minuten alles zu geben und zu kämpfen. Wir fahren nach Nürnberg, um diese Partie zu gewinnen.

Einer, der am Sonntag sicherlich noch nicht sein DEL-Debüt für die Eisbären feiern wird, ist Eric Hördler. Der Sohn von Kapitän Frank Hördler wird vermehrt in Weißwasser eingesetzt werden. Dennoch hofft Papa Hördler, welcher übrigens unheimlich stolz auf Eric ist, auf ein paar mehr Spiele zusammen mit seinem Sohn in der DEL:

Es bedeutet mir wahnsinnig viel. Ich freue mich sehr für ihn, dass er die Chance bekommt, oben mitzuspielen. Ich freue mich auch, dass er denselben Weg gegangen ist wie ich. Es macht mich unheimlich stolz. Ich hoffe, dass es mehr als nur ein paar Spiele sein werden, die wir zusammen spielen können. Das wird auf jeden Fall ein Highlight.

Die Eisbären Berlin vor dem CHL-Auftakt: „Die Schonfrist ist vorbei“

Die Vorbereitung ist Geschichte, die Champions Hockey League (CHL) steht vor der Tür. Morgen Abend starten die Eisbären Berlin in Grenoble in die CHL-Gruppenphase. Zwei Tage später ist man dann bei CHL-Rekordsieger Frölunda HC in Göteborg zu Gast. Mit einem guten Gefühl werden die Hauptstädter nach der Vorbereitung aber nicht in die beiden Spiele gehen. Fünf Testspiele absolvierte der neunmalige DEL-Meister in Vorbereitung auf die neue Saison in der PENNY DEL und eben der CHL – nur das erste davon konnte man siegreich gestalten. Danach folgten vier Niederlagen in Folge, wobei da nur die letzte besonders herausstach, als man mit 1:6 bei Ambri verlor. Die restlichen drei Spiele waren doch vom Ergebnis her eher etwas knapper. Dennoch konnte man sich kein Selbstvertrauen holen. Trainer Serge Aubin wurde daher vor dem CHL-Auftakt gefragt, ob die beiden Spiele genau zum richtigen Zeitpunkt kommen, um wieder auf die Siegerstraße zurückzukehren:

Ja, ich denke schon. Jetzt ist es Zeit für Tore. Natürlich wird dieses Turnier auf einem hohen Niveau stattfinden. Wir werden gegen Mannschaften spielen, die Meister oder in ihren jeweiligen Ligen weit oben in der Tabelle stehen, die viel Qualität haben. Für uns ist es also an der Zeit, Gas zu geben, uns zu messen und zu verstehen, dass ab jetzt jedes einzelne Spiel zählt. 

Die Eisbären und die CHL, bisher ist es keine wirkliche Erfolgsgeschichte. Über das Achtelfinale kamen die Berliner noch nie heraus und den Start letztes Jahr verpatzte man direkt mit vier Niederlagen in vier Spielen. Das wollen die Berliner in diesem Jahr unbedingt verhindern und direkt mit einem Sieg in die CHL starten. Verteidiger Morgan Ellis freut sich jedenfalls auf die Herausforderung und glaubt auch daran, dass ein Sieg zum Start möglich ist:

Ja, wir haben bisher ein paar tolle Spiele gegen ein paar gute Mannschaften gespielt. Und jetzt in der Champions Hockey League treffen natürlich die besten Teams ihrer jeweiligen Ligen aufeinander. Also werden wir uns auf jeden Fall steigern und bereit dafür sein zu spielen. Wir haben eine großartige Truppe, wir glauben aneinander. Es wird toll sein, da rauszugehen, zu gewinnen, mit einem Sieg anzufangen und von da aus immer weiter zu machen. 

Eine Steigerung nach der Vorbereitung ist definitiv notwendig. Fünf Spiele, nur ein Sieg, 8:17-Tore. Hinten anfällig, vorne stockt der Offensiv-Motor noch. Die acht Tore erzielten acht verschiedene Spieler. Kein Spieler, der sich da also bisher in den Vordergrund spielen konnte. Geht man rein nach den Statistiken, dann waren vier Spieler mit je zwei Scorerpunkten die besten der Vorbereitung. Manuel Wiederer (1 Tor/1 Assist) und Giovanni Fiore (1/1) kennt man dabei noch aus der vergangenen Saison. Mit Frank Mauer (1/1) und Brendan Guhle (0/2) gesellen sich aber auch zwei Neuzugänge dazu, was Hoffnung macht. Mauer nahm auch kein Blatt vor den Mund und meinte vor dem CHL-Auftakt, dass die „Schonfrist“ nun vorbei sei:

Wir müssen einen Zahn zulegen, ich denke die Schonfrist ist vorbei. Wir hatten jetzt Zeit zu testen, was zu versuchen, uns zu finden. Jetzt zählt es nur, die Spiele zu gewinnen und dafür müssen wir natürlich das Level der Intensität noch ein bisschen anheben. 

Die erste Chance dazu besteht bereits morgen Abend in Grenoble. Sicherlich der Gegner aus der Eisbären-Gruppe, den man als sogenannten Underdog bezeichnet. Dennoch warnt Mauer vor den Franzosen:

Die Franzosen sind ein Underdog, aber in der CHL spielen nur gute Mannschaften, deswegen dürfen wir sie nicht unterschätzen. Wir müssen gut ins Spiel kommen, Dampf geben und dann ist es auch eine lösbare Aufgabe.

Auch Trainer Serge Aubin nimmt Grenoble nicht auf die leichte Schulter und warnt vor ihnen:

Es wird schwer werden. Sie haben in diesem Jahr schon viele Testspiele bestritten. Auch gegen eine Schweizer Spitzenmannschaft, und die haben sie geschlagen. Außerdem haben sie für die Champions Hockey League zusätzliche Spieler aus Lausanne in der Schweiz geholt. Es ist also ein komplettierter Hockeyclub. Eine ganz schöne Maschine, gegen die wir da antreten. Hier hat also niemand einen Vorteil. Wir müssen wirklich sicherstellen, dass wir unser Bestes geben. Wenn wir das tun, haben wir eine Chance. Wenn wir das nicht tun, könnte es ein langer Abend werden.

Hinzu kommt, dass Grenoble in Frankreich Meister geworden ist. Unterschätzten sollte man die Franzosen also definitiv nicht, wenn gleich die Eisbären natürlich rein vom Papier her der Favorit in diesem Spiel sind. Und trotzdem verfügt Grenoble über einige gute Spieler, wie Morgan Ellis verriet:

Es gibt eine Menge Spieler, gegen die ich in der Vergangenheit schon mal gespielt habe. Sie haben einige großartige Spieler. Es wird also definitiv kein einfaches Spiel werden. Sie haben ein tolles Team. Wir müssen also bereit sein zu spielen.

Nur zwei Tage später geht die Auswärtstour der Berliner bereits weiter. Dann ist man in Schweden bei Frölunda HC in Göteborg zu Gast. Der Rekordsieger der CHL wird eine ganz harte Nuss werden für die Eisbären. Wenn du da keine 100 Prozent gibst, kann das ein böses Erwachen geben, meint Frank Mauer. Und Serge Aubin schlägt in die selbe Kerbe, analysierte die Schweden aber noch einmal etwas genauer:

Bei Frölunda handelt es sich ja um den Verein, der in der Champions Hockey League unangefochten die meisten Punkte geholt hat. Sie sind also ein großartiger Hockeyclub. Da gibt es keine Zweifel. Aber das ändert für uns nun mal rein gar nichts. Wir müssen dafür sorgen, dass wir aufs Eis gehen, unsere Kämpfe gewinnen und konkurrenzfähig sind. Wenn wir das tun, haben wir eine Chance. Wenn wir das nicht tun, werden wir keine Chance haben. Unabhängig davon, gegen wen wir spielen, ob es sich um Grenoble oder Frölunda handelt: Wir werden vor große Herausforderungen gestellt und haben gleichzeitig die Möglichkeit zu sehen, wo wir stehen.

