Nach dem Debakel in Ingolstadt: Die Eisbären müssen gegen den Tabellenletzten Krefeld eine Reaktion zeigen

Weihnachten ist vorbei und in Berlin brennt der Baum. Nach dem 1:7-Debakel beim ERC Ingolstadt am zweiten Weihnachtsfeiertag ist die Stimmung in der Hauptstadt entsprechend schlecht. Die Fans sind nach dem Desaster verständlicherweise angefressen und erhoffen sich von ihren Lieblingen morgen Abend im letzten Heimspiel des Jahres eine entsprechende Reaktion. Zu Gast sein werden dann die Krefeld Pinguine, ihres Zeichen aktueller Tabellenletzter. Für die Berliner also ein Pflichtaufgabe? Angesichts der Ansprüche, die man in Berlin hat, auf jeden Fall. Und nach dem Ingolstadt-Debakel jetzt erst recht.

Nur wie will man Krefeld besiegen? Mit der Leistung vom Montag wird es auch gegen dem Tabellenletzten nicht mit einem Sieg klappen. Zu ideenlos, ohne Zweikampfhärte, mit eklatanten Fehlern in der Defensive und zudem nicht als Einheit waren die Eisbären in Ingolstadt aufgetreten. So kannst du in dieser Liga nicht bestehen, so holst du nicht einen einzigen Punkt. Das war ab dem zweiten Drittel nach vorne zu harmlos und hinten war man gehörig anfällig und lud die Schanzer förmlich zum Tore schießen ein. Die nahmen die Einladungen natürlich dankend an.

Hat man in Berlin nach dem 1:7 nun den Ernst der Lage erkannt? Laut dem Sportlichen Leiter Stefan Ustorf anscheinend ja, wie die ehemalige Nummer 14 der Eisbären gegenüber dem Tagesspiegel erklärte:

Die Lage hier ist jedem klar. Wir reden viel mit den Spielern und die wissen auch, was nicht läuft und dass die momentane Leistung nicht ausreicht.

Man hat sich während dieser Saison nach so manchem Spiel schon gewünscht, die Spieler wüssten, woran es hapert und sie würden die Fehler im darauffolgenden Spiel abstellen. Aber das Abwechseln von Siegen und Niederlagen, von einigermaßen guten und dann wieder schlechten Leistungen zieht sich wie ein roter Faden durch diese Saison. Von daher würde ich mal eher behaupten, die Spieler wissen nicht, wie ernst die Lage aktuell ist. Viel mehr bleibt die Frage, wie lange man sich in der Führungsetage der Eisbären das Ganze noch anschauen will. Denn das es zwischen Mannschaft und Trainerteam nicht stimmt, sollte spätestens seit gestern Nachmittag jedem klar sein. Als Coach Uwe Krupp und sein Co Marian Bazany während einer Auszeit beim Stand von 0:4 nicht mit dem Team redeten. Aber auch die Spieler untereinander schwiegen sich an. Bleibt die Frage, ob Uwe Krupp die Mannschaft noch erreicht und ob er überhaupt noch der Richtige für die Eisbären ist?

Meine Meinung: Uwe Krupp erreicht die Mannschaft nicht mehr. Seine Handschrift ist nicht zu erkennen, man sieht kein System, welches er spielen lassen will. Dazu kommt aber noch, dass auch etliche Leistungsträger ihrer Form aus alten Zeiten meilenweit hinterher laufen und das die Mannschaft zu selten als solche auftritt. Der Freitag, als man gegen Wolfsburg geschlossen zusammen für den 2:1-Sieg kämpfte, scheint eine der wenigen Ausnahmen in dieser Saison gewesen zu sein. Viel mehr sieht man in dieser Saison, wie oft die Spieler es mit Einzelaktionen versuchen. Viele Spieler der Eisbären sind einfach satt nach den vielen Meisterschaften in der Vergangenheit, die Neuzugänge konnten die entstandenen Lücken ehemaliger Leistungsträger wie Ustorf, Walker und Pederson nicht gleichwertig schließen. Die Eisbären sind nicht mehr die Eisbären aus den Meisterjahren. Der Umbruch muss endlich kommen, aber der gestaltet sich anscheinend schwerer als gedacht. Wenn man aber auch Total-Ausfällen wie Barry Tallackson einen neuen Vertrag gibt und aus diesem dann nicht so einfach heraus kommt, ist wohl alles gesagt. Uwe Krupp hatte vor der Saison recht damit, als er sagte, der Kader sei zu dünn besetzt. Er wurde nicht erhört. Er selbst hat es aber auch nicht geschafft, mit dem vorhandenen Personal eine Mannschaft zu formen. Von daher ist für mich die Zeit von Uwe Krupp als Eisbären-Trainer vorbei.

