Ein gutes Drittel reicht in der DEL eben nicht: Die Eisbären Berlin unterliegen eiskalten und effektiven Kölner Haien mit 4:5 n.V.

Ausgabe #12:

Alles war angerichtet für ein absolutes Spitzenspiel in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Die heimstarken Eisbären Berlin empfingen in der ausverkauften Mercedes-Benz Arena die formstarken Kölner Haie, welche in den zurückliegenden acht Spielen immer gepunktet und dabei satte 22 von 24 möglichen Punkten geholt hatten. Und man hatte sich aus Berliner Sicht auch viel vorgenommen, nur leider spielte man keine vollen 60 Minuten gutes Eishockey. „Es reicht in der DEL auf keinen Fall aus, 25 oder 32 Minuten zu spielen. Man muss volle 60 Minuten spielen und man braucht natürlich alle Spieler an Board, das hatten wir heute nicht.“ Das war das Statement von Eisbären-Trainer Serge Aubin nach dem Spiel, welches die Hauptstädter mit 4:5 n.V. (1:2,0:2,3:0/0:1) gegen die Domstädter verloren und damit die dritte Heimniederlage der Saison kassierten und zugleich die zweite in Folge nach dem 5:6 n.P. gegen Wolfsburg. Immerhin punkteten die EIsbären damit auch im neunten von bisher zehn Heimspielen. Der eine Punkt fühlte sich nach dürftigen 40 Minuten zwar wie ein Gewinn an, doch hatte man sich für dieses Topspiel wesentlich mehr ausgerechnet und vorgenommen. Nur war man nicht über die komplette Spielzeit bereit dafür.

Im Team der Eisbären Berlin gab es keine Veränderung im Vergleich zum Wolfsburg-Spiel, somit stand also auch gegen Köln wieder Sebastian Dahm im Berliner Tor. Viele Fans hatten ja gehofft, dass Maximilian Franzreb mal von Beginn an die Chance erhalten würde. Das war nicht der Fall, aber am Ende sollten es dann doch noch 20 Minuten im Schlussdrittel sein. Aber mehr dazu im nun folgenden Spielbericht.

Foto: eisbaerlin.de/walker

Hinein ins erste Drittel, welches ruhig begann. Beide Teams versuchten sich auf die Defensive zu konzentrieren. Die Eisbären waren es, welche die ersten Akzente im Spiel setzen konnten und Gustaf Wesslau im Haie-Tor prüften. Doch der Kölner Schlussmann hatte mit den Schüssen zunächst keine Probleme. Das sollte sich dann aber in der siebten Spielminute ändern, als Louis-Marc Aubry Ryan McKiernan vor dem Tor anspielte. Der Verteidiger stand frei vor Wesslau und tanzte ihn in Stürmermanier klasse aus und netzte zur frühen Führung ein – 1:0.
Diese sollte aber nur ganze 82 Sekunden Bestand haben. Dann glich Köln ein bisschen aus dem Nichts aus. Sebastian Dahm konnte einen Schuss von Alexander Oblinger nicht festhalten, den Abpraller versenkte Zach Sill im Berliner Gehäuse – 1:1 (8.).
Kurz darauf die Hausherren mit dem ersten Powerplay, aber dieses spielten sie einfach zu umständlich. Und wenn man sich dann doch einmal für den Schuss entschied, machten die Kölner Spieler entweder die Schusswege klasse zu oder aber sie blockten die Schüsse, weshalb sie die erste Unterzahl der Partie schadlos überstanden.
Die Eisbären danach mit weiteren guten Offensivaktionen, aber bei Wesslau war stets Endstation, wobei man aber auch sagen muss, dass das jetzt keine hundertprozentigen Chancen waren. Die Haie lauerten auf Konter und Jon Matsumoto hatte dann auch mal so einen, aber er fand in Sebastian Dahm seinen Meister. Wenn es mit dem Vollstrecken nicht klappte, dann eben mit der Vorarbeit. Die Domstdter erkämpften hinter dem Berliner Tor die Scheibe, Matsumoto mit dem Zuspiel auf Marcel Müller, welcher direkt abzog. Sebastian Dahm war die Sicht versperrt und die schwarze Hartgummischeibe schlug hinter ihm im Tor ein – 1:2 (17.). Das sollte zugleich auch der Pausenstand in Berlin sein.

