3:0 in München! Die Eisbären schocken München und wenden das Saisonende ab – Austin Ortega mit Doppelpack und Kevin Poulin mit zweitem Shutout gegen München

Vielleicht gibt’s ja noch einen Eishockey-Gott„, das sagte Marcel Noebels im Vorfeld des fünften Viertelfinalspiels zwischen dem EHC Red Bull München und den Eisbären Berlin. Nach dem Spiel kann man sagen, es gibt ihn, den Eishockey-Gott und er ist ein Berliner. Denn der Hauptstadt-Club wendete am Sonntagnachmittag das vorzeitige Saisonende ab, gewann Spiel Fünf in München hochverdient mit 3:0 (1:0,0:0,2:0) und erzwang somit ein drittes Heimspiel in Berlin. Und dort erwartet den Deutschen Meister der vergangenen drei Jahre dann ein wahrer Hexenkessel, die Arena am Ostbahnhof muss beben. So, wie heute der Gästeblock in München. Die anwesenden Eisbären-Fans haben den Münchnern mal gezeigt, wie Stimmung geht, wie Leidenschaft auf den Rängen aussieht, was Tradition bedeutet. Alles Sachen, von denen sie in München nur träumen. Somit haben die Eisbären also nicht nur das Duell auf dem Eis deutlich für sich entschieden, nein, auch das Duell auf den Rängen mehr als eindeutig.

Eisbären-Trainer Stéphane Richer ließ nichts unversucht, änderte ein bisschen was an seinen Reihen, aber nicht an seinem Torhüter. Kevin Poulin hütete weiterhin das Berliner Tor. Auch das restliche Personal blieb unverändert, aber eben nur in etwas veränderten Sturmreihen. 

