Kein Sieg zum Jubiläum von Frank Hördler: Die Eisbären Berlin verlieren mit 1:3 gegen den Tabellenletzten Schwenningen

WalkersBärenNews/Saison 2021/2022 – Ausgabe #9:

Es hatte sich fast schon angedeutet: Nach sieben Siegen in Folge verloren die Eisbären Berlin am Freitagabend ihr Heimspiel gegen den Tabellenletzten Schwenninger Wild Wings verdient mit 1:3 (0:1,0:0,1:2). Man fand zu keiner Zeit seine Leistung aus den letzten sieben Spielen und zeigte insgesamt eine sehr enttäuschende Leistung.

Bei den Eisbären kehrte der frisch gebackene Papa Marcel Noebels zurück ins Line-up. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle an Familie Noebels. Die Nummer 92 nahm natürlich seinen angestammten Platz in der Paradereihe mit Blaine Byron und Leo Pföderl ein. Die zweite Reihe um Matt White, Zach Boychuk und Yannick Veilleux blieb wie in Augsburg zusammen. Frans Nielsen und Kevin Clark bekamen in der dritten Reihe Parker Tuomie an die Seite gestellt. Der hatte am Mittwoch noch in Reihe Eins den Platz von Noebels eingenommen. Eric Mik und Bennet Roßmy bekamen in der nominell vierten Formation Manuel Wiederer in die Mitte gestellt. Bei den Panthern spielte da noch Sebastian Streu, doch der fehlte den Eisbären heute Abend gegen die Wild Wings. Im Tor begann erneut Mathias Niederberger und auf der Bank nahm Tobias Ancicka Platz. Die Defensiv-Pärchen blieben ebenso unverändert.

Im Mittelpunkt der Partie gegen den Tabellenletzten aus dem Schwarzwald stand natürlich ganz klar Verteidiger und  Kapitän Frank Hördler. Die Nummer Sieben bestritt heute sein 925. DEL-Spiel und ist damit nun der Spieler mit den meisten Partien für die Eisbären. Er löste keinen geringeren als Bürgermeister Sven Felski ab. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Meilenstein, „Nante“! Die 1.000 Spiele machst Du garantiert auch noch voll!

Foto: eisbaerlin.de/walker

Die Eisbären strotzten natürlich nur so vor Selbstbewusstsein angesichts von sieben Pflichtspielsiegen in Serie inklusive der Champions Hockey League. Diese Serie wollte man auch gegen den Tabellenletzten Schwenningen fortsetzen, nur auf die leichte Schulter nehmen sollte man die Mannschaft von Coach Niklas Sundblad nicht. Zumal es ja auch hinlänglich bekannt ist, dass die Berliner gerne mal gegen die vermeintlich kleineren Teams schwächeln und Aufbauhilfe leisten. Von daher war heute volle Konzentration über die gesamten 60 Minuten gefordert.
Die Wild Wings begannen frech und hatten auch früh die erste gute Chance, aber auch die Eisbären hatten gleich den Vorwärtsgang drin und auf Offensive navigiert. Doch noch verzettelte man sich zu oft im Angriffsdrittel und konnte so aus dem vielen Scheibenbesitz nicht viel machen. Aber die Richtung, in die die Eisbären spielten stimmte schon einmal. Und mit zunehmender Spieldauer wurde der Druck der Berliner auch größer, doch noch zielte man zu ungenau oder aber die Defensive der Schwäne leistete gute Arbeit und hielt die Scheibe fern vom eigenen Torhüter Joacim Eriksson.

