Serge Aubin: „Die alte Eisbären-DNA ist wieder da“

In den Playoffs der PENNY DEL ist es fast schon Tradition geworden, dass die Eisbären Berlin und die Straubing Tigers aufeinander treffen. Wie im Vorjahr treffen beide Mannschaften auch in dieser Saison wieder im Viertelfinale aufeinander – diesmal allerdings mit dem Heimrecht für die Niederbayern. Es wird dann bereits die sechste Playoff-Serie zwischen diesen beiden Mannschaften sein. Bisher stets mit dem besseren Ende für den Hauptstadtclub.

In der Saison 2011/2012 trafen beide Teams im Halbfinale aufeinander. Am Ende setzten sich die Eisbären mit 3:1-Siegen durch. Größter Aufreger damals war ein Check vom jetzigen Co-Trainer André Rankel gegen Daniel Sparre, welcher eine Sperre von zehn Spielen nach sich zog.
In der Saison 2016/2017 standen sich beide Teams in der ersten Playoff-Runde gegenüber. Erneut hatten die Berliner das bessere Ende auf ihrer Seite und setzten sich mit 2:0-Siegen durch. Jamie MacQueen entschied die Serie damals mit dem Siegtreffer nach 104 Minuten in Spiel zwei.
In der Saison 2018/2019 trafen sich beide Teams erneut in der ersten Playoff-Runde, wobei dieses Mal die Tigers Heimrecht hatten. Aber erneut endete die Serie mit 2:0-Siegen für die Eisbären.
In der Saison 2023/2024 standen sich die beiden Mannschaften im Halbfinale gegenüber. Die Hauptstädter gewannen die Serie damals zwar mit 4:1, doch so deutlich waren die Spiele am Ende nicht. Zwei Spiele gingen in die Verlängerung, beide Male gewannen die Berliner. Spiel zwei am Pulverturm endete damals erst nach 110:40 Minuten. Dieses Spiel und Spiel fünf entschied jeweils Ty Ronning. In Spiel fünf traf er jedoch bereits nach 67 Minuten.
Auch im Vorjahr standen sich beide Teams im Viertelfinale gegenüber. Die Eisbären gewannen die Serie mit 4:1. Doch auch diese Serie war keinesfalls so deutlich, wie es das Serienergebnis vermuten lässt. Straubing war insgesamt gesehen die bessere Mannschaft, haderte aber am Ende mit der eigenen Chancenverwertung. Wäre die besser gewesen, hätte die Serie auch anders ausgehen können.

Zum sechsten Mal stehen sich die Eisbären Berlin und die Straubing Tigers in den Playoffs gegenüber. (Foto von Marco Leipold / City-Press GmbH Bildagentur)

In diesem Jahr gehen die Niederbayern aber als Favorit in die Viertelfinalserie mit dem DEL-Rekordmeister. Mit 101 Punkten beendete die Mannschaft von Trainer Craig Woodcroft die Hauptrunde auf Platz drei. Die Eisbären wurden mit 85 Punkten Sechster. 180 Tore hat Straubing erzielt, die Eisbären kommen auf 171 Tore. 150 Gegentore haben die Tigers kassiert, die Eisbären 157 Gegentore. Mit 22,60 Prozent Erfolgsquote hatten die Niederbayern das fünftbeste Powerplay. Die Eisbären hingegen hatten mit 16,03 Prozent das schlechteste Powerplay der Liga. Auch in Unterzahl ist Straubing das bessere Team. Mit 80,00 Prozent hatte man das sechstbeste Penalty Killing. Die Eisbären waren in dieser Disziplin mit 77,97 Prozent auf Rang acht.

Hat noch keine Playoff-Serie mit den Eisbären Berlin verloren: Trainer Serge Aubin (Foto von Marco Leipold / City-Press GmbH Bildagentur)

Der Respekt vor den Niederbayern ist groß und Trainer Serge Aubin erwartet auch eine harte Serie:

Wir wissen, dass es eine harte Serie gegen Straubing wird. Grundsätzlich ist es aber egal, gegen wen wir spielen. Wir fokussieren uns auf uns selbst und wollen unser Hockey aufs Eis bringen. Wenn wir das schaffen, haben wir in jedem Spiel gute Chancen, als Sieger vom Eis zu gehen. In jeder Serie wird es immer Schlüsselmomente geben, die das Momentum auf die eine oder andere Seite wechseln lassen. Wir hoffen natürlich, dass diese am Ende für uns ausschlaggebend sein werden. Wir bereiten uns auf sieben Spiele vor.

Auch Kapitän Kai Wissmann weiß um die Stärke der Tigers, sieht aber trotzdem gute Chancen für seine Mannschaft:

Wir kennen uns ganz gut aus den letzten Jahren. Straubing ist eine gute und spielstarke Mannschaft, die auch sehr hart arbeitet. Wir müssen uns Spiel durchziehen, defensiv hart verteidigen, so wie wir es jetzt auch gemacht haben. Und vorne haben wir genug Qualität, dass wir unser Tor machen.

Trotz überschaubaren finanziellen Mitteln hat sich Straubing zu einem Top-Team in der PENNY DEL entwickelt, welches jedes Jahr für Furore sorgt und die großen Teams immer wieder ärgert. Für Trainer Serge Aubin ist der Erfolg der Niederbayern keine Überraschung:

Ich bin darüber nicht überrascht. Wenn man sich die letzten sechs, sieben Jahre anschaut, war Straubing fast immer unter den Top-6. Es ist extrem hart umkämpft, unter die ersten sechs Teams in der Tabelle zu kommen. Sie spielen über einen langen Zeitraum konstant sehr gut. Wir gehen davon aus, dass sie gegen uns ihr bestes Hockey spielen werden. Aber das denken sie umgekehrt auch von uns. Sie haben die Saison vor uns abgeschlossen und dafür gebührt ihnen der Respekt. Aber jetzt geht es wieder bei 0:0 los.

Dass seine Mannschaft rechtzeitig zum Saison-Höhepunkt die Kurve bekommen hat und wieder das Eisbären-Hockey zeigt, freut den Coach natürlich. Aber dass das im Team steckt, war ihm über die gesamte Spielzeit bewusst:

Es war keine Überraschung für mich, aber ich war froh zu sehen, dass die Jungs die Kurve rechtzeitig bekommen haben. Ich freue mich sehr darüber, wie die Jungs zuletzt gespielt haben. Die Jungs waren wirklich ehrlich zu sich selbst und wussten, dass sie eine Schippe drauflegen mussten. Wir haben unser Spiel einfach gehalten, einen guten Forecheck gespielt und Schüsse geblockt. Das ist wieder das typische Eisbären-Hockey. Ich wusste während der Saison immer, dass die Mannschaft dazu in der Lage ist. Dass man das jetzt so kurz vor Ende der Hauptrunde geschafft hat, ist natürlich ein sehr gutes Timing. Darauf müssen wir jetzt aufbauen und es mit in die Playoffs nehmen. Wenn man so spielt, wird man belohnt. Es ist die alte Eisbären-DNA, die jetzt wieder da ist.

Ab Dienstag, den 24.03.2026, wird man sehen, ob die Eisbären an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen können oder nicht. Zwar geht man für mich nicht als Favorit in die Viertelfinalserie, aber trotzdem weiß jeder, dass die Eisbären ein Playoff-Monster sein können. Und wenn der Titelverteidiger mal in Fahrt kommt, wird es schwer, ihn viermal zu besiegen. Gleichzeitig weiß man aber auch, wie schwer und ungemütlich es ist, im Eisstadion am Pulverturm zu spielen. Doch Sportdirektor Stéphane Richer gibt das Motto für die Playoffs vor:

Wenn du in den Playoffs gewinnen willst, musst du jedes Team schlagen!

Vier Siege in Folge: Serge Aubin, Kai Wissmann und Eric Hördler erklären den Aufschwung der Eisbären Berlin

Die Eisbären Berlin haben bisher keine leichte Saison erlebt. Viele Verletzungen haben den Verlauf der Hauptrunde geprägt. Morgen endet die Hauptrunde der DEL-Saison 2025/2026 mit dem Heimspiel gegen Red Bull München. Die Berliner gehen dabei als Sechster in das Rennen um das letzte direkte Viertelfinalticket. Zwei Zähler beträgt der Vorsprung auf Konkurrent Bremerhaven, der mit dem sportlichen Absteiger Dresden jedoch die vermeintlich einfachere Aufgabe vor der Brust hat. Doch die Hauptstädter sind rechtzeitig zu den bevorstehenden Playoffs in Form gekommen und haben erstmals seit Mitte Oktober wieder vier Spiele am Stück gewonnen. Doch wie erklärt man sich beim Hauptstadtclub diesen Aufschwung? Trainer Serge Aubin hat die Antwort:

Wir halten das Spiel einfach und nicht zu kompliziert. Wir versuchen nicht zwangsläufig in jedem Shift ein Tor zu erzielen. Wir gehen sehr früh in den Forecheck, was sehr gut funktioniert. Wir nehmen dem Gegner Raum und Zeit weg. Zudem können wir mit vier vollen Reihen spielen.

Auch Kapitän Kai Wissmann betont, dass man zur Zeit viel einfacher spielt als davor:

Wir spielen ein bisschen einfacher durch die neutrale Zone und ein bisschen geradliniger nach vorne. Wir wollen unseren Forecheck nutzen, weil das eigentlich immer unsere Stärke war. Durch unseren harten Forecheck gehen wir dem Gegner immer auf die Nerven. Zudem sind wir eng am Mann und geben ihnen wenig Raum und Zeit. Ich denke, dass wir das seit der Pause sehr gut umsetzen.

Kapitän Kai Wissmann (Foto von Marco Leipold / City-Press GmbH Bildagentur)

Die Pause ist ein gutes Stichwort. Seitdem haben die Eisbären fünf der sieben Spiele gewonnen und liegen in diesem Zeitraum auf Platz drei. Nur Straubing und München haben eine bessere Punkteausbeute als der Titelverteidiger. Für den Hauptstadtclub kam die Pause zum richtigen Zeitpunkt, wie Trainer Aubin verrät:

Die ganze Saison war von vielen Verletzungen geprägt. Von daher war es gut für die Jungs, mal weg zu kommen und sich nicht um Eishockey kümmern zu müssen. So kam man auf andere Gedanken und konnte auch mal die Stadt verlassen. Das war für alle wie ein Neustart. Wir wissen aber, dass noch viel auf uns wartet und wir noch besser spielen können.

Trainer Serge Aubin (Foto von Marco Leipold / City-Press GmbH Bildagentur)

Doch der aktuelle Weg scheint der richtige zu sein. Denn der Spaß am Eishockey ist wieder zurück gekommen, wie Stürmer Eric Hördler sagt:

Zuletzt haben wir einfach und hart gespielt. Wir haben gezeigt, dass wir so noch spielen können. Diese Spiele haben wieder Spaß gemacht, weil wir wieder unser Hockey gespielt haben. Genauso müssen wir weiterspielen.

Gerade Hördler Junior und seine Reihe haben einen großen Anteil am Aufschwung. Zusammen mit Manuel Wiederer und Les Lancaster sorgte Eric Hördler zuletzt für Aufsehen auf dem Eis. Die Nummer 77 versucht das zu erklären:

Die Chemie zwischen uns ist sehr gut. Der Les ist ein brutaler Goalscorer geworden. Also ich habe noch nie so einen Verteidiger im Sturm gesehen. Das macht natürlich viel aus, wenn er da einen nach dem anderen einklinkt. Es macht brutal viel Spaß mit denen zusammenzuspielen. Wir spielen sehr einfach, arbeiten hart und daraus resultieren dann gute Ergebnisse.

Stürmer Eric Hördler (Foto von Marco Leipold / City-Press GmbH Bildagentur)

Für Trainer Serge Aubin ergeben sich dadurch natürlich viel mehr Möglichkeiten im Spielverlauf:

Die Drei harmonieren sehr gut und haben eine gute Chemie. Les Lancaster macht einen fantastischen Job. Manuel Wiederer und Eric Hördler verstehen einfach ihre Rolle, die sie in dieser Reihe erfüllen. Eric hat gegen Mannheim einen wichtigen Beitrag zum 1:0 geleistet. Ich habe überhaupt keine Sorge, diese Reihe auf das Eis zu schicken. Das gibt mir mehr Möglichkeiten.

Zudem dürfte auch eine große Rolle spielen, dass das Trainerteam seine vier Reihen gefunden hat. Denn in den letzten Spielen wurde nicht mehr rotiert. Die Mannschaft spielt sich immer mehr in Playoff-Form und dürfte so wieder für jede Mannschaft ein sehr unbequemer Gegner werden. Die Eisbären Berlin sind bereit für das erste Endspiel der Saison gegen München. Mit einem Sieg würde man das direkte Viertelfinalticket buchen.

