Matthias Niederberger vor dem zweiten Saisonspiel in Wolfsburg: „Wir wollen uns stetig verbessern“

Der Auftakt am Freitagabend war sehr viel versprechend. Mit 3:2 gewannen die Eisbären Berlin das erste Heimspiel gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven und feierten damit einen gelungenen, aber nicht unbedingt erwarteten, positiven Saisonstart. Was vor allem auch an den drei erst vor kurzem verpflichteten Neuzugängen Kris Foucault, Giovanni Fiore und Matt White lag. Denn diese drei Jungs verliehen der Berliner Offensive mehr Tiefe und vor allem mehr Torgefahr. Trainer Serge Aubin unterstrich nach dem heutigen Training auch nochmal die Wichtigkeit dieser drei Stürmer:

Ich denke wir haben im letzten Spiel gesehen, dass sie schon sehr gut waren. Wir haben diese drei Jungs aus bestimmten Gründen geholt. Sie haben Ruhe und Erfahrung in das Lineup gebracht, das Überzahlspiel hat gut harmoniert. Auch in Unterzahl haben die Jungs viel richtig gemacht. Sie passen wirklich gut zum Rest der Gruppe. Mit der Rückkehr von Noebels, Müller und Espeland ist das Lineup tiefer und stärker, so dass wir die Eiszeiten besser managen können.

Eisbären-Coach Serge Aubin schwärmt von seinen drei Neuzugängen. (Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker)

Aubin (siehe Foto links) spricht sie an, die Special Teams. Waren sie im MagentaSport-Cup noch eines der Sorgenkinder der Eisbären, so waren sie beim ersten Saisonspiel ein Faktor für den Auftaktsieg. Denn zwei der drei Treffer fielen in Überzahl. Und kein Wunder, dass mit Foucault und White zwei der drei neuen Stürmer die Tore in Überzahl erzielten. Und auch morgen Abend in Wolfsburg wird es auf die Special Teams ankommen. Und Kris Foucault kann sozusagen aus dem Nähkästchen plaudern, spielte er doch bereits für die Autostädter in der DEL. 

Der morgige Gegner Wolfsburg startete ebenso erfolgreich in die neue Saison, gewann nach Rückstand noch mit 4:1 gegen die Krefeld Pinguine und grüßt damit nach Spieltag Eins von ganz oben in der Tabelle. Das wollen die Eisbären morgen Abend natürlich ändern und selbst die Tabellenspitze erklimmen. Dabei werden sich die Berliner aber auf eine ganz andere Atmosphäre in Wolfsburg einstellen müssen als sonst. Denn sonst ist man es gewohnt, dort ein Heimspiel zu haben, wenn rund 1000 Fans die Mannschaft nach Wolfsburg begleiten. Aber durch Corona ist alles anders und man muss es morgen Abend ohne Fan-Unterstützung in Wolfsburg schaffen. Trainer Serge Aubin erwartet auf jeden Fall ein schweres Spiel bei der Mannschaft von Coach Pat Cortina:

Wir haben im ersten Spiel viele Dinge richtig gemacht, aber jetzt müssen wir auswärts ran. Natürlich gibt es einen kleinen Nachteil, weil wir erst am Spieltag fahren, aber das sind eben die Dinge, die wir dieses Jahr händeln müssen. Ich erwarte ein schweres Spiel, aber es sind einige Jungs zurück, also hoffentlich können wir das Tempo erhöhen und auch das zweite Spiel gewinnen. 

Aubin spricht es an, er kann auf Stefan Espeland, Jonas Müller und Marcel Noebels zurückgreifen, was dem Kader noch mehr Tiefe verleiht und die Eisbären noch unberechenbarer macht. Keine guten Nachrichten also für Wolfsburg. Denn die Eisbären scheinen gerade die perfekte Mischung gefunden zu haben, war aber Handlungsbedarf nach dem MagentaSport-Cup auch dringend nötig. Und mit Foucault, Fiore und White hat man wohl genau die richtigen Spieler verpflichtet. Nichtsdestotrotz ist man aber weiterhin auf der Suche nach einem Center, denn da gab es genügend Abgänge.

Einer, der neben den drei genannten Spielern aber auch seinen Anteil am Sieg gegen Bremerhaven hatte, war Goalie Matthias Niederberger, welcher 33 der 35 Schüsse parierte und so ebenfalls zum Matchwinner avancierte. Auch der Rückkehrer war mit dem Auftakt zufrieden, strebt aber weiter nach Verbesserung:

Man darf natürlich mit dem Einstand zufrieden sein, dass wir ein sehr gutes Spiel gegen Bremerhaven hatten und ein positives Ergebnis erzielt haben und die ersten drei Punkte gesammelt haben. Aber wir wollen uns, egal ob Sieg oder Niederlage, stetig verbessern und wir arbeiten auch stetig an Kleinigkeiten, Natürlich kann noch nicht alles nach einem echten Saisonspiel sitzen.

Eisbären-Torhüter Matthias Niederberger gibt Einblicke in seine Spielvorbereitung. (Foto: eisaberlin.de/jasmin und walker)

Genau das ist die Einstellung, die man braucht, um erfolgreich zu sein. Genau an der nötigen Einstellung mangelte es den Eisbären im Vorbereitungsturnier. Doch nun scheint man seine Sinne geschärft zu haben und ist voll fokussiert auf die neue Saison. Wenn gleich dabei sicher auch die Zwangspause durch die Corona-Quarantäne geholfen hat, weil man sich da noch mal sammeln und Kräfte tanken konnte. 

Auch gegen Wolfsburg wird es für die Hauptstädter ein sehr schweres Spiel, gehören die Niedersachsen doch stets zu den Playoff-Kandidaten in der Liga. Und auch die Grizzlies haben sich sehr gut verstärkt und sind auf dem Papier eine starke Truppe. Diese wird Berlin vor eine Herausforderung stellen. Doch die Verantwortlichen der Eisbären werden die Mannschaft bestens vorbereiten auf dieses Spiel. 

Doch wie bereitet sich eigentlich ein Torhüter auf so ein DEL-Spiel vor? Matthias Niederberger (siehe Foto links) mit seiner Antwort darauf:

 

Im Wesentlich schaue ich mir das gegnerische Powerplay an, weil das ist denke ich das Wichtigste. Da schaue ich mir die Tendenzen an. Ich gucke mir auch gerne mal an, wer der gefährlichste Torschütze ist und ob er eine bestimmte Tendenz hat und was der Gegner in der offensiven Zone macht. Aber nur grob, nicht im Detail, weil wenn man beginnt Dinge falsch zu antizipieren oder zu spekulieren, dann hat man da eher einen konträren Effekt. 

Alles ist vorbereitet für das zweite Saisonspiel der Eisbären Berlin bei den Grizzlys Wolfsburg. Los geht es morgen Abend um 20:30 Uhr (!) in der Autostadt. Magenta Sport überträgt wie gewohnt live.

3:2! Matt White und Kris Foucault führen die Eisbären Berlin zum Auftaktsieg gegen die Fischtwon Pinguins Bremerhaven


Ausgabe #1:

286 lange Tage sind seit dem letzten Eishockeyspiel in der Mercedes-Benz Arena vergangen. Damals wie heute hieß der Gegner Fischtown Pinguins Bremerhaven und genau wie an jenem 08. März 2020 gewannen die Eisbären das Spiel. Am Frauentag mit 4:3, heute mit 3:2. Vor „ausverkauftem“ Haus (16 Pressevertreter und sechs Fotografen, mehr sind in Corona-Zeiten nicht erlaubt) sahen eine sehr spannende und hart umkämpfte Partie, in der noch nicht alles rund lief, aber am Ende die Eisbären als Sieger vom Eis gingen. 

Eisbären-Chefcoach Serge Aubin hatte eine Rumpftruppe zur Verfügung, fehlten doch Jonas Müller, Stefan Espeland, Nino Kinder, Thomas Reichel, Sean Backman, Fabian Dietz und Marcel Noebels. Dafür standen die Neuzugänge Mathias Niederberger, Tobias Ancicka Leon Gawanke, Mark Zengerle, Parker Tuomie, Giovanni Fiore, Haakon Hänelt, Matt White und Kris Foucault im Kader.

Blitzstart der Eisbären, aber Bremerhaven schlägt zurück

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Einiges also neu im Berliner Team und dementsprechend engagiert gingen sie von der ersten Sekunde an zu Werke. Die Hausherren kamen wie die Feuerwehr aus der Kabine und hätten bereits nach 22 Sekunden in Führung gehen können. Frank Hördler hatte von der blauen Linie abgezogen, Fiore fälschte ab und lenkte die Scheibe so an die Latte. Und die erste Minute war noch nicht um. 48 Sekunden waren gespielt, als Maxime Fortunus die erste Strafzeit des Spiels wegen Beinstellens kassierte. Powerplay also für unsere Jungs, ein Sorgenkind im MagentaSport-Cup. So aber nicht heute. Man fand direkt die Formation und nach 121 Sekunden im Spiel fiel das 1:0. Über Ryan McKiernan und Matt White kam die Scheibe an den rechten Bullykreis zu Kris Foucault und der zog direkt ab. Sein Onetimer schlug hinter Bremerhavens neuem Goalie Brandon Maxwell ein – 1:0 (3.). Foucault machte also gleich im ersten Spiel das, wofür man ihn nach Berlin holte.
Bremerhaven hatte anfangs sichtlich Probleme mit dem aggressiven Forecheck der Eisbären und kam erst nach einem Fehler der Berliner zur ersten Chance durch Jan Urbas, der den Abschluss bei einem Zwei-auf-Eins-Konter suchte, doch scheiterte. Aber nun kamen die Gäste von der Küste immer besser ins Spiel und holten sich immer mehr Spielanteile. Das Spiel verlagerte sich nun mehr und mehr ins Berliner Drittel, doch die Defensive stand kompakt und die Kommunikation funktionierte reibungslos.

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Mitte des ersten Drittel kassierten die Eisbären durch Sebastian Streu die erste Strafe wegen Haltens. Die Berliner also erstmals in Unterzahl und in Überzahl zeigte die Mannschaft von Trainer Thomas Popiesch, wie stark sie mit einem Mann mehr ist. Zwei Chancen blieben noch ungenutzt, aber die dritte saß dann. Niklas Andersen mit dem Zuspiel von links vors Tor, wo Carson McMillan per Tip-in zum 1:1 ausgleichen konnte – 1:1 (12.). John Ramage konnte ihn nicht entscheidend am Abschluss hindern.
Der Ausgleich gab Bremerhaven noch mehr Selbstvertrauen und die Gäste hatten das Spiel weiterhin im Griff, hatten auch Chancen, aber Matthias Niederberger ließ keinen weiteren Treffer mehr zu.
Nun wachten die Eisbären wieder auf und befreiten sich von der Umklammerung der Gäste von der Küste. Die Gastgeber tauchten jetzt auch wieder vor Brandon Maxwell auf, doch auch der Bremerhavener Goalie ließ nichts mehr zu. Zum Ende hin überstanden die Hauptstädter noch ein Unterzahlspiel und hatten durch John Ramage sogar eine Unterzahlchance, welche Brandon Maxwell im Nachfassen zu Nichte machte. So ging es leistungsgerecht mit 1:1 in die erste Drittelpause.

Ein Drittel ganz im Zeichen der Special Teams

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Zu Beginn des zweiten Drittels ging es zunächst hin und her, Bremerhaven setzte die ersten beiden Schüsse ab, welche aber keine Gefahr für Matthias Niederberger dar stellten. Die Gäste setzten auch auf der Strafbank die ersten Akzente, kassierte Bremerhaven doch gleich zwei Strafen nacheinander. Das erste Powerplay war kaum abgeklungen, da wanderte der nächste Fischtown-Spieler in die Kühlbox. Dabei war das erste Überzahlspiel das gefährlichere der Eisbären. Mark Zengerle scheiterte vor dem Tor an Brandon Maxwell und John Ramage scheiterte gleich mit drei Versuchen. Dagegen war das zweite Powerplay eher unsauber gespielt und so war es Leo Pföderl, welcher erst elf Sekunden vor Ablauf der Strafe gegen Bremerhaven den ersten und einzigen Schuss im zweiten Powerplay des Mitteldrittels absetzen konnte.
Aber auch Bremerhaven kam in den zweiten 20 Minuten zu einem Powerplay und das war richtig gefährlich. Jan Urbas und Carson McMillan mit dicken Möglichkeiten, aber auf der Gegenseite auch Kapitän Frank Hördler, welcher in Unterzahl für die Eisbären eine große Chance hatte. Alle Chancen blieben jedoch ungenutzt.

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Im Mitteldrittel waren es vor allem die Überzahlspiele, welche für Torgefahr sorgten. So auch beim nächsten Powerplay der Fischtowns, als deren Ex-Kollege Mark Zengerle auf die Strafbank wanderte. Dominik Uher scheiterte von rechts, Ziga Jeglic tankte sich vor das Tor und wollte Matthias Niederberger düpieren, scheiterte aber ebenso wie Maxime Fortunus mit seinem Versuch von der blauen Linie.
Das letzte Powerplay im zweiten Drittel gehörte dann den Hausherren und da klingelte es im Bremerhavener Tor. Eine Kombination der drei Neuzugänge Kris Foucault, Mark Zengerle und Matt White führte zur erneuten Berliner Führung. Mark Zengerle passte die Scheibe von hinter dem Tor hoch an den linken Bullykreis zu Matt White, welcher nicht lange fackelte und den Puck zum 2:1 im rechten Winkel versenkte (38.). Somit nahmen die Berliner eine knappe Führung mit in die Kabine.

