Leo Pföderl nach bitterer Niederlage gegen Straubing: „Wir müssen nirgendwo hinschauen, sondern nur auf uns“

Die Enttäuschung war allen Beteiligten nach der knappen 1:2-Heimniederlage gegen die Straubing Tigers anzusehen. Statt den Rückstand auf Platz Drei auf vier Zähler zu verkürzen, stehen die Eisbären Berlin nach dem Spitzenspiel gegen die Niederbayern nun bei zehn Punkten Rückstand. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, rutschte man in der Tabelle durch die Niederlage auch noch auf Platz Fünf zurück und hat jetzt einen Zähler Rückstand auf Bremerhaven. Statt sich nach oben zu orientieren, müssen sich die Berliner eher nach hinten umschauen, denn da drücken Düsseldorf (6.) und Ingolstadt (7.) gewaltig, haben nur noch sechs Punkte Rückstand auf die Hauptstädter. Die Eisbären haben zwar – genau wie die DEG – noch ein Nachholspiel in der Rückhand, aber bei einer weiteren Heimniederlage morgen Nachmittag gegen eben jenes Ingolstadt, würde die direkte Playoff-Qualifikation noch einmal in Gefahr geraten. Und sind wir mal ehrlich, damit hatte in den vergangenen Wochen keiner mehr so wirklich gerechnet. Da schaute man viel mehr nach oben und die Top-3. Seit gestern muss man nun erst einmal umdenken und dafür sorgen, dass man nach dem Ende der Hauptrunde überhaupt direkt für das Viertelfinale qualifiziert ist. 

Stürmer Leo Pföderl, der das zwischenzeitliche 1:0 gegen die Tigers erzielt hatte, wusste um die vergebene Chance gestern Abend:

Ja, extrem bitter. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Wir haben gewusst, wie es ausschaut. Wenn wir nochmal den Dritten angreifen wollen, wäre es heute nicht schlecht gewesen, wenn wir einen Dreier geholt hätten. Jetzt ist Bremerhaven Vierter. Schwierig, extrem bitter, aber es geht weiter und am Sonntag wird es wieder eine harte Nuss. Aber da müssen wir den Dreier holen, egal, was kommt.

Leo Pföderl nach dem Spiel gegen Straubing in der Mixed-Zone. (Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker)

Die Niederlage hatte man sich selbst zuzuschreiben. Man erwischte keinen guten Start und musste erstmal eine Straubinger Drangphase überstehen, zog dann aber selbst ein unglaubliches Powerplay bei gleicher Spielerzahl auf, in dessen Folge das 1:0 durch Pföderl (Foto) resultierte. Aber man nahm den Schwung nicht mit und so entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe, welches hin und her wog. Durch eine unnötige Strafzeit gegen Constantin Braun zwei Minuten vor der zweiten Pause ermöglichte man den Gästen den Ausgleich durch Chase Balisy, welcher 20,4 Sekunden vor der Sirene zum 1:1 traf. Im Schlussdrittel merkte man dann den Niederbayern mehr Willen, mehr Gier, mehr Biss an, dieses so wichtige Spiel für sich zu entscheiden. Sie legten vor dem Tor mehr Entschlossenheit an den Tag. Bestes Beispiel war die Szene vor dem letztendlich entscheidenden Treffer zum 1:2. Die Berliner fuhren einen 3-auf-1-Konter, wo der Straubinger Verteidiger keinen Schläger mehr hatte. Aber die Eisbären bekamen das Kunststück fertig, in dieser Szene nicht einmal einen Torschuss abzugeben und liefen stattdessen in den entscheidenden Konter. Leo Pföderl auf die Frage, ob es letztendlich an der Chancenverwertung lag:

Ja, würde ich schon sagen. Ich meine, wir haben ein 3-gegen-1, wo der Verteidiger keinen Schläger in der Hand hat und wir kriegen nicht mal einen Torschuss zusammen. Das Überzahl hat gar nicht funktioniert. Die brauchen dann halt nicht viel. 

Alles hadern nützt den Eisbären nun aber nichts, sie müssen die Lehren aus diesem Spiel ziehen und bereits morgen Nachmittag gegen Ingolstadt eine Reaktion auf dem Eis zeigen. Um zum einen einen weiteren Konkurrenten auf Abstand zu halten, zum anderen aber deswegen, um mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause zu gehen. Denn bei einer weiteren Niederlage würde der Druck auf die Eisbären steigen und das Selbstvertrauen könnte einen Knacks bekommen. 

Ob der dritte Platz nach dem 1:2 gegen Straubing nun weg sei, wurde Leo Pföderl gestern Abend nach dem Spiel in der Mixed Zone gefragt. Seine Antwort:

Wieviel Punkte sind es denn? (Antwort der Journalisten: 10) Wie viele Spiele haben wir noch? (Antwort der Journalisten: 11) Dann geht’s ja noch. Wir müssen nirgendwo hinschauen, sondern nur auf uns. Das bringt ja alles nichts, wo willste denn hinschauen? Wir müssen schauen, dass wir unsere Spiele gewinnen, vor allem solche knappen und der Rest kommt dann. 

Womit er Recht hat. Die Eisbären sollten zunächst einmal auf sich selbst schauen, darauf achten, ihren Spielplan konsequent über 60 Minuten durchzuziehen und ihre Spiele zu gewinnen. Was dann am Ende dabei raus kommt, wird man nach dem Ende der Hauptrunde an der Tabelle sehen. Dann erst weiß man, ob man es direkt ins Viertelfinale geschafft hat oder aber den Umweg über die Pre-Playoffs gehen muss. Für Trainer Serge Aubin ist die Tabelle im Moment sowieso eher nebensächlich, wie er nach dem Spiel gegen die Tigers auf der Pressekonferenz sagte:

Natürlich wollen wir so hoch wie möglich in der Tabelle die Saison beenden und dann natürlich in den Playoffs auch in Heimvorteil zu gehen. Jedem ist bewusst, wo wir stehen, aber wir sprechen nicht täglich darüber. Uns als Trainerteam ist es wichtig, wie sie spielen und sich entwickeln in so einer langen Saison.