So sieht es aus. Nach den beiden Spielen bzw. vor allem nach dem Spiel am Samstag werden die Eisbären wissen, wo sie aktuell stehen. Die Vorbereitung war eher dürftig, jetzt aber geht es um wichtige Punkte im Kampf um eine gute Ausgangsposition in der Gruppe, um am Ende der Gruppenphase das Minimalziel Achtelfinale zu erreichen. Gewinnen die Eisbären, werden sie ordentlich Selbstvertrauen für die nächsten Wochen tanken. Verliert man jedoch weiter, dann wird sich das auch auf die Stimmung im Team auswirken. Nun heißt es also den Worten Taten folgen zu lassen. Denn wie sagte Frank Mauer doch so schön? „Die Schonfrist ist vorbei!“

Das Saisonziel? „Das letzte Spiel der Saison zu gewinnen!“

Am heutigen Montag war es so weit: Eisbären-Trainer Serge Aubin hatte die Mannschaft zum ersten offiziellen Eistraining gebeten. Und das unter den Augen der neugierigen Eisbären-Fans, die auch zahlreich erschienen waren. Natürlich wollten die Fans ihre alten Lieblinge auf dem Eis wiedersehen, aber natürlich auch ein erstes Auge auf die doch zahlreichen Neuzugänge werfen. Was die Spieler, welche man bereits aus der DEL kennt, können, weiß man ja aus den Ligaspielen gegeneinander. Von daher waren die Hauptaugenmerke vor allem auf die Neuzugänge gerichtet, welche man eben noch nicht aus der DEL kennt.

Der neue Goalie Juho Markkanen (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Und ich persönlich hatte mir vor allem mal Juho Markkanen angeschaut. Unseren neuen Goalie aus Finnland. Und der 20-jährige Goalie packte bereits beim Training schon die eine oder andere spektakuläre Parade aus, was ihm viel Applaus von den Rängen einbrachte. Er hat einen sehr aktiven Spielstil, geht dem Angreifer auch mal entgegen und versucht ihm die Scheibe mit der Torwartkelle von dessen Schläger zu schlagen. Am jungen Finnen könnten wir durchaus viel Freude haben, auch an seinem Torhüterstil, den man natürlich erst genauer beschreiben kann, wenn man die ersten Spiele gesehen hat. 

Von Düsseldorf nach Berlin gewechselt: Verteidiger Marco Nowak. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Einer, der auch neu in Berlin, aber nicht in der DEL ist, ist Verteidiger Marco Nowak, welcher von der DEG aus Düsseldorf zu den Eisbären wechselte. Der 32-jährige deutsche Nationalspieler kann zu einem absoluten Führungsspieler in der Berliner Defensive werden. Nowak stand nach dem Training zum Interview bereit und äußerte sich über das aktuelle Team, warum er nach Berlin gewechselt ist und warum er froh ist, die Eisbären-Fans nun hinter sich statt gegen sich zu haben:

Wir haben eine überragende Truppe, wo schon viele gute Sachen dabei sind. Es macht Riesenspaß hier zu sein. Wenn man die Chance bekommt, bei dem besten Club der Liga zu spielen und dann auch noch Berlin, dann sagt man nicht Nein. Es ist eine große Ehre für mich, dass ich hier sein darf. Es war immer unangenehm gegen Berlin zu spielen. Und jetzt mit den Fans im Rücken gegen die anderen Mannschaften zu spielen ist eine tolle Sache.

Beim ersten Training kam Nowak genau wie seine neuen Teamkollegen bereits ordentlich ins schwitzen. Es wurde wie immer das Passspiel und der Torabschluss trainiert. Zudem wurden Überzahlangriffe (2-auf-1 und 3-auf-2-Konter) und 3-gegen-3 sowie 4-gegen-4 trainiert. Das Tempo war bereits ordentlich hoch und was vor allem auffiel, dass die Defensive enorm hart verteidigte und es den Angreifern somit enorm schwer machte, zum Abschluss zu kommen. Zum Ende gab es wieder das obligatorische Penaltyschießen.

Will erneut das letzte Saisonspiel gewinnen: Marcel Noebels: (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Einer, für den das kein Neuland mehr ist – auch nicht der Trainingsauftakt vor so vielen Fans – ist Leistungsträger Marcel Noebels. Auch er stand nach dem Training zum Interview parat. Mit ihm wurde über sein Saisonziel und die Neuzugänge gesprochen:

Das Saisonziel ist das letzte Spiel der Saison zu gewinnen. Das ist ganz klar. Wenn man zweimal hintereinander gewinnt, dann ist es schwierig zu sagen, wir wollen die Playoffs erreichen. Wir wollen wieder bis zum letzten Spiel dabei sein. 

Ich glaube schon, dass wir uns gut verstärkt haben. Die Jungs sind ja jetzt keine Unbekannten. Den ein oder anderen kennt man aus der Liga, wo er sehr gut gespielt hat. Was auch Gründe dafür sind, dass die Jungs jetzt bei den Eisbären sind. Wir haben uns von der Erfahrung her nicht verschlechtert. Klar, es gibt auch ein paar Sachen wie unser Torhüter-Duo, was sehr jung ist, aber sie werden ihre Chancen kriegen, sich zu beweisen. Was nicht jeder Verein macht, glaube ich. Ein Verein, der oben mitspielen möchte oder Ambitionen hat, um die Meisterschaft mitzuspielen. Da muss man ja wirklich sagen, dass man viel Vertrauen in die Jungs steckt und was auch, wie ich finde, nach einer Zeit verdient ist. Ich wünsche den Jungs, dass sie es packen und auch schaffen. Wir werden gut aufgestellt sein. 

Noebels spricht das junge Torhütergespann an. Natürlich kann es ein Risiko sein, mit drei sehr jungen Goalies in die Saison zu gehen  (Juho Markkanen, Tobias Ancicka, Nikita Quapp). Aber die Verantwortlichen werden sich was dabei gedacht haben und die Tatsache, dass man eine Ausländerlizenz für einen jungen Goalie verwendet, vermittelt den Eindruck, dass man sich seiner Sache sehr sicher ist. Und finnische Goalies sind definitiv keine schlechte Wahl und Markkanen hat bereits heute angedeutet, was er zu Leisten im Stande ist. 

Head Coach Serge Aubin (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Über zehn neue Spieler haben die Eisbären verpflichtet. Diese muss man natürlich erst einmal ins Team einbauen und denen das System der Eisbären beibringen. Was bringen die Neuzugänge mit ins Team? Das wurde Trainer Serge Aubin heute nach dem Training gefragt:

Jeder ist unterschiedlich, aber wir haben ein paar Jungs mit ins Team gebracht, die große, gute Schlittschuhläufer sind, zudem Erfahrung haben, aber auch junge Spieler wie Guhle. Er ist noch nicht alt, hat aber Qualitätseishockey gespielt und ist ein absolut großartiger Schlittschuhläufer. Die neuen Jungs sind eine gute Ergänzung zu dem, was wir bereits hatten. Alle Neuen schlagen sich wirklich gut. Wir sind noch dabei, ein System zu etablieren und die Jungs werden dann sehen, wo sie reinpassen, aber bisher sind sie alle gut mit dabei. 

Als Aubin auf Marco Nowak angesprochen wurde, wurde er etwas ausführlicher:

Marco ist ein sehr solider Zwei-Wege-Verteidiger, der ab und zu Offensive ins Spiel bringen kann, aber auch sehr gut im defensiven Spiel ist. Er ist ein großer, rechts schießender Verteidiger und auch ein großartiger Leader. Er hat Führungsqualitäten in sich und ist eine wirklich solide Ergänzung für uns. 

Die Eisbären Berlin sind also zurück auf dem Eis. Die Neuzugänge machen, wie es Aubin bestätigt, einen sehr guten Eindruck. Nun liegt es am Trainerteam, die neuen Spieler schnellstmöglich und vor allem bestmöglich ins Team einzubauen und zu integrieren, damit man in der neuen Saison erneut um die Meisterschaft mitspielen kann. Dann wollen die Berliner den zehnten Titel anpeilen und die dritte Meisterschaft in Folge. Serge Aubin wurde nach dem Training darauf angesprochen, dass es schwerer ist, einen Titel zu verteidigen als ihn zu gewinnen. Welche besondere Herausforderung sieht er denn nun, wenn seine Jungs den Titel zum zweiten Mal verteidigen müssen?

Ich mag, wie bescheiden das Team ist. Wir haben die Fertigkeiten, aber wir arbeiten auch hart. Und wir werden das machen, was wir halt machen. Wenn wir so spielen, wie wir in der Lage sind und die Arbeit machen, die gemacht werden muss, dann geben wir uns selbst die Chance. Unser Ziel hat sich nicht geändert: Wir wollen das letzte Spiel gewinnen. Aber das ist schwer und das wissen wir. Wir sehen nichts als selbstverständlich an und bisher kann ich sagen, dass die Jungs in guter Form zurückgekommen sind. Sie hatten einen guten Sommer und das ist sehr positiv.

Das Ziel ist also klar: Die Eisbären Berlin wollen auch in der kommenden Saison den Pokal wieder in die Höhe strecken. Die Konkurrenz ist hart und hat sich enorm gut verstärkt. Aber die Eisbären werden sich wie in den letzten beiden Jahren nur auf sich und ihre Fähigkeiten konzentrieren. Alle ziehen an einem Strang, alle haben das selbe Ziel, alle sind heiß auf die dritte Meisterschaft in Folge. Ob es mit dem Vorhaben klappen wird, davon können wir uns ab Mitte September überzeugen, wenn es endlich wieder losgeht. 