Am Ende wurde nochmal gezittert

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Das Schlussdrittel begann mit 14 Sekunden Vier gegen Vier, danach hatte die Mannschaft von Trainer Thomas Popiesch noch gut eine Minute einen Mann mehr auf dem Eis, sollte daraus aber nichts machen.
Die erste dicke Chance im letzten Abschnitt hatten die Berliner. Ryan McKiernan mit dem Auge und dem Sahnepass von der blauen Linie vor das Tor, wo Kris Foucault lauerte, aber an Brandon Maxwell scheiterte.
Wenig später kassierte Frank Hördler die nächste Strafe der Partie und die Special Teams, welche heute viel Zeit bekamen, durften wieder ran. Dominik Uher und Miha Verlic hatten Möglichkeiten, konnten aber Matthias Niederberger nicht überwinden. Kaum wieder vollzählig, lief Hördler alleine auf Maxwell zu, aber der Aufschrei der Ticker-Tribüne schien ihn aus dem Tritt gebracht zu haben und ein Bremerhavener Spieler konnte in letzter Sekunde den Schläger dazwischen bekommen und spitzelte ihm die Scheibe von seiner Kelle.
Die Eisbären wollten in den letzten 20 Minuten für die Vorentscheidung sorgen, während Bremerhaven natürlich seine Chance auf den Ausgleich suchte. So entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch, aber es waren die Berliner, welche der Vorentscheidung ein Stück näher kamen. Matt White mit dem klasse Zuspiel aus der linken Bandenrundung auf Leo Pföderl, welcher viel Zeit und Platz hatte. Pföderl zog ab und vollendete eiskalt durch die Schoner von Maxwell – 3:1 (52.).

Foto: eisbaerlin.de/walker

Die Eisbären konzentrierten sich nun auf die Defensive, weil ihnen klar war, was in der Schlussphase passieren würde: Bremerhaven rannte noch einmal an, machte noch einmal Druck und hatte drei Minuten vor dem Ende des Spiels auch nochmal eine Überzahlchance. John Ramage leistete sich einen Stockschlag und bekam dafür zwei Minuten von den Hauptschiedsrichtern Marc Iwert und Bastian Steingross. Und Powerplay ist eine Parade-Disziplin der Pinguins. Vladimir Eminger, Ziga Jeglic und zweimal Miha Verlic scheiterten mit besten Chancen. So blieb das Powerplay ungenutzt. Der Druck war aber am Ende so groß, dass Bremerhaven doch noch zuschlagen sollte. Goalie Brandon Maxwell war inzwischen vom Eis, als Niklas Andersen direkt nach einem gewonnenen Bully in der Angriffszone abzog und Matthias Niederberger damit überraschte – 3:2, 33,3 Sekunden vor der Schlusssirene.
Bremerhaven schnupperte nun wieder am Ausgleich und Thomas Popiesch rief seine Jungs 23,2 Sekunden vor dem Ende noch einmal zu sich, um ihnen letzte Anweisungen mit auf den Weg zu geben. Doch die Eisbären verteidigten das sehr leidenschaftlich. Sie warfen sich in die Schüsse und blockten die Versuche der Fischtown-Spieler und brachten so das knappe 3:2 über die Zeit. Somit landen die ersten drei Punkte auf dem Konto der Berliner.

Ein unerwarteter Auftaktsieg

Punkte, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hatte. Zum einen, weil man in der Vorbereitung große Probleme hatte, während Bremerhaven eine der großen Überraschungen im MagentaSport-Cup war. Zum anderen, weil die Berliner mit einer arg dezimierten Truppe antreten mussten. Es sprach also vieles vor dem Spiel für Bremerhaven. Aber die Eisbären kämpften von der ersten Sekunde an leidenschaftlich und als Team, zeigten großen Kampfgeist und unbändigen Willen. Dass sie heute das Eis im ersten Saisonspiel als Sieger verlassen wollten, wurde bereits in der ersten Spielminute deutlich.
Und dann wären da auch noch die drei Neuzugänge, welche erst vor kurzem verpflichtet wurden. Matt White avancierte mit drei Scorerpunkten (ein Tor/zwei Assists) zum Matchwinner, Kris Foucault sammelte zwei Scorerpunkte (1/1) und erzielte das erste Saisontor der Berliner. Und auch der Dritte im Bunde, Giovanni Fiore, wusste zu überzeugen und zeigte, dass er genau wie White und Foucault der Unterschiedspieler sein kann.
Klar, alles funktionierte noch nicht reibungslos, was aber im ersten Saisonspiel völlig normal ist. Aber im Vergleich zum MagentaSport-Cup zeigte sich die Defensive deutlich verbessert, die Mannschaft spielte als solche zusammen und kämpfte als Einheit um den Sieg und die drei Punkte. Und das Sorgenkind Special Teams war am Ende der Schlüssel zum Sieg. Zwei Powerplaytore sicherten am Ende drei enorm wichtige Punkte zu Beginn einer ganz besonderen Saison.

Kuriositäten am Rande des Spiels: 

In dieser Saison ist alles anders als sonst. Es sind keine Zuschauer in den Arenen der Liga, was dazu führt, dass man auf dem Eis die Gespräche der Spieler deutlich verstehen kann, was sicherlich auch mal ganz interessant ist. Angesichts der Corona-Pandemie sind die Spieler angehalten, auf Faustkämpfe zu verzichten. Wer die Handschuhe fallen lässt, darf duschen gehen. Ryan McKiernan wollte sich heute im ersten Drittel Niklas Andersen vorknöpfen, nachdem dieser nach Abpfiff noch zum Schuss ansetzte. Einer der beiden Hauptschiedsrichter brüllte ihm nur ein „No“ zu und man sah, wie schnell McKiernan sein Vorhaben sein ließ. 

Und Stadionsprecher Uwe Schumann muss sich auch noch an die neue Atmosphäre gewöhnen. Da brachte er mal eben die Tore durcheinander und wollte nach dem Treffer zum 2:1 den Eisbären diesen nicht zu gestehen und wollte „Eisbären eins“ sagen. Und nach der ersten Drittelpause wollte er die Fans auf den Gängen und an den Gastronomieeinrichtungen daran erinnern, dass das Spiel in Kürze weitergeht. Im fiel dann aber relativ schnell auf: „Ach ne, die haben ja geschlossen. Liebe Pressevertreter, kommt wieder rein, es geht in Kürze weiter.“ 

Diese Zeiten sind für alle ungewöhnlich, solche Momente bringen einen dann aber zum schmunzeln. Aber dennoch war die Botschaft der Eisbären Berlin während des ersten Saisonspiels deutlich:

Foto: eisbaerlin.de/walker

Vorhang auf! Die Eisbären starten gegen Bremerhaven in eine ganz besondere Saison

Szene aus dem letzten Heimspiel gegen Bremerhaven. (Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker)

Es war der 08. März 2020, der letzte Hauptrundenspieltag der DEL-Saison 2019/2020. Die Eisbären Berlin empfingen am Frauentag die Fischtown Pinguins Bremerhaven und gewannen dieses Spiel mit 4:3. Die Fans in der ausverkauften Arena am Ostbahnhof verließen selbige voller Vorfreude auf die Playoffs, in welchen man im Viertelfinale auf die Düsseldorfer EG treffen sollte. Wie wir heute wissen, sollte diese Serie nie beginnen und das Spiel gegen Bremerhaven das letzte für eine ganz lange Zeit gewesen sein.

Morgen schreiben wir den 18. Dezember 2020 und die neue PENNY-DEL-Saison beginnt so, wie die alte aufhörte. Mit einem Heimspiel gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven. Doch auch wenn es der selbe Gegner ist, ist alles andere nicht mehr so wie an jenem 52. Hauptrundenspieltag der vergangenen Saison. Denn das drum herum wird schmerzlich fehlen. Die Arena wird im Vergleich zum 08. März gähnend leer sein, denn aufgrund der COVID-19 Pandemie wird die neue Saison komplett ohne Zuschauer beginnen. Und dieser Zustand wird uns wohl noch eine ganze Weile begleiten. Auf diese ungewohnten Umstände hat man sich bei den Hauptstädtern eingestellt, wie Sportdirektor Stéphane Richer heute bei der Saisoneröffnungspressekonferenz sagte (Quelle: Medieninformation der Eisbären Berlin vom 17.12.2020):

Wir müssen in dieser Saison vor allem eines sein: flexibel. Es wird in diesem Jahr nichts so sein, wie wir es bisher kennen. Das hat der Magenta Sport Cup schon gezeigt. Ich denke, dass wir mit kurzfristigen Spielverlegungen und auch Absagen rechnen müssen.

Eine ungewohnte Saison

Nicht nur wir Fans müssen uns auf eine ungewohnte Situation einstellen, müssen wir doch auf die Besuche der Heimspiele schweren Herzens verzichten, wenn gleich die Gesundheit aller dabei im Vordergrund steht und somit diese Tatsache unumgänglich war. Auch die Mannschaften und Spieler werden sich auf eine andere Atmosphäre einstellen müssen. Denn das Salz in der Suppe, die Fans und deren Support, werden schmerzlich fehlen und aus dem Eishockeysport, wie wir ihn lieben, ein komplett anderes Spiel machen. Was sicherlich auch Einfluss auf die Spielausgänge nehmen wird, denn der typische Heimvorteil existiert jetzt nicht mehr. Da tut man sich dann vielleicht als Auswärtsmannschaft sogar leichter, weil man die Hexenkessel in Straubing oder am Seilersee jetzt nicht gegen sich hat.

Das so ein Geisterspiel ein komplett anderes Stadionerlebnis ist, habe ich beim ersten Heimspiel im MagentaSport-Cup gegen Schwenningen (1:5) hautnah mit erlebt. Man nimmt das Spiel ganz anders war, man ist viel mehr drin im Geschehen, weil man aber auch wirklich nahezu alle Gespräche auf dem Eis mitbekommt. Was an sich zwar auch mal interessant zu hören ist, aber meins wird es nicht werden. Die Stimmung ist dann doch das, was das Eishockey zum Gesamtpaket werden lässt. Und genau auf diese Stimmung müssen wir nun leider verzichten.

Überraschungen sind nicht ausgeschlossen

Dass so eine besondere Saison in Pandemie-Zeiten komplett anders verlaufen kann, als gewohnt, zeigte bereits der MagentaSport-Cup, als mit Bremerhaven und Schwenningen zwei Teams auftrumpften, denen man dass in dem Stil so nicht unbedingt zugetraut hätte. Bremerhaven gewann die ersten sieben Spiele in Folge und zeigte auch bei der Final-Niederlage gegen München (5:7) eine sehr starke Leistung. Und bei Schwenningen haben die Eisbären selbst miterlebt, wie gut die Wild Wings auf einmal sind. Das Team wurde komplett umgekrempelt und mischte die Gruppe B mit Berlin, Mannheim und München gehörig auf. Den Eisbären zogen sie mit 5:1 und 7:2 das Fell über die Ohren. Einzig das Corona-Virus stoppte die Mannschaft von Chefcoach Niklas Sundblad und machte einen möglichen Halbfinaleinzug zu Nichte.
Aber das Vorbereitungsturnier zeigte, dass am Ende dieser so besonderen Saison auch ein anderes Team als die üblichen Verdächtigen aus Mannheim oder München den DEL-Pokal in die Höhe stemmen könnten. Denn dieses Jahr spielen so viele Faktoren eine Rolle, welche in einer „normalen“ Saison nicht wirklich zum tragen kommen. Insofern wird uns eine enorm spannende und hochinteressante Saison bevor stehen, wo aber eins ganz im Vordergrund stehen wird: Die Gesundheit alle Spieler und Verantwortlichen, dass alle gesund durch die Saison kommen werden.

Fünf Spieler fehlen zum Saisonstart

Gesund ist auch das Stichwort, um auf das Personal für den Saisonauftakt zu schauen. Denn Trainer Serge Aubin stehen nicht alle Spieler zur Verfügung. Jonas Müller wird noch gesperrt fehlen, Marcel Noebels fehlt verletzungsbedingt und Fabian Dietz, Nino Kinder und Stefan Espeland fehlen allesamt aufgrund von Trainingsrückstand. Die kürzlich verpflichteten Stürmer Kris Foucault, Giovanni Fiore und Matt White sind somit bereit für das Heimspiel gegen die Mannschaft von der Küste.

Trainer Aubin tut sich ebenso schwer, einen Favoriten zu benennen:

In diesem Jahr ist es extrem schwierig, einen klaren Favoriten zu benennen. Die letzten Wochen und Monate haben gezeigt, dass sich die Situation bei jedem Club von heute auf morgen ändern kann. Das haben wir ja am eigenen Leib erfahren. In dieser Saison ist wirklich alles möglich. Natürlich auch für uns.

Geheimfavorit Bremerhaven?

