Erneut 2:6 auswärts: Die Eisbären halten lange mit Spitzenreiter Mannheim mit, verlieren dann aber durch unnötige Fehler das Spiel

Puh, diese Saison bleibt für Eisbären-Fans einfach sehr zäh, sehr schwere Kost. Am Donnerstagabend verloren die Eisbären Berlin ihr Auswärtsspiel bei Spitzenreiter Adler Mannheim mit 2:6 (1:1,1:3,0:2) und kassierten damit im zweiten Auswärtsspiel in Folge sechs Gegentreffer auf fremden Eis, zudem die dritte Niederlage in Folge. Und zu allem Überfluss verlor man mit James Sheppard auch noch den Top-Scorer, der nach einem unsauberen Check von David Wolf, welcher dafür übrigens keine Spieldauer kassierte, das Spiel vorzeitig beenden musste und dessen Einsatz am Sonntag in Wolfsburg noch fraglich ist.

Was die Personalsituation der Eisbären nicht unbedingt besser macht, fehlten doch bereits in der Kurpfalz Marvin Cüpper, Mark Cundari, Kai Wissmann, Florian Kettemer, Thomas Oppenheimer, Martin Buchwieser und Mark Olver. Daniel Fischbuch saß überzählig auf der Tribüne. Dafür spielte in Mannheim wieder Eric Mik und Cedric Schiemenz gab sein DEL-Debüt. Die Eisbären also mit einer Rasselbande, waren doch auch Maximilian Adam, Charlie Jahnke und Vincent Hessler mit dabei. Und im Tor stand erneut Kevin Poulin.

Nach einem ausgeglichenem Beginn mit Chancen auf beiden Seiten gingen die Eisbären in der siebten Spielminute in Führung. Frank Hördler brachte die Scheibe vor das Mannheimer Tor, André Rankel stoppte den Puck und schoss aus der Drehung auf das Tor, tunnelte dabei Adler-Keeper Dennis Endras und schon stand es 1:0.
Der Rückstand schmeckte den Adlern überhaupt nicht und sie nahmen Fahrt auf, aber die Eisbären versuchten es ihnen so schwer wie möglich zu machen. Und wenn war ja auch Kevin Poulin zur Stelle, aber auch er konnte dem Druck der Mannheimer irgendwann nicht mehr Stand halten. In Überzahl deutete sich der Treffer lange an, eher Mannheim das Powerplay auch nutzen konnte. Den Schuss von Joonas Lehtivuori konnte Poulin noch parieren, gegen den Nachschuss von Matthias Plachte war der Berliner Schlussmann dann aber machtlos – 1:1 (12.).
Fortan hatten beide Teams ihre Chancen, aber es blieb beim 1:1, angesichts der Schussstatistik von 15 zu 5 Schüssen für Mannheim glücklich für die Eisbären, die hier aber keinesfalls schlecht spielten und vor allem bei Fünf-gegen-Fünf auf Augenhöhe agierten.

