Platz Vier nach 42 Spieltagen: Die Eisbären Berlin müssen im Hinblick auf die Playoffs noch an kleinen Baustellen arbeiten

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) befindet sich derzeit in der letzten Länderspielpause der Saison 2019/2020. Sie holt sozusagen noch einmal Luft für die alles entscheidende Saisonphase, den Playoffs nämlich. Ab Mitte März geht es in den Playoffs um die deutsche Meisterschaft und die Favoriten auf den Titel sind mit München und Mannheim schnell gefunden. Aber auch vor dem Überraschungsdritten Straubing sollte man gewarnt sein, spielen die Niederbayern doch ihre beste Saison der Vereinsgeschichte und knacken derzeit einen nach dem anderen Vereinsrekord. Die drei genannten Teams sind auch bereits sicher für die Playoffs qualifiziert.

Serge Aubin (links) nach dem Spiel gegen Ingolstadt auf der PK. (Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker)

Und die Eisbären? Die stehen nach 42 Spieltagen (ein Nachholspiel müssen die Berliner noch absolvieren) auf Platz Vier der Tabelle, zehn Punkte hinter dem Dritten Straubing und nur einen Zähler vor Bremerhaven. Aktuell stehen die Berliner also auf einem Platz, welcher Heimrecht im Viertelfinale garantieren würde, aber Bremerhaven drückt von hinten gewaltig. Auf Platz Sieben und damit den ersten Platz, welcher nicht für die direkte Viertelfinal-Qualifikation reicht, haben die Berliner derzeit neun Punkte Vorsprung. Wenn also alles normal läuft, wird es in den verbleibenden zehn Hauptrundenspielen darum gehen, sich Platz Vier und das damit verbundene Heimrecht zu sichern. Was schwer genug wird, denn mit Bremerhaven hat man da einen äußerst hartnäckigen Konkurrenten. Und es ist auch gut möglich, dass die beiden Teams im Fernduell um das Heimrecht in ihrer eigenen Viertelfinalserie kämpfen, denn aktuell sieht alles danach aus, als ob Berlin und Bremerhaven im Viertelfinale aufeinander treffen würden.

Soweit sind wir aber noch lange nicht. Erst einmal gilt es noch zehn Hauptrundenspieltage über die Runden zu bringen. Und bis dahin und auch bis zu den Playoffs haben die Eisbären noch an kleinen Baustellen zu arbeiten. Vor allem an zwei Dingen, wie Trainer Serge Aubin im Anschluss an das Heimspiel gegen Ingolstadt vergangenen Sonntag auf der Pressekonferenz sagte:

An den Special Teams müssen wir auf alle Fälle arbeiten, da gibt es immer noch Verbesserungsmöglichkeiten. Gerade im Hinblick auf die Playoffs, wo es wenig Fünf-gegen-Fünf-Tore geben wird. Man hat heute gesehen, wie viel Schwung und auch Entscheidung das Powerplay in das Spiel gebracht hat.

Die Konstanz über 60 Minuten ein Spiel zu spielen und dann auch konstant durch zu spielen, ist unheimlich wichtig. Wir sind schon besser geworden in dem Aspekt, aber auch da können wir sogar noch besser werden.

Das mit dem Powerplay ist auch unübersehbar, da hapert es an allen Ecken und Kanten. Ligaweit haben die Eisbären das drittschlechteste Überzahlspiel – nur Iserlohn und Köln sind noch schlechter. Damit haben die Hauptstädter also das schlechteste Powerplay aller Top-6 Mannschaften. Und Aubin spricht es ja an, wie wichtig das Überzahlspiel in den Playoffs sein wird. Daran muss man dringend arbeiten, sonst ist erneut im Viertelfinale Feierabend.
Besser sieht es da im Unterzahlspiel aus, wo man das fünftbeste der Liga aufweist. Aber sicher sieht Aubin auch da noch Verbesserungsmöglichkeiten.

Und auch die Geschichte mit der Konstanz ist keine neue für Eisbären-Fans. Wie oft haben wir Spiele der Jungs in dieser Saison gesehen, wo sie nur über 20 oder 40 Minuten gutes Eishockey spielten, den Rest aber vollkommen neben sich standen. Manchmal waren es auch nur wenige Minuten, wo man mal seine Klasse aufblitzen ließ und den Rest des Spiels sein anderes Gesicht zeigte. Daran muss man auch hart arbeiten, seinen Gameplan über die gesamte Spielzeit strikt durchzuziehen und nicht davon abzukommen. Denn in den Playoffs wird jeder Fehler eiskalt bestraft.

Was in dieser Saison auch bereits sehr oft auffiel, war die Tatsache, dass die Eisbären gegen die Top-Teams starke Leistungen zeigten, nur um dann zwei Tage später gegen die vermeintlichen Kellerkinder wieder schlecht zu spielen. Top-Scorer Marcel Noebels, der die Saison seines Lebens spielt, mit einem Erklärungsversuch in der aktuellen Ausgabe der Eishockey NEWS (Nr. 6 vom 04.02.2020):

Wir haben schon oft gutes Hockey gespielt. Aber wenn wie gegen Straubing die Laufbereitschaft fehlt, sieht es gleich trübe aus. Aus meiner Sicht waren beide Teams nicht auf dem Niveau, auf dem sie sonst spielen. Ein neuer Zuschauer hätte bei dem Spiel Eisbären gegen Straubing sicher nicht vermutet, dass hier der DEL-Dritte gegen den Vierten spielt.

Auch mit ein Grund, weshalb sich die Eisbären manchmal schwer tun, ist die teilweise schlechte Chancenverwertung in manchen Spielen. Noebels dazu:

Keiner schießt absichtlich daneben oder wie Rankel an den Pfosten. Wir müssen einfach noch konsequenter unsere Chancen herausarbeiten.

Wenn die Eisbären an diesen kleinen aber enorm wichtigen Baustellen arbeiten, dann ist mit ihnen in den Playoffs zu rechnen. In den verbleibenden zehn Hauptrundenspielen geht es nun darum, sein Spiel zu verfeinern, die Kleinigkeiten, die nicht gut laufen, abzustellen und sich für die Playoffs einzuspielen. Und in den Playoffs, das wissen nun wirklich alle Fans, ist alles möglich. Da kannst du von jedem Platz aus noch Deutscher Meister werden. Wenn, ja wenn man an den kleinen aber feinen Baustellen arbeitet und die Fehler abstellt.

Einer, der in dieser entscheidenden Saisonphase aller Voraussicht nach wieder mitwirken kann, ist Stürmer Louis-Marc Aubry. Das bestätigte Serge Aubin nach dem Ingolstadt-Spiel auf der PK:

Ja, es gibt Hoffnung darauf, dass er zurückkehrt. Er ist schon wieder im Kraftraum und arbeitet ordentlich, fühlt sich gut. Er wird ins Teamtraining voraussichtlich nächsten Sonntag einsteigen.

6:2 gegen Ingolstadt: Eisbären zeigen Reaktion und kehren nach Schützenfest zurück auf Platz Vier

Ausgabe #25:

Dieser Sieg tut der Eisbären-Seele so richtig gut: Vor 12.508 Zuschauern in der Arena am Ostbahnhof gewannen die Berliner das Heimspiel am Sonntagnachmittag gegen den ERC Ingolstadt mit 6:2 (3:1,2:1,1:0) und betrieben somit Wiedergutmachung für die bittere Heimniederlage vom Freitagabend gegen Straubing, als man mit 1:2 verlor und damit den Kampf um Platz Drei erst einmal aufgeben musste. Stattdessen rutschte man von Platz Vier auf Platz Fünf zurück, welchen man heute aber gleich wieder verließ und sich Platz Vier von Bremerhaven wieder zurückholte. Weil die Eisbären eine richtig starke, kämpferische Leistung boten und Ingolstadt am Ende in allen Belangen überlegen war. Durch den Sieg baute man sein Polster auf den Siebten Ingolstadt zudem auf neun Punkte aus, womit man der direkten Playoff-Qualifikation immer näher kommt.

Bei den Eisbären gab es im Vergleich zum Straubing-Spiel keine Änderung beim Personal, alle Spieler, die am Freitag dabei waren, waren es auch heute gegen Ingolstadt. Justin Pogge erhielt erneut den Vorzug vor Sebastian Dahm im Tor.

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Dass sich die Hausherren viel vorgenommen hatten, merkte man schon im ersten Wechsel. Und nach 57 Sekunden zappelte die Scheibe bereits zum ersten Mal im von Jochen Reimer gehüteten Panther-Tor. Jonas Müller hatte von der blauen Linie abgezogen und Maxim Lapierre fälschte vor dem Tor unhaltbar ab – 1:0 (1.).
Traumstart der Eisbären, welcher ihnen natürlich in die Karten spielte, denn so war die Last von der Freitag-Niederlage vorerst genommen und man konnte befreit aufspielen. Ingolstadt kam erst so nach und nach ins Spiel und zu Chancen, aber es musste ein Powerplay her, um endgültig im Spiel anzukommen. Mike Collins mit dem Zuspiel von hinter dem Tor in den Slot, wo Kris Foucault lauerte und per Onetimer ausglich – 1:1 (11.).
Die Eisbären kurz danach erneut in Unterzahl, für die Schanzer also die nächste Chance zum Tor. Aber es kam ganz anders. Denn die Berliner trafen in Unterzahl! Über Ryan McKiernan und Florian Kettemer kam die Scheibe zu Lapierre, welcher im ersten Versuch noch an Reimer scheiterte, im zweiten dann aber eiskalt war – 2:1 (12.).
Die Eisbären brauchten heute nicht viele Chancen, um zu treffen. Das nächste Beispiel war das 3:1. Die Hausherren zur Abwechslung mal in Überzahl, Lukas Reichel auf Maxim Lapierre, welcher die Scheibe nicht richtig unter Kontrolle bekam. PC Labrie war aber zur Stelle und netzte ein – 3:1 (17.).
So endete ein sehr interessantes und kurzweiliges Auftaktdrittel, in dem die Eisbären ihre Chancen eiskalt nutzten und sich auch nicht vom zwischenzeitlichen Ausgleich der Panther aus der Ruhe bringen ließen.

