6:2 gegen Schwenningen: Die Eisbären zeigen die erhoffte Reaktion, aber überzeugen dennoch nicht über die volle Spielzeit

Ausgabe #15:

Die Wiedergutmachung nach der 0:5-Schmach gegen München ist geglückt: 24 Stunden nach der Klatsche gegen Red Bull München gewannen die Eisbären Berlin ihr Heimspiel gegen die Schwenninger Wild Wings klar mit 6:2 (2:2,2:0,2:0) und zeigten damit die erhoffte Reaktion. Man machte in den entscheidenden Momenten die Tore und konnte sich hinten bei Tobias Ancicka bedanken, dass man am Ende vom Ergebnis her ohne große Mühe gewann. Denn das Ergebnis spiegelte nicht unbedingt den Spielverlauf wider. Denn die Gäste aus dem Schwarzwald zeigten über 40 Minuten eine ansprechende Leistung und hatten gute Chancen. 

Eisbären-Chefcoach Serge Aubin änderte an den Sturmreihen nur zwei Spieler. Giovanni Fiore rückte in die Reihe von Matt White und Zach Boychuk. Er nahm den Platz von Kris Foucault ein, welcher dafür an der Seite von Mark Olver und Parker Tuomie stürmte. Dort spielte gestern noch Fiore. Und in der vierten Reihe gab es einen erwarteten Wechsel, da Haakon Hänelt zur Nationalmannschaft düste. Eric Mik nahm seinen Platz neben Nino Kinder und Fabian Dietz ein. Und auch im Tor gab es einen wohl zu erwartenden Wechsel angesichts des straffen Spielplans. Tobias Anicka, welcher bereits im letzten Drittel gegen München das Tor hütete, stand heute von Beginn an zwischen den Pfosten.

Guter Beginn, dann aber nachgelassen

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Für die Eisbären gab es nach dem gestrigen Spiel nur ein Ziel: Sie wollten das heutige Spiel gewinnen, egal wie. Man wollte eine Reaktion gegen Schwenningen folgen lassen. Dass das nicht einfach werden würde, hatte man jedoch bereits beim Magenta-Sport-Cup gesehen, als man in beiden Spielen deftige Niederlagen einstecken musste.
Doch davon war zu Beginn noch nicht viel zu sehen. Eher war es ein verhaltener Beginn von beiden Seiten.
Nach fünf Spielminuten setzten sich die Hausherren aber mal fest im Angriffsdrittel. Lukas Reichel spielte die Scheibe von hinter dem Tor hoch in den Slot zu Marcel Noebels, welcher direkt abzog. Die Scheibe kam aber so schnell wieder aus dem Tor heraus, dass die beiden Hauptschiedsrichter Aleksander Polaczek und Marian Rohatsch sicherheitshalber noch einmal zum Videobeweis fuhren, dort aber nur ihre Meinung bestätigt sahen – 1:0. Die Top-Reihe der Berliner hatte also mal wieder produziert, denn neben Noebels und Reichel war auch Leo Pföderl an diesem Tor beteiligt.
Und die Hauptstädter legten gleich nach. Nur zwei Minuten später ertönte der Tor-Jingle erneut in der Arena am Ostbahnhof. Und es war eine Kopie des 1:0. Diesmal mit umgekehrter Rollenverteilung. Marcel Noebels mit dem Pass von hinter dem Tor hoch in den Slot, wo diesmal Lukas Reichel per Onetimer einnetzte – 2:0 (7.). Der zweite Assist ging erneut an Leo Pföderl, die Top-Reihe hatte sich also sichtlich viel vorgenommen, nachdem es ja bisher in den Nord-Süd-Vergleichen nicht wirklich rund lief für sie.

