1:4 in München: Der Galavorstellung von Spiel Zwei folgte heute ein ernüchternder Auftritt der Eisbären mit zu vielen individuellen Fehlern und zu vielen Strafzeiten

Münchens Stürmer Frank Mauer sagte vor dem dritten Viertelfinalspiel zwischen dem EHC Red Bull München und den Eisbären Berlin, dass die Eisbären am Freitag stark gespielt und ihnen ganz klar den Schneid abkauft haben, man aber wie Berlin über eine gutes Team verfüge und man sich vor keiner Mannschaft fürchte. Und genau so spielten die roten Bullen heute von der ersten Sekunde an auch und setzten sich am Ende verdient mit 4:1 (2:0,1:1,1:0) gegen die Hauptstädter durch und übernahmen somit wieder die Führung in dieser Serie zwischen dem Serienmeister und Rekordmeister. 

Während München auf den gesperrten Verteidiger Yannic Seidenberg verzichten musste, konnte Eisbären-Chefcoach Stéphane Richer wieder auf das selbe Personal wie in Spiel Zwei zurückgreifen. Somit stand also auch Kevin Poulin nach seinem Shutout wieder im Tor und Marvin Cüpper nahm den Platz als Back-up auf der Berliner Bank ein. 

Hinein in das dritte Spiel der Viertelfinalserie, welches laut Martin Buchwieser das wichtigste Spiel in so einer Serie ist, denn damit kann eine ganze Serie kippen. Und nach dem 0:4-Debakel vom Freitagabend in Berlin erwartete man eine druckvolle Anfangsphase der Hausherren. So sollte es auch kommen. Ganze 40 Sekunden waren gespielt, da wurde es erstmals brenzlig vor dem Berliner Tor von Kevin Poulin. München legte wie die Feuerwehr los, sie suchten sofort den Weg zum Tor, Berlin war zunächst nur in die eigene Defensive gedrängt, wo sie aber eine guten Job machten. Denn auch wenn München erwartet stark begann und die Scheiben zum Tor brachte, so eine richtig einhundertprozentige Chance suchte man dann doch vergeblich.
Trotzdem belohnte sich München mit dem frühen 1:0. Die Münchner erkämpften sich die Scheibe hinter dem Tor, bachten sie hoch zur blauen Linie, wo Keith Aulie lauerte und einfach mal abzog. Vor dem Berliner Tor war viel Verkehr, Kevin Poulin sah die Scheibe spät und sie rutschte ihm durch die Schoner. Aber da konnte die Nummer 40 der Eisbären nichts machen.
Am Freitag lobte man noch die Disziplin der Eisbären, heute musste man bereits im ersten Drittel nach einer 2+2-Minuten-Strafe gegen Colin Smith und einer anschließenden zweiminütigen Strafe gegen Jonas Müller satte sechs Minuten in Folge in Unterzahl antreten. Doch das Berliner Penaltykilling funktionierte auch heute wieder sehr gut. Zwar hatte München auch Chancen durch John Mitchell (Pfosten), Matt Stajan, Michael Wolf und Darryl Boyle, aber so richtig zwingend und gefährlich wurde es selten für die Eisbären.
Nach einer Strafe gegen Ex-Eisbär Mads Christensen bekamen auch die Hauptstädter die Chance in Überzahl zu spielen. Aber außer einem Schuss von Micki DuPont von der blauen Linie, welchen James Sheppard vor dem Tor abfälschte, kam nicht viel bei rum bei den Eisbären. Generell kam nach vorne zu wenig, die Berliner waren viel mehr mit Defensivarbeit beschäftigt, aber diese verrichteten sie mit Bravour. Denn trotz Münchner Drucks und sechsminütiger Unterzahl lag man nur mit 0:1 nach 20 Minuten zurück, womit nach wie vor alles möglich war in diesem so wichtigen dritten Spiel.
Micki DuPont meinte in der ersten Pause im Interview bei Magenta Sport, dass man damit gerechnet hatte, dass man defensiv viel zu tun bekommen würde, aber man stand defensiv sehr gut. Die Schussstatistik nach den ersten 20 Minuten: 11:2 für München.

