Erster Sieg an der Küste: 7:2-Kantersieg in Bremerhaven

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. So auch bei den Eisbären Berlin, die nach zwei vergeblichen Anläufen an der Küste diese heute erstmals als Sieger verließen. Am 02. Spieltag der DEL-Saison 2017/2018 feierten die Berliner einen deutlichen 7:2 (1:0,1:1,5:1)-Kantersieg bei den Fischtown Pinguins Bremerhaven und gaben somit die richtige Antwort auf die Auftakt-Niederlage vom Freitagabend gegen Nürnberg. So klar, wie es das Ergebnis vermuten lässt, war das Spiel dann aber doch nicht.

Die Eisbären traten mit dem selben Kader wie am Freitag an, heißt also auch, dass erneut Petri Vehanen das Berliner Tor hütete. Der finnische Torhüter sah ja am Freitag bei den letzten beiden Gegentreffern nicht wirklich gut aus.
Die Eisbären hatten sich für die Partie in Bremerhaven viel vorgenommen und das setzten sie auch gleich in die Tat um. Ganze 42 Sekunden waren gespielt, da hatten die rund 350 Eisbären-Fans unter den insgesamt 4.563 Zuschauern erstmals Grund zum Jubeln. Nick Petersen erkämpfte sich an der linken Bande den Puck, spielte ihn vor das Tor, wo Jamie MacQueen die Scheibe annahm und Ex-Eisbär Tomas Pöpperle im Kasten der Hausherren keine Chance ließ – 1:0.
Kurze Zeit später die große Chance für die Eisbären, in Überzahl gleich nachzulegen. Aber das Powerplay blieb weiter ausbaufähig.
Bremerhaven schockte der Rückstand nicht wirklich, sie spielten hier gut mit und hatten auch ihre Chancen. So in der siebten Spielminute, als Wade Bergmann und wenig später zweimal Mike Hoeffel an Petri Vehanen scheiterten.
Es entwickelte sich fortan ein munteres Spielchen, in dem es hin und her ging. Beide Mannschaften suchten immer wieder den Abschluss, Bremerhaven wirkte dabei etwas gefährlicher. Gefährlich wurde es für die Eisbären auch in der 15. Spielminute, als sie für 70 Sekunden zwei Mann weniger auf dem Eis waren. Und Bremerhaven machte ordentlich Druck, fand auch in die Formation, aber die Eisbären verteidigten das gut, blockten die Schüsse und am Ende war auch immer noch Petri Vehanen zur Stelle. Die Eisbären überstanden diese doppelte Unterzahl und nahmen das 1:0 somit in die erste Drittelpause.
Und über die Führung war Frank Hördler sehr glücklich, mit dem Spiel der Eisbären aber nicht, wie er im Interview bei Telekom Sport sagte:

Bremerhaven spielt mit sehr viel Druck, es wäre auch ein 1:1 oder 2:1 für Bremerhaven möglich gewesen. Wir müssen vorsichtig sein und weiter dran bleiben. Bremerhaven ist sehr gefährlich.

Und den Druck hielten die Gastgeber auch im Mitteldrittel aufrecht. Bei 4-4 auf dem Eis hatten die Hausherren ein 2-auf-1-Angriff, Jordan Owens nahm einen Pass direkt und schoss knapp am Tor vorbei. Und in der 26. Spielminute schickten die Pinguins Neuzugang Jan Urbas auf die Reise, der lief alleine auf Petri Vehanen zu, scheiterte aber am finnische Goalie.
Nur eine Minute später war Urbas diesmal für das Zuspiel von hinter dem Tor zuständig, sein Pass fand Chad Nehring vor dem Tor, aber der schoss knapp am Berliner Tor vorbei. Und wie dass dann immer so ist, wenn du deine Chancen vorne nicht nutzt, wirst du hinten bestraft. Und das taten die Eisbären. Louis-Marc Aubry ließ die Scheibe für Nick Petersen liegen, der zog ab, sein Schuss wurde noch abgefälscht und Aubry hielt letztendlich den Schläger in den Schuss und überwand Pöpperle zum 2:0 (27.). Ein Tor aus dem Nichts und zu dem Zeitpunkt auch nicht verdient.
Aber Bremerhaven spielte weiter nach vorne, ließ sich auch aus dem 0:2-Rückstand nicht aus der Ruhe bringen und wurde für den Aufwand in der 30. Spielminute auch endlich belohnt. Chad Nehring kam über rechts ins Angriffsdrittel, spielte den Puck quer rüber zu Mike Moore, welche auf 1:2 verkürzen konnte.
Die Eisbären wurden nach dem Gegentreffer etwas aktiver in Sachen Offensive, konnten aber Pöpperle nicht überwinden. Die letzte große Chance im zweiten Drittel hatten die Hausherren. Cody Lampl wurde auf links klasse freigespielt, hatte das leere Tor vor sich, traf den Puck aber nicht richtig und so ging die Scheibe knapp am Berliner Tor vorbei. Die Eisbären nahmen eine glückliche 2:1-Führung mit in die Kabine.

