4:5 n.V. in Düsseldorf! Auch eine 3:0-Führung reicht nicht für den ersten Auswärtssieg der Saison

Die Eisbären Berlin warten weiterhin auf ihren ersten Auswärtssieg der Saison. Am Montagabend reichte nicht mal eine 3:0-Führung nach 16 Minuten für den ersten Auswärtssieg, am Ende stand man nach einem 4:5 n.V. (3:1,0:0,1:3/0:1) wieder nur mit einem Zähler da. Weil man das Eishockey spielen nach 40 Minuten eingestellt hat und die DEG so wieder zurück ins Spiel gebracht hat. Dementsprechend angesäuert war Trainer Serge Aubin nach dem Spiel auch, weil es ihm unbegreiflich war, wie seine Jungs das Spiel noch aus der Hand geben konnten.

Bei den Eisbären nahm auf der Bank heute ein anderer Back-up-Goalie Platz. Tobias Ancicka weilte bei Kooperationspartner Weißwasser, so nahm der junge Rihards Babulis auf der Bank der Profis Platz. Im Tor stand natürlich wieder Mathias Niederberger. 

Die Eisbären wollten einen besseren Start in das dritte Auswärtsspiel der Saison haben und vor allem von der Strafbank fern bleiben. Und dieses Vorhaben setzten die Mannen von Chefcoach Serge Aubin perfekt um. Die Eisbären kamen gut aus der Kabine und Lukas Reichel hätte früh das 1:0 erzielen können, wurde aber entscheidend beim Abschluss gestört. Das Tor wäre frei gewesen. Aber das Führungstor sollte dann doch schnell fallen. Die DEG kassierte die erste Strafzeit und Powerplay können die Eisbären in dieser Saison. Zweimal hatte man es schon versucht, Kris Foucault per Onetimer in Szene zu setzen, zweimal klappte es nicht. Beim dritten Mal klingelte es dann aber, getreu dem Motto „Aller guten Dinge sind drei“. Mark Zengerle hatte die Scheibe auf der linken Seite am Pfosten und suchte nach der perfekten Anspielstation, er fand sie in Kris Foucault auf der rechten Seite und die Nummer 98 zog zum dritten Mal per Onetimer ab – 1:0 (5.).
Auch danach die Eisbären sehr druckvoll, mit einem aggressiven Forechecking. Sie setzten sich immer wieder im DEG-Drittel fest und stellten die Rheinländer vor große Probleme. Diese hatten große Mühe, sich überhaupt mal aus dem eigenen Drittel zu befreien. In der achten Spielminute hätte eine überragende Kombination beinahe zum 2:0 geführt. Frank Hördler spielte die Scheibe von der blauen Linie gerade runter zu Leo Pföderl, welcher gleich weiter in den Slot spielte, wo Matt White direkt abzog, aber an Mirko Pantkowski scheiterte.
Die Hauptstädter hatten dann das zweite Powerplay und die DEG stellte das schlechteste Penaltykilling der gesamten Liga. Zwar fanden die Eisbären die Formation und ließen die Scheibe gut laufen, aber Leon Gawanke scheiterte per Onetimer an Pantkowski und Matt White am Pfosten.
Aber es geht auch ohne Überzahl. Marcel Noebels mit dem Pass hoch zur blauen Linie, Parker Tuomie zog von der blauen Linie ab, die Scheibe rutschte Pantkowski durch die Schoner und PC Labrie schaltete am schnellsten, drückte sie über die Linie – 2:0 (14.).
Eine Minute später kassierte Düsseldorfs Top-Scorer Daniel Fischbuch die dritte Strafzeit der Partie und zum zweiten Mal klingelte es im Berliner Powerplay im Düsseldorfer Tor. Wieder eine starke Kombination der Berliner, Leon Gawanke mit dem Pass von links in den Slot, wo Leo Pföderl das Auge für Marcel Noebels hatte und sie direkt auf rechts weiterspielte, wo Marcel Noebels Maß nahm, um per Onetimer zu seinem ersten Saisontor zu treffen – 3:0 (16.).
Es wirkte fast so, als ob die Hausherren hier total überfordert waren mit dem Power-Hockey der Eisbären. Als ob es ihnen alles zu schnell ging.
Aber zum Ende hin kamen die Rheinländer doch nochmal auf. Sie hielten die Eisbären lange im eigenen Drittel fest, diese konnte so nicht wechseln und leisteten sich den Fehler im Spielaufbau. Nicolas Jensen chippte die Scheibe vor das Tor, wo Jerome Flaake das Spielgerät aus der Luft ins Tor beförderte. Nach Ansicht des Videobeweises ein reguläres Tor – 3:1 (18.).
Und auf einmal waren die Gastgeber für 1:54 Minuten mit zwei Mann mehr auf dem Eis. Und die DEG stellt das beste Powerplay der Liga, traf bisher in jedem Ligaspiel in Überzahl. Aber das Penaltykilling der Eisbären funktionierte und so nahm man eine souveräne 3:1-Führung mit in die erste Drittelpause.
Ex-Eisbär Charlie Jahnke war nach den ersten 20 Minuten im Interview bei Magenta Sport nicht zufrieden:

