1:2-Rückstand nach drei Spielen: Wird die Disziplin über das Weiterkommen entscheiden?

Aktuell befinden wir Eishockey-Fans uns in der schönsten Jahreszeit, den Playoffs. Aber so richtig will derzeit kein Playoff-Feeling aufkommen, denn während man in den vergangenen Jahren fast immer im Zwei-Tage-Rhythmus gespielt hatte, ist während dieser und nächster Woche spielfrei, erst am Freitagabend geht es mit Spiel Vier der Viertelfinalserie zwischen den Eisbären Berlin und dem EHC Red Bull München (Bully: 19:30 Uhr/Arena am Ostbahnhof) weiter. Deshalb müssen die Berliner noch länger darauf warten, Revanche für das bittere 1:4 aus Spiel Drei in München zu nehmen.

Der Grund für diese Niederlage liegt schnell auf der Hand. Man kassierte schlichtweg zu viele Strafzeiten, musste sechs der ersten zehn Minuten in Unterzahl ran und fand somit im Auftaktdrittel nicht ins Spiel, gab nur ganze zwei Schüsse ab und folglich nahm das Unheil seinen Lauf und München holte sich den zweiten Sieg in der Serie. Dabei hatte München am Freitag in Berlin in Spiel Zwei beim 0:4 noch eins auf den Deckel bekommen, auch da war die mangelnde Disziplin des unterlegenen Teams ausschlaggebend für den Spielausgang.
Folglich enttäuscht waren die Berliner nach der Niederlage vom Sonntagabend. Trainer Stéphane Richer dazu:

Wenn du in den ersten zehn Minuten sechs in Unterzahl spielst, ist es schwierig, in den Rhythmus zu kommen.

Verteidiger Kai Wissmann ergänzte, dass man sich nicht provozieren lassen darf:

Wenn einer am anderen vorbeiläuft, haut er ihm noch mal in die Hacken rein. Da darf man sich nicht provozieren lassen.

Provoziert haben die Münchner am Freitag, als sie satte 82 Strafminuten kassierten. Da ließen sich die Berliner nicht drauf ein, blieben cool und ließen lieber Tore als Taten sprechen, als sich auf die Provokationen der roten Bullen einzulassen. Am Sonntag lag es auch nicht wirklich daran, dass München die Eisbären provozierte, dass man zu viele Strafen nahm. Ja, München spielte sehr hart aber im Vergleich zum Freitag waren die Zweikämpfe doch noch grenzwertig fair. Viel mehr waren es unnötige Strafzeiten, die die Eisbären kassierten. Wenn zum Beispiel ein James Sheppard schon eine Strafe angezeigt bekommen hat und sich dann noch einen Stockschlag leistet, dann kann man da schon von einer äußerst dummen Strafzeit sprechen.

Will man München ausschalten, dann muss man über mindestens 60 Minuten diszipliniert spielen und die sich bietenden Chancen eiskalt nutzen. So wie eben in Spiel Zwei am Freitag, als man München dominierte, sie an die Wand spielte, sie im Angriff verzweifeln ließ und sie so dazu brachte, unsauber zu spielen und viele Strafzeiten zu nehmen. Man muss München einfach den Spaß am Eishockey nehmen, dann leisten sie sich diese unnötigen Strafen, wenn gleich deren Coach Don Jackson sicherlich auch darauf hingewiesen haben dürfte, dass er solche Spiele mit 82 Strafminuten nicht mehr sehen möchte. Die passende Antwort gaben die roten Bullen dann im dritten Spiel der Serie auf eigenem Eis, aber da machten es ihnen die Eisbären auch deutlich zu einfach.

Lag der Druck vor Spiel Drei auf Seiten des Serienmeister, so liegt er am Freitag vor Spiel Vier wieder beim Rekordmeister. Denn verlieren die Hauptstädter dieses Spiel, kann München am Sonntag in Spiel Fünf den Halbfinaleinzug und somit dritten Seriensieg gegen Berlin in Folge perfekt machen. Das wollen die Eisbären natürlich verhindern. Aber wie kann das gelingen?

Wie bereits mehrfach erwähnt, müssen die Jungs vor allem diszipliniert spielen, sich keine unnötigen Strafen leisten und sich nicht provozieren lassen. Man soll zwar hart spielen und die Checks zu Ende fahren, dem Gegner somit unter die Haut gehen, aber es soll eben alles im Rahmen bleiben, so dass die Schiedsrichter keine Strafen dafür verhängen. Wer disziplinierter spielt, wird diese Serie am Ende für sich entscheiden.
Dann muss die Defensive wieder so kompakt stehen wie in Spiel Zwei, als man kaum etwas gefährliches der Münchner zu ließ und wenn doch mal was auf das Tor von Kevin Poulin kam, was im Ansatz gefährlich wurde, war das kein Problem für den Berliner Goalie. Auch auf ihn wird es ankommen, er muss wieder so einen Sahne-Tag erwischen wie in Spiel Zwei, wo allerdings sein Gegenüber Danny Aus den Birken auch einen rabenschwarzen Tag hatte. Es wird viel auf die Kleinigkeiten ankommen, wer die richtig macht, wird Spiel Vier für sich entscheiden.
Was eben auch an der Offensive hängen wird. Beide Mannschaften sind spielerisch stark genug, sich Chancen zu kreieren. Wer die Chancen besser und effektiver nutzt, wer eiskalter vor dem gegnerischen Tor ist, wird am Ende das Eis als Sieger verlassen.

In zwei der bisherigen drei Spiele haben die Eisbären alles richtig gemacht, waren besser als der Meister, der zwar Spiel Eins nach Verlängerung gewann, aber da halt das glücklichere Ende auf seiner Seite hatte. Die ersten beiden Spiele haben die Eisbären deutlich gemacht, zu was sie zum Leisten im Stande sind, dass München sie keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen sollte. München hat sich das nun aber zwei Spiele angeschaut und in Spiel Drei die Antwort gegeben, wenn gleich ich weit davon entfernt bin zu sagen, dass München in diesem Spiel turmhoch überlegen war. Ja, sie haben das Spiel verdient gewonnen und ihre Chancen eiskalt genutzt, aber sie haben eben das gemacht, was ein Spitzenteam ausmacht: Jeden noch so kleinen Fehler des Gegners bestraft. Die Eisbären spielten München mit ihren zu vielen Strafzeiten und Ungenauigkeiten im Passspiel in die Karten, am Ende hatte das Team von Meistercoach Don Jackson keine große Mühe, das Spiel zu gewinnen.

Aber es sind Playoffs und da geht es in jedem Spiel von vorne los, da ist alles, was bisher geschehen ist, vergessen und es zählt nur dieses eine Spiel. Da wollen die Eisbären zurückschlagen und genau das ist das Ziel der Berliner, wie Richer gegenüber der Eishockey News (Ausgabe 12 vom 19.03.2019) sagte:

Wir haben jetzt fünf Tage Pause, um das nächste Spiel vorzubereiten. Dann greifen wir wieder an.

Ab Freitagabend, 19:30 Uhr, wird man sehen, wie gut sich die Eisbären auf dieses vierte Spiel vorbereitet haben, ob sie die Fehler abgestellt haben und München erneut ein Bein stellen können. Diese Serie ist noch lange nicht entschieden und mit dem siebten Mann im Rücken ist für die Eisbären in der Arena am Ostbahnhof alles möglich.