An der Offensive mussten die Eisbären also noch arbeiten und früh im Mitteldrittel bot sich ihnen die beste Gelegenheit dazu, als Andreas Eder in die Kühlbox musste. Aber die Pässe der Berliner waren zu ungenau, dann passte Colin Smith den Puck von der linken Bande ohne zu gucken in die Mitte, diese Scheibe schnappten sich die Münchner und fuhren den Zwei-auf-Eins-Konter, Yasin Ehliz und Matt Stajan, Ersterer entschied sich für den Schuss und überwand Kevin Poulin eiskalt – 2:0 (24.). Die Unterzahl ist eben eine Paradedisziplin der Hausherren, die 13 Shorthander (!) in der Hauptrunde erzielt hatten.
München danach gierig, wollte sofort nachsetzen und drückte enorm auf das Berliner Tor. Die Eisbären hatten in dieser Phase so ihre Probleme, kamen in diesem Drittel aber auch zu Abschlüssen, wenn gleich die meistens das Tor verfehlten.
Mitte des zweiten Drittels nahmen die Eisbären durch Florian Kettemer die nächste Strafe und auf einmal funktionierte das Münchner Problemkind – sie erzielten ein Powerplaytor. Konrad Abeltshauser mit dem Schuss von der blauen Linie, Poulin konnte den ersten Schuss parieren aber er prallte nach vorne, Patrick Hager schaltete am schnellsten und erhöhte auf 3:0 (31.).
Doch die Berliner hatten eine Antwort parat. Powerplay der Eisbären, die Scheibe lief sehr gut, Micki DuPont mit dem Pass auf die linke Seite zu Austin Ortega, der schaute, sah Sean Backman im Slot stehen, spielte die Scheibe vor das Tor, wo Backman die Kelle entscheidend in den Schuss hielt und den Anschlusstreffer markieren konnte – 3:1 (34.).
Dieser Treffer gab den Berliner nun Rückenwind, die jetzt in der Offensive präsent waren und Druck auf das Tor von Danny Aus den Birken ausübten. Aber sie konnten sich für ihren Aufwand nicht belohnen. München war jedoch weiterhin bei Gegenangriffen gefährlich, konnte aber auch keinen weiteren Treffer nachlegen.
Aufregend wurde es in der letzten Minute noch einmal. Powerplay für München, beinahe das 4:1 für die Gastgeber, der Puck trudelte Richtung Torlinie, Frank Hördler rettete in letzter Sekunde und schlug die Scheibe aus der Gefahrenzone. Im Gegenzug Martin Buchwieser mit einem klasse Pass auf Jonas Müller, welcher frei vor Aus den Birken auftauchte und von Mark Voakes entscheidend am Abschluss gehindert wurde. Die beiden Hauptschiedsrichter Sirko Hunnius und Aleksi Rantala entschieden jedoch nicht auf Penalty sondern auf Strafzeit wegen Hakens, was eine Fehlentscheidung war. So beendeten beide Teams das Drittel mit Vier-gegen-Vier, die Eisbären dann aber früh im Schlussdrittel mit der Möglichkeit ,in Überzahl weiter zu verkürzen.