Was man aber dennoch sagen kann, Bremerhaven wird eine enorm schwere Aufgabe zum Saisonstart. Was die Mannschaft von Coach Thomas Popiesch im MagentaSport-Cup gezeigt hat, begeisterte alle Fans und Experten gleichermaßen. 17 von 18 möglichen Punkten sammelte man in der Gruppenphase und im Halbfinale fegte man Mannheim mit 6:2 vom Eis. Vorsicht sollte also geboten sein. Vor allem, wenn man auf die Top-Scorer schaut, wo gleich drei Fischtown-Spieler die Top-3 belegen. Jan Urbas mit 15 Scorerpunkten gefolgt von Ziga Jeglic mit zwölf und Anders Krosgaard mit 10. Vor allem die Paradereihe um Urbas, Jeglic und Miha Verlic sorgte immer wieder für Gefahr vor dem gegnerischen Tor. Verlic kam übrigens auf sieben Scorerpunkte und war einer von insgesamt sechs Bremerhavener Spielern in der Top-10 der Scorerwertung. Und auf der Goalie-Position verfügen sie über ein kongeniales Torhüter-Duo um den erfahrenen Tomas Pöpperle (in Berlin kein Unbekannter) und dem jungen Neuzugang Brandon Maxwell.
Aber insgesamt ist der Kader der Fischtown enorm stark und tief besetzt, von fast jeder Reihe geht Torgefahr aus und die Jungs legen einen unglaublichen Willen an den Tag, geben kein Spiel verloren und wenn sie es verlieren, dann ärgern sie sich am Ende maßlos.

Tipps über Bremerhaven und deren Spielweise konnte man sich bei den Eisbären aber bei zwei Neuzugängen holen, spielten doch Verteidiger Stefan Espeland und Stürmer Mark Zengerle letzte Saison noch im Pinguins-Trikot. Ab dieser Saison gehen beide jedoch für Berlin auf Tore- und Punktejagd.

Der Respekt vor Bremerhaven ist also groß, aber dennoch sind die Fischtowns gern gesehene Gäste in der Hauptstadt. Morgen Abend steigt das neunte Duell an der Spree, die bisherige Bilanz spricht mit 7:1-Siegen klar für die Eisbären, welche auch bei der einzigen Niederlage nach Verlängerung punkteten. 36:18 lautet die Tor-Bilanz in den Duellen zwischen Berlin und Bremerhaven in der Mercedes-Benz Arena. Morgen Abend peilen die Eisbären Sieg Nummer Acht an. 19:30 Uhr beginnt dieses Vorhaben, MagentaSport überträgt wie gewohnt live. Und auch ich werde Euch aus der Arena am Ostbahnhof auf dem Laufenden halten. Schaut also mal bei Facebook rein.

Foucault, Fiore, White: Drei Hoffnungsträger für die Sturmflaute – Kommt noch ein Angreifer?

In zwei Tagen beginnt für die Eisbären Berlin die neue PENNY DEL-Saison mit einem Heimspiel gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven. Während die Mannschaft von Trainer Thomas Popiesch eines der Überraschungsteams beim abgelaufenen MagentaSport-Cup war, waren die Hauptstädter das Team, welches am meisten enttäuschte. Letzter Platz in der Gruppe B mit nur fünf Toren in vier Turnierspielen. So war die wohl größte Baustelle vor dem Saisonstart deutlich sichtbar.

Die Fanszene rief laut nach Verstärkungen in der Offensive und sie wurde erhört. Die Verantwortlichen um Stéphane Richer und Peter John Lee gingen nochmal auf Shopping-Tour und verpflichteten gleich drei neue Stürmer. Zwei davon schnupperten bereits DEL-Luft und wussten dabei durchaus zu überzeugen.
Nacheinander verpflichteten die Eisbären Kris Foucault, Giovanni Fiore und Matt White. Diese drei sind sozusagen zu Hoffnungsträgern für die Offensivbemühungen der Hauptstädter geworden.

Zunächst wechselte der 30-jährige Kanadier Kris Foucault von den Krefeld Pinguinen zu den Eisbären Berlin. In der DEL spielte Foucault drei Jahre in Wolfsburg, ein Jahr in Ingolstadt und wechselte erst nach der letzten Saison nach Krefeld, wo er aber relativ schnell wieder die Koffer packte und nach Berlin wechselte.
Ganz risikolos ist die Verpflichtung von Foucault nicht, hatte er doch in den letzten Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Wenn er aber fit war und spielte, war er stets einer der besten Spieler seiner Mannschaft. So auch in der vergangenen Saison, als er alle 52 Hauptrundenspiele absolvierte und dabei starke 42 Scorerpunkte (16 Tore/26 Vorlagen) sammeln konnte.
Für Wolfsburg waren es insgesamt 59 Spiele mit 29 Toren und 21 Vorlagen. Diese Statistiken zeigen, wie gefährlich der Kanadier sein kann.
Vor seiner Zeit in der DEL war er vor allem in der AHL aktiv und wusste auch dort zu überzeugen. Insofern war es kein Wunder, dass Richer Foucault verpflichtete, als Krefeld ihn angeboten hatte. Sein Torriecher ist eben auch in Berlin bekannt.

Ein in Deutschland wohl nur Experten bekannter Stürmer ist Giovanni Fiore, welcher erstmals in Europa aktiv sein wird. Der 24-jährige Kanadier war vorher vor allem in der AHL auf Torejagd und wusste, wo das gegnerische Tor steht. Wenn gleich seine erfolgreichste Zeit bisher sicherlich die in der Juniorenliga war, als er den gegnerischen Teams reihenweise die Scheiben ins Netz hämmerte. Zuletzt war er für das AHL-Team Ontario Reign im Einsatz, dem Farmteam des Kooperationspartners Los Angeles Kings.
Auch in Fiore sieht Richer einen richtigen Goalgetter. Also genau jener, der den Berlinern im MagentaSport-Cup fehlte.

Und zu guter Letzt zauberten die Berliner auch noch Matt White aus dem Hut. Der 31-jährige US-Amerikaner ist den deutschen Fans vor allem aus seinen zwei Jahren in Augsburg bekannt. Dort verzückte er die AEV-Fans mit klasse Leistungen und schönen Toren. In seinem ersten Jahr bei den Panthern waren es in 52 Spielen 16 Tore und 26 Vorlagen. In seinem zweiten Jahr waren es in 50 Spielen sogar 22 Tore und 27 Vorlagen. In 14 Playoff-Spielen kamen nochmal vier Tore und fünf Vorlagen nochmal dazu.
Diese Leistungen machten die KHL auf White aufmerksam und diesem Lockruf konnte er nicht widerstehen. In seiner ersten Saison in Nizhnekamsk waren es 15 Tore und 19 Vorlagen in 60 Spielen, was ihn zum Top-Scorer seiner Mannschaft machten. Nach einem kurzen Gastspiel in Riga zog es White nun zurück in die DEL und zwar nach Berlin. In ihm sieht Richer einen top Offensivspieler, welcher zudem sehr gut in den Berliner Kader passen würde.

Mit Foucault, Fiore und White haben die Eisbären also drei Top-Stürmer verpflichtet, die wissen, wo das Tor steht. Jene Goalgetter, welcher man im MagentaSport-Cup schmerzlich vermisst hat. Mit den Dreien erhofft man sich nun wieder mehr Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor. Wie die drei Neuzugänge mit ihren neuen Kollegen harmonieren werden, wird man natürlich erst ab Freitagabend sehen.
So wichtig und gut diese Transfers auch sind, so bleibt dennoch ein Fragezeichen übrig. Denn mit James Sheppard, Louis-Marc Aubry und Maxim Lapierre hat man drei Center verloren- Keiner der drei neuen Angreifer ist aber gelernter Center. Da wird es interessant sein, wie es die Verantwortlichem lösen wollen, dass man drei starke Center verloren hat.

Doch Sorgen macht sich Sportdirektor Stéphane Richer nicht, der die drei Angreifer als enorm torgefährlich sieht und zudem wohl noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen möchte (Quelle: aktuelle Ausgabe der Eishockey News Nr. 51 vom 15.12.2020):

Lapierres Entscheidung, so plötzlich seine Karriere zu beenden, hat uns schon überrascht. Wir werden uns deshalb wahrscheinlich noch nach einem weiteren Stürmer umsehen. Wir müssen aber schauen, was im Moment noch möglich ist.

Also könnte in Sachen Nachverpflichtung bei den Eisbären noch etwas passieren. Was bis Freitag aber sicher nicht erfolgen wird und so wird das vorhandene Personal in das Auftaktspiel gegen Bremerhaven gehen. Und dort hat man gleich einmal einen enorm schweren Gegner vor der Brust. Schließlich gewann die Mannschaft von der Küste die ersten sieben Turnierspiele beim MagentaSport-Cup in Folge, ehe man erst im Finale von München gestoppt wurde. Aber auch dort wurde deutlich sichtbar, wie stark die Mannschaft von Thomas Popiesch in diesem Jahr sein wird.

Mehr zum Auftaktspiel der PENNY DEL-Saison lest Ihr dann morgen Abend bei uns hier im Blog.

Karriereende! Ex-Eisbären-Kapitän André Rankel hängt die Schlittschuhe an den Nagel

Das Jahr 2020 ist einfach ein grausames Jahr Es fing an mit dem Saisonabbruch der DEL-Saison 2019/2020 in Folge der Corona-Pandemie, weshalb das Playoff-Viertelfinale zwischen den Eisbären Berlin und der Düsseldorfer EG nicht stattfinden konnte. Es folgte das Ende einer Eisbären-Legende nach 17 Jahren beim Hauptstadtclub. Ex-Kapitän André Rankel bekam von den Berlinern nach der abgebrochenen Saison keinen neuen Vertrag mehr und war seitdem auf Vereinssuche. Damals grübelte die Fanszene der Eisbären darüber, wohin es André nun ziehen könnte. Doch wie wir seit Montag wissen, wird es die ewige Nummer 24 der Eisbären nirgendwo mehr hinziehen, außer in den Ruhestand. Denn André Rankel hat seine Karriere beendet. Besser gesagt, er musste sie beenden. Verletzungsbedingt. Rankel dazu (Quelle: Medieninformation der Eisbären Berlin vom 30.11.2020):

Es ist natürlich sehr schade, dass ich meine Karriere heute beenden muss. Ich hätte gerne noch 2-3 Jahre Eishockey gespielt, leider macht da meine Schulter nicht mehr mit. Eishockey war ein großer Teil meines Lebens bisher und hat mich sehr geprägt.

Dieser Schritt ist ihm sichtlich nicht leicht gefallen, aber seine Gesundheit geht eben vor und wie er in der neuesten Ausgabe des Eishockey-Podcasts „Bend your Knees“ von Ex-Eisbären-Pressesprecher Daniel Goldstein und dem ewigen „Hooligan“ Stefan Ustorf erzählte, war es auch der Rat der Ärzte, dass seine Schulter dem Eishockeysport nicht mehr standhalten würde.

So endet also die Eishockey-Karriere des André Rankel auf denkbar ungünstige Weise. Er konnte sich wegen des Saisonabbruchs nicht mal mehr von den Eisbären-Fans verabschieden. Aber das wird sicherlich in irgendeiner Form nachgeholt werden, wenn wir wieder in die Arena am Ostbahnhof dürfen und sein Trikot unter das Hallendach gezogen wird. Schon jetzt bekommt man Gänsehaut, wenn man an diesen Moment denkt. Irgendwann wird es so weit sein…

André Rankel verabschiedet sich von der Eishockey-Bühne (Eisbären/City-Press)

Dass André Rankel überhaupt so lange bei den Eisbären Berlin bleiben würde, damit hatte im Jahre 2003 sicherlich keiner gerechnet. Weder die damals Verantwortlichen der Eisbären als auch ich, der damals in sein achtes Jahr als Eisbären-Fan ging. Sozusagen habe ich die Zeit von André bei den Eisbären komplett miterlebt. Die ganzen 17 Jahre.
Insgesamt 865 Spiele hat Rankel für die Berliner absolviert, davon waren 148 Playoff-Spiele mit bei. In dieser Zeit gewann Rankel mit den Eisbären alles, was es zu gewinnen gab. Siebenmal feierte er die Deutsche Meisterschaft mit den Eisbären, einmal den Pokalsieg und einmal die European Trophy. 247-mal durften wir über Tore von André Rankel jubeln, weitere 268 Treffer bereitete Rankel vor. Er kommt somit also auf 515 Scorerpunkte. Das bringt ihn auf Platz Drei der internen Scorer-Wertung des Hauptstadtclubs hinter den beiden anderen Legenden Steve Walker und Sven Felski. Seine 247 Tore bringen ihn sogar auf Platz Eins der internen Torschützenliste.

Beeindruckende Zahlen also, welche André Rankel aufzuweisen hat. Aber wie bereits eingangs erwähnt, dass er so lange bei den Eisbären spielen würde, damit hatte keiner gerechnet. Denn André kam damals vom Lokalrivalen Berlin Capitals und damit hast du generell erst einmal einen schlechten Stand in Berlin-Hohenschönhausen. Du musst dir das Vertrauen der Fans erarbeiten, damit sie dich hier dulden. Eisbären-Legende Hartmut Nickel machte es Rankel auch nicht leicht, wie André kurz nach Bekanntgabe seines Abgangs von den Eisbären im Interview mit Daniel Goldstein erzählte:

Ich war das erste Jahr hier, ich war der Junge aus dem Westen. Ich hatte es nicht leicht bei ihm, ich hatte wirklich ein Jahr lang zu kämpfen. Und irgendwann kam der Punkt, wo er anscheinend was in mir gesehen hat, was jetzt zudem geführt hat, weshalb wir jetzt hier sitzen.

