Serge Aubin: „Heute hat keiner seinen Job gemacht“

Bei den Eisbären Berlin ist man mit dem Ziel, das Turnier zu gewinnen, in den MagentaSport Cup gegangen. Vier Spiele später kann man sich von diesem Ziel verabschieden. Denn mit nur einem Punkt, 5:18-Toren und vier Niederlagen in vier Spielen stehen die Berliner abgeschlagen auf dem letzten Platz der Gruppe B.
Hatte man in den Spielen gegen Mannheim und München noch deutliche Leistungssteigerungen im Vergleich zum 1:5-Debakel im ersten Spiel gegen Schwenningen gesehen, sah man gestern ein Rückfall in genau jene Zeit vom ersten Duell mit den Schwarzwäldern. Dabei hatte Verteidiger Ryan McKiernan noch von einem großen Schritt nach dem Spiel in München gesprochen und auch davon, dass man auf dem Auswärtstrip als Team zusammengewachsen wäre.

Davon war gestern Abend definitiv nichts zu sehen. Und so stand den Spielern und Verantwortlichen des Hauptstadtclubs nach einer derben 2:7-Klatsche die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Youngster Lukas Reichel machte das auch deutlich bei seinem Interview direkt nach dem Spiel in Schwenningen bei Magenta Sport:

Ich weiß nicht, was momentan los ist. Wir haben jetzt drei oder vier Spiele in Folge verloren. Wir machen einfach die Kleinigkeiten nicht richtig. Wir arbeiten hart und versuchen es, aber irgendwie klappt der letzte Pass vor dem Tor halt nicht. In der defensiven Zone klappt auch noch nicht alles. Wir nehmen die nächsten Spiele, um es einfach verbessern zu können. Und dann sehen wir, wie es in der Saison aussieht.

Auch Trainer Serge Aubin fand an dieser Partie überhaupt nichts gutes, sondern viel mehr das schlechteste Spiel der bisherigen Vorbereitung (Quelle: Medieninformation der Eisbären Berlin vom 26.11.2020):

Die fehlenden Spieler dürfen keine Ausrede für diese Partie sein. Heute hat keiner seinen Job gemacht. Das war mit Abstand unser schwächstes Spiel bisher.

Kapitän Frank Hördler tat vor allem Goalie und gestrige Geburtstagskind Matthias Niederberger leid:

Zu dem Spiel gibt es nichts Gutes zu sagen. Mir tut es für Mathias Niederberger leid, dass er heute an seinem Geburtstag so oft im Stich gelassen wurde.

Das Positive am MagentaSport Cup? Es ist nur ein Vorbereitungsturnier, wo man verschiedene Systeme und weitere Sachen ausprobieren kann, um bestmöglich für die Saison vorbereitet zu sein. Das Negative am MagentaSport Cup? Bisher dürften die Eisbären mit ganz wenig Selbstvertrauen, dafür aber ganz vielen Baustellen aus diesem Turnier heraus gehen.
Offensiv ist man sehr harmlos, stellt mit Chaos-Klub Krefeld den schwächsten Angriff des Turniers (fünf Tore), defensiv stellt man mit 18 Gegentoren die schlechteste Abwehr des Turniers.
Man stellt das schlechteste Überzahl- und Unterzahlspiel.
Defensiv fehlt zu oft die Zuordnung, das gleicht viel mehr einem wildem Hühnerhaufen. Man lässt sich auch viel zu leicht von den gegnerischen Spielern überlaufen, Stichwort Schnelligkeit. In den Laufduellen haben die Eisbären meistens deutliche Nachteile. Zu oft können die gegnerischen Spieler ungestört zum Abschluss kommen, alleine vor den bemitleidenswerten Goalies auftauchen. Diese muss man aus der Kritik rausnehmen. Denn die wurden in den bisherigen Spielen immer wieder im Stich gelassen und bekamen so die Bude voll gehauen.
Vor dem Tor fehlt es an Kreativität, mal eine kompakte Defensive auszuhebeln, um gefährliche Torchancen zu kreieren. Im Spielaufbau fehlt es an Spielwitz, an einem echten Leader, der das Team in solchen Phasen wach rüttelt. Vor dem Tor an einem echten Torjäger, der auch mal aus keiner Chance ein Tor macht. Vielleicht hat man diesen ja mit Kris Foucault jetzt verpflichtet.
Das Powerplay ist seit einigen Jahren d a s Sorgenkind der Eisbären. Den Gegnern dürfte es inzwischen egal sein, wenn man eine Strafzeit gegen die Eisbären kassiert, so harmlos ist das Überzahlspiel der Berliner inzwischen geworden. Eins gefürchtet für seine unglaubliche Wucht in Überzahl, sind die Eisbären in Überzahl mehr zu „Eisbärchen“ verkommen, die keine Angst und Schrecken mit einem Mann mehr verbreiten. Weil man kein richtiges System erkennt, was man eigentlich spielen will. Zudem fehlt ein echter Blueliner, welcher im Powerplay für Gefahr von der blauen Linie sorgt. So wie früher Richie Regehr oder Derrick Walser. Mit Stefan Espeland hatte man auf einen so genannten Blueliner gehofft. Aber auch der aus Bremerhaven nach Berlin gekommene Defender sucht noch nach seiner Form. Wie eigentlich die gesamte Mannschaft.

Von daher ist es ganz gut, dass man nun noch zwei Spiele hat, um die ganzen Sachen abzustellen, welche im Moment nicht laufen. Und bessere Gegner als Mannheim und München kannst du in diesen beiden Duellen nicht haben. Denn die zeigen dir deine Fehler gnadenlos auf und nutzten diese schonungslos aus. Aber genau in diesen beiden Spielen müssen sich die Eisbären das so dringend benötigte Selbstvertrauen für den Ligastart in drei Wochen gegen Bremerhaven holen. Damit man mit einem guten Gefühl in die neue DEL-Saison startet.

2:7! Eisbären kommen in Schwenningen unter die Räder – Lukas Reichel nach dem Spiel ratlos

Viertes Spiel, vierte Niederlage: Die Eisbären Berlin bleiben weiterhin sieglos im MagentaSport Cup. Bei den Schwenninger Wild Wings setzte es eine derbe 2:7-Klatsche. Dabei bereitet vor allem die Leistung Kopfschmerzen. Denn verlieren kann man immer, aber es kommt auf das Wie an. Und das war keinesfalls zufriedenstellend. Am Ende blieben ratlose Eisbären-Spieler zurück.

Die Ausgangslage vor dem Spiel war klar: Schwenningen konnte mit einem Sieg Platz Eins übernehmen und somit einen Riesenschritt Richtung Halbfinale machen. Die Eisbären hingegen wollten endlich den ersten Sieg im MagentaSport Cup feiern. Verteidiger Leon Gawanke dazu im Interview vor dem Spiel bei Magenta Sport:

Wir wollen jetzt endlich mal ein Spiel gewinnen. In Mannheim und München haben wir gute Spiele hingelegt. Wir brauchen so langsam mal drei Punkte. Ich denke, wir werden einfach da weitermachen, wo wir in München aufgehört haben. Wir haben über 60 Minuten gutes Eishockey gespielt. Das erste Drittel gegen Schwenningen haben wir verschlafen. Heute werden wir von Beginn an Vollgas über 60 Minuten geben und das Eis als Sieger verlassen.

Dieses Vorhaben mussten die Berliner aber mit einem arg dezimierten Kader angehen. Denn es fehlten Tobias Ancicka (vorsorglich in Quarantäne), John Ramage, Nino Kinder, Maxim Lapierre, Marcel Noebels und Neuzugang Kris Foucault, welcher noch nicht spielberechtigt war. Da Jacob Ingham wieder zurück nach Los Angeles gekehrt ist, saß DNL-Goalie Gion Ulmer als Backup auf der Eisbären-Bank.

Schon nach 16 Sekunden klingelte es im Berliner Tor

Das mit dem Vollgas klappte dann aber nicht. Denn wie im ersten Duell gegen Schwenningen im Wellblechpalast klingelte es bereits in der ersten Spielminute im Berliner Tor. Bullygewinn für die Hausherren durch Darin Olver, die Scheibe kam direkt auf die Kelle von Dylan Yeo, welcher abzog, dessen Schuss vor dem Tor noch abgefälscht und letztendlich hinter Geburtstagskind Matthias Niederberger einschlug – 0:1 nach gerade einmal 16 Sekunden.
So hatte man das sich bei den Berliner definitiv nicht vorgestellt. Aber auch danach setzte der „Hallo Wach„-Effekt nicht ein, die Eisbären taten sich mit dem aggressiven Forechecking der Hausherren enorm schwer, machten immer wieder Fehler im Spielaufbau. Die Wild Wings waren im Gegensatz zu den Hauptstädtern von der ersten Sekunde an hellwach.
Die Berliner hatten erst in der neunten Spielminute die ersten nennenswerten Torabschlüsse. Mark Olver nach Fehlpass seines Bruders Darin, doch der Eisbär schoss knapp am Tor vorbei. Und wenig später war es Lukas Reichel, welcher per Onetimer aus dem Slot scheiterte.
Schwenningen stand hinten weitestgehend sehr kompakt und machte es den Gästen so sehr schwer, ins Spiel zu finden. Irgendwie verrannten sich die Berliner immer wieder in Einzelaktionen, versuchten es zu oft mit dem Kopf durch die Wand.
Wenn es gefährlich wurde, dann vor dem Tor der Eisbären. Darin Olver mit dem Zuspiel von hinter dem Tor vor das selbige, Travis Turnbull mit dem Onetimer, Niederberger war aber zur Stelle. Danach folgte das erste Powerplay der Partie für die Eisbären, aber die Statistik stimmte in diesem Fall wie die Faust aufs Auge. Während Schwenningen in 21 Unterzahlspielen noch ohne Gegentreffer war, stand bei den Eisbären in 13 Überzahlspielen bisher auch die Null. Und das Powerplay bestätigte das nur. Man fand nicht einmal in die Formation, gab keinen einzigen Torschuss ab. Schwenningen entfachte im Penaltykilling mehr Druck als die Eisbären in Überzahl.
Selbiges Bild setzte sich auch in den restlichen Minuten des Auftaktdrittels fort, Tore sollten aber keine mehr fallen. So nahm Schwenningen eine verdiente 1:0-Pausenführung mit in die Kabine. Deren Stürmer und Ex-Eisbär Alex Weiß mit seinem Statement zum ersten Drittel bei Magenta Sport:

Wir waren hoch motiviert, da es unser erstes Spiel zu Hause ist. Wir wollten einen guten Eindruck nach der Niederlage in Mannheim hinterlassen, was uns bisher gut gelungen ist. Dass Berlin eine gute Mannschaft ist, weiß jeder. Es ist eine junge Mannschaft, die auch hungrig ist, mit vielen Spielern, die auch die Chance haben, nach drüben zu gehen. Die wollen sich beweisen.

Die Freude über Labries Ausgleich wehrte nur 14 Sekunden

Zu Beginn des zweiten Drittels mussten die Hauptstädter früh in Unterzahl ran. Schwenningen traf bei zehn Überzahlspielen bisher zweimal – beide Tore gelangen im Hinspiel in Berlin. Und auch in diesem Powerplay hätte es beinahe geklingelt, doch Troy Bourke scheiterte mit seinem Rückhandversuch vor dem Tor an Niederberger. Im Anschluss daran gab es eine kleine Rangelei, an deren Ende auf Seiten der Wild Wings Bourke und Tyler Spink sowie bei den Eisbären Mark Olver und Ryan McKiernan wegen unnötiger Härte in die Kühlbox mussten.
Die Eisbären waren in diesem Drittel aktiver als noch im ersten. Lukas Reichel mit der ersten guten Gelegenheit nach 25 Minuten, als er sich über links klasse durchsetzen konnte und zum Abschluss kam, aber Patrik Cerveny im SERC-Tor war zur Stelle. Es war der Beginn einer guten Phase der Berliner, in welcher die Mannschaft von Chefcoach Serge Aubin den Ausgleich erziele konnte. Jonas Müller mit dem Querpass an der blauen Linie auf Leon Gawanke. Die NHL-Leihgabe mit dem Schuss, PC Labrie fälschte diesen unhaltbar ab und schon stand es 1:1 (27.).
Sollte sich das Spiel von nun an drehen? Nein! Denn ganze 14 Sekunden hielt der neue Spielstand nur, dann stand es schon wieder 1:2 aus Berliner Sicht. Jamie MacQueen erkämpfte sich an der rechten Bande im Angriffsdrittel die Scheibe, spielte sie weiter zu Darin Olver und der sah Dylan Yeo. Der Verteidiger schaute kurz und schloss dann trocken ins rechte Eck ab (27.).
Zwei Minuten später das zweite Berliner Powerplay in diesem Spiel. Und in diesem war viel Bewegung drin, man erspielte sich auch gute Möglichkeiten. Doch Leon Gawanke (zweimal), Lukas Reichel und Parker Tuomie scheiterten mit ihren Versuchen. Auch danach die Eisbären weiterhin offensiv ausgerichtet und mit Abschlüssen. Nur fehlte es an den richtig dicken Chancen.
Und Schwenningen? Wenn die Hausherren vor dem Tor waren, wurde es brandgefährlich. Und zweimal sollten die Mannen von Coach Niklas Sundblad in diesem Drittel noch zuschlagen. Darin Olver und Travis Turnbull mit einem klasse Doppelpass, Letzterer konnte dann ungestört abschließen – 3:1 (36.).
Und als die Berliner wieder mal in Unterzahl ran mussten, setzte es auch noch das 4:1. Aber dort offenbarten sich wieder große Lücken. Colby Robak kam mit viel Speed über links ins Angriffsdrittel, ließ zwei Berliner Spieler relativ mühelos stehen, fuhr rum ums Tor, spielte die Scheibe dann vor das Tor, wo Troy Bourke zwischen zwei Berliner Spielern durch kam, welche zu große Abstände ließen und Bourke problemlos einschießen ließen. Da stimmte die Zuordnung überhaupt nicht. So gingen die Schwarzwälder mit einer Drei-Tore-Führung in die Kabine.

