Am Ende stehen doch wieder die Eisbären Berlin auf dem Thron der PENNY DEL und feiern ihre insgesamt zwölfte deutsche Meisterschaft. Doch an den zweiten Titel-Hattrick in der Vereinsgeschichte hatte nach diesem Saisonverlauf keiner gedacht. So groß waren die Personalsorgen im Team, zu wankend die Leistungen der Spieler auf dem Eis. Dazu eine Konkurrenz mit u.a. Köln, Mannheim und Straubing, welche in dieser Saison deutlich bessere Leistungen zeigten als die Berliner und sich somit berechtigte Hoffnungen machen durften, die Eisbären von ihrem Thron zu stoßen. Doch am Ende ist wieder alles beim Alten und die Eisbären Berlin feiern erneut die deutsche Meisterschaft. Wie es dazu kam, erfahrt ihr im nachfolgenden Saisonabschlussbericht.

Deutscher Meister 2026: Eisbären Berlin (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)
Die Saison hatte noch gar nicht mal begonnen, da gab es bereits den ersten Rückschlag zu verkraften. Kapitän Kai Wissmann hatte sich schwer verletzt und sollte monatelang ausfallen. Damit musste man sich bereits früh vom ersten Saisonziel, der Champions Hockey League, verabschieden. Denn vor Beginn der CHL-Saison hatte man in Berlin das Ziel ausgegeben, den Titel zu gewinnen. Doch nach dem 3:0-Auftaktsieg in Hamar (Norwegen) setzte es in den restlichen fünf Spielen fünf Niederlagen, weshalb man am Ende 22. von insgesamt 24 Mannschaften wurde.
Trotz der Verletzungssorgen gelang der Saisonstart in der PENNY DEL mit einem 6:2-Heimsieg gegen Aufsteiger Dresden und einem 7:3-Auswärtssieg beim Vizemeister in Köln. Aber dann machte es sich bemerkbar, dass Trainer Serge Aubin teilweise nur drei Reihen zur Verfügung standen. Es setzte vier Niederlagen in Folge – darunter ein 1:7 im Skandalspiel in Mannheim und ein 1:5 in Bremerhaven.
Was man der Mannschaft aber nie absprechen konnte, war der Wille Spiele zu gewinnen. Das führte am Ende dazu, dass man im Oktober sechs Spiele in Serie gewann und damit die längste Siegesserie der bisherigen Saison aufstellte. Alles schien also wieder seinen gewohnten Lauf zu nehmen.

Absolvierte nur vier Spiele für die Eisbären Berlin: Patrick Khodorenko (Foto von Marco Leipold / City-Press GmbH Bildagentur)
Doch die Verletztenmisere schlug ein ums andere Mal eiskalt zu. Wenn ein Spieler wieder zurückkehrte, verletzte sich ein anderer Spieler. Sportdirektor Stéphane Richer versuchte die Ausfälle zu kompensieren und verpflichtete Jean-Sébastien Dea und Patrick Khodorenko. Doch auch die beiden Neuzugänge blieben nicht vom Verletzungspech verschont und verletzten sich relativ schnell. Während Dea danach aber wenigstens weiterspielen konnte, war die Saison für Khodorenko (siehe Foto oben) nach nur vier Spielen, in denen er mit drei Scorerpunkten (ein Tor/zwei Assists) zu überzeugen wusste, bereits beendet.
Sportdirektor Richer sagte während der Saison, dass er solch ein Verletzungspech in seiner langen Eishockey-Karriere noch nie erlebt hat. Teilweise fielen bis zu acht Spieler aus. Nur ganze fünf Spieler konnten die gesamten 52 Hauptrundenspiele absolvieren.