Öffentliches Training vor 1.500 Fans: Die Eisbären legen wieder los und geben die Meisterschaft als Saisonziel aus

Es ist August und der Sommer nimmt nochmal Fahrt auf. Aber das interessiert die Eisbären-Fans nur am Rande, denn die neue Saison kommt mit großen Schritten immer näher. Am Samstag fand die traditionelle Saisoneröffnungsfeier auf dem Uber Platz statt. Heute folgte dann das ebenso traditionelle öffentliche Training im altehrwürdigen Wellblechpalast vor 1.500 Zuschauern, welche für eine überragende Stimmung sorgten. Eine, die Neuzugang Markus Vikingstad nur aus den Heimspielen in Bremerhaven kennt:

Das erste Training hier war super. Die Halle ist genauso groß wie in Bremerhaven, aber solch eine Stimmung beim Training habe ich dort nie erlebt.

Markus Vikingstad im Interview bei der Saisoneröffnungsfeier. (Foto von Marco Leipold / City-Press GmbH Bildagentur)

Der 25-jährige Norweger, der auch den deutschen Pass besitzt, kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus und freut sich auf seine Zeit in Berlin. Von der Stadt hat er bereits ein bisschen gesehen, aber die Stadt ist sehr groß, weshalb er noch einiges zu entdecken hat. Sportlich bringt er auf jeden Fall die richtigen Ziele mit:

Man ist hier, um zu gewinnen. Ich freue mich jetzt darauf, jeden Tag hart zu arbeiten und der Mannschaft weiterzuhelfen.

Markus Vikingstad beschreibt sich selbst als Zwei-Wege-Spieler, der offensiv und defensiv spielen kann, ein stabiler Center ist und vor allem gut am Bullypunkt ist. Eine Schwachstelle bei den Eisbären im letzten Jahr.

Kapitän Kai Wissmann will mit den Eisbären Berlin erneut das letzte Spiel der Saison gewinnen. (Foto von Mathias Renner / City-Press GmbH Bildagentur)

Neben dem Norweger sind mit Lennart Neiße, Moritz Kretzschmar (DNL) und Andreas Eder nur drei weitere Spieler neu im Team, was Kapitän Kai Wissmann als großen Vorteil für die neue Saison ansieht:

Unser Team hat sich nicht wirklich verändert und somit sind wir eingespielt, was auf jeden Fall sehr gut sein sollte. Jeder Spieler kennt das System. Natürlich haben wir eine sehr kurze Vorbereitung im Hinblick auf die ersten Vorbereitungsspiele. Da spielen wir gleich gegen tschechische Teams, die dann schon vier oder fünf Spiele auf dem Buckel haben, während wir unser erstes Spiel bestreiten. Aber das wissen wir und wir versuchen einfach wieder zu unserem Spiel zu finden, um dann Stück für Stück voranzukommen. Die Mannschaft ist gut besetzt.

Zwei der vier Neuzugänge kennt die Nummer sechs bereits sehr gut und beschreibt sie so:

Andy kenne ich schon sehr lange, er ist ja auch mein Jahrgang. Wir haben schon in den ganzen Nachwuchs-Nationalmannschaften zusammen gespielt und früher als Kinder gegeneinander. Er ist ein super Spieler. Gegen Markus habe ich auch schon viel gespielt. Er ist ein unangenehmer Spieler, um gegen ihn zu spielen. Beide tun unserer Mannschaft sehr gut.

Viele Fans fragen sich, ob noch etwas auf dem Transfermarkt passiert und die Eisbären personell nochmal nachlegen. Sportdirektor Stéphane Richer sieht derzeit keinen Handlungsbedarf und will maximal noch tätig werden, wenn sich ein Spieler verletzt. Ansonsten bekommt jeder Spieler eine Chance, sich zu zeigen. Und auch Trainer Serge Aubin ist mit dem vorhandenen Kader mehr als zufrieden und meint, dass er alle Spieler hat, die er benötigt. 

Trainer Serge Aubin ist vom Fitnesszustand seiner Mannschaft begeistert. (Foto von Mathias Renner / City-Press GmbH Bildagentur)

Heute Abend konnten sich die Fans ein erstes Bild vom neuen Team machen und haben dort sicherlich auch schon die Intensität auf dem Eis bemerkt, aber auch die gute Laune im Team gesehen. Nach dem Training überraschte Trainer Aubin dann mit einer Aussage, welche die Konkurrenz durchaus schocken dürfte:

Wir sind definitiv fitter als letztes Jahr, was mich wirklich beeindruckt.

Das nach zwei gewonnenen Meisterschaften in Folge zu sagen, kann man schon als Ansage an die Konkurrenz auffassen. Natürlich ist es aber auch kein Geheimnis, dass die Meisterschaft auch in dieser Saison nur über die Eisbären geht. Weil sie eben den Kern der Mannschaft zusammengehalten haben und sich punktuell verstärkt haben. Die Spieler wissen genau, was zu tun ist, um am Ende den Meisterpokal zu gewinnen. Und so sind die Ansagen von Kai Wissmann und Andreas Eder auch sehr forsch formuliert. Wissmann sagte:

Wir wollen das letzte Spiel gewinnen, das ist ganz klar!

Und Andy Eder ergänzte:

Wir wollen Meister werden!

Dem schließen sich die Fans natürlich an. Und das die Vorfreude auf die neue Saison steigt, hat spätestens das vergangene Wochenende mit Saisoneröffnung und öffentlichem Training gezeigt. Mannschaft und Fans sind heiß auf die neue Saison und Titel Nummer zwölf.

Andreas Eder gibt die Meisterschaft als Saisonziel aus. (Foto von Mathias Renner / City-Press GmbH Bildagentur)

Stéphane Richer: „Serge Aubin ist für mich der beste Trainer in Europa“

Die Eisbären Berlin sind erneut Deutscher Meister und holten damit bereits zum elften Mal den Pokal in der PENNY DEL. Damit setzte sich die Serie also auch diesmal fort. Denn wenn die Berliner Deutscher Meister werden, dann immer mindestens zweimal hintereinander. Zwischen 2011 und 2013 gelang den Hauptstädtern sogar der Titel-Hattrick. Damit sind die Eisbären natürlich mit Abstand DEL-Rekordmeister.

Vierfacher Meistertrainer in der DEL: Serge Aubin (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Zum Einen sprach das Gesetz der Serie vor den Playoffs dafür, dass die Berliner am Ende erneut den Pokal in die Höhe stemmen können. Zum anderen wäre da Serge Aubin zu nennen, der sich nun vierfacher Meistertrainer mit den Eisbären Berlin nennen darf. Der 50-jährige Kanadier hat noch keine Playoff-Serie mit dem Hauptstadtclub in der DEL verloren. Seine Zahlen sind überragend: Zwölf Serien hat Aubin mit den Eisbären in Folge gewonnen. Dabei absolvierten die Berliner 50 Spiele und verloren nur ganze elf Spiele. Was ist das Geheimnis des Berliner Erfolgscoach:

Wir ändern unsere Herangehensweise über die gesamte Saison nicht. Wir schauen immer nur von Tag zu Tag. Es ist egal, ob es ein Dienstagsspiel im November oder ein Finalspiel am Freitag ist. Das ist unsere und meine Philosophie.

Für die Eisbären kann man nur hoffen, dass der Kanadier noch lange als Coach hinter der Bande steht. Die Konkurrenz hingegen wird hoffen, dass es nicht der Fall sein wird. Sportdirektor Stéphane Richer adelte seinen Trainer nach dem Gewinn der Meisterschaft:

Serge Aubin ist für mich der beste Trainer in Europa. Er weiß immer, welche Knöpfe er drücken muss, er redet mit den Jungs und gibt den jungen Spielern eine Chance. Man sieht, welchen Schritt zum Beispiel Eric Hördler in den Playoffs gemacht hat.

Hat das Team wieder perfekt zusammengestellt: Sortdirektor Stéphane Richer (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Serge Aubin wird an der Bande auch nie laut, er ist stets sehr ruhig und analysiert das Spiel auf seine Art und Weise. Er trifft fast immer die richtigen Entscheidungen und weiß, welche Reihen am besten harmonieren. Nicht selten stellte er diese während des Spiels auch um, wenn er es für nötig hielt. Kapitän Kai Wissmann lobt seinen Trainer in den höchsten Tönen:

Serge Aubin hat ein sehr gutes Verständnis vom Eishockey, auch auf der Bank. Er kann immer reagieren, wenn der Gegner etwas umstellt. Er sieht das so schnell wie wahrscheinlich kein anderer. Und trotz allen Systemen und Vorschriften, die wir haben, gibt er uns genug Freiräume, um kreativ zu sein. Gerade in der Offensive.

Kai Wissmann lobte seinen Trainer Serge Aubin in den höchsten Tönen (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Aubin ist zudem auch ein Trainer, der auch knifflige Entscheidungen trifft, die andere Trainer wahrscheinlich so nicht getroffen haben. Wer erinnert sich da nicht zurück an den Playoff-Start, als Serge Aubin sich für Jonas Stettmer und gegen seinen letztjährigen Meister-Goalie Jake Hildebrand entschieden hatte. Der Erfolg gab dem Kanadier recht, denn Stettmer war am Ende der Garant für den Halbfinaleinzug. Ohne ihn hätte die Viertelfinalserie gegen Straubing auch anders ausgehen können. Aubin hat es aber geschafft, beide Goalie bei Laune zu halten und ab dem Halbfinale brauchte er dann auch Jake Hildebrand, da Jonas Stettmer sich verletzt hatte. Hildebrand kam zurück und lieferte eine überragende Leistung, welche man ihm nach der Hauptrunde nicht zugetraut hatte. Aber er ist eben ein Playoff-Goalie und hat nun bereits drei Meisterschaften in Deutschland gewonnen. Einmal mit Frankfurt in der DEL2 und nun zweimal mit den Eisbären in der DEL.

Kai Wissmann lobte die Einstellung beider Goalies am Ende der Finalserie:

Beide Goalies haben überragend gehalten. Jonas hat die Entscheidung vom Trainer erhalten, im Viertelfinale zu starten. Jake war letztes Jahr unser Meister-Goalie und hat sich darüber nicht einmal beschwert oder versucht, schlechte Stimmung zu machen. Charakterlich einfach unglaublich. Danach war es genau umgekehrt. Jake hat die Halbfinalserie brutal gehalten und dann ist er drin geblieben. Auch Jonas hat sich dann nicht beschwert sondern sich in den Dienst der Mannschaft gestellt.

Die Eisbären Berlin sind einfach zu beneiden. Sei es wegen dem Trainer, wegen der beiden Goalies oder schlichtweg wegen diesen überragenden Spielern, welche die persönlichen Erfolge hinten angestellt und für den Teamerfolg alles gegeben haben. Vier Meisterschaften in den letzten fünf Jahren sprechen für sich. Und auch der Fakt, dass man aus dem einen Jahr, als man kurzzeitig im Abstiegskampf war, die richtigen Schlüsse gezogen hat. Die Konkurrenz muss verdammt viel investieren, um die Eisbären in Zukunft vom Thron zu stoßen. Und so lange Serge Aubin Trainer in Berlin ist, sind Meisterschaften ja eigentlich sowieso schon vorprogrammiert.

Stéphane Richer: „Die Eisbären Berlin haben immer hohe Ziele!“

Heute Nachmittag fand wieder die jährliche Saisoneröffnungspressekonferenz der Eisbären Berlin beim jahrelangen Hauptsponsor GASAG statt. Wir waren vor Ort und fassen für euch noch einmal die wichtigsten Aussagen der PK zusammen, damit ihr bestens vorbereitet in die neue Saison starten könnt.

Zunächst einmal ging es natürlich noch einmal um die letztjährige Meisterschaft der Eisbären Berlin. Am Ende der vergangenen Saison sicherten sie die Berliner ihren bereits zehnten DEL-Titel, was die GASAG als Hauptsponsor natürlich sehr freute. Der Vorstandsvorsitzende der GASAG, Georg Friedrichs, hob aber auch noch zwei andere Erfolge hervor. Zum einen den Vizemeistertitel der DNL-Mannschaft und zum anderen den Halbfinaleinzug der Frauen-Mannschaft:

Wir haben in der letzten Saison nicht nur der Profi-Mannschaft der Eisbären zur Meisterschaft gratuliert, wir hatten auch noch andere Fälle, wo wir gerne gratuliert haben. Die Eisbären Juniors haben eine wahnsinnig erfolgreiche Saison hinter sich gebracht, leider nicht gekrönt mit dem Meistertitel. Aber wir haben einen Vizemeistertitel gesehen in einem ziemlich dramatischen Playoff-Finale. Herzlichen Glückwunsch nochmal dazu an dieser Stelle. Und dann haben wir noch was gesehen, was vielleicht nicht ganz so in den Medien war. Wir haben eine sehr erfolgreiche Saison der Frauen-Mannschaft gesehen, die das Halbfinale erreicht haben. Auch dazu herzlichen Glückwunsch. Hier sehen wir eine wunderbare Entwicklung.