Zu Beginn des Mitteldrittels die Berliner noch in Überzahl, aber auch dieses war nicht zwingend genug

Foto: eisbaerlin.de/walker

und stellte so keine große Gefahr für das Team von Trainer Mike Stewart dar.
Das zweite Drittel bot schlechtes Eisbären-Hockey. Sie waren gefühlt immer einen Schritt langsamer als die Kölner, leisteten sich deutlich zu viele Abspielfehler und waren einfach nicht bereit, den Kampf in diesem Spiel anzunehmen. Köln nahm die Einladungen der Eisbären natürlich dankend an und zeigte sich immer wieder vor dem Berliner Tor. Und dort erwiesen sie sich heute als äußerst eiskalt und effektiv, sozusagen sehr abgezockt, im Stile eine Spitzenmannschaft.
Als Köln in Überzahl war, sah Matsumoto Ben Hanowski vor dem Tor frei stehen, dieser tanzte Dahm äußerst leicht aus und erhöhte auf 1:3 (31.).
Die Eisbären im Anschluss mal wieder mit einem Powerplay, aber die Kölner Defensive machte es den Eisbären richtig schwer heute und somit verpuffte auch diese Chance wieder. Während man hinten also dicht machte, war man vor dem gegnerischen Tor heute einfach richtig effektiv. Und natürlich nutzte man die großen Lücken in der Berliner Hintermannschaft. Jason Akeson mit dem Zuspiel von hinter dem Tor vor selbiges, wo Jason Bast mutterseelenallein stand und keine große Mühe hatte, die Scheibe zum 1:4 im Tor zu versenken (36.).
So erhöhte Köln also nach 40 Minuten mühelos und ohne größere Anstrengung auf 4:1, während die EIsbärne zwar bemüht waren, aber sich eindeutig zu viele Fehler leisteten und somit deutlich in Rückstand gerieten. Aber noch waren ja 20 Minuten zu spielen und in Berlin hat man schon so manche Aufholjagd gesehen.

Foto: eisbaerlin.de/walker

Das letzte Dritte begannen die Eisbären mit einem neuen Goalie, denn Maximilian Franzreb hütete nun anstelle von Sebastian Dahm den Bären-Käfig. Und dieser sollte in der Anfangsphase auch was zu tun bekommen. Denn auch wenn sich die Berliner viel vorgenommen hatten für das Schlussdrittel, so waren die Haie sehr gefährlich in den ersten Minuten. Und Ben Hanowski hätte beinahe auch den fünften Treffer nachgelegt, doch der Pfosten stand seinem Versuch im Weg.
Die Eisbären hatten sich erst nach einigen Minuten gesagt, dass sie hier doch noch einmal alles versuchen wollten und so gaben sie noch einmal Gas. In den letzten zehn Minuten des Schlussdrittels nahm der Druck der Hauptstädter mehr und mehr zu und in der 53. Spielminute waren sie tatsächlich in Überzahl erfolgreich. Die Eisbären fanden in die Formation und ließen die Scheibe gut laufen. Am Ende kam sie zu Mark Olver, welcher angerauscht kam und den Puck zum 2:4 im Kölner Tor versenkte.
Nun kochte die Arena am Ostbahnhof und die Stimmung nahm minütlich zu und man hatte das Gefühl, als ob das Arenadach bald abheben würde. Und fünf Minuten vor dem Ende war es tatsächlich nur noch ein Tor Rückstand. Ryan McKiernan und Austin Ortega spielten die Scheibe zu Louis-Marc Aubry, welcher Zeit und Platz hatte und die Scheibe mit einem satten Schlagschuss ins Kölner Tor hämmerte – 3:4 (55.).
Und noch einmal wurde es lauter im weiten Rund, die Halle stand Kopf und die Fans peitschten die Eisbären weiter nach vorne. Und die Haie nahmen nach dem dritten Gegentreffer erst einmal eine Auszeit, mussten sich noch einmal sammeln, denn die Berliner schüttelten die Haie nun ordentlich durch. Und in der 57. Spielminute passierte dann doch noch das vorher für unmöglich gehaltene. Die Hausherren kamen tatsächlich zurück ins Spiel und glichen zum 4:4 aus. James Sheppard arbeitete das Spielgerät im Nachstochern über die Linie. Nun war Eskalation auf den Rängen angesagt. Alle lagen sich freudetrunken in den Armen, man hatte das Gefühl, hier wäre gerade die achte Meisterschaft gewonnen worden. Aber genau das macht diesen Sport eben aus und dafür lieben wir ihn so sehr.
Und nun hatten die Berliner Lust auf mehr und drängten auf den Siegtreffer. Angetrieben von den wahnsinnig lauten Eisbären-Fans versuchten die Hausherren noch einmal alles und drängten auf den Siegtreffer in der regulären Spielzeit, welcher aber nicht fallen sollte. Und so ging es wie bereits beim ersten Aufeinandertreffen in Berlin in dieser Saison in die Verlängerung.

