1:2 n.P.: Ex-Eisbär Petr Pohl entscheidet irres Eishockey-Spitzenspiel

Es bleibt dabei. Auch im vierten Anlauf in der diesjährigen Hauptrunde gelang den Eisbären Berlin kein Sieg gegen die Thomas Sabo Ice Tigers. In der mit 7.672 Zuschauern ausverkauften Arena Nürnberger Versicherungen verloren die Hauptstädter am Sonntagabend den Franken denkbar knapp mit 1:2 (0:0,0:1,1:0/0:0,0:1) n.P. und mussten damit einen kleinen Rückschlag im Kampf um Platz Zwei und die damit verbundene Champions-Hockey-League-Qualifikation hinnehmen. Zwei Zähler beträgt der Rückstand auf Nürnberg jetzt, es ist also noch nichts verloren. 

Keine Veränderung im Eisbären-Kader im Vergleich zum 3:2-Sieg gegen Wolfsburg am Dienstagabend. Heißt, dass auch in Nürnberg Stürmer Sven Ziegler wieder als überzähliger Spieler auf der Tribüne Platz nehmen musste.

Das Spitzenspiel begann mit unterschiedlichen Vorzeichen. Während die Franken die letzten beiden Spiele verloren hatten, gewannen die Hauptstädter ihre letzten zwei Spiele in Folge. Dementsprechend motiviert wollten die Ice Tigers in die Partie gehen und gaben durch David Steckel nach 15 Sekunden auch den ersten Torschuss ab. Doch die erste Riesenchance gehörte den Eisbären, die durch Mark Olver in der zweiten Spielminute nur die Latte trafen.
Doch dann begann eine Phase, in der die Franken für vier, fünf Minuten das Spiel dominierten und auch mehr Chancen vorzuweisen hatten. So zog Yasin Ehliz in der vierten Spielminute von der rechten Seite ab, Eisbären-Goalie Petri Vehanen parierte den ersten Schuss und behielt auch beim Nachschuss von Patrick Reimer die Oberhand. Und in der sechsten und siebten Spielminute die Nürnberger mit zwei 2-auf-1-Kontern, doch Petri Vehanen war sowohl im Duell gegen Leo Pföderl als auch Tom Gilbert der Sieger.
In den letzten zehn Minuten war die Partie dann weiterhin sehr intensiv, hart umkämpft und zudem äußerst schnell. Nur Torchancen waren nun Mangelware, weil beide Defensivreihen kaum etwas zu ließen und es so zwar hin und her ging, aber eben ohne jegliche Torgefahr. Erst zum Drittelende hin kamen beide Mannschaften mit ihren Schüssen noch einmal durch, aber am Spielstand von 0:0 änderte sich nichts mehr.
Eisbären-Verteidiger Jens Baxmann war nach den ersten 20 Minuten nicht wirklich zufrieden:

Nürnberg war schon besser in den ersten 20 Minuten. Petri hat uns im Spiel gehalten. Wir sind nicht gut rein gekommen, haben aber trotzdem probiert, dagegen zu halten. Am Ende konnten wir uns auch die ein oder andere Schusschance erarbeiten. Wir müssen aber daran arbeiten, die Schüsse auch durchzubringen.

Im zweiten Drittel erwischten die Franken den besseren Start. Ex-Eisbär Milan Juricna blockte an der eigenen blauen Linie einen Schuss von Thomas Oppenheimer und dann ging es schnell. Leo Pföderl fuhr über rechts ins Angriffsdrittel und zog aus dem Handgelenk ab, keine Chance für Petri Vehanen und Nürnberg lag durchaus verdient vorne – 1:0 (21.).
Anschließend spielten beide 4-gegen-4 auf dem Eis und da hatte Nürnberg durch Patrick Reimer eine gute Chance, nach dem Jonas Müller den Puck vor dem eigenen Tor vertändelte. Nürnberg gab der Treffer mehr Selbstvertrauen und die Franken waren weiterhin die Mannschaft, welche mehr Torabschlüsse in diesem Spitzenspiel hatte.
Aber auch die Eisbären kamen immer mal wieder gefährlich vor das Nürnberger Tor. So wurde James Sheppard vor dem Tor angespielt, konnte die Scheibe aber nicht im Tor unterbringen (27.). Und Martin Buchwieser mit einem Sahne-Querpass von der linken auf die rechte Seite zu Micki DuPont, welcher frei vor Treutle stand, den deutschen Goalie aber nicht überwinden konnte.
Die Partie war auch im Mitteldrittel weiterhin sehr intensiv und hart umkämpft, nun kamen auch noch kleine Nickligkeiten hinzu. Man merkte eben, worum es hier ging und was auf dem Spiel stand. Und die Eisbären hatten vier Minuten vor der zweiten Pause noch einmal die Chance in Überzahl, aber es ist eben bezeichnend, wenn Yasin Ehliz in Unterzahl für die beste und gefährlichste Chance sorgen konnte. Mehr braucht man dazu eigentlich nicht sagen, das Powerplay bleibt ausbaufähig.
Marcel Noebels setzte sich zwei Minuten vor der zweiten Pause noch einmal klasse durch und prüfte Niklas Treutle, aber der Nürnberger Goalie blieb erneut der Sieger und hielt die 1:0-Führung für die Ice Tigers fest.
Nürnbergs Verteidiger Patrick Köppchen fand, dass man den vorgegebenen Gameplan bisher gut umgesetzt hatte:

Wir hatten uns fest vorgenommen, zurück zu unseren Tugenden zu kommen und so wenig wie möglich zuzulassen. Das haben wir die ersten 40 Minuten gut hinbekommen. In den letzten 20 Minuten wollen wir genauso weitermachen. Ein zweites Tor würde natürlich für mehr Ruhe sorgen, aber so lange es so steht, brauchen wir kein zweites Tor.