Bremerhaven hatte zu Beginn des letzten Drittels noch für 58 Sekunden einen Mann mehr auf dem Eis und somit die Chance zum Ausgleich. Und sie machten auch Druck und wollten den Treffer erzielen, aber das Überzahlspiel blieb ungenutzt.
Auf der Gegenseite sorgten die Eisbären dann für den alten Zwei-Tore-Abstand. Danny Richmond hatte von der blauen Linie abgezogen und Martin Buchwieser fälschte den Puck unhaltbar für Pöpperle ab – 3:1 (43.).
Bitte für Bremerhaven, die kurz zuvor noch die Chance auf den Ausgleich hatten. Und es sollte noch schlimmer für die Gastgeber kommen. 46 Sekunden nach dem 3:1 unterlief den Fischtowns ein Fehler im Aufbauspiel, James Sheppard setzte Sean Backman in Szene und der überwand Tomas Pöpperle eiskalt zum 4:1 (44.).
Diese beiden Treffer innerhalb weniger Sekunden schockten Bremerhaven, die danach deutlich zeigten, dass sie hier nicht mehr an die Wende glauben würden. Dennoch sorgten sie sieben Minuten vor dem Ende noch einmal für Hoffnung bei den eigenen Anhängern, als Wade Bergmann in Überzahl von der blauen Linie erfolgreich war – 2:4 (53.).
Es war aber nicht mehr als Ergebniskosmetik und am Ende fielen die Hausherren förmlich komplett auseinander. Bremerhaven mit einem erneuten Fehler im Aufbau, Florian Busch zog ab und diesmal war es Thomas Oppenheimer, der den Puck unhaltbar abfälschte – 5:2 (55.).
Als die Eisbären in der Schlussphase dann auch noch ein Powerplay hatten, schlug Daniel Fischbuch 58 Sekunden vor dem Ende zu. Frank Hördler hatte Fischbuch angespielt und die Nummer 77 der Eisbären zog direkt ab – 6:2 (60.).
Und 28 Sekunden später trug sich Neuzugang Sean Backman ein zweites Mal in die Torschützenliste ein. Backman kam über rechts ins Drittel, wurde nicht wirklich gestört und zog ab – 7:2 (60.). Der Schlusspunkt unter dieser sehr unterhaltsamen Partie am Sonntagnachmittag.

7:2 in Bremerhaven, was zunächst einmal sehr deutlich klingt, war ein hartes Stück Arbeit. Das frühe Tor gab den Eisbären nicht die nötige Sicherheit und fortan sah man sich dem Druck der Bremerhavener ausgesetzt, hatte aber Glück, dass die ihre Chancen nicht nutzten. Nicht umsonst hatte Frank Hördler nach dem ersten Drittel noch gesagt, man müsse hier extrem vorsichtig sein. Auch nach dem 0:2 aus Sicht der Gastgeber gaben diese nicht auf und konnten sich auch verdientermaßen mit dem 1:2 belohnen.
Knackpunkt der Partie war dann sicherlich die Anfangsphase des letzten Drittels. Da verpasste Bremerhaven den Ausgleich in Überzahl, während die Eisbären innerhalb von 46 Sekunden auf 4:1 davon zogen. Von dem Doppelschlag erholte sich Bremerhaven nicht mehr und fiel komplett auseinander. Man lud die Eisbären praktisch zum Tore schießen ein, die nahmen das natürlich dankend an. Auch wenn es Geschenke der Bremerhavener waren, die Tore musst du dann aber auch erst einmal so erzielen, wie es die Eisbären gemacht haben. Und das Tore schießen war in der letzten Saison ja noch ein großes Problem. Da nahm man auch solche Geschenke nicht immer an. Und wann hat man das letzte Mal fünf Eisbären-Tore in einem Drittel bestaunen dürfen?
Von daher freuen wir uns über den Sieg und die vielen Tore, verfallen aber auch nicht gleich in Euphorie angesichts des Kantersieges, denn das Spiel war doch 40 Minuten lang enger als es das Ergebnis vermuten lässt.

Stimmen zum Spiel:

Marian Dejdar (Fischtown Pinguins Bremerhaven):

Wir haben uns das natürlich anders vorgestellt. Das Ergebnis spiegelt das Spiel nicht wider. Die Gegentore sind viel zu leicht gefallen. Wir haben gesehen, woran wir noch arbeiten müssen. Wir haben zwei Drittel gutes Eishockey gespielt, haben uns gute Chancen heraus gespielt. Gehen die rein, geht das Spiel vielleicht anders aus.

Sean Backmann (Eisbären Berlin):

So leicht war es nicht. Natürlich ist es wichtig, dass du als Stürmer Tore schießt. Grundsätzlich war das heute zufriedenstellend. Aber Bremerhaven war nicht so schlecht, wie es das Ergebnis aussagt.

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