Wenn du Hartmut von dir überzeugen kannst, dann ist das wohl die halbe Miete, um bei den Eisbären Karriere zu machen. Dabei brachte Rankel ausgezeichnete Statistiken mit nach Berlin-Hohenschönhausen. Beim Lokalrivalen kam er in der DNL-Mannschaft auf 90 Spiele, in denen er 69 Tore erzielte und 64 weitere Treffer vorbereitete. Für die Profi-Mannschaft der Capitals kamen dann nochmal zwölf Hauptrundenspiele hinzu, in denen er viermal traf und sechs Treffer vorbereitete. In den Playoffs kamen erneut zwölf Spiele dazu, dabei traf er dreimal und gab vier Torvorlagen.
Mit André Rankel bekam man also einen jungen Stürmer, der wusste, wo das gegnerische Tor steht, der sich aber auch nicht zu schade war, den Mitspielern die Tore aufzulegen.

In Berlin wurde André Rankel Teil der goldenen 85er-Generation, welche am Ende maßgeblich an sieben Meisterschaften beteiligt war. Wenn gleich natürlich die erste Meisterschaft immer noch die ist, mit der die schönsten Erinnerungen verknüpft sind. Schließlich hatte man es so lange versucht, in Berlin endlich den DEL-Pokal in die Höhe stemmen zu dürfen. 2005 war es endlich so weit und Rankel war bereits Teil des DEL-Kaders der Berliner. In dieser Saison gelangen ihm fünf Tore und drei Vorlagen in der Hauptrunde sowie zwei weitere Assists in den Playoffs.
Doch so richtig durch startete Rankel erst in der Saison 2006/2007, als ihm zwölf Tore und 15 Vorlagen in 52 Hauptrundenspielen gelangen. Danach traf er nur noch in zwei Jahren nicht zweistellig. Dreimal traf er 20-mal oder sogar mehr.

Seine punktbesten Saisons spielte er 2009/2010 und 2012/2013. Bei der zuerst genannten Saison waren es 25 Tore und 22 Vorlagen, in jener Saison, als die Eisbären einen neuen Hauptrundenrekord aufstellten. Am Ende scheiterte man dann aber im Viertelfinale in fünf Spielen an den Augsburger Panthern. Eine Niederlage, an der Rankel sehr lange zu knabbern hatte, wie er im Podcast bei Goldi und Usti sagte:

Was ich damals gar nicht verstanden haben und wo ich echt lange gebraucht habe, war die Niederlage damals gegen Augsburg in den Playoffs. Die hat mich echt mitgenommen. Weil wir haben glaube ich den Punkte-Rekord in der DEL gemacht in diesem Jahr. Wir waren so gut als Mannschaft. Dass wir da einen Weg gefunden haben, diese Serie zu verlieren, das hat mich echt lang gewurmt. Obwohl Augsburg auch sehr, sehr gut Eishockey gespielt hat. Aber wir haben uns in der Serie eher selbst geschlagen als dass Augsburg uns geschlagen hat.

In der anderen Saison stand am Ende die siebte und bis heute letzte Deutsche Meisterschaft für die Eisbären Berlin. Es war nach zuvor zwei Saisons als Assistent-Kapitän die erste Saison mit dem „C“ als Kapitän auf der Brust und es sollte seine punktbeste Saison werden. In 48 Hauptrundenspielen traf er 20-mal und bereitete 34 Tore vor, was am Ende 54 Scorerpunkte machte. In den Playoffs waren es anschließend in 13 Spielen nochmal 14 Punkte (vier Tore/zehn Vorlagen).

Neben den sieben Meisterschaften, dem Pokal- und European-Trophy-Sieg stand für ihn aber auch noch eine persönliche Auszeichnung. In der Saison 2010/2011 wurde er mit 18 Scorerpunkten (9/9) in zwölf Spielen zum MVP der Playoffs gewählt. Also zum wertvollsten Spieler der Playoffs. Auch das kann ihm keiner mehr nehmen.

Acht Jahre lang trug André Rankel das „C“ auf der Brust und war in dieser Zeit Führungsspieler, Leistungsträger und für die jungen Spieler im Team immer Ansprechpartner. In dieser Zeit ist er nie als unfairer Spieler aufgefallen und doch wird ihm bei den Fans der Straubing Tigers immer eins nachhängen: Nachdem er in den Playoffs im Vorjahr noch zum MVP gewählt wurde, blieben die Playoffs 2012 für André Rankel in keiner guten Erinnerung. Denn nach einem harten Check in Straubing sperrte ihn die DEL für zehn Spiele, weshalb er für den Rest der Playoffs nicht mehr zur Verfügung stand und die sechste Meisterschaft von außen mit anschauen musste.

Mit André Rankel verlieren die Eisbären Berlin eine Identifikationsfigur, einen Spieler, der sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt hat und der großen Anteil an sieben Meisterschaften hatte. Aber auch einen insgesamt sehr sympathischen Menschen, mit dem man auch jede Menge Spaß haben konnte. Das hat man bei zahlreichen Interviews gesehen, aber wir vom eisbaerlin.de-Fanclub können das auch ganz genau erzählen. Denn es gab vor gut zehn Jahren mal Fanclub-Treffen mit Spielern der Eisbären Berlin. Der damalige Eisbären-Pressesprecher Daniel Goldstein wies uns Frank Hördler und André Rankel zu. Es sollte ein Treffen von maximal zwei Stunden werden, so Daniel, doch es wurden mehrere Stunden. Weil die Atmosphäre so locker war und man sich als ganz normale Menschen unterhalten konnte und nicht als Fan und Spieler.
So wurde an dem Tag mit den Jungs über Gott und die Welt geredet, natürlich auch über Eishockey und deren Karrieren. Es wurde sich aber beim Tischtennis auch sportlich betätigt und wir können Euch sagen, sie spielen auch Tischtennis ganz gut. Von „Nante“ (Spitzname von Frank Hörder) waren sogar die Kinder mit bei. Und als eine Vase zu Bruch ging, kam von „Nante“ nur die Frage, ob es seine Kinder waren. Als wir sagten, nein, meinte er ganz trocken: „Gut, dann ist es ja auch nicht schlimm!„
Humor hatten sie also beide.

Unser Fanclub-Mitglied Eisbaerlin Buschi hat uns auch noch ihre Erinnerung an den damaligen Tag mit Hördler und Rankel zugeschickt:

Mit großer Bestürzung habe ich zur Kenntnis genommen, dass ein ganz großer im Eishockey verletzungsbedingt aufhört, Andre Rankel.

Als Spieler und auch als Mensch habe ich Andre Rankel sehr geschätzt. 
Nur zu gern erinnere ich mich an unsere Fanclub Fete gemeinsam mit Andre Rankel und Frank Hördler. Es war ein fantastisches Erlebnis, welches ich nie vergessen werde. Wir haben gemeinsam Tischtennis gespielt, gegrillt und natürlich wurde sich über die aktuellen Themen in unserem schönen Sport ausgetauscht. Das Highlight war der Stuhlkreis um die Feuertonne.
Schade, dass der Verein uns diese Möglichkeit, sich mit Spielern in den Fanclubs zu treffen, in den darauffolgenden Jahren nicht mehr ermöglicht hat.

Im „Bend your Knees“ Podcast wurde André Rankel abschließend auch noch nach seinem All-Star-Team gefragt. Im Tor konnte er sich nicht zwischen Rob Zepp und Petri Vehanen entscheiden. Zwei Torhüter, welche große Fußstapfen in Berlin hinterlassen haben. Vor den Goalies verteidigen Frank Hördler und Jens Baxmann, beides Mitglieder der legendären und goldenen 85er-Generation der Eisbären Berlin.
Und im Sturm, ja, im Sturm da kommt man eben einfach nicht an der ebenso legendären „RUM-Reihe“ vorbei – André Rankel, Stefan Ustorf und T.J. Mulock, die damals alles kurz und klein schossen und die Eisbären zur Meisterschaft. Dagegen kamen auch die NHL-Stars wie Erik Cole, Claude Giroux oder Danny Briere nicht gegen an. Alles auch super geniale Spieler, aber für Rankel waren es eben seine Reihenpartner.

Eisbären-Geschäftsführer Peter-John Lee ließ es sich natürlich nicht nehmen, auch noch ein paar Worte über die ewige Nummer 24 zu sagen:

Mit André Rankel beendet eines der größten Aushängeschilder der Eisbären-Geschichte seine aktive Laufbahn. Ich möchte mich bei André dafür bedanken, dass er in den vergangenen 17 Jahren ein großer Teil der Eisbären war. Mit zu erleben, wie er als Person reifte und sich zu einem absoluten Top Eishockeyprofi entwickelte, war einfach großartig. Er war immer das perfekte Beispiel eines Vorbilds und Teamplayers. Nicht überraschend führte er uns acht Jahre als Kapitän an. André kam als 17-jähriges Talent zu uns, wurde dank seiner harten Arbeit ein absoluter Leistungsträger und hatte großen Anteil an allen sieben Meisterschaften der Eisbären. Bis heute ist André ein Paradebeispiel der guten Jugendarbeit hier in Berlin.

Mir bleibt nun nur noch eins übrig:

Ich wünschen Dir, lieber André, alles erdenklich gute für Deine neue berufliche Herausforderung, was auch immer Du jetzt machen wirst. Ich danke Dir für wunderschöne und ereignisreiche 17 Jahre in Berlin. Für mich persönlich warst Du immer ein Vorbild und ich habe Dich sehr gerne spielen sehen. Deine Entwicklung vom sehr jungen André zum gestanden Mann mit zu erleben, war einfach nur toll. Du hast das Spiel der Eisbären Berlin über Jahre geprägt und warst eines der Aushängeschilder des Vereins. Dir wurde ein Gesang zu Teil, welcher in den 90er-Jahren eigentlich nur Derek Mayer verdient hatte (… hol die Kelle raus), aber genau das sollte Dir zeigen, welchen Standpunkt Du in der Berliner Fanszene hattest und immer haben wirst. Wir Fans der Eisbären werden Dich nie vergessen und immer mit einem Lächeln im Gesicht an unsere Nummer 24 zurückdenken. Und ich persönlich denke immer wieder an jenen Abend zurück, als Franky und Du bei uns zu Besuch wart. Wie wir immer wieder von Dir, aber auch von Franky, hörten, war es auch für euch ein Abend mit prägender Erinnerung. Vielleicht trifft man sich ja in dieser Formation in Zukunft noch einmal.
Bis dahin alles Gute Dir und Deiner Familie! Bleibt vor allem gesund!

19.04. – Der Tag an dem die Eisbären zum ersten und fünften Mal deutscher Meister wurden

Heute vor 15 Jahren (19. April 2005) wurde Papst Benedikt XVI. gewählt und wir sprachen damals untereinander schon scherzhaft vom „Papst“ Pagé, sollte das dritte Spiel der Finalserie der Eisbären gegen die Adler Mannheim im Welli durch die Hausherren gewonnen werden.

Am späten Abend und fünf Tore (vier für die Eisbären und eins für Mannheim) später bebte der Wellblechpalast und der Freudentaumel begann:

(gefilmt aus dem F-Block des Wellblechpalastes)

Weitere Impressionen zu dieser Meisterschaft und den folgenden sechs findet Ihr z.B. auf Twitter unter dem offiziellen Hashtag der Eisbären: #meistajahre

Die unvergessene erste Meisterschaft führte dazu, dass wir unseren eisbaerlin.de-FanClub gründeten. Bald starteten wir unseren Blog, in dem unser FanClub-Chef Walker seit mehr als einem Jahrzehnt seine Heimspiel-Berichte als WalkersBärenNews und viele weitere Berichte schreibt.

Danke sehr, Cheffe für alles an dieser Stelle!

Einen Bericht schrieb Walker einen Tag nach dem Gewinn des fünften Meistertitels, welchen die Eisbären am 19.04.2011 in Wolfsburg holten:

5:4 – Constantin Braun schießt die Eisbären zum Titel!

Jaaaaaaaaaaaaaaaaaa! Dieses Wort war wohl gestern Abend das meist benutzte Wort der Eisbärenfans gewesen. Mit einem 5:4 haben die Berliner im dritten Finalspiel in Wolfsburg ihren fünften Titelgewinn perfekt gemacht. Einen Titel, der, wenn man die ganze Saison betrachtet, eher unerwartet war. Doch am Ende zeigten die Hauptstädter wieder ihre Klasse und sicherten sich doch noch den Pott gegen das beste Vorrundenteam der Saison.

Auch das dritte Finalspiel zwischen diesen beiden Teams war hart umkämpft gewesen. Die Wolfsburger, bei denen Ex-Eisbär Daniar Dshunussow im Tor stand, gaben noch einmal alles für ihren großen Traum. Es entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch auf hohem Niveau.
John Laliberte brachte Wolfsburg nach neun Minuten mit 1:0 in Führung. Die dritte Wolfsburger Führung im dritten Finalspiel – sie sollte wieder ein schlechtes Omen sein. Denn praktisch im Gegenzug glich Mads Christensen zum 1:1 aus (10.). Doch erneut John Laliberte ließ die Wolfsburger von einem vierten Spiel in Berlin träumen – 2:1 (19.).

Im Mitteldrittel spielten die Eisbären dann ihre Klasse aus und drehten die Partie. Zunächst gelang Tyson Mulock in der 23. Minute der 2:2-Ausgleich. Dann legte Florian Busch in der 32. Minute das 3:2 für Berlin nach. Die Eisbären waren also nur noch 20 Minuten vom fünften DEL-Titel entfernt.