Das ist zu wenig von uns. Wir spielen zu kompliziert. Wir müssen von der Strafbank fern bleiben. Wir wissen, dass die Eisbären da gut sind, wir haben denen die Tore geschenkt.

Das zweite Drittel bot dann bei weitem nicht mehr so viel Torraumszenen wie noch das erste Drittel und Tore sollten auch keine fallen. Dabei hatten die Eisbären früh die dicke Chance zum 4:1, aber Giovanni Fiore scheiterte mit seinem Versuch aus der Drehung am Pfosten.
Anschließend zwei Überzahlspiele für die Eisbären, aber sie bekamen diesmal nicht so wirklich Druck auf das Düsseldorfer Tor. Die DEG verteidigte das sehr kompakt und überstand die Unterzahlspiele somit schadlos.
Chancen waren Mangelware im Mitteldrittel. Sechs Minuten vor der zweiten Pause mal ein Zwei-auf-Eins-Konter der Gäste, Mark Zengerle auf Giovanni Fiore, doch der scheiterte freistehend an Pantkowski. Danach die Eisbären zum zweiten Mal mit zwei Mann weniger auf dem Eis, aber auch dieses Mal schaffte es das beste Powerplay der Liga nicht, den Unterzahl-Riegel der Eisbären zu knacken. In der letzten Minute dann nochmal beide Teams mit je einer guten Chance, aber auch diese vereitelten die beiden Goalies.
Kai Wissmann mit seinem Statement zu den ersten 40 Minuten:

Ich denke, wir sind bei Fünf-gegen-Fünf auf jeden Fall die bessere Mannschaft. Das Spiel ist doch sehr zerfahren, dafür, dass es für alles eine Strafzeit gibt. Ganze Zeit Überzahl, Unterzahl. Wir müssen schlauer sein mit unseren Schlägern, vor allem in der offensiven Zone. Wir haben zweimal Fünf-gegen-Drei gekillt, aber das geht nicht immer gut.

