Erneut zu viele Fehler und zu viele Strafen: Eisbären kommen in Zug unter die Räder

Das erste Saisonziel der Eisbären Berlin ist stark gefährdet. Man wollte die KO-Phase der Champions Hockey League (CHL) erreichen. Doch dieses Unterfangen ist bereits nach dem dritten Spiel nahezu aussichtslos. Denn nach den beiden Niederlagen zum CHL-Auftakt am vergangenen Wochenende im Welli kamen die Hauptstädter am Freitagabend beim EV Zug in der Bossard-Arena mit 1:6 (1:1,0:3,0:2) unter die Räder und haben kaum noch Chancen auf die KO-Runde.

Dabei kamen die Eisbären beim Saison-Debüt von Goalie Marvin Cüpper gut ins Spiel und hatten nach zwei Minuten die erste richtig gute Chance, als Probespieler Jason Jaspers Cedric Schiemenz vor dem Tor anspielte, dieser jedoch in Tobias Stephan seinen Meister fand.
Als beide Mannschaften je einen Spieler auf der Strafbank hatten, ging es mit 4-gegen-4 weiter und da hatten die Eisbären die nächste gute Chance, aber auch Zug hatte zwei gute Möglichkeiten.
Es war zu Beginn viel Tempo drin, beide Mannschaften überbrückten schnell die neutrale Zone und suchten immer wieder den Abschluss. Mal setzten sich die Berliner fest, mal die Schweizer. Doch es dauerte bis zur zehnten Spielminute, ehe Zug die erste Riesenchance hatte. Auf einmal kam David McIntyre frei vor dem Tor an die Scheibe, doch er war zu überrascht und vergab diese große Chance zur Führung.
Diese sollte im Gegenzug fallen. Brendan Ranford mit dem Querpass vom rechten Bullykreis auf Jonas Müller, welcher die Scheibe kurz annahm und dann im linken Bullykreis stehend abzog und zum 1:0 traf (11.).
Die Führung gab den Berlinern Selbstvertrauen und sie machten ordentlich Druck, wollten sofort das zweite Tor nachlegen, doch Zug-Goalie Stephan hatte etwas dagegen.
Als Mark Cundari in der 15. Spielminute wegen Spielverzögerung zum zweiten Mal an diesem Abend in die Kühlbox musste, dauerte es ganze sieben Sekunden, bis Zug die Überzahl nutzen konnte. Raphael Diaz hatte von der blauen Linie abgezogen, Carl Klingberg fälschte die Scheibe entscheidend ab – 1:1 (15.).
Nachdem Ausgleich ein anderes Spiel, auf einmal war Zug am Drücker, drängte die Eisbären immer wieder in deren Zone und machte gehörig Druck, Marvin Cüpper rettete das Unentschieden nach 20 Minuten, welches nach Spielanteilen jedoch auch in Ordnung ging.

Das zweite Drittel war in den ersten zehn Minuten doch recht zäh, was daran lag, dass beide Mannschaften Strafen nahmen und so nicht wirklich ein Spielfluss aufkam. Als die Eisbären nach einer Unterzahl gerade wieder vollzählig waren, klingelte es doch noch im Berliner Gehäuse. Zug mit dem Schuss von der blauen Linie, Viktor Stalberg fälschte den Schuss ab, Cüpper konnte den ersten Schuss zwar parieren, war aber gegen den Nachschuss von Stalberg machtlos – 1:2 (31.).
Im Gegenzug aber die große Chance zum Ausgleich für die Gäste von der Spree, doch Jamie MacQueen scheiterte am Außenpfosten. Dann mal wieder ein Beispiel, wo die Unterschiede derzeit in Europa liegen. Die Eisbären mit einem Powerplay, welches für keinerlei Gefahr sorgte, danach Zug mit einem Mann mehr auf dem Eis und dieses Mal dauerte es sogar nur vier Sekunden, ehe Florian Kettemer wieder zurück auf das Eis durfte. Die Hausherren gewannen das Bully, die Scheibe kam zu Miro Zryd, welcher von der blauen Linie abzog, Cüpper rutschte die Scheibe an der Fanghand vorbei, da sah der junge Goalie nicht so gut aus – 1:3 (35.).
40 Sekunden später musste Cüpper erneut hinter sich greifen, dieses Mal war er aber machtlos. Zug mit einem Pass durch zwei Verteidiger, Lino Martschini tauchte so frei vor Cüpper auf, spielte ihn aus und netzte per Rückhand ein – 1:4 (36.).
Danach merkte man den Eisbären die totale Verunsicherung an, die Körpersprache zeigte deutlich, dass die Berliner von diesem Doppelschlag geschockt waren. Zum Glück musste man kein weiteres Gegentor mehr schlucken und so stand es nach 40 Minuten 1:4.

Das letzte Drittel begannen die Berliner noch für 1:49 Minuten in Überzahl, aber für Gefahr konnten sie da nicht sorgen. Dann wieder Zug in Überzahl, zwar ohne Erfolg, aber mit drei guten Chancen, welche Cüpper zu Nichte machte.
In der 46. Spielminute konnte Zug aber dann doch nachlegen. Jonas Müller mit einem Fehlpass im Spielaufbau, Yannick-Lennart Albrecht stand so frei vor Cüpper und ließ dem bemitleidenswerten Goalie keine Chance – 1:5. Marvin Cüpper konnte einem richtig leid tun, seine Vorderleute ließen ihn nun mehrfach im Stich.
Und Zug war im wahren Spielrausch, spielte vor dem Tor die Eisbären-Verteidiger schwindelig mit einem Doppelpass, Garrett Roe sagte „Danke“ und versenkte die schwarze Hartgummischeibe im halbleeren Berliner Tor – 1:6 (48.).
Während Zug vor dem Tor eiskalt agierte und jeden Fehler gnadenlos ausnutzte, zeigten die Eisbären, woran es derzeit international hapert. Zur Abwechslung mal Zug mit einem Fehlpass, Mark Olver frei vor Stephan, aber der Schweizer Goalie hatte keine Probleme und parierte den Schuss.
Zum Schluss die Eisbären noch einmal mit zwei Überzahlspielen und Zug mit einem, Tore sollten in den Powerplays aber keine mehr fallen und somit verloren die Eisbären auch das dritte CHL-Gruppenspiel.

Und im ersten Drittel konnte man mit diesem Ausgang nicht rechnen, da war es ein Spiel auf Augenhöhe, da hatten beide Mannschaften richtig starke Phasen und die Eisbären lagen sogar vorne. Aber ab dem zweiten Drittel leistete man sich wieder zu viele Strafen und zu viele individuelle Fehler, am Ende ergab man sich komplett seinem Schicksal.
Auf das Trainerteam um Coach Clément Jodoin kommt noch viel Arbeit zu, um bestmöglich vorbereitet in die DEL zu gehen. Vorher steht aber noch das Rückspiel in Tschechien beim HC Kometa Brno am Sonntagnachmittag an. Zeit für Wiedergutmachung.