Aber Wolfsburg gab sich auch im Schlussdrittel nicht auf und versuchte weiterhin sein Glück. Norm Milley gelang in der 41. Minute der 3:3-Ausgleich. Zwei Minuten später aber eine entscheidende Szene. Derrick Walser lief in Unterzahl (!) alleine Richtung Dshunussow und vollendete zum 4:3.
Wer nun dachte, es sei die Entscheidung gewesen, der hatte die Rechnung ohne die tapfer kämpfenden Wolfsburger gemacht. Denn diese kamen nur zwei Minuten nach dem erneuten Rückstand schon wieder zurück – Kai Hospelt mit dem 4:4 (45.).
Nun war es ein Spiel auf des Messer´s Schneide. Beide Teams wollten die Entscheidung. Und für diese sorgte in der 57. Minute Verteidiger Constantin „Tine“ Braun, der die Eisbären mit seinem Treffer zum 5:4 zum fünften Titel in den letzten sieben Jahren schoss.

Nach der Schlusssirene gab es kein Halten mehr auf dem Eis und auf den Rängen des gut gefüllten Gästeblocks. Auch in der O2 World beim Public Viewing war nach der Schlusssirene die Hölle los. Gegen 3:00 Uhr kam dann auch die Mannschaft noch in die O2 World, um mit weit mehr als 1000 Eisbärenfans die Deutsche Meisterschaft zu feiern.
Dass der Pokal dabei schon lädiert war, war allen egal. In Wolfsburg mussten die Berliner mal kurz den Pokal wieder befestigen, da dieser auf wackligen Füßen stand. Und im letzten Jahr hatte ich mich noch über Hannover aufgeregt, die mit dem Pokal nicht vorsichtig umgegangen waren und er auch kaputt war. Nun machten es die Eisbären den Scorpions also nach…

Das Original ist hier zu finden: http://eisbaerlin.blogspot.com/2011/04/54-constantin-braun-schiet-die-eisbaren.html

 

Die Eisbären Berlin in der Saison 2019/2020: Eine Spielzeit, in der es in den Playoffs hätte sehr weit gehen können

Walker's Meinung Banner

Spätestens heute Nachmittag hätten alle acht Teilnehmer für das diesjährige Playoff-Viertelfinale in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) fest gestanden. Dann hätten auch Vorrundensieger EHC Red Bull München und der Titelverteidiger Adler Mannheim endlich ihren Gegner in der Runde der letzten Acht gehabt. Wir hätten uns mit der Vorschau auf die am Dienstag beginnende Viertelfinalserie gegen die Düsseldorfer EG beschäftigt. Die geilste Zeit des Jahres wäre eingeleitet worden. Doch daraus wurde leider nichts. Seit Dienstagabend ist die DEL-Saison 2019/2020 vorzeitig beendet, die Playoffs finden nicht mehr statt und es wird erstmals in der DEL-Historie keinen Deutschen Meister nach einer Spielzeit geben. So schade das alles ist, so vollkommen richtig ist diese Entscheidung der Liga-Verantwortlichen. Denn Eishockey ist für uns Fans die schönste Nebensache der Welt. Aber aufgrund des Coronavirus gab es nur eine einzige und richtige Option: vorzeitiger Saisonabbruch. Die Gesundheit aller ist wesentlich wichtiger als irgend ein Eishockeyspiel. Wir alle können nur hoffen, aus dieser Geschichte so unbeschadet wie nur möglich herauszukommen, um bald wieder in unseren geregelten Alltag zurückzukehren. Und irgendwann auch wieder die schönste Nebensache der Welt, nämlich Eishockey, in den Arenen dieses Landes zu verfolgen.

Doch trotz all dieser schrecklichen Ereignisse in den letzten Tagen und Wochen wollen wir nicht auf ein Fazit der DEL-Saison 2019/2020 verzichten. Wir wollen noch einmal auf die Saison der Eisbären Berlin zurückblicken, in dem Fall ja leider nur die Hauptrunde. Aber auch diese verdient es, analysiert zu werden.

Die vergangene Saison 2018/2019 war keine gute für die Berliner. Man erlebte eine sehr unruhige Spielzeit mit viel mehr Tiefen als Höhen und einem zwischenzeitlichen Trainerwechsel von Clément Jodoin zu Stéphane Richer. Lange Zeit musste man gar um die Teilnahme an den Pre-Playoffs bangen. Wobei viele Fans sich es sogar gewünscht hätten, man würde diese mal verpassen, damit in der Geschäftsetage der Hauptstädter endlich mal ein Umdenken in Sachen Kaderplanung stattfinden würde.
Doch nach der Länderspielpause starteten die Berliner eine Aufholjagd und alle fragten sich, was mit dieser Mannschaft in der Pause passiert war. Am Ende sicherte man sich doch noch Platz Neun und traf in den darauffolgenden Pre-Playoffs auf die Straubing Tigers, welche man in zwei Spielen ausschaltete. Im Viertelfinale bekam man es dann mit dem amtierenden Deutschen Meister EHC Red Bull München zu tun, gegen den man aber nach sechs Spielen den Kürzeren zog, in diesen Duellen aber angedeutet hatte, zu was diese Mannschaft eigentlich zu Leisten im Stande gewesen wäre.

Dennoch handelten die Verantwortlichen der Eisbären Berlin in der Sommerpause und so verließen gleich satte 14 Spieler den Verein. Man wollte also mit einem runderneuerten Team in die neue Saison gehen und da dann wieder angreifen. Dafür musste man auch schmerzhafte Entscheidungen treffen. Wobei schmerzhaft meistens eher auf die Fans zutrifft, die den ein oder anderen Liebling ab sofort nicht mehr im Eisbären-Trikot sehen konnten.

Hatte keinen so guten Stand bei den Eisbären-Fans: Sebastian Dahm (Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker)

Auf der so wichtigen Torhüterposition wurde der Vertrag mit dem während der Hauptrunde verpflichteten Kevin Poulin nicht verlängert. Was aber nicht an seinen Leistungen lag, denn ohne ihn wäre man nicht mal in die Nähe der Pre-Playoff-Teilnahme gekommen. So lag es wohl viel mehr an seinem schwierigen Charakter, weshalb man ihn nicht länger in Berlin haben wollte.
Statt Poulin verpflichteten die Berliner den dänischen Nationalgoalie Sebastian Dahm (siehe Foto links), welcher vom Ligakonkurrenten Iserlohn Roosters an die Spree wechselte. Was vielen Fans jedoch nicht passte. Für sie war Dahm einfach keine etatmäßige Nummer Eins, was viele ihn auch immer wieder spüren ließen. Das verunsicherte Dahm anfangs natürlich auch, doch spätestens beim Duell gegen das NHL-Team Chicago Blackhawks zeigte er allen, was in ihm steckte und danach ging seine Formkurve steil nach oben. Dennoch war die Saison des Sebastian Dahms von vielen Höhen und Tiefen begleitet, zum Publikumsliebling schaffte er es demnach nicht bei allen Fans. Dennoch lässt sich seine Statistik sehen. In 34 Spielen kassierte er 86 Gegentore, hatte eine Fangquote von 90,52 Prozent und feierte während der Hauptrunde drei Shutouts.
Hinter Dahm standen eigentlich mit Marvin Cüpper und Maximilian Franzreb zwei junge Torhüter als Back-up parat, doch Cüpper verletzte sich erneut und Maximilian Franzreb traute man diese Rolle anscheinend nicht wirklich zu. Wie die Eisbären mit ihren Youngsters umgehen, ist hinlänglich bekannt und stößt allen Fans immer wieder sauer auf. Man hat schon einige Talente ziehen lassen, weil man deren Potential nicht erkannt hat.
So kam es, wie es kommen musste. Man zauberte Justin Pogge aus dem Hut, welcher aus Schweden von Södertälje SK in die Hauptstadt wechselte. Pogge sollte 17-mal zwischen den Pfosten stehen, kassierte dabei 38 Gegentore und wies eine Fangquote von 91,85 Prozent auf. Ihm gelang ein Shutout. Bei Pogge wechselte sich aber auch Licht und Schatten ab, auch er war nicht bei allen Fans der Eisbären beliebt, aber anscheinend mehr als Dahm. Seine manchmal riskante Spielweise sorgte für so manches graues Haar bei den Fans. Aber wenn diese Aktionen erfolgreich waren, so wie zuletzt beim abschließenden Hauptrundenspiel gegen Bremerhaven, als er das Tor von Mark Olver mit einem Sahne-Pass einleitete, dann musste man ihn dafür einfach loben.
Ob wir beide Goalies ab September jedoch wieder sehen werden, ist derzeit noch unklar. Beide haben aktuell keinen Vertrag für die neue Saison und dann wäre da ja noch das Gerücht mit Mathias Niederberger, welcher demnach in der nächsten Saison wieder im Berliner Tor stehen würde. Mit ihm würde den Berlinern ein Coup auf der Torhüterposition gelingen und sie wären schlagartig deutlich besser aufgestellt als mit Dahm und Pogge.

In der Defensive gab es gleich fünf Abgänge und noch heute schmerzt allen sehr wahrscheinlich der

War eine Top-Verstärkung in der Defensive und der punktbeste Verteidiger der Eisbären: Ryan McKiernan (Foto: Jasmin und Ela on Tour)

Abgang von Publikumsliebling Micki DuPont am meisten. Dazu verließen auch Youngster Maximilian Adam (zum Unmut vieler Fans), Jens Baxmann, Danny Richmond und Mark Cundari den Verein.
Dem gegenüber standen jedoch nur zwei Neuzugänge, wenn gleich diese keine schlechten waren. Ryan McKiernan (siehe Foto rechts) kam von der Düsseldorfer EG und John Ramage aus der AHL von den Binghamton Devils in die Hauptstadt. Beide hatten ihre Aufgaben in der Verteidigung. Während McKiernan durchaus in der Offensive Akzente setzen sollte, war es bei Ramage eher der defensivere Part, den er übernehmen sollte. McKiernan schlug voll ein und war am Ende der Hauptrunde mit 35 Scorerpunkten der fünftbeste Eisbär in der internen Scorerwertung. Sechsmal traf er selbst, 29 weitere Tore bereitete McKiernan vor. Für Ramage standen am Ende 13 Scorerpunkte (1 Tor/12 Vorlagen) zu Buche. Er verrichtete in der Defensive gute Arbeit, kann aber in der neuen Saison durchaus noch zulegen.

War die erhoffte Verstärkung im Sturm und sorgte für viele Tore im Eisbären-Trikot: Leo Pföderl (Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker)

Auch in der Offensive verzeichneten die Berliner eine Vielzahl an Abgängen. Mit Jamie MacQueen verlor man den zweitbesten Scorer und mit 21 Toren besten Torjäger. Ihm wurde sein mangelndes Defensiv-Verhalten zum Nachteil. Ihm folgte Youngster Cedric Schiemenz in den Schwarzwald zu den Schwenninger Wild Wings, wo MacQueen ja bekanntlich die Saison nicht beenden sollte.
Die beiden Kumpels Brandon Ranford und Colin Smith konnten überhaupt nicht überzeugen und wurden somit gleich wieder weggeschickt. Die Verträge von Martin Buchwieser und Daniel Fischbuch wurden aufgelöst. Auch Thomas Oppenheimer und Charlie Jahnke hatten keine Zukunft mehr in Berlin. Das man vor allem bei Fischbuch einen Fehler gemacht hatte, zeigte er in Nürnberg, wo er die Saison mit 48 Scorerpunkten (19 Tore/29 Assists) als Top-Scorer beendete.
Aber natürlich hatten die Eisbären Verstärkungen parat und diese schlugen fast vollends ein. Allen voran natürlich der ehemalige Nürnberger Leo Pföderl (siehe Foto links), der nach Anfangsschwierigkeiten am Ende doch noch auf starke 37 Scorerpunkte (21/16) kam und damit in der internen Wertung auf Platz Drei landete. Maxim Lapierre mit 34 (11/23), der nachverpflichtete Landon Ferraro mit 21 (12/9) und PC Labrie mit 20 Scorerpunkten (11/9) spielten ebenso eine gute Saison und lieferten den Beweis dafür ab, dass sie eine gute Verstärkung für das Team waren.
Die größte Überraschung war aber mit Abstand Youngster Lukas Reichel, welcher in seine ersten Profisaison voll einschlug. Am Ende standen 24 Scorerpunkte (12/12) für den stark von der NHL umworbenen Youngster zu Buche. Man sollte nicht unbedingt davon ausgehen, dass wir ihn ab September wieder in Berlin auf dem Eis sehen werden. Sein Weg wird wohl aller Voraussicht nach in die NHL führen.
Auch zwei weitere Youngster machten auf sich aufmerksam. Sebastian Streu mit acht Scorerpunkten (6/2) und Fabian Dietz mit drei Scorerpunkten (1/2) spielten eine gute Saison. Ihnen gehört die Zukunft bei den Eisbären Berlin.

Seine Verpflichtung wurde vor der Saison massiv kritisiert, am Ende führte er die Eisbären aber zu Platz Vier und Heimrecht im Viertelfinale: Serge Aubin (Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker)

Aber auch auf der wichtigen Position hinter der Bank gab es eine Veränderung. Serge Aubin (siehe Foto rechts) übernahm den Hauptstadtclub, begleitet von viel Kritik. Am Ende der Hauptrunde sollte diese aber verpufft sein, führte er die Eisbären doch mit seinen beiden Co-Trainern Craig Streu und Gerry Fleming auf einen starken vierten Platz, welcher vor Saisonbeginn auch das ausgegebene Saisonziel war. Dieses erreichten die Eisbären relativ problemlos am Ende, holten mit 94 Punkten satte 20 Zähler mehr als in der Vorsaison und erreichten sicher das Viertelfinale, in welchem sie Heimrecht gehabt hätten.