Das zweite Drittel begann mit einer vierminütigen Überzahl für die Eisbären, nach dem Dustin Friesen

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

mit der Schlusssirene noch 2+2-Minuten wegen eines hohen Stocks gegen Leo Pföderl kassierte. Lange Zeit taten sich die Eisbären mit einem Mann schwer, aber auch, weil Ingolstadt stark in Unterzahl verteidigte und die Schusswege gut zu machte. Aber in der letzten Minute des Powerplays klingelte es dann doch noch. James Sheppard marschierte einmal über die gesamte Eisfläche, wollte dann auch noch Reimer umkurven, was jedoch nicht klappte. Beim Klärungsversuch der Panther landete die Scheibe direkt auf der Kelle von McKiernan, welcher nicht lange fackelte und abzog – 4:1 (24.). In seinem 100. DEL-Spiel beschenkte sich die Berliner Nummer 58 also selbst. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle zum Jubiläum!
Die Eisbären danach weiter im Vorwärtsgang, wollten weiter nachlegen, aber es sollte ihnen zunächst nicht gelingen. Dann mussten sie mal wieder in Unterzahl ran, weil James Sheppard heute Gefallen daran gefunden hatte, in der Kühlbox zu sitzen. Und die Mannschaft von Trainer Doug Shedden machte ordentlich Druck, aber an Justin Pogge im Eisbären-Tor war kein vorbeikommen. Als die Berliner wieder vollzählig waren, sorgten sie für den nächsten Treffer.
Und erneut war James Sheppard der Vorlagengeber, Adressat war diesmal Top-Scorer Marcel Noebels, welcher den Pass problemlos verwerten konnte – 5:1 (33.).
Es wirkte alles so spielerisch leicht von den Eisbären, sie hatten heute richtig Spaß am Spiel und die Jungs spielten und kämpften als Mannschaft zusammen. Da störte auch der schnelle Anschlusstreffer der Gäste nur 26 Sekunden nach dem 5:1 nicht. Ex-Eisbär Darin Olver legte quer rüber, Brett Findlay sagte danke und stellte auf 5:2 (34.). Haben sich die Schanzer schön bei den Eisbären abgeschaut, denn aus dem selben Spielzug entstand kurz zuvor das Tor von „Noebi“.

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Alle waren bester Laune, die Stimmung war ausgelassen, doch dann kippte sie und es wurde richtig hitzig. Im Mittelpunkt die beiden Hauptschiedsrichter Stephan Bauer und Lasse Kopitz. Youngster Fabian Dietz fuhr einen Check gegen Dustin Friesen, welcher daraufhin auf dem Eis liegen blieb, jedoch nichts davon getragen hatte. Für mich sah dieser Check jetzt nicht wirklich hart und unsauber aus, aber Bauer und Kopitz wollten da einen unerlaubten Körperangriff gesehen haben und schickten Dietz mit einer Spieldauer zum Duschen. Friesen hatte sichtlich nichts davon getragen und trotzdem gab es für Dietz die Spieldauer. Warum jener Friesen für seine Aktion gegen Pföderl, welcher danach geblutet hatte, mit 2+2 davon kam, wird deren Geheimnis bleiben. Aber die Leistung der beiden Hauptschiedsrichter reihte sich nur in die zuletzt gezeigten Leistungen der Unparteiischen ein, welche so kurz vor den Playoffs angesichts ihrer Leistung massiv in der Kritik stehen. Heute sah man, warum.
Nun war hier ordentlich Feuer drin, Checks wurden zwar vorher auch schon kräftig gefahren, aber nun hatte man sich immer wieder in der Wolle und tauschte Nettigkeiten aus. So auch schon nach dem Check von Dietz, als sich eine kleine aber kräftige Schlägerei entwickelte.
Die Eisbären überstanden die große Strafe, welche nach einer Strafe gegen Ingolstadts Wayne Simpson für zwei Minuten unterbrochen wurde, dank eines starken Penaltykillings schadlos und nahmen eine Drei-Tore-Führung mit in die Kabine.

So spektakulär und aufregend ging es im letzten Drittel nicht mehr weiter. Ingolstadt begann den

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

letzten Abschnitt mit einem neuen Torhüter. Timo Pielmeier ersetzte Jochen Reimer. Richtiger Spielfluss kam im letzten Drittel selten auf, weil die Partie durch Strafzeiten immer wieder unterbrochen wurde. So zog sich das letzte Drittel auch ein bisschen wie ein Kaugummi in die Länge.
Ingolstadt versuchte es zwar nochmal, aber die Eisbären ließen hinten nichts zu. Die Cleverness und Abgezocktheit, welche am Freitag noch fehlte, war heute wieder da und so ließ man Ingolstadt keine Chance mehr.
Für den letzten Höhepunkt und zugleich Schlusspunkt sorgte der kleine Wirbelwind Austin Ortega, welcher einen Ingolstädter Aufbaupass abfing, alleine auf Pielmeier zu fuhr und eiskalt per Rückhand abschloss – 6:2 (59.). Damit waren die drei Punkte gegen den direkten Konkurrenten im Sack und zudem beendete man eine sieben Spiele andauernde Serie. Denn in den letzten sieben Duellen zwischen diesen beiden Mannschaften gewann stets das Auswärtsteam. Heute war es mal wieder das Heimteam.

So eine Reaktion wünscht sich wohl jeder Trainer nach der bitteren Niederlage zwei Tage zuvor gegen Straubing, nach der die Enttäuschung groß war. Bei allen Beteiligten. Und das merkte man heute vom ersten Bully an und schon nach 57 Sekunden konnten die Eisbären in Führung gehen. Dass Ingolstadt dann zum Ausgleich kam, geschenkt. Denn die Eisbären hielten an ihrem Gameplan fest, behielten die Ruhe, spielten weiter nach vorne und waren vor allem heute vor dem Tor eiskalt. Sie ließen nicht viele Chancen liegen, sondern zeigten eine klasse Chancenverwertung. Das viel kritisierte Powerplay war heute zweimal erfolgreich und auch in Unterzahl lieferte man eine klasse Leistung, traf sogar einmal.
Serge Aubin sagte es nach dem Spiel auf der Pressekonferenz vollkommen richtig, man solle sich einprägen, wie man dieses Spiel heute gewonnen hat. „Mit viel, viel harter Arbeit über die gesamte Mannschaft hinweg„, sagte der Chefcoach und lobte dabei explizit alle Spieler. „Aber was vor allem wichtig war, dass die Mannschaft um jeden Zentimeter auf dem Eis gekämpft hat. Und zwar von der ersten bis zur vierten Reihe„, ergänzte Aubin.
In der Pause kann man nun die Akkus wieder aufladen und sich dann auf die heiße Phase der Saison vorbereiten. Dann muss man an den kleinen Baustellen, welche man noch hat, arbeiten, um bestmöglich vorbereitet in die letzte Saisonphase zu gehen. Das Spiel sollte dabei als Videomaterial dienen, denn wenn sie so in den nächsten Wochen spielen, kann die Saison noch lange gehen. Und wer weiß, vielleicht feiern wir dann im April die achte Meisterschaft in der Hauptstadt. Dann heißt es wirklich wieder so wie heute während des Warm-ups: „Dickes B oben an der Spree…“

Leo Pföderl nach bitterer Niederlage gegen Straubing: „Wir müssen nirgendwo hinschauen, sondern nur auf uns“

Die Enttäuschung war allen Beteiligten nach der knappen 1:2-Heimniederlage gegen die Straubing Tigers anzusehen. Statt den Rückstand auf Platz Drei auf vier Zähler zu verkürzen, stehen die Eisbären Berlin nach dem Spitzenspiel gegen die Niederbayern nun bei zehn Punkten Rückstand. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, rutschte man in der Tabelle durch die Niederlage auch noch auf Platz Fünf zurück und hat jetzt einen Zähler Rückstand auf Bremerhaven. Statt sich nach oben zu orientieren, müssen sich die Berliner eher nach hinten umschauen, denn da drücken Düsseldorf (6.) und Ingolstadt (7.) gewaltig, haben nur noch sechs Punkte Rückstand auf die Hauptstädter. Die Eisbären haben zwar – genau wie die DEG – noch ein Nachholspiel in der Rückhand, aber bei einer weiteren Heimniederlage morgen Nachmittag gegen eben jenes Ingolstadt, würde die direkte Playoff-Qualifikation noch einmal in Gefahr geraten. Und sind wir mal ehrlich, damit hatte in den vergangenen Wochen keiner mehr so wirklich gerechnet. Da schaute man viel mehr nach oben und die Top-3. Seit gestern muss man nun erst einmal umdenken und dafür sorgen, dass man nach dem Ende der Hauptrunde überhaupt direkt für das Viertelfinale qualifiziert ist. 

Stürmer Leo Pföderl, der das zwischenzeitliche 1:0 gegen die Tigers erzielt hatte, wusste um die vergebene Chance gestern Abend:

Ja, extrem bitter. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Wir haben gewusst, wie es ausschaut. Wenn wir nochmal den Dritten angreifen wollen, wäre es heute nicht schlecht gewesen, wenn wir einen Dreier geholt hätten. Jetzt ist Bremerhaven Vierter. Schwierig, extrem bitter, aber es geht weiter und am Sonntag wird es wieder eine harte Nuss. Aber da müssen wir den Dreier holen, egal, was kommt.

Leo Pföderl nach dem Spiel gegen Straubing in der Mixed-Zone. (Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker)

Die Niederlage hatte man sich selbst zuzuschreiben. Man erwischte keinen guten Start und musste erstmal eine Straubinger Drangphase überstehen, zog dann aber selbst ein unglaubliches Powerplay bei gleicher Spielerzahl auf, in dessen Folge das 1:0 durch Pföderl (Foto) resultierte. Aber man nahm den Schwung nicht mit und so entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe, welches hin und her wog. Durch eine unnötige Strafzeit gegen Constantin Braun zwei Minuten vor der zweiten Pause ermöglichte man den Gästen den Ausgleich durch Chase Balisy, welcher 20,4 Sekunden vor der Sirene zum 1:1 traf. Im Schlussdrittel merkte man dann den Niederbayern mehr Willen, mehr Gier, mehr Biss an, dieses so wichtige Spiel für sich zu entscheiden. Sie legten vor dem Tor mehr Entschlossenheit an den Tag. Bestes Beispiel war die Szene vor dem letztendlich entscheidenden Treffer zum 1:2. Die Berliner fuhren einen 3-auf-1-Konter, wo der Straubinger Verteidiger keinen Schläger mehr hatte. Aber die Eisbären bekamen das Kunststück fertig, in dieser Szene nicht einmal einen Torschuss abzugeben und liefen stattdessen in den entscheidenden Konter. Leo Pföderl auf die Frage, ob es letztendlich an der Chancenverwertung lag:

Ja, würde ich schon sagen. Ich meine, wir haben ein 3-gegen-1, wo der Verteidiger keinen Schläger in der Hand hat und wir kriegen nicht mal einen Torschuss zusammen. Das Überzahl hat gar nicht funktioniert. Die brauchen dann halt nicht viel. 