Vorstandsvorsitzender der GASAG AG Georg Friedrichs (Foto von Jan-Philipp Burmann / City Press GmbH)

Auch das soll neben dem großen Erfolg der Profi-Mannschaft nicht untergehen. Beim entscheidenden DNL-Finale war ich selbst persönlich im Welli vor Ort und die Juniors waren verdammt nah dran am großen Wurf. In der neuen Saison werden sie wieder angreifen.
Und das Frauen-Eishockey verfolgt ja unsere Jule ganz besonders und wird das auch in der kommenden Saison wieder für euch tun. Auch die Mädels werden wieder angreifen wollen und haben sich dafür bestmöglich verstärkt. Auf den DFEL-Start blicken wir übrigens noch einmal etwas genauer in unserer nächsten Podcast-Folge Anfang Oktober. Dafür haben wir dann auch einen weiteren Experten am Start.

Aber zurück zur heutigen PK, wo natürlich auch Geschäftsführer Thomas Bothstede anwesend war und seine Vorfreude auf die neue Saison deutlich machte:

Wir freuen uns auf Alles. Wir freuen uns, dass es wieder los geht. Die Sommerpause war sehr kurz, was aber immer ein sehr gutes Zeichen ist. Und wir hoffen, dass die neue Saison ähnlich lange geht wie die letzte. Wir sind unfassbar stolz auf das, was wir in der letzten Saison erreicht haben, aber auch auf das, was im Sommer passiert ist. Wir haben mehr als 6.200 Dauerkarten verkauft, das ist ein neuer Rekord für die Eisbären Berlin. Das zeigt die Unterstützung unserer Fans.

Geschäftsführer Thomas Bothstede (Foto von Jan-Philipp Burmann / City Press GmbH)

6.200 Dauerkarten sind ein absolutes Statement und hat dafür gesorgt, dass die Eisbären erstmals ihren Dauerkartenverkauf stoppen mussten. Eishockey boomt immer mehr und das auch bei uns in Berlin. Genau das hat dieser so geile Sport auch verdient!
Die letzte Saison hat sicherlich auch nochmal neue Fans angezogen, welche nun natürlich darauf hoffen, dass die Hauptstädter erneut eine so erfolgreiche Saison spielen. Das Ziel Meisterschaft hat man in Berlin auf jeden Fall raus gegeben, wie Sportdirektor Stéphane Richer heute sagte:

Die Eisbären Berlin haben immer hohe Ziele! Wir wollen zu den Top-Mannschaften in der DEL gehören. Als dreifacher Meister in den letzten vier Jahren haben wir den Anspruch, um die Meisterschaft mitzuspielen. Aber wir wissen, dass die DEL eine sehr starke Liga ist und das sich viele andere Mannschaften sehr gut verstärkt haben. Wir freuen uns auf unseren Start in Köln. Es ist eine große Herausforderung auswärts in die Saison zu starten. In Köln erwartet uns ein sehr schwerer Gegner, der sich sehr gut verstärkt hat. Die Mannschaft ist aber bereit. Wir hatten eine sehr kurze aber sehr gute Vorbereitung. Dazu haben wir bisher sehr gut in der CHL gespielt.

Sportdirektor Stephane Richer (Foto von Jan-Philipp Burmann / City Press GmbH)

Richer spricht dabei auch die CHL an, welche bisher sehr gut lief für die Eisbären. Kapitän Kai Wissmann wurde daher gefragt, wie er die ersten vier Spiele in der CHL gesehen hat:

Wir können mit den bisherigen Ergebnissen auf jeden Fall zufrieden sein. Das erste Spiel in Schweden war schon nicht schlecht vom Ansatz her, aber da gab es trotzdem noch einiges zu verbessern. Aber gerade am letzten Wochenende gegen die zwei tschechischen Top-Vereine haben wir viel davon umsetzen können und auch verdient fünf Punkte geholt.

Bisher kann man auch als Fan mit den Auftritten der Eisbären zufrieden sein, die sich in jedem Spiel gesteigert haben und bereits jetzt schon in beachtlicher Frühform sind. Und das trotz einiger Personalsorgen, aber dafür hat man eben eine Tiefe im Kader geschaffen, die das jetzt auffängt. Genau diese Tiefe macht Trainer Serge Aubin zuversichtlich, wenn er auf die am Freitag beginnende Saison der Eisbären Berlin blickt:

Ich bin sehr zufrieden mit meiner Mannschaft! Die Tiefe im Kader macht mich sehr zuversichtlich für die bevorstehende Saison. Es ist eine lange Saison, in der viel Arbeit auf uns wartet. Aber natürlich haben wir das Ziel, das letzte Spiel der Saison zu gewinnen.

Trainer Serge Aubin (Foto von Jan-Philipp Burmann / City Press GmbH)

Die neue DEL-Saison beginnt für den zehnfachen DEL-Meister mit einem Auswärtsspiel bei den Kölner Haien, die jede Saison große Erwartungen haben, diese aber seit über 20 Jahren nicht mehr erfüllen konnten. Die Sehnsucht nach der Meisterschaft in der Domstadt ist riesig und dafür hat man eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt, welche der finnische Trainer Kari Jalonen zum Erfolg führen soll. Natürlich wurde heute auch auf den Saisonstart bei den Haien geblickt. Serge Aubin dazu:

Es ist aufregend, die Saison in einer ausverkauften Arena in Köln zu beginnen. Da könnten bei dem ein oder anderen Spieler auf beiden Seiten die Nerven vielleicht eine Rolle spielen. Die Kölner haben eine sehr starke Mannschaft und sich sehr gut im Sommer verstärkt. Wir sind aber selbstbewusst und vertrauen auf unsere eigene Stärke. Wir sind bereit. Die Vorfreude auf die neue Saison ist sehr groß. Die Jungs sind bereit und können es kaum erwarten, loszulegen. Man darf auch nicht vergessen, sie machen alle genau das, was sie lieben. Es macht sehr viel Spaß mit den Jungs.

Auch Kapitän Kai Wissmann erwartet ein sehr schweres Spiel:

Ich erwarte ein enges Spiel. Die Vorfreude ist natürlich riesig. Direkt vor so einer vollen Arena zum Saisonstart zu spielen ist natürlich großartig. Wir hätten natürlich auch gerne vor unseren eigenen Fans gespielt, aber in Köln ist auch nicht so verkehrt. Wir freuen uns jetzt einfach auf das Spiel, auf welches wir uns sehr gut vorbereitet haben. Wir erwarten ein schweres Spiel. Köln wird sehr motiviert sein nach der letzten Saison.

Auf viele neue Gesichter müssen sich die Fans der Eisbären Berlin nicht einstellen. Der Kern der Meister-Mannschaft ist zusammengeblieben und der Kader nur punktuell verstärkt worden. Welche Ziele die Eisbären bei den Transfers der Verteidiger in diesem Sommer verfolgt haben, erklärte Stéphane Richer heute:

Ein Ziel war es, die Mannschaft wieder zu verjüngen. Die Spielertypen mussten auch zu uns passen. Mit Mitch Reinke haben wir einen offensiven Verteidiger, der die Scheibe gut bewegen kann und auch im Powerplay wertvoll ist. Mit Olivier Galipeau haben wir einen soliden Verteidiger, der robust spielen kann und im Penalty Killing wichtig für uns sein kann. Markus Niemeläinen ist ein stabiler Verteidiger, der einen guten ersten Pass hat. Er ist zudem groß und kann gute Checks fahren. Das hat uns vielleicht so ein bisschen gefehlt.

Einer, der sonst in der DNL spielt, jetzt aber das Trainingslager bei den Profis der Eisbären mit absolvierte, ist Maxim Schäfer. Serge Aubin wurde nach seiner Einschätzung über den Youngster gefragt:

Er hat wirklich ein sehr gutes Trainingslager absolviert. Man darf aber nicht vergessen, dass es ein großer Schritt ist von der DNL zu den Profis. Aber er macht bisher keine Anzeichen, dass dieser Schritt zu groß für ihn sein könnte. Er hat einen guten Hockey-IQ und ich bin wirklich froh, ihn in den eigenen Reihen zu haben.

Wie in unserer aktuellen Podcast-Folge angesprochen, gehen wir davon aus, dass Schäfer am Wochenende im DEL-Kader der Eisbären Berlin stehen wird. Die Berliner bestreiten den Saisonstart bekanntlich mit zwei Auswärtsspielen. Dem Auswärtsspiel in Köln am Freitagabend folgt am Sonntagnachmittag das Gastspiel am Seilersee bei den Iserlohn Roosters. Ein guter Start in die neue Saison ist auf jeden Fall wichtig, oder Kai Wissmann?

Ein guter Start ist natürlich immer sehr hilfreich. Trotzdem muss man dazu sagen, dass an den ersten drei, vier Spieltagen weder etwas gewonnen noch verloren wird. Aber wenn man einmal vorne steht, spielt es sich doch etwas leichter als wenn man erst einmal hinterherrennen muss.

Kapitän Kai Wissmann (Foto von Jan-Philipp Burmann / City Press GmbH)

Und damit ist alles gesagt. Das lange Warten auf die DEL-Saison hat ein Ende. Ab Freitag flitzt die schwarze Hartgummischeibe wieder über die Eisflächen in den deutschen Arenen. Wir werden wie gewohnt über die Spiele der Eisbären Berlin berichten. Hier im Blog und im Podcast. Und die ein oder andere Hintergrundgeschichte wird es in der kommenden Saison auch geben. Seid gespannt und nun viel Spaß beim Saisonstart der DEL!

Die Eisbären Berlin in der Saison 2023/2024: Vom Abstiegskampf zur zehnten deutschen Meisterschaft

Die Saison 2023/2024 ist seit etwas mehr als einer Woche beendet und die Eisbären Berlin haben ihre zehnte deutsche Meisterschaft gefeiert. In der Finalserie setzten sich die Hauptstädter mit 4:1-Siegen gegen das Überraschungsteam der Saison, die Fischtown Pinguins Bremerhaven, durch und bauten somit ihren Vorsprung als DEL-Rekordmeister aus. Wir blicken heute noch einmal zurück auf diese Meistersaison der Eisbären.

Wer hatte vor dieser Saison ernsthaft mit dem Ausgang der Saison 2023/2024 gerechnet? Die Eisbären hatten in der Vorsaison als zweifacher deutscher Meister in Folge erstmals seit 22 Jahren wieder die Playoffs verpasst. Am Ende der Hauptrunde reichte es nur zu Platz elf mit drei Punkten Rückstand auf Platz zehn, den damals die Löwen Frankfurt belegten und somit sich das letzte Ticket für die erste Playoff-Runde sicherten. Lange Zeit steckten die Berliner in der Saison im Abstiegskampf, es drohte der Absturz in die DEL2. Während bei anderen Vereinen in der DEL Panik ausgebrochen wäre und man sich mit sofortiger Wirkung vom Trainerteam getrennt hätte, behielt die Chefetage der Eisbären Berlin absolute Ruhe, analysierte die Situation bereits während der katastrophalen Saison und kam zum Entschluss, dass man mit Trainer Serge Aubin und Co-Trainer Craig Streu weiter arbeiten möchte. Für diese Entscheidung hagelte es seinerseits ordentlich Kritik, doch mit ein wenig Abstand werden auch die Kritiker heute einsehen, dass das genau die richtige Entscheidung von Geschäftsführer Thomas Bothstede und Sportdirektor Stéphane Richer war. Denn Serge Aubin zahlte genau dieses Vertrauen jetzt mit dem Gewinn der zehnten deutschen Meisterschaft zurück.

Enttäuschte Gesichter nach dem Verpassen der Playoffs 2023: (Foto von Marco Leipold/City-Press GmbH)

Die Verantwortlichen des Hauptstadtclubs setzten sich nach dem Verpassen der Playoffs zusammen, analysierten alles ganz genau und sorgten im Sommer für einen radikalen Umbruch im Kader. Satte 15 Spieler mussten die Eisbären damals verlassen. Beide Torhüter (Tobias Ancicka/Juho Markkanen), zwei Verteidiger (darunter auch die Club-Legende Frank Hördler, welchen es nach Selb in die DEL2 zog) und elf Stürmer (u.a. Matt White, Giovanni Fiore, Peter Regin) erhielten keinen neuen Vertrag bei den Eisbären.
Dem gegenüber standen zwölf Neuzugänge vor und zwei Neuzugänge während der Saison 2023/2024. Und im Gegensatz zur Vorsaison, wo fast kein Transfer zum Volltreffer wurde, schlugen nahezu alle Neuzugänge in der abgelaufenen Saison ein. Sportdirektor Stéphane Richer hatte diesmal mehr als nur einmal ein goldenes Händchen und bastelte im vergangenen Sommer ein Team, welches definitiv das Zeug hatte, am Ende die Meisterschaft wieder nach Berlin zu holen.

