Trotz 2:3-Niederlage n.V. in München: Das heutige Spiel der Eisbären macht Lust auf mehr und lässt auf eine spannende Serie hoffen

Heute kam es zur Neuauflage der Playoff-Finalserie vom letzten Jahr: der Serienmeister traf auf den Rekordmeister und es versprach spannend zu werden. Die Eisbären mit guten Siegvoraussetzungen: die Mannschaft ist motiviert, die Defensive steht kompakt und acht der letzten neun Spiele wurden gewonnen. Trainer Stéphane Richer sagte vor Spielbeginn, dass es schwer werden würde. München ist eine offensiv gefährliche Mannschaft, doch die Eisbären sind heute, im Vergleich zu den Spielen vor der Februarpause, eine andere Mannschaft mit Selbstbewusstsein und das wollten sie auch zeigen.

Im Kader der Eisbären gab es nur eine Veränderung im Vergleich zu den letzten Pre-Playoff-Spielen gegen Straubing: Mark Olver kehrte nach fünfmonatiger Verletzungspause zurück, Charlie Jahnke war damit überzählig. Das Tor hütete wie schon zuletzt Kevin Poulin.

Hinein in ein spannendes Spiel. Von Anfang an waren beide Mannschaften sowohl offensiv als auch defensiv präsent, doch auch beide Goalies bewiesen ihre Extraklasse. In der fünften Spielminute ergab sich für die Eisbären die erste Chance, in Überzahl zu agieren. Und da stellten sie in der Hauptrunde schließlich das zweitbeste Powerplay der Liga. Aber München zeigte ein starkes Penaltykilling und sie kamen sogar zu einer Konterchance durch Konrad Abeltshauser, aber Ex-München-Verteidiger Florian Kettemer bewies seine Stärke in der Defensive.
Nach diesem nicht genutzten Powerplay ergab sich für München die erste große Großchance durch Justin Shugg, der aus dem Slot perfekt auf John Mitchell passte. Doch Kevin Poulin parierte überragend und bewies einmal mehr, warum er in Berlin auch „Die Wand“ genannt wird.
Auch im ersten Überzahlspiel der Münchner in der achten Minute ließ Poulin nicht viel zu, hinzu kam, dass die Eisbären aggressiv verteidigten.
Im zweiten Powerplay fuhren die Eisbären eine klasse Angriff: Florian Kettemer spielte mit Colin Smith einen gekonnten Doppelpass, womit sie mal eben die Abwehr des dreimaligen Titelträgers alt aussehen ließen. Aber sie hatten die Rechnung ohne Danny Aus den Birken gemacht, der in dieser Szene den Beweis ablieferte, warum er Spieler und Torhüter des Jahres geworden ist.
Berlins Coach Stéphane Richer sagte zu Beginn des Spieles auch, dass Berlin von der Strafbank wegbleiben muss… In der 15. Spielminute musste Austin Ortega wegen übertriebener Härte unnötigerweise in die Kühlbox, was seinen Trainer mit Sicherheit nicht erfreut haben dürfte. München versuchte Druck aufzubauen, doch auch diesmal funktionierte das Penaltykilling der Eisbären hervorragend. So endete das erste Drittel 0:0.
Es war ein gutes Drittel. Die Eisbären störten früh den Spielaufbau von München, „lasen“ das Spiel ganz gut und zeigten so ein schnelles und temporeiches Eishockey. Offensiv wurde stark gearbeitet, die Defensive stand kompakt und zeigte eine freche Angriffslustigkeit.

