Eisbären Berlin vs. Grizzlys Wolfsburg: Vorschau auf das Playoff-Viertelfinale

Das Warten hatte am Freitagabend ein Ende. Seitdem steht er fest, der Playoff-Viertelfinalgegner der Eisbären Berlin. Es geht gegen den Hauptrundensiebten Grizzlys Wolfsburg, die sich in zwei Pre-Playoff-Spielen gegen das Überraschungsteam Schwenningen durchsetzen konnten und es nun mit den Hauptstädter zu tun bekommen. Eine Aufgabe, die die Eisbären herausfordern wird, welche man aber lösen kann.

In der diesjährigen Hauptrunde gewannen die Eisbären drei der vier Duelle gegen die Autostädter. Beide Heimspiele konnten die Berliner gewinnen (2:1/3:2), zudem gewann man das erste Duell in Wolfsburg mit 5:2. Beim zweiten Aufeinandertreffen setzte es dagegen eine derbe 4:7-Klatsche.

Beide Mannschaften stehen sich zum zweiten Mal in den Playoffs der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gegenüber. In der Saison 2010/2011 war dies zum ersten Mal der Fall, als man sich im Finale begegnete. Die Niedersachsen hatten damals die Hauptrunde auf Platz Eins abgeschlossen, die Eisbären auf Platz Drei. Somit hatten die Grizzlys Heimrecht im Finale, verloren die Serie aber dennoch glatt in drei Spielen. In Wolfsburg gewann Berlin Spiel Eins mit 4:2, in Berlin folgte in Spiel Zwei ein 5:4, ehe ein 5:4-Sieg im dritten Spiel in Wolfsburg die Meisterschaft perfekt machte.

In diesem Jahr schlossen die Hauptstädter die Hauptrunde auf Platz Zwei ab, während Wolfsburg als Siebter erfolgreich den Umweg über die Pre-Playoffs genommen hat.

Schauen wir uns die Teams mal ein wenig genauer an, wo liegen die Stärken und die Schwächen beider Mannschaften. Und da fangen wir natürlich ganz hinten bei den Torhütern an. Es werden sehr wahrscheinlich Petri Vehanen (Berlin) und Jerry Kuhn (Wolfsburg) aufeinandertreffen. Die beiden Stammgoalies der Mannschaften. Vehanen wies in der Hauptrunde eine Fangquote von 92,4 Prozent auf, bei einem Gegentorschnitt von 2,46 in 38 Spielen auf. Zwei Shutouts feierte Vehanen dabei.
Kuhn hatte eine Fangquote von 91,9 Prozent und den besseren Gegentorschnitt von 2,30 in 33 Spielen. Satte sechsmal spielte Kuhn, der vor der Saison aus Bremerhaven nach Wolfsburg gewechselt war und dort Felix Brückmann als Nummer Eins abgelöst hatte, zu Null.
Fazit: Unentschieden

Schauen wir auf die Defensive. 131 Gegentore kassierten die Eisbären, was am Ende die viertbeste Abwehr der Hauptrunde bedeutete. Wolfsburg kassierte 146 Gegentreffer, was am Ende die siebtbeste Abwehr bedeutete.
Micki DuPont war mit 23 Scorerpunkten (7 Tore/16 Vorlagen) der beste Berliner Verteidiger. Es folgten Danny Richmond mit 18 Punkten (4/14) sowie gleich drei Spieler mit 17 Punkten – Jens Baxmann (5/12), Blake Parlett (3/14) und Kai Wissmann (0/17).
Bei Wolfsburg war mit Jeremy Dehner ein Verteidiger der Top-Scorer des Teams. Dehner sammelte 34 Punkte (7/27) während der Hauptrunde. Hinter ihm punkteten aber nur noch zwei weitere Verteidiger doppelt. Jeff Likens mit 19 Punkten (2/17) und Robbie Bina mit 14 Punkten (3/11).
26 Tore erzielten die Eisbären-Verteidiger, 16 Treffer dagegen nur die Verteidiger der Niedersachsen. Bei den Eisbären sorgen mehr Defensivspieler für Gefahr, bei Wolfsburg hängt zu viel von Jeremy Dehner ab.
Fazit: Vorteil Berlin