Trainer Serge Aubin verwies immer wieder auf die Qualität im Kader und feierte am Ende seine fünfte Meisterschaft mit den Eisbären Berlin. (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)
Andere Vereine wären an diesen Personalproblemen vermutlich gescheitert und hätten sämtliche Saisonziele über Bord geworfen. Aber die Eisbären nutzten dieses Verletzungspech nie als Ausrede, wenn es mal nicht wie gewohnt lief. Vielmehr verwies Trainer Serge Aubin immer wieder darauf, dass man trotzdem genügend Qualität im Kader hat, um erfolgreich Eishockey zu spielen. Doch das klappte im weiteren Saisonverlauf eher selten, weshalb sich gute und schlechte Spiele ständig die Klinke in die Hand gaben. So mussten die Eisbären auch lange um die direkte Playoff-Qualifikation bangen. Denn immer wenn man dachte, jetzt haben sie den Turnaround geschafft, folgte im Spiel darauf eine unerklärliche Bruchlandung. Was aber auch damit zu tun hatte, dass einige Leistungsträger einfach nicht an ihre Form aus der Vorsaison anknüpfen konnten. Kurz vor Weihnachten präsentierten sich die Berliner dann auch noch als äußerst anfällig in der Defensive, als man bei vier Niederlagen in Serie 22 Gegentore kassierte. Jeweils acht davon kassierte man dabei bei den Auswärtsspielen in Ingolstadt und Mannheim.

Nach dem Ende der Hauptrunde feiern die Eisbären Berlin mit ihren Fans den erfolgreichen direkten Einzug in die Playoffs. (Foto von Marco Leipold / City-Press GmbH Bildagentur)
Kurz vor der Olympiapause gab es zwei sehr ernüchternde Auftritte in Frankfurt (1:4) und Augsburg (1:2), als man sich mit zwei Niederlagen in die Pause verabschiedete. Nach dieser wollte man noch einmal neu angreifen und gab Platz sechs und die direkte Viertelfinal-Qualifikation als Ziel aus. Die Chancen standen auch nicht schlecht, startete man doch direkt mit drei Heimspielen in Folge in den Hauptrundenendspurt. Doch die Eisbären konnten nur eins dieser drei Heimspiele gewinnen und verloren dabei auch das direkte Duell um Platz sechs gegen Bremerhaven mit 1:3. Platz sechs rückte in weite Ferne und im Umfeld der Eisbären freundete man sich bereits mit den Pre-Playoffs an. Da man dort selten großen Erfolg hatte, stellte man sich zudem auf ein schnelles Saisonende ein.
Doch auf einmal sah man eine komplett andere Mannschaft auf dem Eis. Auf einmal wurde füreinander gekämpft, man verteidigte leidenschaftlich vor dem eigenen Tor, spielte diszipliniert und nutzte die Chancen eiskalt. Das führte am Ende zur zweilängsten Siegesserie der Hauptrunde, denn die Eisbären gewannen die letzten fünf Ligaspiele mit einer Bilanz von 20:9-Toren. Die Berliner waren also rechtzeitig vor den Playoffs in Form gekommen, was die Konkurrenz in der PENNY DEL natürlich auch so wahrgenommen hatte.

Jonas Stettmer spielte herausragende Playoffs und wurde am Ende zurecht als Final-MVP ausgezeichnet. (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)
Doch dann folgte das erste Viertelfinalspiel am Pulverturm bei den Straubing Tigers, wo man nach gerade einmal 117 Sekunden mit 0:3 hinten lag. An diesem Abend glaubten wohl die wenigsten Fans an die erfolgreiche Titelverteidigung ihrer Eisbären. Mit 1:5 ging Spiel eins verloren und es lag nun am Trainerteam um Serge Aubin, die richtigen Schlüsse aus diesem Spiel zu ziehen. Gesagt, getan. Die Eisbären gewannen danach drei Spiele in Folge und überzeugten dabei vor allem auch defensiv, da man in diesen drei Spielen nur vier Gegentore kassierte. Nach einer Overtime-Niederlage am Pulverturm zogen die Eisbären durch einen 6:5-Heimsieg nach Verlängerung erneut ins Halbfinale ein.