Wir haben mit der Mannschaft ganz neuen Spaß auf dem Eis gefunden und auch außerhalb sind wir enger zusammengerückt und wir wollen den Fans tolles Eishockey zeigen„, das sagte Florian Kettemer in der ersten Drittelpause und das sollte im zweiten Drittel auch sichtbar werden.
Gleich zu Beginn hatte James Sheppard eher durch Zufall eine gute Torchance, die er aber nicht nutzen konnte. München hatte danach zwar ein Powerplay, doch es war Daniel Fischbuch, der Danny aus den Birken frech den Puck hinterm Tor stibitzte und somit zu einer Halbchance kam.
Die Berliner machten es München weiterhin schwer, denn auch das zweite Powerplay in diesem Drittel blieb ungenutzt. In der 30. Minute sollte es doch noch turbulent vor dem Tor von Poulin werden. Konrad Abelshauser traf nach einem 2-auf-1-Konter den Pfosten und Justin Shugg kurz danach das Außennetz. Danach ging es mehr oder weniger hin und her mit Chancen auf beiden Seiten. Doch fünf Minuten vor Ende diesen Drittels musste Colin Smith auf die Strafbank und ermöglichte München das dritte Powerplay in diesem Drittel. Aber auch dieses Überzahlspiel verpuffte erfolglos.
Auch die Eisbären versuchten nochmal einen Gegenangriff. In einer 4-auf-3 Situation passten André Rankel und Constantin Braun die Scheibe einmal zu viel und wurden so Danny aus den Birken nicht wirklich gefährlich.
Auch im zweiten Drittel sah man ein fast ebenbürtiges, hart umkämpftes Spiel. Beide Mannschaften hatten so ihre Stärken und Schwächen: die Eisbären nahmen zu viele Strafzeiten, fuhr aber die Checks ordentlich zu Ende, München hingegen zeigte Spielaufbauschwächen und Passungenauigkeiten, punktete aber mit ihrer Zweikampfhärte und ihrem Forechecking.

40 Minuten lang mussten die 4.130 Zuschauern im Münchner Olympia-Eiszentrum auf Tore warten, trotzdem sahen sie aber ein sehr gutes Playoff-Spiel, zu dem aber auch Tore gehören, welche im Schlussabschnitt endlich fallen sollten.
In der 45. Spielminute war es so weit. Louis-Marc Aubry passte die Scheibe an die blaue Linie zu Brendan Ranford, welcher abzog. Vor dem Tor war viel Verkehr und letztendlich war es wohl Sean Backman, dessen Arbeitsgerät den Puck unhaltbar für Aus den Birken abfälschte – 1:0 für Berlin.
Die Freude über den Führungstreffer währte jedoch nur ganze 63 Sekunden. München mit einem schnellen Angriff, Trevor Parkes setzte sich auf der rechten Seite klasse durch, zog vors Tor, kam zum Abschluss, Kevin Poulin parierte diesen Schuss jedoch. Den Nachschuss versenkte Frank Mauer mit einem präzisen Schuss im Berliner Gehäuse und ließ die heimischen Fans erstmals an diesem Abend jubeln – 1:1 (46.).
Die Eisbären waren davon jedoch keinesfalls geschockt und spielten weiterhin offensives Eishockey. Und dafür belohnten sie sich. Diesmal war es Verteidiger-Oldie Micki DuPont, welcher den Puck von der blauen Linie in Richtung Tor brachte, Ranford fing die Scheibe ab, umkurvte Aus den Birken und schob den Puck cool über die Torlinie – 2:1 (48.).
Dieser erneute Rückstand stachelte die Hausherren an, die den Ausgleich erzwingen wollten, aber die Eisbären-Defensive mit einem starken Spiel an diesem Abend, machten es den Hausherren nicht leicht. Und die Eisbären selbst lauerten nun natürlich vermehrt auf Konter, um eine vermeintliche Entscheidung zu erzielen. So lief Marcel Nobeels in der 52. Spielminute alleine auf Aus den Birken zu, doch der Goalie des Jahres war in diesem Duell der Sieger.
Sechs Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit München mit einem Konter über die beiden Verteidiger Yannic Seidenberg und Konrad Abeltshauser, welcher in einer Schrecksekunde für die Eisbären enden sollte. Denn Kevin Poulin blieb für einige Augenblicke am Boden liegen, man musste schlimmeres befürchten, aber er rappelte sich wieder auf und kehrte unter fairem Applaus der Münchner Zuschauer zurück an seinen Arbeitsplatz. In den Playoffs muss es einem eben schon enorm schlecht gehen, damit man das Spiel vorzeitig beendet.
Fünf Minuten vor dem Ende klingelte es dann aber doch hinter Poulin. München mit einer klasse Kombination über Trevor Parkes, Matt Stajan und Justin Shugg. Letzterer verwertete den „No-Look-Backhand-Pass“ von Stajan und brachte die Halle zum Beben.
München, nun angestachelt von dem abermaligen Ausgleich, wollte nun mehr und drängte auf das 3:2. Kevin Poulin wurde unter Dauerbeschuss genommen, hielt dem Druck aber Stand. Auch die Eisbären schauten nochmal bei Aus den Birken vorbei, ebenso erfolglos, weshalb es nach 60 Minuten in die Verlängerung ging.
Auch im letzten Drittel gab es Chancen auf beiden Seiten, aber die Defensive beider Teams lieferte nach wie vor einen guten Job ab. München bewies aber, dass sie ein Spitzenteam sind, denn kleine Fehler werden von den Red Bulls eben eiskalt ausgenutzt. Zwar gaben die Hausherren mehr Schüsse ab als die Eisbären, war doch aber die Ausbeute der klaren Chancen nahezu ausgeglichen, was das Spiel auf Augenhöhe erklärt.

