Martin Buchwieser nach dem 0:3 in Augsburg: „Wir sind auseinander gefallen“

Die Eisbären Berlin beenden das Wochenende mit drei Punkten. Dem 5:3-Heimsieg gegen Krefeld vom Freitag ließ man heute keinen weiteren Sieg folgen. Im Gegenteil, beim direkten Konkurrenten Augsburger Panther verlor man hochverdient mit 0:3 (0:1,0:2,0:0), bot dabei eine mehr als dürftige Leistung und zeigte sich auch mal wieder von der undisziplinierten Seite. So stockt das Vorhaben der Eisbären, isich n der Tabelle Stück für Stück nach oben zu arbeiten. Solche Auftritte werfen die Mannschaft weit zurück, denn ein System war heute nicht wirklich zu erkennen und einige Leistungsträger fuhren ihr Trikot mit dem Eisbärenkopf drauf heute nur über das Eis spazieren. 

Bei den Eisbären gab es Änderungen im Kader im Vergleich zum Krefeld-Spiel. Brendan Ranford saß als überzähliger Importspieler auf der Tribüne, dafür kehrte Danny Richmond zurück ins Line-up. Den Platz von Ranford im Sturm nahm Youngster Vincent Hessler ein. Kevin Poulin hütete erneut das Berliner Tor.

Eisbären-Verteidiger Florian Kettemer, der vor der Saison aus München kam und in seiner Karriere auch schon mal in Augsburg aktiv war, sagte vor dem Spiel bei Telekom Sport:

Augsburg ist immer ein schwieriges Pflaster, vor allem mit den Fans im Rücken.

Und besonders dann ist es schwierig, wenn man so einen Start hinlegt, wie es die Eisbären heute getan haben. Danny Richmond mit dem Scheibenverlust, Augsburg mit einem 3-auf-1-Konter, Jaroslav Hafenrichter mit dem Pass von der rechten Seite in den Slot, wo Scott Valentine nach nur 19 Sekunden das frühe 1:0 für den AEV erzielte.
In der vierten Minute hätten die Hausherren beinahe nachgelegt, als Matt White am langen Pfosten völlig frei stand und angespielt wurde, doch Kevin Poulin war zur Stelle.
Danach entwickelte sich eine hart umkämpfte Partie, in der beide Mannschaften immer wieder Phasen hatten, in denen sie sehr druckvoll waren und auch zum Abschluss kamen. Beide Teams suchten immer wieder den Abschluss, doch beide Defensivreihen machten es dem Gegner nicht leicht, standen doch beide sehr kompakt und ließen nur selten Lücken. Aber die Eisbären fanden mal eine in der elften Spielminute, als sie einen 3-auf-1-Konter fuhren. André Rankel über links mit dem Zuspiel auf die rechte Seite zu Marcel Noebels, doch der scheiterte an Olivier Roy im AEV-Gehäuse.
Zwei Minuten vor der ersten Drittelpause kassierte James Sheppard die erste Strafzeit der Eisbären in diesem Spiel, aber die Gäste mit einem guten Unterzahlspiel, einzig zwei Schüsse von Brady Lamb kamen von Augsburg, welche aber keine Gefahr für Kevin Poulin darstellten. Eine Sekunde vor Ablauf dieser Strafe tauschten Daniel Schmölz (Augsburg) und Danny Richmond (Berlin) noch ein paar Nettigkeiten und Sahir Gill (Augsburg) und Martin Buchwieser (Berlin) ein paar „Kuscheleinheiten“ aus. Da Danny Richmond diese Szene auslöste, kassierte er zwei Minuten mehr als sein Kontrahent und Augsburg hatte so noch 65 Sekunden Powerplay zu Beginn des Mitteldrittels beim Stand von 1:0.

