
Die Eisbären Berlin haben eine dicke Chance liegen gelassen. Mit einem Sieg bei den Grizzlys Wolfsburg hätte man Platz sieben fast schon sichern können. Doch nach einer verdienten 2:5-Niederlage hat man statt elf Punkten nur noch fünf Zähler Vorsprung auf die Niedersachsen. So sollte man statt Platz sechs ins Ziel zu nehmen lieber erst einmal dafür sorgen, dass man Platz sieben sichert. Und in Berlin ist in dieser Saison nur eins konstant: die Inkonstanz.
Heute war es endlich so weit: Nach neunmonatiger Verletzungspause kehrte Kapitän und Leistungsträger Kai Wissmann zurück ins Line-up von Eisbären-Trainer Serge Aubin. Und natürlich verteidigte er zusammen mit seinem angestammten Partner Jonas Müller. Markus Niemeläinen bekam Eric Mik an die Seite und Korbinian Geibel spielte erneut zusammen mit Adam Smith. Mitch Reinke war heute überzählig, da Jake Hildebrand zurück ins Tor kehrte. In der Offensive ließ Aubin alles gleich, was es so oft in dieser Saison noch nicht gab. Aber wenn man zuletzt vier der letzten fünf Spiele gewinnt, kann man die Reihen eben auch mal zusammen lassen.
Die Berliner trafen heute auf ihren Lieblingsgegner, denn gegen Wolfsburg gewann man sechs der letzten sieben Spiele. Und mit einem Sieg in der Autostadt könnte man den Abstand auf elf Zähler vergrößern, womit man zumindest Platz sieben fast schon sicher hätte. Aber das eigentliche Ziel ist natürlich Platz sechs und die damit verbundene direkte Playoff-Qualifikation. Anders herum müsste man bei einer Niederlage den Blick auch wieder nach unten und Richtung Pre-Playoffs richten.

Es war eine sehr hart umkämpfte Partie zwischen Wolfsburg und Berlin. (Foto von Moritz Eden / City-Press GmbH Bildagentur)
Früh im Spiel gab es gleich das Duell der Gegensätze: Das zweitschlechteste Powerplay forderte das beste Unterzahlspiel der Liga. Oder anders gesagt: Die Eisbären hatten das erste Überzahlspiel der Partie und sofort war Kai Wissmann wieder mit auf dem Eis als Denker und Lenker. Und sofort merkte man dem Powerplay der Eisbären an, dass der Kapitän zurück war. Denn man setzte sich die kompletten zwei Minuten im Wolfsburger Drittel fest und machte gehörig Druck, aber Dustin Strahlmeier ließ sich nicht überwinden.
Direkt danach hatten die Berliner das nächste Powerplay, doch da gab es direkt die nächste Hiobsbotschaft. Blaine Byron musste mit starken Schmerzen vom Eis. Sowohl in dieser Szene als auch kurz zuvor eine Aktion gegen Yannick Veilleux hätten mit Strafen belegt werden können. Unverständlich, warum die beiden Hauptschiedsrichter das übersehen hatten. Wolfsburg spielte da etwas zu überhart. Auch wenn viel auf dem Spiel steht, waren beide Aktionen absolut unnötig.
Auch im Spiel gab es den Rückschlag, denn Wolfsburg ging völlig überraschend in Führung. Gemel Smith wird zwar gestört, kommt aber dennoch zum Abschluss und die Scheibe fliegt abgefälscht von Eric Mik glücklich ins Tor – 0:1 (11.).
Danach entwickelte sich eine hart umkämpfte Partie. Die Eisbären wollte eine Antwort auf den Rückstand geben, aber die Grizzlys standen jetzt sehr kompakt vor dem eigenen Tor.
Und vorne erwiesen sich die Niedersachsen als sehr effektiv, denn Tyler Gaudet erhöhte in der 17. Spielminute auf 2:0. Aber Ty Ronning gab nur acht Sekunden später die richtige Antwort und stellte auf 2:1.
Nur kurze Augenblicke später hätte Eric Hördler die Partie wieder von vorne beginnen lassen, aber sein Schuss ging leider nur an den Pfosten. So stand es nach 20 sehr ereignisreichen Minuten 1:2 aus Sicht der Eisbären.

