4:6 nach 4:2-Führung: Eisbären brechen nach starkem zweiten Drittel im Schlussdrittel komplett ein

Nach 40 Minuten dachte man, die Eisbären Berlin würden heute Abend die Niederlagenserie beenden, führten sie doch mit 4:2 bei den Thomas Sabo Ice Tigers. Um kurz vor 22 Uhr war jedoch klar, dass es die siebte Niederlage in Folge setzen würde. Vor 6.549 Zuschauern verloren die Berliner das „Sechs-Punkte-Spiel“ bei den Franken mit 4:6 (1:2,3:0,0:4) und rutschten damit auf Platz Zehn in der Tabelle ab. Die Pre-Playoffs geraten mehr denn je in Gefahr.

Auch heute fehlten dem Hauptstadtclub neun Stammspieler. Dafür gaben zwei Verteidiger ihr Comeback. Kai Wissmann kehrte nach überstandener Verletzung zurück ins Team, Constantin Braun gab sogar sein Saison-Debüt. Und „Tine“ wusste um die Bedeutung dieser Partie, wie er im Vorfeld im Interview bei Magenta Sport sagte:

Nürnberg ist generell immer heimstark. Wir wissen, worum es geht. Es wird eine Schlacht mit Playoff-Charakter.

Unterschiedlicher hätten die Voraussetzungen nicht sein können. Während Nürnberg einen guten Lauf hatte – vier Siege aus den letzten fünf Spielen – verloren die Eisbären die letzten sechs Spiele. Und dennoch war es ein Duell auf Augenhöhe in den ersten 20 Minuten.
Vom ersten Bully an war es ein hart umkämpftes Spiel mit intensiven Zweikämpfen, beide Teams wussten um die Bedeutung dieses „Sechs-Punkte-Spiels“. Die erste Chance der Partie hatten dann die Gäste von der Spree. Starker Forecheck von Brendan Ranford, der hinter der Torlinie die Scheibe erkämpfte und sie vor das Tor spielte, wo sein Kumpel Colin Smith zum Abschluss kam, aber an Niklas Treutle scheiterte. Es war der Beginn einer guten Phase der Eisbären mit zwei weiteren guten Möglichkeiten.
Doch nur wenige Augenblicke später fuhr Chris Brown alleine auf Kevin Poulin zu, doch der Berliner Goalie wehrte den Schuss ab. Es entwickelte sich nun ein hin und her, beide Mannschaften suchten immer wieder den Abschluss vor dem Tor.
In der sechsten Spielminute konnten die Nürnberger erstmals an diesem Abend jubeln. Ein klasse Aufbaupass von Oliver Mebus auf Chad Bassen, der passte die Scheibe rüber zu Will Acton in den Slot und dieser vollendete eiskalt – 0:1.
Aber kurz darauf die Eisbären in Überzahl und eher durch Zufall landete die Scheibe nach einem Frank Hördler Schuss und einem Marcel Noebels Abfälscher vor dem Schläger von Sean Backman, welcher die Scheibe im halbleeren Tor versenken konnte – 1:1 (7.).
Nur zwei Minuten später Nürnberg mit der nächsten dicken Chance. Daniel Weiß mit dem Querpass von rechts in den Slot, wo Max Kislinger zum Abschluss kam, in Kevin Poulin aber seinen Meister fand. Und die Eisbären waren zweimal durch Marcel Noebels gefährlich, der einen Schuss vor dem Tor abfälschen und so richtig gefährlich machen konnte. Auch der Nachschuss wurde zu einer guten Chance der Eisbären.
Und dann kam es mal wieder zu einer unnötigen Strafzeit wegen zu vieler Spieler auf dem Eis. Brandon Buck mit einem klasse Zuspiel von links vor das Tor, wo Chris Brown im Zweikampf mit Constantin Braun nur noch die Kelle hinhalten musste – 1:2 (14.).
Und Nürnberg hätte wenige Augenblicke später nachlegen können, doch Patrick Reimer traf nur den Pfosten. Die Eisbären anschließend noch einmal mit einem Powerplay, welches aber harmlos war und somit nahm Nürnberg das 2:1 mit in die Kabine.

Das Mitteldrittel begannen die Eisbären äußerst druckvoll und es sollte ein Vorgeschmack auf die folgenden 20 Minuten werden. Denn das Drittel dominierten eindeutig die Eisbären, mit zunehmender Spieldauer wurden die Hausherren verunsicherter.
Der Aufwand der Berliner wurde in Minute 27 belohnt. Frank Hördler zog einfach mal von der blauen Linie ab, vor Niklas Treutle war viel Verkehr und schon schlug der Puck im Nürnberger Tor ein – 2:2.
Nur 33 Sekunden später lagen die Eisbären plötzlich vorne. Oliver Mebus schlug an der eigenen blauen Linie über die Scheibe, Sean Backman schnappte sich das Spielgerät, spielte einen Doppelpass mit Marcel Noebels und am Ende hatte Backman das leere Tor vor sich und natürlich keine große Mühe, die Scheibe dort zu versenken – 3:2 (27.).
Von Nürnberg war kaum etwas zu sehen, das Spiel Geschehen spielte sich hauptsächlich im Drittel der Franken ab. Die Eisbären noch einmal mit zwei Überzahlspielen, welche sehr gut aussahen. Man fand in die Formation, man spielte gute Pässe und man nahm die Schüsse. Und im zweiten Powerplay sollte sich die gute Arbeit auch belohnen. Colin Smith mit dem Zuspiel auf Micki DuPont an die blaue Linie, welcher vollkommen alleine gelassen wurde. Der Eisbären-Oldie zog ab, Vincent Hessler fälschte unhaltbar ab und schon stand es 4:2 für Berlin (36.). Was zugleich der Pausenstand im Frankenland nach zwei Dritteln war.

