0:4! Die Eisbären ohne Chance in Düsseldorf

Eine Serie geht weiter, die andere ist beendet: Die Düsseldorfer EG hat auch im zehnten Spiel in Folge gepunktet, besiegte die Eisbären Berlin am Freitagabend vor 7.960 Zuschauern mit 4:0 (1:0,3:0,0:0) und beendete damit die vier Spiele andauernde Siegesserie unserer Jungs. Diese fanden von Beginn an nicht so richtig ins Spiel, waren eigentlich nur in den ersten zehn Minuten des zweiten Drittels gut drin im Spiel, wurden dann aber von der DEG förmlich überrannt und auseinander genommen. 

Eisbären-Trainer Serge Aubin mit dem Luxusproblem vor dem Spiel. Er hatte 22 Spieler mit dabei gehabt und entschied sich für Florian Kettemer, welcher das Spiel von der Tribüne aus anschauen musste. Die Nummer 69 musste für Neuzugang Landon Ferraro weichen, welcher in Düsseldorf sein DEL-Debüt feierte.

Die DEG wartete vor dem Spiel seit 284 Minuten auf ein Tor bei 5-gegen-5, das sollte sich relativ schnell ändern. 82 Sekunden war die Partie im ISS-Dome alt, da klingelte es erstmals im Berliner Tor. Alexander Barta zog mit viel Tempo über links ins Angriffsdrittel, passte die Scheibe vor das Tor in den Slot, wo Reid Gardiner von drei Eisbären zu Fall gebracht wurde. Die Scheibe war frei und Maximilian Kammerer schaltete am schnellsten, schnappte sich die Scheibe und spielte Sebastian Dahm im Eisbären-Tor aus – 0:1 (2.).
Dann kam Landon Ferraro zu seinen ersten Sekunden auf DEL-Eis und er fuhr gleich einmal den ersten harten aber fairen Check. Sein Gegenspieler Tobias Eder blieb verletzt auf dem Eis liegen. Die erste Diagnose lautete Cut unter dem Auge sowie Verdacht auf Schädelprellung. Wir wünschen an dieser Stelle gute Besserung an Tobias Eder!
Dann nahmen die Eisbären mal wieder Strafzeiten. Kai Wissmann saß wegen Haltens und das beste Powerplay der Liga durfte sein Können beweisen. Immerhin traf die DEG in den letzten sieben Spielen immer mindestens einmal in Überzahl. Aber die Eisbären, welche während ihrer Siegesserie kein Gegentor in Unterzahl kassierten, zeigten auch heute wieder ein starkes Penaltykilling und überstanden die erste Unterzahl schadlos.
James Sheppard, der kurz zuvor die erste gefährlichere Chance für die Berliner hatte, kassierte wenig später 2+2-Minuten wegen eines hohen Stocks. Düsseldorf also vier Minuten in Überzahl, aber auch dieses Mal wieder ein starkes Penaltykilling der Hauptstädter, sie ließen lediglich Chancen durch Reid Gardiner (Save Dahm), Alex Barta (knapp vorbei) und Jerome Flaake (Save Dahm) zu.
Die Mannen von Serge Aubin brauchten eine Weile, ehe sie in diesem Spiel ankamen. Und so hatte man auch erst drei Minuten vor der ersten Drittelpause die erste große Chance in diesem Spiel. Louis-Marc Aubry steckte die Scheibe klasse durch zwei Düsseldorfer Spieler durch, Marcel Noebels frei vor Matthias Niederberger, spielte noch einmal den Querpass zu Leo Pföderl, der allerdings den spitzeren Winkel vor sich hatte und deswegen vorbei schoss. Da hätte es Noebels lieber alleine probieren müssen.
So nahm die DEG also eine verdiente 1:0-Führung mit in die Kabine und Marcel Noebels sah das erste Drittel im Interview bei Magenta Sport wie folgt:

Das war kein guter Start von uns als Mannschaft. Wir kassieren ein blödes Gegentor und sind dann erst einmal hinterher gelaufen. Jetzt haben wir uns aber gut gefunden, wir müssen aber von der Strafbank wegbleiben. Wenn wir Spiele gewinnen wollen, müssen wir 5-gegen-5 spielen oder aber Überzahl.