Für das letzte Drittel hatten sich die Rheinländer hier jede Menge vorgenommen, das sah man sofort. Charlie Jahnke vergab noch freistehend eine gute Chance, wenig später klingelte es aber im Berliner Kasten. Und wie sollte es anders sein, es war ein Powerplaytor der DEG. Leo Pföderl saß in der Kühlbox und Nicolas Jensen hatte von der blauen Linie zu einem Onetimer ausgeholt, den Mark Olver unhaltbar abfälschte – 3:2 (44.).
Direkt im Gegenzug die Eisbären aber beinahe mit der Antwort, ein Drei-auf-Zwei-Konter, Matt White mit dem Abschluss, aber knapp am Tor vorbei. Aber im nächsten Angriff schepperte es im Tor von Mirko Pantkowski. Mark Zengerle bekam zu viel Platz, kurvte im DEG-Drittel von rechts nach links, legte sich die Scheibe von der Rückhand auf die Vorderhand und schlenzte die Scheibe ins lange Eck – 4:2 (48.).
Mitten in eine Drangphase der Hausherren also das vierte Berliner Tor. Und noch in der selben Minute hätte Giovanni Fiore fast das 5:2 nachgelegt, aber die Latte stand im Weg.
Das war es dann aber auch schon fast mit der offensiven Herrlichkeit der Eisbären. Danach ging es eigentlich nur noch in Richtung Mathias Niederberger. Johannes Johannesen zog von der blauen Linie ab, Mathias Niederberger parierte, Jerome Flaake setzte nach, scheiterte am Berliner Goalie, welcher nun am Boden lag und gegen den nächsten Nachschuss von Maximilian Kammerer in die lange Ecke keine Chance – 4:3 (51.).
Sechs Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit Fehlpass von Kapitän Frank Hördler auf Matt Carey, welcher die Scheibe per Rückhand und No-Look-Pass auf Ken-Andre Olimb passte und der behielt vor Mathias Niederberger die Nerven, tanzte ihn aus und schoss ein zum 4:4 (54.).
Die Eisbären wirkten angeschlagen, bekamen keinen sauberen Pass mehr gespielt. Und die DEG hatte Oberwasser und wollte hier nun auch die drei Punkte holen. Alexander Karachun hatte den Führungstreffer drei Minuten vor dem Ende auf der Kelle, aber der Pfosten stand im Weg.
Die Eisbären eigentlich nur noch einmal gefährlich. Fiore stibitzte die Scheibe im Angriffsdrittel, zog vor das Tor, scheiterte aber an Mirko Pantkowski. So stand es nach 40 Minuten 4:4 und beide Teams hatten einen Punkt sicher.

In der Overtime waren es die Eisbären, die durch Marcel Noebels die erste dicke Chance hatten, aber er schoss knapp vorbei. Danach nur noch die DEG. Daniel Fischbuch und Nicolas Jensen scheiterten an Mathias Niederberger, aber die dritte Chance saß dann. Nicolas Jensen über rechts mit dem Querpass auf die linke Seite, wo Maximilian Kammerer lauerte und zum 5:4 einschoss. Die DEG sicherte sich den Zusatzpunkt, während die Eisbären auch die dritte Heimfahrt von einem Auswärtsspiel ohne Sieg antreten mussten.

Das muss man erst mal sacken lassen. Nach 16 Minuten sahen die Eisbären eigentlich wie der sichere Sieger aus. Sie hatten das Spiel und die DEG im Griff, führten mit 3:0. Nichts sah danach aus, als ob Düsseldorf hier noch etwas mitnehmen würde. Auch das 1:3 nahm man noch so mit. Im zweiten Drittel war es dann von beiden Seiten nicht viel, was kam. Aber die Eisbären hielten die DEG vor dem eigenen Tor in Schacht. Eigentlich hätte man im letzten Drittel nicht viel daran ändern müssen und stattdessen vielleicht auf das vierte Tor gehen müssen.
Doch unerklärlicherweise stellten die Eisbären das Eishockey spielen ein und überließen den Hausherren mehr und mehr das Spiel. Dadurch konnte die DEG Selbstvertrauen aufbauen und sich Stück für Stück zurück ins Spiel kämpfen. Weil den Eisbären nichts mehr gelang. Die Rheinländer dagegen spielten sich in einen Rausch und es hätte fast zu diesem Spiel gepasst, wenn die Mannschaft von Chefcoach Harold Kreis hier sogar die ganzen drei Punkte mitgenommen hätte.
Das Trainerteam um Serge Aubin wird diese Niederlage aufarbeiten müssen und wird dem Team vor allem das letzte Drittel zeigen. Aubin fiel es auf der PK nach dem Spiel auch schwer, das Spiel zu analysieren, weil er enttäuscht war. Da dürfte der Mannschaft eine ungemütliche Rückfahrt bevorstehen.
Auch Marcel Noebels war nach dem Spiel enttäuscht:

Wir haben aufgehört zu spielen. Wir haben viel zu viel Raum und Platz gelassen, wir haben den Gegner so selber wieder ins Spiel gebracht, was völlig unnötig war. Wir haben zwei Drittel wirklich sehr, sehr gutes Eishockey gespielt, aber am Ende haben wir uns selbst ins Bein geschossen. Wir haben 40 Minuten sehr, sehr gutes Eishockey gespielt. Aber wir wissen, dass 40 Minuten in dieser Liga nicht ausreichen. Wir müssen uns deswegen zum Vorwurf machen, dass wir in den letzten 20 Minuten nicht unser Spiel gespielt haben und aufgehört haben, zu laufen. Düsseldorf ist dann eine Mannschaft, die kreiert dann Torchancen und gewinnt das Spiel.

„Im Dialog mit…“ Kai Wissmann und Ryan McKiernan

Die Länderspielpause in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ist vorbei und ab Freitagabend jagen die Eisbären Berlin wieder dem Puck hinterher. Mit dem Auswärtsspiel bei den Krefeld Pinguinen beginnt der Hauptrunden-Endspurt mit noch genau zehn Punktspielen bis zu den Playoffs. In diesen wollen die Eisbären natürlich so viele Punkte wie möglich holen, um dann bestmöglich in die Playoffs zu starten. Bevor es aber soweit ist, stand heute Abend erst einmal noch ein lockeres Beisammensein im Loretta statt, wo nach langer Zeit mal wieder die Veranstaltung „Im Dialog mit…“ statt fand. Zu Gast waren diesmal die beiden Verteidiger der Berliner Kai Wissmann und Ryan McKiernan. Für alle, die heute Abend nicht dabei sein konnten, fassen wir den Abend noch einmal kurz zusammen und geben Euch einen Einblick in die äußerst interessanten Antworten der beiden Jungs.

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Der Abend begann mit einer Schnell-Fragerunde, sozusagen dem Warm-up, wie es im Eishockey nun einmal üblich ist. Schon da bekam man interessante Antworten, wie zum Beispiel, dass die beiden Jungs Leo Pföderl Karten für ein Metallica-Konzert schenken würden, Florian Kettemer wiederum Karten für ein Helene Fischer Konzert. Für Austin Ortega wäre es demnach ein Tanzkurs. Die kleine Schnell-Fragerunde lockerte die beiden Verteidiger erst einmal auf und sorgte durchaus für lustige Antworten. Wie das Beispiel Charlie Jahnke zeigt, dem Kai Wissmann unbedingt einen Wecker schenken würde, da er ständig verschläft. Aber natürlich ging es auch um ernstere Fragen und Antworten.

Ryan McKiernan kam ja vor der Saison von der Düsseldorfer EG nach Berlin, kam aber bereits vorher gut in Europa herum. Er spielte vor seinem Engagement in Deutschland bereits in Schweden und Österreich. Die Nummer 58 wurde auf die Unterschiede in Sachen Eishockey in diesen drei Ländern angesprochen:

Eishockey in Europa ist natürlich anders als in den USA, man muss besser Eislaufen. Es gibt natürlich auch einen Unterschied zwischen den Ländern. Ich glaube, dass Eishockey in Deutschland ist besser als in Österreich und als in der zweiten schwedischen Liga. Ich finde es toller in Österreich oder Deutschland zu spielen, aber nicht so in Schweden, weil es in Deutschland und Österreich eine Mischung aus Spielern aus den USA und deutschen oder österreichischen Spielern gibt. In Schweden war ich fast alleine als ausländischer Spieler. Ich hatte zwar ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Teamkameraden, aber in die Kultur des Landes rein zu kommen, war etwas schwierig, weil ich keine weiteren Ausländer an meiner Seite hatte.

Kai Wissmann dagegen erlebte seinen Durchbruch in Berlin und ist seitdem dort auch glücklich. Die Nummer Sechs sprach über seine Anfangszeit und wie er es zum Profi in der Hauptstadt geschafft hat:

Es war natürlich auch nicht einfach. Ich glaube meine ersten paar Spiele habe ich noch mit 17 gemacht, aufgrund von vielen Verletzungen natürlich. Aber dadurch konnte man sich natürlich empfehlen und ich denke, so geht es bei den meisten los. Dass es dann so geklappt hat und ich mit 18,19 noch mehr spielen konnte und seitdem hier spiele, darauf bin ich schon sehr stolz.