Jonas Müller (rechts) war in der Halbfinalserie gegen Köln einer der Garanten für den erneuten Finaleinzug. (Foto von Mathias Renner / City-Press GmbH Bildagentur)
Dort traf man auf den Hauptrundensieger und großen Titel-Favoriten aus Köln. Auch vor dieser Playoff-Serie rechneten viele Fans wieder damit, dass jetzt aber diese Saison zu Ende gehen würde. Die Domstädter waren besser besetzt als die Eisbären und hatten in Janne Juvonen zudem den Spieler und Torhüter des Jahres im Team. Doch bereits im ersten Halbfinalspiel wurde deutlich, dass auch Juvonen nur mit Wasser kocht. Nach 40 Minuten und fünf Gegentoren war der Arbeitstag für ihn beendet. Jonas Stettmer gewann Spiel eins gegen Juvonen deutlich. Bemerkenswert war in diesem Spiel auch der Auftritt von Moritz Kretzschmar, der nicht nur sein erstes DEL-Tor erzielte, sondern daraus auch direkt den ersten Doppelpack in der PENNY DEL machte.
In Spiel zwei folgte dann aber der nächste Rückschlag in den Playoffs. Nach einer 1:0-Führung nach Drittel eins, fielen die Eisbären im zweiten Drittel komplett auseinander. Diesmal war es Jonas Stettmer, der ausgewechselt wurde. Köln gewann dieses Spiel am Ende deutlich mit 5:1.
In der Folge gewannen beide Teams weiterhin ihre Heimspiele, wobei gerade Spiel vier in Köln der nächste Rückschlag für Berlin bedeuten sollte. Die 3:4-Niederlage nach Verlängerung war schon bitter genug, aber viel schlimmer war die Verletzung von Jake Hildebrand beim Gegentor zum 2:3. Danach war für die Nummer 30 das Spiel und die Saison beendet. Somit musste Jonas Stettmer wieder zwischen die Pfosten kommen. Mit dem gebürtigen Straubinger im Tor gewannen die Berliner Spiel fünf zuhause mit 5:2 und zogen in Spiel sechs nach einem 4:1-Sieg erneut ins Finale ein.

Schrieb in der Finalserie Geschichte, als er als erster Verteidiger in einer DEL-Finalserie einen Hattrick erzielte: Eric Mik (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)
Dort wartete mit man Mannheim der Erzrivale auf die Eisbären. Erneut verglich man wieder beide Mannschaften und kam erneut zur Erkenntnis, dass auch die Kurpfälzer der vermeintliche Favorit in dieser Finalserie sind. Doch bereits Drittel eins zeigte dann ganz deutlich, wer hier mehr Qualität im Kader hat und diese auch zu nutzen weiß. Mannheim machte zwar das Spiel und hatte einige Abschlüsse, aber die Eisbären machten aus sechs Schüssen drei Tore. Am Ende stand ein deutlicher 7:3-Auswärtssieg und erstmals in dieser Saison kam den Fans in der Hauptstadt das Wort Meisterschaft in den Kopf. Erst recht, als man auch noch Spiel zwei und drei in einer derart beeindruckenden Manier jeweils mit 5:1 für sich entscheiden konnte. Gerade Spiel drei in der Quadrate-Stadt bleibt dabei im Kopf, als Eric Mik Eishockey-Geschichte schrieb. Mik ist der erste Verteidiger, dem ein Hattrick in einer DEL-Finalserie gelang. Und das als Verteidiger in Mannheim beim Erzrivalen. Mehr Demütigung geht nicht.
Als sich alle schon auf die Meisterparty in der Hauptstadt einstellten, spielten die Mannheimer den Paty-Crasher und gewannen Spiel vier in Berlin mit 4:3 n.V. Doch damit sorgten die Adler nur für die noch größere Demütigung, denn so musste sich die Fans der Mannheimer die Meisterparty des Erzrivalen aus Berlin direkt in der eigenen Arena anschauen. Durch einen 4:1-Auswärtssieg machten die Eisbären nämlich den Titel-Hattrick perfekt.