Ins zweite Drittel fanden die Eisbären besser hinein, kamen schwungvoll und druckvoll aus der Kabine, suchten aus allen Lagen den Abschluss, nur die Scheibe wollte nicht ins Tor gehen. Fortan beide Teams mit einem Überzahlspiel. Während das der DEG durchaus gefährlich war, blieb das der Eisbären eher harmlos. Eins hatten beide gemeinsam – es fiel kein Tor.
Das sollte erst in der 31. Spielminute fallen. Es war der Auftakt in zehn furiose Schlussminuten der Rheinländer im zweiten Drittel, als die Eisbären der DEG nichts mehr entgegenzusetzen hatten und mit dem Tempo der Hausherren komplett überfordert waren. Alex Barta mit einer artistischen Vorlage, drehte sich, spielte die Scheibe per Rückhand und mit No-Look-Pass vor das Tor, wo Maximilian Kammerer lauerte, Sebastian Dahm erneut ausspielte und zum 2:0 einnetzen konnte.
Vier Minuten später war der Druck der Rheinländer enorm hoch. Scharfer Pass von rechts vor das Tor, die Scheibe konnte von Constantin Braun und Sebastian Dahm nicht festgemacht werden, Ken-Andre Olimb war zur Stelle und staubte zum 3:0 ab (35.).
Die Partie blieb weiterhin ruppig und hart umkämpft, die Eisbären mussten eine 3-gegen-4-Unterzahl überstehen, taten dies auch mit Glück, weil die Latte beim Schuss von Victor Svensson half. Was bei Überzahl nicht klappte, gelang dann eben wieder bei 5-gegen-5. Alex Barta überlief auf der linken Seite Constantin Braun, spielte den nächsten klasse Pass vor das Tor, wo Reid Gardiner Frank Hördler im Rücken entwischte und zum 4:0 nur noch einschießen musste (39.).
Damit war das zweite Drittel zu Ende und Alex Barta meinte in der Pause, dass sich die DEG in dieser Saison bei 5-gegen-5 noch schwer tat mit dem Tore schießen. Aber nachdem man sich in der Kabine nach dem Sonntagspiel zusammengesetzt und es ordentlich gerappelt hatte, läuft es heute deutlich besser.

Zu Beginn des Schlussdrittels hatten die Berliner noch 100 Sekunden Powerplay, aber außer einer Chance für Marcel Noebels, welche Matthias Niederberger zu Nichte machte, kam nicht viel bei rum.
Die Eisbären zeigten sich bemüht, liefen an, versuchten es, aber die DEG war einfach in allen Belangen überlegen. Sie arbeiteten geschlossen als Team in der Defensive, unterstützten damit ihren Goalie Niederberger, welcher kaum hochkarätige Chancen zu vereiteln hatte. Vorher warfen sich seine Kollegen in die Schüsse und raubten den Eisbären damit den letzten Nerv.
Trotz der klaren Führung blieb die Konzentration der DEG hoch, sie ließen nicht nach und blieben vorne gefährlich, konnten aber keinen weiteren Treffer mehr erzielen. Aber sie machten über die gesamte Spielzeit deutlich, wer hier die bessere Mannschaft war und wer nun neun Siege aus den letzten zehn Spielen holte und zudem im zehnten Spiel in Folge punktete.

Da ist sie schon wieder vorbei, die Siegesserie der Eisbären Berlin. Aber das hat man sich selbst zuzuschreiben, denn das war heute keine gute Leistung der gesamten Mannschaft. Man fand nur sehr schwer ins Spiel, lag früh mit 0:1 hinten und lief fortan nur noch hinterher. Man wirkte in den Laufduellen deutlich langsamer als Düsseldorf, kam vor allem in den letzten zehn Minuten des Mitteldrittels mit der Schnelligkeit der DEG überhaupt nicht klar, da wurde man von den Hausherren förmlich überrannt.
Zudem fand man einfach kein Mittel gegen die Defensive der DEG und dann war da mal wieder das Problem mit der Disziplin. Heute nahm man eindeutig zu viele Strafen und das gegen das beste Powerplay der DEL. Zwar überstand man sämtliche Unterzahlspiele ohne Gegentor und baute die Serie damit auf fünf Spiele ohne Gegentor in Unterzahl aus, aber kostete das eben enorm viel Kraft, welche dann im weiteren Spielverlauf fehlte.
Aber was auch auffiel, die Eisbären wirkten nicht bereit für dieses Spitzenspiel, verpennten den Start und zeigten nicht den unbändigen Siegeswillen, welchen die DEG deutlich von der ersten Sekunde an zeigte. Aber es war nur ein Spiel und man wird seine Schlüsse daraus ziehen. Dass man es besser kann, hat man ja in den letzten Spielen gezeigt und am Sonntag wird man diesen Auftritt von heute Abend vergessen machen wollen. Dann werden die Nürnberger enorm frustrierte Eisbären als Gegner haben.