Das Bild der Saison – Deutscher Meister 2024: Eisbären Berlin (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Fangen wir aber an bei der so wichtigen Torhüter-Position, wo sich die Eisbären mit Jonas Stettmer (Ingolstadt) und Jake Hildebrand (Frankfurt) verstärkten. Ich glaube, uns allen liegen noch die kritischen Aussagen einiger Fans im Ohr, die damals die Verpflichtung von Jake Hildebrand kritisierten, dass man mit ihm keine Meisterschaft gewinnen kann. Ich glaube, Jake hat alle Kritiker Lügen gestraft und deutlich bewiesen, dass er zu den absoluten Top-Goalies in der PENNY DEL zählt. In der Hauptrunde überzeugte Hildebrand bereits mit einer Fangquote von 91,72 Prozent und einem Gegentorschnitt von 2,38 pro Spiel sowie drei Shutouts. In den Playoffs steigerte sich Hildebrand nochmal und wuchs förmlich über sich hinaus. In den Playoffs kam er auf eine Fangquote von 93,60 Prozent und einen Gegentorschnitt von 1,91 pro Spiel. In den letzten drei Finalspielen kassierte er nur noch zwei Gegentore und feierte im entscheidenden fünften Spiel sogar einen Shutout. Jake Hildebrand war mit einer der wichtigsten Faktoren, warum die Berliner am Ende die zehnte deutsche Meisterschaft feiern konnten.
Jonas Stettmer kam in der Hauptrunde in 13 Spielen zum Einsatz, wo er stets zu überzeugen wusste. Auch seine Werte nach der Hauptrunde konnten sich mehr als sehen lassen. Eine Fangquote von 91,33 Prozent sowie einen Gegentorschnitt von 2,28 pro Spiel zeigten, dass die Eisbären über ein sehr starkes Torhüter-Duo verfügten. Stettmer feierte zudem auch noch einen Shutout.

Vor der Saison kritisiert, am Ende dann aber der gefeierte Held: Goalie Jake „The Wall“ Hildebrand“: (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

In der Defensive sorgte Richer mit der Rückkehr von Kapitän Kai Wissmann für den Königstransfer vor der Saison. Dazu kamen Ben Finkelstein (Wien), der jedoch während der Saison seine Karriere beenden musste, und Rio Kaiser (Salzburg). Während der Saison stieß dann auch noch Thomas Schemitsch dazu.
Wissmann übernahm sofort wieder Verantwortung in der Berliner Defensive und wurde wieder zu einem unverzichtbaren Leistungsträger. Mit 30 Scorerpunkten (5T/25A) war Wissmann am Ende der Hauptrunde sogar sechstbester Scorer in der internen Scorer-Wertung der Eisbären. Und das in nur 44 Spielen, denn der Verteidiger fehlte zwischenzeitlich verletzt. Wissmann verlieh der in der Vorsaison doch arg anfälligen Berliner Defensive deutlich mehr Stabilität und das machte zugleich auch seine Mitspieler besser. In den Playoffs scorte Wissmann auch nochmal stark und kam am Ende auf zehn Scorerpunkte (2T/8A), was ihm Platz fünf in der internen Scorer-Wertung einbrachte.
Finkelstein kam mit vielen Vorschusslorbeeren in die Hauptstadt, leider musste er aber im Laufe der Hauptrunde seine Karriere vorzeitig beenden. Am Ende standen für ihn 15 Vorlagen zu Buche. Es wäre spannend gewesen, wie sich Finkelstein in Berlin weiter entwickelt hätte.
Rio Kaiser kam insgesamt nur auf drei Spiele in der letzten Saison, was eine Bewertung extrem schwierig macht. Aber seine Zeit wird noch kommen und vielleicht kommt er in der neuen Saison auf mehr DEL-Einsätze.
Kommen wir zu Thomas Schemitsch, welchen die Eisbären kurz vor Ende der Hauptrunde verpflichteten. In fünf Hauptrundenspielen kam er auf starke vier Scorerpunkte (1T/3A). Man merkte ihm seine lange Pause überhaupt nicht an, er fügte sich nahtlos ins Team der Eisbären ein und harmonierte direkt mit seinem alten Kumpel Julian Melchiori, welchem er direkt zu den ersten Saisontoren verhalf. In den Playoffs kamen nochmal vier Assists hinzu. Die Verpflichtung von Schemitsch war zunächst mit einem Risiko versehen, entpuppte sich am Ende aber als Volltreffer. Bleibt zu hoffen, dass wir ihn nächste Saison wieder in Berlin auf dem Eis sehen.

Zwei enorm wichtige Leistungsträger in der Defensive der Eisbären Berlin: Jonas Müller (links) und Kapitän Kai Wissmann (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

In der Offensive gab es den größten Umbruch und dort gelang es Sportdirektor Richer, echte Kracher nach Berlin zu holen. Ty Ronning (Ingolstadt), Rückkehrer Blaine Byron (Oskarshamn), Patrice Cormier (Yekaterinburg), Michael Bartuli (Bad Nauheim), Lean Bergmann (Mannheim), Tobias Eder (Düsseldorf) und Frederik Tiffels (München). Zudem kam Jeadon Descheneau während der Hauptrunde. Gerade die Transfers auf dem deutschen Spielersektor sorgten für Aufsehen bei der Konkurrenz, denn da waren schon einige Top-Spieler dabei.
Ronning machte in der vergangenen Saison in Ingolstadt auf sich aufmerksam und diese Leistung konnte er in Berlin bestätigen. In der Hauptrunde kam der kleine Flitzer nur auf 27 Spiele, sammelte dort aber starke 20 Scorerpunkte (13T/7A). In den Playoffs steigerte sich Ronning nochmal und erzielte acht Tore und bereitete ein weiteres Tor vor. Gerade sein Hattrick im vierten Finalspiel gegen Bremerhaven bleibt in Erinnerung, als er die Schwachstelle von Pinguins-Goalie Kristers Gudlevskis offenbarte. Mit den acht Treffern wurde er zu Berlins Top-Torjäger in den Playoffs.
Byron machte nach einem Jahr Pause direkt da weiter, wo er in Berlin vor einem Jahr aufgehört hatte. Auch er kam verletzungsbedingt nur auf 33 Spiele, in denen er aber auf satte 26 Scorerpunkte (9T/17A) kam. In den Playoffs kamen nochmal elf Scorerpunkte (5T/6A) hinzu, wovon er vier Punkte in Überzahl sammelte.
Auch Cormier wurde zu einem wichtigen Puzzleteil auf dem Weg zur Meisterschaft und entwickelte sich zu seinem Spieler, gegen den man nicht gerne spielte. In 37 Hauptrundenspielen kam er auf 21 Scorerpunkte (12T/9A). Vier seiner zwölf Tore erzielte er dabei in Überzahl. In den Playoffs kam nur noch ein Assist hinzu, aber da war Cormier auch eher als physischer Spieler gefragt, der dem Gegner unter die Haut gehen sollte.
Bartuli war als U23-Spieler eingeplant und kam in 32 Spielen auf eine Torvorlage. Viel Eiszeit bekam er von Trainer Serge Aubin aber nicht.
Lean Bergmann kam verletzungsbedingt in der Hauptrunde nur auf 15 Spiele, in denen er aber bereits andeutete, wie wichtig er für die Mannschaft von Trainer Aubin werden könnte. Drei Tore und drei Assists standen für ihn am Ende der Hauptrunde zu Buche. In den Playoffs kam dann die Serie gegen Mannheim und sein legendärer Torjubel sowie der Fight gegen Leon Gawanke. Spätestens seit dem ist Bergmann ein Publikumsliebling in Berlin. Zwei Tore und zwei Assists steuerte die Nummer zehn in den Playoffs noch hinzu.
Tobi Eder schlug voll ein und erzielte in der Hauptrunde starke 22 Tore und bereitete zudem noch neun weitere Tore vor. Vier Tore erzielte er dabei in Überzahl. Drei Tore und drei Vorlagen folgten noch in den Playoffs. Die erste Saison von Tobi Eder als Eisbär war ein voller Erfolg!
Mit Freddy Tiffels gelang Richer ein weiterer Königstransfer. In 50 Hauptrundenspielen erzielte der deutsche Nationalstürmer zwölf Tore und bereitete 26 (!) Tore vor. Fünf Tore erzielte er dabei in Überzahl. Aber gerade seine Arbeit in Unterzahl zeichnete die Nummer 95 aus, als er die Gegner immer wieder früh im Spielaufbau störte – meistens auch erfolgreich. In den Playoffs sammelte er nochmal starke neun Punkte (2T/7A) und war somit auch ein Garant für die Meisterschaft. Wie eigentlich nahezu alle Spieler im Kader der Eisbären Berlin!
Descheneau kam in der Hauptrunde 17-mal zum Einsatz, erzielte fünf Tore und bereitete zwei weitere Treffer vor.

Drei Neuzugänge, die direkt eingeschlagen haben: Tobi Eder (links), Blaine Byron (mitte) und Freddy Tiffels (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Natürlich schauen wir auch auf die Spieler, die nach der verkorksten Saison 2022/2023 weiterhin das Trikot der Eisbären trugen. In der Defensive waren das Morgan Ellis, Marco Nowak, Eric Mik, Jonas Müller, Korbinian Geibel und Julian Melchiori. Und da muss man allen voran Eric Mik nennen, der mit sechs Toren in der Hauptrunde der Top-Torjäger unter den Verteidigern wurde. Mik hat den nächsten Schritt gemacht und bewiesen, was für ein starker und vor allem wichtiger Spieler er für die Eisbären ist.
Ellis kam wie Wissmann auf fünf Tore in der Hauptrunde, Müller und Melchiori auf je vier Treffer. Müller stach vor allem mit seinen 20 Torvorlagen in der Hauptrunde hervor, welche ihm Platz sechs in der teaminternen Scorer-Wertung einbrachte. Aber auch Ellis (16A) und Melchiori (13A) scorten in Sachen Assists zweistellig.
Besonders hervorheben möchte ich aber Korbinian Geibel, denn der Youngster hat sich seinen Stammplatz im Profiteam erspielt und das absolut zurecht. Er absolvierte alle 52 Hauptrundenspiele und bereitete vier Tore vor. Geibel hat definitiv eine große Zukunft vor sich und es bleibt zu hoffen, dass er den Eisbären noch viele Jahre erhalten bleibt.
Und dann muss man natürlich auch noch Marco Nowak erwähnen, der keine einfache Saison hatte und meist als überzähliger Spieler auf der Tribüne saß. Und trotzdem hat er sich stets in den Dienst der Mannschaft gestellt und war zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. Was nicht selbstverständlich in so einer Situation ist, aber einmal mehr beweist, was für ein feiner Mensch Marco Nowak ist.
In den Playoffs trugen sich Müller (3), Wissmann (2) und Melchiori (1) nochmal in die Torschützenliste ein und gerade Müller sein Solo gegen Bremerhaven in Finalspiel zwei bleibt wohl auf ewig in Erinnerung. In Sachen Assists sticht natürlich Kapitän Kai Wissmann hervor, der insgesamt acht Tore vorbereitete. Ebenso erwähnenswert sind die je drei Assists von Marco Nowak (da er nur dreimal zum Einsatz kam) und Korbinian Geibel, der wie bereits erwähnt den nächsten Schritt gemacht hat.
Insgesamt hatten die Eisbären eine deutlich gefährlichere Defensiv-Abteilung als noch in der verkorksten Vorsaison.

