1:4 in Spiel Drei: Auf der Strafbank gewinnst du keine Spiele

Die Eisbären Berlin liegen erstmals in der DEL-Finalserie 2018 hinten. Am Mittwochabend verlor der DEL-Rekordmeister Spiel Drei beim zweifachen Deutschen Meister EHC Red Bull München mit 1:4 (0:1,0:2,1:1) und steht damit vor Spiel Vier auf eigenem Eis am Freitagabend schon gehörig unter Druck. Der Grund für die Niederlage war schnell ausgemacht. Die Eisbären kassierten zu viele Strafzeiten und verloren das Spiel somit auf der Strafbank. Und dass man dort kein Spiel gewinnt, sollte jedem bekannt sein. 

Eisbären-Chefcoach Uwe Krupp hatte das selbe Personal zur Verfügung wie in Spiel Zwei am Sonntag in Berlin. Petri Vehanen, der zum letzten Drittel ausgewechselt wurde, stand heute wieder von Beginn an im Tor.

(Foto: DEL / City-Press GmbH)

Die Eisbären kamen gut rein in Spiel Drei, spielten wieder ein aggressives Forechecking und machten deutlich, dass sie hier heute gewinnen wollten. Nach drei Minuten gab es dann auch die erste gefährliche Szene vor dem Münchner Tor, aus der dann die erste Strafzeit der Partie für München entstand. Aber das Powerplay bleibt DAS große Sorgenkind der Eisbären. Einzig André Rankel brachte einen guten Schuss zu Stande.
München hatte nach fünf Minuten die erste gute Chance durch Ex-Eisbär Mads Christensen, welcher vor dem Tor angespielt wurde, aber an Vehanen scheiterte.
Direkt im Gegenzug Micki DuPont mit einem Schuss von der blauen Linie. Rihards Bukarts fälschte gefährlich ab und setzte auch nochmal zum Nachschuss an, beides gefährliche Chancen für Berlin.
Es folgte die erste Strafe für die Eisbären nach sieben Minuten. James Sheppard hatte sich von Steve Pinizzotto provozieren lassen und durfte dafür auf die Strafbank. München und Powerplay? Das ist eine Geheimwaffe. Keith Aucoin hat auf der rechten Seite viel Zeit und Platz, kann so lange warten, bis Yannic Seidenberg auf links sich frei gelaufen hat, spielte die Scheibe passgenau rüber und Seidenberg netzte eiskalt ein – 0:1 (8.). München immer mit dem selben Muster, da hätten die Eisbären besser aufpassen müssen.
Fünf Minuten später das zweite Powerplay für München, diesmal standen die Berliner besser in Unterzahl und trotzdem gab es eine Riesenchance für die Gastgeber. Brooks Macek wurde vor dem Tor angespielt, hatte viel Platz, zog ab, sein Schuss ging aber knapp über das Tor.
München war seit dem 1:0 deutlich besser drin im Spiel, setzte die Eisbären immer wieder unter Druck und setzte sich zudem immer wieder im Angriffsdrittel fest. Die Eisbären fanden kaum noch zu ihrem Spiel, hatten immer wieder Probleme mit der Zuordnung in der Defensive und am Ende auch Glück, dass es nach 20 Minuten nur 0:1 stand. Jason Jaffray vergab die letzte gute Chance im Auftaktdrittel, als Petri Vehanen seinen Schuss an den Pfosten lenkte (17.).

Das zweite Drittel begann aus Eisbären-Sicht gut, denn nach nur 45 Sekunden hatte Jamie MacQueen

(Foto: DEL / City-Press GmbH)

