Sechs-Punkte-Wochenende: Eisbären gewinnen dank starker Teamleistung mit 5:4 gegen Nürnberg

 

Ausgabe #9:

Sechs-Punkte-Wochenende für die Eisbären Berlin. Zwei Tage nach dem mehr als glücklichen 3:2-Auswärtssieges bei den Fischtown Pinguins Bremerhaven setzten sich die Hauptstädter am Sonntagabend in der Arena am Ostbahnhof mit 5:4 (2:0,1:3,2:1) gegen die Thomas Sabo Ice Tigers durch. 11.816 Zuschauern sahen dabei eine sehr unterhaltsame und sehr intensive sowie hart umkämpfte Partie, in welcher sich die Berliner dank einer starken Teamleistung am Ende die drei Punkte sicherten. Trainer Clément Jodoin sprach nach dem Spiel auf der Pressekonferenz davon, dass die Mannschaft eine Reaktion gezeigt hat und die Teamleistung der Schlüssel zum Sieg war. Anders als noch am Freitag, als einzig Kevin Poulin den Sieg ermöglicht hatte, aber die Spieler den Trainer sehr enttäuscht hatten. Nun haben sie ihren Coach wieder versöhnt.

Haben die Eisbären in dieser Saison schon mal ein Spiel mit vollem Kader bestritten? Ich glaube nein, auch heute Abend fehlten wieder sieben Spieler. Der nächste Ausfall war heute Sean Backmann, Trainer Clément Jodoin ist zur Zeit einfach nicht zu beneiden, die Personalsorgen werden immer größer. Im Tor vertraute er wieder dem Matchwinner vom Bremerhaven-Spiel, Kevin Poulin. Dem einzigen Eisbären mit Normalform am Freitagabend.

Foto: eisbaerlin.de/walker

Das erste Drittel bot schnelles Eishockey, viele Zweikämpfe, hohe Intensität und vor allem sehr viele Torchancen. Beide Teams feuerten 19 Torschüsse ab, beide Goalies bekamen jede Menge zu tun und konnten sich mehrfach auszeichnen. Kevin Poulin dabei mehr als Andreas Jenike auf Nürnberger Seite, der die Scheibe zweimal aus seinem Tor fischen musste. Zum ersten Mal exakt nach vier Minuten. Florian Kettemer auf André Rankel, der spielte die Scheibe weiter an die kurze Ecke, wo James Sheppard lauerte und sein Arbeitsgerät hin hielt – 1:0.
Vier Minuten später jubelten die Eisbären-Fans schon wieder. Die Hausherren in Überzahl und da sind die Eisbären das beste Team der Liga. Unübersichtliche Situation vor dem Nürnberger Tor, Brendan Ranford behielt den Überblick und drückte den Puck über die Linie. Die beiden Hauptschiedsrichter Aleksi Rantala und Christoffer Hurtik überprüften den Treffer nochmal und gaben ihn anschließend.
Nürnberg gab hier aber nicht auf und spielte weiter nach vorne, erspielte sich auch gute Chancen, aber entweder stand Kevin Poulin im Weg und aber der Pfosten, so wie bei Daniel Weiß seinem Schuss. So lagen die Eisbären nach 20 Minuten mit 2:0 in Front.

Nach dem intensiven und Chancenreichen ersten Drittel begann das zweite Drittel eher verhalten,

