Martin Buchwieser nach 0:5-Klatsche in Ingolstadt: „Das war ein riesengroßer Scheißdreck“

Das war mal rein gar nichts. Die Eisbären Berlin haben den Auftakt der vier Spiele andauernden Auswärtsserie beim ERC Ingolstadt mehr als verpatzt. Bei den Schanzern unterlagen die Berliner vor 4.023 Zuschauern in der Saturn-Arena deutlich und hochverdient mit 0:5 (0:1,0:2,0:2) und blieben somit erstmals in dieser Saison ohne eigenen Treffer. Was sicherlich mal passieren kann in so einer langen Hauptrunde, aber der Auftritt der Eisbären macht jedenfalls große Sorgen was die bevorstehenden Playoffs angeht.

Die Eisbären mussten heute nicht nur auf Florian Busch und Sven Ziegler verzichten, nein, auch Mark Olver fiel kurzfristig aufgrund eines fiebrigen Infekts aus. Was dazu führte, dass die vierte Reihe der Eisbären aus Martin Buchwieser als Center und den beiden „Außenstürmern“ Constantin Braun und Danny Richmond bestand. Beides ja gelernte Verteidiger. Richmond gab übrigens in Ingolstadt sein Comeback nach Verletzungspause. Im Tor stand wieder Petri Vehanen.

Die Eisbären kamen sehr gut ins Spiel, suchten sofort den Weg zum Tor und erspielten sich bereits in der ersten Spielminute gute Torchancen. Aber auch Ingolstadt suchte anschließend sofort den Weg in die Offensive und hatte ebenso gute Torchancen.
Hier gab es kein Abtasten, beide Mannschaften überbrückten schnell die neutrale Zone und suchten immer wieder den Weg vor das gegnerische Tor. So auch in Spielminute Fünf, als auf der einen Seite Daniel Fischbuch für die Eisbären per Direktabnahme aus dem Slot an Timo Pielmeier scheiterte und im Gegenzug die Schanzer das 1:0 erzielten. Ingolstadt mit dem Konter, Ex-Eisbär Darin Olver mit dem Rückhandpass auf Kael Mouillierat, welcher Petri Vehanen keine Chance ließ – 0:1 (5.).
Fortan weiterhin das selbe Bild. Chancen auf der einen Seite für Ingolstadt, Chancen auf der anderen Seite für Berlin. Aber beide Torhüter ließen in den restlichen Minuten nichts mehr zu. Und es waren einige gute Chancen dabei, welche ein Tor definitiv verdient gehabt hätten.
Da es 13 Sekunden vor der ersten Drittelpause noch je eine Strafzeit gegen Brett Olson und Jamie MacQueen gab, ging das Mitteldrittel beim Stand von 0:1 aus Berliner Sicht mit 4-gegen-4 los.

Und da hatte Matt Pelech in der 22. Spielminute die beste Chance. Er zog ab, Vehanen war entscheidend dran und die Scheibe hoppelte am rechten Pfosten vorbei.
Danach Ingolstadt mit dem ersten Powerplay der Partie. Aber viel Gefahr wird es da wohl nicht geben, sind die Schanzer doch das schlechteste Powerplay-Team der DEL mit nur 12 Toren aus 107 Überzahlspielen. Und es gab auch keinerlei Gefahr, denn die Panther fanden ja nicht einmal in ihre Powerplay-Formation.
Aber beim zweiten Powerplay zeigten die Ingolstädter, dass sie es auch besser können. Darin Olver wurde auf der rechten Seite angespielt, zog vom rechten Bullykreis aus ab und Kai Wissmann fälschte unhaltbar für Vehanen ab – 0:2 (29.). Ein Tor und eine Vorlage, der Ex-Eisbär war enorm heiß auf dieses Spiel, das merkte man ihm deutlich an.
Die Partie war nun sehr zerfahren und es gab auch jede Menge Strafen. So gerieten Fabio Wagner und James Sheppard sowie Matt Pelech und Danny Richmond aneinander.
Eishockey gespielt wurde aber auch noch und zwar vorrangig von den Hausherren. John Laliberte kam über rechts ins Angriffsdrittel, täuschte den Pass an und zog dann einfach ab, ohne überhaupt hinzuschauen, wo er hin schießen würde – 0:3 (34.).
Ingolstadt mit einem richtig guten Auftritt, die Eisbären hatten dem wenig entgegen zu setzen und leisteten sich zu viele Fehler. Kael Mouillierat hatte nach dem dritten Treffer noch drei weitere gute Chancen, doch Petri Vehanen verhinderte schlimmeres.
Drei Minuten vor der zweiten Drittelpause war dann die Partie für Eisbären-Verteidiger Jonas Müller vorzeitig beendet. Müller checkte an der gegnerischen blauen Linie jenen Mouillierat äußerst hart, so dass dieser benommen auf dem Eis liegen blieb und vom Eis gestützt werden musste. Gute Besserung an dieser Stelle.
Ex-Eisbär Darin Olver schnappte sich Müller, zu einem richtigen Faustkampf kam es aber nicht wirklich. Für Müller war die Partie wegen einer Spieldauer beendet, es ging jedoch mit 4-gegen-4 weiter, da Olver für diese Aktion eine 2+2-Minuten-Strafe bekam und Müller nur 2-Minuten.
Weitere Tore fielen im zweiten Drittel keine und so nahmen die Schanzer Panther eine verdiente 3:0-Führung mit in die Kabine und zudem noch 1:52 Minuten auf der Powerplay-Uhr.