Im Schlussdrittel brechen die Eisbären erneut ein

Und Hoffnung machte die bisherige Statistik des dritten Drittels im MagentaSport-Cup nicht wirklich, denn 0:7 lautete die Bilanz der drei dritten Drittel gegen Schwenningen, in Mannheim und München. An dieser sollten die Berliner in den letzten 20 Minuten noch ausführlich arbeiten.
Ideenlos kamen die Gäste von der Spree zurück auf das Eis. Schwenningen standen hinten sehr kompakt und ließ nichts zu. Die Eisbären hatten aber auch nichts Kreatives parat, um da mal durchzukommen.
Es dauerte ein wenig, bis man dann doch mal irgendwie vor das Tor kam. Ryan McKiernan mit dem Schuss von der blauen Linie, Patrik Cerveny konnte diesen nicht parieren und PC Labrie setzte den Nachschuss an den Pfosten. Zwei Minuten später tankte sich Mark Olver über rechts klasse durch und zog vors Tor, dann lag die Scheibe frei und Haakon Hänelt war wohl als Letzter dran – 4:2 (47.).
Der Beginn einer Aufholjagd? Nein, denn die Eisbären waren nur wenige Sekunden später erneut in Unterzahl und Powerplay gegen Berlin liegt den Schwänen. Tyler Spink kam über rechts ins Angriffsdrittel, hatte viel freie Eisfläche vor sich, fuhr vor bis zum Bullykreis und zog ab. Sein Schuss schlug im langen Eck ein – 5:2 (48.).
Die Partie war damit entschieden und Jonas Müller fuhr einen harten Check gegen David Cerny. Das gefiel Christopher Fischer überhaupt nicht und er ging wie wild auf Müller los, streckte ihn letztendlich per Stockstich zu Boden. Vor den Augen des Linienrichters, der sich während der ekligen Aktion aber anscheinend lieber die umgebaute Helios-Arena anschaute. Denn hätte er hingeschaut, wäre Fischer nicht mit zwei Minuten davon gekommen. Müller kassierte wegen eines Kniechecks eine Spieldauer.
Da Schwenningen gerne gegen Berlin mit einem Mann mehr spielt, nutzten sie die fünf Minuten auch gleich richtig aus. Boasz Bassen wurde im Slot frei gespielt und konnte sich die Ecke aussuchen, so viel Platz und Zeit hatte er – 6:2 (51.).
Und Andreas Thuresson setzte dann den Schlusspunkt unter dieses Spiel. Zunächst stand ihm noch der Pfosten im Weg, wenig später stand er alleine vor Niederberger und ließ dem Berliner Schlussmann keine Chance – 7:2 (53.).
Kurz vor Schluss die Eisbären nochmal mit zwei Mann mehr und einem Onetimer von Leo Pföderl, welcher aber nicht rein ging. Somit endete das Duell im Schwarzwald 7:2 für die Gastgeber.

Ein ratloser Lukas Reichel

Vollgas über 60 Minuten? Davon war rein gar nichts zu sehen. Die Eisbären wollten heute endlich den ersten Sieg einfahren, am Ende wurde es ein Debakel. Weil man es erneut an allem vermissen ließ, was man zeigen muss, um ein Eishockeyspiel zu gewinnen. Die Abstände in der Defensive sind einfach zu groß, da verteilt man Geschenke an den Gegner, welcher diese dankend annimmt. Vor dem Tor fehlt es an der Kreativität, sich mal Chancen zu erspielen. Zudem fehlte es an Kampfgeist, Laufbereitschaft, und, und, und…
Ja, wir sind noch in der Vorbereitung und man nutzt diese gerne zum testen, um die beste Formation für den Ligastart zu finden. Das Problem? Ganze zwei Spiele hat man jetzt noch im MagentaSport Cup vor sich – gegen Mannheim und München. Gegen die beiden besten Teams der Liga. Dort sollte man unbedingt ein Erfolgserlebnis feiern. Denn das ist dringend nötig für das Selbstvertrauen. Weil, auch wenn wir hier nur ein Vorbereitungsturnier haben, so offenbart es doch schon die großen Probleme der Eisbären. Und wenn du in diesem durch ständige Niederlagen dein Selbstvertrauen verlierst, ist das auch nicht gut im Hinblick auf den Saisonstart. Insofern müssen die Verantwortlichen nun anfangen, an den vielen Baustellen zu arbeiten.
Zwar gibt man immer vor zu wissen, woran es liegt, nur umsetzen tun sie es dann in den darauffolgenden Spielen gar nicht oder aber nur über eine bestimmte Zeit. Und wenn man dann Lukas Reichel im Interview nach dem Spiel hört, dann sieht das verdammt danach aus, als ob man eigentlich gar nicht weiß, woran es liegt, dass es derzeit so läuft, wie es läuft:

Ich weiß nicht, was momentan los ist. Wir haben jetzt drei oder vier Spiele in Folge verloren. Wir machen einfach die Kleinigkeiten nicht richtig. Wir arbeiten hart und versuchen es, aber irgendwie klappt der letzte Pass vor dem Tor halt nicht. In der defensiven Zone klappt auch noch nicht alles. Wir nehmen die nächsten Spiele, um es einfach verbessern zu können. Und dann sehen wir, wie es in der Saison aussieht.

Hoffen wir mal, dass wir in den nächsten beiden Spielen die wahren Eisbären zu Gesicht bekommen und sie voller Elan und Tatendrang in die neue Saison starten. Auch wenn es im Moment schwer fällt, daran zu glauben. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntermaßen zuletzt.

Ryan McKiernan: „Wir sind als Team zusammengewachsen“

Nein, der MagentaSport Cup ist bisher nicht das Turnier der Eisbären Berlin. Drei Spiele hat man absolviert, dreimal verließ man am Ende das Eis als Verlierer, hat bisher einen mickrigen Punkt sowie nur drei erzielte Tore auf dem Konto. Das hatte man sich in der Hauptstadt ganz anders vorgestellt, wollte man doch dieses Turnier gewinnen. Zwar hat man rein rechnerisch auch noch die Chance auf den Halbfinal-Einzug, aber leicht wird das nicht. Auf jeden Fall müssen die noch drei verbliebenen Gruppenspielen gegen Mannheim und München sowie in Schwenningen gewonnen werden. Und dann muss natürlich die Konkurrenz auch noch mitspielen.

Das bisher einzig Positive an diesem MagentaSport Cup aus Berliner Sicht ist sicherlich die deutlich sichtbare Leistungssteigerung vom Spiel Eins bis Spiel Drei. Gegen Schwenningen fand man überhaupt nicht in sein Spiel und kam dann auch relativ schnell von seinem Weg ab und ließ alles vermissen, was ein Eishockey-Spiel ausmacht und verlor somit am Ende verdient mit 1:5.
Gegen Mannheim zeigte man sich dann deutlich verbessert, doch am Ende stand auch da mit 0:3 eine Niederlage. Eine, die man aber hätte vermeiden können. Wenn, ja wenn man endlich die Disziplin in den Griff bekommt und sich nicht zu viele Strafzeiten einhandelt. Zudem war in Mannheim die Chancenverwertung ein weiteres Manko, weshalb man ohne Punkte blieb.
Gestern gegen München schien man daran gearbeitet zu haben, nutzte endlich seine Chancen und führte vor dem Schlussdrittel mit 2:0. Doch dann schwand wie schon in den letzten Dritteln gegen Schwenningen und Mannheim die Kraft und es hagelte Gegentore. Und das 2:2 kassierte man in Unterzahl nach einer vollkommen unnötigen Strafzeit gegen Constantin Braun. Da hätte er sich definitiv cleverer anstellen müssen. Und in der Overtime ließ dann auch noch die Konzentration beim entscheidenden Gegentreffer zu wünschen übrig, als München ungestört das Siegtor erzielen konnte, weil die Zuordnung in der Defensive überhaupt nicht stimmte.

Licht und Schatten also bisher, aber wie bereits angedeutet, gab es in den Spielen auch die positiven Dinge, welche sich von Spiel zu Spiel verbessert haben. Daher sprach Trainer Serge Aubin gestern nach dem Spiel auch davon, dass man in München sein bestes Spiel der bisherigen Vorbereitung bestritten hat (Quelle: Medieninformation der Eisbären Berlin vom 21.11.2020):

Betrachtet man nur das Ergebnis, ist es natürlich sehr enttäuschend. Wenn du im 3. Drittel mit zwei Toren führst, musst du den Sack zu machen. Ich denke aber, dass wir unser bisher bestes Spiel bestritten haben. Wir waren von Anfang an aggressiv gegen und geduldig mit dem Puck. Leider haben wir drei Minuten vor Ende des Spiels eine unnötige Strafe im Angriffsdrittel gezogen und dann das Gegentor bekommen. In der Verlängerung ist es dann immer auch ein bisschen ein Glücksspiel. Insgesamt haben wir heute vieles richtig gemacht.

Verteidiger Ryan McKiernan ging sogar noch weiter und sprach davon, dass man auf dieser Auswärtsreise als Team zusammengewachsen sei:

Natürlich sind wir nach dieser Niederlage enttäuscht, aber die beiden Spiele in Mannheim und auch heute waren die besten der bisherigen Vorbereitung. Wir haben gerade heute sehr strukturiert und schnell gespielt. Darauf können wir aufbauen. Auch wenn wir heute wirklich enttäuscht sind, war das ein riesen Schritt in die richtige Richtung. Wir sind auf dieser Auswärtsreise als Team zusammengewachsen.

Die nächste Chance, das zu beweisen, haben die Eisbären am Donnerstagabend, wenn es zum bisherigen Überraschungsteam der Gruppe B, den Schwenninger Wild Wings, geht. Will man den MagentaSport Cup immer noch gewinnen, muss die Aufholjagd da beginnen. Dafür bedarf es dann aber einer konzentrierten Leistung über die vollen 60 Minuten sowie einer fast perfekten Disziplin.

Eisbären verspielen 2:0-Führung! 40 Minuten starkes Eishockey reichen gegen München nicht aus

Die Eisbären Berlin bleiben beim MagentaSport Cup weiter sieglos. Am Samstagnachmittag war man zwar nah dran am ersten Sieg, doch am Ende unterlagen die Berliner mit 2:3 n.V. (1:0,1:0,0:2/0:1) beim EHC Red Bull München. Weil man nur über 40 Minuten die starke Leistung durchhielt, am Ende konditionell einbrach und man auch nicht mehr so konzentriert verteidigte. So blieb am Ende nur ein Punkt, den man aus München mit in die Hauptstadt nehmen konnte.

Zwei Spiele, zwei Niederlagen, 1:8-Tore – so lautete die Startbilanz der Eisbären Berlin in den MagentaSport Cup. Heute wollte man in München endlich den ersten Sieg einfahren. Stürmer Leo Pföderl äußerte sich vor dem Spiel bei Magenta Sport wie folgt:

Gegen Schwenningen haben wir es uns selber schwierig gemacht. Nach fünf Minuten haben wir uns schon vom Weg abbringen lassen, waren zu schnell frustriert und haben uns mit den anderen statt mit uns beschäftigt. Das wollten wir gegen Mannheim ändern, das haben wir auch gemacht, es war viel mehr Leben drin. Für uns war es wichtig, dass wir wieder mehr Gas drin haben, mehr miteinander reden und das hat in Mannheim schon ganz gut ausgesehen.

Und wie war der Matchplan heute in München?

München hat wieder die beste Mannschaft, da brauchen wir nicht drüber reden. Sind seit August unterwegs. Für uns wird es wichtig sein, wieder einen Schritt in die richtige Richtung zu machen. Wir haben viele junge Spieler bei, da müssen wir die Kleinigkeiten richtig machen und Spaß haben.

Das Team der Berliner war nur auf zwei Positionen im Vergleich zum Mannheim-Spiel verändert. Neben Maxim Lapierre und Nino Kinder fehlte heute auch John Ramage verletzungsbedingt. Und im Tor kehrte Matthias Niederberger zwischen die Pfosten zurück.