Alles hadern nützt den Eisbären nun aber nichts, sie müssen die Lehren aus diesem Spiel ziehen und bereits morgen Nachmittag gegen Ingolstadt eine Reaktion auf dem Eis zeigen. Um zum einen einen weiteren Konkurrenten auf Abstand zu halten, zum anderen aber deswegen, um mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause zu gehen. Denn bei einer weiteren Niederlage würde der Druck auf die Eisbären steigen und das Selbstvertrauen könnte einen Knacks bekommen. 

Ob der dritte Platz nach dem 1:2 gegen Straubing nun weg sei, wurde Leo Pföderl gestern Abend nach dem Spiel in der Mixed Zone gefragt. Seine Antwort:

Wieviel Punkte sind es denn? (Antwort der Journalisten: 10) Wie viele Spiele haben wir noch? (Antwort der Journalisten: 11) Dann geht’s ja noch. Wir müssen nirgendwo hinschauen, sondern nur auf uns. Das bringt ja alles nichts, wo willste denn hinschauen? Wir müssen schauen, dass wir unsere Spiele gewinnen, vor allem solche knappen und der Rest kommt dann. 

Womit er Recht hat. Die Eisbären sollten zunächst einmal auf sich selbst schauen, darauf achten, ihren Spielplan konsequent über 60 Minuten durchzuziehen und ihre Spiele zu gewinnen. Was dann am Ende dabei raus kommt, wird man nach dem Ende der Hauptrunde an der Tabelle sehen. Dann erst weiß man, ob man es direkt ins Viertelfinale geschafft hat oder aber den Umweg über die Pre-Playoffs gehen muss. Für Trainer Serge Aubin ist die Tabelle im Moment sowieso eher nebensächlich, wie er nach dem Spiel gegen die Tigers auf der Pressekonferenz sagte:

Natürlich wollen wir so hoch wie möglich in der Tabelle die Saison beenden und dann natürlich in den Playoffs auch in Heimvorteil zu gehen. Jedem ist bewusst, wo wir stehen, aber wir sprechen nicht täglich darüber. Uns als Trainerteam ist es wichtig, wie sie spielen und sich entwickeln in so einer langen Saison.

1:2 im Spitzenspiel und Sturz auf Platz Fünf: Eisbären bestehen Reifeprüfung gegen Straubing nicht

Ausgabe #24:

Das haben sich die Eisbären Berlin sicherlich ganz anders vorgestellt: Nach dem Heimspiel am Freitagabend gegen den Tabellendritten Straubing Tigers wollte man den Rückstand auf die Niederbayern in der Tabelle auf vier Zähler reduziert haben. Stattdessen steht man nach dem Spiel, welches mit 1:2 (1:0,0:1,0:1) verloren ging, mit leeren Händen und nun mehr zehn Punkten Rückstand auf das kleine, gallische Dorf da, welche dem aus Straubinger Sicht unfassbaren Ziel Champions Hockey League (CHL) ein großes Stück näher gekommen sind. Die Eisbären hingegen rutschten auf Platz Fünf und mussten Bremerhaven vorbeiziehen lassen, welche nun auf Platz Vier stehen, welcher Heimrecht im Viertelfinale bedeuten würde.

Im Kader der Hausherren änderte sich nichts, auch im Tor erhielt Justin Pogge wieder den Vorzug vor Sebastian Dahm. Man hatte also volles Personal zur Verfügung, um der Mannschaft von Chefoach Tom Pokel näher auf die Pelle zu rücken.

Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker

Nur hatten das die Eisbären zu Spielbeginn noch nicht so ganz verinnerlicht, worum es hier gehen würde. Jedenfalls kamen sie nur schwer ins Spiel, sahen sich einer starken und aggressiv forecheckenden Straubinger Mannschaft gegenüber. Den Niederbayern merkte man im Vergleich zu den Eisbären von der ersten Sekunde an, dass sie dieses Spitzenspiel für sich entscheiden wollten. Einzig das Führungstor wollte den Tigers nicht gelingen.
Die Eisbären brauchten einen Moment, ehe sie im Spiel ankamen, aber dann legten sie wie die Feuerwehr los und entwickelten ein unglaubliches Pressing im Straubinger Drittel. Die Gäste wurden eingeschnürt, schwindelig gespielt, die Eisbären feuerten aus allen Rohren. So war es auch keine große Überraschung, dass aus dieser Drangphase das 1:0 entstehen sollte. Leo Pföderl war am Ende der Torschütze und sorgte für die zu diesem Zeitpunkt verdiente Berliner Führung (7.).
Die Eisbären machten weiter, hatten gute Chancen und beinahe wäre Jonas Müller das 2:0 geglückt, nur der Pfosten hatte etwas dagegen. Beide Teams zum Schluss nochmal mit je einem Überzahlspiel, welches aber die Unterzahlreihen für sich entschieden. Beim Stand von 1:0 für die Eisbären ging es in die erste Drittelpause, nach einem hart umkämpften und sehr intensiven Spiel mit Playoff-Charakter.

So aufregend und spektakulär ging es im Mitteldrittel aber nicht weiter. Sehr ereignisarmer Beginn mit

Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker

wenig Torraumszenen, dafür zwei kurzen Überzahlspielen für beide Teams, welcher aber erneut keine Gefahr entfachten. Erst gegen Mitte des Mitteldrittels schepperte es mal am Außengestänge, als Constantin Braun abgezogen hatte. Er wäre beinahe Nutznießer eines Ausrutschers von Straubings Goalie Jeff Zatkoff hinter dem Tor gewesen, aber sein Versuch missglückte ihm.
Es folgte ein weiteres Powerplay der Hausherren, welches die Zuschauer in der ausverkauften Mercedes-Benz Arena nicht von ihren Sitzen riss. Einzig Lukas Reichel hatte eine aussichtsreiche Möglichkeit, brachte den Puck im halbleeren Tigers-Tor aber nicht unter.
2:16 Minuten waren noch zu spielen im zweiten Drittel, als sich Constantin Braun im Angriffsdrittel (!) eine vollkommen unnötige Strafzeit wegen Hakens einhandelte und seiner Mannschaft so einen Bärendienst erwies. Denn 20,4 Sekunden vor Ende des Mitteldrittels glichen die Gäste aus Niederbayern aus. Marcel Brandt hatte von der blauen Linie abgezogen, Justin Pogge konnte nur prallen lassen und Chase Balisy staubte dankend ab – 1:1 (40.). Mit einem Paukenschlag endete also der zweite Abschnitt.

Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker

Dieser Gegentreffer schien die Eisbären getroffen zu haben, den zu Beginn des letzten Drittels wenig einfiel. Zudem hatten sie mit ungewohnten Problemen bei der Puckannahme zu kämpfen. Beiden Mannschaften war anzumerken, dass ein Fehler dieses Spitzenspiel hier entscheiden könnte. Dementsprechend vorsichtig gingen beide zu Werke, gingen aber auch keinem Zweikampf aus dem Weg. Die Eisbären machten dann aber mal so einen Fehler und Mitchell Heard war frei durch, scheiterte aber an Pogge.
Als die Eisbären erneut in Überzahl waren, hofften alle auf den Führungstreffer, aber das Überzahlspiel war heute extrem schwach und harmlos, wie es auch Torschütze Leo Pföderl nach dem Spiel im Interview zu gab.
Das Spiel wog hin und her, aber man hatte irgendwie immer das Gefühl, Straubing hatte mehr Wille, dieses Spiel für sich entscheiden zu wollen. Und sie hatten die nötige Cleverness, die den Eisbären fehlte. Vor allem in der letztendlich spielentscheidenden Szene, als die Eisbären einen 3-auf-1-Konter fuhren und der Straubinger Verteidiger sogar ohne Schläger war. Aber sie brachten das Kunststück fertig, aus dieser Situation nicht mal einen Torschuss herauszuholen. Benedikt Schopper klärte das ganz cool und schon lief der Gegenzug der Tigers, welcher am Ende mit dem Torerfolg enden sollte. Antoine Laganiére kam über rechts ins Angriffsdrittel, zog begleitet von Florian Kettemer vor das Tor, umkurvte Justin Pogge und schloss eiskalt und lässig ab – 1:2 (55.).
Danach spielten dass die Niederbayern extrem souverän zu Ende, ließen hinten nichts mehr anbrennen und zu. Die Eisbären fanden einfach keine zündende Idee, das Straubinger Abwehrbollwerk zu knacken, verrannten sich häufig in Einzelaktionen. So hatte Straubing keine große Mühe, das 2:1 über die Zeit zu bringen und den sehr wichtigen Sieg in der Hauptstadt zu feiern.

Und dieser war nicht einmal unverdient. Die Mannschaft von Trainer Tom Pokel fand besser rein ins

Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker

Spiel, ließ sich auch von der einzigen echten Berliner Sturm- und Drangphase, aus der das 1:0 resultierte, nicht aus der Bahn werfen. Im Gegenteil, sie zogen ihren Gameplan strikt durch, machten vor dem eigenen Tor die Räume dicht und hatten in Jeff Zatkoff eine sehr starken Goalie. Die Niederbayern entwickelten mehr Gier und Wille auf diese so wichtigen drei Punkte. Dies vermisste man so ein wenig bei den Eisbären, die heute das nächste dicke Ausrufezeichen hätten setzen können im Hinblick auf die Playoffs. Stattdessen wurde den Eisbären aufgezeigt, was sie in den Playoffs erwartet. Und dort ist Straubing ein mehr als ernst zunehmender Gegner und steht im Moment vollkommen zu Recht auf Platz Drei und zehn Punkte vor den Eisbären. Das kleine, gallische Dort ist im Moment eben stärker als das große Berlin.

