Die Eisbären Berlin nach zehn DEL-Spieltagen: Sechs Siege, vier Niederlagen, Platz Sechs

Zehn Spieltage ist die Jubiläumssaison der Deutschen Eishockey Liga (DEL/25. Saison) nun alt und es wird Zeit für ein erstes Zwischenfazit. Die Eisbären Berlin haben also die ersten zehn Spiele absolviert und stehen mit sechs Siegen und vier Niederlagen, 28:26-Toren und 16 Punkten auf Platz Sechs und somit einem direkten Playoff-Platz. Genau das ist natürlich auch nach dem Ende der Hauptrunde das Ziel der Berliner, ein direkter Viertelfinalplatz. Mit den bisherigen Leistungen der Mannschaft kann man natürlich noch nicht voll und ganz zufrieden sein. Es gibt nach wie vor einige Sachen, die verbessert werden können, aber wir sind ja schließlich noch am Beginn einer Saison, an deren Ende die achte Meisterschaft folgen soll.

Die Saison 2018/2019 begann, wie die alte aufgehört hatte. Mit der Neuauflage der Finalserie zwischen den Eisbären Berlin und dem EHC Red Bull München. In der Partie hatten die Eisbären jede Menge Chancen und zudem auch einige Überzahlspiele, nur bekam man an dem Abend deutlich aufgezeigt, wie man als Spitzenmannschaft in solchen Duellen auftritt. München erwies sich in dieser Partie als deutlich abgezockter und eiskalt vor dem Tor, gewann mit 4:2.

Die erste Auswärtspartie der neuen Saison führte die Berliner nach Nürnberg, zum letztjährigen Halbfinalgegner. Und auch dort sollte die Chancenverwertung und das Powerplay (trotz zweier Überzahltreffer) die Knackpunkte sein, weshalb man am Ende mit 3:4 verloren hatte. Die Baustellen der Eisbären waren weiterhin sichtbar und es galt, diese abzustellen, denn ein Null-Punkte-Wochenende zum Start in die Saison kann nicht der Anspruch der Eisbären sein.

Im dritten Saisonspiel und zweiten Heim-Auftritt der Saison gelang dann aber der erste Saisonsieg. Matchwinner waren dabei Rückkehrer Marcel Noebels, dem zwei Tore nach seiner Rückkehr aus dem NHL-Trainingscamp gelangen und der neue Goalie Kevin Poulin, der bereits da andeutete, wie wichtig er für die Eisbären sein kann.

Endgültig überzeugt haben dürfte Kevin Poulin alle Eisbären-Fans und Skeptiker seines Transfers beim vierten Saisonspiel in Augsburg, wo er die Berliner dank zahlreichen Paraden zu einem 2:1-Sieg n.V. führte. In diesem Spiel wurde aber auch wieder deutlich, dass die Hauptstädter deutlich zu viele Strafzeiten nehmen, aber Augsburg, immerhin das beste Powerplay der vergangenen Saison, tat sich sehr schwer, Kevin Poulin zu überwinden.

Umso schwerer wiegte dann der Ausfall von Kevin Poulin im darauffolgenden Heimspiel gegen die Iserlohn Roosters. Doch Youngster Maximilian Franzreb zeigte eine sehr gute Leistung und führte seine Mannschaft zu einem knappen 4:3-Heimsieg gegen die Sauerländer. Zufrieden war Trainer Clément Jodoin dabei aber nicht, hatten die Eisbären nach einer souveränen 4:1-Führung im Schlussdrittel unerklärlich nachgelassen und Franzreb mehrfach im Stich gelassen.

Nach drei Siegen in Folge wurde man vom Angstgegner Straubing Tigers ausgebremst. Zu viele Strafen und daraus resultierende drei Gegentore sowie zwei Gegentreffer nach haarsträubenden Fehlern sorgten am Ende für ein 3:5 am Pulverturm.

Noch deutlicher wurde es zwei Tage später bei der Düsseldorfer EG, wo die Berliner nur 20 Minuten gutes Eishockey spielten und verdient mit 1:0 führten, doch danach mal wieder zu oft die Strafbank aufsuchten und am Ende mit 1:5 unter die Räder kamen.

Es sollte die vorerst letzte Niederlage gewesen sein. Denn der Erfolgsgarant Kevin Poulin kehrte in Schwenningen zurück ins Tor und führte die Berliner zum 1:0-Sieg n.P., welchen Florian Kettemer im Penaltyschießen sicher stellte.

Es folgte der DEL-Klassiker gegen die Adler Mannheim, doch da traten die Berliner in den ersten 30 Minuten erschreckend schwach auf und konnten sich am Ende bei Kevin Poulin bedanken, dass es immer noch 0:0 stand. Erst eine Spieldauer gegen Mannheim brachte einen Bruch im Mannheimer Spiel und die Eisbären setzten sich am Ende deutlich mit 4:1 durch. Das Ergebnis war am Ende deutlicher, als es das Spiel eigentlich war.

Zu guter Letzt wurde die erste Etappe mit zehn Spielen gestern Abend in Krefeld abgeschlossen. Dort spielten die Eisbären mit viel Geduld, zwei Drittel lang sehr diszipliniert, hatten einen starken Kevin Poulin im Tor und vorne machten sie immer zum richtigen Zeitpunkt die Tore, setzten sich am Ende mit 3:1 durch.