In Mannheim war vor allem die Chancenverwertung ein Manko, weshalb man das Spiel am Ende verloren hatte. Heute bot sich den Eisbären bereits nach 30 Sekunden die Riesenchance zum 1:0. Yannic Seidenberg mit dem Fehlpass von hinter dem Tor auf Marcel Noebels, welcher die Scheibe im Slot abfing und frei vor Kevin Reich stand, ihn aber nicht bezwingen konnte. Der Puck ging rechts vorbei.
Die Gäste mit aggressivem Forechecking, was es München schwer machte, das Spiel von hinten heraus aufzubauen. Und diese Forechecking sorgte dann nach 12 Minuten auch für die Führung. Akil Thomas setzte stark nach, erkämpfte die Scheibe hinter dem Münchner Tor, spielte sie hoch zu Frank Hördler, welcher direkt abzog. Dessen Onetimer fälschte Parker Tuomie entscheidend vorm Tor ab – 1:0. Die erste Führung beim MagentaSport Cup für die Eisbären und das zweite Turniertor von Tuomie.
Danach wurde München aktiver und kam auch zu Chancen. Doch Matthias Niederberger war stets zur Stelle und ließ nichts zu. Wie übrigens auch bei seinem letzten Duell im Welli gegen München, als man mit 1:0 gewann.
Drei Minuten vor der ersten Drittelpause kassierten die Hauptstädter ihre erste Strafzeit der Partie, Jonas Müller musste wegen Haltens für zwei Minuten in die Kühlbox. München hatte vor allem in der ersten Minute Probleme, in die Formation zu kommen. Als sie diese gefunden hatten, waren es Frank Mauer mit einem Tip-in vor dem Tor und Yannic Seidenberg mit einem Schuss von der blauen Linie. Doch stets war Matthias Niederberger der Sieger und sicherte den Berlinern die Pausenführung am Oberwiesenfeld.

Zu Beginn des Mitteldrittels hatten die Gastgeber die dicke Chance zum Ausgleich. Derek Roy kam über rechts ins Angriffsdrittel, täuschte einen Pass an, zog dann aber selbst ab, doch Matthias Niederberger war in der kurzen Ecke zur Stelle. Danach das erste Powerplay für die Eisbären in diesem Spiel, wo Stefan Espeland beinahe erhöhen konnte, aber der Pfosten stand am Ende im Weg.
Und wenig später war es Leo Pföderl, welcher ebenfalls das zweite Tor auf dem Schläger hatte. Goalie Kevin Reich mit dem Fehler hinter dem Tor, Pföderl kam an die Scheibe und zog aufs leere Tor ab, doch sein Schuss wurde abgefälscht und ging somit knapp am Tor vorbei.
Nun aber München wieder stärker und mit viel Zug zum Tor. Aber egal, was München versuchte, am Ende war immer Niederberger zur Stelle.
Und bei Vier-gegen-Vier waren es die Berliner, welche das 2:0 nachlegen konnten. Frank Hördler mit dem Pass vors Tor auf Marcel Noebels und der Spieler des Jahres mit d e m Traumtor zum 2:0. Noebels tauchte frei vor Reich auf, legte sich die Scheibe von der Rückhand durch die eigenen Beine auf die Vorhand und schloss diese geniale Aktion mit dem Schuss ins linke Eck ab (29.).
München zeigte sich zunächst geschockt, es fiel ihnen nichts ein, wie man die starke Berliner Defensive knacken konnte. Erst zum Ende des Mitteldrittels war München dann wieder aktiver und kam zu guten Chancen. Alles voran Yannic Seidenberg mit seinem Onetimer von rechts elf Sekunden vor der zweiten Drittelpause. Aber Matthias Niederberger hechtete rüber und die Fanghand fischte die Scheibe weg.
So stand es nach 40 Minuten 2:0 für die Eisbären. Sehr zur Freude von Kapitän Frank Hördler, welcher sich im Interview bei Magenta Sport wie folgt äußerte:

Wir sind tatsächlich von Wechsel zu Wechsel besser, merzen immer mehr die kleinen Fehler aus. Wir konzentrieren uns auf das Einfache, was uns die letzten Spiele viel gebracht hat. Es ist ein Prozess und das dauert eben, aber es ist nicht so, das München keine Top-Chancen hatte. Wie gesagt, das sind immer noch Fehler, die wir ausmerzen müssen.

Das letzte Drittel begannen die Gäste von der Spree nach einer Strafe gegen Kai Wissmann elf Sekunden vor der zweiten Pause in Unterzahl. Für München also die große Chance, um den Anschlusstreffer zu erzielen. Diese Chance nutzten sie aber nicht, konnten auch für keine Gefahr sorgen.
Doch in Minute 44 klingelte es im Kasten von Matthias Niederberger. Die Scheibe wurde tief gespielt, danach vors Tor in den Slot gepasst, wo Chris Bourque abzog und dessen Onetimer schlug im Tor ein – 1:2.
Die Berliner wollten schnell antworten und hätten dies beinahe im darauffolgenden Powerplay auch getan, aber das sehr druckvolle und gefährliche Überzahlspiel blieb ohne Erfolg. München tat sich danach sehr schwer, gefährliche Chancen zur kreieren. Es dauerte bis zur 53. Spielminute, ehe Derek Roy und Zach Redmond zu vielversprechenden Abschlüssen kamen, aber wie so oft am heutigen Nachmittag stand Matthias Niederberger im Weg.
Danach erhöhte München nochmal die Schlagzahl und setzte Berlin ordentlich unter Druck. Goalie Matthias Niederberger rückte immer mehr in den Mittelpunkt des Geschehens. Vor allem drei Minuten vor dem Ende des Spiels, also Constantin Braun nach einem etwas übertriebenem Einsatz im gegnerischen Angriffsdrittel für zwei Minuten auf die Strafbank musste. Und in diesem gelang München der Ausgleich. Deren Coach Don Jackson hatte zusätzlich noch Goalie Kevin Reich aus dem Tor genommen und bei Sechs-gegen-Vier hämmerte Chris Bourque die Scheibe von links ins kurze Eck – 2:2 (59.).
Dank dieser Energieleistung in den letzten Minuten kämpfte sich München verdient in die Verlängerung.

Dort hatte Leon Gawanke nach wenigen Sekunden die große Chance, als er mit viel Speed an den Münchner Verteidigern vorbei kam, aber am Ende an Kevin Reich scheiterte. Danach aber das selbe Bild wie im Schlussdrittel. Druckvolle Münchner, die mehr Biss und Willen zeigten. Und Eisbären, die einen Moment komplett pennten und dafür die Quittung kassierten. Chris Bourque konnte ungestört über links Richtung Tor ziehen, spielte die Scheibe scharf an den langen Pfosten, wo Zach Redmond lauerte und den Puck mühelos zum 3:2 für München über die Linie drückte. Somit ging der Zusatzpunkt an München.

Eine richtig bittere Niederlage, weil die Eisbären 40 Minuten lang ganz stark spielten, hinten wenig Top-Chancen zu ließen und vorne diesmal eiskalt die Chancen nutzten. Aber im Schlussdrittel wurde der Druck der Hausherren immer größer, die Ausdauer der Berliner spielte dabei aber wohl auch eine Rolle, spielte man doch bereits am Donnerstag in Mannheim, während München fünf Tage Pause hatte seit dem letzten Spiel gegen Schwenningen. Dennoch darf das nicht als Entschuldigung herhalten, denn die Ausdauer wird in der neuen PENNY DEL-Saison von enormer Bedeutung sein, wenn jede Mannschaft gleich drei Spiele die Woche absolvieren muss.
Doch letztendlich war nicht einmal die fehlende Ausdauer ausschlaggebend für die Niederlage. Eher wieder einmal die mangelnde Konzentration. Zum einen, weil Constantin Braun kurz vor Schluss eine völlig unnötige Strafzeit nahm, durch einen vollkommen übertrieben Einsatz an der Bande. Und zum anderen lud man München förmlich zum Sieg ein, denn vor dem 3:2 stimmt die Zuordnung in der Defensive überhaupt nicht. Zwei Mann bewegten sich weg von Chris Bourque, welcher so vollkommen ungestört den Pass auf Zach Redmond spielen konnte, welcher zu allem Überfluss auch noch völlig frei war. So darfst du einfach nicht verteidigen und die Quittung hat man dann dafür kassiert.

So fiel auch Parker Tuomies Statement nach dem Spiel im Interview bei Magenta Sport aus:

Ja, natürlich haben wir uns verbessert. Vom ersten Spiel gegen Schwenningen haben wir die letzten zwei Spiele ziemlich gut gemacht. Es ist natürlich bitter, wir haben die ersten beiden Drittel richtig Gas gegeben. München ist eine starke Mannschaft, dafür hatten wir das wirklich gut unter Kontrolle. Im letzten Drittel fehlt uns vielleicht ein bisschen die Erfahrung, die Abgeklärtheit, die Scheiben raus zu bekommen. Eine ziemlich unglückliche Strafe am Ende. Das sind dennoch zwei Spiele auswärts, auf denen wir aufbauen können.

Trotz 0:3 in Mannheim: Die Eisbären sind trotzdem zufrieden mit der Leistung

Zwei Spiele haben die Eisbären Berlin bisher im Magenta Sport Cup absolviert, zweimal stand man am Ende mit leeren Händen da. Während man aber beim 1:5 gegen Schwenningen vollkommen zu recht verlor, war die Leistung beim 0:3 gegen Mannheim gestern deutlich besser, so dass man dieses Spiel sogar hätte gewinnen können. Wenn, ja wenn man die Disziplin endlich in den Griff bekommt und man zudem an der Chancenverwertung arbeitet.

Alleine vier Strafen im ersten Drittel sind einfach zu viel. Auch wenn man diese allesamt dank starken Penaltykilling überstanden hatte, kann so etwas nicht lange gut gehen. Und so war es im Schlussdrittel die fünfte Strafzeit, welche die Adler auf die Sieger- und die Berliner auf die Verliererstraße brachte.
Dabei hatte man selbst genug gute Möglichkeiten, um ein Tor zu erzielen, hatte vor allem im Mitteldrittel phasenweise deutlich mehr vom Spiel als Mannheim, doch letztendlich fehlte es am Glück im Abschluss, aber auch an der nötigen Kreativität, um das Mannheimer Abwehrbollwerk zu knacken.

Doch trotz allem war man mit dem Auftritt in der Kurpfalz gestern Abend zufrieden. Co-Trainer Craig Streu hatte am Ende viel Positives gesehen (Quelle: Medieninformation der Eisbären Berlin vom 19.11.2020):

Am Ende steht zwar ein 0:3 auf der Anzeigentafel, aber wir haben heute sehr viel Positives gesehen. In der Defensive haben wir vieles richtig gemacht, nach vorne fehlte jedoch das Durchsetzungsvermögen ein bisschen und wir haben unserer Chancen nicht genutzt. Insgesamt war das Spiel aber in Ordnung.

Einer, der nach Verletzung endlich wieder mitspielen konnte, war Stürmer Leo Pföderl, welcher zum einen natürlich sehr glücklich über seine Rückkehr aufs Eis war, zum anderen beim Spiel dann aber den Unterschied bei den Kleinigkeiten sah:

Im Großen und Ganzen war es ein gutes Spiel von uns und wir können zufrieden sein. Nach dem Spiel gegen Schwenningen war es auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Am Ende waren es dann Kleinigkeiten, die zu den Gegentoren geführt haben. Persönlich bin sehr glücklich, dass ich heute wieder spielen konnte. Ich habe mich sehr gut gefühlt.

Und mit Jacob Ingham absolvierte gestern ein Spieler sein erstes Profispiel in seiner Karriere. Der 20-jährige Goalie, welcher aktuell von den Los Angeles Kings ausgeliehen ist, fand, dass am Ende mehr drin gewesen wäre:

Das war mein erstes Profispiel überhaupt, weswegen ich zu Beginn ein bisschen nervös war. Das hat sich aber schnell gelegt und ich habe einfach versucht, mein Bestes zu geben. Insgesamt war das heute eine gute Leistung, viel besser als zuletzt gegen Schwenningen, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Heute war mehr drin.

Ob man an den besagten Kleinigkeiten und vor allem an der Disziplin und der Chancenverwertung gearbeitet hat, werden wir bereits morgen Nachmittag um 17:00 Uhr sehen, wenn man beim EHC Red Bull München zu Gast ist. Viel Zeit war dafür natürlich nicht, um daran im Training zu arbeiten, aber man wird es zumindest angesprochen haben.

0:3 in Mannheim: Eisbären zeigen sich deutlich verbessert im Vergleich zum Schwenningen-Spiel, stehen aber am Ende doch wieder mit leeren Händen da

Nach dem 1:5-Debakel gegen die Schwenninger Wild Wings wollten die Eisbären Berlin Wiedergutmachung betreiben. Am Donnerstagabend gab es die Gelegenheit dazu, denn man trat beim Erzrivalen Adler Mannheim an. Man zeigte sich zwar deutlich verbessert, doch offenbarte das 0:3 (0:0,0:0,0:3) am Ende zwei Baustellen im Eisbären-Team – die Disziplin in Sachen Strafzeiten und das Toreschießen. Die fünfte Strafzeit im Spiel führte letztendlich zur Vorentscheidung und die mangelnde Chancenverwertung sorgte dafür, dass man das Spiel nicht mehr drehen konnte. Bis zum Saisonstart der PENNY DEL, welcher heute auf den 17.12 festgelegt wurde, gibt es also noch einiges zu tun beim Hauptstadtclub.

