Matchpuck abgewehrt! Die Eisbären gewinnen mit 4:1 in Wolfsburg und holen die Serie zurück nach Berlin

Sie haben es schon wieder getan: Zum dritten Mal verloren die Eisbären Berlin Spiel Eins einer Serie, zum dritten Mal gewannen sie anschließend Spiel Zwei auswärts. Auch heute setzte sich diese Geschichte fort. Bei den Grizzlys Wolfsburg setzten sich die Hauptstädter hochverdient mit 4:1 (1:0,2:1,1:0) durch und glichen somit die Serie aus. Nun kommt es am Freitagabend in der Hauptstadt zum ultimativen Showdown um die deutsche Eishockey-Meisterschaft. Weil das Trainerteam um Serge Aubin die richtigen Schlüsse aus Spiel Eins gezogen hatte und Wolfsburg so vor eine unlösbare Aufgabe stellte. Und ganz nebenbei war es zudem der erste Saisonsieg gegen Wolfsburg – zum bestmögichsten Zeitpunkt in der Saison.

Ausgerechnet vor diesem Do-or-die-Spiel musste Trainer Serge Aubin auf Zach Boychuk verletzungsbedingt verzichten. Daher wurden die Reihen umgestellt. Lediglich die Noebels-Reihe blieb gleich. Matt White bildete mit Mark Zengerle und Parker Tuomie die zweite Angriffsreihe, in der dritten Reihe wirbelten Giovanni Fiore, Mark Olver und Kris Foucault zusammen und in der vierten Reihe standen PC Labrie, Sebastian Streu und Fabian Dietz, welcher für Boychuk nachrückte. Im Tor und in der Defensive blieb alles beim alten.

Die Ausgangslage war klar. Wolfsburg konnte mit einem Sieg die erste Meisterschaft einfahren, die Eisbären hingegen wollten mit einem Sieg den ultimativen Showdown in der Hauptstadt erzwingen. Psychologisch waren sicherlich die Niedersachsen im Vorteil, hatten sie doch alle fünf bisherigen Duelle gegen die Berliner gewonnen. Allerdings gingen allein vier dieser Duelle in die Verlängerung bzw. das Penaltyschießen. Und zudem kannten die Eisbären diese Situation bereits, stand man doch schon im Viertelfinale in Iserlohn und im Halbfinale in Ingolstadt mit dem Rücken zur Wand. Am Ende holte man die Serie stets zurück an die Spree und setzte sich dort dann endgültig durch. Eine Wiederholung dieser Geschichte wäre heute aus Berliner Sicht definitiv wünschenswert.

Die Eisbären kamen mit einem aggressiven Forechecking aus der Kabine, doch die ersten Schüsse gab Wolfsburg ab. Diese waren jedoch harmlos und somit kein Problem für Mathias Niederberger. Danach ging es nur in Richtung Wolfsburger Tor und die Eisbären machten gehörig Druck und brachten die Scheiben zum Tor. Da wurde es schon erstmals brenzlig für Grizzlys, die etwas überrascht wirkten ob des aggressiven Forecheckings der Eisbären. Die ersten Chancen hatten sich die Berliner also früh erspielt, genau das schaffte man am Sonntag erst sehr spät.
Doch dann nahm man sich selbst den Schwung durch die erste Strafzeit der Partie gegen Parker Tuomie. Das gefährliche Wolfsburger Powerplay bekam somit seine erste Chance. Und die Grizzlys fanden in ihre Formation, ließen die Scheibe laufen und hatten durch Spencer Machacek eine gute Chance, doch Mathias Niederberger war zur Stelle. So überstanden die Hauptstädter die erste Unterzahl schadlos. Das sollte doch nun noch mehr Motivation geben.
Danach setzten die Gäste ihr aggressives Forechecking fort, man merkte deutlich an, dass sie an ihrem Spiel etwas geändert haben. Wolfsburg konnte sich nur selten aus der Umklammerung der Eisbären befreien. Die Berliner kamen auch zu Abschlüssen, nur fehlte der Mannschaft von Serge Aubin noch das Glück im Abschluss. Dennoch sah das schon recht gut und vor allem vielversprechend aus.
Und sie sollten sich belohnen. Mark Zengerle wartete auf der rechten Seite, bis sich die Lücke öffnete. Dann spielte er den Pass auf die linke Seite, wo Kapitän Frank Hördler stand, die Scheibe annahm, zum Tor fuhr und dann die Scheibe von der Vorhand auf die Rückhand legte und blitzschnell ins lange Eck schoss – 1:0 (17.). Die verdiente Führung für die Eisbären durch das erste Playoff-Tor von „Nante“ in dieser Saison.
Auf der Gegenseite prüfte Simon Després seinen eigenen Goalie, als ein Schuss von seinem Schlittschuh abgefälscht wurde, doch Mathias Niederberger war zur Stelle und entschärfte diese gefährliche Situation.
23 Sekunden vor Ende des ersten Drittels kassierten dann auch die Niedersachsen die erste Strafzeit der Partie, Matti Järvinen traf es. Eine Strafe zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt aus Wolfsburger Sicht. Doch die ersten Sekunden der Unterzahl überstanden die Hausherren, aber die Eisbären konnten das zweite Drittel in Überzahl beginnen. Und zudem nahm man auch noch die 1:0-Führung mit in die erste Drittelpause.

