4:1 in Ingolstadt: Eiskalte und abgezockte Eisbären bleiben in der Erfolgsspur und bessern Auswärtsbilanz auf

Es bleibt weiterhin ein goldener Oktober für die Eisbären Berlin. Der Hauptstadtclub gewann am Freitagabend auch sein zweites Auswärtsspiel beim ERC Ingolstadt und steht nun bei sechs Siegen aus acht Spielen im Oktober. Dem 4:2-Sieg von vor 12 Tagen ließen die Berliner heute ein 4:1 (2:1,2:0,0:0) folgen und feierten somit den dritten Auswärtssieg in dieser noch jungen Saison. Und es war ein weiterer Beweis dafür, dass das „System Aubin“ immer besser greift und die Eisbären weiterhin in der Erfolgsspur sind. Das 0:4 in Düsseldorf letzten Freitag stellt sich immer mehr als Betriebsunfall dar. Den Aufschwung sieht jedenfalls auch Top-Scorer Maxim Lapierre, wie er im Vorfeld der Partie bei Magenta Sport sagte:

Die Top-4 sollten durchaus möglich sein. Nach dem ersten Saisonviertel kommt die neue Truppe immer besser ins Spiel. Das zeigen auch die letzten Ergebnisse.

Eine Änderung im Vergleich zum 6:2-Heimsieg gegen Nürnberg gab es im Kader der Eisbären. Constantin Braun rückte in den Kader zurück, während mit Sean Backman erstmals ein Stürmer den Platz als überzähliger Spieler auf der Tribüne einnahm.

Die Gäste von der Spree fanden gut hinein ins Spiel, spielten offensiv nach vorne, zeigten ein aggressives Forechecking und sorgten früh für Gefahr vor dem Tor von ERCI-Goalie Timo Pielmeier. Die Hausherren kamen erst nach fünf Minuten zum ersten gefährlichen Abschluss durch Wayne Simpson.
Die Schanzer waren es auch, die dann nach sieben Minuten aufgrund von sechs Spielern auf dem Eis die erste Strafzeit der Partie nahmen. Und in Unterzahl lief es in dieser Saison bisher überhaupt nicht gut für die Mannschaft von Trainer Doug Shedden, gerade auf eigenem Eis, wo man sich generell in dieser Saison bisher noch nicht mit Ruhm bekleckert hatte. Acht der bisherigen zehn Gegentore in Unterzahl kassierten die Panther daheim. Nummer Neun sollte heute Abend folgen. Die Berliner fanden gut in ihre Formation, ließen die Scheibe gut laufen. Austin Ortega mit dem Zuspiel von der rechten Seite quer auf Ryan McKiernan, welcher abzog, aber an Timo Pielmeier scheiterte. Der Ingolstädter Goalie ließ die Scheibe jedoch nur zur Seite prallen und da lauerte schon wieder Ortega, der eiskalt zum 1:0 abstaubte (8.).
Und weiterhin ging es in die Richtung des Tores der Gastgeber, schneller Konter der Berliner, James Sheppard auf Leo Pföderl, doch der scheiterte mit seiner Direktabnahme an Pielmeier.
Ingolstadt versuchte es hier aber auch nach vorne, überbrückte genau wie die Eisbären schnell die neutrale Zone, um schnell ins Angriffsdrittel zu kommen. Dort trafen sie aber auf eine kompakte Berliner Defensive, welche es den Schanzern sehr schwer machte. Immer wieder wurden sie zu Schüssen von außen gedrängt, was dann natürlich für wenig Gefahr sorgte.
Und was machten die Eisbären vorne? Dort erkämpften sie an der Bande klasse den Puck, Austin Ortega zog mit Speed in Richtung Slot, zog ab und schon stand es 2:0 für die Berliner (16.), welche sich als eiskalt und abgezockt vor dem Tor heute Abend erwiesen.
Aber dennoch klingelte es auch einmal im eigenen Tor. Guter Angriff der Panther, Matt Bailey brachte die Scheibe über links ins Angriffsdrittel, legte sie zurück zu Brandon Mashinter, welcher zum Schlagschuss ausholte und die Scheibe zum 1:2 unter die Latte nagelte (18.). Die Scheibe kam so schnell wieder raus aus dem Tor, dass die beiden Hauptschiedsrichter Stephan Bauer und Daniel Piechaczek den Videobeweis benötigten, um auf Nummer sicher zu gehen.
Mit diesem Spielstand ging es dann auch in die erste Drittelpause, zuvor überstanden die Hauptstädter noch die erste Unterzahl der Partie schadlos.