Machte in der letzten Saison einen großen Schritt nach vorne: Korbinian Geibel (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Kommen wir aber nun zum Prunkstück der Meistersaison, nämlich der Offensive. Ganze sieben Stürmer blieben noch übrig nach der Saison 2022/2023: Manuel Wiederer, Yannick Veilleux, Eric Hördler, Maximilian Heim, Zach Boychuk, Marcel Noebels und Leo Pföderl.
Noebels lieferte wie eh und je ab und war am Ende der Hauptrunde der Top-Scorer der Eisbären mit 47 Scorerpunkten (13T/34A). Pföderl folgte direkt dahinter mit 45 Scorerpunkten (15T/30A). Boychuk wurde mit 23 Toren zum Top-Torjäger der Berliner, bereitete zudem auch nur 21 Tore vor. Veilleux traf 14-mal und gab 15 Assists, auch Wiederer traf zweistellig und kam auf elf Tore, dazu kommen noch 14 Assists.
Die Youngster Maxi Heim (2T/7A) und Eric Hördler (1T/5A) hatten natürlich auch ihren Anteil. Gerade das erste DEL-Tor von Eric in Wolfsburg bleibt natürlich in positiver Erinnerung.
In den Playoffs muss man natürlich wen zuerst nennen? Genau! Leo Pföderl, den MVP der Playoffs. Der hat alleine im Finale nochmal ordentlich aufgedreht und war am Ende auch der Top-Scorer der Eisbären. Fünf Tore und zehn Assists steuerte die Nummer 93 in den Playoffs nochmal dazu. Diesmal gab es die umgekehrte Reihenfolge, denn diesmal folgte Noebels auf Platz zwei mit vier Toren und zehn Assists. Auch ein Boychuk lieferte mit elf Punkten (3T(8A) wieder enorm stark ab. Auch Manuel Wiederer, der auf drei Tore und drei Assists kam, ist wohl der am meisten unterschätzte Spieler im Kader der Eisbären. Was sicherlich auch daran liegt, dass er häufig in Reihe vier eingesetzt wurde. Aber was er kann, zeigte er, als er in den vorderen Reihen eingesetzt wurde. Ich sage nur Hattrick in München. Und dann muss man natürlich in den Playoffs auch Eric Hördler erwähnen, dem zwei Assists gelangen. Ja, kein berauschender Wert, aber Eric ist eben ein Youngster und bekam nicht so viel Eiszeit, was das dann eben wieder zu etwas ganz Besonderem machte.

Playoff-MVP Leo Pföderl. (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Insgesamt muss man sagen, dass der Mix aus jungen und erfahrenen Spielern in diesem Jahr perfekt harmonierte. Die Eisbären hatten die verkorkste Saison 2022/2023 komplett aufgearbeitet und die richtigen Schlüsse gezogen. Waren die Transfers in der Vorsaison fast ausschließlich Fehlgriffe bzw. passten nicht ins Team-Gefüge, so schlugen in dieser Saison alle Neuzugänge ein. Stéphane Richer hat mal wieder bewiesen, dass er ein absoluter Top-Sportdirektor ist. Ja, er hat auch das Team der Vorsaison zusammengestellt und war sich der Schuld auch bewusst. Aber wie man darauf reagiert hat, verdient den aller größten Respekt. Auch der Mut, an Serge Aubin festzuhalten, ist in diesem Geschäft alles andere als üblich. Aber die Eisbären haben sich trotz Kritik dafür entschieden, am Trainer festzuhalten. Und somit kommen wir zum Trainer Serge Aubin.

Der Vater des Erfolges: Sportdirektor Stéphane Richer (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Aubin feierte mit den Eisbären seine dritte Meisterschaft in den vergangenen vier Jahren und hat mit den Berlinern noch keine Playoff-Serie verloren. Auch an ihm nagte die Vorsaison mit dem Verpassen der Playoffs. Aber wie er die neuen Spieler ins Team integrierte und daraus eine Spitzen-Mannschaft formte, verdient ebenso den aller größten Respekt. Man hatte zu Beginn der Saison damit gerechnet, dass es ein etwas holpriger Start werden könnte angesichts des doch großen Umbruchs im Sommer. Doch es kam anders und man startete mit drei Siegen zu Beginn und sieben Siegen aus den ersten zehn Spielen in die neue Spielzeit. Serge Aubin und seine beiden Co-Trainer Craig Streu und André Rankel hatten aus dem vorhandenen Personal schnell eine Spitzen-Mannschaft geformt, welche früh ihre Ansprüche deutlich machte. Vor der Saison war das ausgegebene Saisonziel ein Platz unter den ersten Vier. Relativ schnell wurde aber deutlich, dass diese Mannschaft in der Lage ist, um die deutsche Meisterschaft mitzuspielen.
Man kassierte nie mehr als drei Niederlagen in Folge. Und diese kassierte man zum einen nach bzw. inklusive dem chaotischen Heimspiel gegen Wolfsburg (6:9), als man danach auch die Heimspiele gegen Düsseldorf (1:4) und Iserlohn (0:3) verlor. Auch zu Beginn des neuen Jahres verlor man nochmals drei Spiele in Serie (2:3 gegen Schwenningen/1:5 in Bremerhaven/2:6 in Straubing). Aber auch davon ließen sich die Berliner nie von ihrem Weg abbringen und gaben stets die Antwort danach auf dem Eis.

Meistercoach Serge Aubin (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Auch vom Fehlstart in die Playoffs, als man Spiel eins gegen Mannheim mit 1:7 verlor und in Spiel zwei nach nicht einmal fünf Minuten bereits mit 0:2 hinten lag, ließ man sich nicht aus der Ruhe bringen. Die Eisbären fanden immer eine Antwort, wurden immer wieder perfekt vom Trainerteam auf den jeweiligen Gegner eingestellt. Oder wie es Hannes in unserer Meisterfolge im Podcast sagte, dass die Eisbären es immer schafften, das zu zerstören, was den Gegner so stark und so gefährlich machte. Auch das ist ein Verdienst des Trainerteams.
Nach dem 1:7 gegen Mannheim folgten inklusive dem Halbfinale gegen Straubing sieben Siege in Serie. Erst in Spiel vier setzte es mal wieder eine Niederlage am Pulverturm. Danach sollten die Berliner nur noch das erste Finalspiel in Bremerhaven verlieren, ehe sie bis zum zehnten Meistertitel durch marschierten.
Und Niederlagen im Auftaktspiel einer Playoff-Serie sind für Serge Aubin auch nichts Neues. 2020/2021 in der Corona-Saison, als man nur Best-of-Three spielte, verloren die Berliner stets das erste Spiel. 2021/2022 verlor man das erste Finalspiel gegen München. Und in dieser Saison verlor man das erste Spiel im Viertelfinale gegen Mannheim und das erste Finalspiel in Bremerhaven. Die Eisbären standen also stets mit dem Rücken zur Wand, doch Serge Aubin fand immer einen Weg, die Serie anschließend doch noch zu gewinnen. Inzwischen steht er bei neun gewonnenen Playoff-Serien in Folge.

Hatte auch seinen Anteil am Gewinn der deutschen Meisterschaft: Co-Trainer Craig Streu (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Die Eisbären Berlin haben also die richtigen Schlüsse aus der vergangenen Saison gezogen und entgegen der Gesetze im Sport bewiesen, dass man nicht immer den Trainer austauschen muss, wenn es mal nicht läuft. So ein Seuchenjahr kannst du immer mal wieder haben, das ist im Sport nichts Ungewöhnliches. Wichtig ist nur, wie du darauf reagierst und welche Schlüsse du daraus ziehst. Die Eisbären sind ein Paradebeispiel dafür, dass man nach einer Saison, welche im Fast-Abstieg endete, gestärkt zurückkommen kann. Dass man dann sofort die Meisterschaft wieder gewinnt, macht diese fast schon märchenhafte Geschichte perfekt. Serge Aubin und die Eisbären Berlin, das passt einfach wie die Faust aufs Auge!

Auch er hat einen großen Anteil am Gewinn der deutschen Meisterschaft: Geschäftsführer Thomas Bothstede (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Stéphane Richer: „Wir wollen wieder zu den Top-Teams gehören“

Am heutigen Montag hatten die Eisbären Berlin wieder zur alljährlichen Saisoneröffnungs-Pressekonferenz geladen. Diesmal fand diese in der Mercedes-Benz Arena statt. Dort, wo ab Freitag wieder der Puck über die Eisfläche flitzt, saßen die Protagonisten der heutigen Pressekonferenz. Dabei fühlte man sich fast wie bei einem Heimspiel, denn bevor diese losging, ertönte erst einmal die Eisbären-Hymne, das Intro-Video lief auf dem Videowürfel und die Feuertonnen waren auch im Einsatz. Da kommt definitiv Vorfreude auf die neue Saison auf. Wenn man diese bis jetzt nicht schon hatte.

Wie jedes Jahr durfte auch heute wieder der Vorstandsvorsitzende der GASAG, Georg Friedrichs, die Pressekonferenz eröffnen und betonte noch einmal, dass man bereits in die 28. gemeinsame Saison mit den Eisbären geht:

Das hier ist heute die Pressekonferenz vor der nächsten erfolgreichen Saison und nicht die Pressekonferenz nach der letzten Saison. Das ist uns wichtig. Wir freuen uns auf erfolgreichen Sport mit den Eisbären. Wir gehen in die 28. gemeinsame Saison. Das freut uns sehr. Es ist kein Ende abzusehen, das darf ich an der Stelle sagen. Wir freuen uns auf die nächste erfolgreiche Saison und sind froh, dass wir als GASAG ein Teil dieser Geschichte sind.

Geschäftsführer Thomas Bothstede während der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz. (Foto von Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH Bildagentur)

Überall war die Vorfreude auf die neue Saison zu spüren. Verständlich, haben die Eisbären doch was gut zu machen nach der verkorksten letzten Saison. Fast sechs Monate war das letzte Punktspiel in dieser Arena her, wie Geschäftsführer Thomas Bothstede sagte:

Wir freuen uns alle unfassbar, dass es endlich wieder losgeht. Freitag geht es endlich wieder los. Wir sind nicht ohne Grund heute hier. Alle von uns waren so lange nicht in der Arena. Fast sechs Monate, habe ich mir sagen lassen, auf den Tag genau. Und es wird einfach wieder Zeit, dass es hier losgeht.

Anschließend nannte der Geschäftsführer beeindruckende Zahlen, welche verdeutlichen, wie groß die Euphorie in Berlin ist. Nicht selbstverständlich nach der letzten Saison. Aber die Fans sehen, wie groß der Umbruch im Team war und die Vorbereitung hat die Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison verstärkt:

Wir haben mehr als 13.000 Karten für den Freitag verkauft. Wir gehen fest davon aus, dass die Mercedes-Benz Arena rappelvoll wird und wir ausverkauftes Haus vermelden dürfen. Die Fankurve ist für die kommenden vier Spiele schon ausverkauft bzw. gibt es nur noch Restkarten. Wir haben über 5.500 Dauerkarten verkauft. Wir sind darüber glücklich und stolz. Das ist ein unfassbar schönes Gefühl. Das zeigt, wie loyal und treu unsere Unterstützer und Fans sind. Es ist aber natürlich auch so etwas wie eine Aufforderung, so eine Saison wie die vergangene nicht nochmal zu haben. Wir reden nicht mehr über die vergangene Saison. Insider wissen das. Es gibt ein Sparschwein in der Kabine und jedes Mal, wenn wenn jemand was über die vergangene Saison sagt, muss da rein gezahlt werden.

Ein besonderes Anliegen hatte Thomas Bothstede dann aber auch noch. Zum einen ließ er es sich nicht nehmen, der deutschen Basketball-Nationalmannschaft zum WM-Sieg zu gratulieren. Es soll ja Verbände geben, denen andere Themen wichtiger sind und die es nicht für nötig halten, den Basketballern zu deren größten Triumph zu gratulieren. Die spielen glaube ich mit so einem komischen runden Ball und halten sich für die größten…
Die anderen Sportarten stehen leider nicht so sehr in der Öffentlichkeit wie Fußball, was die Eisbären Berlin nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der Eishockey-WM ändern wollen. Thomas Bothstede zur Aktion:

Diese Sportarten (u.a. Basketball, Handball, Eishockey) stehen unserer Meinung nach viel zu selten in der Öffentlichkeit und die Wertschätzung fehlt. Wir möchten den größten Erfolg der Eishockey-Nationalmannschaft seit 70 Jahren nutzen und uns für eine sensationelle WM bedanken. Wir als Eisbären werden die Nationalspieler, Trainer und Betreuer bei unseren Heimspielen ehren. Wir werden bei jedem Heimspiel, bei dem wir jemanden von der Nationalmannschaft hier haben und der Teil der WM war, aufs Eis holen und vor dem Spiel ehren. Am kommenden Freitag werden gleich neun Protagonisten geehrt. Wenn alles gut geht, begrüßen wir am 21. Dezember gegen Augsburg den letzten Spiel bei uns in der Mercedes-Benz Arena, der vor dem Spiel geehrt wird.

Sportdirektor Stéphane Richer während der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz. (Foto von Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH Bildagentur)

Kommen wir nun aber zu den Haupt-Akteuren der neuen DEL-Saison im Team der Eisbären Berlin. Da hat sich im Sommer einiges getan. Was aber auch dringend notwendig war, schließlich verpasste man vergangene Saison erstmals seit 20 Jahren mal wieder die Playoffs. Damit dieser Super-GAU nicht noch einmal eintritt, hat Sportdirektor Stéphane Richer eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt:

Endlich ist die sehr lange Sommerpause für uns vorbei. Wir haben die letzte Saison sehr intensiv aufgearbeitet und alles analysiert. Wir haben einige neue Spieler verpflichtet, vor allem auf dem deutschen Sektor konnten wir uns noch breiter aufstellen. Wir haben eine starke Mannschaft. Aber wie immer wird die Liga sehr ausgeglichen sein. Auch andere Teams haben sich sehr gut verstärkt. Wir stecken uns immer hohe Ziele und wollen wieder zu den Top-Teams der Liga gehören.