Gegen Krefeld erwarten wahrscheinlich alle morgen Abend einen Sieg, weil die Pinguine ja Letzter sind. Aber unsere Jungs sind ja bekannt dafür, gegen solche Mannschaften gerne mal zu locker in ein Spiel zu gehen um sich am Ende dann zu wundern, warum man mit halber Kraft das Spiel nicht gewonnen hat. Sollte wirklich jedem Spieler der Ernst der Lage klar sein, wie es Stefan Ustorf ja sagt, dann müssen sich morgen alle Spieler den Hintern für die Eisbären aufreißen und eine Reaktion auf dem Eis zeigen. Krefeld muss von der ersten Sekunde an unter Druck gesetzt werden, muss die Wut der Eisbären zu spüren bekommen. Die Jungs müssen im letzten Heimspiel des Jahres 2016 noch einmal alles raushauen. Für sich selbst, aber vor allem für die treuen Fans, die immer mit voller Kraft hinter ihrem Team stehen. Egal wie schwer die Zeiten auch sind. Aber wenn unsere Jungs morgen Abend keine Reaktion zeigen, könnte dem Team auch einmal Gegenwind ins Gesicht stoßen. Denn das 1:7 hat viele Fans verärgert und wenn man nun keine Reaktion der Mannschaft sieht, könnten den Eisbären ungemütliche Wochen bevorstehen.

Das gegen Krefeld und wohl auch in den nächsten Wochen nun auch noch einer der wenigen Leistungsträger dieser Saison ausfallen wird, macht die Sache nicht leichter. Gemeint ist Stürmer Darin Olver, welcher nach einem Zusammenprall im ersten Drittel in Ingolstadt zu Beginn des zweiten Drittels nicht mehr zurück auf das Eis kehrte. Olver verletzte sich am Knie und droht nun auf unbestimmte Zeit auszufallen. Dazu fehlen ja auch noch Marcel Noebels, Frank Hördler und Jonas Müller. Bei Stürmer Kyle Wilson hofft man jedenfalls auf eine Rückkehr in den Kader, nachdem er in Ingolstadt aufgrund von Magen-Darm-Problemen ausgefallen war.

Aber egal, wer morgen für die Eisbären auf dem Eis stehen wird. Jedem sollte der Ernst der Lage bewusst sein. Versöhnen die Eisbären ihre Fans mit einem Heimsieg oder aber enttäuschen sie ihre Fans ein weiteres Mal und sorgen für ein denkbar schlechtes Jahresende? Wir werden es sehen. Einer hätte morgen Abend aber auf jeden Fall ein tolles Spiel und einen Sieg verdient – Stefan Ustorf. Die ehemalige Nummer 14 der Eisbären wird morgen Abend im Rahmen einer Trikot-Zeremonie für seine langjährigen Verdienste im Eisbären-Trikot geehrt. Sein Trikot mit der Nummer 14 kommt unter die Arena-Decke und die 14 wird anschließend nicht mehr vergeben. Gebt alles, Eisbären! Für Stefan Ustorf, für die Fans aber vor allem, für euch selbst!

  • Ich kann mich den Kommentaren nur anschließen. Was mir ein wenig in Ihren Betrachtungen fehlt, ist dass Herr Lee nie hinterfragt wird. Letztes Jahr holte er die Eishockeykompetenz aus Japan ( ich halte das heute noch für einen Werbegag) und dieses Jahr der Verhandlungsmarathon mit Herr Tallackson. Ich war immer ein Fan von Barry und man kann auch mal ein Tief haben, aber dieses dauert nun schon über 30 Spieltage an.