Geburtstagskind Jonas Müller, der heute 25 Jahre jung wurde (Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle) hatte natürlich einen Wunsch für das Auswärtsspiel in der Kurpfalz und sagte zudem, was im Vergleich zum ersten Duell gegen Schwenningen (1:5) besser werden muss:

Ein Sieg ist der Wunsch, drei Punkte wären optimal. Wir haben uns in dem Spiel nicht gut genug unterstützt. Wir haben uns gut vorbereitet, wollen die Sachen vom Videostudium umsetzen und besser machen. Die Kommunikation hat nicht gestimmt, wir sind immer mit zwei Mann auf einen Spieler rauf.

Für das Spiel in Mannheim setzte Trainer Serge Aubin auf den 20-jährigen Youngster Jacob Ingham, welcher für Mathias Niederberger zwischen die Pfosten rückte. Auch Stürmer Leo Pföderl kehrte in den Kader zurück und spielte in der ersten Reihe zusammen mit Lukas Reichel und Marcel Noebels.
Verletzungsbedingt fehlten die Stürmer Maxim Lapierre und Nino Kinder. Mit Fabian Dietz war ein weiterer Angreifer für Kooperationspartner Lausitzer Füchse im Einsatz.

Vom ersten Bully an war das Tempo hoch und beide Teams legten sofort den Vorwärtsgang Richtung gegnerisches Tor ein. Beide Teams waren also von Beginn an hellwach. Das waren sie beim ihrem jeweils ersten Spiel gegen München bzw. Schwenningen nicht, denn da lag man bereits früh zurück.
Das hatten die Eisbären also schon besser gemacht, was aber erneut nicht gut lief, war die Disziplin. Insgesamt vier Strafen kassierte man im Auftaktdrittel, weshalb man acht der insgesamt 20 Minuten im ersten Drittel auf der Strafbank saß.
Doch in diesen Unterzahlspielen zeigte man eine ganz starke Leistung, die Box vor dem Tor stand sehr gut und machte es den Gastgebern schwer, zu richtig guten Chancen zu kommen. Weil man die Schusswege klug zu machte und die Adler so zu Schüssen von außen zwang. Wenn es gefährlich wurde, dann allen voran durch Matthias Plachta, aber Jacob Ingham zeigte eine klasse Leistung. Die Eisbären zeigten sich also deutlich verbessert im Vergleich zum Auftaktspiel gegen Schwenningen, als man in vier Unterzahlspielen zwei Gegentreffer kassierte.
Bei Fünf-gegen Fünf zeigten sich die Gäste von der Spree aber auch mal in der Offensive und versuchten, Schüsse abzugeben. Aber wie Berlin stand auch Mannheim sehr kompakt in der Defensive. Bei gleicher Spieleranzahl war es ein Duell auf Augenhöhe. Lediglich in der 14. Spielminute hatten die Adler einen richtig starken Wechsel und gute Chancen durch Cody Lampl, welcher die Scheibe vor dem Tor stehend an den Pfosten abfälschte, Matthias Plachta und Marc Michaelis, an deren Ende Jacob Ingham wieder sehr stark zur Stelle war.
Zum Ende hin noch einmal ein starkes Penaltykilling der Eisbären, welche Mannheim überhaupt nicht in die Formation kommen lassen haben. Mit der Schlusssirene war es dann aber David Wolf, welcher eine Strafe wegen Stockschlags kassierte und den Eisbären so ein Überzahlspiel zu Beginn des zweiten Drittels bescherte.

Und da fanden die Gäste auch ihre Formation, doch auch Mannheim machte die Box vor dem Tor und somit die Schusswege stark zu.
Anschließend weiterhin ein sehr hohes Tempo auf beiden Seiten, die neutrale Zone wurde schnell überbrückt. Und als die Eisbären in Überzahl waren, hätte es beinahe erstmals an diesem Abend geklingelt. Aber Leon Gawanke scheiterte zunächst mit seinem Versuch von der blauen Linie und wenig später auch mit seinem Versuch aus dem Slot, als er frei gespielt wurde und die dicke Chance zur Führung hatte.
Optisch gesehen hatten die Berliner ein Übergewicht in den ersten zehn Minuten. Das änderte sich aber nach dem Powerbreak, als die Mannheimer wieder das Gaspedal fanden und nach vorne spielten. Aber weiterhin standen die Eisbären defensiv sehr kompakt und ließen Schüsse wenn überhaupt nur von außen zu. Und wenn doch mal was durchkam, wurde der Schuss rechtzeitig geblockt.
Die letzten Minuten des zweiten Drittels waren dann ausgeglichen und so stand es auch nach 40 Minuten 0:0. Ein Spiel, was vor allem Verteidiger Kai Wissmann Spaß machte, wie er im Pauseninterview bei Magenta Sport sagte:

Es macht einen Riesenspaß, großer Kampf von Beiden. Wir unterstützen uns viel besser gegenseitig. Wenn mal ein Spieler einen Zweikampf verliert, kommt der nächste zur Hilfe.

Zu Beginn des letzten Drittel bot sich dann den Eisbären die gute Chance zum 1:0, als Mark Zengerle Parker Tuomie auf Reisen schickte. Der Neuzugang mit der Nummer Zehn täuschte kurz an, ums Tor herum zu fahren, zog dann aber vor das Tor und kam per Rückhand zum Abschluss, doch Felix Brückmann war auf dem Posten.
Die Eisbären hatten nach dem ersten Drittel keine Strafzeit mehr kassiert, hatten sich da also deutlich verbessert, doch das sollte nur bis zur 47. Spielminute so bleiben. Leon Gawanke kassierte wegen Haltens die fünfte Strafzeit der Hauptstädter in dieser Partie und diese war letztendlich spielentscheidend. Denn im fünften Powerplay schlugen die Mannheimer eiskalt zu. Markus Eisenschmid hatte vom linken Bullykreis aus abgezogen, Jacob Ingham konnte die Scheibe nicht unter Kontrolle bringen und David Wolf staubte dankend ab – 0:1 (48.)
Mannheim wollte nun natürlich nachlegen und sollte dies vier Minuten später auch tun. Denis Reul schoss von links oben Richtung Tor, Jacob Ingham ließ den Schuss erneut nur prallen und diesmal war es Lean Bergmann, der da stand, wo ein Torjäger nun einmal stehen muss – 0:2 (52.).
Danach die Eisbären sichtbar am Drücker, sie wollten nun unbedingt den Anschlusstreffer erzielen, um noch einmal einen Fuß in die Tür zu setzen. Aber die Mannheimer Defensive stand weiterhin sehr kompakt und ließ kaum etwas gefährliches zu. Den Eisbären mangelte es in dieser Phase an der nötigen Kreativität, um dieses Bollwerk zu knacken.
EHC-Coach Serge Aubin riskierte am Ende alles, nahm 75 Sekunden vor der Schlusssirene auch noch Goalie Ingham zu Gunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Doch das nutzten die Adler zur endgültigen Entscheidung. David Wolf mit einem aggressiven Forechecking gegen Leon Gawanke, erkämpfte so an der Bandenrundung hinter dem Berliner Tor die Scheibe, spielte sie weiter zu Matthias Plachta, welcher keine große Mühe mehr hatte, die Scheibe im verwaisten Berliner Tor unterzubringen – 0:3, 29 Sekunden vor dem Ende des Spiels.

Somit verlieren die Eisbären also auch Spiel Zwei des MagentaSport-Cups. Und doch kann man diesem Spiel mehr positive als negative Dinge abgewinnen. Die Jungs haben eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber dem Schwenningen-Spiel gezeigt. Sie waren von der ersten Sekunde an hellwach, standen defensiv sehr kompakt und machten die Schusswege gut zu. In Unterzahl stand man auch bis zum fünften Unterzahlspiel sehr gut, ließ kaum etwas gefährliches zu. Und bei Fünf-gegen-Fünf war man auf Augenhöhe, in manchen Phasen aber sogar besser als Mannheim. Insofern kann man daraus Positives mitnehmen.
Was aber negativ zu erwähnen ist, ist mal wieder die Sache mit der Disziplin. Alleine im ersten Drittel saß man von 20 Minuten satte acht auf der Strafbank. Danach war man deutlich disziplinierter, kassierte im Schlussdrittel dann aber doch wieder eine Strafe, welche letztendlich spielentscheidend sein sollte.
Und der zweite Fakt, welcher negativ anzumerken ist: Nach den beiden Gegentoren innerhalb von gut fünf Minuten warf man zwar alles nach vorne, doch mangelte es an den nötigen Ideen, an der nötigen Kreativität, um das Abwehrbollwerk um Goalie Felix Brückmann zu knacken. Nach zwei Spielen und 120 Minuten steht somit ein mickriges Tor nur zu Buche, was darauf schließen lässt, dass man bei den Eisbären vielleicht nochmal in der Offensive nachlegen sollte. Denn ein Neuzugang würde dem jungen Team der Eisbären durchaus gut zu Gesicht stehen. Etwas hergeben sollte der Markt in diesen schwierigen Corona-Zeiten ja.

Verteidiger Leon Gawanke fand, dass man fast 50 Minuten ganz gut defensiv gestanden hat:

Ich denke, dass wir heute 60 Minuten ordentliches Eishockey gespielt haben. Natürlich gibt es noch einige Sachen zu verbessern. Auf Dauer geht das mit den Strafzeiten nicht gut. Über 50 Minuten haben wir defensiv ganz gut gestanden. Dann bekommst du zwei Gegentore in fünf Minuten und verlierst das Spiel.

19.04. – Der Tag an dem die Eisbären zum ersten und fünften Mal deutscher Meister wurden

Heute vor 15 Jahren (19. April 2005) wurde Papst Benedikt XVI. gewählt und wir sprachen damals untereinander schon scherzhaft vom „Papst“ Pagé, sollte das dritte Spiel der Finalserie der Eisbären gegen die Adler Mannheim im Welli durch die Hausherren gewonnen werden.

Am späten Abend und fünf Tore (vier für die Eisbären und eins für Mannheim) später bebte der Wellblechpalast und der Freudentaumel begann:

(gefilmt aus dem F-Block des Wellblechpalastes)

Weitere Impressionen zu dieser Meisterschaft und den folgenden sechs findet Ihr z.B. auf Twitter unter dem offiziellen Hashtag der Eisbären: #meistajahre

Die unvergessene erste Meisterschaft führte dazu, dass wir unseren eisbaerlin.de-FanClub gründeten. Bald starteten wir unseren Blog, in dem unser FanClub-Chef Walker seit mehr als einem Jahrzehnt seine Heimspiel-Berichte als WalkersBärenNews und viele weitere Berichte schreibt.

Danke sehr, Cheffe für alles an dieser Stelle!

Einen Bericht schrieb Walker einen Tag nach dem Gewinn des fünften Meistertitels, welchen die Eisbären am 19.04.2011 in Wolfsburg holten:

5:4 – Constantin Braun schießt die Eisbären zum Titel!

Jaaaaaaaaaaaaaaaaaa! Dieses Wort war wohl gestern Abend das meist benutzte Wort der Eisbärenfans gewesen. Mit einem 5:4 haben die Berliner im dritten Finalspiel in Wolfsburg ihren fünften Titelgewinn perfekt gemacht. Einen Titel, der, wenn man die ganze Saison betrachtet, eher unerwartet war. Doch am Ende zeigten die Hauptstädter wieder ihre Klasse und sicherten sich doch noch den Pott gegen das beste Vorrundenteam der Saison.

Auch das dritte Finalspiel zwischen diesen beiden Teams war hart umkämpft gewesen. Die Wolfsburger, bei denen Ex-Eisbär Daniar Dshunussow im Tor stand, gaben noch einmal alles für ihren großen Traum. Es entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch auf hohem Niveau.
John Laliberte brachte Wolfsburg nach neun Minuten mit 1:0 in Führung. Die dritte Wolfsburger Führung im dritten Finalspiel – sie sollte wieder ein schlechtes Omen sein. Denn praktisch im Gegenzug glich Mads Christensen zum 1:1 aus (10.). Doch erneut John Laliberte ließ die Wolfsburger von einem vierten Spiel in Berlin träumen – 2:1 (19.).

Im Mitteldrittel spielten die Eisbären dann ihre Klasse aus und drehten die Partie. Zunächst gelang Tyson Mulock in der 23. Minute der 2:2-Ausgleich. Dann legte Florian Busch in der 32. Minute das 3:2 für Berlin nach. Die Eisbären waren also nur noch 20 Minuten vom fünften DEL-Titel entfernt.

Aber Wolfsburg gab sich auch im Schlussdrittel nicht auf und versuchte weiterhin sein Glück. Norm Milley gelang in der 41. Minute der 3:3-Ausgleich. Zwei Minuten später aber eine entscheidende Szene. Derrick Walser lief in Unterzahl (!) alleine Richtung Dshunussow und vollendete zum 4:3.
Wer nun dachte, es sei die Entscheidung gewesen, der hatte die Rechnung ohne die tapfer kämpfenden Wolfsburger gemacht. Denn diese kamen nur zwei Minuten nach dem erneuten Rückstand schon wieder zurück – Kai Hospelt mit dem 4:4 (45.).
Nun war es ein Spiel auf des Messer´s Schneide. Beide Teams wollten die Entscheidung. Und für diese sorgte in der 57. Minute Verteidiger Constantin „Tine“ Braun, der die Eisbären mit seinem Treffer zum 5:4 zum fünften Titel in den letzten sieben Jahren schoss.