Bayrisches Wochenende: Die Eisbären sind heiß auf die beiden wegweisenden Heimspiele gegen Straubing und Ingolstadt

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) biegt auf die Zielgerade der diesjährigen Hauptrunde ein und somit kommen wir dem Höhepunkt einer jeden Saison immer näher. Die Playoffs stehen vor der Tür und für die Eisbären Berlin bietet das kommende Wochenende gleich einmal die beste Gelegenheitdafür, für den Saisonhöhepunkt zu proben. Denn man trifft am Freitagabend (19:30 Uhr) auf die Straubing Tigers, ihres Zeichens Tabellendritter mit sieben Punkten Vorsprung auf die Eisbären, und am Sonntagnachmittag auf den ERC Ingolstadt (17:00 Uhr), ihres Zeichens Tabellensechster mit acht Punkten Rückstand auf die Berliner. Für die Hauptstädter also zwei enorm wichtige Heimspiele, in denen man wichtige Punkte im Kampf um Heimrecht im Viertelfinale einfahren, mit Straubing aber sogar im Falle eines Sieges dem Dritten näher kommen kann. Mit zwei Siegen würde man dem Saisonziel näher kommen, mit zwei Niederlagen aber würde dieses noch einmal in große Gefahr geraten.

Aber die Eisbären wissen um die große Bedeutung der Spiele am Freitag und Sonntag, wollen beide Spiele siegreich gestalten und damit nach dem Sieg in München ein weiteres Zeichen in Richtung Playoffs setzen. Dennoch blicken die Berliner laut Trainer Serge Aubin nicht auf die Tabelle (Quelle: Medieninformation der Eisbären Berlin vom 30.01.2020):

Ich weiß, ich wiederhole mich hier, aber die Tabelle interessiert uns derzeit nicht wirklich. Wir konzentrieren uns komplett auf uns und unser Spiel. Morgen ist natürlich eine gute Gelegenheit, um uns gegen ein Team, das über uns steht zu beweisen. Wir konzentrieren uns derzeit vor allem darauf, Eishockeyspiele zu gewinnen.

Verteidiger Frank Hördler äußerte sich nach dem letzten Heimspiel gegen Schwenningen auch über den morgigen Gegner Straubing und da merkte man schon, wie groß der Respekt vor den Niederbayern ist:

Wenn man sich die Tabelle anguckt, ist jedes Spiel wichtig. Weil von unten drücken sie und von oben sieht man so langsam ein bisschen Licht. Was wir wissen ist, dass Straubing eine unheimlich gute Mannschaft ist, das haben sie über die ganze Saison bewiesen. Jeder kleinste Fehler wird genutzt von denen. Ich glaube, und das wissen wir auch, da müssen wir von Anfang an da sein.

Den Respekt haben sich die Jungs von Chefcoach Tom Pokel auch redlich verdient, spielen sie doch die beste Hauptrunde ihre DEL-Geschichte. Die Niederbayern werden dieses Jahr im Viertelfinale mit dabei sein und dort könnten sie für jeden Gegner zum großen Stolperstein werden. Wenn man bei den Tigers überhaupt etwas bemängeln muss, dann vielleicht den Fakt, dass das beste Heimteam der DEL das schlechteste Auswärtsteam aus den Top-6 der Tabelle sind. Von daher wollen die Niederbayern sich natürlich Heimrecht im Viertelfinale sichern. Aufpassen müssen die Eisbären vor allem auf das kongeniale Sturm-Duo Michael Connolly (35 Punkte) und Jeremy Williams (32 Punkte) aufpassen.
Es ist das letzte Aufeinandertreffen beider Mannschaften in der diesjährigen Hauptrunde, in den Playoffs könnten sich die Schläger beider Teams aber erneut kreuzen. Bisher spricht die Bilanz für Berlin, die sich mit 5:2 auf heimischen Eis und 2:1 am Pulverturm durch setzten. Das erste Spiel in Straubing ging mit 3:5 verloren. In Berlin haben die Tigers vier der letzten fünf Spiele verloren und warten seit 14 Spielen auf einen Dreier in der Hauptstadt.
Mit einem Heimsieg könnten die Eisbären den Rückstand auf Straubing auf vier Zähler verkürzen, bei einer Niederlage wächst der Rückstand aber auf zehn Punkte an.

So ein Sechs-Punkte-Spiel wird auch das zweite Heimspiel an diesem Wochenende gegen den ERC Ingolstadt, welcher sich noch Chancen auf Heimrecht im Viertelfinale ausrechnet. Bei acht Punkten bedarf es aber eines Sieges in der Hauptstadt, um diese Chance am Leben zu halten. Die Schanzer spielen so ein bisschen eine Achterbahn-Saison, so richtig einzuschätzen ist die Mannschaft von Coach Doug Shedden nicht. Mal sind sie richtig stark, dann aber im nächsten Spiel wieder schlecht. In den letzten drei Spielen zeigten die Panther wieder ihr schlechtes Gesicht, verloren dreimal in Folge mit 1:4.
Aber in Berlin fühlten sie sich zuletzt pudelwohl, gewannen dreimal in Folge in der Hauptstadt. So auch das erste Duell in dieser Saison, was mit 5:4 n.P. an den ERCI ging. In Ingolstadt gewannen die Eisbären mit 4:2 und 4:1.

Bei den zuletzt dreimal in Folge siegreichen Eisbären wird sich im Vergleich zum Schwenningen-Spiel nichts ändern. Heißt also auch, dass weiterhin Vincent Hessler, Florian Busch, Louis-Marc Aubry und Sean Backman fehlen werden.

Der Eisbären-Kader für das Heimspiel gegen die Straubing Tigers am 31.01.2020 um 19:30 Uhr:

Tor:

Sebastian Dahm, Justin Pogge

Abwehr:

Kai Wissmann, Frank Hördler, Jonas Müller, John Ramage, Ryan McKiernan, Florian Kettemer

Angriff:

Austin Ortega, Pierre-Cédric Labrie, André Rankel, Landon Ferraro, Maxim Lapierre, Lukas Reichel, Sebastian Streu, Fabian Dietz, James Sheppard, Constantin Braun, Mark Olver, Marcel Noebels, Leo Pföderl

Fürs DNL-Team im Einsatz:

Eric Steffen

In Weißwasser:

Marvin Cüpper, Eric Mik, Thomas Reichel

Nicht zur Verfügung:

Vincent Hessler (Hand), Louis-Marc Aubry (Knie), Sean Backman, Florian Busch

2:1 gegen Schlusslicht Schwenningen: PC Labrie entscheidet hart umkämpftes Spiel und sichert den Eisbären drei enorm wichtige Punkte im Kampf um Platz Vier

Ausgabe #23:

Die Eisbären Berlin bleiben weiterhin in der Erfolgspur: Am Sonntagabend gewannen die Berliner ihr Heimspiel gegen den Tabellenletzten Schwenninger Wild Wings mit 2:1 (0:0,1:1,1:0) und sicherten sich somit den dritten Sieg in Folge. 13.623 Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof sahen kein schönes Spiel, es war von viel Kampf und manchmal auch Krampf geprägt. Aber was am Ende zählt, sind die drei Punkte und die waren im Kampf um Platz Vier und dem damit verbundenen Heimrecht im Viertelfinale enorm wichtig.

Keine Änderung im Line-up der Hausherren, das beim Spitzenreiter in München siegreiche Team sollte es nun auch gegen Schlusslicht Schwenningen richten. Auch im Tor blieb alles beim alten, Justin Pogge hütete auch gegen die Mannschaft aus dem Schwarzwald das Berliner Gehäuse.

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Das Spiel begann sehr ereignisarm. Beide Mannschaften waren auf eine sichere Defensive bedacht. Man wusste aber bereits vor dem Spiel, was einen erwarten würde. Entweder ein Torfestival oder aber ein mageres Spiel, was die Torausbeute angeht. Das ist immer so gegen Schwenningen und wird sich vermutlich auch nie ändern. Das bis ins erste Drittel hinein einzige Highlight war bis dato der Eisbären-Kulthit vor der Pre-Game-Show. Aus den Boxen dröhnte „Eisbär’n“ vom ehemaligen Eisbären-Spieler Kraig Nienhuis. Ach ja, das waren noch Zeiten…
Vielleicht würde sich ja etwas beim ersten Powerplay des Spiels ändern, die Eisbären hatten dieses Mitte des ersten Drittels. Aber mehr als ein Schuss von Ryan McKiernan, welcher von Lukas Reichel noch abgefälscht wurde und knapp am Pfosten vorbei ging, sprang nicht heraus.
Die Eisbären wirkten optisch überlegen, aber es fehlte so eine richtig hundertprozentige Torchance. Schwenningen stand gewohnt sicher und kompakt vor dem Tor, machte die Räume zu. Und nach vorne versuchten es die Schwäne jetzt auch nicht all zu oft. Die beiden Defensivreihen bestimmten also das erste Drittel. Deswegen war der torlose Spielstand nach 20 Minuten nun auch keine große Überraschung.