Im letzten Drittel spürte man von der ersten Sekunde an, dass sich die Eisbären hier viel vorgenommen hatten für das Schlussdrittel. Die Eisbären kamen wild entschlossen aus der Kabine, machten jede Menge Druck und erspielten sich richtig viele gute und vor allem hochkarätige Torchancen.
In der 42. Spielminute scheitere bereits Nick Petersen am heute überragendenen Nürnberger Goalie Niklas Treutle. Nur zwei Minuten später Daniel Fischbuch mit einer großen Chance vor dem Tor, aber erneut war Treutle zur Stelle.
Nürnberg versuchte immer wieder bei Kontern für Gefahr und die Vorentscheidung zu sorgen, aber das letzte Drittel gehörte fast ausschließlich den Eisbären.
Beide Mannschaften in den letzten zehn Minuten auch nochmal mit je einem Powerplay und da sahen beide richtig gut aus. Beide konnten für Gefahr sorgen, kamen zu guten Chancen, nur nutzen konnte weder Nürnberg noch Berlin die numerische Überzahl.
Die Zeit lief den Eisbären davon, aber dann kam der große Auftritt von Jamie MacQueen. An der rechten Bande im Angriffsdrittel ackerte die Nummer 17 so lange, bis er mit der Scheibe aus dem Zweikampf heraus kam, zog von der rechten Bandenrundung vor das Tor und schloss seine unglaubliche Energieleistung mit dem hochverdienten 1:1 ab (56.). Das 19. Saisontor von Jamie MacQueen war einfach ein absolut herausragendes Tor, weil er diesen Treffer unbedingt wollte.
Nürnberg hatte aber noch etwas gegen die Punkteteilung nach 60 Minuten und hatte drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit noch einmal drei Riesenchancen. David Steckel lief alleine auf Petri Vehanen zu, doch der Finne behielt in diesem Duell die Oberhand. Ebenso wenig später bei zwei guten Chancen von Patrick Reimer. Somit blieb es also beim 1:1 nach 60 Minuten in diesem absolut mitreißenden Eishockeyspiel.

Und die Verlängerung bot weiterhin geiles Eishockey. Es ging rauf und runter, große Chancen auf beiden Seiten. Aber die beiden Goalies, Treutle und Vehanen, lieferten sich ebenso ein spektakuläres Duell in Sachen Paraden. Was für Saves die heute zeigten war schon nicht mehr normal. Am Ende wurde das Ganze hier noch auf die Spitze getrieben und es ging wie bereits beim ersten Aufeinandertreffen dieser beiden Teams hier in Nürnberg beim Stand von 1:1 ins Penaltyschießen.

Und dieses nahm leider den selben Ausgang wie beim ersten Spiel. Nürnbergs Goalie Niklas Treutle parierte alle drei Berliner Versuche, bei Nürnberg traf Patrick Reimer den Pfosten und John Mitchell zielte neben das Tor. Und dann kam der Auftritt von Ex-Eisbär Petr Pohl, der mit wenig Tempo anlief, Petri Vehanen ausguckte und so lange wartete, bis der Finne am Boden lag, um ihn dann zu umkurven und die Scheibe im leeren Tor zu versenken. Ein klasse Tor von Pohl sorgte am Ende für den Nürnberger Zusatzpunkt.

Aber trotzdem können die Berliner Nürnberg mit breiter Brust verlassen, zeigten sie doch eine gute Auswärtspartie und spielten ein furioses Schlussdrittel, in dem sie sich leider nur mit einem Tor belohnen konnten. Aber insgesamt gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe, in dem Nürnberg in den ersten 40 Minuten deutlich mehr Torschüsse zu verzeichnen hatte, die Eisbären sich aber im letzten Drittel dank eines beherzten Auftrittes den Ausgleich und somit den Punkt mehr als verdienten. Das Penaltyschießen ist am Ende eben immer eine Glückssache und heute war das Glück eben auf Nürnberger Seite.

Eisbären-Verteidiger Jonas Müller, welcher im deutschen Olympia-Kader steht, sagte nach dem Spiel:

Wir haben uns von Drittel zu Drittel voran gearbeitet. Es hat am Ende leider nicht geklappt, dass wir das zweite Tor schießen. Gegen Nürnberg ist es immer ein Top-Spiel, es ist immer schnell und es gibt viele Chancen. Das macht einfach Spaß.

Nürnbergs Goalie und Matchwinner Niklas Treutle äußerste sich nach dem wichtigen Sieg so:

Es hat heute schon Spaß gemacht. Ich denke, wir haben zwei starke Torhüter gesehen und daher war es klar, dass es eng wird und nicht viele Tore fallen würden. Schön, dass wir am Ende gewonnen haben.

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