Mit 169 Toren stellten die Eisbären den zweitbesten Angriff der Hauptrunde. Wolfsburg hatte den drittbesten Angriff, traf jedoch „nur“ 153-mal.
Bei den Eisbären sammelten gleich sechs Spieler mindestens 30 Punkte. Top-Scorer war Sean Backman mit 45 Punkten (24/21), dicht gefolgt von Nick Petersen mit 43 Punkten (16/27). Ebenfalls stark punkteten Jamie MacQueen mit 35 (22/13), James Sheppard mit 33 (11/22), Mark Olver mit 33 (14/19) und Marcel Noebels mit 30 Punkten (11/19).
Bei Wolfsburg waren es nur vier Stürmer, die mindestens 30 Punkte sammelten. Tyler Haskins mit 33 (7/26), Kris Foucault mit 32 (18/14), Mark Voakes mit 31 (11/20) und Brent Aubin mit 30 Punkten (18/12).
Die Eisbären verfügen also über die gefährlichere Offensive, sind tiefer und individuell stärker besetzt als Wolfsburg. Bei den Eisbären sorgen mehr Angreifer für Gefahr als bei Wolfsburg. Hinzu kommt, dass Wolfsburg derzeit arge Personalsorgen hat.
Fazit: Vorteil Berlin

Kommen wir zu den Special Teams, die entscheidend in so einer Serie sein können. Und da haben die Niedersachsen die Nase vorne. Sowohl in Überzahl (18,18 Prozent zu 16,96 Prozent) als auch in Unterzahl (86,90 Prozent zu 78,45 Prozent) weisen die Niedersachsen die deutlich besseren Werte auf.
Was vielleicht etwas Hoffnung für die Berliner macht, ist die Tatsache, dass das in der Hauptrunde so miserable Powerplay nach der Länderspielpause auf einmal so richtig in Fahrt kam. Denn da erzielten die Eisbären in drei Spielen satte sieben Überzahltore und zeigten, dass sie es doch nicht verlernt haben, wie man Powerplay spielt. Bleibt die Frage, ob die Eisbären daran anknüpfen können.
Fazit: Vorteil Wolfsburg

Schauen wir auf die aktuelle Form. Die Eisbären konnten alle drei Spiele nach der Olympia-Pause für sich entscheiden, insgesamt feierte man jetzt vier Siege in Folge und gewann sechs der letzten zehn Ligaspiele.
Wolfsburg gewann von den letzten drei Hauptrundenspielen nach der Olympia-Pause nur ein Spiel. Aber die letzten beiden Spiele, welche enorm wichtig waren, gewannen sie dagegen. Und zwar in den Pre-Playoffs gegen Schwenningen. Von den letzten zehn Ligaspielen gewann Wolfsburg fünf.
Die Eisbären gehen also mit etwas mehr Selbstvertrauen in diese Serie angesichts von vier Siegen in Folge. Die letzte Niederlage setzte es am 31. Januar auf eigenem Eis gegen Augsburg (2:3).

Fazit:
Die Eisbären wollen eine bisher tolle Saison krönen und in den Playoffs so weit wie möglich kommen. Das Finale ist das Ziel, der achte Stern natürlich auch. Da machen sie in Berlin keine großen Geheimnisse. Und die Hauptstädter gehen als Favorit in die Serie gegen Wolfsburg. Die Defensive und Offensive spricht für die Eisbären, die zudem die bessere aktuelle Serie aufzubieten haben. Zudem sind die Eisbären als Playoff-Mannschaft bekannt, welcher in den Playoffs alles zuzutrauen ist. Und auch wenn beide Torhüter nahezu gleich stark sind, Petri Vehanen konnte sich bisher in den Playoffs immer noch steigern, was nur von Vorteil sein kann.
Auf der anderen Seite lieben auch die Niedersachsen die Playoffs, stehen zum zehnten Mal in Folge (!) in den Playoffs der DEL und damit so oft wie keine andere Mannschaft. Dreimal erreichten die Wolfsburger bisher das Finale, dreimal zogen sie am Ende den Kürzeren. So zuletzt gleich zweimal in Folge gegen München. In Wolfsburg will man endlich den großen Wurf schaffen und Deutscher Meister werden. Und auch Wolfsburg ist in den Playoffs alles zuzutrauen, nur dürften die Personalsorgen den Hoffnungen der Niedersachsen einen herben Dämpfer versetzen.
Zudem werden den Niedersachsen maximal sieben Auswärtsspiele bevorstehen, sind doch Auswärtsspiele der Eisbären in Wolfsburg seit jeher immer Heimspiele.
Mein Tipp: 4:1 für die Eisbären Berlin.