Nur noch 2:3 gegen München: Die Hoffnung lebt

In der Jubiläumssaison der Deutschen Eishockey Liga (DEL) wollen die Eisbären Berlin ihre Anhänger anscheinend immer wieder auf die Geduldsprobe stellen. Die Hauptrunde verlief nicht nach den Ansprüchen der Eisbären, an deren Ende ein neunter Platz stand, mit dem man sich noch in die Pre-Playoffs retten konnte. Dabei hatten sich viele treue Fans noch Wochen vor dem Ende der Hauptrunde gewünscht, dass an jenem ersten März-Wochenende doch bitte die Saison enden soll. Keiner hatte mehr an die Eisbären geglaubt, viele Fans wünschten sich daher Platz Elf und das damit verbundene Saisonende nach der Hauptrunde. Doch es sollte anders kommen.

Nach der Februar-Pause ist irgendetwas in der Mannschaft passiert, denn auf einmal traten die Eisbären wie verwandelt auf, spielten starkes Eishockey und holten vor allem enorm wichtige Siege, konnten auch mal über die gesamte Spieldauer mit konzentriertem Eishockey glänzen. Gerade rechtzeitig zum Saison-Höhepunkt schienen die Eisbären also in Fahrt gekommen zu sein. Florian Kettemer sagte darauf angesprochen, was in der Länderspielpause passiert sei, im Interview nach dem ersten Drittel in Spiel Eins in München:

Wir haben mit der Mannschaft ganz neuen Spaß auf dem Eis gefunden und auch außerhalb sind wir enger zusammen gerückt. Wir wollen den Fans tolles Eishockey zeigen.

Genau das zeigten die Hauptstädter im Endspurt der DEL-Hauptrunde, erreichten somit doch noch Platz Neun und die Pre-Playoffs, wo es dann gegen die Straubing Tigers ging. Doch die Niederbayern waren nur eine Durchgangsstation für die Mannschaft von Trainer Stéphane Richer, wurde die Serie doch glatt mit 2:0-Siegen gewonnen. So erreichte man in dieser so katastrophalen Saison doch tatsächlich noch das Playoff-Viertelfinale, wo man auch in der letzten Woche der Viertelfinalserien noch aktiv mit dabei ist. Auch damit hatte noch zu Jahresbeginn keiner der Eisbären-Fans gerechnet.

Auch nicht damit, dass die Eisbären Berlin am Freitagabend ein weiteres Mal das heimische Eis der Mercedes-Benz Arena zum sechsten Viertelfinalspiel gegen den EHC Red Bull München betreten dürfen. Nach der 2:5-Klatsche in Spiel Vier am vergangenen Freitag haben fast alle Eisbären-Fans die Arena am Ostbahnhof mit dem Gedanken verlassen, dass sie als nächstes zur Saison-Abschlussfeier hier wieder her kommen würden. Oder aber zum Saisonstart im September. Aber keinesfalls damit, dass man an diesem Freitag nochmals ein Playoff-Spiel der Berliner in dieser Saison sehen würde.
Was an der Leistung der Eisbären lag, die von Beginn an nicht bereit waren, diese Serie ausgleichen zu wollen. Sie rannten den Münchner 60 Minuten hinterher, ließen Kampfgeist, Leidenschaft und Siegeswille vermissen. Ja eigentlich ließen sie komplett alles vermissen, was man braucht, um ein Playoff-Spiel zu gewinnen. Somit rechneten alle am Sonntagnachmittag mit dem Saisonende in Spiel Fünf in München.

Aber die Eisbären zogen den Kopf noch einmal aus der Schlinge, überraschten den Meister mit einer bockstarken Leistung und einem mehr als verdienten 3:0-Auswärtssieg in München. Was vor allem auch daran lag, dass Trainer Richer an den Sturmreihen etwas verändert hatte. Richer brachte die in den letztjährigen Playoffs so gefährliche RAN-Reihe wieder zusammen – André Rankel, Louis-Marc Aubry und Marcel Noebels. Dieser Plan ging auf und die Eisbären erzwangen Spiel Sechs. Schade nur, dass Richer diesen Plan nicht schon ein Spiel vorher in die Tat umgesetzt hatte, denn diesen Plan hatte er schon ein bisschen länger im Kopf gehabt:

Diesen Plan hatte ich schon nach der Niederlage in Spiel drei. Aber ich entschloss mich endgültig in der Nacht nach der 2:5-Heimniederlage von Berlin am letzten Freitag dazu, meine großen Jungs zusammen zu ziehen.

Richer ließ seine langen Kerle gegen die langen Kerle von Don Jackson spielen, das ging super auf. Auch die Münchner waren von dieser Umstellung überrascht, wie sie gegenüber der Eishockey News (Ausgabe 13 vom 26.03.2019) sagten. Münchens Coach Don Jackson sah folgende Gründe für die Niederlage:

Sie lagen im mentalen Bereich. Wir haben zeitweise zu langsam gespielt, kamen manchmal einen halben Schritt zu spät und waren von Berlins Taktik überrascht.

Münchens Stürmer John Mitchell haderte dagegen ein bisschen mit der Einstellung mancher Kollegen:

Keiner hat das Spiel, trotz 3:1-Führung, auf die leichte Schulter genommen. Aber vielleicht war mancher Spieler nicht immer ganz bei der Sache. Dabei ist das letzte Spiel einer Serie immer das schwerste.

Man darf davon ausgehen, dass München sich diesmal auf alles einstellen wird, sich nicht noch einmal von Berlin und Richers Taktikkniffen überraschen lässt. Und wir alle wissen noch ganz genau, wie München auf den ersten Sieg der Eisbären in dieser Serie reagiert hatte. Es folgten zwei klare Siege, in denen München den Eisbären nicht den Hauch einer Chance ließ, aber selbst noch nicht ans eigene Leistungslimit kam. Aber am Freitag werden wir eine hochmotivierte Münchner Mannschaft sehen, die den Sack in Berlin zu machen will und Spiel Sieben in eigener Halle vermeiden möchte.

Aber sie werden dann ebenso auf hochmotivierte Eisbären treffen, die am Sonntag in München gezeigt haben, dass mit ihnen noch zu rechnen ist und dass sie diese Serie noch lange nicht abgeschenkt haben. Zwar sah das am Freitag nach dem Spiel noch ganz anders aus, da hatte man schon anhand der Körpersprache der Berliner das Gefühl, sie wären mit ihren Gedanken schon längst im Sommerurlaub. Aber in der kurzen Pause zwischen Spiel Vier und Fünf und der Reise nach München muss wieder einmal etwas im Team der Eisbären passiert sein, was zu einer Leistungs-Explosion geführt hat.

So, wie nach der Februar-Pause, als die Eisbären die längste Siegesserie der Saison genau zum richtigen Zeitpunkt hinlegten und der Konkurrenz zeigten, mit dem DEL-Rekordmeister ist wieder zu rechnen. Vielleicht brauchen die Eisbären den enormen Druck und das Wissen, dass keiner mehr an sie glaubt, um dann ihre besten Leistungen abzurufen. Diese Saison scheint diese These jedenfalls zu unterstützen. Wenn es daran liegt und es hilft, dann glaube ich ganz klar nicht an einen Sieg der Eisbären am Freitag… 😉