Doch auch wenn sich das jetzt alles so positiv liest, so einfach war der Saisonbeginn überhaupt nicht. Der war, genauso wie die Vorbereitung, sehr holprig. Gleich die ersten vier Testspiele setzte man in den Sand und schon sahen sich die Kritiker bestätigt. Darunter waren auch ein peinliches 4:5 beim Kooperationspartner Weißwasser sowie ein 3:8-Debakel bei Aubins Ex-Club Vienna Capitals.
Doch die Mannschaft riss sich zusammen und konnte die restlichen vier Testspiele gewinnen, darunter war auch ein 5:4-Sieg beim einzigen Heim-Testspiel im altehrwürdigen Wellblechpalast gegen die Tschechen vom HC Dynamo Pardubice. Man ging also mit gemischten Gefühlen in die neue DEL-Saison.

Sebastian Dahm mit einer seiner zahlreichen Paraden gegen Chicago. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Und man startete mit einem 4:1-Heimsieg gegen die Grizzlys Wolfsburg in die neue Spielzeit, man begeisterte die Fans schon im ersten Spiel mit tollen Kombinationen und schönen Toren. Doch schon am 2. Spieltag landete man wieder auf dem harten Boden der Realität, kam in Bremerhaven mit 0:5 unter die Räder und zeigte dabei eine vollkommen indiskutable Leistung.
Und so sollte es zunächst auch weitergehen. Heimspiele konnte man siegreich gestalten, auf fremden Eis war lange Zeit nichts zu holen. Zwischendurch gab es aber dann doch mal eine Heimniederlage, wenn gleich diese nach einer ganz starken Leistung gegen das NHL-Team der Chicago Blackhawks passierte, welchen man nach starkem Kampf am Ende mit 1:3 unterlegen war (siehe Foto links).
Kurz darauf folgte der Tiefpunkt in der noch jungen DEL-Saison, denn am 02. Oktober 2019 verloren die Eisbären trotz einer guten Leistung mit 1:3 bei den Iserlohn Roosters am Seilersee und stürzten ans Tabellenende. Man hatte anfangs noch Probleme mit dem neuen System von Serge Aubin, musste zudem viele neue Spieler integrieren. Dass das dauern würde, war allen Beteiligten aber im Vorfeld klar gewesen. Doch die Eisbären behielten die Ruhe und blieben geduldig.
Im darauffolgenden Auswärtsspiel gelang mit einem 2:1 bei den Augsburger Panthern der erste Auswärtssieg der Saison. Es war der Auftakt zu einer vier Spiele andauernden Siegesserie der Berliner, welche mit einem derben 0:4 in Düsseldorf enden sollte. Doch auch darauf antworteten die Eisbären mit zwei deutlichen Siegen gegen Nürnberg (6:2) und in Ingolstadt (4:1), ehe München die Siegesserie in der Arena am Ostbahnhof mit einem 5:3-Sieg beendete.
Der Mannschaft mangelte es während der Hauptrunde immer wieder an der Konstanz. Zu selten schaffte man es, mal dauerhaft über 60 Minuten sein Spiel durchzuziehen. Was aber im Vergleich zur Vorsaison nicht so schlimm war, denn die Mannschaft blieb dennoch stets ruhig und geduldig, fand so sehr oft dennoch einen Weg, um die Spiele siegreich zu gestalten. Ein Zeichen der unglaublichen Moral und des unbändigen Willens innerhalb dieses Teams.
Und doch gab es auch kleinere Aussetzer wie das 3:7 in Mannheim, was für jeden Eisbären-Fan sehr schmerzhaft gewesen war. Es war eben nicht alles so gut in dieser Saison. Auch defensiv hatte man Spiele dabei, wo Trainer Serge Aubin gar nicht mehr hingucken wollte. Anfang Dezember kassierte man gegen Wolfsburg, Köln und in Schwenningen drei Niederlagen am Stück und fing sich satte 15 Gegentore ein. Doch auch in den Heimspielen gegen Köln und Wolfsburg wäre da wieder die Geschichte mit der Moral zu erzählen, denn trotzdem schafften es die Berliner, in beiden Spielen jeweils noch einen Punkt mitzunehmen. Weil sie eben nie aufgaben, immer bis zum Schluss kämpften und so manch wertvollen Punkt doch noch ergatterten.
Die einzige Enttäuschung zu Hause war eigentlich das 1:5 eine Woche vor Weihnachten gegen die

Die Eisbären Berlin hatten sehr oft allen Grund zum Jubeln vor der Fankurve. (Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker)

Krefeld Pinguine, als die Mannschaft nicht wiederzuerkennen war. Vor allem deswegen, weil drei Tage später die Adler Mannheim mit dem selben Ergebnis zurück in die Kurpfalz geschickt wurden. Aber auch dafür hatten die Eisbären eine Erklärung, denn man gehe natürlich mit einer anderen Anspannung in Spiele gegen die Top-Teams als in Spiele gegen die vermeintlichen kleinen Teams.
Und so ging die Hauptrunde munter weiter, Siege und Niederlagen wechselten sich immer wieder ab, so eine richtige Sieges- oder Niederlagenserie kam auch nicht zu Stande. Weil die Eisbären immer wieder punkteten und die Top-Drei oben im späteren Saisonverlauf zu schwächeln begann, bot sich den Berlinern Ende Januar die dicke Chance auf Platz Drei. Im direkten Duell gegen Straubing hätte man denen noch näher auf die Pelle rücken können, doch am Ende verlor man mit 1:2.
Aber nach dieser Niederlage starteten die Hauptstädter ihre längste Siegesserie der Hauptrunde, gewannen fünfmal in Folge und bewiesen während dieser einmal mehr ihre unglaubliche Moral. Immer wieder fanden sie einen Weg, Spiele zu gewinnen. Auch ein Verdienst des neuen Trainers Serge Aubin, der aus den Eisbären wieder ein Top-Team geformt hat. Und dieses hat er am Ende der Hauptrunde bekanntlich bis auf Platz Vier und dem Heimrecht im Viertelfinale geführt.
Die Geschichte weiterschreiben konnte er aber nicht mehr, denn der Coronavirus stoppte mit sofortiger Wirkung den Spielbetrieb in der DEL. Dabei wäre es sehr spannend gewesen, den weiteren Werdegang dieses Prozesses, wie ihn Chefcoach Serge Aubin immer wieder genannt hatte, zu verfolgen. Zwar hatte man mit der DEG einen dicken Brocken als Gegner vor der Brust, doch gelten in den Playoffs immer eigene Gesetze. Und dieser Truppe wäre in den Playoffs einiges zuzutrauen gewesen. Vielleicht sogar der Griff nach dem achten Stern. Leider werden wir nie erfahren, wie dieses Kapitel ausgegangen wäre.

Und dennoch kann man voller Stolz auf diese Hauptrunde zurückblicken. Serge Aubin hat die Freude am Eishockey zurück nach Berlin gebracht. Er hat die Eisbären Berlin wieder zurück in die Erfolgsspur geführt und das unter gar nicht so einfachen Bedingungen. Denn die Kritik am Richer-Kumpel war eingangs der Saison sehr groß gewesen, aber er hat es am Ende allen Kritikern gezeigt und die Eisbären auf Platz Vier geführt und zur direkten Viertelfinal- und CHL-Qualifikation. Und das in einer Saison des großen Umbruchs in Berlin.

Spielte mit 49 Scorerpunkten und 23 Toren die Saison seines Lebens: Marcel Noebels (Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker)

Doch mal abgesehen von der Torhüterposition haben die Verantwortlichen der Eisbären richtig gute Arbeit im Sommer 2019 geleistet. Sie haben wieder eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt, die in den Playoffs ein Wörtchen hätte mitreden können. Sie haben das Team gezielt verstärkt und somit dem Kader mehr Tiefe verliehen. Waren die Eisbären in der Vergangenheit meist von einer Reihe abhängig, so waren es in diesem Jahr gleich vier Reihen, die ein Spiel hätten entscheiden können. Dennoch gab es auch in dieser Saison die eine Top-Reihe, nämlich die von James Sheppard, Leo Pföderl und Marcel Noebels (siehe Foto links). Letzterer spielte mit 49 Scorerpunkten (23/26) die Saison seines Lebens. Und genau deswegen bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen der Eisbären nicht erneut einen Fehler machen, in dem sie den Vertrag von James Sheppard nicht verlängern. Mit dieser Top-Reihe ist in der nächsten Saison alles möglich. Wenn man natürlich auch dann wieder über diese Tiefe im Kader verfügen wird. So viel dürfte sich nach dieser Saison eigentlich nicht ändern. Man wird den Kader wohl wieder punktuell verstärken und schauen, wo man noch Handlungsbedarf hat.

Dabei steht an erster Stelle sicherlich die Torhüterposition, denn diese war die einzige, wo den Eisbären nicht der Glücksgriff gelungen ist. Weder Sebastian Dahm noch Justin Pogge konnten vollends überzeugen, was aber sicherlich auch am sehr großen Schatten der beiden ehemaligen Goalies Rob Zepp und Petri Vehanen liegt. Die Eisbären haben nach wie vor noch nicht den Nachfolger für die beiden Top-Goalies gefunden. Bisher, denn ab der kommenden Saison könnte ja Mathias Niederberger wieder zwischen den Pfosten des Eisbären-Käfigs stehen. Und dann hätte man endlich wieder einen absoluten Top-Goalie, wenn nicht sogar den besten in der DEL.

Ansonsten bleibt abzuwarten, wo die Verantwortlichen der Eisbären Handlungsbedarf sehen, sowohl in der Defensive als auch Offensive. Wie geht es mit Florian Busch und Sean Backman weiter, werden wir sie überhaupt noch einmal auf dem Eis sehen. Was wird aus André Rankel, Constantin Braun, Frank Hördler und Co?
Was für mich während der Saison immer wieder unverständlich war, war die Kritik an Florian Kettemer. Ja, „Ketti“ hatte in der vergangenen Saison mit zehn Toren und neun Vorlagen voll eingeschlagen, kam in dieser Saison aber nur noch auf ein Tor und 13 Vorlagen. Was aber auch nur daran lag, dass er im System von Serge Aubin eine vollkommen andere, defensivere Rolle eingenommen hatte und somit klar war, dass er nicht wieder so viele Tore schießen würde. Das haben viele leider vergessen, als sie der Meinung waren, Kettemer könne gehen. Ihn werden wir hoffentlich auch in der nächsten Saison noch in Berlin sehen.

Und dann wäre da natürlich noch Lukas Reichel. Was passiert im NHL-Draft? Wird er seine Chance in

War die Entdeckung der Saison: Youngster Lukas Reichel (Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker)

der NHL bekommen? Und diese nutzen? Zu wünschen wäre es ihm und das Potential für Übersee hat er allemal. Und bei den anderen Youngsters um Sebastian Streu und Fabian Dietz bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen diese Talente nicht schon wieder vergraulen werden.

Aus meiner Sicht besteht nicht so viel Handlungsbedarf im Kader, aber an kleinen Stellschrauben kann schon gedreht werden. Weg vom Kaderpersonal hin zu einem Thema, was die Eisbären auch schon die letzte Saison begleitete. Die mangelnde Disziplin und die zu vielen Strafzeiten hat man nach wie vor nicht in den Griff bekommen. Daran muss man dringend arbeiten, denn auf der Strafbank gewinnt man eben keine Spiele. Wenn gleich es eine gute Übung für das Penaltykilling war, denn dort stellte man in der abgelaufenen Saison das zweitbeste Unterzahlspiel. Dafür war man im Powerplay das drittschlechteste Team, auch da gab es also keine Veränderung im Vergleich zu den Vorjahren. Auch daran muss man im Sommer arbeiten.

Viele Tore konnte der viertbeste Angriff der Liga in dieser Saison bejubeln. (Foto eisbaerlin.de/Jasmin und Netti)

Ansonsten bleibt im Vergleich zur Vorsaison festzuhalten, dass man sich fast ausnahmslos verbessert hat. Man erzielte 23 Tore mehr und kassierte dafür 20 Gegentreffer weniger. Statt dem viertschlechtesten Angriff und der neuntbesten Defensive im Vorjahr stellte man nun den viertbesten Angriff und die fünfbeste Defensive der Liga. Nach 26 Siegen und 26 Niederlagen in der Vorsaison standen nun 32 Siege und nur 20 Niederlagen zu Buche, davon fünf erst in der Verlängerung oder im Penaltyschießen. Zu Hause gewann man 18-mal und somit viermal mehr als letzte Saison, auswärts standen 14 Siege und damit zwei mehr als im Vorjahr zu Buche. In der Vorsaison trafen sieben Spieler zweistellig, diese Saison waren es neun. Im Vorjahr waren Jamie MacQueen mit 21 Toren und Marcel Noebels mit 25 Vorlagen die besten Spieler in der jeweiligen Kategorie. Dieses Jahr war Marcel Noebels mit 23 Toren der Top-Torschütze der Eisbären und Ryan McKiernan mit 29 Vorlagen der beste Torvorbereiter. Marcel Noebels verbesserte seine Statistik aus dem Vorjahr um satte 15 Scorerpunkte (14 Tore/ein Assist mehr). In der letzten Saison kamen vier Spieler auf 30 und mehr Scorerpunkte, in dieser Saison waren es sieben Spieler, zwei davon kamen sogar auf 40 und mehr Scorerpunkte.