Die Frage vor dem heutigen Spiel Fünf der Viertelfinalserie war die gewesen, wie die Eisbären in das Spiel kommen würden. Hellwach oder wieder verschlafen, so wie am Freitag, als man nach nur 28 Sekunden mit 0:1 in Rückstand geriet. Sie kamen hellwach rein, waren von der ersten Sekunde an fokussiert und konzentriert, erwiesen sich im Auftaktdrittel als schwerer Gegner für den Meister, der heute die Serie zumachen wollte.
Vom ersten Bully an war es eine Partie mit hohem Tempo und harten Zweikämpfen, beide Mannschaften suchten den Weg nach vorne und dann im Angriffsdrittel auch den Abschluss. Die Eisbären waren sehr gut im Spiel, hatten nach vier Minuten die erste gute Drangphase, einen guten Wechsel, in dem Danny Richmond und André Rankel zwei gute Möglichkeiten hatten und den Hausherren deutlich machten, dass man diese Serie nicht so einfach aufgibt, so wie es am Freitag noch den Anschein gemacht hatte.
Nach sieben Minuten nahmen die Berliner dann aber durch Marcel Noebels die erste Strafzeit der Partie, München also mit einem Überzahlspiel, in dem sie aber außer einem Onetimer von Yasin Ehliz aus dem Slot nichts zu Stande brachten. Den Onetimer parierte Kevin Poulin problemlos.
Generell ließen die Hauptstädter relativ wenig hinten zu, standen sehr kompakt und machten die Schusswege zu, drängten die Hausherren zu Schüssen von außen. Genau jene Spielweise, die München am Freitag in Berlin angewandt hatte. Und aus dieser sehr starken Defensive leiteten die Berliner ihre Angriffe ein. So auch den von Florian Kettemer, der Mitte des ersten Drittels mit viel Zug ins Angriffsdrittel fuhr, zum Abschluss kam, doch diese gute Chance nicht nutzen konnte.
Zwei Minuten später bekamen die Eisbären die erste Chance, in Überzahl zu spielen. Und diese sollten sie nutzen. Die Berliner fanden ihre Formation, Austin Ortega spielte die Scheibe von der linken Seite zur blauen Linie, wo Micki DuPont lauerte. Der spielte die Scheibe quer rüber zum rechten Bullykreis und da stand – wie in jedem Powerplay der Eisbären – Jamie MacQueen und wollte zu einem seiner gefürchteten Onetimer ansetzen. Und er nahm den Pass direkt und hämmerte die Scheibe eiskalt unter die Latte, keine Chance für Danny Aus den Birken – 1:0 (12.).
Das Führungstor spielte den Gästen natürlich in die Karten, sie zogen ihren Gameplan hier eiskalt durch und nahmen München durch die starke Defensivarbeit so ein wenig die Spielfreude. München konnte im ersten Drittel selten für Gefahr sorgen. Auch nicht bei einem zweiten Powerplay zum Ende des Drittels hin. Da kam Daryl Boyle zur einzigen Chance und das ganze sechs Sekunden vor Ablauf der Strafe gegen Brandon Ranford.
So nahmen die Hauptstädter eine verdiente 1:0-Führung mit in die erste Drittelpause. Torschütze Jamie MacQueen sagte im Pauseninterview bei Magenta Sport, dass man natürlich die Kraft und die Hoffnung aus der Finalserie aus dem letzten Jahr nehmen will, als man ebenfalls 1:3 in der Serie hinten lag und Spiel Fünf und Sechs gewann, um den ultimativen Showdown in München zu erzwingen. Zudem lobte er das starke Penaltykilling des gesamten Teams und meinte, dass das 1:0 natürlich äußerst wichtig war, ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Da Justin Shugg auf Seiten des Meisters mit Ablauf des ersten Drittels noch eine Strafzeit wegen Stockschlags erhielt, begannen die Berliner das Mitteldrittel mit einem Mann mehr. James Sheppard hatte dabei die beste Chance, als er vor dem Tor an die Scheibe kam, aber sie ging knapp am Münchner Tor vorbei. Als die Strafe abgelaufen war und Shugg zurück auf das Eis kam, bekam er den Puck und marschierte alleine Richtung Kevin Poulin, aber er schoss knapp drüber.
Die Eisbären auch in diesem Drittel mit einer ganz starken Defensivarbeit, sie machten die gefärhlichen Räume vor dem Tor zu und drängten München nach außen. Und man selbst fuhr immer wieder Angriffe, setzte München immer wieder unter Druck und zudem des öfteren im eigenen Drittel fest. Die Eisbären sorgten mit ihren Offensivbemühungen stets für Gefahr, das einzige, was sie sich vorzuwerfen hatten, war die Chancenverwertung. Denn die Scheibe wollte einfach kein zweites Mal über die Linie.
Und München? Die taten sich weiterhin sehr schwer, die Eisbären mal in Gefahr zu bringen. Zweimal schafften sie es aber. Einmal brachten sie die Scheibe einfach mal Richtung Tor, davor entstand ein Gewühl, München versuchte, die Scheibe irgendwie ins Tor zu arbeiten, aber die Eisbären kämpften verbissen und schafften es, die Scheibe aus der Gefahrenzone zu bringen. Und beim anderen Mal München mal mit einem schnellen Angriff, Mark Voakes fuhr mit der Scheibe ins Angriffsdrittel, legte sie zurück auf Frank Mauer, der zog direkt ab, doch sein Schuss flog über das Tor von Poulin.
Die Eisbären hielten so die 1:0-Führung auch nach 40 Minuten noch fest in der Hand, München hätte sich aber nicht beschweren können, wenn man höher hätte hinten gelegen. Aber so war noch alles offen für den Schlussabschnitt und da erwartete man eine Schlussoffensive des Meisters.