Auch im zweiten Drittel war die Partie weiter von sehr hohem Tempo geprägt. Ingolstadt kam besser aus der Kabine und drängte auf den Ausgleich, machte gehörig Druck, aber so die richtig einhundertprozentige Chance war nicht dabei. Dennoch war es eine gute Drangphase der Hausherren, welche auch noch ein Powerplay hatten, aber ihnen fehlte einfach das nötige Glück vor dem Tor.
Jenes Glück, welches die Eisbären in Spielminute 27 hatten. Die Berliner sorgten mal für Entlastung, die Scheibe wurde aus der Rundung hoch an die blaue Linie gespielt, wo Fabian Dietz lauerte und direkt abzog. Die Scheibe schlug hinter Pielmeier im Tor ein und alles sah nach dem zweiten DEL-Tor des Youngsters aus. In der Wiederholung sah man aber, das Kraftpaket PC Labrie den Schuss noch unhaltbar abfälschte und die Scheibe letztendlich ins Tor lenkte – 3:1.
Und nun zogen die Eisbären kurz das Tempo an, fuhren einen schnellen 3-auf-2-Angriff, welcher über die Bande aufgebaut wurde. Ryan McKiernan zog über links ins Angriffsdrittel, zog zur Mitte, spielte die Scheibe rüber zu Lukas Reichel, welcher direkt weiterspielte zu James Sheppard, der dann nur noch das halbleere Tor vor sich hatte – 4:1 (30.). Eine traumhafte Kombination der Eisbären Berlin!
Danach war irgendwie die Luft bei den Schanzern raus, die sichtlich geschockt waren. Demnach passierte hier in den letzten zehn Minuten auch nichts Weltbewegendes mehr und so nahmen die Eisbären eine verdiente 4:1-Führung mit in die zweite Drittelpause.

Und das letzte Drittel ist dann eigentlich schnell erzählt. Die Eisbären hatten sich in der Kabine scheinbar vorgenommen, sich nur noch auf die Defensive zu konzentrieren und nur noch gelegentlich Konter zu fahren. Und so kam es, dass Ingolstadt zwar anlief und noch einmal alles in die Waagschale warf, aber sie sich die Zähne an der ganz starken Eisbären-Defensive ausbissen. Denn die Berliner standen hinten sehr kompakt, machten die Räume sehr eng und ließen so wenig hochkarätige Chancen der Ingolstädter zu. Wenn doch etwas durchkam, dann war ja immer noch Sebastian Dahm im Berliner Tor zur Stelle.
Dahm ist auch ein gutes Stichwort für den letzten Aufreger in diesem Spiel. Als Ingolstadt im Powerplay war, traf Brett Olson den Eisbären-Goalie mit seinem Schläger unabsichtlich unter der Torhütermaske, weshalb der Berliner Schlussmann zu Boden ging. Daraufhin entwickelten sich kleine Nickligkeiten zwischen beiden Teams, welche in einem kurzen aber heftigen Fight der beiden Kumpels Brandon Mashinter (Ingolstadt) und PC Labrie (Berlin) mündete.
Mehr passierte dann nicht mehr und die mit 3.739 Zuschauern mäßig besuchte Saturnarena verabschiedete die Hausherren mit einem Pfeifkonzert, während die Eisbären lautstark von den eigenen Fans gefeiert wurden.

Was sie sich auch redlich verdient hatten, zeigte man doch erneut eine starke Leistung und sicherte sich die nächsten drei Punkte, womit man sich in der Top-6 festsetzt. Die Eisbären haben erneut gezeigt, dass sie offensiv eiskalt sein können und vor allem unberechenbar sind. Denn von der Rankel-Aubry-Ferraro-Reihe, welche satte zwölf Scorerpunkte gegen Nürnberg sammelte, war heute wenig zu sehen. Dafür sprangen eben andere Spieler in die Bresche, so wie Doppeltorschütze Austin Ortega zum Beispiel. Auch daran sieht man, welche Tiefe der Kader der Eisbären in dieser Saison besitzt und das mit dieser Mannschaft in dieser Saison durchaus zu rechnen ist, wenn es in den Playoffs an das Eingemachte geht, aber bis dahin ist noch ein ganz, ganz langer Weg und Verteidiger Jonas Müller sieht noch immer Verbesserungspotential im Team der Eisbären, wie er nach dem Spiel im Interview bei Magenta Sport sagte:

Wir haben die Tore zum richtigen Zeitpunkt erzielt. Wir haben die Pucks vor dem Tor gut gefunden, das wollten wir besser machen. Es geht noch einen Tick besser. Offensiv war das schon gut heute, aber defensiv hatten wir mache Probleme, aber wir haben es gut gelöst, doch müssen wir das in den nächsten Spielen besser machen.

Und im nächsten Spiel geht es gegen keinen Geringeren als Liga-Primus EHC Red Bull München, welcher 39 von 42 möglichen Punkten in dieser Saison holte. Ein großer Prüfstein zur richtigen Zeit, welcher zeigen wird, ob die Eisbären wirklich auf dem richtigen Weg sind oder aber ob noch Luft nach oben und München doch noch eine Nummer zu groß ist. Aktuell würde ich sagen, ist München schlagbar und die letzten Leistungen der Eisbären machen Hoffnung auf einen Sieg gegen den dreimaligen Meister. Beim ersten Aufeinandertreffen war man bei 5-gegen-5 die bessere Mannschaft, verlor dort aber auf der Strafbank das Spiel. Demnach sollte man gegen München am Sonntag unnötige Strafzeiten vermeiden. Wobei, in Unterzahl lief es zuletzt bärenstark für unsere Jungs sind sie doch seit über 25 Unterzahlspielen ohne Gegentor. Auch ein Indiz dafür, dass es zur Zeit richtig gut läuft für den Hauptstadtclub.