Kommen wir aber wieder zurück zu McKiernan, den Neu-Eisbär. Warum wechselte dieser so sympathische und für die Eisbären-Verteidigung so wichtige Spieler überhaupt vom Rhein an die Spree. Was waren die Gründe für diesen Wechsel?

Ich wollte für eine Mannschaft spielen, die jedes Jahr die Chance hat, eine Meisterschaft zu gewinnen. Ich komme aus einer großen Stadt und ich liebe große Städte. Als ich gehört hatte, dass Berlin an mir interessiert war, dass machte mich sehr glücklich. Ich wollte natürlich schon seit ein paar Jahren in Berlin spielen und jetzt bin ich sehr, sehr stolz und glücklich, dass ich hier bin.

In so einer Mannschaft spielen natürlich immer viele verschiedene Nationalitäten zusammen. Kai Wissmann wurde darauf angesprochen, dass es ja früher eher eine Trennung zwischen deutschen und ausländischen Spielern gegeben hatte. Wie sieht es denn eigentlich in diesem Jahr damit aus?

Ja, dieses Jahr ist schon auffällig, dass wir alle gut miteinander auskommen. Auch gerade in der Kabine, auf dem Eis, beim Training, wir haben alle Spaß zusammen. Egal ob der Lukas jetzt 17 ist und ein älterer Spieler 35, jeder wird integriert und aufgenommen. Das Alter ist völlig egal.

Was in einem Eishockey-Team natürlich von enormer Bedeutung ist, ist der Torhüter. Und da haben die Berliner ja seit diesem Jahr mit Justin Pogge einen neuen Goalie zwischen den Pfosten stehen. Und dieser ist ja für seine Ausflüge aus dem Tor bekannt. Wie geht man als Verteidiger eigentlich damit um. Kai Wissmann findet das gar nicht mal so schlecht:

Ja, er spielt auf jeden Fall einen etwas anderen Stil als Sebastian Dahm. Vor allem geht er immer sehr gerne aus dem Tor. In jeder Situation eigentlich, in der er kann, spielt er den Puck. Und das ist für uns als Verteidiger natürlich gut, weil er stoppt ihn oft und so kommen die Gegner erst gar nicht in den Forecheck gegen uns. Für uns ist es dann wichtig, dass wir ihm nicht entgegen laufen sondern dass wir uns in den beiden Ecken anbieten, ihm somit zwei Optionen geben. Wenn dann der gegnerische Stürmer auf den Torhüter läuft, hat er eigentlich immer eine Option, einem der beiden Verteidiger den Puck zuzuspielen. Wenn der Torwart natürlich nicht so raus kommt, dann müssen wir halt ein bisschen die Laufwege verändern und daran mussten wir uns am Anfang gewöhnen und auch mit Pogge kommunizieren, damit wir ihn nicht in Schwierigkeiten bringen und er uns nicht. Das haben wir dann gut hinbekommen.

Vor dem Torhüter ist dann aber auch die Verteidigung enorm wichtig. Und da machen die Eisbären in dieser Saison einen stabileren Eindruck, obwohl sie da einige Veränderungen hatten. Wie lange dauert es denn dann eigentlich, bis man sich dann als Defensive wieder findet. Kai Wissmann dazu:

Klar, wir haben dafür die Vorbereitung. Aber das ist ein Prozess und der hört eigentlich nie auf. Der geht nach wie vor und wird auch nie enden. Das ist bei den Gegnern ja genauso. Und ich denke, es ist auch gar nicht schlecht, wenn immer mal ein paar neue Spieler kommen, ein bisschen frischen Wind rein bringen. Und dieses Jahr waren die neuen Spieler für uns sehr gut und ja, jetzt hoffen wir, dass wir noch besser werden.