Nach der Schlusssirene gab es kein Halten mehr auf dem Eis und auf den Rängen des gut gefüllten Gästeblocks. Auch in der O2 World beim Public Viewing war nach der Schlusssirene die Hölle los. Gegen 3:00 Uhr kam dann auch die Mannschaft noch in die O2 World, um mit weit mehr als 1000 Eisbärenfans die Deutsche Meisterschaft zu feiern.
Dass der Pokal dabei schon lädiert war, war allen egal. In Wolfsburg mussten die Berliner mal kurz den Pokal wieder befestigen, da dieser auf wackligen Füßen stand. Und im letzten Jahr hatte ich mich noch über Hannover aufgeregt, die mit dem Pokal nicht vorsichtig umgegangen waren und er auch kaputt war. Nun machten es die Eisbären den Scorpions also nach…

Das Original ist hier zu finden: http://eisbaerlin.blogspot.com/2011/04/54-constantin-braun-schiet-die-eisbaren.html

 

Der Kapitän geht nach 17 Jahren von Board, ihm folgen gleich fünf weitere Abgänge – Goalie Mathias Niederberger kehrt zu den Eisbären Berlin zurück

In dieser Woche war einiges los bei den Eisbären Berlin. Am Mittwoch wurde der Abgang vom langjährigen Kapitän André Rankel bekannt gegeben, am Donnerstag vermeldete der Hauptstadtclub die Rückkehr von Torhüter Mathias Niederberger und am Freitag gab man neben Rankel fünf weitere Abgänge bekannt. Neben der EHC-Legende werden auch die drei Torhüter Sebastian Dahm, Justin Pogge und Marvin Cüpper, Verteidiger Florian Kettemer und Stürmer Louis-Marc Aubry in der kommenden Saison nicht mehr das Trikot mit dem Eisbären-Kopf tragen.

Verlässt die Eisbären Berlin nach 17 Jahren: André Rankel (Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker)

Die mit Abstand emotionalste Nachricht war dabei aber zweifelsohne der Abgang von Kapitän André Rankel, der 17 lange Jahre für die Eisbären Berlin gespielt hat und dabei zur goldenen 1985er-Generation zählte. Jene Generation, welche die glorreichen Zeiten maßgeblich prägten. In seinen 17 Jahren in Berlin holte die Nummer 24 alle sieben Meisterschaften mit den Eisbären, wurde Pokalsieger und European-Trophy-Sieger. Rankel absolvierte 865 Spiele für die Hauptstädter, erzielte dabei 247 Tore und ist somit Rekord-Torschütze der Berliner. Zudem bereitete Rankel auch 270 Tore vor, kommt somit auf satte 517 Scorerpunkte.

Dass diese Geschichte mal so lange werden würde, hatte damals im Jahre 2003 wohl niemand gedacht, schließlich kam André Rankel aus dem Westen, vom Lokalrivalen Berlin Capitals. Damit hattest du automatisch einen schlechten Stand im Ostteil dieser Stadt. Er selbst blickte im Gespräch mit Pressesprecher Daniel Goldstein noch einmal auf seine Anfangszeit in Hohenschönhausen zurück:

Definitiv, ich hatte wirklich gute Trainer, da braucht man nicht drüber zu reden. Pierre Pagé hat uns junge Spieler gut gefördert, manchmal auch überfördert. Don Jackson habe ich unheimlich viel zu verdanken als Trainer. Aber es gibt wirklich ein Trainer und ich glaube, da braucht man nicht drum rum reden, das ist Hartmut. Ich war das erste Jahr hier, ich war der Junge aus dem Westen. Ich hatte es nicht leicht bei ihm, ich hatte wirklich ein Jahr lang zu kämpfen. Und irgendwann kam der Punkt, wo er anscheinend was in mir gesehen hat, was jetzt zudem geführt hat, weshalb wir jetzt hier sitzen.

André Rankel hat in seiner Zeit in Berlin bleibenden Eindruck hinterlassen. Er hatte einen großen Anteil an den sieben Meisterschaften und war zudem Mitglied der legendären „RUM-Reihe“ um ihn, Stefan Ustorf und T.J. Mulock. Für Rankel die beste Reihe, in der er je gespielt hat. Da kamen auch nicht die beiden NHL-Stars Claude Giroux und Danny Brieré heran. Und das hat was zu heißen.

Seine punktbeste Saison spielte er im letzten Meisterjahr der Eisbären Berlin in der Saison 2012/2013. In jener Saison war er nach zwei Jahren als Assistenzkapitän erstmals Kapitän der Berliner und sollte dies bis zu seinem Abgang in dieser Saison auch bleiben. Damals absolvierte er 48 Hauptrundenspiele, in denen er 20-mal traf und 34 weitere Treffer vorbereitete. In 13 Playoff-Spielen kamen noch einmal vier Tore und zehn Assists hin zu. Seine besten Playoffs spielte Rankel in der Saison 2010/2011, wo er in zwölf Spiele neunmal traf und zudem auch neun weitere Treffer vorbereitete.
In den drei Spielzeiten danach scorte André Rankel weiterhin 30 und mehr Scorerpunkte, danach fiel seine Statistik merklich an. Was aber auch daran lag, dass sich seine Rolle im Team mit der Zeit verändert hatte und es schlussendlich nun dazu geführt hat, dass der Kapitän nach der abrupt beendeten Saison 2019/2020 die Eisbären Berlin verlassen wird. Den Grund dafür nannte er natürlich im Gespräch mit Daniel Goldstein auch:

Ich hätte gerne meine Karriere hier beendet, weil der Verein mir wirklich am Herzen liegt. Es ist für mich wirklich sehr schwer vorstellbar, irgendwo anders Eishockey zu spielen, aber im Endeffekt wurde mir diese Entscheidung jetzt abgenommen. Ich werde nächstes Jahr nicht mehr für die Eisbären spielen. Für mich persönlich ist es auch so, dass die sportliche Situation, die Rolle, die ich jetzt gerade dieses Jahr im Team hatte, dass ich damit nicht mehr glücklich war. Ich habe es wirklich gemacht, weil ich gemerkt habe, dass wir als Mannschaft unglaublich erfolgreich sein können dieses Jahr. Weil ich wirklich was gespürt habe, was ich bei den sieben Meistertiteln gespürt habe. Ich für mich persönlich war auch nicht mehr glücklich mit der rein sportlichen Situation. Die Eisbären sind ein unheimlich toller Verein, dem ich wirklich viel zu verdanken habe. Daran werde ich mich immer erinnern.

Und auch wir Fans werden André Rankel nie vergessen, prägte er doch die besten Zeiten des Vereins maßgeblich mit und so ist es auch mehr als verdient, dass sein Trikot mit der Nummer 24 unter die Hallendecke der Arena am Ostbahnhof kommt und im Verein nie mehr vergeben wird. Denn André Rankel ist und bleibt eine lebende Eisbären-Legende.

Auf dem Weg zu einer möglichen Legende in der Hauptstadt könnte Mathias Niederberger sein. Der

Hier noch im Trikot der DEG, im nächsten Jahr dann wieder im Eisbären-Trikot zu sehen: Goalie Mathias Niederberger (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Nationaltorhüter kehrt zur kommenden DEL-Saison in die Hauptstadt zurück und könnte dort zum absoluten Publikumsliebling werden. Der war er schon einmal in der Spielzeit 2014/2015, wo er erstmals in Berlin aktiv war und damals elf Spiele für die Eisbären absolvierte, in denen er einen Gegentorschnitt von 2,64 pro Spiele und eine Fangquote von 91 Prozent aufwies.
Danach führte sein Weg weiter zur Düsseldorfer EG, wo er sich zum Top-Goalie und inzwischen besten Torhüter der DEL entwickelt hat. Mit Ausnahme einer Saison lag seine Fangquote stets bei mindestens 91 Prozent. In der abgelaufenen Saison waren es sogar starke 93 Prozent.
In einer Medieninformation der Eisbären Berlin äußerte sich der alte, neue Goalie der Berliner zu Wort:

Die Eisbären haben früh deutliches Interesse gezeigt und mir damit ein gutes Gefühl gegeben. Ich habe tolle Erfahrungen gemacht, als ich das erste Mal bei den Eisbären war. Berlin ist ein Traditionsclub, der erfolgreich und ambitioniert ist und somit sehr gut zu mir passt. Ich bin voller Vorfreude und bin gespannt darauf, was die Zukunft in Berlin für mich bereithält.

Bleibt nur zu hoffen, dass auf der so wichtigen Torhüter-Position nun Ruhe bei den Eisbären Berlin einkehrt. Denn nach Rob Zepp und Petri Vehanen hatte man es bisher nicht geschafft, eine neue etatmäßige Nummer Eins zu finden. Kevin Poulin konnte zwar überzeugen, war aber wohl menschlich sehr schwierig gewesen. Sebastian Dahm und Justin Pogge konnten in dieser Saison auch nicht restlos überzeugen. Maximilian Franzreb hat man einfach zu selten das Vertrauen und Eiszeit geschenkt. Und Marvin Cüpper wurden seine vielen Verletzungen zum Verhängnis. Sonst hätte Cüpper durchaus das Zeug zur Nummer Eins in der DEL gehabt.
Mit Niederberger könnten die Eisbären nun wieder langfristig auf der Torhüter-Position top besetzt sein. Jedenfalls ist der ehemalige DEG-Goalie der beste Torhüter der Liga und hat einen mehrjährigen Vertrag in der Hauptstadt unterschrieben.

Blieben noch die beiden Abgänge von Florian Kettemer und Louis-Marc Aubry, welche bei den Fans Trauer hinterließen. Aubry kam zur Ende der Hauptrunde der Saison 2016/2017 an die Spree. In seiner Zeit entwickelte sich die Nummer 41 zum Publikumsliebling in Berlin. Aubry kommt auf 134 Hauptrundenspiele für die Eisbären, in denen 36 Tore erzielte und 52 weitere Tore vorbereitete. In den Playoffs kamen nochmal 35 Spiele hinzu, in denen er 12-mal traf und 15 Torvorlagen lieferte. Insgesamt also eine starke Bilanz von Louis-Marc Aubry in seiner Zeit in Berlin.

Verschob sein Karriereende und folgte dem Ruf der Eisbären. Am Ende wurden es zwei tolle Jahre in der Hauptstadt: Florian Kettemer (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Und dann hätten wir da noch Florian Kettemer, der von den Eisbären Berlin sozusagen aus dem Ruhestand geholt wurde. Vor der Saison 2018/2019 hatten die Berliner Notstand in der Verteidigung, weshalb man „Ketti“ einen viermonatigen Probevertrag gab. Doch Kettemer schlug voll ein, wurde zum Publikumsliebling und so durfte er bis zum Saisonende und darüber hinaus bleiben. In 88 Hauptrundenspielen kommt er auf elf Tore und 22 Torvorlagen. In acht Playoff-Spielen kommt nochmal ein Assist hinzu. In der vorletzten Saison entpuppte sich der Verteidiger zudem noch als Penalty-Monster, war es doch meist die Nummer 69 der Eisbären, welcher das Penaltyschießen zu Gunsten der Hauptstädter entschieden hatte.
In der vorletzten Saison hatte er unter den Trainern Clément Jodoin und Stéphane Richer eine offensivere Rolle, weshalb im zehn Treffer gelangen. Unter Serge Aubin hatte Kettemer nun aber eine defensivere Rolle, weshalb seine Torproduktion verständlicherweise zurückging. Was leider einige Fans vergessen hatten, als sie ihn während der Saison als schlechten Verteidiger im Vergleich zur Vorsaison betitelten. Dabei war seine +/- Bilanz im Vergleich zur Vorsaison (-3) mit +12 deutlich besser.
In beiden Jahren war er jedoch stets einer der Leistungsträger im Team der Eisbären. Im Gespräch mit Daniel Goldstein blickte Florian Kettemer nochmal auf seine zwei Jahre in Berlin zurück:

Es hat super viel Spaß gemacht, sonst wären es nicht zwei Jahre geworden. Wenn ich jetzt zurückblicke, es waren zwei Jahre, es hätten eigentlich vier Monate sein sollen als Aushilfe. Ja und ich hatte dann so viel Spaß oder hab mich ganz neu entdecken können, neuen Spaß gefunden. Es waren zwei super Jahre. Speziell im ersten Jahr haben die Trainer mir ein anderes Vertrauen gegeben und mich quasi eine andere Position spielen lassen, offensiver. Ja, es hat super Spaß gemacht, Tore zu schießen und war auch wichtig für mich persönlich, diese Erfahrung zu machen. Das hat natürlich dazu beigetragen, dass ich auch hier geblieben bin und nochmal ein Jahr drangehängt und gespielt habe. Ich habe es sehr genossen.

Für alle sechs Spieler, die die Eisbären Berlin jetzt verlassen haben gilt: Wir werden Sie niemals vergessen und danken Ihnen für die tolle Zeit in Berlin und für Alles, was Sie für den Verein geleistet haben. Allen voran André Rankel, den wir vielleicht nach seiner Karriere noch einmal in irgendeiner anderen Funktion im Verein sehen könnten. Das wäre doch der ideale Start in seine Karriere nach der Karriere!