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Direkt nach dem Powerbreak bot sich den Hausherren die Chance in Überzahl zu spielen. Doch das Überzahlspiel lief bis dahin noch nicht so rund, vielleicht wurde es ja besser, als nach Max Görtz auch noch Ken-André Olimb auf die Strafbank wanderte. 49 Sekunden doppelte Überzahl also für die Berliner und die fanden auch die Formation. Nur dann wieder das alte, leidige Thema. Hier noch ein Pass, da noch ein Pass, aber eben kein Schuss. So verpuffte diese Chance ohne Gefahr. Erst also Schwenningen wieder zu viert war, hatte Matt White mal abgezogen, dabei aber nur den Pfosten getroffen.
Die Hausherren also mit dem optischen Übergewicht, nur wenn du daraus nichts machst und dir keine Chancen erspielen tust, die auch nur annähernd gefährlich sind, dann nützt dir das alles nichts. Eben ein typisches Schwenningen-Spiel mal wieder, nur dass es statt an einem Dienstagabend an einem Freitagabend stattfand. Aber noch war ja viel Eishockey zu spielen.
Das Problem: Ab jetzt musste man aber einem Rückstand hinterher laufen, denn aus dem Nichts fiel der Schwenninger Führungstreffer. 16 Minuten waren gespielt, als die Wild Wings einfaches Eishockey spielten. Max Görtz mit dem Pass rechts raus auf Tomas Zaborsky, der legte vor dem Tor wieder quer raus auf Görtz und der netzte auf der linken Seite eiskalt ein – 0:1. Eishockey kann eben so einfach sein. 16:3-Schüsse zeigte die Statistik zu diesem Zeitpunkt an. Effektiver agierten dabei die Gäste aus dem Schwarzwald.
Zum Ende hin bot sich den Eisbären aber die Chance zum Ausgleich, man hatte erneut ein Überzahlspiel. Doch auch dieses ging ohne echte Torgefahr vorüber und so lag man nach 20 Minuten mit 0:1 gegen den Tabellenletzten hinten.

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Auch im zweiten Drittel waren die Hausherren weiterhin auf der Suche nach der Lücke in der Defensive, aber auch nach dem einfachen Eishockey. Denn noch immer war es einfach zu kompliziert, was man da unten auf dem Eis zeigte. Schwenningen zeigte den Eisbären bei ihren wenigen Angriffen immer wieder, wie man einfach, unkompliziert und schnell vor das Tor kommt.
Ja, die Eisbären kamen zwar zu Schüssen, aber das waren allesamt Schüsse aus der Kategorie „harmlos“. Schwenningen verstand es sehr gut, die gefährlichen Räume vor dem Tor zuzumachen und zwangen die Berliner somit zu Schüssen aus den eher ungefährlicheren Zonen. Was den Eisbären heute aber auch so ein wenig fehlte, was in den letzten Spielen noch da war, war die enorme Spielfreude, mit der man die Angriffe fuhr. Diese Leichtigkeit war den Hauptstädtern bis dahin irgendwie abhanden gekommen.

Foto: eisbaerlin.de/walker

Vielleicht klappte es ja mit etwas mehr Platz auf dem Eis, denn Mitte der Partie mussten Johannes Huß und Kevin Clark wegen unnötiger Härte für zwei Minuten in die Kühlbox. Doch auch da konnten die Eisbären nicht für den erhofften Ausgleich sorgen. So war es aktuell eher ein Krampf- als ein Kampfspiel. Der Einsatz und der Wille war den Eisbären ja nicht abzusprechen, aber irgendwie wirkten sie heute gedanklich immer einen Schritt langsamer, es fehlte ihnen die Kreativität aus den letzten Spielen. So hatte Schwenningen keine große Mühe, die Führung zu verteidigen und wenn sich den Schwänen die Chance für Ausflüge nach vorne bot, dann taten sie das auch und waren dabei durchaus gefährlich.
Und die Chance auf den zweiten Treffer bot sich den Gästen aus dem Schwarzwald rund sechs Minuten vor Ende des zweiten Drittels, als Kai Wissmann auf die Strafbank musste. Somit also Powerplay für die Wild Wings. Aber auch Schwenningen konnte in Überzahl nicht überzeugen und so stand es hier weiterhin 0:1 aus Berliner Sicht.
Die Chance auf den Ausgleich gab es zum Ende des Mitteldrittels, als Frans Nielsen auf dem Weg zum Tor unsauber von Johannes Huß per Beinstellen zu Fall gebracht wurde und die Eisbären somit das nächste Powerplay hatten. Und dieses Überzahlspiel sah schon besser aus und man hatte auch Chancen, aber Joacim Eriksson bewies einmal mehr, warum er zu den besten Goalies der PENNY DEL gehört. Das kommt dann eben auch noch hinzu, wenn es bei dir selbst mal nicht so gut läuft. Dann hast du doch mal die Chancen, aber dann steht da noch dieser Teufelskerl Eriksson im Weg. Und so nahm Schwenningen auch in die zweite Drittelpause die knappe 1:0-Führung mit.