Trainer Serge Aubin während der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz. (Foto von Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH Bildagentur)

Auch Trainer Serge Aubin ist mit der Mannschaft absolut zufrieden, wie er heute sagte:

Wir haben eine gute Mannschaft. Wir haben eine sehr gute Tiefe im Kader. Das ist eine junge und schnelle Truppe, die Stéphane Richer dort zusammengestellt hat. Die Vorbereitung war sehr gut. Es war keine einfache Vorbereitung. Aber die Flexibilität, die der Kader bietet, ist sehr gut mit Blick auf die lange Saison, sollte sich mal einer verletzen, was wir natürlich nicht hoffen.

Wenn der Trainer schon einmal vor Ort ist, dann muss er natürlich auch ein Statement zum Saisonstart gegen Ingolstadt abgeben. Dass es ein schweres Spiel wird, davon gehen sicherlich alle Fans aus. So auch Trainer Aubin:

Ich erwarte ein sehr schweres und hartes Spiel gegen Ingolstadt. Der ERC ist als Vizemeister, und das hat er in der CHL schon gezeigt, eine sehr gute Mannschaft. Aber für mich geht es darum, dass wir wieder Eisbären-Eishockey aufs Eis bringen. Es wird am Ende des Tages darauf ankommen, wie wir es umsetzen und wie gut die Einsatzbereitschaft ist. Ich freue mich sehr auf das erste Spiel, aber es ist nur Schritt eins einer langen Saison.

Kapitän Kai Wissmann während der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz. (Foto von Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH Bildagentur)

Einer, der wieder zurück in Berlin ist, ist Verteidiger Kai Wissmann. Und die neue und alte Nummer sechs hat auch gleich viel Verantwortung übertragen bekommen. Denn Wissmann ist der Nachfolger von Frank Hördler als Kapitän. Wie fühlt sich das an, Kai?

Es ist natürlich eine riesengroße Ehre, bei einem so großen Verein wie den Eisbären das Vertrauen zu bekommen, Kapitän zu sein. Ich werde mein Bestes geben, dass ich sowohl auf als auch neben dem Eis die Rolle so gut wie möglich ausfüllen kann.

Auch Wissmann hat die Euphorie, welche in Berlin herrscht, mitbekommen:

Ich freue mich wirklich sehr. Man hat schon im Vorbereitungsspiel hier gegen Prag gesehen, dass die Begeisterung auf die neue Saison groß ist. 10.000 Fans in einem Vorbereitungsspiel habe ich in den neun Jahren zuvor bei den Eisbären noch nie erlebt, das war unglaublich. Wir sind alle bereit für Freitag und freuen uns schon sehr.

Damit ist also alles angerichtet. Trainer und Sportdirektor sind zufrieden mit der neuen Mannschaft. Der Geschäftsführer und der Kapitän sind voller Vorfreude. Die Fans sind es ebenso. Es wird also Zeit für den Startschuss der 30. DEL-Saison. Noch vier Tage bis zum ersten Eisbären-Heimspiel in der Jubiläumssaison.

Serge Aubin: „Es wächst wieder was zusammen“

Die Eisbären Berlin stehen nach aktuell 40 absolvierten Spielen auf dem enttäuschenden 13. Platz. Der Abstand auf Platz zehn, welcher für die Pre-Playoffs reichen würde, beträgt zehn Punkte. Ebenso zehn Punkte beträgt der Vorsprung auf Platz 14, welcher ein möglicher Abstiegsplatz wäre. Das aber auch nur, wenn in der DEL2 Kassel, Dresden oder Krefeld die Meisterschaft holen und somit aufsteigen würden. Rein rechnerisch kann es also noch in beide Richtungen für die Berliner gehen. Pre-Playoffs oder Abstieg.

Doch mit dem umstrittenen 4:3-Sieg n.V. gegen Augsburg vom Freitagabend haben die Eisbären sich zumindest ihren Vorsprung auf die Abstiegszone gehalten und sogar um einen Punkt ausgebaut. Mit den von Marcel Noebels nach dem Sieg in Nürnberg anvisierten drei Punkten wurde es zwar nichts, aber dennoch hatte man gewonnen. Der Berliner Stürmer hatte im Vorfeld des Abstiegsduells die leise Hoffnung, mit einem Sieg nochmal an den Top-10 ankratzen zu können. Und der Abstand auf eben jenen zehnten Platz ist genauso groß wie der Vorsprung auf Rang 14.

Und doch sollten die Eisbären diesbezüglich nicht in Euphorie geraten, was sie aber auch nicht tun. Man schätzt die Situation im Moment genau richtig ein, lässt aber auch durchblicken, dass man nach wie vor noch den Traum von den Pre-Playoffs hat, wie Stürmer Frank Mauer nach dem Sieg gegen Augsburg sagte:

Für uns ist jetzt jedes Spiel ein kleines Endspiel, vor allem mit dem Ziel, dass wir noch in die Pre-Playoffs kommen wollen. Wir gehen jetzt Schritt für Schritt und dürfen nicht nach den Sternen greifen. Wir müssen jedes Spiel einzeln nehmen und dann schauen, was passiert.

Und genau das sollten sie auch machen. Man sollte jetzt nach zwei Siegen in Folge nicht schon wieder in Träumereien verfallen und von den Playoffs träumen. Denn gerade das Spiel gegen Augsburg hatte wieder die zwei Gesichter der Eisbären in dieser Saison gezeigt. Aber auch das hat man inzwischen selbst gemerkt und redet sich die Spiele nicht mehr schön, wie es vor Wochen noch der Fall war. Da wurden selbst schlechte Spiele als ein Schritt nach vorne verkauft. Das Spiel gegen den AEV ordnete Frank Mauer genau richtig ein:

Wir haben heute wieder die zwei Gesichter gezeigt. Das erste Drittel war eigentlich sehr gut, dann haben wir den Faden verloren und leichte Gegentore bekommen. Dann liegst du zurück, aber wir haben uns daraus gekämpft. Das spricht auch dafür, dass wir die Situation angenommen haben, wie sie ist. Wir sind mit anderen Erwartungen in die Saison gegangen, aber jetzt ist es so wie es ist. Aber wir wollen natürlich das Bestmögliche.

Frank Mauer (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Und das sind in dieser Saison eben maximal die Pre-Playoffs. Und der Trend im Jahr 2023 spricht durchaus für die Chance der Eisbären. Denn von den bisher fünf ausgetragenen Spielen im neuen Jahr konnte man drei gewinnen. Die Siege gelangen in den letzten vier Spielen. Damit stehen die Eisbären in der Jahrestabelle aktuell auf Platz sieben mit acht Punkten. Die drei Teams, welche aktuell noch vor den Berlinern stehen und welche man überholen müsste, um noch Platz zehn zu erreichen, stehen in diesem Jahr noch hinter den Hauptstädtern. Iserlohn steht mit zwei Siegen und sieben Punkten aus fünf Spielen auf Platz acht. Die Roosters haben aber in vier der fünf Spielen gepunktet. Schwenningen kommt auf einen Sieg aus fünf Spielen und fünf Punkten. Das reicht für Platz 13 im Jahr 2023. Zwei der vier Niederlagen setzte es erst nach Verlängerung bzw. Penaltyschießen. Und die Löwen Frankfurt kommen ebenso nur auf einen Sieg aus fünf Spielen und nur vier Punkten, da nur eine der vier Niederlagen im Shootout kassiert wurde. Die Tendenz spricht also für die Berliner.

Doch was haben die Eisbären in diesem Jahr anders gemacht? Schließlich setzte es vor dem Jahreswechsel noch in den drei Auswärtsspielen drei Niederlagen. Doch bereits dort war Trainer Serge Aubin mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden, wie er am Freitag auf der Pressekonferenz sagte. Der Berliner Coach blickte dort noch einmal auf die letzten Wochen seit November zurück und hofft darauf, dass der Comeback-Sieg gegen Augsburg der Mannschaft einen Push geben wird:

Ich hoffe, dass uns der Sieg einen Push geben wird. Im November mussten wir von neun Spielen siebenmal in die Overtime oder ins Shootout. Nach Weihnachten hatten wir drei Auswärtsspiele in Folge, wo wir sehr gut gespielt haben. Jetzt haben wir drei Siege aus vier Spielen geholt. Es wächst wieder was zusammen.

Ein großer Faktor, weshalb es 2023 so gut für die Eisbären läuft, ist allen voran das Powerplay. In der Liga steht man insgesamt auf Rang zwei mit einer Erfolgsquote von 29,46 Prozent. Aber im Jahr 2023 hat man bisher das mit Abstand beste Powerplay. 13-mal durfte man in den fünf Spielen in Überzahl ran, achtmal entstand daraus ein Tor, was eine Erfolgsquote von 61,54 Prozent macht. Ein echtes Faustpfand also, was man vor allem am Freitag gesehen hatte, als man die drei Tore in der regulären Spielzeit allesamt in Überzahl erzielte.

Serge Aubin (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Top-Scorer in den fünf Spielen in diesem Jahr ist Zach Boychuk mit zwei Toren und fünf Vorlagen. Doch der Stürmer scort generell in dieser Saison schon sehr gut. Für mich ist vor allem Morgan Ellis in diesen fünf Spielen die Überraschung. Vor den fünf Spielen im neuen Jahr kam er in 34 Spielen auf zehn Scorerpunkte (zehn Assists). In den fünf Spielen kam er auf fünf weitere Scorerpunkte (ein Tor/vier Vorlagen). Der Verteidiger kommt damit zusammen mit Boychuk und Marcel Noebels auf einen Punkteschnitt von 1,00 pro Spiel im Jahr 2023. Boychuk sogar auf 1,40.
Was für mich auch ein Faktor für den Aufschwung ist, ist der Fakt, dass die 13 Tore von zehn verschiedenen Spielern erzielt wurden und dabei keiner mehr als zwei Tor erzielt hat. Was die Eisbären vor dem Tor schwerer auszurechnen macht. Wobei natürlich so ein richtiger Goalgetter auch schön wäre.

Aber was haben die Eisbären nun anders gemacht als noch in 2022? Frank Mauer mit dem Versuch einer Erklärung:

Wir haben viele Sachen angesprochen und Dinge umgestellt. Wir haben jetzt in den letzten vier Spielen drei gewonnen. Das kann man ja auch mal als Teilerfolg sehen, aber das reicht uns natürlich nicht. Wir müssen da trotzdem noch ein paar Schippen drauflegen, was wir auch können.

Das große Problem der Eisbären war aber in dieser Saison bisher, dass man es kaum mal geschafft hat, über 60 Minuten sein Spiel durchzuziehen. Da gab es in diesem Jahr auch schon wieder genügend Beispiele (München, Köln, Augsburg). Zudem schaffte man es in dieser Saison einfach nicht, mal mehrere Spiele in Serie zu gewinnen. Die längste Serie hatte man Anfang Oktober (!) mit drei Siegen in Folge. Der Sieg gegen Augsburg war der zweite Sieg in Serie. Das war zuletzt am 09. Oktober 2022 gelungen.

Schafft man es nun endlich mal mehr als drei Siege in Serie zu holen? Will man die Pre-Playoffs erreichen und das Abstiegsgespenst endgültig aus der Hauptstadt verbannen, wäre dies von Nöten. Wenn man in den nächsten Spielen weiterhin die Leidenschaft der letzten Spiele an den Tag legt, dann ist das durchaus möglich. Dafür muss man aber weiterhin daran arbeiten, die immer noch zahlreich vorhandenen individuellen Fehlern abzustellen oder zumindest zunächst einmal zu minimieren. Dann muss man von der Strafbank fernbleiben und die unnötigen Strafzeiten weglassen. Vor dem Tor sollte man seine Chancen eiskalt verwerten und hinten defensiv weiter so kompakt stehen. Dann kann man seinen Teil dazu leisten, um die Chance auf Platz zehn am Leben zu erhalten. Dafür müssen aber auch die Konkurrenten mitspielen. Und generell sollte es in erster Linie erst einmal darum gehen, den Klassenerhalt so schnell wie möglich zu sichern.