Schwenningen hatte zu Beginn des Mitteldrittels noch ein Powerplay und da wären sie beinahe in

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Führung gegangen, doch Patrick Cannone verpasste ein Zuspiel und konnte den Puck somit nicht im halbleeren Tor unterbringen.
Die Eisbären anschließend bemüht, aber immer wieder wurden sie von der Schwenninger Defensive in Empfang genommen und kamen so selten zu gefährlichen Abschlüssen. Wenn doch, dann war da ja immer noch Dustin Strahlmeier, seines Zeichens einer der besten Goalies in der Liga.
Es folgte die nächste Strafzeit gegen die Eisbären durch Geburtstagskind Frank Hördler, aber in Unterzahl hätte James Sheppard beinahe den Führungstreffer erzielt, doch setzte er seinen Konter über das Tor. Nachdem auch die Gäste noch eine Strafzeit kassierten, ging es für einen kurzen Moment mit 4-gegen-4 weiter, aber als die Eisbären komplett waren, war es erneut James Sheppard, der alleine vor Strahlmeier auftauchte, aber in ihm seinen Meister fand.
Die Strafen nahmen nun zu und Schwenningen wurde mutiger, navigierte sich dann doch mal Richtung Justin Pogge und Eisbären-Tor, wurde auf einmal richtig frech und kam zu Chancen. Und als die Mannschaft von Coach Niklas Sundblad in doppelter Überzahl war, erhöhten sie mehr und mehr den Druck, aber die Eisbären hielten gut dagegen. Dennoch schlug es bei einfacher Unterzahl hinter Pogge ein. Dylan Yeo hatte abgezogen, Pogge konnte nur prallen lassen und Markus Poukkula staubte ab – 0:1 (33.). Aber der Treffer wurde noch einmal per Videobweis überprüft, Justin Pogge hatte reklamiert, vermutlich ging der Puck an seine Maske. Aber die beiden Hauptschiedsrichter Gordon Schukies und Bastian Steingroß entschieden auf Tor.
Die Eisbären suchten fortan eine Antwort, während Schwenningen weiterhin frech aufspielte und immer mal wieder vor Pogge auftauchte. Aber eine Minute vor Ende des Mitteldrittels nahm Marcel Noebels die Geschichte in die Hand, fuhr einen Konter, ließ Verteidiger Colby Robak einfach mal eiskalt stehen und verlud dann auch noch Dustin Strahlmeier – 1:1 (39.). Somit stand es also auch nach 40 Minuten unentschieden, diesmal aber 1:1.

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Im Schlussdrittel wurde Dustin Strahlmeier dann mehr und mehr unter Beschuss genommen, es war eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, ehe der Führungstreffer für die Eisbären fallen würde. Und er fiel. Florian Kettemer hatte von der blauen Linie abgezogen und PC Labrie fälschte vor dem Tor unhaltbar für Strahlmeier ab – 2:1 (51.). Aber auch hier überprüften die Hauptschiedsrichter die Gültigkeit des Treffers. Dieses Mal ging es um einen vermeintlichen hohen Schläger von Labrie. Die Hauptschiedsrichter entschieden auf Tor. Eine durchaus strittige Entscheidung. Schwenningens Coach Niklas Sundblad sah es als hohen Stock an, auch Eisbären-Co-Trainer Craig Streu und PC Labrie stritten dies nicht entscheidend ab. Glück für die Eisbären, Pech für Schwenningen.
Schwenningen gab sich hier aber nicht geschlagen, erhöhte nochmal den Druck und warf alles in die Waagschale, wollte hier unbedingt den Ausgleich erzwingen. Trainer Sundblad nahm auch noch eine Auszeit und seinen Goalie vom Eis, aber es half alles nichts mehr. Die Eisbären brachten das knappe 2:1 über die Zeit.

Ein wichtiger Sieg im Kampf um Heimrecht im Viertelfinale. Nicht schön gespielt, aber sich 60 Minuten

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an den Spielplan gehalten. Spiele gegen Schwenningen sind immer sehr speziell und nie die schönsten, aber am Ende haben die Eisbären einen Weg gefunden, dieses Spiel für sich zu entscheiden. Sie haben sich von der kompakten Schwenninger Defensive nicht aus der Ruhe bringen lassen, blieben geduldig. Auch nach dem 0:1 verlor man nicht die Ruhe, hielt an seinem Spielplan fest und konnte die Partie letztendlich noch drehen. Heute hat man mehr Eishockey gearbeitet statt gespielt, aber am Ende fragt dich keiner, wie die drei Punkte zu Stande gekommen sind. Wichtig ist nur, dass es drei Punkte geworden sind.

3:2-Sieg n.P. beim Spitzenreiter in München: Eisbären setzen ein Zeichen im Hinblick auf die Playoffs

Dickes Ausrufezeichen der Eisbären Berlin: Der Hauptstadtclub gewann vor 6.142 Zuschauern beim Tabellenführer EHC Red Bull München verdient mit 3:2 (1:1,1:0,0:1/0:0,1:0) n.P. und fuhr damit zwei enorm wichtige Punkte im Kampf um Platz Vier und die direkte Playoff-Qualifikation ein. Vergoldet wurden die zwei Punkte durch die gleichzeitigen Niederlagen der Konkurrenz aus Ingolstadt und Düsseldorf. Auf Letztere hat man nun neun Punkte Vorsprung. Ein rundum gelungener Abend also aus Eisbären-Sicht.

Im Kader der Eisbären gab es eine Änderung. Verteidiger Eric Mik spielte wieder für Kooperationspartner Weißwasser, während Stürmer Fabian Dietz nach überstandener Verletzung zurück im Kader war. Im Tor stand diesmal Justin Pogge.

Hinein ins Auswärtsspiel in München, wo es für die Berliner zuletzt nicht viel zu holen gab. Sechs der letzten sieben Gastspiele an der Isar wurden verloren. Diese Serie wollte man heute Abend ändern. Und so legten beide Mannschaften offensiv los. Beide Teams wollten den Sieg einfahren. München hatte die erste dicke Chance, als Yannic Seidenberg am Pfosten scheiterte. Aber auch die Gäste von der Spree gaben gute Schüsse auf das von Kevin Reich gehütete Münchner Tor ab.
Es folgte in Spielminute Sieben die erste Strafzeit der Partie für die Eisbären durch Maxim Lapierre wegen eines Beinstellens. Aber das Penaltykilling mit hervorragender Arbeit gegen das zweitbeste Powerplay der Liga, überstand die Unterzahl schadlos.
Wie man sein Überzahlspiel richtig ausnutzt, bewiesen dann die Eisbären, ihres Zeichen nur das zwölftbeste Powerplay der Liga. Yasin Ehliz musste nur ganze 12 Sekunden in der Kühlbox sitzen, ehe er zurück aufs Eis durfte. Ryan McKiernan mit dem Zuspiel auf Top-Scorer Marcel Noebels, welcher per Onetimer zum 1:0 traf (9.). Bereits das 19. Saisontor der Berliner Nummer 92, Wahnsinn!
Dann ging die Serie der Strafzeiten gegen die Eisbären los. Jonas Müller leistete sich einen unnötigen Cross-Check, München hatte durch Konrad Abeltshauser in diesem Powerplay die beste Chance, ansonsten aber auch hier wieder ein ganz starkes Unterzahlspiel der Gäste.
Es folgte ein Konter von Lukas Reichel, welcher per Sahnepass von Austin Ortega auf die Reise geschickt wurde, Kevin Reich ausspielen und tunneln wollte, aber im Abschluss scheiterte. Auf der Gegenseite war Justin Pogge gegen Philip Gogulla zur Stelle.
Dann gab es eine umstrittene Strafzeit gegen Jonas Müller, welcher seine Strafe ebenso nicht verstand, sich lautstark beschwerte und dafür die nächsten zwei Minuten kassierte. Nachdem auch noch Marcel Noebels auf die Strafbank musste, war München in doppelter Überzahl. Und das kannst du gegen München nicht verteidigen. Chis Bourque setzte Yasin Ehliz in Szene und der zog am rechten Bullykreis stehend per Onetimer ab und traf zum 1:1, sein fünftes Tor in den letzten drei Spielen (17.). In den letzten beiden Spielen traf Ehliz stets doppelt.
Durch das Powerplaytor endete das erste Drittel 1:1, für Jonas Müller war die zweite Strafe gegen ihn nach wie vor unverständlich, wie er im Interview bei Magenta Sport in der ersten Drittelpause sagte:

Wir wollen den Puck schnell aus dem eigenen Drittel raus spielen, um dann Konter zu laufen. Wir wollen viel Druck machen und Scheiben gewinnen. Wenn man so pfeift, können wir wieder zum Fußball gehen. Was soll man da großartig sagen, solche Kleinigkeiten zu pfeifen, finde ich nicht wirklich gut. Soweit war unser Unterzahl ganz gut. Bei 5-gegen-3 haben wir zwei Mann weniger, da kann man nichts machen.

Das Mitteldrittel begannen die Berliner noch in Überzahl, aber die erste richtig gefährliche Chance hatten sie erst wieder, als diese vorbei war. Mark Olver mit dem Zuspiel auf Sebastian Streu, doch sein Schuss ging knapp am Münchner Tor vorbei. Noch knapper war es beim Versuch von Gogulla, welcher im Slot zu viel Platz und Zeit hatte, doch zielte er etwas zu ungenau, denn sein Schuss ging ans Lattenkreuz.
Fortan dominierten die Berliner das Spiel, ohne sich dabei selbst hochkarätige Chancen zu erspielen. Aber sie hielten München vom eigenen Tor weg, ließen sie nicht zur Entfaltung kommen und nahmen ihnen somit den Spaß am Spiel. Und Mitte des zweiten Drittels bot sich den Hauptstädtern dann die Chance, in doppelter Überzahl in Führung zu gehen. Aber man spielte es einfach zu kompliziert und vergab diese dicke Möglichkeit.
Dafür klappte es dann bei 5-gegen-5 umso besser. Die Scheibe kam eher durch Zufall vor das Tor, Maxim Lapierre zog einfach mal ab und die Scheibe schlug im Münchner Tor ein – 2:1 (35.).
Danach wollten die Eisbären nachlegen, aber André Rankel (2x) und Marcel Noebels vergaben beste Chancen. München wurde hinten heraus nochmal stärker, hatte durch Yasin Ehliz fünf Sekunden vor der zweiten Pause die dicke Chance, per Penalty zum Ausgleich zu kommen, doch er vergab und so mussten die Hausherren mit diesem knappen Rückstand in die Kabine gehen. Deren Stürmer Maximilian Kastner analysierte das Spiel bei Magenta Sport wie folgt:

Das hat was von Playoffs. Es ist ein hartes Spiel, wir müssen dagegen halten, Berlin tut das auch. Aber solche Spiele machen Spaß. Wir sind im zweiten Drittel mehr hinterher gelaufen, wir müssen die Scheiben hinten schneller heraus spielen und zurück zu unserem Spiel finden.