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Aber dann kam die Antwort der Schwäne. Tylor Spink zog mit viel Speed von links vor das Tor, wo er Tobias Ancicka umkurvte und zum Anschlusstreffer einnetzte – 2:1 (10.). Die Mannschaft von Chefcoach Niklas Sundblad gab also sofort ein Lebenszeichen ab und deutete an, dass das Spiel noch lange nicht entschieden war.
Fortan war viel Intensität drin, es ging rauf und runter, beide Teams suchten immer wieder den Torabschluss. Es war ein munteres Spiel, welches man sich gut anschauen konnte. Und Schwenningen belohnte sich für seinen guten Aufwand. Denn sie kamen hier nach einem 0:2-Rückstand tatsächlich zurück. Daniel Pfaffengut war auf Zuspiel von Maximilian Hadraschek per Onetimer erfolgreich. Sein Schuss ging in der kurzen Ecke rein – 2:2 (15.).
Die Gäste aus dem Schwarzwald wirkten in dieser Phase spritziger, immer einen Schritt schneller als die Eisbären und zudem scheibensicherer. Als John Ramage auf die Strafbank wanderte, hatte Schwenningen zudem sein erstes Powerplay der Partie. Was jedoch nur 35 Sekunden dauern sollte, denn dann folgte ihm Colby Robak wegen eines hohen Stocks in die Kühlbox. Somit ging es mit Vier-gegen-Vier und einem anschließenden kurzen Berliner Überzahlspiel weiter. Doch beide Situationen brachten keinerlei Torgefahr und so stand es nach dem ersten Drittel 2:2-Unentschieden.

Erneut zwei Tore der Eisbären und ein sehr starker Tobias Ancicka

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Auch zu Beginn des zweiten Drittels war wieder viel Intensität drin. Das Spiel war hart umkämpft. Es ging weiter hin und her mit Abschlüssen auf beiden Seiten. Eine richtig torgefährliche Chance war aber noch nicht mit dabei gewesen.
Doch dann kamen die Eisbären wie aus dem Nichts zur erneuten Führung. Parker Tuomie bezwang Patrik Cerveny, nachdem dieser zuvor noch gegen Kris Foucault parieren konnte. Foucault setzte nach, fuhr rum ums Tor, spielte den Pass an den kurzen Pfosten auf Tuomie, welcher Cerveny keine Chance ließ – 3:2 (26.). Der Schwenninger Goalie hatte sich bei seinem Abwehrversuch wohl weh getan, jedenfalls musste er auf dem Eis kurz behandelt werden.
Und er hatte sich wohl nicht nur weh getan, denn nur 41 Sekunden später schlug die Scheibe erneut hinter dem Wild-Wings-Goalie ein. Jonas Müller hatte abgezogen und auf 4:2 erhöht (26.). Cerveny verließ danach das Eis und humpelte anschließend in die Kabine. Gute Besserung an dieser Stelle. Für ihn kam Luis Benzing ins Tor.

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Trotz des Doppelschlags gaben die Gäste hier nicht auf. Sie spielten weiter munter nach vorne und konnten die Eisbären auch mal im eigenen Drittel festsetzen und sie dabei ganz schön unter Druck setzen. Einzig das Glück im Torabschluss fehlte der Mannschaft aus dem Schwarzwald. Aber der Einsatz stimmte und sie hatten dann auch die Chance, in Überzahl zu verkürzen. Doch daraus wurde nichts, denn das Penaltykilling der Eisbären ließ nichts zu.
Fortan ging es weiter hin und her. Die Eisbären suchten nach der vermeintliche Vorentscheidung, während Schwenningen hier nochmal einen Fuß in die Tür bekommen wollte. Und den Schwänen bot sich in der Schlussphase nochmal die Chance dazu, als Lukas

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Reichel für zwei Minuten auf die Strafbank musste. Schwenningen also nochmal in Überzahl. Und die Gäste spielten ein starkes Powerplay, nahmen Tobias Ancicka unter Beschuss, doch der junge Berliner Schlussmann mit einem guten Stellungsspiel. Er parierte sämtliche Versuche der Wild Wings in Überzahl. Ganz stark, Tobi!
Dank der Paraden nahmen die Hausherren hier eine 4:2-Führung mit in die zweite Drittelpause. Ein Drittel geprägt von Verletzungen. Neben Cerveny erwischte es bei Schwenningen auch noch Maximilian Hadraschek. Am Schlimmsten jedoch traf es Schiedsrichter Aleksander Polaczek, welcher sich eine Ellbogenverletzung zu gezogen hatte und noch während des Spiels ins Krankenhaus gefahren wurde. Gute Besserung an dieser Stelle an alle Drei!

