3:2 nach 0:2 – André Rankel schießt die Eisbären in der zweiten Verlängerung zum Auswärtssieg in München

Der Wahnsinn geht immer weiter. Die Eisbären Berlin haben in der Halbfinal-Serie gegen Titelverteidiger Red Bull München gleich im ersten Spiel ein dickes Ausrufezeichen gesetzt und sich das Heimrecht gesichert. Nach 84:27 Minuten entschied Kapitän André Rankel die Partie mit seinem Siegtreffer zum 3:2 n.V. und beendete damit gleich mehrere Serien. Zum einen war es der erste Sieg in dieser Saison gegen München. Zum anderen beendete man eine sieben Spiele andauernde Niederlagenserie gegen den Titelverteidiger und zu guter Letzt wurde auch Münchens Serie von elf Playoff-Siegen in Folge beendet. Die Eisbären werden einem so langsam aber sicher unheimlich. Wo soll das noch hinführen?

Bei den Eisbären gab es eine Änderung im Vergleich zu Spiel Sieben in Mannheim. Der gesperrte Jamie MacQueen kehrte in den Kader zurück und ersetzte den verletzten Louis-Marc Aubry. Im Tor stand natürlich wieder die finnische Wand Petri Vehanen.

Hinein ins Spiel. Von Beginn an fuhren beide Mannschaften ihre Checks zu Ende und wollten sich somit Respekt beim Gegner verschaffen. Hinten versuchten beide Teams kompakt zu stehen und nach vorne agierten beide mit einem aggressiven Forechecking.
Nach fünf Minuten gaben beide Teams den ersten gefährlichen Schuss ab. Constantin Braun prüfte Danny Aus den Birken und Michael Wolf Petri Vehanen. Beide Goalies gingen als Sieger aus den Duellen hervor.
Zwei Minuten später eine große Chance für die Eisbären, als Florian Busch den Puck von hinter dem Tor vor das Tor spielte, wo Jamie MacQueen angerauscht kam und abzog. Doch irgendwie konnte Danny Aus den Birken diesen Schuss parieren.
Danach nahmen die Eisbären ein wenig an Fahrt auf, waren hier zwischendurch sogar leicht spielbestimmend. Und Chancen erspielten sich die Berliner auch, so scheiterte Charles Linglet knapp an Aus den Birken.
Bei 5-gegen-5 waren die Eisbären aktiver und die bessere Mannschaft, in Überzahl – und davon hatten die Hausherren zwei im Auftaktdrittel – waren sie die bessere und vor allem gefährlichere Mannschaft.
Nach dem ersten Drittel und 12:9-Schüssen zu Gunsten der Eisbären stand es 0:0.

Im zweiten Drittel dann aber eine ganz andere Münchner Mannschaft. Die Gastgeber begannen äußerst druckvoll und setzten die Eisbären sofort unter Druck. Petri Vehanen klärte zweimal gegen Brooks Macek in höchster Not, musste wenig später dann aber doch das Gegentor hinnehmen. Konrad Abeltshauser mit dem Querpass auf Macek, welcher aus dem Slot heraus abzog und ins rechte Eck traf – 1:0 (22.).
Drei Minuten später die nächste Riesenchance für München, doch Mads Christensen traf nur den Pfosten. Glück für die Eisbären. Die kamen nun aber so langsam aber sicher besser ins Spiel und auch zu Chancen. So scheiterte Kapitän André Rankel denkbar knapp aus dem Slot heraus.
München kam aber auch immer wieder gefährlich vor das Tor, Andreas Eder scheiterte zweimal an Petri Vehanen. Die Eisbären überstanden kurz darauf eine Unterzahl, kassierten aber gleich, nach dem sie wieder komplett waren, doch noch den Gegentreffer. Jon Matsumoto fuhr von hinter dem Tor vor das Tor, konnte unbedrängt den Pass auf Brooks Macek spielen, welcher am langen Pfosten lauerte. Die Zuordnung stimmte bei den Eisbären überhaupt nicht, Macek konnte ungestört einschießen – 2:0 (35.).
Nur eine Minute später schickte Yannic Seidenberg Jon Matsumoto auf die Reise, doch Petri Vehanen fuhr den linken Schoner aus und parierte diese große Chance der Hausherren.
Auf der einen Seite München fast mit dem 3:0, auf der anderen Seite der Anschlusstreffer für die Eisbären. Die Scheibe wurde von rechts vor das Tor gespielt, Aus den Birken ließ zur Seite prallen und Bruno Gervais zog von links ab und versenkte den Puck im halbleeren Tor – 2:1 (37.).
Nur 47 Sekunden später stand es plötzlich 2:2. Julian Talbot ließ die Scheibe für André Rankel liegen, der nahm Maß und platzierte die Scheibe im Münchner Tor – 2:2 (38.).
So ging es beim Stand von 2:2 in die zweite Drittelpause. München zwar mit Chancenplus und auch der verdienten Führung, aber die Moral der Eisbären stimmte mal wieder und so kämpften sie sich zurück ins Spiel.