Auch daran sieht man also, dass die Eisbären Berlin in der abgelaufenen Saison einen großen Schritt nach vorne gemacht haben und sich im letzten Sommer sehr gut verstärkt haben. Daran muss man in der viel zu früh begonnenen Sommerpause nun anknüpfen und erneut eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen, die dann ab September wieder den Angriff auf den achten Stern startet. Viel ändern muss man ja eigentlich nicht, nur punktuell wird es Veränderungen geben. Von drei bis fünf Neuzugängen ist zu hören. Diesmal sollte es eigentlich auch nicht die Probleme zu Saisonbeginn geben, wie es in diesem Jahr der Fall war. Denn dann ist der Trainer und dessen System nicht mehr neu und auch die Spieler kennen sich fast alle schon wesentlich besser als in diesem Jahr.

Bis es aber so weit ist und wir wieder in die Arenen des Landes dürfen und unserem Lieblingssport

Hoffen wir, dass wir bald wieder in die Arena am Ostbahnhof gehen dürfen. (Foto: eisbaerlin.de/Jasmin und walker)

zuschauen können, müssen wir mindestens noch bis September warten. Dann soll die neue Saison in der DEL beginnen. Wenn wir bis dahin den Coronavirus in den Griff bekommen haben. Denn auch am Ende dieses Saisonfazits will ich nochmal darauf hinweisen, dass Eishockey die schönste Nebensache der Welt ist und wir uns sehr gerne immer wieder über Siege, Punkte und Meisterschaften unseres Teams freuen. Aber der größte Schatz, den wir alle haben, ist unsere Gesundheit und diese ist durch nichts zu ersetzen. In diesem Sinne hoffe ich, dass wir alle unbeschadet durch diese Zeit kommen und uns dann alle gesund und munter im September in der Arena am Ostbahnhof wiedersehen werden!

An dieser Stelle auch mal ein Riesengroßes Dankeschön an Jasmin für die vielen tollen Übersetzungen der englischen Interviews in der Mixed Zone und die Bearbeitung der Spielbilder. Und auch ein Riesengroßes Dankeschön an Steffi, die für Euch in dieser Saison auch den ein oder anderen Spielbericht verfasst hat. Auch Ihr habt großartige Arbeit geleistet, vielen lieben Dank dafür!

Bleibt mir noch Euch Danke zu sagen für Eure Treue während der abgelaufenen DEL-Saison. Ich hoffe, Ihr kommt alle gut durch diese schwere Zeit und dann würde ich mich riesig freuen, Euch ab September wieder als treue Leser begrüßen zu dürfen!

Nächster Halt Playoffs: Die Eisbären Berlin gewinnen am Frauentag zu Hause vor ausverkauftem Haus gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven

Wie zu erwarten, war die Mercedes Benz Arena am Ostbahnhof beim 4:3-Heimsieg im letzten Spiel der diesjährigen Hauptrunde gegen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven ausverkauft. Der heutige Kader war fast unverändert zum Spiel gegen Köln, lediglich Constantin Braun gab nach seiner Verletzungspause sein Comeback für den gesperrten Jonas Müller. Dieser wurde vor Beginn des Spiels trotzdem für einen Meilenstein während der laufenden Saison geehrt, ebenso wie Kai Wissmann, Frank Hördler, André Rankel, Florian Kettemer, Constantin Braun, Marcel Noebels und Leo Pföderl. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Neben „Tine“ Braun kehrte auch Justin Pogge in den Kader der Eisbären zurück, John Ramage und Maxime Lapierre wurden weiterhin vom Trainer geschont. Hinein ins erste Drittel, welches gleich zu Beginn ereignisreich werden sollte, denn Tomas Pöpperle wurde gleich zweimal von Florian Kettemer und Austin Ortega geprüft, fing jedoch souverän. In der sechsten Minute schlug es dann doch hinter ihm ein, Frank Hördler zog von der blauen Linie ab, sah Louis-Marc Aubry im Slot stehen, der hielt den Schläger einfach nur hin und brachte die Eisbären gekonnt in Führung – 1:0.
Doch schon 32 Sekunden später wendete sich das Blatt: Die Eisbären verloren den Puck im eigenen Drittel, Carson McMillan nutzte dies eiskalt aus und versenkte den Puck unhaltbar im Tor von Pogge. Das wollten die Eisbären so nicht stehen lassen. Nur 77 Sekunden später spielte Marc Olver einen guten Pass auf Ortega, welcher die Scheibe gekonnt im langen Eck unterbrachte – 2:1 (7.).
Und was machte heute die Disziplin der Eisbären? Bis zu neunten Minute war alles gut, doch dann musste Braun wegen Beinstellens in die Kühlbox. Das Unterzahlspiel der Eisbären überzeugte aber auch heute wieder. Was in Unterzahl gut lief, klappte bei gleicher Spieleranzahl dafür weniger. In der 13. Spielminute leistete sich Eric Mik im eigenen Drittel einen Fehlpass, Mark Zengerle war der Nutznießer aus dieser Situation und schloss eiskalt zum 2:2 ab.
Nach dem Ausgleich erspielten sich die Gäste ein leichtes Übergewicht, welches am Spielstand nach den ersten 20 Minuten nichts ändern sollte. Austin Ortega sorgte hingegen kurz vor Ende des ersten Drittels für einen Aufreger: Er checkte Corey Quirk unsanft in die Bande und bekam dafür, leider verdient, ein 2+10-Minuten-Strafe.

Die Gäste aus dem hohen Norden kamen übermotiviert aus der Kabine. Gleich zu Beginn musste sich

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Justin Feser wegen eines Stockschlags abkühlen. Die Eisbären konnten dieses Powerplay nicht nutzen, stattdessen ein Spiegelbild zum Freitagsspiel in Köln: Erneut sorgte der „Sünder“ für ein Tor des Gegners. Er verwertete einen guten Querpass von Ross Mauermann zum 2:3 (24).
Doch darauf sollten Eisbären eine Antwort haben. In der 29. Minute spielte Justin Pogge einen klasse Aufbaupass auf Mark Olver, der nach alter Bauerntrickmanier das Tor umrundete und mit der Rückhand die Scheibe im Tor unterbrachte- 3:3.
Bremerhaven wollte direkt wieder antworten, doch Pogge hielt die Schoner zusammen. Stattdessen sollten die Eisbären „laut“ werden: Ryan McKiernan passte toll auf Pföderl, der hinter Pöpperle einnetzte- 4:3 (30.).
Im Anschluss ging es hin und her, aber die Chancen auf beiden Seite blieben ungenutzt. Auch Bremerhaven hatte heute so seine Schwierigkeiten mit der Disziplin, denn Will Weber checkte Landon Ferraro unschön in die Bande und musste ebenfalls für 2+10 Spielminuten pausieren.
Mit einer Ein-Tore-Führung ging es für die Gastgeber in die zweite Drittelpause.

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Im letzten Drittel drängte Bremerhaven dann erneut auf den Ausgleich, doch die Defensive der Eisbären stand hinten sicher und wusste dies zu verhindern. Das Spiel sollte im „Stehen“ enden, denn die Fans der Eisbären trugen ihre Mannschaft zum Sieg und auch die Mitgereisten von der Küste unterstützen ihre Team lautstark.

Was nehmen die Eisbären aus diesem Spiel mit in die Playoffs? Defensiv kompakt stehen, von der Strafbank fernbleiben und der unbändige Wille zum Sieg könnten die Eisbären erfolgreich durch den Kampf um die Meisterschaft führen. Die erste Station auf diesem Weg ist schon übernächste Woche die Düsseldorfer EG, welche ein sehr unbequemer Gegner für die Berliner werden könnte, denn drei der vier Hauptrundenspiele konnten die Rheinländer für sich entscheiden. Doch mit Headcoach Serge Aubin ist den Hauptstädtern viel zuzutrauen…

Autor: Steffi

Der Krupp-Effekt: Auch die Eisbären Berlin können die Kölner Haie nicht stoppen

In Köln werden sich die Verantwortlichen wohl gerade mächtig in den Hintern beißen. Sie werden sich immer wieder diese eine Frage stellen: Warum haben wir Uwe Krupp nicht schon früher verpflichtet? Der ehemalige Kölner und Berliner Chefcoach hat die Kölner Haie wieder zurück in die Erfolgsspur gebracht, die 17 Spiele andauernde Niederlagenserie beendet und seine ersten vier Spiele als neuer alter Trainer siegreich gestaltet. Einen Spieltag vor dem Ende der diesjährigen Hauptrunde haben die Domstädter nur noch vier Zähler Rückstand auf den Zehnten Augsburg, dort wo die Haie am Sonntag zu Gast sind. Es hätte DAS Endspiel um Platz Zehn sein können.

So haben die Haie ihr letztes Heimspiel der DEL-Saison 2019/2020 vor 16.137 Zuschauern in der Lanxess-Arena mit 5:3 (2:0,0:0,3:3) gegen die Eisbären Berlin gewonnen und einen versöhnlichen Abschied mit den eigenen Fans gefeiert. Die Hauptstädter hinterlassen dagegen weiterhin Fragezeichen so kurz vor dem Beginn der Playoffs.

Die Berliner, welche auf Justin Pogge, John Ramage und Maxim Lapierre freiwillig und auf PC Labrie (dritte Disziplinarstrafe) unfreiwillig verzichten mussten, fanden schwer ins Spiel, kamen erst im weiteren Spielverlauf besser ins Spiel und brachten sich im Schlussdrittel dann auch dreimal auf den Videowürfel. Aber in den gesamten 60 Minuten kassierte man erneut zu viele Strafzeiten, Jonas Müller sogar eine Spieldauer, welche allerdings gerechtfertigt war. Dabei hatte Chefcoach Serge Aubin nach dem Schwenningen-Spiel auf der Pressekonferenz noch gesagt, man müsse die Strafzeiten dringend reduzieren. Nur hat er das auch seiner Mannschaft gesagt? Dem Spiel zu Folge kann die Antwort nur nein lauten. Es muss die Frage gestellt werden, wie das erst werden soll, wenn es um richtig etwas geht? Sind wir mal ehrlich, das Spiel heute hatte für beide Mannschaften keine wirklich große Bedeutung. Ja, Köln wollte sich mit einem Sieg von den enttäuschten Fans verabschieden. Aber die Eisbären hatten eigentlich nur noch theoretische Chancen auf Platz Zwei oder Drei. Warum man dann also in so einer Partie derart viele Strafzeiten nimmt, muss man den Fans erst einmal erklären.

Den Beginn in dieses bedeutungslose Spiel verschlief man schon einmal. Köln kam frischer und aktiver aus der Kabine, bestimmte das Spiel in der Anfangsphase. Und schon nach drei Minuten ließ man die Haie-Fans ein erstes Mal an diesem Abend jubeln. Ex-Eisbär Alexander Oblinger machte die Scheibe hinter dem Tor fest, spielte sie vors Tor in den Slot, wo Zach Sill lauerte. Dieser hatte zu viel Platz, nahm den Pass direkt und nagelte den Puck unter die Latte – 0:1 (3.).
Die Hauptstädter hatten ihren ersten Abschluss nur eine Minute später, dieser hatte es aber in sich. Kai Wissmann hatte von der blauen Linie abgezogen, Louis-Marc Aubry fälschte den Schuss vor dem Tor noch ab und lenkte ihn so an die Latte. Glück für die Hausherren. Die bestimmten danach aber wieder das Geschehen auf dem Eis, störten die Berliner mit ihrem aggressiven Forechecking früh im Spielaufbau. Ihre Chancen konnten die Haie aber nicht nutzen.
Mitte des ersten Drittels wurden die Eisbären dann aktiver und etwas besser, aber Aubry scheiterte freistehend vor Hannibal Weitzmann am selbigen, James Sheppard schoss kurz danach knapp am Tor vorbei. Aber die Kölner hatten weiterhin die besseren Chancen. Freddy Tiffels verlud Sebastian Dahm im Eisbären-Tor, doch sein Schuss ging letztendlich nur an den Pfosten. Eine Minute später zielte Oblinger genauer. Die Domstädter kamen schnell ins Angriffsdrittel, Tiffels diesmal als Vorlagengeber mit dem Querpass auf Oblinger. Der nahm den Puck an und versenkte ihn eiskalt im Berliner Tor – 0:2 (14.).
Die Eisbären dann mal mit einer Überzahlgelegenheit gegen das schlechteste Unterzahlspiel der Liga, aber selbst dieses konnte man nicht überwinden. Doch eine Chance sollte sich den Eisbären noch bieten. Frank Hördler schickte kurz vor der Pause Lukas Reichel mit einem klasse Pass auf die Reise, Pascal Zerressen konnten den Youngster nur per Beinstellen stoppen. Die beiden Hauptschiedsrichter Lasse Kopitz und Gordon Schukies entschieden folgerichtig auf Penalty, zu dem Reichel selbst antrat, aber an Hannibal Weitzmann im Kölner Tor scheiterte. So lagen die Berliner nach dem ersten Drittel mit 0:2 in Köln hinten.
Kapitän André Rankel mit seiner Analyse zu den ersten 20 Minuten bei Magenta Sport:

Wir haben die ersten zehn Minuten nicht Eishockey gespielt. Wir waren nicht aggressiv genug, haben uns nicht unterstützt, sind nicht gelaufen. Wir wollten es ein bisschen zu einfach. Wir wollen uns gut auf die Playoffs vorbereiten, 40 Minuten heute und ein Spiel haben wir dafür noch Zeit. Du willst dich vorbereiten, willst im Rhythmus bleiben, die Kleinigkeiten richtig machen. Das haben wir in den ersten zehn Minuten nicht gemacht.