Die Eisbären Berlin in der Saison 2021/2022: Vom letzten Platz am 1. Spieltag zur neunten Meisterschaft am Ende der Saison

Am 04. Mai 2022 endete die PENNY DEL-Saison 2021/2022 mit dem erneuten Gewinn der Deutschen Meisterschaft für die Eisbären Berlin. Geht man rein nach der Statistik, dann war das auch schon vor der Saison klar gewesen. Denn wenn der Hauptstadtclub Deutscher Meister wird, dann mindestens zweimal in Folge – 2005, 2006 – 2008,2009 – 2011, 2012, 2013 – 2021, 2022. Und wenn man diese Statistik weitergeht, dann steht also nächstes Jahr die zehnte Deutsche Meisterschaft an. Denn von 2011-2013 machten die Berliner sogar den Hattrick perfekt. Nächstes Jahr könnte man dieses Kunststück ein zweites Mal wiederholen. Doch bevor es in die neue Saison geht, steht uns erst einmal die Sommerpause bevor. Und bevor wir Euch in diese schicken, wollen wir natürlich noch einmal – wie Ihr es gewohnt seid – auf die vergangene Saison zurückblicken.

Die Eisbären sind als Titelverteidiger in die Spielzeit 2021/2022 gegangen und konnten für diese Saison das Gerüst des Meisterkaders nahezu zusammenhalten. Zwei Abgänge, die sicherlich schmerzten, war der von Ryan McKiernan in der Defensive und Lukas Reichel in der Offensive. Zwei Leistungsträger, welche einen enormen Anteil am Gewinn der achten Meisterschaft hatten, verließen die Berliner. McKiernan zog es nach Schweden (Rögle) und Reichel nach Übersee, wo die Chicago Blackhawks ihn gedraftet hatten.
Ein weiterer Abgang, der zumindest eine Lücke in die Offensive riss, war der von Kris Foucault nach Iserlohn. Die restlichen Abgänge (John Ramage, Thomas Reichel, Nino Kinder, Fabian Dietz, Mark Olver, Haakon Hänelt, PC Labrie) fielen nicht unbedingt ins Gewicht.
Denn allen Fans war klar, dass Sportdirektor Stéphane Richer schon für adäquaten Ersatz sorgen würde. Und so war es auch. In der Defensive zog er Morgan Ellis von Ligakonkurrent Ingolstadt und Nicholas B. Jensen von Düsseldorf an Land. In der Offensive wurden Manuel Wiederer (Deggendorf), Kevin Clark (Rapperswil), Yannick Veilleux (Laval Rocket), Bennet Roßmy (Lausitzer Füchse) und Blaine Byron (Ontario Reign) verpflichtet.

Damit hatte man einen guten Kader zusammen, um erneut die Deutsche Meisterschaft in Angriff zu nehmen. Die Eisbären wurden auch von den Experten als Titel-Kandidat genannt, schaute man aber rein auf das Personal, sah man vor Saisonbeginn die Adler Mannheim als am besten besetzt und somit Top-Favoriten auf den Gewinn der Meisterschaft. Das sollte sich jedoch mit den drei Nachverpflichtungen der Eisbären ändern. Durch die Transfers von Frans Nielsen, Dominik Bokk und Johan Södergran waren es auf einmal die Berliner, welche den am tiefsten besetzten Kader hatten und somit der Top-Favorit waren. Das lag aber natürlich auch am bisherigen Saisonverlauf, doch dazu später mehr.

Nichts zu holen gab es für die Eisbären Berlin in der diesjährigen CHL-Saison. (Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker)

Vor dem Start der PENNY DEL ging es für die Hauptstädter zunächst in der Champions Hockey League (CHL) zur Sache. Auch in die CHL-Saison war man mit hohen Erwartungen gestartet, welche man jedoch bereits nach vier Spielen enttäuscht begraben musste. Denn die ersten vier Spiele gingen allesamt verloren. Vor allem die Gegentorflut gab Anlass zur Sorge, denn man kassierte gegen Tampere sechs und fünf Gegentore, gegen Skelleftea waren es jeweils fünf Gegentore in beiden Spielen. Mit 21 Gegentoren aus vier Spielen ging die Generalprobe für den Ligastart also in die Hose.

Vor dem ersten DEL-Spiel wurde das Meisterbanner unter die Hallendecke gezogen. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Und zum Saisonauftakt folgte gegen den Erzrivalen München beim 1:4 zugleich die fünfte Pflichtspielniederlage in Folge. Diese konnten die Eisbären zwar mit zwei Auswärtssiegen in Iserlohn (7:4) und in Bremerhaven (4:0) beenden. Doch stand man auf einmal vor einem anderen großen Problem. Denn kaum waren die Fans wieder in die Arena am Ostbahnhof zurückgekehrt, taten sich die Berliner enorm schwer, einen Heimsieg einzufahren. Inklusive der beiden CHL-Spiele verloren die Eisbären sechs Heimspiele in Folge. Dagegen schien man auswärts als unbesiegbar, wurden doch die ersten sieben Auswärtsspiele der Saison gewonnen. Das sorgte schon für Kopfzerbrechen bei den Eisbären-Verantwortlichen, doch das Trainerteam um Serge Aubin behielt stets die Ruhe und wies immer wieder daraufhin, dass die Mannschaft sich in einem Prozess befindet und man noch auf der Suche nach der Normalform ist. Warum es auswärts besser klappte als daheim, dafür hatte er allerdings auch keine Erklärung, behielt aber auch hier weiterhin die Ruhe.

Heimsiege waren zu Saisonbeginn eine Rarität. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Und dann klappte es ja auch endlich mit Heimsiegen. Der 6:3-Erfolg gegen Lugano in der CHL machte den Anfang. In der DEL gewann man dann auch gegen Köln (6:3) und Ingolstadt (5:3). Nachdem man insgesamt sieben Pflichtspiele in Folge (DEL, CHL, Heim, Auswärts) gewann, wurde man von Schwenningen (1:3) auf eigenem Eis wieder ausgebremst.
Auswärts hatte es den Deutschen Meister dann auch erstmals erwischt. In Wolfsburg zog man beim 4:5 n.V. erstmals den Kürzeren auf fremden Eis. Beim 2:5 in Ingolstadt folgte die zweite Auswärtsniederlage in Folge und die erste nach regulärer Spielzeit. Bis zum Jahresende verlor man von den letzten fünf Auswärtsspielen aber nur noch eins – erneut in Wolfsburg (2:3 n.P.).
Zuhause feierte man in den restlichen elf Heimspielen bis zum Jahreswechsel acht Siege. Besonders eine Niederlage sorgte aber derweil für viel Gesprächsstoff – das 6:7 n.V. gegen Düsseldorf. Zum einen wegen der vielen Gegentore, zum anderen, weil man dieses Spiel trotz klarer Führung noch aus der Hand gegeben hatte.

Auswärts hatten die Eisbären-Fans diese Saison jede Menge Grund zum Jubeln. (Foto: Ela on Tour)

Doch inzwischen zeigte sich auch, dass mit den Eisbären dieses Jahr zu rechnen ist. Denn man kassierte nie mehr als zwei Niederlagen in Folge. Was eben an der enormen Auswärtsstärke der Berliner lag. Zudem punktete man zwischen den beiden Heimspielen gegen Nürnberg satte zwölf Spiele in Folge, gewann davon neun Spiele. Die Eisbären waren längst auf Platz eins der Tabelle angekommen. Den Platz sollte man auch nicht mehr abgeben.
Nach dem zweiten Heimspiel gegen Nürnberg gab es noch vier Spiele für die Eisbären bis zur Olympiapause zu absolvieren. Zwei davon gewann man (in Ingolstadt und in München), zwei davon verlor man (gegen München und in Mannheim). Mit der Niederlage gegen Nürnberg kassierte man erstmals drei Niederlagen in Serie. Als Erster ging man in die Länderspielpause. Aus dieser kam man mit fünf Siegen in Serie bestmöglich heraus. Dabei darf man aber nicht vergessen, das zwei dieser fünf Siege nach der Corona-Pause eingefahren wurden. Und zwar mit einem dezimierten Kader, was die Berliner aber nicht davon abhielt, mit 4:0 in Mannheim und 3:2 in Schwenningen zu gewinnen.