Vier Minuten waren im Schlussdrittel gespielt, da hatte Jason Jaffray abgezogen, der Puck rutschte Vehanen durch die Schoner und letztendlich knapp am Tor vorbei. Fortan versuchten beide Mannschaften defensiv sicher zu stehen und keinen spielentscheidenden Fehler zu machen.
In den letzten zehn Minuten beide Mannschaften noch einmal mit Überzahlspielen. Zunächst war München in Überzahl, konnte dort aber nicht wirklich für Gefahr sorgen. Dann die Eisbären mit der Riesenchance, als man gleich zwei Überzahlspiele in Folge hatte. Und die Eisbären versuchten zwar, sich Chancen heraus zu spielen, aber so richtig zwingend waren diese dann jedoch nicht.
Die größte Chance in einem an sich ereignisarmen aber immerhin spannenden letzten Drittel hatte Jon Matsumoto 2:27 Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit, als ihm nach einem Haken von Florian Busch ein Penalty zugesprochen wurde. Matsumoto lief an und wollte die Scheibe durch Vehanens Schoner schießen, doch der Finne hatte damit gerechnet und machte die Schoner zu. Somit ging es nach 60 Minuten in die Verlängerung.

Und diese plätscherte mehr so vor sich hin. München zu Beginn die aktivere Mannschaft, aber ohne sich jetzt großartige Chancen herauszuspielen. Von den Eisbären kam in den ersten Minuten der ersten Overtime nicht so viel nach vorne.
Acht Minuten waren in der ersten Verlängerung rum, da kassierte Constantin Braun eine Strafe wegen Stockschlags. Dominik Kahun und Deron Quint mit den besten Chancen in Überzahl, aber ein Treffer gelang ihnen nicht. Noch während des Powerplays kassierte München durch Mads Christensen eine Strafzeit. Somit ging es für 27 Sekunden mit 4-gegen-4 weiter und danach mit 1:33 Minuten Powerplay für die Eisbären. Und da zappelte die Scheibe im Tor der Hausherren. Nick Petersen hatte abgezogen und vom Schlittschuh von Darin Olver ging der Puck letztendlich ins Tor. Da Olver jedoch eine aktive Bewegung mit dem Schlittschuh machte, zählte der Treffer in der 71. Minute nicht.
Danach ging es weiter rauf und runter, aber Chancen suchte man vergebens. Somit stand es auch nach 80 Minuten 2:2-Unentschieden.

Und in der zweiten Verlängerung waren es die Eisbären, die aktiver aus der Kabine kamen und gleich Druck auf das Münchner Tor entwickelten. Kyle Wilson schoss in der 82. Spielminute noch knapp am Tor von Danny Aus den Birken vorbei. Wenige Sekunden später kassierte Ex-Eisbär Mads Christensen eine Strafzeit wegen Hohen Stocks. Die Eisbären also in Überzahl, was definitiv nicht die Parade-Disziplin der Eisbären ist. Und München hatte in den Playoffs zudem noch keinen Gegentreffer in Unterzahl hinnehmen müssen. Das änderte sich heute Abend. Daniel Fischbuch spielte die Scheibe zu Florian Busch und man dachte sich, warum schießt der Junge nicht einfach. Weil er den Puck lieber noch einmal rüber spielen wollte zu Kapitän André Rankel, welcher das Spielgerät annahm und sich dann die Ecke aussuchen konnte. Sein Schuss schlug hinter Aus den Birken ein und die Eisbären-Spieler bildeten eine große Jubeltraube auf dem Eis, während die Münchner schnell in der Kabine verschwanden.

Wohin soll das noch führen? Die Eisbären sind nicht zu stoppen, feierten den dritten Sieg in Folge. Den dritten Sieg nach Verlängerung wohl gemerkt und zudem den zweiten Auswärtssieg in Folge. Auch ein verdienter 0:2-Rückstand kann diese Mannschaft scheinbar nicht aus der Ruhe bringen. Innerhalb von nicht mal einer Minute egalisierte die Mannschaft den Rückstand und glich diese Partie aus. Weil sie eine unglaubliche Moral derzeit haben. Die Jungs wollen kein Spiel verloren geben, das wird immer deutlicher.
Man hätte sich eigentlich schon nach dem ersten Drittel belohnen müssen, wo man die spielbestimmende Mannschaft war. Im Mitteldrittel hatte man Glück, das München nach dem 2:0 nicht gleich das 3:0 gemacht hat. Da konnte man sich mal wieder bei Petri Vehanen bedanken. Wie auch beim gehaltenen Penalty kurz vor Ende der regulären Spielzeit. Und in der Verlängerung behielten die Eisbären weiterhin die Ruhe, dass sie angesichts von inzwischen fünf Verlängerungen in zehn Playoff-Spielen irgendwie Müdigkeit zeigen würden, davon war nicht wirklich was zu sehen. Und mit einer Traum-Kombination in Überzahl sicherte man sich das Heimrecht und schockte damit den Titel-Favoriten und Titelverteidiger Red Bull München. Und die Mannen von Chefcoach Don Jackson stehen am Sonntagnachmittag bereits unter Druck, denn in Berlin droht der 0:2-Serienrückstand.

Playoff-Stand:

Red Bull München vs. Eisbären Berlin 0:1 (2:3 n.V.)

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