Die Eisbären lassen nichts mehr anbrennen

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Das letzte Drittel bot zunächst viel Kampf, aber wenig Torraumszenen. Einzig ein Pfostenschuss von Dylan Yeo und eine gute Chance von Leo Pföderl konnte man in den ersten gut zehn Minuten notieren. Ansonsten waren beide Mannschaften zwar bemüht, jedoch ohne die nötige Durchschlagskraft in der Offensive.
Dann aber mal die Eisbären, welche sich im Angriffsdrittel festsetzen konnten und gut Druck aufbauten. An deren Ende war es Zach Boychuk, welcher die Scheibe nach einem Gewühl vor Benzing aus der Luft volley nahm – 5:2 (49.).
Damit dürfte die Berliner Nummer 89 für die endgültige Vorentscheidung gesorgt haben, wenn gleich man Schwenningen nie abschreiben sollte. Das hat das Spiel in den ersten knapp 50 Minuten bereits bewiesen. Aber der Weg für die Schwäne wurde nun natürlich weit, um wieder zurück ins Spiel zu finden. Das Problem für Schwenningen war aber auch, dass die Eisbären trotz der Drei-Tore-Führung nicht aufhörten, nach vorne zu spielen. Immer mal wieder tauchten sie vor Luis Benzing auf, doch der junge SERC-Schlussmann machte einen guten Job hinten im Tor.
In der Defensive ließen die Eisbären nicht viel zu, eine richtige Schlussoffensive der Schwarzwälder war hier aber auch nicht zu sehen. Weil sie mit zunehmender Spieldauer auch einsehen mussten, dass das hier nichts mehr werden würde.

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Nachdem sich die beiden ehemaligen Team-Kameraden Frank Hördler und Alexander Weiß von ihrem „Oster-Wochenende“ erzählten und dafür für zwei Minuten auf die Strafbank musste, nahm Niklas Sundblad doch noch seine Auszeit. Vielleicht wollte er das Spiel hier doch noch nicht abschenken. Was aber bei drei Toren Rückstand doch sehr ambitioniert war. Aber er riskierte alles und nahm seinen Goalie raus und so konnte Schwenningen ein Fünf-gegen-Vier-Überzahl spielen. Mit dem Letzten Mute der Verzweiflung versuchte es Niklas Sundbald also. Doch das brachte ihm nur den sechsten Gegentreffer ein. Matt White machte das halbe Dutzend voll und schoss die Scheibe ins verwaiste Schwenninger Tor – 6:2 (57.).
Die Gäste in den letzten drei Minuten dann noch mit einem weiteren Powerplay, aber das sollte natürlich am Spielausgang nichts mehr ändern. Die Eisbären brachten das 6:2 souverän zu Ende und zeigten damit die erhoffte Reaktion nach dem 0:5 gegen München gestern Abend.

Dennoch war es kein komplett überzeugender Auftritt der Hausherren. Zwar fing man stark an und führte auch früh mit 2:0, doch dann kam man unerklärlicherweise von seinem Spielplan ab und Schwenningen wurde immer stärker. Der Lohn der guten Leistung der Schwenninger war der Ausgleich noch im ersten Drittel. Im zweiten Drittel sorgten die Eisbären per Doppelschlag innerhalb von nur 41 Sekunden für die Vorentscheidung in dieser Partie. Dennoch gab die Mannschaft von Niklas Sundblad nicht auf und erspielte sich im Mitteldrittel, vor allem in der Schlussphase in Überzahl, einige gute Möglichkeiten, welche jedoch der sehr stark haltende Tobias Ancicka zu Nichte machte. Erst im letzten Drittel spielte man das Spiel dann souverän zu Ende und baute das Ergebnis sogar noch aus. Schwenningen versuchte es zwar nochmal, aber letztendlich waren sie im Schlussdrittel nicht mehr wirklich gefährlich.
So fahren die Hauptstädter einen sehr wichtigen Sieg für das Selbstvertrauen ein, dennoch muss man an der Konzentration über 60 Minuten arbeiten. Man hat Schwenningen zwischendurch zu viel Platz gelassen und ihnen so die Chancen ermöglicht. Gegen Mannheim, die beste Mannschaft der diesjährigen PENNY-DEL-Saison, muss man sich enorm strecken, will man den Liga-Primus in die Knie zwingen. Kleiner Tipp: Vorher auf großspurige Ansagen in Richtung Kurpfalz verzichten…

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