Bis zum Saisonende wechselten sich Licht und Schatten bei den Eisbären ab. Man hatte die Playoff-Teilnahme sicher, man war erneut für die CHL qualifiziert, man hatte das Heimrecht in der Tasche und am Ende auch den ersten Platz. Da ließ die Konzentration dann doch zu wünschen übrig. Zwei 2:1-Siege in Back-to-back-Spielen in München und Nürnberg folgten somit zum Ende der Hauptrunde zwei 3:6-Niederlagen gegen bzw. in Straubing. Aber das schärfte nur noch mehr die Sinne der Spieler und im letzten Hauptrundenspiel gegen Bietigheim fand man beim 5:1-Sieg zurück in die Erfolgsspur.

Als Erster gingen die Eisbären Berlin in die Playoffs und waren dort der Top-Favorit. Und doch gab es vor allem eine Baustelle, welche man die gesamte Saison über nicht in den Griff bekam, wenn gleich es zu Saisonende hin deutlich aufwärts ging. Das Powerplay, welches seit Jahren das Problemkind der Eisbären ist, war es auch in dieser Saison wieder. Mit einer Erfolgsquote von nur 18,02 Prozent war man in diesem Ranking nur auf Platz zwölf zu finden. Zu schlecht für eine Mannschaft, die das Ziel Meisterschaft hat.
Dafür stach bereits in der Hauptrunde das Penaltykilling hervor. Platz drei mit einer Erfolgsquote von 83,94 Prozent stand zu Buche. Zwischenzeitlich überstanden die Eisbären 32 Unterzahlspiele in Folge ohne Gegentor auf fremden Eis.

Kurzen Prozess machten die Eisbären Berlin im Viertelfinale mit den Kölner Haien. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Im Viertelfinale ging es zunächst gegen die Kölner Haie, welche sich in den Pre-Playoffs gegen Ingolstadt durchgesetzt hatten. Die Berliner galten als der klare Favorit und setzten sich letztendlich auch in drei Spielen souverän gegen die Domstädter durch. Einzig in Spiel eins konnte es Köln eng gestalten und verlor nur denkbar knapp mit 1:2. Bei einer besseren Chancenverwertung wäre für die Haie da einiges möglich gewesen. Die beiden anderen Ergebnisse fielen da schon deutlicher aus – 5:1 in Köln und 4:0 im entscheidenden dritten Spiel in Berlin.

Hart umkämpft ging es in der Halbfinalserie der Eisbären Berlin gegen die Adler Mannheim zur Sache. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Im Halbfinale kam es zum ewig jungen DEL-Klassiker Eisbären Berlin vs. Adler Mannheim. Ein brisantes Detail aus Mannheimer Sicht war sicher dieses, dass die Kurpfälzer seit 20 Jahren auf einen Playoff-Seriensieg gegen die Eisbären warteten.
Spiel eins begann aus Berliner Sicht sehr gut und man führte schnell mit 2:0. Doch die Adler gaben nicht auf und glichen aus. Auch die erneute Berliner Führung konterten die Mannheimer und zwangen die Eisbären so in Spiel eins in die Verlängerung. Die große Chance für die Adler also, das Heimrecht direkt zu klauen. Doch Manuel Wiederer hatte etwas dagegen und schoss die Berliner in der Verlängerung zum ersten Sieg. Wiederer sollte sich im Verlauf der Serie zum Adler-Schreck entwickeln.
Spiel zwei gewannen die Berliner klar mit 6:3 und alles war angerichtet für den Finaleinzug auf eigenem Eis. Doch Mannheim zog den Kopf nochmal aus der Schlinge und gewann Spiel drei in Berlin mit 5:3. Auch Spiel vier holten sich die Mannheimer (4:3) und erzwangen so den ultimativen Showdown in der Hauptstadt. Doch dort erwiesen sich die Eisbären als zu abgezockt und gewannen mit 3:0 und zogen verdient ins Finale ein. Aber die Kurpfälzer hatten den Eisbären in dieser Serie alles abverlangt.

Das Bild der Saison: Deutscher Meister 2022 Eisbären Berlin. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Die Eisbären trafen nach fünf hart umkämpften Spielen in nur neun Tagen im DEL-Finale auf Red Bull München, welche vor dem ersten Finalspiel vier Tage frei hatten. Die Eisbären hingegen mussten keine 24 Stunden nach dem fünften Halbfinalspiel das erste Finalspiel bestreiten. Es war das erste von möglichen drei Back-to-back-Spielen für die Berliner, sollte die Finalserie über die volle Distanz von fünf Spielen gehen.
Die Eisbären schockten München in Spiel eins und lagen nach 21 Minuten mit 3:0 vorne. Doch dann ließ die Konzentration nach und man machte entscheidende Fehler, welche München ausnutzte und das Heimrecht dank eines 4:3-Sieges klaute.
In Spiel zwei erwischte München den besseren Start und ging in Führung. Doch die schnelle Antwort durch Leo Pföderl nur 35 Sekunden später war enorm wichtig gewesen. Frans Nielsen brachte die Berliner zu Beginn des letzten Drittels erstmals in Führung. Diese verteidigte man enorm leidenschaftlich, doch zwei Minuten vor dem Ende glich München doch noch aus. Es folgte die Verlängerung und dort ging es für die Hauptstädter um alles. Eine Niederlage wäre gleichbedeutend mit dem Matchpuck für München gewesen. Diesen hätten sie dann nur einen Tag später in der Hauptstadt verwerten können. Doch Frans Nielsen schockte ganz München in der 84. Spielminute und sicherte den Eisbären den 3:2-Sieg in der zweiten Verlängerung und brachte somit das Heimrecht zurück nach Berlin.
Nur einen Tag später ging die Serie also in der Hauptstadt wieder von vorne los und die Eisbären hatten diesmal den besseren Start durch Zach Boychuk, was München aber schnell konterte. Am Ende war es Dominik Bokk vor der zweiten Drittelpause gewesen, welcher den 2:1-Sieg sicherte und Berlin den Matchpuck bescherte.
Zwei Tage später konnten die Eisbären ihre herausragende Saison krönen und taten dies mit einer absoluten Machtdemonstration. Mit 5:0 wurde München in eigener Halle im entscheidenden Finalspiel gedemütigt. Matt White schoss die Eisbären nach einem zuvor nicht gegebenen Tor für München auf die Siegerstraße. Er sollte noch zwei weitere Male treffen und so den Hattrick schnüren. Leo Pföderl und Frans Nielsen erzielten die anderen beiden Tore. Der Rest war Ekstase pur.

Die Eisbären Berlin haben allen Widrigkeiten in den Playoffs getrotzt. Nach fünf Spielen in neun Tagen gegen Mannheim folgten nochmal vier Spiele in nur sechs Tagen gegen München inklusive einer zweimaligen Verlängerung. Doch die Eisbären zogen das gnadenlos durch und holten irgendwo immer wieder Kraft-Reserven raus. Auch die Ausfälle von Yannick Veilleux, Zach Boychuk und Blaine Byron konnten sie nicht stoppen. Weil diese Mannschaft unglaublich zusammenhielt und Jeder für jeden kämpfte. Hinten verteidigte man mit unglaublich viel Leidenschaft und unterstützte somit den alles überragenden Mathias Niederberger im Tor. Und in der Offensive schoss man die Tore immer genau zur richtigen Zeit. Dieser unbändige Wille, dieser Charakter in der Mannschaft, diese Leidenschaft, das alles und noch viel mehr führte am Ende zur erfolgreichen Titelverteidigung.

Was aber auch ein Schlüssel zum Erfolg war, waren die Special Teams. Denn die Eisbären haben es in den Playoffs geschafft, ihr Powerplay rechtzeitig in Form zu bringen. Auf einmal klappte es in Überzahl und man traf in zwölf Spielen elfmal, was einer Erfolgsquote von 26,19 Prozent entsprach. Damit hatte man in den Playoffs das beste Powerplay. Du kannst die ganze Hauptrunde über das schlechteste Powerplay haben. Wenn es in den Playoffs auf den Punkt da ist und funktioniert, hast du alles richtig gemacht.
Auch das Penaltykilling verbesserte sich im Vergleich zur Hauptrunde nochmal deutlich. In den Playoffs war man mit einer Erfolgsquote von 92,50 Prozent das zweitbeste Team. Man ließ in 40 Unterzahlspielen nur ganze drei Gegentore zu. Auch die Special Teams hatten also ihren entscheidenden Anteil an der neunten Meisterschaft.