Das Powerplay brachte aber nichts ein, nicht mal eine Torchance. Starkes Penaltykilling der Hausherren. Generell waren die Niedersachsen besser drin im Spiel, holten sich in den ersten Minuten des Mitteldrittels das Selbstvertrauen zurück und hielten die Eisbären vom eigenen Tor fern. Nach vorne versuchte Wolfsburg Akzente zu setzen, viel ließen die Gäste aber nicht zu. Dennoch wirkten die Gastgeber einen Tick wacher zu Beginn des zweiten Drittels.
Dann mal ein Angriff der Eisbären über Leo Pföderl, der die Scheibe nach vorne chippte und nachsetzte. Marcel Noebels spielte sie dann von hinter der Torlinie hoch zum rechten Bullykreis, wo Playoff-Monster Ryan McKiernan lauerte und die Scheibe unter die Latte hämmerte – 2:0 (28.). So kann man mal auf den Wolfsburger Beginn antworten, stark!
Die Gastgeber suchten nach der Antwort, aber die Eisbären gaben ihnen wenig Platz in der offensiven Zone. Wenn die Grizzlys mal zu Abschlüssen kamen, dann war Mathias Niederberger stets zur Stelle.
Und die Eisbären waren heute eiskalt und vor allem effektiv. Gewühl vor dem Tor von Dustin Strahlmeier, die Scheibe landete vor dem Schläger von Sebastian Streu und der netzte humorlos ein – 3:0 (31.).
Wolfsburg wurde von den Eisbären überrascht, von deren gnadenloser Effektivität vor dem Tor. Und nach vorne ging wenig bei den Niedersachsen, weil die Eisbären die gefährlichen Räume vor dem Tor zu machten und den Niedersachsen somit kaum die Möglichkeit zu einer Top-Chance gaben.
Zum Ende hin Wolfsburg aber mit zwei Lebenszeichen. Einmal wurde die Scheibe Richtung Tor gebracht, sie sprang komisch vor Mathias Niederberger auf und ging anschließend an die Latte. Kurze Zeit später brachte Matti Järvinen die Scheibe zum Tor, Mathias Niederberger konnte sie nicht parieren, sie sprang neben ihm wieder runter, doch am Ende hatte er sie doch sicher und deckte sie ab.
Und die nächste Gefahr drohte nach einer Strafzeit gegen John Ramage wegen Spielverzögerung. Wolfsburg schlug tatsächlich zurück. Gerrit Fauser wurde vor dem Tor angespielt, er nahm die Scheibe an und zog ab. Der Puck ging im kurzen Eck rein – 3:1 (38.). Die Grizzlys schöpften also wieder Hoffnung.
Und auf einmal schwammen die Eisbären hinten, Wolfsburg wollte direkt nachlegen. Doch man rettete sich in die zweite Drittelpause und die Berliner waren hier noch lange nicht durch. Es warteten noch 20 extrem schwere und spannende Minuten.

Wolfsburg kam äußerst engagiert aus der Kabine und wollte unbedingt den Anschlusstreffer erzielen. Doch die Eisbären hatten was dagegen und störten Wolfsburg immer wieder früh im Spielaufbau. Die Eisbären dachten gar nicht daran, sich hinten ins eigene Drittel drängen zu lassen. Sie waren weiter hoch konzentriert und zogen ihren Spielplan hier konsequent durch, während Wolfsburg nach einem Mittel suchte, um die Defensive der Eisbären mal zu knacken.
Aber die Berliner spielten das auch schlau. Sie hielten Wolfsburg vom eigenen Tor fern, weil man sich immer wieder im Angriffsdrittel aufhielt und so Zeit von der Uhr nahm. Die Eisbären zeigten ein taktisch sehr starkes Spiel. Da hatte das Trainerteam die richtigen Schlüsse nach Spiel Eins gezogen und die Eisbären setzten die Anweisungen konsequent um.
Wolfsburg biss sich die Zähne an der Berliner Defensive aus. Die Mannschaft von Trainer Pat Cortina fand einfach keinen Weg durch das Berliner Bollwerk. Also musste Cortina reagieren und nahm gut vier Minuten vor dem Ende seinen Goalie vom Eis, um Powerplay zu spielen. Und Powerplay können die Niedersachsen ja. Doch das nutzten die Berliner zur Entscheidung. Lukas Reichel erkämpfte sich in der Mitte die Scheibe, brachte sie Richtung Tor und drin war das Ding und durch war es damit auch – 4:1 (59.). Die Eisbären sorgten somit für den Serienausgleich und verhinderten die erste Wolfsburger Meisterschaft der Vereinsgeschichte.

Die Eisbären haben das Spiel verdient gewonnen, weil man von der ersten Sekunde an deutlich gemacht hat, dass man die Serie heute zurück nach Berlin holen will. Man begann hoch konzentriert und sehr druckvoll, stellte Wolfsburg damit vor sehr große Probleme. Die Niedersachsen taten sich schwer, Chancen herauszuspielen. Und die Eisbären belohnten sich noch im ersten Drittel für den Aufwand. Im zweiten Drittel zeigte man sich dann äußerst effektiv und eiskalt, erhöhte auf 3:0 und schockte Wolfsburg damit. Doch die Niedersachsen spielten in der Schlussphase groß auf, brachten die Eisbären ins Wanken und konnten auf 1:3 verkürzen. Aber die Eisbären überstanden diese Phase schadlos und machten im letzten Drittel die Schotten wieder dicht. Egal was Wolfsburg versuchte, die Berliner Defensive war zur Stelle. Die Eisbären spielten ein überragendes Spiel von hinten bis vorne und sicherten sich somit absolut verdient den Sieg. Weil eben erneut der Charakter und der Glaube der Mannschaft zum Vorschein kam. Wenn die Jungs mit dem Rücken zur Wand stehen, spielen sie ihr bestes Eishockey – egal wer der Gegner ist. Nun vollendet diese Geschichte und krönt euch am Freitag zum Deutschen Meister. Der achte Stern wartet.

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