Und die Hausherren kamen sichtlich bemüht und engagiert aus der Kabine, wollten das Spiel noch drehen. Doch Berlin machte die Räume vor dem Tor dicht und zwang die Gastgeber zu ungefährlichen Schüssen von außen.
In der 45. Spielminute bot sich den Eisbären dann die Chance, in Überzahl auf zwei Tore davon zu ziehen. Und man war auch in der Formation, aber an der blauen Linie hatte Ryan McKiernan Probleme bei der Puckannahme, Frank Mauer reagierte blitzschnell, schnappte sich die Scheibe und ging alleine auf Justin Pogge zu. Diesen spielte er aus und netzte eiskalt zum 2:2 in Unterzahl ein (47.). Eine Paradedisziplin der Gastgeber, Tore in Unterzahl zu erzielen.
Dieser Treffer gab der Mannschaft von Coach Don Jackson nochmal neuen Aufwind und der Druck der Hausherren wurde größer. Die Eisbären gerieten eine Zeit lang unter Druck, fingen sich aber schnell wieder und so entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe, in dem es hin und her ging. Beide hatten ihre Abschlüsse, welche jedoch nicht von Erfolg gekrönt waren.
Vier Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit kassierte Frank Hördler nochmal eine Strafezeit wegen Beinstellens, München also mit der großen Chance, das Spiel in Überzahl komplett zu drehen. Aber mehr als zwei Schüsse von Konrad Abeltshauser und Philip Gogulla sprangen nicht heraus. Beide parierte Justin Pogge problemlos. Und in Unterzahl hatten die Berliner selbst die dicke Chance, aber Landon Ferraro vergab bei einem Konter denkbar knapp. Somit ging es also in die Verlängerung.

Und da hatten beide Mannschaften Schüsse abgegeben, aber es fehlte an Großchancen. 1:18 Minuten vor dem Ende der Verlängerung bot sich dann den Eisbären die dicke Chance, bei 4-gegen-3 das Spiel zu entscheiden. Doch es gelang ihnen nicht und so musste das Penaltyschießen die Entscheidung bringen.

Und gleich der erste Penalty von Frank Mauer dürfte für Diskussionsstoff gesorgt haben, holte doch Pogge beim Versuch, die Scheibe weg zu spitzeln, Mauer von den Beinen. Aber die beiden Hauptschiedsrichter Lasse Kopitz und Aleksi Rantala ließen das so gelten. Im Gegenzug verlor James Sheppard die Kontrolle über die Scheibe und somit stand es weiterhin 0:0.
Es folgte das Duell der beiden aufstrebenden Eishockey-Talente JJ Peterka und Lukas Reichel. Während Peterka an Pogge scheiterte, spielte Reichel Reich aus und schloss eiskalt ab und netzte halbhoch ein. Da im Anschluss Gogulla daneben schoss, sicherten sich die Eisbären den Zusatzpunkt in München und feierten einen Prestige-Sieg beim Erzrivalen.

Und es war ein verdienter Auswärtssieg in München. Die Eisbären haben sich an ihren Gameplan gehalten, haben München nie so richtig ins Spiel kommen lassen und sie zumeist zu Schüssen von außen gezwungen. In Unterzahl zeigte man eine starke Leistung, das doppelte Unterzahlspiel kann man nicht verteidigen, schon gar nicht gegen München. Im Mitteldrittel dominierte man das Geschehen, ließ hinten nichts zu, muss sich da aber vielleicht vorwerfen, vorne nicht genug auf das dritte Tor gespielt zu haben.
Auch im vierten Aufeinandertreffen war es ein Spiel auf Augenhöhe, mit Vorteilen für die Eisbären, die einmal mehr den Beweis abgeliefert haben, dass sie München in dieser Saison gefährlich werden können. Beide Mannschaften sicherten sich in der Hauptrunde je zwei Siege und das einmal zu Hause und einmal auswärts.
Und was auch noch zu erwähnen wäre, Justin Pogge lieferte sein bisher bestes Spiel im Trikot der Eisbären ab und war neben Matchwinner Lukas Reichel einer der Garanten für den Auswärtssieg in München. Dieser Sieg könnte der Anfang einer Siegesserie sein, denn die nächsten drei Duelle bestreiten die Berliner auf heimischem Eis gegen Schwenningen, Straubing und Ingolstadt.

Münchens Goalie Kevin Reich mit seinem Statement nach dem Spiel:

Erster gegen Vierter, dieses Duell kann auch in den Playoffs so kommen. Beide brauchten die Punkte, es war ein Top-Spiel. Es ging das ganze Spiel hin und her, beide Mannschaften hatten Top-Chancen. Es war ein sehr gutes Defensivspiel von beiden Mannschaften.

Und Eisbären-Goalie Justin Pogge kurz und knapp:

Es war Playoff-Eishockey. Es war mit die beste Leistung von mir.

Wochenende der Gegensätze: Am Freitag beim Spitzenreiter München und am Sonntag zu Hause gegen Schlusslicht Schwenningen

Am kommenden Wochenende erwarten die Eisbären Berlin zwei komplett unterschiedliche Aufgaben. Während man am Freitagabend beim Spitzenreiter EHC Red Bull München – welcher übrigens bei einem Sieg und einer zeitgleichen Niederlage der Augsburger Panther als erstes Team das Endrunden-Ticket lösen würde – zu Gast ist, erwartet man am späten Sonntagnachmittag mit den Schwenninger Wild Wings den Tabellenletzten in der heimischen Arena am Ostbahnhof. Man bekommt also zwei komplett unterschiedliche Spiele zu sehen. Und trotzdem werden beide Spiele enorm schwer, auch das Heimspiel gegen die Schwäne, denn gerade gegen die vermeintlich kleinen Gegner tun sich die Hauptstädter immer wieder sehr gerne schwer.

Doch das Ziel für beide Spiele sollte klar sein. Es müssen Siege her, am besten nach regulärer Spielzeit. Aktuell steht man mit 66 Punkten zwar auf dem vierten Platz in der Tabelle, welcher Heimrecht im Viertelfinale garantieren würde, doch sind die Verfolger aus Ingolstadt und Bremerhaven nur ganze drei Punkte zurück, und auch der Tabellensiebte hat nur sieben Punkte Rückstand. Rang Sieben würde übrigens Pre-Playoffs bedeuten, welche man in Berlin gerne vermeiden würde. Dafür bedarf es aber im Bestfall zwei Siege am Wochenende, um das Saisonziel nicht zu gefährden.

Und der Auftakt in dieses Wochenende könnte nicht schwieriger für die Eisbären sein. Man ist beim Liga-Primus München zu Gast, welcher zwar seinen Vorsprung an der Tabellenspitze in den letzten Wochen ordentlich eingebüßt hat, in den zurückliegenden zwei Spielen aber bewiesen hat, was für eine Qualität in dieser Mannschaft steckt. Immer wieder rannten sie Rückständen in Bremerhaven (zwischenzeitlich stand es sogar 0:3) und gegen Iserlohn hinterher, um dann am Ende die Partien doch noch zu drehen und 6:4 in Bremerhaven und 7:5 gegen Iserlohn zu gewinnen. Das zeigt auf der einen Seite die enorme Qualität und Moral der Mannschaft, aber es offenbart auch die defensiven Probleme im Team von Ex-Eisbären-Coach Don Jackson. Das Ziel der Eisbären sollte also sein, genau diese Schwächen in der Münchner Abwehr auszunutzen und so eine Chance auf den Sieg zu haben. München ist schlagbar, aber sie können eben auch jeden noch so hohen Rückstand umdrehen. 60 Minuten konzentriert spielen und von der Strafbank fernbleiben muss daher die Devise für das Spiel in München lauten.

Beide Teams treffen zum letzten Mal in der diesjährigen Hauptrunde aufeinander, bisher steht es nach Siegen 2:1 für München. Zu Hause gewannen die roten Bullen mit 4:2 und in Berlin mit 5:3. Das zweite Duell in der Hauptstadt entschieden die Berliner vor drei Wochen mit 4:3 für sich.

Das komplette Kontrastprogramm erwartet die Berliner dann am Sonntag beim Heimspiel gegen die Schwenninger Wild Wings. Bei denen geht es wohl nur noch darum, die Saison nicht als Tabellenletzter zu beenden. Mit den Pre-Playoffs werden die Mannen von Coach Niklas Sundblad nichts zu tun haben. Zwar war unter Sundblad ein kleiner Aufschwung zu erkennen, aber konnte auch er das Ziel zehnter Platz nicht realisieren. Theoretisch ist es zwar noch möglich, aber bei 17 Zählern Rückstand ist der Zug wohl abgefahren. Was Schwenningen aber trotzdem zu einem unangenehmen Gegner macht, ist die Tatsache, dass sie sich gegen Top-Teams enorm gut anstellen und teilweise genau in diesen Duellen ihr bestes Eishockey abrufen und so schon manch großen Gegner zu Fall gebracht haben. Unter anderem auch die Berliner, welche das erste Duell im Schwarzwald mit 4:5 verloren, sich dafür aber vergangenen Sonntag mit einem 5:3-Sieg revanchierten. 

Die beiden schweren Aufgaben muss das Team am Wochenende ohne ihren Chefcoach Serge Aubin absolvieren, welcher aufgrund eines Trauerfalls in seine Heimat reisen wird. Dennoch äußerte sich der Coach noch zur morgigen Partie (Quelle: Medieninformation der Eisbären Berlin vom 23.01.2020):

Das wird morgen eine große Herausforderung, gegen die beste Mannschaft der Liga. Wir glauben an uns. Ich möchte, dass wir rausgehen und selbstbewusstes, aber auch verantwortliches Eishockey in der Offensive und in der Defensive spielen.

Um in beiden Spielen erfolgreich zu sein, müssen die Jungs einfaches Eishockey spielen. Vor dem eigenen Tor so wenig wie möglich zu lassen, die Schusswege zu machen, um den Gegner zu ungefährlichen Schüssen von außen zu zwingen. Und vor dem gegnerischen Tor muss man eiskalt sein, jede sich bietende Chance muss im Netz landen. Man muss über 60 Minuten hoch konzentriert spielen, sich an den Gameplan halten und diszipliniert sein. Unnötige Strafen werden bitterböse bestraft und in dieser Saisonphase tut jeder verlorene Punkt doppelt weh. Wenn man sich an die genannten Punkte hält, sind zwei Siege möglich. Auch in München, gegen die man in den ersten drei Partien durchaus starke Leistungen gezeigt hat, aber am Ende sich nicht so abgezockt präsentierte wie München. Aber man war nah dran und vor allem auf Augenhöhe mit dem Spitzenreiter.