Die Eisbären Berlin in der Saison 2019/2020: Eine Spielzeit, in der es in den Playoffs hätte sehr weit gehen können

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Spätestens heute Nachmittag hätten alle acht Teilnehmer für das diesjährige Playoff-Viertelfinale in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) fest gestanden. Dann hätten auch Vorrundensieger EHC Red Bull München und der Titelverteidiger Adler Mannheim endlich ihren Gegner in der Runde der letzten Acht gehabt. Wir hätten uns mit der Vorschau auf die am Dienstag beginnende Viertelfinalserie gegen die Düsseldorfer EG beschäftigt. Die geilste Zeit des Jahres wäre eingeleitet worden. Doch daraus wurde leider nichts. Seit Dienstagabend ist die DEL-Saison 2019/2020 vorzeitig beendet, die Playoffs finden nicht mehr statt und es wird erstmals in der DEL-Historie keinen Deutschen Meister nach einer Spielzeit geben. So schade das alles ist, so vollkommen richtig ist diese Entscheidung der Liga-Verantwortlichen. Denn Eishockey ist für uns Fans die schönste Nebensache der Welt. Aber aufgrund des Coronavirus gab es nur eine einzige und richtige Option: vorzeitiger Saisonabbruch. Die Gesundheit aller ist wesentlich wichtiger als irgend ein Eishockeyspiel. Wir alle können nur hoffen, aus dieser Geschichte so unbeschadet wie nur möglich herauszukommen, um bald wieder in unseren geregelten Alltag zurückzukehren. Und irgendwann auch wieder die schönste Nebensache der Welt, nämlich Eishockey, in den Arenen dieses Landes zu verfolgen.

Doch trotz all dieser schrecklichen Ereignisse in den letzten Tagen und Wochen wollen wir nicht auf ein Fazit der DEL-Saison 2019/2020 verzichten. Wir wollen noch einmal auf die Saison der Eisbären Berlin zurückblicken, in dem Fall ja leider nur die Hauptrunde. Aber auch diese verdient es, analysiert zu werden.

Die vergangene Saison 2018/2019 war keine gute für die Berliner. Man erlebte eine sehr unruhige Spielzeit mit viel mehr Tiefen als Höhen und einem zwischenzeitlichen Trainerwechsel von Clément Jodoin zu Stéphane Richer. Lange Zeit musste man gar um die Teilnahme an den Pre-Playoffs bangen. Wobei viele Fans sich es sogar gewünscht hätten, man würde diese mal verpassen, damit in der Geschäftsetage der Hauptstädter endlich mal ein Umdenken in Sachen Kaderplanung stattfinden würde.
Doch nach der Länderspielpause starteten die Berliner eine Aufholjagd und alle fragten sich, was mit dieser Mannschaft in der Pause passiert war. Am Ende sicherte man sich doch noch Platz Neun und traf in den darauffolgenden Pre-Playoffs auf die Straubing Tigers, welche man in zwei Spielen ausschaltete. Im Viertelfinale bekam man es dann mit dem amtierenden Deutschen Meister EHC Red Bull München zu tun, gegen den man aber nach sechs Spielen den Kürzeren zog, in diesen Duellen aber angedeutet hatte, zu was diese Mannschaft eigentlich zu Leisten im Stande gewesen wäre.

Dennoch handelten die Verantwortlichen der Eisbären Berlin in der Sommerpause und so verließen gleich satte 14 Spieler den Verein. Man wollte also mit einem runderneuerten Team in die neue Saison gehen und da dann wieder angreifen. Dafür musste man auch schmerzhafte Entscheidungen treffen. Wobei schmerzhaft meistens eher auf die Fans zutrifft, die den ein oder anderen Liebling ab sofort nicht mehr im Eisbären-Trikot sehen konnten.

Hatte keinen so guten Stand bei den Eisbären-Fans: Sebastian Dahm (Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker)

Auf der so wichtigen Torhüterposition wurde der Vertrag mit dem während der Hauptrunde verpflichteten Kevin Poulin nicht verlängert. Was aber nicht an seinen Leistungen lag, denn ohne ihn wäre man nicht mal in die Nähe der Pre-Playoff-Teilnahme gekommen. So lag es wohl viel mehr an seinem schwierigen Charakter, weshalb man ihn nicht länger in Berlin haben wollte.
Statt Poulin verpflichteten die Berliner den dänischen Nationalgoalie Sebastian Dahm (siehe Foto links), welcher vom Ligakonkurrenten Iserlohn Roosters an die Spree wechselte. Was vielen Fans jedoch nicht passte. Für sie war Dahm einfach keine etatmäßige Nummer Eins, was viele ihn auch immer wieder spüren ließen. Das verunsicherte Dahm anfangs natürlich auch, doch spätestens beim Duell gegen das NHL-Team Chicago Blackhawks zeigte er allen, was in ihm steckte und danach ging seine Formkurve steil nach oben. Dennoch war die Saison des Sebastian Dahms von vielen Höhen und Tiefen begleitet, zum Publikumsliebling schaffte er es demnach nicht bei allen Fans. Dennoch lässt sich seine Statistik sehen. In 34 Spielen kassierte er 86 Gegentore, hatte eine Fangquote von 90,52 Prozent und feierte während der Hauptrunde drei Shutouts.
Hinter Dahm standen eigentlich mit Marvin Cüpper und Maximilian Franzreb zwei junge Torhüter als Back-up parat, doch Cüpper verletzte sich erneut und Maximilian Franzreb traute man diese Rolle anscheinend nicht wirklich zu. Wie die Eisbären mit ihren Youngsters umgehen, ist hinlänglich bekannt und stößt allen Fans immer wieder sauer auf. Man hat schon einige Talente ziehen lassen, weil man deren Potential nicht erkannt hat.
So kam es, wie es kommen musste. Man zauberte Justin Pogge aus dem Hut, welcher aus Schweden von Södertälje SK in die Hauptstadt wechselte. Pogge sollte 17-mal zwischen den Pfosten stehen, kassierte dabei 38 Gegentore und wies eine Fangquote von 91,85 Prozent auf. Ihm gelang ein Shutout. Bei Pogge wechselte sich aber auch Licht und Schatten ab, auch er war nicht bei allen Fans der Eisbären beliebt, aber anscheinend mehr als Dahm. Seine manchmal riskante Spielweise sorgte für so manches graues Haar bei den Fans. Aber wenn diese Aktionen erfolgreich waren, so wie zuletzt beim abschließenden Hauptrundenspiel gegen Bremerhaven, als er das Tor von Mark Olver mit einem Sahne-Pass einleitete, dann musste man ihn dafür einfach loben.
Ob wir beide Goalies ab September jedoch wieder sehen werden, ist derzeit noch unklar. Beide haben aktuell keinen Vertrag für die neue Saison und dann wäre da ja noch das Gerücht mit Mathias Niederberger, welcher demnach in der nächsten Saison wieder im Berliner Tor stehen würde. Mit ihm würde den Berlinern ein Coup auf der Torhüterposition gelingen und sie wären schlagartig deutlich besser aufgestellt als mit Dahm und Pogge.

In der Defensive gab es gleich fünf Abgänge und noch heute schmerzt allen sehr wahrscheinlich der

War eine Top-Verstärkung in der Defensive und der punktbeste Verteidiger der Eisbären: Ryan McKiernan (Foto: Jasmin und Ela on Tour)

Abgang von Publikumsliebling Micki DuPont am meisten. Dazu verließen auch Youngster Maximilian Adam (zum Unmut vieler Fans), Jens Baxmann, Danny Richmond und Mark Cundari den Verein.
Dem gegenüber standen jedoch nur zwei Neuzugänge, wenn gleich diese keine schlechten waren. Ryan McKiernan (siehe Foto rechts) kam von der Düsseldorfer EG und John Ramage aus der AHL von den Binghamton Devils in die Hauptstadt. Beide hatten ihre Aufgaben in der Verteidigung. Während McKiernan durchaus in der Offensive Akzente setzen sollte, war es bei Ramage eher der defensivere Part, den er übernehmen sollte. McKiernan schlug voll ein und war am Ende der Hauptrunde mit 35 Scorerpunkten der fünftbeste Eisbär in der internen Scorerwertung. Sechsmal traf er selbst, 29 weitere Tore bereitete McKiernan vor. Für Ramage standen am Ende 13 Scorerpunkte (1 Tor/12 Vorlagen) zu Buche. Er verrichtete in der Defensive gute Arbeit, kann aber in der neuen Saison durchaus noch zulegen.

War die erhoffte Verstärkung im Sturm und sorgte für viele Tore im Eisbären-Trikot: Leo Pföderl (Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker)

Auch in der Offensive verzeichneten die Berliner eine Vielzahl an Abgängen. Mit Jamie MacQueen verlor man den zweitbesten Scorer und mit 21 Toren besten Torjäger. Ihm wurde sein mangelndes Defensiv-Verhalten zum Nachteil. Ihm folgte Youngster Cedric Schiemenz in den Schwarzwald zu den Schwenninger Wild Wings, wo MacQueen ja bekanntlich die Saison nicht beenden sollte.
Die beiden Kumpels Brandon Ranford und Colin Smith konnten überhaupt nicht überzeugen und wurden somit gleich wieder weggeschickt. Die Verträge von Martin Buchwieser und Daniel Fischbuch wurden aufgelöst. Auch Thomas Oppenheimer und Charlie Jahnke hatten keine Zukunft mehr in Berlin. Das man vor allem bei Fischbuch einen Fehler gemacht hatte, zeigte er in Nürnberg, wo er die Saison mit 48 Scorerpunkten (19 Tore/29 Assists) als Top-Scorer beendete.
Aber natürlich hatten die Eisbären Verstärkungen parat und diese schlugen fast vollends ein. Allen voran natürlich der ehemalige Nürnberger Leo Pföderl (siehe Foto links), der nach Anfangsschwierigkeiten am Ende doch noch auf starke 37 Scorerpunkte (21/16) kam und damit in der internen Wertung auf Platz Drei landete. Maxim Lapierre mit 34 (11/23), der nachverpflichtete Landon Ferraro mit 21 (12/9) und PC Labrie mit 20 Scorerpunkten (11/9) spielten ebenso eine gute Saison und lieferten den Beweis dafür ab, dass sie eine gute Verstärkung für das Team waren.
Die größte Überraschung war aber mit Abstand Youngster Lukas Reichel, welcher in seine ersten Profisaison voll einschlug. Am Ende standen 24 Scorerpunkte (12/12) für den stark von der NHL umworbenen Youngster zu Buche. Man sollte nicht unbedingt davon ausgehen, dass wir ihn ab September wieder in Berlin auf dem Eis sehen werden. Sein Weg wird wohl aller Voraussicht nach in die NHL führen.
Auch zwei weitere Youngster machten auf sich aufmerksam. Sebastian Streu mit acht Scorerpunkten (6/2) und Fabian Dietz mit drei Scorerpunkten (1/2) spielten eine gute Saison. Ihnen gehört die Zukunft bei den Eisbären Berlin.

Seine Verpflichtung wurde vor der Saison massiv kritisiert, am Ende führte er die Eisbären aber zu Platz Vier und Heimrecht im Viertelfinale: Serge Aubin (Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker)

Aber auch auf der wichtigen Position hinter der Bank gab es eine Veränderung. Serge Aubin (siehe Foto rechts) übernahm den Hauptstadtclub, begleitet von viel Kritik. Am Ende der Hauptrunde sollte diese aber verpufft sein, führte er die Eisbären doch mit seinen beiden Co-Trainern Craig Streu und Gerry Fleming auf einen starken vierten Platz, welcher vor Saisonbeginn auch das ausgegebene Saisonziel war. Dieses erreichten die Eisbären relativ problemlos am Ende, holten mit 94 Punkten satte 20 Zähler mehr als in der Vorsaison und erreichten sicher das Viertelfinale, in welchem sie Heimrecht gehabt hätten.

Doch auch wenn sich das jetzt alles so positiv liest, so einfach war der Saisonbeginn überhaupt nicht. Der war, genauso wie die Vorbereitung, sehr holprig. Gleich die ersten vier Testspiele setzte man in den Sand und schon sahen sich die Kritiker bestätigt. Darunter waren auch ein peinliches 4:5 beim Kooperationspartner Weißwasser sowie ein 3:8-Debakel bei Aubins Ex-Club Vienna Capitals.
Doch die Mannschaft riss sich zusammen und konnte die restlichen vier Testspiele gewinnen, darunter war auch ein 5:4-Sieg beim einzigen Heim-Testspiel im altehrwürdigen Wellblechpalast gegen die Tschechen vom HC Dynamo Pardubice. Man ging also mit gemischten Gefühlen in die neue DEL-Saison.