Goalie Mathias Niederberger wird die Eisbären Berlin nach zwei gewonnenen Meisterschaften Richtung München verabschieden. (Foto: eisbaerlin.de/Netti und Jasmin)

Wer natürlich auch seinen Anteil am erneuten Gewinn der Meisterschaft hatte, war Goalie Mathias Niederberger. Er kam in den zwölf Playoff-Spielen auf eine Fangquote von überragenden 93,56 Prozent. Dazu feierte er drei Shutouts. Und das waren nicht irgendwelche, nein, er spielte jeweils in den entscheidenden Spielen im Viertelfinale, Halbfinale und Finale zu Null – 4:0 vs. Köln, 3:0 vs. Mannheim, 5:0 in München. Das musst du erst einmal schaffen.
Zur Wahrheit gehört aber natürlich auch dazu, dass Niederberger im Halbfinale schwächelte und er somit auch ein Grund war, weshalb es zu Spiel fünf kam. Wenn du auf deine eigene Leistung aber so reagierst, dann zeugt das davon, was für ein Weltklasse-Keeper Mathias Niederberger ist. Insofern schmerzt sein Abgang nach dieser Saison natürlich enorm. Der deutsche Nationaltorhüter schließt sich ja wie bereits erwartet Finalgegner München an.

Ansonsten ist es natürlich wirklich sehr schwer, einzelne Spieler hervorzuheben. Denn die Meisterschaft war ein absoluter Team-Erfolg einer leidenschaftlich kämpfenden Mannschaft. Aber natürlich sind da die beiden Playoff-Top-Scorer Blaine Byron und Matt White (je 14 Punkte) zu nennen. Matt White hat sich mit seinem Hattrick in Spiel vier in München unsterblich gemacht. Byron hat in den Playoffs bewiesen, wie wichtig er für die Mannschaft sein kann. Auch sein Abgang wird eine große Lücke in der Offensive hinterlassen.
Über Leo Pföderl (11 Scorerpunkte) und Marcel Noebels (10) braucht man nicht viele Worte verlieren. Die beiden deutschen Nationalstürmer liefern einfach immer ab, wenn es gefordert ist. Egal ob Hauptrunde oder Playoffs. Es ist enorm wichtig, dass man diese Beiden halten konnte.
Frans Nielsen hat bei seiner letzten Karriere-Station noch einmal bewiesen, was für ein Weltstar er ist. Er steuerte in den Playoffs nochmal sieben Scorerpunkte zur Meisterschaft zu. Gerade sein Siegtor in der zweiten Overtime in Spiel zwei in München wird für immer in Erinnerung bleiben.
Manuel Wiederer ist natürlich auch zu nennen, der nach schleppendem Saisonstart, womit aber zu rechnen war, im Verlauf der Saison immer stärker wurde und in den Playoffs zu einem entscheidenden Faktor wurde. Gerade in der Halbfinalserie gegen Mannheim, wo ihm drei Tore gelangen. Gut, dass man ihn in Berlin halten konnte.
Über Frank Hördler braucht man glaube ich nicht viele Worte verlieren. Was er geleistet hat, ist unbeschreiblich. Er hat mit den Eisbären seine neunte Meisterschaft gewonnen und wurde zurecht zum Playoff-MVP gewählt. Nun hat er nur noch einen einzigen Traum: Einmal mit seinem Sohn Eric zusammen für die Eisbären Berlin spielen.
Man könnte eigentlich alle Spieler aufzählen, aber das würde den Bericht sprengen. Doch zwei Spieler muss ich noch hervorheben und das sind ganz klar Kai Wissmann und Jonas Müller. Beide haben punktetechnisch ihre beste Hauptrunde der Karriere gespielt. Beide Verteidiger kamen auf 20 Scorerpunkte (4 Tore/16 Vorlagen). In den Playoffs legten beide Spieler nochmal eine Schippe drauf und kamen auf sieben (Wissmann) bzw. sechs Scorerpunkte (Müller). Vor allen die drei Tore von Jonas Müller in den Playoffs stechen dabei natürlich heraus.
Kai Wissmann hat in dieser Saison den nächsten Schritt in seiner Karriere gemacht und wurde dafür von Bundestrainer Toni Söderholm mit der Nominierung für die WM belohnt. Diese läuft ja aktuell und da bestätigt Wissmann seine Leistungen und sorgt auch in Finnland für Furore.

Zweimaliger Meistertrainer der Eisbären Berlin: Serge Aubin (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Die Eisbären Berlin sind gerade dabei, in eine neue Dynastie zu starten. Auch wenn viele (dazu zählt auch der Autor dieser Zeilen) Fans nicht gerade davon begeistert waren, als Sportdirektor Stéphane Richer damals Serge Aubin (Foto links) als neuen Trainer nach Berlin holte. Diese Investition hat sich mehr als gelohnt und Serge Aubin hat die Eisbären Berlin zusammen mit seinem Trainerteam um Co-Trainer Craig Streu zurück zu alter Stärke geführt. Ja, er hat sie sogar zurück an die nationale Spitze geführt. Aubin hatte seine Visionen, als er in die Hauptstadt kam. Diese setzte er bereits in der wegen Corona abgebrochenen Saison um. Bereits in der damaligen Saison hatte man den Eisbären gute Chancen eingeräumt, am Ende die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Das taten sie dann in der vergangenen Corona-Saison. Diesen Erfolg konnte Aubin in dieser Saison wiederholen und sein Ziel in der neuen Saison wird ganz klar die zehnte Deutsche Meisterschaft und der damit verbundene Hattrick sein.
Das Team dafür wird er zur Verfügung haben. Auch wenn man mit Niederberger, Byron oder Bokk wichtige Stützen im Team verlieren wird. Richer wird erneut für adäquaten Ersatz sorgen und dann werden die Eisbären auch in der nächsten Saison wieder die Gejagten sein. Denn der eingeschlagene Weg wird weiter verfolgt. Mit einem Mix aus erfahrenen und jungen, talentierten Spielern werden die Eisbären ihre Vorherrschaft in der PENNY DEL verteidigen wollen. Und ein anderes Ziel, welches Serge Aubin wichtig ist, hat er auch schon angedeutet: Man will in der CHL ein Wörtchen mitreden, wenn es in der KO-Phase um das Ganze geht. Man blickt also auch nach dem erneuten Gewinn der Meisterschaft in Berlin nur nach vorne. Der Weg dieser Mannschaft ist noch lange nicht beendet. Auch in der neuen Saison wird man wieder angreifen. Und dann werden wir am Ende der Saison 2022/2023 vielleicht von der zehnten Meisterschaft berichten. Zuzutrauen ist es den Eisbären Berlin allemal.

Doch bevor es in die neue Saison geht, verabschieden wir uns erstmal in die wohlverdiente Sommerpause. Wir bedanken uns bei Euch für die Treue während der Saison. Ihr seid einfach eine klasse Community und wir hoffen, Euch auch in der neuen Saison wieder hier begrüßen zu dürfen. Bis dahin wünschen wir Euch eine schöne Sommerpause und alles Gute. Bleibt gesund und vor allem negativ!

Serge Aubin: „In den Playoffs kommt es jetzt auf jeden einzelnen Wechsel an.“

Heute Abend starten die Playoffs in der PENNY DEL. Köln und Ingolstadt sowie Nürnberg und Düsseldorf stehen sich in der ersten Playoff-Runde gegenüber. Die Eisbären Berlin können sich diese Spiele in aller Ruhe von zu Hause aus anschauen und dabei den potentiellen Viertelfinalgegner begutachten. Nürnberg, Düsseldorf oder Köln könnten der Gegner der Berliner ab Sonntag sein. Wer es am Ende wird, ist Stürmer Marcel Noebels egal, wie er nach dem Spiel am Sonntag gegen Bietigheim im Interview sagte. Letztendlich nimmt man es so, wie es kommt:

Also ich hab vor zwei Minuten erst geschaut, wer wie gespielt hat. Es kommt eh so wie es kommen soll. Wir können uns eh nur auf uns konzentrieren, was der kleine Nachteil ist, wenn man als Erster oder Zweiter in die Playoffs geht. Andere wissen gegen wen sie spielen. Da kann man sich in der Woche gut Zeit nehmen, um sich auf den Gegner vorzubereiten. Falls es so ist, dass wir erst Freitag Bescheid wissen, dann gibt es für uns eh kaum Vorbereitungszeit, um sich speziell einzustellen. Die Woche wollen wir nochmal nutzen, um kleine Verletzungen und Blessuren auszukurieren. Deswegen haben wir die Saison so lange gespielt, um die erste Runde aussetzen zu können. Es ist egal, wer am Sonntag kommt, wir freuen uns darauf, dass es endlich wieder um was geht.