Nutzen konnten die Hausherren das Powerplay aber nicht. Die Eisbären wechselten im letzten Drittel übrigens wie bereits vergangenen Freitag in München den Torhüter. Für Vehanen stand nun Marvin Cüpper im Tor. Damit war der mit Abstand beste Eisbär der Partie nicht mehr dabei.
Sechs Minuten waren im Schlussdrittel gespielt, da hatten die Eisbären die Chance, in Überzahl Ergebniskosmetik zu betreiben. Machten sie aber nicht, stattdessen waren die Schanzer zweimal brandgefährlich in Unterzahl. Brett Olson hämmerte die Scheibe gegen den Pfosten, Petr Taticek fand in Cüpper seinen Meister.
Die Partie plätscherte im letzten Drittel praktisch so vor sich hin. Ingolstadt tat nicht mehr als nötig und die Eisbären konnten nicht mehr zeigen. Ihnen fiel einfach nichts ein.
Zum Ende hin hatten die Panther dann aber irgendwie doch nochmal Lust auf Tore und legten Cüpper noch zwei Pucks ins Netz. Fünf Minuten waren noch auf der Uhr, da brachte David Elsner die Scheibe von hinter dem Tor vor das Tor in den Slot, wo Thomas Greilinger den Puck direkt nahm und Marvin Cüpper tunnelte – 0:4 (55.). Zuordnung in der Berliner Defensive? Fehlanzeige!
Und zwei Minuten vor dem Ende durfte Brett Olson noch einmal so lange nach stochern, bis die Scheibe „endlich“ im Berliner Tor lag – 0:5 (58.).
Dann war er endlich vorbei, der schlechteste Saison-Auftritt der Eisbären in dieser Saison.

Die Eisbären fanden eigentlich gut ins Spiel und hatten gleich drei gute Chancen, spielten an sich auch ein gutes erstes Drittel. Aber ab dem zweiten Drittel übernahmen die Schanzer Panther das Spiel, stellten die Eisbären mit ihrem aggressiven Forechecking vor große Probleme und nutzten zudem ihre Chancen eiskalt. Die Eisbären fanden anschließend kaum noch in der Offensive statt, leisteten sich zu viele Fehler im Spielaufbau und was auch noch auffiel, waren die vielen Fehler bei der Annahme der Scheiben. Da versprangen deutlich zu viele Scheiben bei der Annahme und das teilweise ohne jegliche Bedrängnis durch die Panther.
Man muss einfach sagen, dass es von vorne bis hinten kein gutes Spiel der Eisbären war. Ein Aufbäumen war aber auch nicht zu sehen. Viel mehr wirkten die Berliner ideenlos. Sie verrannten sich am Ende auch zu oft in Einzelaktionen statt als Team gemeinsam den Bock noch einmal umzustoßen oder wenigstens das letzte Drittel noch für sich zu entscheiden, um mit einem guten Gefühl das Spiel zu beenden.
Der Auftritt heute erinnerte doch stark an die Auftritte in den letzten Jahren, als es bei den Eisbären überhaupt nicht lief und man krampfhaft um die Pre-Playoff-Plätze kämpfte. Die Saison läuft bisher sicherlich sehr gut und Niederlagen gehören zum Liga-Alltag dazu, doch kommt es am Ende eben auch immer auf die Leistung an, die man in den Spielen gebracht hat. Und der Auftritt heute gibt Grund zur großen Sorge im Hinblick auf die Playoffs. Der einzige Eisbär in Normalform stand heute im Tor und wurde zu Beginn des letzten Drittels dann auch noch ausgewechselt: Petri Vehanen.
Hoffen wir mal, dass dieses Spiel den Eisbären Warnung genug war, dass man in jedem Spiel in dieser Liga alles geben muss, um am Ende zu gewinnen. Denn jede Mannschaft in dieser Liga kann Eishockey spielen und mit halber Kraft gewinnt man in dieser Liga keine Spiele.

Stürmer Martin Buchwieser fand nach der Klatsche deutliche Worte:

Ich glaube, der Kopf war noch in Berlin. Das war ein riesengroßer Scheißdreck heute, von Anfang bis Ende. Wir haben die Zweikämpfe nicht angenommen. Es war unser schlechtestes Spiel in dieser Saison. Eine Katastrophe.