Aber so recht wollte die nicht kommen. Zu Beginn des letzten Drittels war es eher ein hin und her, beide Teams waren bemüht, nach vorne was zu machen und suchten den Abschluss. München wollte den Ausgleich erzielen, die Eisbären das 2:0 nachlegen. Die Eisbären lauerten auf Konter, wollten somit für eine Vorentscheidung sorgen.
Und in der 47. Spielminute hatten die Berliner die große Chance, als sie einen Zwei-auf-Eins-Konter fuhren. Jamie MacQueen kam über rechts ins Angriffsdrittel, spielte den Querpass auf Louis-Marc Aubry, der gegen die Laufrichtung von Danny Aus den Birken schoss, aber die Scheibe ging knapp am Tor vorbei.
Aber nur gut eine Minute später sollten es die Berliner besser machen. München vertändelte an der eigenen blauen Linie die Scheibe, die Eisbären mit jeder Menge Druck auf das Münchner Tor. Am Ende kam Austin Ortega am linken Pfosten zum Abschluss, der Puck rutschte irgendwie am kurzen Pfosten durch und schon stand es 2:0 (49.).
Und die Eisbären schockten München nun richtig. Nur 37 Sekunden später war es erneut Ortega, der auf 3:0 stellte. Yannic Seidenberg mit dem Fehlpass an der gegnerischen blauen Linie. Ortega stibitzte die Scheibe und fuhr alleine auf Aus den Birken zu, dem er keine Chance ließ.
Damit war diese Partie eigentlich gelaufen. Die Eisbären standen fortan hinten weiter sehr kompakt, verteidigten ihr Tor nach allen Kräften. Und alles, was durchkam, war eine sichere Beute von Kevin Poulin. Aus der sicheren Defensive heraus lauerten die Eisbären nun natürlich vermehrt auf Konter, um weitere Treffer nachzulegen.
Vier Minuten vor dem Ende der Partie kassierte Louis-Marc Aubry noch einmal eine Strafe wegen eines Stockschlags. Münchens Coach Don Jackson nahm daraufhin eine Auszeit und Goalie Aus den Birken vom Eis, somit spielte der Meister also Sechs-gegen-Vier. Und München machte gehörig Druck, brachte jede Scheibe zum Tor, aber Kevin Poulin ließ sich an diesem Abend nicht bezwingen und feierte somit am Ende seinen zweiten Shutout in der Serie.

Und es muss die Frage erlaubt sein, warum die Eisbären am Freitag nicht so gespielt haben? Sie haben heute von der ersten bis zur letzten Sekunde eine Top-Leistung abgerufen, hinten ganz stark verteidigt und vorne die Tore zum richtigen Zeitpunkt gemacht. Und in Unterzahl hat man ganz stark gearbeitet und München den letzten Nerv geraubt.
Man hat heute die perfekte Antwort auf Freitag gegeben, als man sich fragte, was das bitte für ein Auftritt war. Nach dem 2:5 vom Freitag hatte eigentlich kaum einer mehr an einen Sieg der Eisbären und ein drittes Heimspiel in dieser Serie geglaubt, aber die Eisbären haben heute noch einmal alles raus gehauen, was ging.
Oder um es mit den Worten von Florian Kettemer zu beschreiben: Sie haben Spaß gehabt, jeden Wechsel genossen, schließlich hätte es heute ja das letzte Saisonspiel sein können. Man hat damit das Saisonende noch einmal abwenden und die Serie ein weiteres Mal nach Berlin holen können. Praktisch genau so wie im letzten Jahr, als man ebenfalls in der Finalserie mit einem 1:3-Serien-Rückstand nach München gefahren ist, dieses Spiel gewann und Spiel Sechs in Berlin erzwang. Der Ausgang damals ist allen noch im Gedächtnis, man gewann dieses Spiel und fuhr zum ultimativen Showdown nach München. Nun kann sich diese Geschichte wiederholen, nur dann sollte das Ende in einem möglichen siebten Spiel ein anderes sein…

Playoff-Stand: EHC Red Bull München vs. Eisbären Berlin 3:2 (3:2 n.V./0:4/4:1/5:2/0:3)