Die Grizzlys hatten viel Grund zur Freude im Spiel gegen die Eisbären. (Foto von Moritz Eden / City-Press GmbH Bildagentur)
36 Sekunden waren im zweiten Drittel gespielt, da übernahm Kai Wissmann sofort die Verantwortung und glich zum 2:2 aus. Was für ein Comeback des Kapitäns!
Danach entwickelte sich ein munteres hin und her. Wolfsburg wollte eine Reaktion auf den Ausgleich zeigen, während die Eisbären das Spiel komplett drehen wollten. Die Autostädter waren es, welche ihre Reaktion zeigten. Julian Chrobot brachte die Scheibe von rechts scharf vor das Tor, wo Youngster Timo Ruckdäschel Wolfsburg wieder in Front brachte – 2:3 (28.).
Nur 41 Sekunden später erhöhte Justin Feser auf 4:2 und wie. Er brachte die Scheibe von hinter dem Tor an den Rücken von Hildebrand und von dem ging sie letztendlich über die Linie. Stark gemacht von Feser.
Nun waren die Hauptstädter wieder gefordert, wollten sie dieses Spiel hier noch erfolgreich zu Ende bringen. Aber die Eisbären waren viel mehr in der eigenen Defensive beschäftigt, weil Wolfsburg jetzt ganz klar das Momentum auf seiner Seite hatte. Die Grizzlys konnten die Scheibe auch gut laufen lassen, weil die Eisbären gefühlt immer einen Schritt zu weit weg waren von ihrem Gegenspieler.
Die Berliner taten sich schwer, vorne für Torgefahr zu sorgen. Einzig Freddy Tiffels schnupperte mal kurz am Anschlusstreffer. Auf Wolfsburger Seite vergab Matt White einen Alleingang und somit die mögliche Vorentscheidung in diesem Duell. So nahmen die Hausherren eine 4:2-Führung mit in die zweite Drittelpause.

Fünfmal schlug es hinter Jake Hildebrand ein. (Foto von Moritz Eden / City-Press GmbH Bildagentur)
Im Schlussdrittel mussten die Eisbären zunächst ein Unterzahlspiel überstehen, taten dies aber ohne größere Probleme. In der Folge bissen sich die Eisbären die Zähne an der Wolfsburger Defensive aus. Und Wolfsburg? Die wurden immer wieder zu Kontern eingeladen und einen davon nutzte Bobby Lynch zum 5:2 (50.). Die Zuordnung in der Defensive stimmte überhaupt nicht.
Damit war hier natürlich die Luft raus aus dem Spiel, denn die Berliner machten auch nicht den Eindruck, dass sie hier noch drei Tore aufholen würden. Eine richtige Schlussoffensive der Eisbären gab es aber auch nicht. Was aber auch daran lag, dass die Grizzlys das sehr gut verteidigten.
Stattdessen hatten die Gastgeber durch Hayhurst die Chance zum 6:2, der Pfosten stand aber im Weg. So verloren die Hauptstädter am Ende verdient mit 2:5 und müssen nun statt sich um Platz sechs zu kümmern, eher wieder nach hinten blicken. Denn Wolfsburg ist nur noch fünf Punkte entfernt. Und der Auftritt der Eisbären lässt weiterhin viele Fragen offen. Man schafft es nach wie vor nicht, ein gutes Spiel konstant über 60 Minuten durchzuziehen. Man leistet sich defensiv einfach viel zu viele Fehler. Offensiv fehlte die Durchschlagskraft. Konstant ist eigentlich nur die Inkonstanz der Eisbären. Und viel Zeit ist nicht mehr, um dem Szenario Pre-Playoffs aus dem Weg zu gehen. Denn an diese Lotterie haben die Berliner keine so guten Erinnerungen.