Eisbären-Kapitän André Rankel sagte nach dem letzten Drittel: „Wir spielen ein gutes Auswärtsspiel und wir können dieses Spiel gewinnen.

Für die Eisbären sollte es die 37. Overtime in den Playoffs werden, 27 der bisherigen 36 Verlängerungen haben die Hauptstädter gewonnen, was eine überragende Quote und ein Beleg ihrer Nervenstärke in entscheidenden Momenten ist.
Man merkte beiden Teams an, dass sie hier keinen Fehler machen wollten, denn dieser würde das Spiel entscheiden. So ging es zwar hin und her, beide spielten aber schon abwartend. Zu Abschlüssen kamen beide Mannschaften, so ein richtiger Hochkaräter fehlte jedoch.
In der 68. Spielminute bot sich den Eisbären die Chance zur Entscheidung in Überzahl, aber München überstand diese Unterzahl schadlos und ließ kaum etwas zu.
34 Sekunden nach dem München wieder komplett war, nahm Frank Hördler eine Strafe wegen Hakens. Und dann ging es ganz schnell. München gewann das Bully, die Zuordnung in der Berliner Defensive war nicht vorhanden, Justin Shugg zog von der blauen Linie ab und sorgte für die Entscheidung in diesem nervenaufreibenden und aufregenden ersten Viertelfinalspiel – 2:3 nach 70:08 Minuten.

Die Eisbären zeigten ein klasse Auswärtsspiel, standen hinten sehr gut und unterstützten sich gegenseitig ebenso ihren Goalie Kevin Poulin. Auch wenn München deutlich mehr Schüsse abgab, jedoch waren viele dieser Abschlüsse nicht wirklich gefährlich. Und nach vorne versuchten die Eisbären auch immer wieder Nadelstiche zu setzen, versuchten für Gefahr zu sorgen und hatten ebenfalls gute Möglichkeiten. Zweimal konnte man im Schlussdrittel in Führung gehen, doch zweimal musste man den Ausgleich der Hausherren hinnehmen.
Eigentlich war es ein Spiel auf Augenhöhe, welches auch die Eisbären hätten gewinnen können. Der Knackpunkt? Die Disziplin. Während München nur drei Strafen kassierte, nahmen die Eisbären doppelt so viele. Während man die ersten fünf Unterzahlspiele mehr oder weniger schadlos überstand, musste man in der sechsten Unterzahl den alles entscheidenden Treffer hinnehmen. Und auch da sorgten individuelle Fehler für die Entscheidung, stimmte doch die Zuordnung für einen Moment nicht. Aber genau auf solche Fehler wartet der Meister und schlägt dann eiskalt zu.
Aber es war nur ein Spiel und am Freitag geht es wieder von vorne und bei Null los. Und dann werden die Eisbären noch gefährlicher als heute, denn dann steht ja noch der siebte Mann lautstark hinter ihnen und wird die Arena am Ostbahnhof in ein Hexenkessel verwandeln. München sollte sich auf einen heißen Tanz einstellen.

Playoff-Stand: EHC Red Bull München vs. Eisbären Berlin 1:0 (3:2 n.V.)