Sebastian Dahm mit einer seiner zahlreichen Paraden gegen Chicago. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Und man startete mit einem 4:1-Heimsieg gegen die Grizzlys Wolfsburg in die neue Spielzeit, man begeisterte die Fans schon im ersten Spiel mit tollen Kombinationen und schönen Toren. Doch schon am 2. Spieltag landete man wieder auf dem harten Boden der Realität, kam in Bremerhaven mit 0:5 unter die Räder und zeigte dabei eine vollkommen indiskutable Leistung.
Und so sollte es zunächst auch weitergehen. Heimspiele konnte man siegreich gestalten, auf fremden Eis war lange Zeit nichts zu holen. Zwischendurch gab es aber dann doch mal eine Heimniederlage, wenn gleich diese nach einer ganz starken Leistung gegen das NHL-Team der Chicago Blackhawks passierte, welchen man nach starkem Kampf am Ende mit 1:3 unterlegen war (siehe Foto links).
Kurz darauf folgte der Tiefpunkt in der noch jungen DEL-Saison, denn am 02. Oktober 2019 verloren die Eisbären trotz einer guten Leistung mit 1:3 bei den Iserlohn Roosters am Seilersee und stürzten ans Tabellenende. Man hatte anfangs noch Probleme mit dem neuen System von Serge Aubin, musste zudem viele neue Spieler integrieren. Dass das dauern würde, war allen Beteiligten aber im Vorfeld klar gewesen. Doch die Eisbären behielten die Ruhe und blieben geduldig.
Im darauffolgenden Auswärtsspiel gelang mit einem 2:1 bei den Augsburger Panthern der erste Auswärtssieg der Saison. Es war der Auftakt zu einer vier Spiele andauernden Siegesserie der Berliner, welche mit einem derben 0:4 in Düsseldorf enden sollte. Doch auch darauf antworteten die Eisbären mit zwei deutlichen Siegen gegen Nürnberg (6:2) und in Ingolstadt (4:1), ehe München die Siegesserie in der Arena am Ostbahnhof mit einem 5:3-Sieg beendete.
Der Mannschaft mangelte es während der Hauptrunde immer wieder an der Konstanz. Zu selten schaffte man es, mal dauerhaft über 60 Minuten sein Spiel durchzuziehen. Was aber im Vergleich zur Vorsaison nicht so schlimm war, denn die Mannschaft blieb dennoch stets ruhig und geduldig, fand so sehr oft dennoch einen Weg, um die Spiele siegreich zu gestalten. Ein Zeichen der unglaublichen Moral und des unbändigen Willens innerhalb dieses Teams.
Und doch gab es auch kleinere Aussetzer wie das 3:7 in Mannheim, was für jeden Eisbären-Fan sehr schmerzhaft gewesen war. Es war eben nicht alles so gut in dieser Saison. Auch defensiv hatte man Spiele dabei, wo Trainer Serge Aubin gar nicht mehr hingucken wollte. Anfang Dezember kassierte man gegen Wolfsburg, Köln und in Schwenningen drei Niederlagen am Stück und fing sich satte 15 Gegentore ein. Doch auch in den Heimspielen gegen Köln und Wolfsburg wäre da wieder die Geschichte mit der Moral zu erzählen, denn trotzdem schafften es die Berliner, in beiden Spielen jeweils noch einen Punkt mitzunehmen. Weil sie eben nie aufgaben, immer bis zum Schluss kämpften und so manch wertvollen Punkt doch noch ergatterten.
Die einzige Enttäuschung zu Hause war eigentlich das 1:5 eine Woche vor Weihnachten gegen die

Die Eisbären Berlin hatten sehr oft allen Grund zum Jubeln vor der Fankurve. (Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker)

Krefeld Pinguine, als die Mannschaft nicht wiederzuerkennen war. Vor allem deswegen, weil drei Tage später die Adler Mannheim mit dem selben Ergebnis zurück in die Kurpfalz geschickt wurden. Aber auch dafür hatten die Eisbären eine Erklärung, denn man gehe natürlich mit einer anderen Anspannung in Spiele gegen die Top-Teams als in Spiele gegen die vermeintlichen kleinen Teams.
Und so ging die Hauptrunde munter weiter, Siege und Niederlagen wechselten sich immer wieder ab, so eine richtige Sieges- oder Niederlagenserie kam auch nicht zu Stande. Weil die Eisbären immer wieder punkteten und die Top-Drei oben im späteren Saisonverlauf zu schwächeln begann, bot sich den Berlinern Ende Januar die dicke Chance auf Platz Drei. Im direkten Duell gegen Straubing hätte man denen noch näher auf die Pelle rücken können, doch am Ende verlor man mit 1:2.
Aber nach dieser Niederlage starteten die Hauptstädter ihre längste Siegesserie der Hauptrunde, gewannen fünfmal in Folge und bewiesen während dieser einmal mehr ihre unglaubliche Moral. Immer wieder fanden sie einen Weg, Spiele zu gewinnen. Auch ein Verdienst des neuen Trainers Serge Aubin, der aus den Eisbären wieder ein Top-Team geformt hat. Und dieses hat er am Ende der Hauptrunde bekanntlich bis auf Platz Vier und dem Heimrecht im Viertelfinale geführt.
Die Geschichte weiterschreiben konnte er aber nicht mehr, denn der Coronavirus stoppte mit sofortiger Wirkung den Spielbetrieb in der DEL. Dabei wäre es sehr spannend gewesen, den weiteren Werdegang dieses Prozesses, wie ihn Chefcoach Serge Aubin immer wieder genannt hatte, zu verfolgen. Zwar hatte man mit der DEG einen dicken Brocken als Gegner vor der Brust, doch gelten in den Playoffs immer eigene Gesetze. Und dieser Truppe wäre in den Playoffs einiges zuzutrauen gewesen. Vielleicht sogar der Griff nach dem achten Stern. Leider werden wir nie erfahren, wie dieses Kapitel ausgegangen wäre.

Und dennoch kann man voller Stolz auf diese Hauptrunde zurückblicken. Serge Aubin hat die Freude am Eishockey zurück nach Berlin gebracht. Er hat die Eisbären Berlin wieder zurück in die Erfolgsspur geführt und das unter gar nicht so einfachen Bedingungen. Denn die Kritik am Richer-Kumpel war eingangs der Saison sehr groß gewesen, aber er hat es am Ende allen Kritikern gezeigt und die Eisbären auf Platz Vier geführt und zur direkten Viertelfinal- und CHL-Qualifikation. Und das in einer Saison des großen Umbruchs in Berlin.

Spielte mit 49 Scorerpunkten und 23 Toren die Saison seines Lebens: Marcel Noebels (Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker)

Doch mal abgesehen von der Torhüterposition haben die Verantwortlichen der Eisbären richtig gute Arbeit im Sommer 2019 geleistet. Sie haben wieder eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt, die in den Playoffs ein Wörtchen hätte mitreden können. Sie haben das Team gezielt verstärkt und somit dem Kader mehr Tiefe verliehen. Waren die Eisbären in der Vergangenheit meist von einer Reihe abhängig, so waren es in diesem Jahr gleich vier Reihen, die ein Spiel hätten entscheiden können. Dennoch gab es auch in dieser Saison die eine Top-Reihe, nämlich die von James Sheppard, Leo Pföderl und Marcel Noebels (siehe Foto links). Letzterer spielte mit 49 Scorerpunkten (23/26) die Saison seines Lebens. Und genau deswegen bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen der Eisbären nicht erneut einen Fehler machen, in dem sie den Vertrag von James Sheppard nicht verlängern. Mit dieser Top-Reihe ist in der nächsten Saison alles möglich. Wenn man natürlich auch dann wieder über diese Tiefe im Kader verfügen wird. So viel dürfte sich nach dieser Saison eigentlich nicht ändern. Man wird den Kader wohl wieder punktuell verstärken und schauen, wo man noch Handlungsbedarf hat.

Dabei steht an erster Stelle sicherlich die Torhüterposition, denn diese war die einzige, wo den Eisbären nicht der Glücksgriff gelungen ist. Weder Sebastian Dahm noch Justin Pogge konnten vollends überzeugen, was aber sicherlich auch am sehr großen Schatten der beiden ehemaligen Goalies Rob Zepp und Petri Vehanen liegt. Die Eisbären haben nach wie vor noch nicht den Nachfolger für die beiden Top-Goalies gefunden. Bisher, denn ab der kommenden Saison könnte ja Mathias Niederberger wieder zwischen den Pfosten des Eisbären-Käfigs stehen. Und dann hätte man endlich wieder einen absoluten Top-Goalie, wenn nicht sogar den besten in der DEL.

Ansonsten bleibt abzuwarten, wo die Verantwortlichen der Eisbären Handlungsbedarf sehen, sowohl in der Defensive als auch Offensive. Wie geht es mit Florian Busch und Sean Backman weiter, werden wir sie überhaupt noch einmal auf dem Eis sehen. Was wird aus André Rankel, Constantin Braun, Frank Hördler und Co?
Was für mich während der Saison immer wieder unverständlich war, war die Kritik an Florian Kettemer. Ja, „Ketti“ hatte in der vergangenen Saison mit zehn Toren und neun Vorlagen voll eingeschlagen, kam in dieser Saison aber nur noch auf ein Tor und 13 Vorlagen. Was aber auch nur daran lag, dass er im System von Serge Aubin eine vollkommen andere, defensivere Rolle eingenommen hatte und somit klar war, dass er nicht wieder so viele Tore schießen würde. Das haben viele leider vergessen, als sie der Meinung waren, Kettemer könne gehen. Ihn werden wir hoffentlich auch in der nächsten Saison noch in Berlin sehen.

Und dann wäre da natürlich noch Lukas Reichel. Was passiert im NHL-Draft? Wird er seine Chance in

War die Entdeckung der Saison: Youngster Lukas Reichel (Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker)

der NHL bekommen? Und diese nutzen? Zu wünschen wäre es ihm und das Potential für Übersee hat er allemal. Und bei den anderen Youngsters um Sebastian Streu und Fabian Dietz bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen diese Talente nicht schon wieder vergraulen werden.

Aus meiner Sicht besteht nicht so viel Handlungsbedarf im Kader, aber an kleinen Stellschrauben kann schon gedreht werden. Weg vom Kaderpersonal hin zu einem Thema, was die Eisbären auch schon die letzte Saison begleitete. Die mangelnde Disziplin und die zu vielen Strafzeiten hat man nach wie vor nicht in den Griff bekommen. Daran muss man dringend arbeiten, denn auf der Strafbank gewinnt man eben keine Spiele. Wenn gleich es eine gute Übung für das Penaltykilling war, denn dort stellte man in der abgelaufenen Saison das zweitbeste Unterzahlspiel. Dafür war man im Powerplay das drittschlechteste Team, auch da gab es also keine Veränderung im Vergleich zu den Vorjahren. Auch daran muss man im Sommer arbeiten.

Viele Tore konnte der viertbeste Angriff der Liga in dieser Saison bejubeln. (Foto eisbaerlin.de/Jasmin und Netti)

Ansonsten bleibt im Vergleich zur Vorsaison festzuhalten, dass man sich fast ausnahmslos verbessert hat. Man erzielte 23 Tore mehr und kassierte dafür 20 Gegentreffer weniger. Statt dem viertschlechtesten Angriff und der neuntbesten Defensive im Vorjahr stellte man nun den viertbesten Angriff und die fünfbeste Defensive der Liga. Nach 26 Siegen und 26 Niederlagen in der Vorsaison standen nun 32 Siege und nur 20 Niederlagen zu Buche, davon fünf erst in der Verlängerung oder im Penaltyschießen. Zu Hause gewann man 18-mal und somit viermal mehr als letzte Saison, auswärts standen 14 Siege und damit zwei mehr als im Vorjahr zu Buche. In der Vorsaison trafen sieben Spieler zweistellig, diese Saison waren es neun. Im Vorjahr waren Jamie MacQueen mit 21 Toren und Marcel Noebels mit 25 Vorlagen die besten Spieler in der jeweiligen Kategorie. Dieses Jahr war Marcel Noebels mit 23 Toren der Top-Torschütze der Eisbären und Ryan McKiernan mit 29 Vorlagen der beste Torvorbereiter. Marcel Noebels verbesserte seine Statistik aus dem Vorjahr um satte 15 Scorerpunkte (14 Tore/ein Assist mehr). In der letzten Saison kamen vier Spieler auf 30 und mehr Scorerpunkte, in dieser Saison waren es sieben Spieler, zwei davon kamen sogar auf 40 und mehr Scorerpunkte.

Auch daran sieht man also, dass die Eisbären Berlin in der abgelaufenen Saison einen großen Schritt nach vorne gemacht haben und sich im letzten Sommer sehr gut verstärkt haben. Daran muss man in der viel zu früh begonnenen Sommerpause nun anknüpfen und erneut eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen, die dann ab September wieder den Angriff auf den achten Stern startet. Viel ändern muss man ja eigentlich nicht, nur punktuell wird es Veränderungen geben. Von drei bis fünf Neuzugängen ist zu hören. Diesmal sollte es eigentlich auch nicht die Probleme zu Saisonbeginn geben, wie es in diesem Jahr der Fall war. Denn dann ist der Trainer und dessen System nicht mehr neu und auch die Spieler kennen sich fast alle schon wesentlich besser als in diesem Jahr.

Bis es aber so weit ist und wir wieder in die Arenen des Landes dürfen und unserem Lieblingssport

Hoffen wir, dass wir bald wieder in die Arena am Ostbahnhof gehen dürfen. (Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker)

zuschauen können, müssen wir mindestens noch bis September warten. Dann soll die neue Saison in der DEL beginnen. Wenn wir bis dahin den Coronavirus in den Griff bekommen haben. Denn auch am Ende dieses Saisonfazits will ich nochmal darauf hinweisen, dass Eishockey die schönste Nebensache der Welt ist und wir uns sehr gerne immer wieder über Siege, Punkte und Meisterschaften unseres Teams freuen. Aber der größte Schatz, den wir alle haben, ist unsere Gesundheit und diese ist durch nichts zu ersetzen. In diesem Sinne hoffe ich, dass wir alle unbeschadet durch diese Zeit kommen und uns dann alle gesund und munter im September in der Arena am Ostbahnhof wiedersehen werden!