Nur einen Nutzen aus der etwas mehr als einminütigen Überzahl konnten die Eisbären nicht ziehen. Lediglich ein Schuss von Jamie MacQueen kam durch, welcher aber eine sichere Beute von Danny Aus den Birken war.
Kurz darauf München mit einem Mann mehr und zwei guten Möglichkeiten. Derek Joslin mit dem Schuss von der blauen Linie, Kevin Poulin war zur Stelle. Auch Konrad Abeltshauser versuchte es von der blauen Linie, sein Schuss ging knapp am Berliner Gehäuse vorbei.
Von den Eisbären hatte man im Schlussdrittel eigentlich eine Schlussoffensive erwartet. Sie waren auch bemüht, spielten nach vorne, aber es mangelte ihnen an der nötigen Durchschlagskraft, mal an einer richtig gelungenen Aktion. So wie in der 45. Spielminute, als Brendan Ranford Austin Ortega klasse in Szene setzte, aber er scheiterte mit seinem Onetimer an Aus den Birken. Man muss aber dazu sagen, Ortega traf den Puck nicht richtig, sonst wäre es wohl noch brenzliger geworden.
Und dann wären da noch diese wirklich dummen Strafen, die man nahm. James Sheppard hatte schon eine Strafe angezeigt bekommen wegen Cross-Checks und leistete sich dann noch einmal einen Stockschlag, welcher so was von unnötig war. Prompt kassierte er 2+2-Minuten. München kassierte aber nur vier Sekunden später auch eine Strafe und so spielte man erst einmal 4-gegen-4. Und da schlug München eiskalt zu. Bully im Drittel der Hausherren, die Eisbären verlieren die Scheibe, Mark Voakes machte sich auf den Weg nach vorne, spielte einen Sahne-Pass von der blauen Linie vor an den langen Pfosten, wo Frank Mauer angerauscht kam und per Rückhand die Scheibe ins Tor lenkte – 4:1 (50.).
Damit war die Messe hier gelesen und München hatte das Spiel entschieden. Beide Mannschaften gerieten nun immer wieder aneinander und wollten schon einmal Zeichen setzen für Spiel Vier in Berlin am Freitag. Ryan Button übertrieb es dabei zwei Sekunden vor dem Ende ein wenig, als er nach dem Bully die Handschuhe weg schmiss und wie von Sinnen auf Mark Olver einschlug. Da könnte noch eine nachträgliche Sperre für den Münchner Verteidiger kommen, es wäre jedenfalls mehr als gerecht. Danach war die Partie aber auch zu Ende und beide Teams konnten die erhitzten Gemüter wieder beruhigen.

Das war heute ein gebrauchter Tag für die Eisbären. Man konnte nicht an die Gala-Vorstellung vom Freitag anknüpfen. Dass München wie die Feuerwehr beginnen würde, war klar, aber sie zogen dieses aggressive Forechecking bis zum Ende durch und ließen die Eisbären so zu keiner Zeit ins Spiel kommen.
Die Berliner waren mehr mit der Defensive beschäftigt, konnten daher nach vorne kaum Akzente setzen, was zwei Torschüsse im ersten Drittel belegen. Zudem leistete man sich zu viele individuelle Fehler. Die Pässe wurden zu ungenau gespielt, so ermöglichte man es München mehrfach zu kontern und lud sie so praktisch zum Shorthander ein. Nach vorne fehlte ihnen die Durchschlagskraft. Erst nach dem 3:1 durch Backman war man sichtlich bemüht, aber das waren alles nur halbherzige Aktionen nach vorne. Selten konnte man Danny Aus den Birken vor schwere Aufgaben stellen.
Und dann, ja dann wären da noch diese unnötigen Strafzeiten. Auf der Strafbank gewinnst du eben kein Spiel. Und manche Strafen waren einfach unnötig, da mangelte es an der Disziplin. Am Freitag hatte man die Berliner noch für ihre Disziplin gelobt, heute nahmen sie eindeutig zu viele Strafzeiten und so konnte man dieses Spiel einfach nicht gewinnen. Sah Kapitän André Rankel bei Magenta Sport ähnlich:

Es ist eine enge Serie. München hat sehr, sehr gut gespielt. Wir können besser spielen. Wir haben zu viele Strafen bekommen, sind so nicht in den Rhythmus gekommen. Wir wussten, dass es ein anderes Spiel werden würde als am Freitag, aber wir waren in einigen Situationen einfach nicht schlau genug.

Aber es sind Playoffs und es war nur ein Spiel. Jetzt heißt es Mund abputzen und auf Freitag und Spiel Vier konzentrieren. Dieses Spiel sollte man schnellstmöglich abhaken, die Lehren draus ziehen und die Fehler abstellen, um am Freitag vor heimischer Kulisse zurückzuschlagen. Diese Serie ist noch lange nicht zu Ende. München hat heute wie ein Champion auf die Blamage vom Freitag reagiert. Nun liegt es an den Eisbären, am Freitag nachzuziehen und wie ein Rekordmeister auf das heutige Spiel und die heutige Leistung zu reagieren.

Playoff-Stand: EHC Red Bull München vs. Eisbären Berlin 2:1 (3:2 n.V./0:4/4:1)