In den letzten Spielen war also, zumindest was die Defensive angeht, ein Aufwärtstrend zu erkennen. Nach zuvor zehn Gegentoren in zwei Auswärtsspielen in Folge kassierten die Eisbären in den letzten drei Spielen nur ganze zwei Gegentreffer. Was mit Sicherheit ein großer Verdienst von Kevin Poulin ist, aber auch ein Indiz dafür, dass die Defensiv-Arbeit der Berliner immer besser wird.
Offensiv ist dagegen sicherlich noch viel Luft nach oben, aber wenn man defensiv so gut steht wie derzeit, dann ist das noch kein großes Problem. Vielleicht arbeitete das Trainerteam um Clément Jodoin auch derzeit daran, erst einmal die Defensive dicht zu machen und kümmert sich anschließend um die Offensive.

Jubelnde Eisbären, das wollen wir in dieser Saison noch ganz häufig sehen. (Foto: eisbaerlin.de/niklas)

Man merkt auf jeden Fall von Spiel zu Spiel immer wieder Dinge, die besser laufen als im Spiel zuvor. Da fällt mir gerade vor allem das Powerplay ein, welches in dieser Saison so manches mal noch nicht so berauschend war und dennoch liegen die Eisbären auf Platz Eins der Überzahltabelle, spielen also statistisch gesehen das beste Powerplay der Liga. Gerade gestern in Krefeld war zu sehen, mit wie viel Geduld die Eisbären ihr Powerplay aufziehen und die Scheibe sehr gut und sehr schnell verteilen, immer wieder auf den richtigen Moment zum Schießen warten. Dabei sieht man auf jeden Fall einen Plan dahinter, die Eisbären haben also am Überzahlspiel durchaus gearbeitet und es ist im Vergleich zur letzten Saison deutlich besser, wenn gleich es immer mal wieder Spiele gibt, wo man die alten Fehler im Überzahlspiel noch findet.

Wer ragt bisher bei den Eisbären heraus? Ganz klar Jamie MacQueen, dem schon wieder sieben Treffer gelungen sind, zudem bereitete er auch noch vier weitere Tore vor. Aber auch sein Reihenpartner James Sheppard kommt schon wieder auf drei Tore und sieben Vorlagen. Bei den Verteidigern ragen Danny Richmond mit acht Torvorlagen und Micki DuPont mit einem Tor und sechs Vorlagen heraus.

Und wie schlagen sich die Neuzugänge bisher? Colin Smith (2 Tore/4 Vorlagen) und Florian Kettemer (3/3) sind mit sechs Punkten statistisch gesehen die besten Neuzugänge im Eisbären-Team. Brendan Ranford folgt mit fünf Punkten (3/2). Mark Cundari ist bisher der schlechteste Neuzugang mit nur einer Torvorlage und einer Plus-/Minus-Bilanz von -5. Aber auch vom bisher gezeigten auf dem Eis konnte der Neuzugang aus Augsburg bis jetzt überhaupt nicht überzeugen und findet sich daher in letzter Zeit des Öfteren als überzähliger Importspieler auf der Tribüne wieder. Eigentlich hatte man sich viel mehr von Mark Cundari erhofft, zu stark waren seine Leistungen im Team der Panther. Zum Glück hat man da ja noch Florian Kettemer, der bisher positiv überrascht hat und zu einem enorm wichtigen Leistungsträger in der Eisbären-Defensive geworden ist und zudem auch schon seine Torgefahr mit drei Toren unter Beweis gestellt hat.

Erfolgsgarant Kevin Poulin. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Der wichtigste Neuzugang ist aber derzeit definitiv Kevin Poulin, welcher bisher fünf DEL-Spiele absolviert hat und diese alle auch gewonnen hat. Und die statistischen Werte sind überragend, 0,97 Gegentorschnitt und eine Fangquote von 97,18 Prozent, dazu gelang Poulin bereits ein Shutout. Da ist Stéphane Richer während der Saison ein absoluter Top-Transfer gelungen. Bei den fünf Siegen waren auch Spiele dabei, in denen Poulin dem Team erst überhaupt die Chance gegeben hat, das Eis am Ende als Sieger zu verlassen.

Drei der sechs Siege gelangen den Eisbären in den letzten drei Spielen, in denen sie acht von neun möglichen Punkten holten und dabei acht Tore erzielten und nur zwei kassierten. Der Weg ist also der richtige, man steht hinten durchaus kompakt und sicher, versucht die Schusswege zuzustellen und die Gegner zu Schüssen von außen zu zwingen. Vor dem Tor muss man nun noch an der Kaltschnäuzigkeit arbeiten und die Chancen eiskalt verwerten. So wie eben gestern Abend in Krefeld. Dieses Spiel zeigte auch deutlich, woran die Eisbären noch arbeiten müssen. Nämlich an ihrer Disziplin, im ersten Drittel kassierte man satte 14 Strafminuten, zu viel, um am Ende ein Spiel zu gewinnen. Aber die Eisbären haben das in der ersten Pause angesprochen und stellten die Disziplinlosigkeiten ab (einige Strafen sind aber auch wirklich unnötig in dieser Saison), kassierten nur noch je zwei Minuten in den beiden nächsten Dritteln und hatten somit am Ende die Chance, die Partie erfolgreich zu beenden.
So müssen die Hauptstädter in der nächsten Zeit weiter machen. Hinten kompakt stehen, vorne die Chancen eiskalt verwerten und von der Strafbank fern bleiben. Zudem muss man aber auch noch am Passspiel im Spielaufbau arbeiten und auch daran, die Scheibe nicht immer planlos tief zu spielen. Arbeiten die Eisbären im Training weiter an den Feinheiten, können sie wieder zurück zu alter Stärke finden. Und wenn man hinten doch einmal Chancen zulässt, dann braucht man sich ja keine Sorgen machen, denn im Tor steht ja Kevin Poulin und der hat in dieser Saison anscheinend nicht die Absicht, ein Spiel zu verlieren. Geht seine unglaubliche Serie so weiter, hätten wir im April nächsten Jahres Grund zum Feiern… 😉