Foto: eisbaerlin.de/walker

beide Mannschaften ließen es sehr ruhig angehen. Umso überraschender fiel dann aber der Anschlusstreffer der Franken. Dane Fox hielt einfach mal drauf und die Scheibe rauschte am verdutzten Kevin Poulin vorbei ins Tor – 2:1 (25.).
Zwei Minuten später die große Chance für die Eisbären, den alten Zwei-Tore-Abstand wieder herzustellen. Maximilian Adam stibitzte die Scheibe, spielte Doppelpass mit Charlie Jahnke, stand frei vor Jenike, doch der konnte in letzter Sekunde retten.
Direkt im Gegenzug die Eisbären mit einem Fehler im Spielaufbau, Eugen Alanov kam an die Scheibe, spielte sie weiter zu Chad Bassen, welcher Poulin keine Chance ließ – 2:2 (28.).
Aber die Eisbären blieben cool und schlugen zurück. Florian Busch setzte sich klasse durch, brachte die Scheibe in den Torraum wo Brendan Ranford nur noch abstauben musste – 3:2 (30.).
Das Spiel war nun offen, es wog hin und her und beide Teams hatten ihre Möglichkeiten. Und sie schienen in diesem Drittel fast aus jeder Möglichkeit ein Tor zu machen. So auch in der 35. Spielminute, als Nürnberg in Überzahl war. Tyler Aronson mit dem ersten Schuss, Kevin Poulin war zur Stelle, dann aber machtlos gegen den Nachschuss von Daniel Weiß. Der Ex-Eisbär brachte danach gleich mal die komplette Fankurve gegen sich auf, als er in Richtung dieser äußerst provokant jubelte. Nicht gerade die feine englische Art, Herr Weiß, der in seiner Zeit in Berlin nun auch nicht gerade der beste Spieler war.
Die Stimmung war also ohnehin schon angeheizt und es wurde nur eine Minute später noch schlimmer. Danny Richmond wurde vor der Fankurve von einem Nürnberger Schläger im Gesicht getroffen und sackte blutend zu Boden. Die Eisbären fuhren den Angriff zu Ende, an deren Ende Charlie Jahnke das vermeintliche 4:3 erzielt hatte. Aber es soll irgendwie nicht sein mit Jahnkes ersten DEL-Tor. Gegen Wolfsburg wurde ihm der Treffer nachträglich noch aberkannt und hier wurde das Tor ebenfalls nicht gegeben, da die Schiedsrichter die Partie vorher bereits unterbrochen hatten. Für uns Fans sehr unübersichtlich, aber André Rankel erklärte nach dem Spiel im Interview, dass es einen Pfiff gab und das Tor somit zu Recht nicht gegeben wurde. Warum der Nürnberger Spieler jedoch keine Strafe für seine Aktion bekam, bleibt das Geheimnis der beiden Hauptschiedsrichter, die das Spiel im zweiten Drittel nicht wirklich im Griff hatten. Man kann nur hoffen, dass es Danny Richmond wieder besser geht, das sah sehr übel aus und Richmond wurde wohl noch während des Spiels ins Krankenhaus gefahren, dieses Gerücht geisterte jedenfalls während des letzten Drittels durch die Fankurve.
Die letzten 90 Sekunden die Hausherren noch einmal mit zwei Mann mehr auf dem Eis und jeder Menge Druck und guten Chancen, die beste vergab Mark Cundari, als er den Puck an die Latte setzte. So blieb es beim 3:3 nach 40 sehr intensiven Minuten in Berlin.

Foto: eisbaerlin.de/walker

Das letzte Drittel begann Nürnberg in Unterzahl und auch danach handelten sie sich weitere Strafen ein. Nur konnten die Eisbären die Überzahlspiele nicht nutzen. Dafür klingelte es im Nürnberger Gehäuse bei angezeigter Strafzeit. Mark Cundari fuhr mit der Scheibe ins Angriffsdrittel, fand dann keine Anspielstation, also zog er selbst ab und endlich gelang ihm sein erster DEL-Treffer im Eisbären-Trikot – 4:3 (44.).
Nicht mal eine Minute später hatte Martin Buchwieser zweimal die Chance zum 5:3, doch zweimal stand ihm der Pfosten im Weg.
Der Pfosten stand auch Mark Cundari neun Minuten vor dem Ende der Partie im Weg. Die Nummer Vier der Eisbären machte heute sein bestes Spiel im Eisbären-Trikot, zeigte sich vor dem gegnerischen Tor von seiner gefährlichen Seite und belohnte sich schließlich mit seinem ersten DEL-Tor in dieser Saison.
Nürnberg nahm weiterhin Strafen und die Eisbären sagten „Danke“. James Sheppard sah André Rankel im Slot stehen und der Kapitän netzte zu seinem ersten Saisontor ein – 5:3 (55.).
Nürnberg gab aber nicht auf und schlug ebenfalls im Powerplay zurück. Patrick Reimer holte zum Schlagschuss aus und verkürzte dreieinhalb Minuten vor dem Ende auf 5:4 (57.).
Es sollte der Schlusspunkt unter dieser sehr ereignisreichen Partie sein, mehr gelang Nürnberg nicht mehr, die Eisbären brachten das knappe 5:4 über die Zeit und freuten sich über weitere drei Punkte an diesem Wochenende.

Und dieser Sieg war am Ende ein Beleg des unbedingten Willens der Eisbären, dieses Spiel für sich zu entscheiden. Sie lagen nach 20 Minuten mit 2:0 vorn, weil sie anders als Nürnberg ihre Chancen nutzten. Dann aber ließ die Konzentration für einen Moment nach und prompt stand es 2:2. Aber die Eisbären schüttelten sich kurz, schlugen zurück und blieben auch nach dem erneuten Ausgleich cool. Und im Schlussdrittel schwächte sich Nürnberg durch die vielen Strafen selbst, was am Ende den Unterschied ausmachte.
Aber insgesamt hat man heute eine Mannschaft auf dem Eis gesehen, wo Jeder für Jeden kämpfte, alle Spieler wollten ihren Teil zum Sieg beitragen und taten dies am Ende auch. Alleine aus diesem Grund muss man heute mal den bisher so enttäuschten Mark Cundari besonders hervorheben. Er machte wie bereits erwähnt sein bestes Spiel im Eisbären-Dress und konnte endlich sein erstes Saisontor bejubeln, was ihm eine Ehrenrunde vor der Fankurve bescherte. Auch dabei merkte man ihm die pure Erleichterung an. Hoffen wir mal, dass der Knoten bei ihm endlich geplatzt ist, denn dass er es drauf hat, hat er während seiner Zeit in Augsburg mehr als bewiesen.