In den Playoffs geht es natürlich um die Titelverteidigung, das ist das erklärte Saisonziel des Deutschen Meisters. 55 Spiele haben die Berliner in der Hauptrunde auf dem Weg in die Playoffs absolviert und die Hauptrunde als Tabellenerster abgeschlossen. 34 Spiele gewann man dabei nach regulärer Spielzeit, 12 Spiele verlor man nach 60 Minuten. Ging es in die Verlängerung oder ins Penaltyschießen, gewannen die Hauptstädter nur ein Penaltyschießen. Viermal ging das Spiel in der Verlängerung verloren, viermal im Shootout. Doch was nimmt Trainer Serge Aubin aus den 55 Spielen mit? Was fand er gut, was muss aus seiner Sicht noch besser werden? Das wurde er nach dem Spiel gegen Bietigheim am Sonntag auf der Pressekonferenz gefragt:

In den Auswärtsspielen waren wir sehr, sehr stark. Bei den Heimspielen weiß ich, dass wir besser auftreten müssen. Die konstante Leistung über die Saison ist hervorzuheben. Wenn wir uns zurück kämpfen mussten, haben wir es getan. Die Arbeitseinstellung meiner Spieler über die gesamte Hauptrunde hat mir sehr gut gefallen. In den Playoffs kommt es jetzt wirklich auf jeden einzelnen Wechsel an. Wir müssen eine konstante und solide Leistung bringen. Unser Energielevel muss während der Spiele konstant hochgehalten werden.

Sieht seine Mannschaft gut gerüstet für die Playoffs: Trainer Serge Aubin. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Aubin spricht sie an, die Auswärtsbilanz. Von 27 Spielen gewannen die Berliner 19 nach regulärer Spielzeit. Vier Spiele gingen nach 60 Minuten verloren. Einmal gewann man nach Penaltyschießen, einmal verlor man nach Verlängerung und zweimal nach Shootout. Diese Auswärtsstärke kann in den Playoffs natürlich zum Trumpf werden.
Man sollte es aber vermeiden, in die Overtime zu gehen, denn da konnte man lediglich einmal gewinnen. Und da sind die Heim- und Auswärtsspiele schon zusammengerechnet.
Aber wie Aubin schon sagte, es wird auf jeden einzelnen Wechsel ankommen. Und vor allem auch darauf, dass man seine Leistung über die vollen 60 Minuten und wenn nötig auch mehr durchzieht, denn da hatte man gerade zuletzt doch erhebliche Probleme. Da überzeugte man meistens nur ein oder zwei Drittel. Doch in den Playoffs sollten die Sinne dafür wieder geschärft sein.

Einer, auf den es in den Playoffs auch ankommen wird, ist Stürmer Marcel Noebels. Der Torjäger wurde zuletzt geschont, um in den Playoffs wieder bei voller Stärke zu sein. Aus seiner Verschnaufpause kam er hoch motiviert zurück und trug sich sofort wieder in die Torschützenliste ein. Wie sah die Berliner Nummer 92 die bisherige Saison? Das wurde er am Sonntag nach dem Spiel gegen Bietigheim gefragt:

Es war vieles dabei. Wir haben Phasen gehabt, da haben wir ohne Zuschauer gespielt, das war natürlich auch so eine Zeit, wo wir uns als Team umstellen mussten. Klar, wir haben uns irgendwie dran gewöhnt, aber auf der anderen Seite war es schön heute zu sehen, was wir ab nächster Woche erwarten können. Wir hatten Höhen, wir hatten Tiefen. Wir haben gut gespielt, wir haben nicht so gut gespielt. Jetzt ist es für eine gute Mannschaft auch Zeit, es auf das Eis zu bringen. Wir wollen nächste Woche Sonntag mit einem Sieg starten und den Heimvorteil hier behalten.

Gegen wen es dann geht, werden wir spätestens am Freitagabend wissen. Dann können sich die Berliner auch auf ihren Viertelfinalgegner einstellen. Denn aktuell kann man nur die Akkus wieder aufladen und im Training an den Feinheiten arbeiten. Und ab Sonntag sind die Eisbären dann der Gejagte. Dann werden alle den Meister vom Thron stoßen wollen. Aber wenn die Eisbären zu ihrer Form der Hauptrunde finden und an den Baustellen im Training arbeiten, dann können sie sich nur selbst schlagen.

Die Eisbären Berlin im Januar 2022: Ein Spiegelbild der Saison

Heute vor eine Woche haben die Eisbären Berlin das letzte Spiel vor der Olympiapause bestritten. Mit 3:1 setzte man sich beim EHC Red Bull München durch und feierte damit den ersten Saisonsieg gegen die Mannschaft von Ex-Eisbären-Trainer Don Jackson. Heute in 23 Tagen steht für die Hauptstädter erst das nächste Ligaspiel an, dann treffen die Berliner am Dienstag, den 22.02, in der Domstadt auf die Kölner Haie. Zeit für uns also mal die Spiele der Eisbären im Januar Revue passieren zu lassen.

Acht Partien hat die Mannschaft von Trainer Serge Aubin im abgelaufenen Monat absolviert und sie waren ein Spiegelbild der laufenden PENNY DEL-Saison. Vier Spiele bestritt man auf heimischen Eis, vier Spiele auf fremden Eis. Nur ein Heimspiel konnte man dabei gewinnen. Auswärts gewann man drei der vier Spiele. Was auch den bisherigen Saisonverlauf widerspiegelt.
Denn von den bisherigen 22 Heimspielen gewann man nur die Hälfte, also elf. Auswärts absolvierte man erst 18 Spiele, gewann davon aber satte 14 und blieb dabei nur zweimal ohne Punkte. Bei einem 2:5 in Ingolstadt und einem 2:3 in Mannheim. Die Niederlage in der Kurpfalz war zugleich die einzige auf fremden Eis im Januar.

Es ist schon unerklärlich diese Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsspielen der Eisbären Berlin. Stürmer Matt White wurde dazu nach dem Auswärtsspiel vergangenen Sonntag in München gefragt, wie er sich diese Stärke auf fremden Eis erklärt:

Nun ich denke, das liegt an unserer intensiven Vorbereitung. Wir gehen da auf das fremde Eis. Das ist für die schwierig ohne eigene Fans. Also ich denke, dass uns das ein bisschen Vorteil verschafft. Das ist in dem Sinne ja kein richtiges Auswärtsspiel. Normalerweise, wenn das gegnerische Team das erste Tor schießt, ist deren Fangemeinde nicht da, um sie dann anzufeuern, ihnen die nötige Energie zu geben, um weiterzumachen. Und wenn wir das erste Tor machen, dann hört man nichts, die Energie bleibt also auf unserer Seite und bei unseren Jungs, die auf der Bank sitzen. Jeder leistet seinen Betrag, spielt sein Spiel und so funktioniert das.

Vielleicht kann man diese Begründung ja auch auf die Heimschwäche der Eisbären zurückführen. Denn zu Hause tun sich die Berliner in dieser Saison enorm schwer. Und auch wenn man noch den „Luxus“ hatte, vor Fans zu spielen. So richtig Stimmung kam dennoch nicht auf und so fehlte den Eisbären auch der „siebte Mann“, um ein Spiel noch einmal zu drehen. Immerhin konnte man in drei der vier Januar-Heimspiele punkten, verlor aber die beiden Duelle, wo es in die Verlängerung bzw. ins Penaltyschießen ging. Was auch so eine Schwäche der Eisbären ist, hat man doch nur eins von insgesamt sieben Spielen noch gewonnen, in denen es über die reguläre Spielzeit hinaus ging.

Was im Januar noch auffiel? Die Eisbären kamen fast immer schlecht ins Spiel, gerieten in fünf der acht Spiele in Rückstand und konnten nur zwei Spiele am Ende noch für sich entscheiden. In drei der vier Heimspiele lag man mit 0:1 hinten, nur gegen Augsburg konnte man am Ende noch gewinnen. Auswärts lag man in zwei Spielen mit 0:1 hinten und konnte nur das Gastspiel in Düsseldorf noch für sich entscheiden. Das zweite Spiel war das in Mannheim und da lag man nach den ersten 20 Minuten bereits mit 0:3 hinten. Da kam die Aufholjagd am Ende zu spät.

Und trotz der eher durchwachsenen Bilanz haben die Hauptstädter ihre Tabellenführung gefestigt und stehen weiterhin souverän an der Tabellenspitze. Nach 40 Spielen hat man 80 Punkte auf dem Konto und somit einen Punkte-Quotienten von 2,00. Mit 141 Toren stellt man die beste Offensive, mit 106 Gegentoren hat man die fünftbeste Defensive. Wobei diese Werte alle mit Vorsicht zu genießen sind, ist die Tabelle der PENNY DEL doch arg verzerrt und die Frage nach dem sportlichen Wert stellt sich mehr denn je. Während Köln und Düsseldorf bereits 42 Spiele absolviert haben, steht Iserlohn noch bei 33 Spielen. Und wenn die PENNY DEL Nürnberg trotz arger Corona- und Verletzungssorgen heute in Augsburg mit nur zwei Reihen antreten lässt, sagt das doch so ziemlich alles aus. Fairness wird in dieser Liga nicht groß geschrieben.