Doch die Hauptstädter überstanden die Unterzahl schadlos, sahen sich danach aber dem Druck der Augsburger ausgesetzt. Die kamen immer wieder mit viel Tempo Richtung Eisbären-Tor und erspielten sich sehr gute Torchancen, Kevin Poulin hatte einiges zu tun. Wenn die Eisbären sich mal im Drittel der Augsburger festsetzen, dann fanden sie nicht die Lücke, hatten keine zündende Idee.
27 Minuten waren gespielt, da hatte Florian Kettemer bei angezeigter Strafe die beste Chance der Eisbären bisher, doch er scheiterte an der Latte. Im folgenden Powerplay kamen nur zwei gute Möglichkeiten durch Micki DuPont und Sean Backman heraus. Als Augsburg wieder komplett war, ging es ganz schnell. Matt White kam mit viel Tempo über links ins Angriffsdrittel, fuhr hinter das Tor, spielte die Scheibe vor das Tor in den Slot, wo Drew LeBlanc stand und zum 2:0 traf (29.).
Und es ging so weiter, Augsburg sorgte immer wieder mit schnellen Angriffen für Gefahr, die Eisbären zu behäbig nach vorne, ein System war nicht wirklich zu erkennen. Acht Minuten vor der zweiten Drittelpause nochmal eine gute Chance für die Mannschaft von Trainer Clément Jodoin. Marcel Noebels mit dem Querpass von der linken auf die rechte Seite, Jamie MacQueen mit dem Onetimer, doch er traf nur den Außenpfosten.
In der 39. Spielminute sorgte dann ein kurioses Tor für das 3:0. James Sheppard erkämpfte den Puck auf der rechten Seite, spielte die Scheibe hinter das Tor zu Micki DuPont. Der wollte mit einem Pass von hinter dem Tor einen neuen Angriff der Eisbären einleiten, doch dazu kam es nicht. Matt White hielt die Kelle in den Pass, die Scheibe ging an Poulins Rücken und von da aus ins Tor.
So führte Augsburg nach 40 Minuten hochverdient mit 3:0 gegen den DEL-Rekordmeister. Verteidiger Mark Cundari mit seinem kurzen aber passenden Statement zum bisherigen Spielverlauf:

Wir laufen nicht gut, der Puck läuft nicht gut.

Wirklich besser sollte es im Schlussdrittel aber auch nicht mehr werden. Zu Beginn ging es hin und her, beide Mannschaften suchten immer wieder den Weg zum Tor und auch den Abschluss, wirklich gefährlich wurde es dabei aber nicht. Erst in der 44. Spielminute hatte Jamie MacQueen eine richtig gute Chance. Er hatte Roy schon umkurvt, scheiterte dann aber erneut am Außenpfosten.
Der Rest hatte dann wenig mit Eishockey zu tun, immer wieder gerieten beide Mannschaften aneinander und teilten kräftig aus. So kassierte Danny Richmond bei seiner Rückkehr ins Team seine zweite Disziplinarstrafe, was automatisch zur Spieldauer führte. Auch André Rankel und James Sheppard versuchten noch, in Augsburg „Freundschaften“ zu knüpfen, Letzterer bekam dafür auch noch eine Disziplinarstrafe aufgebrummt.
Spielerisch passierte nicht mehr viel. Augsburg tat nicht mehr als nötig und die Eisbären konnten nicht mehr zeigen. So blieben die Eisbären im Curt-Frenzel-Stadion nicht nur punkt- sondern auch noch torlos.

Nach zwei Siegen in Folge kassierten die Eisbären mal wieder eine Niederlage und das völlig zu Recht. Gegen Augsburg, was zuvor drei Niederlagen in Folge mit 15 Gegentoren kassiert hatte, war den Berlinern in allen Belangen überlegen. Der AEV spielte aggressiver, entwickelte mehr Zug zum Tor und mehr Torgefahr, wirkte bissiger, schneller, entschied die meisten Zweikämpfe für sich und sicherte sich somit drei enorm wichtige Punkte gegen einen direkten Konkurrenten, den man somit auf Abstand in der Tabelle hält.
Die Eisbären haben in dieser Woche einiges aufzuarbeiten, denn das Spiel heute war definitiv ein Rückschritt, ein sehr großer. Stürmer Martin Buchwieser war daher nach dem Spiel zu Recht enttäuscht vom Auftritt der Eisbären:

Augsburg hat das sehr clever gemacht nach dem frühen Tor. Sie haben uns immer attackiert, brutal auf den Körper gespielt, uns so nicht ins Spiel kommen lassen. Wir haben das erste Drittel noch gut zu Ende gespielt, aber danach sind wir auseinander gefallen. Wir waren nicht bereit, die Zweikämpfe anzunehmen.