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Das letzte Drittel begann mit einer frühen Strafe gegen Kevin Clark nach nur 20 Sekunden. Ein denkbar schlechter Start also ins Schlussdrittel für die Eisbären, für Schwenningen dagegen die Riesenchance zur Vorentscheidung. Doch in Überzahl passierte gar nichts und so bot sich den Eisbären hier noch 18 Minuten lang die Chance, den Ausgleich zu erzielen. Und das haben sie sich in der Kabine garantiert für das letzte Drittel vorgenommen, denn bis hierhin war es doch ein sehr enttäuschender Auftritt der Berliner.
Vielleicht klappte es ja selbst in Überzahl, denn nun hatten die Hauptstädter einen Mann mehr auf dem Eis. Wenn nicht jetzt, wann dann? Doch gerade zu Beginn dieses Powerplays fiel auf, dass die Eisbären sich schlecht positionierten. Keiner vor dem Tor oder wenn dann erst sehr spät, nur ein Pfosten statt beide waren besetzt, so kannst du kein gutes Powerplay aufziehen. Es sei denn, man hatte sich dabei etwas gedacht, aber das wurde dann nicht sichtbar. Und so ließ man auch dieses Überzahlspiel ungenutzt.
Irgendwie sah man den Berlinern aber auch kein richtiges Aufbäumen an. Irgendwie wirkten sie kraftlos, die Spielfreude hatte man bis jetzt nicht wieder gefunden und so lief den Eisbären die Zeit immer mehr davon.

Foto: eisbaerlin.de/walker

Dann fuhr Marcel Noebels mal ins Angriffsdrittel und ich wollte schon wieder anfangen zu fluchen, weil auch das schon wieder so planlos aussah, da er wieder abdrehte. Aber dahinter steckte wohl eine Idee, denn er legte die Scheibe hoch an die blaue Linie zu Kai Wissmann und der hämmerte einfach mal drauf und siehe da, schießt du auf das Tor, dann klingelt es auch mal – 1:1 (50.).
Jetzt waren die Berliner aber da und versuchten sofort Druck aufzubauen, um den Führungstreffer nachzulegen. Doch dann schwächte Yannick Veilleux seine Mannschaft wieder mit einer unnötigen Strafzeit, als er wegen eines unkorrekten Körperangriffes gegen Ex-Eisbär John Ramage auf die Strafbank musste. Unnötig deswegen, weil bereits abgepfiffen war. Doch zum Glück für die Eisbären war das Penaltykilling zur Stelle und so überstanden die Hausherren diese Unterzahl ohne große Mühe.
Somit war hier also für die Schlussphase weiterhin Spannung garantiert. Beide Mannschaften hatten hier noch die Chance auf den Sieg nach regulärer Spielzeit. Und dann traf Schwenningen gut zwei Minuten vor dem Ende zum 2:1. Vor dem Tor ging ein Berliner Spieler zu Fall, was Kapitän Frank Hördler, nach dem der Puck im Tor einschlug, auch lautstark bei den beiden Hauptschiedsrichtern reklamierte. Doch es half nichts, der Schlagschuss von Colby Robak schlug hinter Mathias Niederberger ein und zählte – 1:2 (58.).
Serge Aubin reagierte und nahm kurz darauf seine Auszeit. Er wollte seine Mannschaft noch einmal auf die Schlussphase einschwören, noch war ja auch Zeit, den Ausgleich zu erzielen. Um genau zu sein 1:45 Minuten. Das Bully fand im Angriffsdrittel statt und Mathias Niederberger blieb auf der Bank. 6-5 jetzt also und volles Risiko gegen den Tabellenletzten. Doch das wurde bestraft. Schwenningen erkämpfte die Scheibe und 63 Sekunden vor der Schlusssirene sorgte Tylor Spink mit dem Empty-Netter für die Entscheidung – 1:3.

Eine Niederlage mit Ansage. Immer wieder sind die Eisbären dafür bekannt, dass man gegen die vermeintlich kleinen Teams Aufbauhilfe leistet. So auch heute. Man spielte es einfach zu kompliziert, fand nie zu dem Spiel, welches die Berliner die letzten sieben Spiele ausgezeichnet hatte. Man wirkte ausgelaugt, wirkte nicht konzentriert. Es wirkte fast so, als hätten die Eisbären den Tabellenletzten auf die leichte Schulter genommen. Und dann kommt am Ende eben eine verdiente Niederlage zu Stande, welche die Siegesserie beendet hat.

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