Kommen wir aber zurück zum sportlichen und da drehte vor allem ein Stürmer richtig auf. Vor dem Januar stand Mark Zengerle bei gerade einmal zwei Toren und drei Vorlagen. Alleine im Januar sammelte Zengerle acht Scorerpunkte (2 Tore/6 Vorlagen). Jener Zengerle, der zu Beginn der Saison noch des Öfteren von der Tribüne aus zu gucken musste und bei dem ein Wechsel nach Schwenningen im Raum stand. Scheint fast so, als wäre die Nummer neun endlich in dieser Saison angekommen.
Zum internen Top-Scorer reichte das aber nicht, denn den Platz schnappte sich Leo Pföderl mit neun Scorerpunkten (4/5). Aber auch Matt White (5/3), Blaine Byron und Marcel Noebels (je 3/4) wussten mit acht bzw. sieben Scorerpunkten zu überzeugen.
Auf dem deutschen Sektor sind sicherlich die beiden Tore von Manuel Wiederer erwähnenswert. Aber auch die fünf Scorerpunkte von Kai Wissmann (1/4) und Frank Hördler (0/5). Zudem scorte Neuzugang Marco Baßler erstmals im Trikot der Eisbären und das gleich dreifach (1/2).

Bei den Torhütern kam Mathias Niederberger fünfmal zum Einsatz, Tobias Ancicka dreimal. Niederberger punktete in vier der fünf Spiele, feierte dabei drei Siege. Ancicka punktete in zwei Spielen und feierte einen Sieg.

Was im Januar bzw. in den letzten vier Spielen immer besser funktionierte, war das Powerplay der Eisbären. Das große Sorgenkind der Berliner in dieser Saison. Satte fünf Tore erzielte man in den letzten vier Spielen in Überzahl, was die Eisbären mit einer Erfolgsquote von nun 16,67 Prozent auf Platz zwölf in der Liga verholfen hat. Da zeigt die Tendenz also definitiv weiterhin nach oben. Das Penaltykilling funktionierte dagegen weiterhin sehr gut, was Platz sechs mit einer Erfolgsquote von 80.42 Prozent auch unterstreicht.

Nach 40 Spielen stehen die Eisbären auf Platz Eins in der PENNY DEL und sind mit 14 Auswärtssiegen in 18 Auswärtsspielen das beste Team der Liga. Man könnte also meinen, dass man bei den Berlinern rundum zufrieden ist mit der bisherigen Saison. Dem ist nicht ganz so, wie Kapitän Frank Hördler nach dem Spiel in München im Interview sagte:

Von der Platzierung her sind wir ganz gut gestartet. Wir haben uns einen guten Platz erarbeitet, das muss man ja dazu sagen, das hat uns keiner geschenkt. Wir waren von Anfang an auswärts sehr, sehr gut und sehr solide und souverän. Trotz alledem glaube ich, dass wir in unserer Mannschaft immer noch Potential nach oben haben. Sei es das Powerplay, sei es bei 5-5. Aber nichtsdestotrotz haben wir eine grundsolide und tolle Basis und dadurch, dass wir auf einen Roadtrip gehen, wenn wir nach der Pause zurückkommen, wollen wir das natürlich weiterhin so verteidigen.

Nach der Olympiapause werden die Eisbären alles daran setzen, Platz Eins zu verteidigen, um als Erster in die Playoffs zu gehen. Die Frage ist nur, ob das wirklich so ein großer Vorteil für die Berliner ist. Denn die Heim-Bilanz sagt da was ganz anderes aus. Da wäre es fast schon ein Vorteil, wenn man als Fünfter in die Playoffs starten würde. Denn da hat man dann immer ein Auswärtsspiel mehr…

2:1 in Köln! Nicht gut gespielt, aber dennoch drei Punkte geholt

Die Eisbären Berlin haben das Eishockey-Jahr 2021 mit einem Auswärtssieg beendet. Bei den Kölner Haien setzte man sich mit 2:1 (0:0,1:1,1:0) durch und festigte damit die Tabellenführung in der PENNY DEL. Dass es am Ende drei Punkte werden, damit hatte man nach 40 Minuten aber noch nicht rechnen können. Denn die Spieler und auch Trainer Serge Aubin waren sich darüber einig, dass Köln eigentlich die bessere Mannschaft war. Am Ende war es jedoch das Schlussdrittel, was den Berlinern die letzten drei Punkte im Jahr 2021 sicherte. 

Nach torlosem Auftaktdrittel ging Köln früh im Mitteldrittel in Überzahl durch Sebastian Uvira in Führung. Der Stürmer hatte einen Schuss von der blauen Linie von Maury Edwards entscheidend abgefälscht (22.). Rückkehrer Blaine Byron sorgte jedoch in der 31. Spielminute für den Ausgleich. Im dritten Drittel nutzten die Eisbären dann eine Matchstrafe gegen Ex-Eisbär Mark Olver, um dieses Spiel für sich zu entscheiden. Kevin Clark war es am Ende, welcher das 2:1 erzielte.

Clark war zwar der Torschütze des Siegtreffers, doch dass man überhaupt noch die Chance auf drei Punkte hatte, war vor allem Goalie Mathias Niederberger zu verdanken, der von allen am Ende gelobt wurde. So auch von Trainer Serge Aubin: 

Ich freue mich über die drei Punkte. Köln war heute aber sehr stark und die bessere Mannschaft. Die ersten beiden Drittel haben wir nicht gut gespielt, vor allem das Startdrittel hat sich wie eine Ewigkeit angefühlt. Im Schlussabschnitt waren wir dann etwas besser. Respekt an meine Spieler, sie haben einen Weg gefunden, die Partie zu gewinnen. Mathias Niederberger hat herausragend gehalten.

Das konnte man in dieser Saison schon mehrfach sehen, dass die Eisbären immer wieder einen Weg finden, Spiele zu gewinnen, in denen sie nicht ihr bestes Eishockey zeigen. Oder aber, wo sie nur ein oder zwei Drittel ihre Leistung abrufen. Und trotzdem stehen die Eisbären auf Platz Eins in der PENNY DEL, obwohl sie noch nicht ihr bestes Eishockey spielen. Noch immer hat man ordentlich Luft nach oben. Sei es bei den Heimspielen, wo es noch nicht so gut läuft wie auswärts in dieser Saison. Oder aber beim Powerplay, was mal wieder ein großes Sorgenkind ist. Oder aber die schwankenden Leistungen, dass man es eigentlich selten schafft, mal über 60 Minuten sein Spiel konstant durchzuziehen. Wenn diese ganzen Sachen nun auch noch besser werden, dann macht man den Berlinern den Platz an der Sonne so schnell nicht streitig.

Sieg-Torschütze Kevin Clark meinte nach dem Spiel auch, dass es nicht das beste Spiel gewesen sei, man aber glücklich über die drei Punkte sei:

Es war eine intensive und körperbetonte Partie. Die Special Teams haben heute den Unterschied ausgemacht. Unser Unterzahlspiel hat sehr gut funktioniert. Es war nicht unser bestes Spiel, aber wir sind sehr glücklich über die drei Punkte. Ich freue mich über mein Tor und dass ich meiner Mannschaft zum Sieg verhelfen konnte. Mathias Niederberger hat uns einige Male im Spiel gehalten.

Und der Berliner Goalie fand es ein sehr schweres Spiel in Köln, sah aber im Schlussdrittel den Grund für den nächsten Auswärtssieg:

Das war wirklich schwierig, weil am Anfang ist Köln gekommen. Die waren wirklich bereit, das Spiel zu übernehmen und zu gewinnen. Aber wir haben dagegen gehalten, haben aber ein bisschen gebraucht, um ins Spiel zu kommen. Im dritten Drittel haben wir dann dominiert und das war ausschlaggebend dafür, dass wir gewinnen konnten.

Was aber macht die Hauptstädter so stark auf gegnerischem Eis, wo man elf Siege eingefahren und nur dreimal verloren hat? Dabei holte man nur einmal keine Punkte auf fremden Eis. Mathias Niederberger mit seiner Erklärung dazu:

Wir sind relativ kompakt und dann zwingen wir die Gegner zu Fehlern. Wir sind früh am Mann, wenn die aufbauen und dann kriegen wir große Chancen, weil der Gegner normalerweise zuhause immer ein bisschen offener spielt. Wir schaffen es dann immer ein Tor zu schießen, was uns das Spiel dann öffnet. 