die erste gute Chance. Sein Schuss wurde noch abgefälscht und wurde somit gefährlich.
Aber München ließ nicht nach, spielte weiter offensiv und wurde zu Chancen eingeladen. Sean Backman mit dem Puckverlust im eigenen Drittel, Dominik Kahun kam an die Scheibe, zog aus dem Slot ab, traf aber nur die Latte (23.). Nur eine Minute später Jon Matsumoto mit dem Bauerntrick, dem Querpass auf Jerome Flaake, doch Petri Vehanen mit einem klasse Stockhand-Save.
28 Minuten waren gespielt, da kassierten die Eisbären die nächste Strafzeit und erneut klingelte es im Tor. Derek Joslin hatte von der blauen Linie abgezogen, Petri Vehanen rutschte die Scheibe durch, blieb auf der Torlinie liegen, Matsumoto setzte nach und drückte den Puck über die Linie – 0:2 (28.).
Die Eisbären fortan durchaus bemüht und auch mit guten Offensivaktionen, waren nach dem Powerbreak besser drin im Spiel, konnten aber Danny Aus den Birken nicht überwinden. Hinten leistete man sich aber weiter Fehler, so auch Jonas Müller. Der Youngster mit einem Fehlpass im eigenen Drittel, Patrick Hager kam an die Scheibe, zog ab, aber Vehanen mit einem klasse Save.
Aber die Eisbären ließen vorne nicht nach und hatten nach einem gewonnenen Bully die große Chance zum Anschlusstreffer, doch Marcel Noebels traf nur die Latte. Auch kurze Zeit später weitere gute Möglichkeiten für die Berliner, leider ohne Erfolg im Abschluss.
Dann mal wieder München mit einer Drangphase, aus der das nächste Powerplay entstand. München mit einem guten Powerplay und zwei sehr guten Chancen. Hager scheiterte an Vehanen, Kahun an der Latte. Kaum waren die Eisbären wieder komplett, mussten sie erneut in Unterzahl antreten und dieses Mal klingelte es im Berliner Tor. München in der Formation, Jason Jaffray wurde am kurzen Pfosten angespielt, Michael Wolf lief sich am langen Pfosten frei, bekam die Scheibe und hatte keine große Mühe, den Puck im halbleeren Tor zu versenken – 0:3 (38.). Das ging wieder zu einfach, zumal es immer wieder der selbe Spielzug in Überzahl von München ist. Beim Stand von 0:3 ging es dann auch in die zweite Drittelpause.

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Das letzte Drittel begann aus Eisbären-Sicht sehr gut. Strafe gegen Darryl Boyle, Überzahl Eisbären und der Anschlusstreffer. Frank Hördler mit dem Schuss von der blauen Linie, Nick Petersen hielt die Kelle in den Schuss und schon zappelte die Scheibe im Münchner Tor – 1:3 (44.).
Die Eisbären nahmen den Schwung des Anschlusstreffers mit, wollten hier direkt nachlegen. München lauerte auf Konter, um das Spiel zu entscheiden.
Dann aber bekam München erstmal wieder ein Überzahlspiel, doch das Penaltykilling der Eisbären war besser als in den beiden Dritteln zuvor und somit überstand man die Unterzahl schadlos.
Kaum wieder komplett, spielten die Eisbären weiter offensiv und mit aggressivem Forechecking. München stellte sich hinten rein und versuchte, die Schusswege zuzumachen und die Schüsse zu blocken. Und zudem lauerten sie weiter auf ihre Chancen. Und die sollten kommen.
In der 51. Spielminute wurde Frank Mauer im Slot angespielt, er zog ab, aber Vehanen war auf dem Posten. Noch in der selben Minute ein Zuckerpass von Darryl Boyle aus dem eigenen Drittel heraus in den Lauf von Patrick Hager, welcher alleine auf Vehanen zu lief, zu einem satten Schlagschuss ausholte und den Puck ins Berliner Tor hämmerte – 1:4 (51.).
Dieser Treffer war dann praktisch die Entscheidung gewesen. München tat weiterhin nicht mehr als nötig, die Eisbären zeigten sich weiterhin bemüht nach vorne, wussten aber, dass die Partie hier entschieden war. So brachte München das 4:1 souverän über die Zeit.

Ein am Ende klar verdienter Sieg für den Deutschen Meister, der mal wieder seine Extraklasse in

(Foto: DEL / City-Press GmbH)

Überzahl unter Beweis stellte. Drei von vier Toren erzielte München in Überzahl, somit waren mal wieder die Special Teams der Knackpunkt. Was an sich schon ärgerlich ist, weil man um die Stärke von München in Überzahl weiß. Aber was noch viel schlimmer ist, München hat meistens immer den selben Spielzug in Überzahl und das sollten die Eisbären eigentlich wissen. Und trotzdem konnte München genau jenen Spielzug durchziehen und war damit am Ende erfolgreich.
Die Eisbären sollten an ihrer Disziplin arbeiten, unnötige Strafen vermeiden, denn sonst hast du in dieser Finalserie keine Chance gegen den Titelverteidiger. Die Eisbären müssen zurück zu der Leistung aus Spiel Eins, als man München mit der da gezeigten Spielweise vor große Probleme stellte und letztendlich Spiel Eins für sich entscheiden konnte. Von der in Spiel Eins gezeigten Leistung war in den Spielen Zwei und Drei nicht mehr viel zu sehen. Finden die Eisbären zurück zur Spielweise von Spiel Eins, könnten sie am Freitag die Serie ausgleichen. Wenn nicht, dann winkt München am Sonntag die dritte Meisterschaft in Folge

Playoff-Stand: EHC Red Bull München vs. Eisbären Berlin 2:1 (3:4/5:4/4:1)