Nicht nur die Spieler sind neu, nein, auch das Trainerteam und dass damit verbundene neue System von Serge Aubin. Wie gefällt den beiden Jungs denn eigentlich sein offensiv ausgerichtetes System? Kai Wissmann findet es sehr gut:

Ich finde das System sehr gut. Wir haben es ja dann, als wir viele Verletzte hatten, auch ein bisschen umgestellt, aufgrund der wenigen Spieler die wir hatten. Davor waren wir noch aggressiver und dann haben wir ein bisschen mehr die Mitte verteidigt und jetzt im letzten Spiel, als wir wieder ein volles Line-up hatten, sind wir wieder zum aggressiven zurückgegangen. Also mir persönlich gefällt das aggressive sehr gut, dass auch wir Verteidiger schon vorne angreifen können und nicht nur zurück stehen und die Mitte halten.

Ryan McKiernan bestätigte das mit einem lockeren „Genau“. Die Jungs sind sich halt einig, harmonieren eben sehr gut zusammen. Harmonisch geht es zwischen Berlin und Mannheim aber überhaupt nicht zu. Aber genau Mannheim ist am Sonntag der Gegner im ersten Heimspiel nach der Länderspielpause. Wissen die Spieler eigentlich von der Rivalität zwischen den beiden Teams? Kai Wissmann hat das bereits früh zu Hause in Schwenningen mitbekommen:

Also ich weiß es sehr sicher. Ich wusste es auch schon, bevor ich für die Eisbären gespielt habe. Damals habe ich noch in Schwenningen mit meiner Familie auf der Couch das DEL-Finale angeschaut, als die Eisbären das noch wahnsinnig gedreht haben am Ende in Mannheim. Also mir ist es durchaus vorher schon bewusst gewesen, dass da eine ganz besondere Würze im Spiel ist. Ich freue mich auf das Spiel und wir wollen natürlich wie im letzten Heimspiel gewinnen. Eindeutig gewinnen.

Und wie sieht es Ryan McKiernan?

Ich weiß, dass das Spiel für uns sehr wichtig ist. Aber persönlich bestreite ich jedes Spiel wie ein neues Spiel. Wir kämpfen, wir wollen unser bestes Eishockey spielen. Natürlich, gegen Mannheim müssen wir etwas schneller mit dem Puck spielen, mehr aggressiv spielen. Aber die nächsten zehn Spiele sind alle wichtig.

Gegen Mannheim wird es bestimmt auch wieder „Trash-Talk“ zwischen den Spielern geben. Aber was genau sagen sich die Jungs da unten auf dem Eis dann eigentlich? Ryan McKiernan mit einer lustigen Antwort dazu:

Ja wir fragen, wie es ihrer Mutter geht und wie es ihnen seit dem letzten Match geht, als wir uns das letzte Mal gesehen haben. Nein. Jeder Spieler ist da anders. Es entsteht viel aus der jeweiligen Situation heraus.

Die größte Überraschung bei den Eisbären in dieser Saison ist definitiv der erst 17-jährige Lukas Reichel, welcher nach der Saison sehr wahrscheinlich ganz früh im NHL-Draft gezogen und dessen Zukunft dann wohl in den Staaten liegen wird. Wie finden die beiden Jungs das überhaupt? Kai Wissmann über Lukas Reichel:

Ich freu mich sehr, dass wir Lukas im Team haben. Es macht Spaß, ihm im Training zu beobachten, auch im Vergleich zur Saisonvorbereitung, wie weit er jetzt schon ist im Vergleich zum ersten Training mit uns. In dem Alter kann man solche Schübe machen, das ist gigantisch. Ich freue mich sehr, dass er bei uns spielt, dass er auch so viel Eiszeit kriegt und sich entwickeln kann. Und ja, ich drücke ihm die Daumen für den NHL-Draft.