Dass es gestern aber noch mit einem Auswärtssieg klappte, war am Ende doch auch ein wenig glücklich, wie Verteidiger Kai Wissmann nach dem Spiel zu gab:

Vor allem im ersten Drittel war es eins der schlechtesten Drittel von uns in dieser Saison. Aber Mathias hat uns grandios im Spiel gehalten, vor allem im ersten Drittel aber auch danach natürlich. Im dritten Drittel haben wir dann gut gespielt, haben auch vorne Druck aufbauen können. Das zweite Drittel war auch schon einen Tick besser, aber auch nicht so, wie wir spielen wollen. Am Ende sicherlich ein bisschen glücklich der Sieg. 

 

Eisbären Berlin: Platz Eins zur Saisonhälfte, aber noch Luft nach oben

28 Spiele haben die Eisbären Berlin bis gestern absolviert und somit die erste Saisonhälfte hinter sich gebracht. Und nach dieser steht der Deutsche Meister mit 56 Punkten und einem Punktequotienten von 2 Punkten pro Spiel auf Platz eins der PENNY-DEL-Tabelle. Mit 100 Toren und 74 Gegentoren stellt man in beiden Kategorien die zweitbeste Mannschaft. Als einzige Mannschaft hat man einen Punktequotienten von zwei. Alles bestens also bei den Berlinern, könnte man meinen. Aber dem ist nicht so. Denn trotz Platz eins zur Halbzeit  gibt es auch beim Rekordmeister noch Verbesserungspotential.

Jubelnde Eisbären, ein Bild, an welches man sich vor allem auswärts in dieser Saison gewöhnt hat. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Besonders sticht dem Fan die Diskrepanz zwischen den Heim-Eisbären und Auswärts-Eisbären ins Auge. In der Arena am Ostbahnhof hat man bisher 16 Spiele absolviert, von denen man jedoch nur acht gewann. Von 48 möglichen Punkten holte man nur mickrige 26 Zähler. Auch die Torausbeute von 48:48-Toren ist eigentlich nicht die eines Spitzenreiters.
Doch die starke Auswärtsbilanz in dieser Saison hat den Berliner Platz eins beschert. Denn von bis jetzt 12 Auswärtsspielen gewann man satte zehn. Hier holte man 30 der möglichen 36 Punkte und weist eine Torausbeute von 52:26-Toren auf. Man stelle sich jetzt mal nur vor, wie weit die Eisbären der Konkurrenz in der Tabelle enteilt wären, würde man zuhause genauso aufspielen, wie man es auswärts tut.
In den zwölf Gastspielen erzielten die Berliner zehnmal vier oder mehr Treffer, nur in einem Spiel ging man nicht als Sieger vom Eis. Zuhause traf man in 16 Spielen nur in sechs Spielen viermal oder mehr – auch hier gab es dann nur eine Niederlage.
Die Torgefährlichkeit, welche die Hauptstädter auf gegnerischem Eis auszeichnet, ist ihnen in dieser Saison auf eigenem Eis bisher verloren gegangen. Chancen erspielt man sich zwar sowohl daheim als auch auswärts, doch die Effektivität ist auf fremden Eis deutlich besser. Was sich am Ende auch in der Gesamtwertung in Sachen Torschuss-Effizienz widerspiegelt, wo man mit einer Erfolgsquote von 10,19 Prozent nur auf Platz sieben zu finden ist.

Goalie Mathias Niederberger überzeugt auch in dieser Saison wieder mit konstanten Top-Leistungen. (Foto: eisbaerlin.de/netti und jasmin)

Einen Platz besser ist man in der Wertung der Torhüter-Fangquote, wo man insgesamt 90,85 Prozent aller Schüsse abgewehrt hat. Mathias Niederberger hat dabei die meisten Einsätze bisher absolviert, stand in 21 Spielen im Tor und kommt in diesen auf eine Fangquote von 92,69 Prozent. Zudem feierte der Nationaltorhüter auch schon einen Shutout.
Einen Shutout in fünf Spielen feierte Back-up Tobias Ancicka, dessen Fangquote bei 87,97 Prozent steht. Und Leon Hungerecker kam zweimal zum Einsatz und kommt in diesen beiden Einsätzen auf eine Fangquote von 86,9 Prozent. Was aber nicht seiner Leistung geschuldet ist, denn in den beiden Spielen in Bietigheim (5:4 n.P.) und gegen Düsseldorf (6:7 n.V.) wurde der junge Goalie mehrfach von seinen Vorderleuten im Stich gelassen und gab mit zahlreichen Paraden seiner Mannschaft überhaupt erst die Chance, in den Spielen noch etwas Zählbares mitzunehmen.

Wenn man in den 28 Spielen bisher eins enorm kritisieren muss, dann ist es das Berliner Powerplay, wo man das zweitschlechteste Team ist. Nur 15,56 Prozent weist die Erfolgsquote der Berliner in Überzahl auf. Mit so einem Wert kann man eigentlich nicht Tabellenführer in der PENNY DEL sein.
Aber auch hier sieht man eine ähnliche Diskrepanz wie bei der Heim- und Auswärtsstatistik. Denn das Penaltykilling ist bisher das deutlich bessere Special Team, steht auf Platz acht und weist eine Erfolgsquote von 79,59 Prozent auf.

Torjubel: Über 100 Tore konnten die Eisbären und deren Fans bisher in dieser Saison schon jubeln. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Wenn man 100 Saisontore bisher geschossen hat, zeigt das die unglaubliche Offensiv-Qualität, welche die Eisbären Berlin besitzen. Von daher auch nicht verwunderlich, dass man den zweit- und drittbesten Scorer der gesamten PENNY DEL in den eigenen Reihen hat. Matt White und Marcel Noebels kommen beide auf insgesamt 33 Scorerpunkte. Da White aber 13 Tore und 20 Vorlagen erzielte, ist er auf Platz zwei, während Noebels mit seinen zehn Toren und 23 Scorerpunkten auf Platz drei steht.
Neben den Beiden haben mit Leo Pföderl (12), Blaine Byron (11) und Giovanni Fiore (10) drei weitere Stürmer bereits doppelt getroffen. Die Offensive der Hauptstädter ist somit also schwer für die DEL-Konkurrenz auszurechnen.

So weit die statistischen Werte der ersten 28 Spieltage. Doch was sagen eigentlich die Verantwortlichen und Spieler zur ersten Saisonhälfte? Das haben wir gestern mal Trainer Serge Aubin und Stürmer Marcel Noebels nach dem Sieg gegen die Iserlohn Roosters gefragt:

Aubin ist vor allem mit der Auswärtsstärke zufrieden und sieht gerade bei den Special Teams noch Verbesserungspotential:

Natürlich bin ich zufrieden. Vor allem auswärts spielen wir sehr, sehr solide. Aber grundsätzlich kann man sagen, dass es ein Prozess ist, den wir durchlaufen. Wir wachsen immer weiter als Mannschaft zusammen. Die Saison ist aber trotzdem noch sehr, sehr lang, aber wir wissen, egal in welcher Situation, wie wir zu reagieren haben. Aber ich bin auch ganz ehrlich und muss zugeben, dass die Special Teams auch noch verbesserungswürdig sind.

Noebels hofft vor allem auf mehr Konstanz in den Auftritten der Eisbären, denn die ließ bisher doch arg zu wünschen übrig:

Es gibt viel Positives bisher, aber auch vieles, was wir in der zweiten Halbzeit noch verbessern müssen. Es ist auch wichtig, dass eine Mannschaft Spiele wie heute gewinnt, wo sie nicht gut spielt. Das haben wir in der Vergangenheit nicht so gut gemacht, da haben wir meistens verloren. Für die zweite Halbzeit ist es unheimlich wichtig, weil wir viel spielen. Jeder kennt die Tabelle, wie eng sie ist. Also ich glaube, bis zur Februar-Pause bzw. jetzt alleine bis ins neue Jahr kann man sich in der Tabelle schon so ein wenig orientieren, wo der Weg glaube ich hingeht. Da wo wir jetzt stehen, würde ich gerne bleiben bis zu den Playoffs. Wichtig ist glaube ich, dass wir in der zweiten Halbzeit viel konstanter werden. Viele Spiele werden enger jetzt. Auch eine Mannschaft, die um die Pre-Playoff-Plätze kämpft, verlangt einem alles ab und gerade da müssen wir lernen, in Zukunft auch solche Spiele zu gewinnen, so wie heute.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Eisbären Berlin in den ersten 28 Saisonspielen ihr Potential durchaus angedeutet, es aber eben noch nicht in allen Bereichen vollständig abgerufen haben. Und genau das dürfte die Konkurrenz in Angst und Schrecken versetzen. Denn wenn die Eisbären nun auch noch konstant gute Leistungen sowohl zuhause als auch auswärts abrufen und dann auch noch im Powerplay sich deutlich verbessern, dann geht auch in dieser Saison die Deutsche Meisterschaft nur über den DEL-Rekordmeister.