Von den noch verbleibenden 16 Spielen muss man noch je achtmal zu Hause und achtmal auswärts ran. Die Schlüsselspiele im Kampf um den Klassenerhalt und Platz zehn hat man dabei noch vor der Brust. Im Kampf um den Klassenerhalt geht es noch zweimal gegen Augsburg (je einmal zu Hause und einmal auswärts). Im Kampf um Platz zehn trifft man noch je zweimal auf Aufsteiger Frankfurt und Schwenningen (je einmal heim und einmal auswärts) sowie einmal auf Iserlohn (auswärts). In diesen direkten Duellen sind Punkte Pflicht, will man das neue Saisonziel Platz zehn noch erreichen. Punkte in den anderen Duellen wären dann Bonuspunkte, mit Ausnahme vom letzten Gastspiel in Bietigheim, wo man angesichts der aktuellen Situation von drei Pflichtpunkten sprechen muss. Allerdings sollte man den Tabellenletzten nicht auf die leichte Schulter nehmen, kämpfen die Steelers doch noch um Platz 14 und die Minimalchance auf den Klassenerhalt. Was aber nur klappt, wenn es keinen Aufsteiger aus der DEL2 gibt.

Die kommenden Wochen werden entscheiden, in welche Richtung die Eisbären ihre Saison kippen werden. Startet man endlich die lang ersehnte und angesprochene Siegesserie und greift somit nochmal im Kampf um Platz zehn ein? Oder bleibt mein seiner abwechselnden Leistungen treu und muss bis zum Hauptrundenende um den Klassenerhalt zittern? Der Trend lässt auf Szenario eins hoffen. Aber die Eisbären sind eben eine Wundertüte in dieser Saison.

Im Dialog mit Serge Aubin und Craig Streu: „Ich bin mir sicher, dass wir die Playoffs erreichen werden!“

Aktuell befinden sich die Eisbären Berlin noch in der Länderspielpause. Erst am Freitagabend geht es mit dem Heimspiel gegen die Iserlohn Roosters weiter. Dann haben die Hauptstädter auch die Chance, endlich die Aufholjagd in der PENNY DEL zu starten. Denn nach 18 Spielen steht ein mehr als enttäuschender 13. Platz zu Buche. Nur 21 Punkte konnte man einfahren und die Tor-Differenz ist auch negativ (53:61). Höchste Zeit also mal nach den Gründen für diesen schlechten Saisonstart nach zwei Meisterschaften in Folge zu fragen. Und wer kann diese Fragen besser beantworten als das Trainerteam um Head Coach Serge Aubin und Co-Trainer Craig Streu? Die Beiden stellten sich am Dienstagabend den Fragen im Fanbogen beim „Im Dialog mit…„. Wir waren für euch vor Ort und fassen für euch die wichtigsten Aussagen von Aubin und Streu zusammen:

Dass die Eisbären in dieser Saison große Verletzungsprobleme hatten, ist kein großes Geheimnis. Zum Glück hat sich diese Situation deutlich gebessert und nahezu alle Spieler sind inzwischen fit. Mal abgesehen von Brendan Guhle, dazu aber später mehr.
Die Eisbären konnten in den letzten beiden Jahren jeweils die Meisterschaft gewinnen. Dafür haben die Berliner zu Saisonbeginn den Preis bezahlt. Denn in den letztjährigen Playoffs hatten sich die beiden Stürmer Leo Pföderl und Yannick Veilleux schwerer verletzt. Was zu einigen Umstellungen führte. Trainer Serge Aubin fasste es so zusammen:

Die Saison hat damit angefangen, dass wir den Preis dafür bezahlt haben, dass wir die Meisterschaften in den letzten beiden Jahren gewonnen haben. Der Preis ist, dass Leo Pföderl und Yannick Veilleux verletzt waren. Durch diese Verletzungen mussten wir Umstellungen vornehmen. Wir haben versucht, die jungen Spieler rein zu holen. Natürlich sind diese aber noch nicht an der Stelle, wo sie sein müssten, um das Team komplett auffangen zu können. Es ist wie ein Strudel, in den man dann rein gerät und aus dem man nur schwer wieder rauskommt. Es war jetzt extrem wichtig, dass diese Pause gekommen ist. Es ist einfach ein Zusammenspiel aus ganz vielen Faktoren, die dazu führen, dass es im Augenblick nicht so läuft wie es laufen sollte oder könnte.

Nun hat das Trainerteam aber wie bereits erwähnt wieder fast alle Spieler zurück und kann endlich mit voller Kapelle antreten. Zu was die Eisbären zu leisten im Stande sind, haben sie immer mal wieder für kurze Phasen im Spiel angedeutet. Doch so eine Negativserie oder aber auch so ein schlechter Saisonstart macht natürlich auch etwas mit den Spielern, wie Aubin sagte:

Je länger so eine Phase andauert, desto mehr schlägt es natürlich auch mental auf die Spieler. Man fängt immer mehr an, sich Gedanken zu machen, was nicht besonders gut ist für das Spiel. Es wissen alle Beteiligten selber, dass es keine erfreuliche Situation ist. Aber ich bedanke mich bei den Fans, dass sie extrem geduldig waren und sind. Das brauchen die Spieler auch. Es ist für sie gut zu wissen, dass die Fans auf ihrer Seite sind.

Da hat er Recht. Im Vergleich zu anderen Standorten oder auch früheren Spielzeiten ist es in Berlin trotz der Krise verhältnismäßig ruhig. Ja, es gibt immer Fans, die ständig am Kritisieren sind und auch den Trainer in Frage stellen. Aber eben nicht in der Häufigkeit, wie es bei anderen DEL-Vereinen der Fall ist. Und letztendlich darf man auch nicht vergessen, dass man genau mit diesem Trainerteam in den letzten beiden Jahren die Meisterschaft gewonnen hat.
Nun ist aber genau dieses Trainer-Duo, welches seit 2016 bereits zusammen arbeitet, gefordert. Serge Aubin und Craig Streu müssen die Eisbären aus der Krise führen. Sie müssen dafür sorgen, dass die Jungs wieder zurück in die Erfolgsspur kehren. Doch wie gehen die beiden Coaches das an. Craig Streu mit der Erklärung:

Du kannst nichts anderes machen außer arbeiten. Wir machen viel Video. Wir sind die bestvorbereiteste Mannschaft in der Liga, keine Frage. Es ist einfach so. Das ist alles, was du machen kannst. Die Jungs sind jeden Tag da und trainieren hart. Es war schwer ein Team zu formen, als wir die vielen verletzten Spieler hatten. Aber jetzt sind fast alle zurück. Die Woche war gut. Wir hatten super Training und super Video. So müssen wir anfangen. Es geht jetzt nur Shift für Shift. Wir schauen nicht auf das Ende der Saison sondern auf Freitag, auf das nächste Spiel. Das ist der einzige Weg. Step by Step. Mehr können wir nicht machen.

Ein Problem, vor dem die Trainer aber auch die Spieler stehen, ist der Fakt, dass es für viele Neuland ist. Eine Krise mit den Eisbären kennen viele der Spieler gar nicht. Verständlich nach zwei gewonnenen Meisterschaften in Folge. Trainer Aubin sagte daher, dass es gerade für die Spieler schwierig sei, damit umzugehen, dass man eben kein Erfolg gerade hat. Ebenso mangelt es am nötigen Vertrauen untereinander. Aubin äußerte sich zu dieser Thematik wie folgt:

Es ist schwierig für die Spieler damit umzugehen, dass sie kein Erfolg haben. Das ist das erste Mal für sie in Berlin. Die Spieler brauchen Selbstbewusstsein. Wir müssen besser sein in der Defensive, um den Torhütern Selbstvertrauen zu geben und auch der Mannschaft insgesamt. Aber ich sehe, dass sie arbeiten, aber es schwer haben. Es ist immer eine kleine Schlacht und man muss jede kleine Schlacht für sich gewinnen, um vorwärts zu kommen und erfolgreich zu sein. Wir müssen kleine Schritte gehen. Es gibt kleine Erfolge, die man als Fan vielleicht nicht sieht, die aber da sind. Es ist für das Team wichtig, sich wieder gegenseitig zu vertrauen. Wir haben die Pause genutzt, um den Reset-Button zu drücken. Wir haben am Teambuilding gearbeitet. Wir als Trainer haben aber keine Panik. Ja, es muss etwas passieren und wir arbeiten auch dran, aber hier läuten noch nicht die roten Alarmglocken. Wir haben Vertrauen in das Team und führen sie dahin, dass sie Vertrauen in sich selbst haben.

Vertrauen ist auch das Stichwort, wenn man auf die jungen Spieler zu sprechen kommt. Diese mussten in dieser Saison bereits sehr viel spielen. Weil sie eben die Ausfälle der Leistungsträger auffangen mussten und das auch so gut wie möglich taten. Jetzt aber sind wichtige Leistungsträger wieder zurück und die Youngsters spielen wieder vermehrt in Weißwasser. Was gerade für ihre Entwicklung sehr wichtig ist, wie Co-Trainer Craig Streu sagte:

Wir haben viele junge Spieler, die auch in Weißwasser spielen, was für sie auch sehr wichtig für ihre Entwicklung ist. Sie können uns jetzt vielleicht sofort helfen für einen Wechsel, aber wir wollen, dass sie uns langfristig in der Zukunft helfen. Es ist ein Prozess bei den jungen Spielern. Aber wir haben das Vertrauen in sie. Wir haben überhaupt keine Angst, sie auf das Eis zu schicken. Wir schauen viel mehr Video mit denen, aber sie können sich nur verbessern, wenn sie ein paar Fehler machen. Die alten Spieler machen auch Fehler. Aber die jungen Spieler müssen einfach Fehler machen, um daraus zu lernen.

Ein Youngster, der nach den ersten DEL-Spielen aufgrund der Personalprobleme wieder zurück nach Weißwasser musste, ist Eric Hördler. Auf den Sohn von Kapitän Frank Hördler hält man in Berlin aber große Stücke, weshalb er eben vorerst in Weißwasser Spielpraxis sammeln soll. Craig Streu hatte diesbezüglich eine sehr interessante Erklärung parat, warum das so ist:

Manche Spieler werden ausgebildet, um in Zukunft in den ersten drei Reihen zu spielen. Manche sind ausgebildet, um in der vierten Reihe zu spielen. Und deswegen sind viele junge Spieler in Weißwasser. Ein Eric Hördler zum Beispiel. Er ein Top-Talent für die Zukunft, er ist kein „Vierte-Reihe-Spieler“. Er hilft uns hier nicht viel, wenn er in der vierten Reihe spielt. In zwei, drei Jahren spielt er hoffentlich in den Top-3-Reihen bei uns. Für ihn ist es daher viel besser, diese Erfahrung jetzt in Weißwasser zu sammeln. Und dann kann er uns im nächsten oder übernächsten Jahr weiterhelfen.

Die Eisbären haben ihre Visionen mit den jungen Spielern. Und da reden wir nicht nur von den Feldspielern, nein, wir reden da auch von den jungen Torhütern Tobias Ancicka und Juho Markkanen. Viele Experten, aber auch viele Eisbären-Fans, haben dieses Vorhaben vor Saisonbeginn sehr skeptisch gesehen. Die aktuelle Platzierung machen daher viele Fans auch an den beiden Goalies fest. Doch das sehen weder Serge Aubin noch Craig Streu so. Aubin sagte daher auch nochmal, dass man aktuell nach keinem Torhüter sucht:

Wir suchen nicht nach einem Torhüter. Wir glauben an Tobias Ancicka. Es ist schlicht der Job des Teams, vor ihm besser zu spielen. Tobi ist ein guter Torhüter und das Team ist in der Pflicht. Es gibt aktuell auch keine deutschen Torhüter auf dem Markt, die besser sind als Tobi.

Und Craig Streu ergänzte auch noch, dass man jetzt für die Zukunft investiert mit diesem jungen Torhüter-Duo. Gleichwohl ging er auch noch auf die Frage ein, ob man für Juho Markkanen einen Importspieler auf die Tribüne setzen würde:

Wir bleiben bei unserem Plan. Wir investieren für die Zukunft, besonders für Tobi. Er muss jetzt lernen, wie eine Nummer eins lebt. Er muss lernen, mit Druck umzugehen. In ein, zwei Jahren werden wir genau davon profitieren. Markkanen kämpft auch. Er ist ein guter Torwart. Wir vertrauen ihm und wenn er spielt und wir müssen dadurch einen Ausländer auf die Tribüne schicken, dann machen wir das. Wenn wir denken, das macht unsere Mannschaft für diesen Tag besser, dann machen wir das.

Die Gründe für den Fehlstart der Eisbären Berlin wurden nun also beleuchtet. Nach der Länderspielpause wollen die Hauptstädter die Aufholjagd starten. Was ist für den DEL-Rekordmeister in dieser Saison noch drin. Diese Frage beantwortete natürlich der Trainer selbst:

Ich gehe davon aus, dass wir nicht schlechter als Platz sechs abschneiden werden. Es ist aber auch noch ein langer Weg bis zu den Playoffs. Aber ich bin mir sicher, dass wir die Playoffs erreichen werden. Mir ist es aber lieber, dass wir Sechster oder Siebter werden und volle Kapelle haben, als dass wir Zweiter oder Dritter werden und uns acht Spieler fehlen. Weil wenn wir volle Kapelle haben, haben wir in den Playoffs ganz andere Möglichkeiten als wenn uns die Hälfte der Leistungsträger fehlt. Insofern ist für mich die Platzierung aktuell nicht wichtig solange es am Ende ein Playoff-Platz ist. Und dann ist auch die Meisterschaft durchaus möglich.