Und Ryan McKiernan wird nach dem NHL-Draft eine Party zusammen mit PC Labrie, Maxim Lapierre und Louis-Marc Aubry für Lukas Reichel schmeißen:

Ich finde Lukas unglaublich. Wie Kai schon gesagt hat, er ist seit dem ersten Training so viel besser geworden. Es macht den Eindruck, dass es Lukas sehr leicht fällt, Eishockey zu spielen. Er beherrscht dieses Spiel mit einer großen Leichtigkeit, was ihm später helfen wird, mit dem Druck, der später kommen wird, umzugehen und diesem Stand zu halten. Ich bin sehr glücklich für ihn, der NHL-Draft wird in Montreal im Juni sein und ja, ich, Lapierre, PC und Louis-Marc werden danach eine Party für ihn machen.

Kommen wir aber wieder zurück zu dieser Saison und einer großen Thematik bei den Fans. Wie erklären Kai Wissmann und Ryan McKiernan die unterschiedlichen Leistungen gegen die Top-Teams und die vermeintlichen kleinen Teams. Ryan McKiernan versucht es, zu erklären:

Das ist eines der schwersten Dinge in einer Saison. Dein bestes Eishockey spielen und alles geben auch gegen die nicht so guten Mannschaften. Es ist mental schwer. Aber wir versuchen es, besser zu machen. Weil wir brauchen alle Punkte in den letzten zehn Spielen. Schade, dass es passiert ist, aber in den letzten Spielen müssen wir mental da sein.

Kai Wissmann ergänzte:

Man darf auch nicht vergessen, dass der Gegner auch her kommt, um das Spiel zu gewinnen. Also die kommen nicht mit der Einstellung, okay, wir schenken den Sieg hier her in Berlin, Kaffee-Fahrt, wir haben eh keine Chance. Und jetzt zum Beispiel gegen Schwenningen zu Hause. Die haben sehr defensiv gespielt, haben es uns auch dadurch schwer gemacht. Die haben nach vorne eigentlich nicht viel versucht. Und wir haben die ganze Zeit Puckbesitz gehabt, haben versucht und gemacht. Aber wir sind halt nicht in die Mitte rein gekommen, weil sie die gut verteidigt haben. Dann ist es am Ende halt so ein Geduldspiel, was für die Fans nicht so schön zum anschauen ist, weil es vielleicht auch langweilig ist. Aber wir dürfen dann halt nicht die Geduld verlieren und schon zu viel in den ersten 20 Minuten erzwingen. Weil dann kann das auch ganz schnell nach hinten losgehen mit Kontern gegen uns. Und so wie jetzt gegen Schwenningen haben wir es ja gezeigt. Wie ist es ausgegangen, 2:0, ich weiß es gar nicht mehr. 2:1, also wir haben es gewonnen und das ist halt das Wichtigste, was zählt. Aber es ist eben der Sport, es ist schwer zu erklären. Wir machen es auf jeden Fall nicht mit Absicht.

Was für Spieler immer sehr besonders ist, ist da erste Spiel beim Ex-Verein. Wie war es denn für Ryan McKiernan, das erste Auswärtsspiel in Düsseldorf?

Es war sehr seltsam und sehr besonders, weil man die Spieler sehr gut kennt. Man weiß, wie gut sie sind. Dieses Umschalten auf der ist ja jetzt mein Gegner und ich betrachte ihn so wie jeden anderen Gegner auch, das dauert einen kleinen Moment. Das dauert ein Spiel. Das erste Spiel gegen dein ehemaliges Team ist seltsam, aber danach ist es wie jedes andere Spiel.

Und mit welchen Spielern würden sie gerne zusammenspielen? Die Antwort war bei beiden gleich, denn beide nannten ihren aktuellen Partner. Kai Wissmann:

Ich würde da so wählen, wie ich jetzt spiele. Mit Frank, das finde ich sehr gut. Wir harmonieren denke ich sehr gut, wir kommen gut aus der eigenen Zone raus mit unseren Pässen. Wir reden auch auf der Bank und ich bin sehr zufrieden, wie es ist.

Ryan McKiernan:

Ich bin auch zufrieden. Ich spiele gerne mit Kettemer. Er läuft sehr gut Schlittschuh. Wir haben eine gute Kommunikation auf dem Eis. Ich finde, dass die drei Verteidigerreihen und die Forward-Reihe, jetzt wo wir gesund sind, perfekt sind.