Verteidiger Les Lancaster überzeugte am Ende als Torjäger. (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)
Und das nach einer Saison, die mehr Tiefen als Höhen hatte. Wo die Eisbären ein Abo darauf hatten, dass sich Spieler immer wieder verletzen. Trainer Serge Aubin stand vor der Mammutaufgabe, geeignete Reihen zu finden, um erfolgreich zu sein. Doch auch er musste immer wieder umdenken, als wieder ein Spieler ausfiel. Doch was auch mit zum Erfolg zählt ist der Fakt, dass die Eisbären im Gegensatz zum Vorjahr nicht nur aus Ty Ronning unf Leo Pföderl bestanden, welche die Berliner im Jahr zuvor fast im Alleingang zur elften deutschen Meisterschaft geschossen hatten. Diesmal kann man mehrere Spieler aufzählen:
Jonas Stettmer, der nach schwachem Saisonstart im Saisonverlauf immer besser wurde und den auch die „Degradierung“ in Spiel zwei in Köln nicht aus der Bahn warf. Am Ende wuchs Stettmer über sich hinaus, führte die Eisbären zur Meisterschaft und schnappte sich auch noch die Auszeichnung als Final-MVP.
Les Lancaster, der in München überhaupt nicht berücksichtig wurde und auch zu Beginn in der Hauptstadt nicht so recht funktionieren wollte. Aber wenn die vielen Personalprobleme ein Gutes hatten, dann war es der Fakt, dass Aubin Lancaster in den Sturm stellte, wo er seine Stärken erst komplett ausspielen konnte. An der Seite von Manuel Wiederer und Eric Hördler entwickelte sich Lancaster zum Torjäger.
Jonas Müller, der in den Playoffs sein Torjäger-Gen gefunden hat und gerade in der Halbfinalserie gegen Köln der Garant für den Finaleinzug war. Am Ende kam Müller auf starke 13 Scorerpunkte (fünf Tore/acht Assists).
Eric Mik, der ebenso mit fünf Toren zu überzeugen wusste und dessen Hattrick in Mannheim für immer einen Platz in der Berliner Vereinsgeschichte haben wird.

Marcel Noebels stellte in den Playoffs nochmal seine Stärke unter Beweis. (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)
Und ein Marcel Noebels, der zu Beginn der Saison noch so ein wenig auf der Suche nach seinem Platz im Kader war. Die Nummer 92 fand sich in den hinteren Reihen, aber manchmal sogar auch auf der Tribüne wieder. In den Playoffs wuchs Noebels aber über sich hinaus und wurde mit 14 Scorerpunkten (fünf Tore/neun Assists) drittbester Scorer der Eisbären in den Playoffs.
Man könnte noch mehr Spieler aufzählen. Aber alleine die genannten Spieler zeigen, wie unberechenbar die Eisbären in den Playoffs waren. Am Ende ging von allen Spielern Gefahr aus, weshalb sich Straubing, Köln und Mannheim nie darauf einstellen konnten. In jedem Spiel drückte ein anderer Spieler dem Spiel seinen Stempel auf. Satte 21 Spieler (inklusive Jonas Stettmer!) scorten in den Playoffs, 18 davon erzielten mindestens ein Tor. Das führte am Ende dazu, dass die Eisbären Berlin in einer Saison voller Hürden trotzdem wieder auf dem Thron stehen. Was aber auch ein Verdienst von Trainer Serge Aubin ist, der seine Bilanz in den Playoffs auf 15 erfolgreiche Serien in Folge ausbaute. In der entscheidenden Phase packte er den richtigen Gameplan aus, welchen seinen Spieler am Ende perfekt umsetzten.
Somit ist diese Saison am Ende als ein wahres Meisterstück zu beschreiben. Denn trotz aller Widrigkeiten haben sich die Eisbären Berlin am Ende erneut die deutsche Meisterschaft gesichert. Nie war es einfacher, den DEL-Rekordmeister zu stürzen. Aber erneut hat es keiner geschafft. Und erneut war es Straubing, das kleine Straubing, welches am Ende der stärkste Konkurrent war. Die Niederbayern machten es den Berlinern wie bereits im Vorjahr am schwersten, scheiterten aber am Ende mal wieder an ihrem „Berlin-Trauma“ oder aber am „Jonas-Stettmer-Trauma“.