An dieser Stelle auch mal ein Riesengroßes Dankeschön an Jasmin für die vielen tollen Übersetzungen der englischen Interviews in der Mixed Zone und die Bearbeitung der Spielbilder. Und auch ein Riesengroßes Dankeschön an Steffi, die für Euch in dieser Saison auch den ein oder anderen Spielbericht verfasst hat. Auch Ihr habt großartige Arbeit geleistet, vielen lieben Dank dafür!

Bleibt mir noch Euch Danke zu sagen für Eure Treue während der abgelaufenen DEL-Saison. Ich hoffe, Ihr kommt alle gut durch diese schwere Zeit und dann würde ich mich riesig freuen, Euch ab September wieder als treue Leser begrüßen zu dürfen!

Der Krupp-Effekt: Auch die Eisbären Berlin können die Kölner Haie nicht stoppen

In Köln werden sich die Verantwortlichen wohl gerade mächtig in den Hintern beißen. Sie werden sich immer wieder diese eine Frage stellen: Warum haben wir Uwe Krupp nicht schon früher verpflichtet? Der ehemalige Kölner und Berliner Chefcoach hat die Kölner Haie wieder zurück in die Erfolgsspur gebracht, die 17 Spiele andauernde Niederlagenserie beendet und seine ersten vier Spiele als neuer alter Trainer siegreich gestaltet. Einen Spieltag vor dem Ende der diesjährigen Hauptrunde haben die Domstädter nur noch vier Zähler Rückstand auf den Zehnten Augsburg, dort wo die Haie am Sonntag zu Gast sind. Es hätte DAS Endspiel um Platz Zehn sein können.

So haben die Haie ihr letztes Heimspiel der DEL-Saison 2019/2020 vor 16.137 Zuschauern in der Lanxess-Arena mit 5:3 (2:0,0:0,3:3) gegen die Eisbären Berlin gewonnen und einen versöhnlichen Abschied mit den eigenen Fans gefeiert. Die Hauptstädter hinterlassen dagegen weiterhin Fragezeichen so kurz vor dem Beginn der Playoffs.

Die Berliner, welche auf Justin Pogge, John Ramage und Maxim Lapierre freiwillig und auf PC Labrie (dritte Disziplinarstrafe) unfreiwillig verzichten mussten, fanden schwer ins Spiel, kamen erst im weiteren Spielverlauf besser ins Spiel und brachten sich im Schlussdrittel dann auch dreimal auf den Videowürfel. Aber in den gesamten 60 Minuten kassierte man erneut zu viele Strafzeiten, Jonas Müller sogar eine Spieldauer, welche allerdings gerechtfertigt war. Dabei hatte Chefcoach Serge Aubin nach dem Schwenningen-Spiel auf der Pressekonferenz noch gesagt, man müsse die Strafzeiten dringend reduzieren. Nur hat er das auch seiner Mannschaft gesagt? Dem Spiel zu Folge kann die Antwort nur nein lauten. Es muss die Frage gestellt werden, wie das erst werden soll, wenn es um richtig etwas geht? Sind wir mal ehrlich, das Spiel heute hatte für beide Mannschaften keine wirklich große Bedeutung. Ja, Köln wollte sich mit einem Sieg von den enttäuschten Fans verabschieden. Aber die Eisbären hatten eigentlich nur noch theoretische Chancen auf Platz Zwei oder Drei. Warum man dann also in so einer Partie derart viele Strafzeiten nimmt, muss man den Fans erst einmal erklären.

Den Beginn in dieses bedeutungslose Spiel verschlief man schon einmal. Köln kam frischer und aktiver aus der Kabine, bestimmte das Spiel in der Anfangsphase. Und schon nach drei Minuten ließ man die Haie-Fans ein erstes Mal an diesem Abend jubeln. Ex-Eisbär Alexander Oblinger machte die Scheibe hinter dem Tor fest, spielte sie vors Tor in den Slot, wo Zach Sill lauerte. Dieser hatte zu viel Platz, nahm den Pass direkt und nagelte den Puck unter die Latte – 0:1 (3.).
Die Hauptstädter hatten ihren ersten Abschluss nur eine Minute später, dieser hatte es aber in sich. Kai Wissmann hatte von der blauen Linie abgezogen, Louis-Marc Aubry fälschte den Schuss vor dem Tor noch ab und lenkte ihn so an die Latte. Glück für die Hausherren. Die bestimmten danach aber wieder das Geschehen auf dem Eis, störten die Berliner mit ihrem aggressiven Forechecking früh im Spielaufbau. Ihre Chancen konnten die Haie aber nicht nutzen.
Mitte des ersten Drittels wurden die Eisbären dann aktiver und etwas besser, aber Aubry scheiterte freistehend vor Hannibal Weitzmann am selbigen, James Sheppard schoss kurz danach knapp am Tor vorbei. Aber die Kölner hatten weiterhin die besseren Chancen. Freddy Tiffels verlud Sebastian Dahm im Eisbären-Tor, doch sein Schuss ging letztendlich nur an den Pfosten. Eine Minute später zielte Oblinger genauer. Die Domstädter kamen schnell ins Angriffsdrittel, Tiffels diesmal als Vorlagengeber mit dem Querpass auf Oblinger. Der nahm den Puck an und versenkte ihn eiskalt im Berliner Tor – 0:2 (14.).
Die Eisbären dann mal mit einer Überzahlgelegenheit gegen das schlechteste Unterzahlspiel der Liga, aber selbst dieses konnte man nicht überwinden. Doch eine Chance sollte sich den Eisbären noch bieten. Frank Hördler schickte kurz vor der Pause Lukas Reichel mit einem klasse Pass auf die Reise, Pascal Zerressen konnten den Youngster nur per Beinstellen stoppen. Die beiden Hauptschiedsrichter Lasse Kopitz und Gordon Schukies entschieden folgerichtig auf Penalty, zu dem Reichel selbst antrat, aber an Hannibal Weitzmann im Kölner Tor scheiterte. So lagen die Berliner nach dem ersten Drittel mit 0:2 in Köln hinten.
Kapitän André Rankel mit seiner Analyse zu den ersten 20 Minuten bei Magenta Sport:

Wir haben die ersten zehn Minuten nicht Eishockey gespielt. Wir waren nicht aggressiv genug, haben uns nicht unterstützt, sind nicht gelaufen. Wir wollten es ein bisschen zu einfach. Wir wollen uns gut auf die Playoffs vorbereiten, 40 Minuten heute und ein Spiel haben wir dafür noch Zeit. Du willst dich vorbereiten, willst im Rhythmus bleiben, die Kleinigkeiten richtig machen. Das haben wir in den ersten zehn Minuten nicht gemacht.

Ins Mitteldrittel fanden die Berliner dann besser als noch zu Beginn des Spiels. Sie waren präsenter und hatten Zug zum Tor. Doch danach nahm man wieder zu viele Strafzeiten. Genau das, was man eigentlich abstellen wollte, passierte heute schon wieder. In einem eigentlich bedeutungslosen Spiel.
Aber das Penaltykilling bewies einmal mehr, dass es sehr gut funktioniert. Und mit einem Mann weniger hatte man zum Beispiel auch Chancen, so traf Landon Ferraro bei einem Zwei-auf-Eins-Konter nur die Latte. Aber auch Köln hatte durchaus Chancen, die beste durch Colin Ugbekile, aber Sebastian Dahm war mit dem Schoner zur Stelle und parierte diesen Schuss sehr stark.
Gegen Ende des Mitteldrittels kassierte Eisbären-Verteidiger Jonas Müller vollkommen zu Recht eine Spieldauerdisziplinarstrafe nach einem Check gegen den Kopf des Kölner Verteidigers Kevin Gagné. Dieser Check könnte unter Umständen noch eine Sperre der DEL nach sich ziehen, was im Hinblick auf die Playoffs natürlich nicht so gut wäre. Aber das Penaltykilling der Eisbären funktionierte weiterhin, viel ließen sie nicht zu, auch nicht beim 72 Sekunden langen doppelten Unterzahlspiel.
Und vorne vergaben die Hauptstädter in diesem Drittel auch noch beste Möglichkeiten. Austin Ortega zum Beispiel, welcher völlig frei vor Weitzmann stand, sich die Ecke aussuchen konnte, aber drüber schoss. Und Marcel Noebels probierte es auf die kurze Ecke, aber Weitzmann parierte diesen Schuss irgendwie.
So stand es also auch nach 40 Minuten immer noch 2:0 für die Haie.

Zu Beginn des Schlussdrittels hatten die Domstädter noch 50 Sekunden Überzahl von der Spieldauer gegen Müller, aber sie konnten keinen Nutzen daraus ziehen. Und dann waren die Eisbären plötzlich wieder im Spiel. Innerhalb von 79 Sekunden glichen die Berliner aus. Zunächst war es Leo Pföderl gewesen, der auf 1:2 verkürzen konnte (44.). Er hatte den Angriff selbst eingeleitet, nach einem Schuss von Frank Hördler legte Top-Scorer Marcel Noebels die Scheibe hoch zur blauen Linie, wo Mark Olver lauerte und abzog. Weitzmann konnte nicht festhalten und plötzlich lag die Scheibe vor der Torlinie, für Pföderl keine große Aufgabe, sie über selbige zu schießen.
Für den Ausgleich sorgte dann Youngster Sebastian Streu, welcher einen Querpass von Landon Ferraro direkt nahm – 2:2 (45.).
Die Eisbären also mit dem schnellen Doppelpack, doch die Hausherren waren keinesfalls geschockt, schlugen bei Vier-gegen-Vier auf dem Eis zurück. Moritz Müller hatte abgezogen, Jon Matsumoto fälschte vor dem Tor ab und der Puck rutschte Dahm durch. Zunächst hatten die Schiedsrichter auf dem Eis auf „kein Tor“ entschieden, revidierten diese Entscheidung dann aber und blieben nach Ansicht des Videobeweises auch dabei – 2:3 (48.).
Und Köln hätte nachlegen können, war erneut mit zwei Mann mehr auf dem Eis, wenn auch nur für 15 Sekunden. Aber sie nutzten erneut ein Powerplay nicht. Und so mussten sie sechs Minuten vor dem Ende des Spiels den erneuten Ausgleich hinnehmen. Florian Kettemer mit einem Sahne-Pass an den langen Pfosten, wo Sebastian Streu lauerte und zum 3:3 einnetzen konnte (54.). Der erste Doppelpack von Streu in der DEL. Herzlichen Glückwunsch dazu!
Aber den Doppelpack mit einem Sieg vergolden konnte Streu leider nicht. Weil die Eisbären ein Überzahlspiel ungenutzt ließen und direkt nach Ablauf des Powerplay abermals in Rückstand gerieten. Pascal Zerressen kam von der Strafbank zurück, marschierte über rechts ins Angriffsdrittel und schlenzte die Scheibe ins lange Eck – 3:4 (58.). Sebastian Dahm stand da viel zu weit vor seinem Tor und versuchte dann auch nicht mehr den Schuss zu halten. Das Ding muss er sich ankreiden lassen.
Nun nahmen die Dinge ihren Lauf. Auszeit von Serge Aubin und Goalie Dahm zu Gunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Die Haie eroberten die Scheibe und Ex-Eisbär Marcel Müller versenkte sie 94 Sekunden vor dem Ende im verwaisten Berliner Tor – 3:5 (59.).

Eine Niederlage, welche die Problemzonen der Eisbären vor dem Playoff-Start noch einmal aufgedeckt hat. Sie nehmen zu viele Strafzeiten, sie spielen nicht über 60 Minuten konzentriertes Eishockey, mal nutzen sie ihre Chancen eiskalt, mal nicht. Solche Fehler werden in den Playoffs gnadenlos bestraft.
Was wiederum Hoffnung macht, ist diese unglaubliche Moral der Eisbären. Diese hat man im Schlussdrittel wieder gesehen, als man ein 0:2 und 1:3 jeweils egalisierte. Aber durch individuelle Fehler gab man das Spiel dann doch noch aus der Hand. Insofern sollte dieses Spiel Warnung und Hoffnung zugleich sein. Wenn man die Sachen, die noch nicht rund laufen, abstellt, dann kann es weit gehen in den Playoffs. Denn egal wie es steht, diese Mannschaft gibt nie auf und kämpft immer bis zum bitteren Ende. Nur leider stellt sie sich manchmal auch selbst ein Bein und macht sich somit das Leben unnötig schwer.
Jetzt hat man noch ein Spiel, um an diesen Dingen zu feilen und dabei sollte man dieses Spiel auch wesentlich ernster nehmen als das heutige. Denn die Fischtown Pinguins Bremerhaven könnten im Viertelfinale der Gegner der Hauptstädter sein. Neben den Jungs von der Küste kommt übrigens nur noch die Düsseldorfer EG als Gegner in Frage.

Sebastian Streu war nach seinem ersten Doppelpack in der DEL natürlich glücklich, aber noch mehr hätte er sich über einen Sieg in der Domstadt gefreut:

Es ist schon ein schönes Gefühl, der erste Doppelpack in der DEL. Aber wir haben leider den Sieg nicht dazu geholt. Aber wir haben den vierten Platz gesichert und die letzten 40 Minuten gut gespielt. Doch die ersten 20 Minuten haben wir verschlafen und uns somit selbst in den Fuß geschossen.