Die Eisbären können am Wochenende wieder auf Youngster Fabian Dietz zurückgreifen, welcher seine Knieverletzung überstanden hat und wieder fit ist. Somit fehlen nur noch Vincent Hessler, Florian Busch, Louis-Marc Aubry und Sean Backman.

Der Eisbären-Kader für das Auswärtsspiel in München am 24.01.2020 um 19:30 Uhr:

Tor:

Sebastian Dahm, Justin Pogge

Abwehr:

Kai Wissmann, Frank Hördler, Eric Mik, Jonas Müller, John Ramage, Ryan McKiernan, Florian Kettemer

Angriff:

Austin Ortega, Pierre-Cédric Labrie, André Rankel, Landon Ferraro, Maxim Lapierre, Lukas Reichel, Sebastian Streu, Fabian Dietz, James Sheppard, Constantin Braun, Mark Olver, Marcel Noebels, Leo Pföderl

Fürs DNL-Team im Einsatz:

Eric Steffen

In Weißwasser:

Marvin Cüpper, Thomas Reichel

Nicht zur Verfügung:

Vincent Hessler (Hand), Louis-Marc Aubry (Knie), Sean Backman, Florian Busch

5:3! Marcel Noebels führt die Eisbären mit vier Vorlagen zum Auswärtssieg in Schwenningen

Ganz wichtiger Auswärtssieg für die Eisbären Berlin: Der Hauptstadtclub gewann sein Gastspiel am Sonntagnachmittag bei den Schwenninger Wild Wings vor 3.922 in der Helios-Arena mit 5:3 (3:2,1:1,1:0) und eroberte damit den erst am Freitag verlorenen vierten Platz wieder zurück. Somit sicherte man sich also drei wichtige Zähler im Kampf um Platz Vier, welcher ja das Saisonziel der Berliner ist. Bevor man diese aber einpacken konnte, musste man hart arbeiten, brachte den Sieg im Schlussdrittel aber souverän über die Zeit.

Das Team der Eisbären hatte zwar das selbe Personal zur Verfügung wie am Freitag im Heimspiel gegen Ingolstadt, aber bei den Reihen änderte Trainer Serge Aubin ein bisschen was. Zudem wechselte er auch auf der wichtigen Goalie-Position, brachte Sebastian Dahm statt Justin Pogge.

Die Aufgabe war trotz der klaren Unterschiede in der Tabelle keine einfache für die Eisbären, waren die Schwenninger doch zuletzt zu Hause vier Mal in Folge ungeschlagen und gewannen insgesamt fünf der letzten sieben Heimspiele. Die Siege erzielte man allesamt gegen Spitzenteams (Mannheim, München, Straubing, Berlin, Bremerhaven). Erst vergangenen Sonntag schlugen die Wild Wings auf heimischen Eis den Liga-Primus München mit 2:0. Die Eisbären sollten also gewarnt sein. Erst recht nach dem ersten Duell im Schwarzwald, welches die Berliner mit 4:5 verloren hatten. Eine zweite Niederlage in Folge bei den Schwänen setzte es zuletzt vor 19 Jahren!

Die Hausherren begannen wie erwartet sehr engagiert und druckvoll. Mit dem Selbstvertrauen aus den letzten Heimspielen. Ex-Eisbär Cedric Schiemenz versuchte vor dem Spiel zu erklären, warum sich Schwenningen gegen die Top-Teams leichter tut als gegen die vermeintlich kleineren Gegner. Er begründete das damit, dass man sich schwer tut, das Spiel selbst zu machen. Und da die Top-Teams das Spiel selbst machen, kann Schwenningen die einfachen Dinge tun, was ihnen leichter fällt.
Früh hatte die Mannschaft von Coach Niklas Sundblad die erste dicke Chance, welche jedoch Sebastian Dahm mit einem starken Reflex entschärfte. Dann aber nahmen sich die Hausherren selbst den Schwung, als sie in Person von Mark Fraser die erste Strafzeit der Partie kassierten. Doch das Penaltykilling der Gastgeber mit starker Arbeit, überstand das Powerplay der Berliner schadlos.
Die Eisbären brauchten einen Moment, kamen dann aber immer besser ins Spiel und gingen in der neunten Spielminute in Führung. Top-Scorer Marcel Noebels mit einem Sahne-Pass aus dem eigenen Drittel heraus in den Lauf von Leo Pföderl, welcher frei vor Goalie Dustin Strahlmeier auftauchte und diesem keine Chance ließ, eiskalt abschloss. Der Puck schlug über der Fanghand von Strahlmeier im Tor der Hausherren ein – 1:0. Jubiläum für Pföderl, denn es war sein 250. DEL-Scorerpunkt (138 Tore/112 Vorlagen). Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!
Danach gab es wieder genügend Strafzeiten, die Eisbären zwischenzeitlich sogar mit zwei Mann weniger, aber nur für 15 Sekunden. Die Wild Wings hatten auch ihre Chancen, aber Sebastian Dahm war stets zur Stelle. Und dann vertändelten die Gastgeber die Scheibe im gegnerischen Drittel, Marcel Noebels schickte PC Labrie auf die Reise und der zog über links ins Angriffsdrittel, zog ab und die Scheibe schlug rechts oben im Knick ein – 2:0 in Unterzahl (12.)!
Eine beruhigende Führung beim Favoritenschreck, doch dieser gab nicht auf und kam in Überzahl zum Anschlusstreffer. Eine unübersichtliche Situation vor Dahm, Ex-Eisbär Alex Weiß kam zum Nachschuss, welcher jedoch am Tor vorbei gegangen wäre. Wenn, ja wenn nicht der Schlittschuh von Florian Kettemer im Weg gestanden und den Puck ins eigene Tor abgefälscht hätte – 2:1 (14.).
Und auf einmal stand es 2:2. Bully im Angriffsdrittel, auf einmal stand Alex Weiß wenige Meter frei vor dem Tor, zog ab und die Scheibe schlug am linken Torpfosten aus Torhütersicht ein und flog so schnell ans hintere Torgestänge und wieder raus, dass die beiden Hauptschiedsrichter Andre Schrader und Stephan Bauer noch einmal den Videobeweis bemühten, den Treffer danach aber folgerichtig gaben – 2:2 (16.).
Schwenningen danach mit der zweiten Luft, schnürte die Berliner in deren Drittel ein und hatte Chancen, aber ein drittes Mal sollte es hinter Sebastian Dahm nicht einschlagen. Dafür aber hinter Dustin Strahlmeier.
Powerplay für die Eisbären, Austin Ortega stand auf der linken Seite und passte die Scheibe hoch zur blauen Linie, wo Ryan McKiernan lauerte. Der verteilte sie weiter auf rechts zu Marcel Noebels, welcher James Sheppard am langen Pfosten stehen sah. Dieser setzte zum Schuss an, doch der rutschte ihm etwas ab. Der Puck rutschte durch an den langen Pfosten, wo Youngster Lukas Reichel lauerte und zum 3:2 einnetzte (19.). Was zugleich auch der Pausenstand war in diesem spektakulären Auftaktdrittel im Schwarzwald.

So unterhaltsam sollte es dann aber nicht mehr weitergehen. Jedenfalls, was die Tore angeht. Die Eisbären kamen engagiert aus der Kabine und setzten Schwenningen sofort unter Druck, wollten gleich noch ein Tor nachlegen. Die Hausherren hatten zu Beginn damit so ihre Probleme und kamen erst sechs Minuten nach Wiederbeginn zur ersten Chance im zweiten Drittel. Der Schuss von Dylan Yeo war dafür aber gleich einmal gefährlich, schlug aber zum Glück nicht hinter Dahm im Berliner Tor ein.
Mitte des zweiten Drittels kassierte John Ramage eine Strafe wegen Behinderung und ganze 26 Sekunden später sorgte Matt Carey für den erneuten Ausgleich. Alex Weiß mit dem Zuspiel auf Christopher Fischer, der steckte die Scheibe durch zu Carey, welcher einen Stellungsfehler in der Berliner Defensive nutzte und sich mühelos bis zum Tor durchtankte und dann eiskalt abschloss – 3:3 (31.).
Aber auch auf diesen Treffer hatte die Mannschaft von Trainer Serge Aubin die passende Antwort. James Sheppard mit dem Pass rechts raus auf Marcel Noebels, welcher die Scheibe wieder vor das Tor zurück spielte auf James Sheppard. Der sah links Leo Pföderl und der zog direkt ab, scheiterte aber am Pfosten. Aber ein richtiger Torjäger setzt nach und so netzte Pföderl per Hechtsprung zum 4:3 ein (36.). Der vierte Treffer der Eisbären an diesem Abend und zum vierten Mal war Marcel Noebels beteiligt. Bockstarker Auftritt der Nummer 92. Die Eisbären lagen also auch nach 40 Minuten mit einem Tor vorne.

Das Schlussdrittel begannen die Berliner nach einer Strafe kurz vor der zweiten Pause gegen James Sheppard in Unterzahl. Als auch noch PC Labrie die Kühlbox aufsuchte, war man für 42 Sekunden sogar in doppelter Unterzahl, überstand diese aber schadlos.
Als die Gäste von der Spree wieder komplett waren, hatten sie dann mal wieder ein Powerplay, in dem man zwei gute Möglichkeiten hatte. Im zweiten Überzahlspiel kurz darauf war man dann aber nicht mehr so gefährlich, ließ die Scheibe zwar gut laufen, aber der letzte finale Pass kam nicht an.
Ab Mitte des letzten Drittels hatten die Hauptstädter dann alles im Griff. Hinten ließ man nichts mehr zu, Schwenningen fand einfach kein Mittel gegen die gute Berliner Defensive. Und vorne konnte man immer wieder für Gefahr sorgen, verpasste es aber, für die Entscheidung zu sorgen. Und so ging wieder die Angst vor dem Verspielen einer Führung um. Ryan McKiernan hatte im Vorfeld auf dieses Thema angesprochen gesagt, dass der Grund dafür vielleicht ein bisschen die fehlende Konzentration sei, man aber vor allem Wege finden muss, solche Spiele am Ende noch zu gewinnen. Gerade in dieser Saisonphase. Heute fanden sie einen Weg und brachten die drei Punkte letztendlich souverän nach Hause.
Schwenningen nahm kurz vor Schluss den Goalie raus, riskierte noch einmal alles, was Landon Ferraro aber zur Entscheidung ausnutzte – 5:3 (59.).