Ein Saisonziel haben die Berliner bereits verpasst. Und zwar die KO-Runde in der Champions Hockey League (CHL). Immer wieder gibt es Kritik aus dem Fanlager der Eisbären, man würde diesen Wettbewerb nicht ernst nehmen. Doch das verneinte Serge Aubin und fügte zudem gleich an, warum es in diesem Jahr nicht mit dem Achtelfinale klappen konnte:

Die CHL ist für uns sehr wichtig. Aber nicht auf Kosten der Spieler, auch nicht der jungen Spieler. Auch nicht auf Kosten von weiteren verletzten Spielern. Wir gehen die Spiele so an, dass wir sie gewinnen wollen. Aber wir hatten neun verletzte Spieler zu Beginn der CHL. Was dazu geführt hat, dass wir zwei Drittel super gespielt haben und im letzten Drittel eingebrochen sind, weil einfach die Kraft gefehlt hat. Ich würde gerne immer CHL spielen, aber nicht um jeden Preis.

Fehlt noch eine Info, die sicherlich viele Fans interessiert: Was ist eigentlich mit Verteidiger Brendan Guhle? Da gibt es eine kleine Hoffnung, wie Serge Aubin sagte:

Er trainiert mit und es sieht langsam immer besser aus. Aber genaueres kann ich da noch nicht sagen, wann er zurückkommt. Wir schauen von Woche zu Woche.

Foto: eisbaerlin.de/walker

Eisbären Berlin: Sorgt der zweitbeste Angriff der vergangenen Saison erneut für viel Torgefahr?

Seit gestern läuft die neue PENNY-DEL-Saison. Heute Abend geht der 1. Spieltag weiter. Und am Sonntagnachmittag greift dann auch der amtierende Deutsche Meister in den Spielbetrieb ein. Das Ziel nach zwei Meisterschaften in Folge ist klar: Man will auch in dieser Saison wieder um den Titel mitspielen und dann den Titel-Hattrick perfekt machen. Dieses Ziel gehen die Hauptstädter mit einem stark veränderten Team an. Satte zwölf Spieler haben den Verein verlassen, ebenso viele Spieler sind aber auch neu dazu gestoßen. In unserem letzten Teil des Kader-Checks sind wir heute in der Offensive angekommen, welche wir einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Mit 194 Toren stellte das Team von Head Coach Serge Aubin den zweitbesten Angriff in der vergangenen Hauptrunde. Nur Finalgegner München erzielte zwei Tore mehr als Berlin. 173 Tore davon erzielte die Berliner Angreifer. 44 dieser 173 Tore erzielten sechs Stürmer, welche in der kommenden Spielzeit nicht mehr in der Hauptstadt spielen werden. Zwei dieser sechs Abgänge trafen zweistellig und hinterlassen in Berlin doch große Lücken.
Zum einen wäre da natürlich Blaine Byron zu nennen, welcher in der Hauptrunde auf 18 Tore und 24 Vorlagen kam. Seine 42 Scorerpunkte in nur 43 Spielen beweisen, wie wichtig er für die Eisbären war. In den Playoffs steigerte sich Byron nochmal deutlich und avancierte mit 14 Scorerpunkten (5 Tore/9 Assists) zum Playoff-Top-Scorer der Eisbären. Sein Abgang schmerzt die Eisbären besonders, doch die Verlockung in Schweden zu spielen, war dann für Byron doch größer, als mit Berlin erneut um die Meisterschaft zu spielen.
Er kam während der Hauptrunde, spielte sich sofort in die Herzen der Fans und hatte am Ende ebenso einen großen Anteil am Gewinn der Meisterschaft. Die Rede ist von Frans Nielsen, welcher seine Karriere beendet hat. In der Hauptrunde traf der Däne in 33 Spielen zwölfmal und bereitete zudem 15 weitere Treffer vor. In den Playoffs folgten nochmal sieben Scorerpunkte (4/3). Auch sein Abgang trifft die Eisbären hart.
Die restlichen vier Abgänge im Sturm hatten natürlich auch ihren Anteil an der Meisterschaft, doch schmerzt der Verlust der vier Spieler nicht so sehr wie der von Byron und Nielsen. Mark Zengerle kam in der Hauptrunde auf 18 Scorerpunkte (6/12). In den Playoffs kam er nur noch viermal zum Einsatz, wo er keinen Punkt verbuchte. Ihn wird man in der Liga weiterhin sehen, wechselte Zengerle doch nach Straubing.
Ebenso ein Wiedersehen geben wird es mit Sebastian Streu und Dominik Bokk. Streu kam in der Hauptrunde auf sieben (4/3) und in den Playoffs auf zwei Scorerpunkte (0/2). Ihn zog es nach Iserlohn an den Seilersee. Der während der Hauptrunde nachverpflichtete Bokk kam auf elf Scorerpunkte (3/8) in 14 Hauptrundenspielen. Drei Scorerpunkte (2/1) legte er in den Playoffs nochmal nach. Er wechselte zum Aufsteiger und DEL-Rückkehrer Frankfurt.
Der letzte Abgang ist Johan Södergran, welcher ebenso während der Saison nachverpflichtet wurde. In der Hauptrunde kam er in sieben Spielen auf vier Scorerpunkte (1/3). In fünf Playoff-Spielen legte er noch ein Tor und eine Vorlage nach. Ihn zog es wie Byron nach Schweden.

Über wie viele Tore werden sich die Spieler der Eisbären Berlin in dieser Saison freuen können? (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Den sechs Abgängen im Sturm stehen sieben Neuzugänge gegenüber. Die Neuzugänge sind ein Mix aus erfahrenen und jungen, talentierten Spielern. Mit Frank Mauer kommt ein Spieler zu den Eisbären, der weiß, wie man Deutscher Meister wird. Er wurde viermal in Folge Deutscher Meister – einmal mit Mannheim, dreimal mit München. In der vergangenen Saison brachte Mauer es in 43 Hauptrundenspielen auf 17 Scorerpunkte (5/12). Drei Vorlagen folgten dann noch in elf Playoff-Spielen. Mit ihm bekommen die Berliner enorm viel Erfahrung, die vor allem für die vielen jungen und talentierten Spieler im Kader der Eisbären von Vorteil sein kann.
Peter Regin ist der zweite erfahrene Neuzugang der Hauptstädter. Der Däne kam aus der Schweiz von Ambri-Piotta nach Berlin, wo er in der vergangenen Saison 23 Scorerpunkte (3/20) in 41 Spielen kam. Regin bringt die Erfahrung von 254 NHL-Spielen (Chicago, New York Islanders, Ottawa), zehn WM- und einer Olympia-Teilnahme mit. Er soll sozusagen die Lücke füllen, die Frans Nielsen hinterlassen hat.
Zwei junge und vor allem sehr talentierte Spieler konnten die Eisbären von direkten Konkurrenten verpflichten. Da wäre zum einen Marcel Barinka, welcher aus Köln nach Berlin kam. Mit 23 Scorerpunkten (11/12) in 48 Spielen war er der achtbester Scorer der Haie in der Hauptrunde. In der Hauptstadt will Barinka nun den nächsten Schritt in seiner Karriere machen.
Den will auch Jan Nijenhuis machen, welcher aus Wolfsburg nach Berlin gewechselt ist. Mit sechs Scorerpunkten (2/4) in 46 Hauptrundenspielen weist er dabei natürlich nicht die Statistiken eines Marcel Barinkas auf. Dennoch kann man sich in Berlin auf Nijenhuis freuen, das haben seine bisherigen Auftritte in der CHL durchaus gezeigt. Er ist schnell unterwegs und hatte dabei auch viel Zug zum Tor.
Die restlichen drei Neuzugänge sind aus der Kategorie Youngsters. Von den Eisbären Juniors sind Eric Hördler und Kevin Handschuh hoch zu den Profis gezogen worden. Hördler, der Sohn von Eisbären-Kapitän Frank Hördler, sammelte dabei in 35 DNL-Spielen 31 Scorerpunkte (15/16). Handschuh kam in 33 DNL-Spielen sogar auf 40 Scorerpunkte (17/23).
Maximilian Heim kam von den Jungadlern Mannheim in die Hauptstadt. Für die Jungadler kam er in elf DNL-Spielen auf fünf Scorerpunkte (2/3).
Alle drei Youngsters sollen behutsam aufgebaut und an das Profi-Niveau herangeführt werden. Sie werden sicherlich vermehrt Eiszeit beim Kooperationspartner Weißwasser erhalten. Aber wenn in die Berlin Personalnot bestehen sollte, wird sich Serge Aubin nicht davor scheuen, die jungen Spieler ins Line-up zu werfen.

Zu den sieben Neuzugängen gesellen sich noch zehn Stürmer, welche bereits in der vergangenen Saison für die Eisbären auf Torejagd gingen. Sieben der zehn Spieler trafen dabei zweistellig. Matt White (32/41) und Marcel Noebels (21/45) waren dabei die mit Abstand besten Scorer der Berliner.
Leo Pföderl (22/30), Kevin Clark (15/24), Zach Boychuk (22/12), Giovanni Fiore (19/15) und Yannick Veilleux 13/20) scorten ebenso regelmäßig. Leider fehlen Pföderl und Veilleux aktuell verletzungsbedingt. Wann sie zurückkehren werden, steht noch in den Sternen.
Einer, der sich im Verlaufe der letzten Saison immer mehr gesteigert hat, war Manuel Wiederer. Er hat in Berlin zurück zu alter Stärke gefunden und kam am Ende auf insgesamt 17 Scorerpunkte (9/8) inklusive Playoffs.
Bennet Roßmy (2/2) und Marco Baßler (1/3) kamen auf je vier Scorerpunkte. Wobei hier das Hauptaugenmerk klar auf Roßmy liegen dürfte, dem man eine ähnliche Karriere wie Lukas Reichel zutraut. Bei der U20-WM machte er erst kürzlich auf sich aufmerksam und aktuell weilt er beim Camp der Los Angeles Kings. Es würde nicht verwundern, sollte es Roßmys letzte Saison in Berlin sein, bevor er Reichel und Kai Wissmann in die NHL folgt.

Die Eisbären Berlin verfügen auf dem Papier wieder über eine sehr tief besetzte Offensive. Diese besteht aus einem Mix von erfahrenen und jungen, talentierten Spielern. Viel wird davon abhängen, ob Peter Regin und Frank Mauer die schmerzhaften Abgänge von Blaine Byron und Frans Nielsen auffangen können. Denn diese beiden Spieler werden der Offensive der Eisbären doch deutlich fehlen.
Mit Marcel Barinka und Jan Nijenhuis hat man zwei hoffnungsvolle Talente unter Vertrag genommen. Ihnen kann man durchaus zutrauen, zweistellig zu scoren. Barinka hatte das bereits in Köln getan.
Scoren Matt White, Marcel Noebels, Zach Boychuk und Co. auch in der neuen Saison wieder so zuverlässig, kann es für die Eisbären erneut eine torreiche Saison werden. In der letzten Saison war vor allem die Unberechenbarkeit der große Faustpfand der Hauptstädter. Denn es ging von allen vier Reihen Gefahr aus. Das ist auch in dieser Saison wieder möglich.
Allerdings hängt es natürlich auch davon ab, was mit Leo Pföderl und Yannick Veilleux passiert. Beide fehlen aktuell verletzungsbedingt und lt. Sportdirektor Stéphane Richer wird bei beiden Spielern von Woche zu Woche entschieden. Wann die beiden Leistungsträger also wieder auf Torejagd gehen können, ist derzeit noch unklar. Fakt ist, dass den Eisbären dadurch zwei enorm wichtige und gefährliche Angreifer fehlen werden.
Dass es aber auch ohne sie zu Toren reichen kann, hat die Vorbereitung gezeigt, wo die Eisbären bereits schon wieder schwer auszurechnen waren. Zach Boychuk war mit fünf Toren der Top-Torjäger in der Vorbereitung inklusive CHL. Matt White und Marcel Noebels folgten mit je drei Toren. Es scheint also fast so, als ob die da gebliebenen Stürmer nichts von ihrer Torgefahr eingebüßt haben.
Nun liegt es am Trainerteam um Serge Aubin, aus den 17 Stürmern eine torgefährliche Offensive zu formen. Wenn ihm das gelingt und Leo Pföderl und Yannick Veilleux schnellstmöglich zurückkehren, dann dürfte die Berliner Offensive wieder für Angst und Schrecken sorgen.