Ins Mitteldrittel fanden die Berliner dann besser als noch zu Beginn des Spiels. Sie waren präsenter und hatten Zug zum Tor. Doch danach nahm man wieder zu viele Strafzeiten. Genau das, was man eigentlich abstellen wollte, passierte heute schon wieder. In einem eigentlich bedeutungslosen Spiel.
Aber das Penaltykilling bewies einmal mehr, dass es sehr gut funktioniert. Und mit einem Mann weniger hatte man zum Beispiel auch Chancen, so traf Landon Ferraro bei einem Zwei-auf-Eins-Konter nur die Latte. Aber auch Köln hatte durchaus Chancen, die beste durch Colin Ugbekile, aber Sebastian Dahm war mit dem Schoner zur Stelle und parierte diesen Schuss sehr stark.
Gegen Ende des Mitteldrittels kassierte Eisbären-Verteidiger Jonas Müller vollkommen zu Recht eine Spieldauerdisziplinarstrafe nach einem Check gegen den Kopf des Kölner Verteidigers Kevin Gagné. Dieser Check könnte unter Umständen noch eine Sperre der DEL nach sich ziehen, was im Hinblick auf die Playoffs natürlich nicht so gut wäre. Aber das Penaltykilling der Eisbären funktionierte weiterhin, viel ließen sie nicht zu, auch nicht beim 72 Sekunden langen doppelten Unterzahlspiel.
Und vorne vergaben die Hauptstädter in diesem Drittel auch noch beste Möglichkeiten. Austin Ortega zum Beispiel, welcher völlig frei vor Weitzmann stand, sich die Ecke aussuchen konnte, aber drüber schoss. Und Marcel Noebels probierte es auf die kurze Ecke, aber Weitzmann parierte diesen Schuss irgendwie.
So stand es also auch nach 40 Minuten immer noch 2:0 für die Haie.

Zu Beginn des Schlussdrittels hatten die Domstädter noch 50 Sekunden Überzahl von der Spieldauer gegen Müller, aber sie konnten keinen Nutzen daraus ziehen. Und dann waren die Eisbären plötzlich wieder im Spiel. Innerhalb von 79 Sekunden glichen die Berliner aus. Zunächst war es Leo Pföderl gewesen, der auf 1:2 verkürzen konnte (44.). Er hatte den Angriff selbst eingeleitet, nach einem Schuss von Frank Hördler legte Top-Scorer Marcel Noebels die Scheibe hoch zur blauen Linie, wo Mark Olver lauerte und abzog. Weitzmann konnte nicht festhalten und plötzlich lag die Scheibe vor der Torlinie, für Pföderl keine große Aufgabe, sie über selbige zu schießen.
Für den Ausgleich sorgte dann Youngster Sebastian Streu, welcher einen Querpass von Landon Ferraro direkt nahm – 2:2 (45.).
Die Eisbären also mit dem schnellen Doppelpack, doch die Hausherren waren keinesfalls geschockt, schlugen bei Vier-gegen-Vier auf dem Eis zurück. Moritz Müller hatte abgezogen, Jon Matsumoto fälschte vor dem Tor ab und der Puck rutschte Dahm durch. Zunächst hatten die Schiedsrichter auf dem Eis auf „kein Tor“ entschieden, revidierten diese Entscheidung dann aber und blieben nach Ansicht des Videobeweises auch dabei – 2:3 (48.).
Und Köln hätte nachlegen können, war erneut mit zwei Mann mehr auf dem Eis, wenn auch nur für 15 Sekunden. Aber sie nutzten erneut ein Powerplay nicht. Und so mussten sie sechs Minuten vor dem Ende des Spiels den erneuten Ausgleich hinnehmen. Florian Kettemer mit einem Sahne-Pass an den langen Pfosten, wo Sebastian Streu lauerte und zum 3:3 einnetzen konnte (54.). Der erste Doppelpack von Streu in der DEL. Herzlichen Glückwunsch dazu!
Aber den Doppelpack mit einem Sieg vergolden konnte Streu leider nicht. Weil die Eisbären ein Überzahlspiel ungenutzt ließen und direkt nach Ablauf des Powerplay abermals in Rückstand gerieten. Pascal Zerressen kam von der Strafbank zurück, marschierte über rechts ins Angriffsdrittel und schlenzte die Scheibe ins lange Eck – 3:4 (58.). Sebastian Dahm stand da viel zu weit vor seinem Tor und versuchte dann auch nicht mehr den Schuss zu halten. Das Ding muss er sich ankreiden lassen.
Nun nahmen die Dinge ihren Lauf. Auszeit von Serge Aubin und Goalie Dahm zu Gunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Die Haie eroberten die Scheibe und Ex-Eisbär Marcel Müller versenkte sie 94 Sekunden vor dem Ende im verwaisten Berliner Tor – 3:5 (59.).

Eine Niederlage, welche die Problemzonen der Eisbären vor dem Playoff-Start noch einmal aufgedeckt hat. Sie nehmen zu viele Strafzeiten, sie spielen nicht über 60 Minuten konzentriertes Eishockey, mal nutzen sie ihre Chancen eiskalt, mal nicht. Solche Fehler werden in den Playoffs gnadenlos bestraft.
Was wiederum Hoffnung macht, ist diese unglaubliche Moral der Eisbären. Diese hat man im Schlussdrittel wieder gesehen, als man ein 0:2 und 1:3 jeweils egalisierte. Aber durch individuelle Fehler gab man das Spiel dann doch noch aus der Hand. Insofern sollte dieses Spiel Warnung und Hoffnung zugleich sein. Wenn man die Sachen, die noch nicht rund laufen, abstellt, dann kann es weit gehen in den Playoffs. Denn egal wie es steht, diese Mannschaft gibt nie auf und kämpft immer bis zum bitteren Ende. Nur leider stellt sie sich manchmal auch selbst ein Bein und macht sich somit das Leben unnötig schwer.
Jetzt hat man noch ein Spiel, um an diesen Dingen zu feilen und dabei sollte man dieses Spiel auch wesentlich ernster nehmen als das heutige. Denn die Fischtown Pinguins Bremerhaven könnten im Viertelfinale der Gegner der Hauptstädter sein. Neben den Jungs von der Küste kommt übrigens nur noch die Düsseldorfer EG als Gegner in Frage.

Sebastian Streu war nach seinem ersten Doppelpack in der DEL natürlich glücklich, aber noch mehr hätte er sich über einen Sieg in der Domstadt gefreut:

Es ist schon ein schönes Gefühl, der erste Doppelpack in der DEL. Aber wir haben leider den Sieg nicht dazu geholt. Aber wir haben den vierten Platz gesichert und die letzten 40 Minuten gut gespielt. Doch die ersten 20 Minuten haben wir verschlafen und uns somit selbst in den Fuß geschossen.

Ohne vier Leistungsträger in der Domstadt: Zu Gast bei den wiedererstarkten Kölner Haien

Morgen Abend reisen die Eisbären Berlin zum letzten Auswärtsspiel der diesjährigen Hauptrunde. Man ist dann ab 19:30 Uhr zu Gast bei den Kölner Haien, für welche es das letzte Heimspiel in dieser Saison sein wird. Wie allen bereits bekannt ist, hat der Traditionsklub die Playoffs verpasst. Weil man zu lange am Ex-Trainer Mike Stewart festgehalten hat. Denn was möglich gewesen wäre mit dieser Mannschaft, hat man in den letzten drei Spielen gesehen.

Seit der Rückkehr von Ex-Eisbären- und Ex-Köln-Coach Uwe Krupp haben die Domstädter kein Spiel mehr verloren. Drei Spiele, drei Siege und 12:3-Tore lautet die Bilanz seit Krupps Rückkehr. Der Coach hat damit die 17 Spiele andauernde Niederlagenserie beendet und Köln wieder zurück in die Erfolgsspur geführt. Zu spät, denn die Haie haben zum dritten Mal in ihrer Vereinsgeschichte die Playoffs verpasst. Somit geht es für Köln morgen Abend lediglich darum, sich anständig von ihren Fans zu verabschieden. Diese hat man in dieser Saison oft genug leiden lassen und will somit ein wenig Wiedergutmachung betreiben, wenn gleich diese eine Zeit lang dauern wird. Denn die Haie-Fans sind maßlos enttäuscht und das Vertrauen dieser zurückzugewinnen, wird einige Zeit in Anspruch nehmen. 

Und um was geht es für die Eisbären morgen Abend? Wenn wir ehrlich sind, eigentlich nicht mehr um viel. Platz Zwei ist fünf Punkte und Platz Drei vier Punkte entfernt. Es müsste schon alles für die Hauptstädter laufen, damit sie in der Tabelle noch ein oder gar zwei Plätze nach oben klettern. Dass man bei den Verantwortlichen der Eisbären selbst nicht mehr daran glaubt, zeigt auch ein Blick auf den morgigen Kader.

Den dort fehlen gleich vier Leistungsträger, wenn gleich PC Labrie aufgrund seiner am Dienstag erhaltenen dritten Disziplinarstrafe automatisch gesperrt ist. Neben Labrie werden aber auch Goalie Justin Pogge, Verteidiger John Ramage und Stürmer Maxim Lapierre nicht dabei sein. Warum ließen die Eisbären unbeantwortet. Will man die drei Spieler nur schonen oder haben sie sich am Dienstag etwas zugezogen? In dieser Jahreszeit spricht man ja nicht mehr über Verletzungen, damit der Gegner dann nicht genau auf die verletzte Stelle des Spielers gehen kann.

Ersetzt werden Pogge, Ramage und Lapierre von Goalie Marvin Cüpper, Verteidiger Eric Mik und Stürmer Thomas Reichel. Somit wird also morgen Abend sehr wahrscheinlich Sebastian Dahm mal wieder zum Einsatz kommen. Ob das dann auch am Sonntag beim Heimspiel gegen Bremerhaven der Fall sein wird, steht noch nicht fest. Das wird kurzfristig entschieden, teilten die Eisbären mit. 

Trotzdem will Trainer Serge Aubin die letzten beiden Spiele gewinnen (Quelle: Medieninformation der Eisbären Berlin vom 05.03.2020):

Wir haben noch zwei Spiele, um besser zu werden. Ich erwarte, dass wir rausgehen und alles geben, um das Spiel zu gewinnen.

Aubin spricht es an, noch sind kleine Baustellen zu beheben, bis man bestmöglich vorbereitet in die Playoffs starten kann. Zum einen sollte man weiter an der Chancenverwertung feilen, da hat man immer noch Verbesserungsbedarf. Zudem muss das Powerplay noch gefährlicher werden. Ja, man hat dort zuletzt einige Tore erzielt, aber in den Playoffs muss es noch gefährlicher werden und man ließ in dieser Zeit trotzdem viele Überzahlspiele kläglich ungenutzt. Was dagegen gut lief, war das Penaltykilling. Doch damit dieses erst gar nicht zum Einsatz kommen muss, sollte man dringend an der Disziplin arbeiten. Denn die Eisbären haben zuletzt eindeutig zu viele Strafzeiten genommen, verbrachten einfach zu viel Zeit auf der Strafbank. Das muss besser werden, denn auf der Strafbank gewinnst du keine Spiele und in den Playoffs wird jede noch so unnötige Strafzeit eiskalt bestraft. Und beim unnötigen Strafzeiten nehmen sind die Berliner ganz vorne mit dabei. 

Im Endeffekt muss man einfach spielen. Man sollte sich 60 Minuten, oder aber mehr, an den Spielplan halten, hinten so kompakt wie möglich stehen und vorne jede Scheibe aufs Tor bringen. Die sich bietenden Chancen sollte man dann natürlich so gut wie möglich ausnutzen. Und dann muss man von der Strafbank weg bleiben. Sein Spiel also so einfach wie möglich halten. Das Spiel gegen Köln wird dabei ein guter Härtetest, sind die Haie doch derzeit richtig gut drauf unter ihrem neuen alten Trainer Uwe Krupp und haben sie doch auch nichts mehr zu verlieren in dieser Saison. 

Die bisherigen drei Aufeinandertreffen in dieser Saison gingen alle in die Verlängerung. Die Eisbären gewannen zweimal (3:2 n.V. in Berlin und 4:3 n.V. in Köln), Köln einmal (5:4 n.V. in Berlin).

Der Eisbären-Kader für das Auswärtsspiel bei den Kölner Haien am 06.03.2020 um 19:30 Uhr:

Tor:

Sebastian Dahm, Marvin Cüpper

Abwehr:

Kai Wissmann, Frank Hördler, Eric Mik, Jonas Müller, Ryan McKiernan, Florian Kettemer

Angriff:

Austin Ortega, Thomas Reichel, André Rankel, Landon Ferraro, Louis-Marc Aubry, Lukas Reichel, Sebastian Streu, Fabian Dietz, James Sheppard, Mark Olver, Marcel Noebels, Leo Pföderl

Fürs DNL-Team im Einsatz:

Eric Steffen

Nicht zur Verfügung:

Justin Pogge, John Ramage, Pierre-Cédric Labrie, Maxim Lapierre, Constantin Braun (Knie), Vincent Hessler (Hand), Sean Backman, Florian Busch