Ein enorm wichtiger Sieg im Kampf um die direkte Playoff-Qualifikation und das Heimrecht im Viertelfinale. Die Eisbären haben trotz gutem Beginn der Schwenninger eine 2:0-Führung heraus geschossen und ließen sich dann auch nicht davon verunsichern, dass man das Spiel kurzeitig wieder her schenkte. Man fand auf die Ausgleichstreffer der Hausherren stets die passende Antwort und überstand auch deren Druckphasen, vor allem in Überzahl. Und als die Partie immer mehr dem Ende entgegen ging und die Eisbären ein ums andere Mal die Vorentscheidung verpasst hatte, fing man nicht wieder an zu zittern sondern spielte das sehr ruhig, sehr abgeklärt und sehr souverän zu Ende. Man hat also aus den letzten Spielen gelernt und genau das wollte Trainer Serge Aubin auch sehen.
Ein Sieg der gesamten Mannschaft, die heute bis zum Schluss alles für die drei Punkte gegeben hat und am Ende auch belohnt würde. Und doch muss man Marcel Noebels hervorheben, der heute an vier der fünf Treffer direkt beteiligt war, weil er vier Torvorlagen zum Auswärtssieg beisteuerte. Es ist der beste Marcel Noebels aller Zeiten!

4:5 n.P. gegen Ingolstadt: Eisbären verlieren hart umkämpftes Spiel und zudem Platz Vier

Ausgabe #22:

Bitterer Rückschlag für die Eisbären Berlin im Kampf um Heimrecht im Viertelfinale, aber auch um die direkte Playoff-Qualifikation: Am Freitagabend verloren die Berliner vor ausverkauftem Haus gegen den direkten Konkurrenten ERC Ingolstadt knapp mit 4:5 n.P. (1:1,3:2,0:1/0:0,0:1) und mussten die Schanzer durch die Niederlage im Shootout in der Tabelle vorbeiziehen lassen. Der ERCI steht nun auf Platz Vier, die Eisbären folgen auf Platz Fünf. Aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Doch diese Partie machte einen Vorgeschmack, was uns in den nächsten Wochen bis zum Ende der Hauptrunde und vor allem dann in den Playoffs erwarten wird. Hart umkämpfte Spiele, welche bis zum Ende auf des Messers Schneide stehen.

Ungewohntes Bild auf dem Spielberichtsbogen: Die Eisbären Berlin hatten endlich mal wieder volle vier Reihen zur Verfügung. Weil Stürmer Mark Olver ins Line-up zurückkehrte und Verteidiger Eric Mik sein Saisondebüt feierte. Im Tor vertraute Trainer Serge Aubin erneut Justin Pogge.
Zudem feierten zwei Spiele heute auch noch ein Jubiläum: Kapitän André Rankel absolvierte sein 850. DEL-Spiel, Austin Ortega sein 50. DEL-Spiel. Herzlichen Glückwunsch an beide Spieler!

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Von Beginn an entwickelte sich eine hart umkämpfte Partie, welche im weiteren Spielverlauf immer nickliger wurde. Beide Teams machten deutlich, dass sie dieses „Sechs-Punkte-Spiel“ für sich entscheiden wollten. Dementsprechend gingen sie zu Werke, versuchten hinten sicher zu stehen und vorne für Gefahr zu sorgen. Klappte bei den Schanzern zunächst besser. Weil die Eisbären anfangs Probleme hatten, in ihr Spiel zu finden. Zu viele Ungenauigkeiten im Spielaufbau machten es den Eisbären zu Beginn sehr schwer. Und Ingolstadt nutzte das zur Führung. Ein Fehler der Eisbären im eigenen Drittel sorgte für den Rückstand durch Brett Olson, welcher frei vor Pogge abziehen konnte und zum 0:1 traf (7.).
Mit zunehmender Spieldauer kamen die Hausherren besser ins Spiel und es entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe, welches hin und her ging. Und knapp zwei Minuten vor der ersten Drittelpause sorgten die Berliner für den Ausgleich. Jubilar André Rankel zog über die rechte Seite klasse vor das Tor, spielte den Puck quer rüber zu PC Labrie, welcher keine großen Probleme hatte, die Scheibe im halbleeren Tor unterzubringen – 1:1 (19.). Das sollte zugleich auch der Pausenstand sein, welcher so in Ordnung ging.

Früh im Mitteldrittel hatten die Gäste von der Donau ein Powerplay und sollten dabei erneut in Führung

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

gehen. Dabei scheiterte zunächst Wayne Simpson am Pfosten, ehe die Eisbären zum Unterzahlkonter über Landon Ferraro und Maxim Lapierre kamen. Ferraro entschied sich für den Schuss, hätte dabei aber vielleicht lieben den Pass auf Lapierre spielen sollen. Direkt im Gegenzug marschierte Mike Collins alleine auf Pogge zu und ließ diesem beim Abschluss keine Chance – 1:2 (25.).
Danach Überzahl für die Eisbären und auch hier zunächst das Team in Unterzahl mit der dicken Chance, aber Pogge rettete gegen Simpson. Und dann zappelte der Puck zum zweiten Mal an diesem Abend im Tor von ERCI-Goalie Jochen Reimer. Landon Ferraro wechselte mal eben die Sportart und erzielte in Baseball-Manier das 2:2 (28.), welches natürlich noch einmal per Videobeweis auf hoher Stock überprüft wurde, aber folgerichtig gegeben wurde.
Die Eisbären danach mit dem nächsten Powerplay, was sie jedoch nicht nutzen konnten. Dafür waren sie dann aber wenige Sekunden später erfolgreich. Marcel Noebels mit der Vorarbeit für den anderen Jubilar Austin Ortega und auch der sollte seinen Scorerpunkt in diesem Spiel bekommen, sorgte somit für die erstmalige Führung der Hauptstädter an diesem Abend – 3:2 (32.).
Und dann wurde es für Ingolstadt zu schnell. Justin Pogge machte das Spiel schnell, schickte James Sheppard auf die Reise, der sah Marcel Noebels am langen Pfosten, spielte die Scheibe rüber und der Berliner Top-Scorer erhöhte auf 4:2 (35.).
Die Eisbären hatten das Spiel also komplett gedreht, brachten aber die Gäste wieder zurück ins Spiel. Brett Findlay durfte auf 4:3 verkürzen (38.). Somit nahmen die Berliner eine Ein-Tore-Führung mit in die Kabine.

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Die Schanzer kamen gut aus dieser und hatten gleich nach Wiederbeginn beste Chancen. Die dickste hatte Mirko Höfflin, als er am Pfosten scheiterte. Das Spiel nahm nun an Intensität immer mehr zu, immer wieder gerieten die Spieler aneinander, man merkte förmlich, wie wichtig diese Partie für beide Teams war. Es entwickelte sich nun ein offener Schlagabtausch, es ging hin und her und immer wieder kamen beide Teams zu guten Möglichkeiten, aber beide Goalies ließen nichts zu.
Und dann kassierten die Eisbären gut drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit eine Strafzeit und Ingolstadt konnte dann sogar mit zwei Mann mehr agieren, nachdem Trainer Doug Shedden Goalie Jochen Reimer zu Gunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis nahm. Und 107 Sekunden vor dem Ende schlug es hinter Justin Pogge ein. Wayne Simpson hatte das Zuspiel von Mike Collins eiskalt verwertet – 4:4 (59.).Somit ging es nach 60 Minuten also in die Verlängerung.

Und auch in dieser beide Mannschaften mit besten Möglichkeiten. Bei den Eisbären vergab Austin Ortega die beste, als er mit einem Penalty an Jochen Reimer scheiterte. Und auf der Gegenseite traf Brett Olson nur die Latte. Beide Mannschaften spielten mit offenem Visier, aber Tore fielen in der fünfminütigen Verlängerung keine. Das Penaltyschießen musste also die Entscheidung bringen.
Während auf Eisbären-Seite beide Schützen vergaben, trafen auf Ingolstädter Seite beide eiskalt, Tim Wohlgemuth war letztendlich der Matchwinner und sorgte für den dritten Schanzer Sieg in Folge in Berlin.

Die Eisbären bringen sich zur Zeit selbst in solch prekäre Situation, was den Kampf um die direkte

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Playoff-Qualifikation angeht. Eigentlich ist ja ein Platz unter den ersten Vier und das damit verbundene Heimrecht im Viertelfinale das große Ziel, aber aktuell steht man nur auf Platz Fünf, wenn auch punktgleich mit dem Vierten Ingolstadt. Aber der Siebte Düsseldorf ist nur noch sieben Zähler entfernt.
Die Eisbären haben jetzt zum zweiten Mal in Folge im letzten Drittel eine Führung verspielt. In Köln war es ein 3:0, heute ein 4:3, zwischenzeitlich lag man bereits mit 4:2 vorne. Die Berliner finden momentan keinen Weg, solche Spiele über die Zeit zu bringen. Weil sie, wie Trainer Serge Aubin nach dem Spiel auf der PK sagte, mentale Fehler machen. Heute zum Beispiel kassierte man zwei Gegentore nach schlechtem Wechsel. So etwas darf dir in dieser Liga gegen so ein Team in so einer Phase der Saison nicht passieren. Weil du dadurch wichtige Punkte im Kampf um die bestmögliche Ausgangsposition in den Playoffs verspielst.
Die Eisbären fanden heute schwer rein ins Spiel, bissen sich dann aber rein und ließen sich auch von der erneuten Panther-Führung nicht aus der Ruhe bringen, drehten das Spiel mit drei Treffern in Folge. Zwischenzeitlich hatte man Ingolstadt also im Sack, ließ sie dann aber wieder frei. Weil man Fehler vor den Gegentoren machte und weil man, wie Kapitän André Rankel (siehe Foto) nach dem Spiel in der Mixed Zone sagte, im letzten Drittel zu passiv war. Da wollte man zu viel vermeiden und kassierte so noch den Ausgleich. Aus diesem Spiel und den Fehlern werden und müssen die Eisbären lernen. Denn jeder selbst verschuldete verlorene Punkt kann am Ende fehlen.