Nürnberg kam engagiert aus der Kabine und machte sofort deutlich, dass sie dieses Spiel noch nicht aufgegeben hatten. Und die Eisbären nahmen sofort die nächste unnötige Strafzeit, Kai Wissmann wegen Spielverzögerung. Und Nürnberg nutzte auch das zweite Powerplay an diesem Abend. Klasse Kombination der Franken, Shawn Lalonde wurde auf links außen angespielt und schoss fast auf der Torlinie stehend ein – 4:3 (43.).
Die nächste Strafe ließ nicht lange auf sich warten, dieses Mal traf es Colin Smith wegen Hakens. Zwar überstanden die Berliner diese Unterzahl, aber kaum waren sie komplett, fehlte die Zuordnung noch, was Nürnberg ausnutzen konnte. Patrick Reimer kam am linken Bullykreis zum Schuss, welcher Poulin durch die Schoner ging – 4:4 (48.).
Nürnberg war wieder zurück im Spiel und es sollte noch schlimmer kommen. Die Eisbären vertändelten die Scheibe in der neutralen Zone, 2-auf-1 der Gastgeber, Patrick Reimer mit dem Querpass, welchen Micki DuPont ins eigene Tor lenkte – 4:5 (49.).
Unfassbar, nach dem zweiten Drittel komplett verunsicherte Nürnberger waren auf einmal wieder hellwach und die klar dominierende Mannschaft, während im Mitteldrittel noch überlegene Eisbären völlig auseinander fielen und wenig Gegenwehr zeigten. Ja, sie bemühten sich, ja, sie versuchten viel, aber man merkte ihnen dann wieder die Verunsicherung an und es waren wieder nur halbe Aktionen. Nürnberg stand hinten nun aber auch kompakt und blockte viele Schüsse, machte es den Eisbären so sehr schwer. Und wenn die Eisbären doch aussichtsreich zum Abschluss kamen, war Niklas Treutle im Nürnberger Tor zur Stelle.
Die Eisbären mussten in der Schlussphase aufmachen, was Nürnberg Platz zum Kontern brachte, aber Kevin Poulin war zur Stelle. Nürnberg kassierte dann gut zweieinhalb Minuten vor dem Ende noch einmal eine 2+2-Minuten Strafe, die Eisbären also in Überzahl. Die große Chance, mit zwei Mann mehr den Ausgleich zu erzielen, denn Trainer Stéphane Richer nahm natürlich wenig später Goalie Kevin Poulin vom Eis. Aber Nürnberg erkämpfte die Scheibe und Patrick Reimer sorgte mit seinem dritten Treffer an diesem Abend für den Schlusspunkt unter dieser sehr unterhaltsamen Partie – 4:6 (59.).
Mit den drei Punkten zogen die Franken in der Tabelle an den Eisbären vorbei, welche damit nur noch Zehnter sind.

Nun ja, was will man über das Spiel jetzt sagen? Die Eisbären waren nach 40 Minuten auf der Siegerstraße, spielten ihr bestes Drittel in diesem Jahr und führten mit 4:2 bei komplett verunsicherten Nürnbergern. Da muss man ganz anders zum letzten Drittel aus der Kabine kommen, da muss man dem Gegner zeigen, egal was ihr versuchen werdet, wir geben das Spiel nicht mehr her. Aber Nürnberg hat die Eisbären von Anfang an unter Druck gesetzt und relativ schnell für den Ausgleich gesorgt und dann das Spiel tatsächlich noch komplett gedreht. Weil die Eisbären mit jedem weiteren Gegentreffer mehr und mehr auseinander gefallen sind. Zwar haben sie sich anschließend noch einmal bemüht, aber von der Entschlossenheit, welche man im Mitteldrittel an den Tag gelegt hatte, war nichts mehr zu spüren. Man baute eine komplett verunsicherte Nürnberger Mannschaft wieder auf und gab dieses „Sechs-Punkte-Spiel“ noch aus der Hand. Weil Nürnberg im letzten Drittel mehr Willen und Kampfgeist an den Tag legte als die Eisbären.
Die hätten einfach so weiterspielen müssen, wie die 40 Minuten zuvor bzw. so wie im zweiten Drittel, das war manlwieder richtig starkes Eisbären-Eishockey gewesen. Aber erneut schaffte man es, sich im letzten Drittel um den Lohn einer eigentlich guten Leistung zu bringen. Das war am Sonntag in Wolfsburg schon der Fall, als man den sicher geglaubten Punkt noch aus der Hand gab. Und heute dachten wohl alle nach dem zweiten Drittel, es könnten tatsächlich mal wieder drei Punkte werden.
Man hat halt mal wieder einen Weg gefunden, das Spiel noch zu verlieren. Man hätte in den letzten 20 Minuten genauso weiterspielen müssen, dann wären die Nürnberger nicht zurückgekommen aber man hat das Eishockey spielen fast schon wieder eingestellt und sich seinem Schicksal ergeben. Man fragt sich, wann diese Mannschaft die Niederlagenserie beenden will? Heute war die beste Gelegenheit dazu, die Mannschaft zeigte 40 Minuten lang, dass sie wussten, was auf dem Spiel stand. Nur leider hat ein Eishockeyspiel 60 Minuten.

Florian Busch mit seiner Analyse nach dem Spiel:

Die Strafzeiten waren unglücklich. Wir schießen im zweiten Drittel drei Tore, die im dritten Drittel vier. Die Strafen haben es letztendlich ausgemacht. Wir spielen kein schlechtes Eishockey, wir müssen halt nur mal Erfolg haben. Wir waren Sonntag schon nah dran, heute auch wieder. Wir brauchen Punkte. Wir sind Berlin, wir geben nicht auf.