Was auch immer die Eisbären in der Kabine von Trainer Stéphane Richer gesagt bekamen, sie brauchten anscheinend länger als die 18 Minuten Pause, um das zu verarbeiten, denn nach nur neun Sekunden klingelte es bereits im Berliner Gehäuse. Andrew Desjardins stand am rechten Pfosten völlig frei und netzte mühelos ein – 1:2 (21.).
Aber die Eisbären waren keinesfalls geschockt, kamen nur drei Minuten später zum Ausgleich. James Sheppard kam über links ins Angriffsdrittel, ließ sich von keinem Adler-Spieler aufhalten, zog ab und sorgte für den 2:2-Ausgleich.
Anschließend die Eisbären mit einem guten Überzahlspiel, aber sie konnten ihre Chancen nicht nutzen. Aber auch die Adler hatten vorne ihre Chancen, beide Goalies konnten sich mehrfach auszeichnen. Die Eisbären waren hier auf Augenhöhe und zeigten mal wieder, dass die Mannheimer in dieser Saison zu ihren Lieblingsgegnern zählten, hatte man doch beide bisherigen Duelle für sich entschieden und noch keinen Punkt in dieser Saison gegen die Kurpfälzer abgegeben.
In der 34. Spielminute gab es dann den Bruch im Eisbären-Spiel, welcher nach einem unsauberen Check von David Wolf gegen James Sheppard kam. Sheppard musste das Spiel verletzungsbedingt vorzeitig beenden, Wolf kam mit 2+10-Minuten glimpflich davon.
Aber der Ausfall von Sheppard tat den ohnehin schon arg dezimierten Eisbären richtig weh, nicht nur, weil die Nummer 88 Top-Scorer der Eisbären ist, nein, auch weil er an beiden Toren in Mannheim beteiligt war.
Zwei Minuten vor der zweiten Drittelpause die Eisbären mit einem Wechselfehler, Matthias Plachta tauchte so plötzlich völlig frei vor Poulin auf und ließ diesem keine Chance – 2:3 (38.).
Und es sollte noch schlimmer kommen. Die Eisbären schalteten zu früh ab, Luke Adam kam sieben Sekunden vor der Pause zum Abschluss und Kevin Poulin rutschte die Scheibe irgendwie durch – 2:4 (40.).
Das war so bitter, eigentlich ein gutes Drittel der Eisbären, aber zwei Fehler reichten aus, um wieder in Rückstand zu geraten.

Im Schlussdrittel sorgte Mannheim dann früh für die Entscheidung. Überzahl Mannheim, Luke Adam mit viel zu viel Zeit auf der linken Seite, konnte sich die Ecke genau aussuchen und schoss ein zum 5:2 (44.).
Danach passierte nicht mehr so viel. Mannheim musste verletzungsbedingt den Goalie wechseln, Chet Pickard ersetzte Dennis Endras. Nach vorne ging bei den Eisbären nicht mehr viel, man hatte sich aufgegeben und das zeigte man auf dem Eis auch, die Körpersprache sprach Bände. So spielt keine Mannschaft, die noch an die Wende glaubt. Und Mannheim? Die packten durch Chad Kolarik noch den Sonntagsschuss aus und erhöhten auf 6:2 (57.). Was zugleich der Schlusspunkt war.

Eine Niederlage, die zu erwarten war. Mannheim ist einfach das Maß der Dinge in dieser DEL-Saison. Eine Niederlage, die vermeidbar gewesen wäre? Ja, wenn man die unnötigen Fehler, die Konzentrationsprobleme abstellen würde. Ein Gegentor neun Sekunden nach Wiederbeginn, ein Gegentor sieben Sekunden vor der Pause, ein Gegentor nach einem Wechselfehler. Man macht sich so ein relativ gutes Auswärtsspiel kaputt, man hielt mit Mannheim durchaus mit und das Spiel lange offen, machte sich dann aber alles wieder selbst kaputt.
Eine Steigerung im Vergleich zum Krefeld-Spiel war durchaus zu erkennen, nur steht man am Ende wieder ohne Punkte da und das letzte Drittel war dann auch eher enttäuschend, da man praktisch kampflos aufgegeben hatte. Denn Drei-Tore-Rückstände wurden im Eishockey schon öfter aufgeholt, man hätte es also wenigstens versuchen können, aber dazu fehlte der Mannschaft die Lust und der Glaube.
Vielleicht klappt es ja am Sonntag mal mit drei Punkten in Wolfsburg, welche ja ebenso eine katastrophale Saison erleben. Die letzten drei Punkte holte man übrigens am zweiten Weihnachtsfeiertag durch ein 5:3-Heimsieg gegen Bremerhaven. Es wird mal wieder Zeit, allein der Glaube daran fehlt mir, denn dafür spielen die Eisbären einfach nicht konstant genug, machen immer wieder die selben Fehler, nehmen immer wieder dumme Strafen und vor allem, was für ein System will man eigentlich spielen? Der Trainerwechsel hat jedenfalls genau das Gegenteil erreicht von dem, was man sich erhofft hatte. Man spielt noch schlechter als unter Clément Jodoin. Aber Stéphane Richer wird schon wissen, was er da tut, auch wenn ich das um ehrlich zu sein stark bezweifle, dass er überhaupt weiß, was er da tut.