Und da waren die Eisbären weiterhin die aktivere Mannschaft, wollten den Zusatzpunkt unbedingt holen. Aber es fehlte ihnen das nötige Glück vor dem Tor. Und dann kamen die Haie mal wieder vor das Tor von Maxi Franzreb und taten das, was sie den ganzen Abend schon taten. Sie waren eiskalt und effektiv. Jakob Kindl mit dem Schuss, welcher abgefälscht wurde. Franzreb konnte die Scheibe nicht sichern und dann war Lucas Dumont zur Stelle und sicherte den Haien den Zusatzpunkt.

Das Spiel war mal wieder das beste Beispiel, dass man in dieser Liga 60 Minuten sein Spiel durchziehen muss. Nur ein gutes Drittel oder aber 25 oder 32 Minuten, wie es Aubin auf der PK sagte, reichen in dieser Liga eben nicht aus. Dabei erwischten die Eisbären ja eigentlich auch einen sehr guten Start und lagen 1:0 vorne. Doch nach dem schnellen Ausgleich der Haie wirkten die Berliner zunehmend verunsichert, fanden kaum noch ein Mittel gegen die kompakte Defensive, leisteten sich zu viele und vor allem unnötige Scheibenverluste und hatten zu oft große Lücken in der Defensive. Sie kamen nicht mehr in die Zweikämpfe, waren meist einen Schritt langsamer als Köln. Erst in den letzten zehn Minuten besann man sich wieder auf seine Stärken und da hat man dann gesehen, was alles möglich gewesen wäre gegen diese Kölner Haie. Die keinesfalls überragend gespielt haben. Was sie aber auch nicht mussten. Sie haben die Tore einfach immer zum richtigen Zeitpunkt geschossen und erwiesen sich als äußerst effektiv und eiskalt vor dem gegnerischen Tor. So, wie eine echte Spitzenmannschaft eben. Dass die Eisbären auch eine sind, haben sie heute nur im letzten Drittel für einige Minuten bewiesen. Aus diesem Spiel muss man lernen und sich darauf konzentrieren, 60 Minuten lang den Gameplan durchzuziehen. Dass man jeden Gegner in dieser Liga schlagen kann, haben die letzten zehn Minuten gezeigt, da hatte Köln arge Probleme und konnte von Glück reden, überhaupt noch die Verlängerung erreicht zu haben. Nur muss man diese Leistung eben dauerhaft über die gesamte Spielzeit abrufen.