Walker’s Meinung zum CHL-Auftakt: Vorne sehr ansehnlich, hinten sehr anfällig – Special Teams stark

125px-Logo_ERC_Ingolstadt_svgDie für die Eisbären Berlin ungewohnt lange Sommerpause ist vorbei. Am Wochenende begann für den DEL-Rekordmeister die Eishockey-Saison 2014/2015. In der Champions Hockey League (CHL) empfingen die Berliner am Freitagabend in der O2 World den tschechischen Meister PSG Zlín. Diese Partie verloren die Hauptstädter knapp mit 3:4 n.P. (Spielbericht). Nur einen Tag später mussten die Eisbären in der Schweiz bei HC Fribourg-Gottéron antreten. Auch diese Partie verloren die Berliner, diesmal recht deutlich mit 3:6 (Spielbericht). Der Pflichtspiel-Auftakt ging für die Eisbären also in die Hose. Dabei war man mit so großen Erwartungen in die neue Eishockey-Spielzeit gestartet. Man wollte die letzte Saison, welche aus Berliner Sicht sehr schlecht verlief, vergessen machen und stattdessen wieder angreifen. In der CHL wollte man dabei den ersten guten Eindruck hinterlassen. Was aus meiner Sicht jedoch nur bedingt gelungen ist.

Zwar ist die Deutsche Eishockey Liga (DEL) das Kerngeschäft für die Eisbären Berlin, doch war man auch mit sehr großen Ambitionen in die CHL gestartet. Die KO-Phase möchte man wenn möglich schon erreichen. Doch in den ersten beiden Spielen klappte bei den Berlinern noch nicht alles. Was sicherlich zum Einen auch daran liegen mag, dass man noch in der Vorbereitung auf die DEL-Saison ist. Nur wenn man in der CHL etwas erreichen will, dann muss man auch zum Start der europäischen Königsklasse im Eishockey auf den Punkt topfit und hoch konzentriert sein.

Das waren unsere Jungs aber nur bedingt. In der Offensive waren sowohl gegen Zlín als auch in Fribourg durchaus ansehnliche Kombinationen dabei. Die Eisbären konnten sich in beiden Spielen gute Torchancen erspielen. Und die Chancen waren nicht immer nur zufällig entstanden sondern zum größten Teil sehr gut heraus gespielt. Immerhin sechs Tore konnte man in den ersten beiden CHL-Spielen erzielen, was jetzt nicht unbedingt so schlecht ist.

Vor allem die Special Teams klappten bei den Hauptstädtern erstaunlich gut. In Überzahl konnte man vier Treffer bei zwölf Überzahlspielen erzielen, was in der CHL-Statistik Platz Acht mit einer Erfolgsquote von 33,33 Prozent bedeutet. In Unterzahl sind die Berliner nach den ersten beiden Spieltagen sogar das beste Team in der CHL zusammen mit vier weiteren Teams (JYP, Oulu, Linköping und Turku). Alle sieben Unterzahlspiele haben unsere Jungs schadlos überstanden.

Auch wenn die Defensive in Unterzahl sehr gut stand, so war sie bei Fünf-gegen-Fünf das ein oder andere Mal doch sehr anfällig. Im Spielaufbau unterliefen den Eisbären zu viele leichte Stockfehler, der Puck wurde leichtfertig hergeschenkt und so wurde es den Gegnern ermöglicht, zu guten Torchancen zu kommen. Was auch relativ oft der Fall war: Die gegnerischen Spieler standen desöfteren frei vor den Berliner Torhütern Petri Vehanen (vs. Zlín) und Mathias Niederberger (vs. Fribourg). So gut die beiden Torhüter auch hielten, sie wurden zu oft von ihren Vorderleuten im Stich gelassen, weshalb sie die Gegentore nicht wirklich verhindern konnten.

Vielleicht ist die Defensive der Berliner dann doch zu dünn besetzt. Am Freitag hatte man alle sieben Verteidiger an Board. Dazu stehen mit Jonas Müller und Kai Wissmann zwei Youngster im Kader, denen es jedoch noch an Erfahrung fehlt. Gegen Fribourg am Samstag fiel dann Frank Hördler auf und so hatte man nur noch sechs Verteidiger zur Verfügung, wovon jedoch nur vier ausreichend Erfahrung hatten. Die Defensive könnte in der kommenden DEL-Saison die große Baustelle der Hauptstädter werden. Wenn da mal ein, zwei Spieler gleichzeitig ausfallen, wird es recht dünn in der Defensive. Die Verteidiger, die man unter Vertrag hat, sind sicherlich keine schlechten. Doch vor allem in der letzten Saison und auch teilweise jetzt schon wieder hat man gesehen, dass u.a. Jimmy Sharrow und Casey Borer nicht immer fehlerfrei spielen. Vielleicht fehlt da dann doch noch ein Top-Defender, der über ausreichend Erfahrung verfügt, die Defensive zusammenhält und hinten für Ruhe sorgt und nach vorne zugleich gute Akzente setzen kann.

Was unsere Jungs anscheinend auch nicht abstellen können, ist ihre Schwäche im zweiten Drittel. Am Freitag gegen Zlín ließ man zu viele Chancen der Tschechen zu. Wenn Petri Vehanen da nicht so stark gehalten hätte, wäre die Partie schon im Mitteldrittel entschieden gewesen. Und am Samstag in Fribourg kassierten die Berliner im Mitteldrittel in den letzten zehn Minuten drei Gegentore. Es scheint immer noch das alte Problem da zu sein, über 60 Minuten konzentriert zu Werke zu gehen. Daran gilt es in den nächsten Wochen weiterhin zu arbeiten, damit sich so etwas in Zukunft nicht unbedingt dauerhaft wiederholt.

Aber ich viel nicht alles schlecht reden. Die Offensive und die Special Teams haben ich bereits positiv erwähnt. Was auch noch sehr schön mit anzusehen war, war der Fakt, dass unsere Jungs Moral zeigten. Am Freitag lagen sie gegen Zlín bereits mit 1:3 hinten und dennoch gaben unsere Jungs nicht auf, kämpften sich am Ende zurück in die Partie und glichen zum 3:3 aus. In Fribourg lagen die Berliner nach 40 Minuten mit 0:3 hinten und trotzdem gaben sie im letzten Drittel noch einmal alles und kamen immer wieder heran. Das lässt für die Zukunft hoffen.

Wenn die Eisbären die Fehler abstellen können, ist mit ihnen wieder zu rechnen. Vorne hat man schon sehr gute Ansätze gezeigt, die beiden Torhüter haben auch bewiesen, dass sie eine Verstärkung sind und die Defensive hat zumindest in den Special Teams ihr Können angedeutet. Wenn man jetzt noch einen Top-Defender holt, kann sich auch die Defensive dauerhaft stabilisieren.