Walker`s Meinung zum Stockholm-Wochenende: Licht und Schatten bei den Eisbären Berlin

logo_WsM_1415125px-Logo_ERC_Ingolstadt_svgAm Wochenende hatten die Eisbären Berlin zwei Spiele in der Champions Hockey League (CH) zu absolvieren. Beide Male hieß dabei der Gegner Djurgarden Stockholm. Stefan Ustorf, der Sportliche Leiter der Eisbären, hatte beim Fan-Dialog am vergangenen Dienstag noch gesagt, dass man aus diesen beiden Spielen sechs Punkte holen will, um sich somit weiterhin die Chance auf das Achtelfinale zu wahren. Es sollten jedoch nur ganze zwei Punkte werden, weshalb der Traum von der CHL-Endrunde wohl endgültig ausgeträumt sein dürfte. Nur dass man nun kaum noch eine Chance auf das Weiterkommen hat, hat man sich einzig und allein selbst zuzuschreiben.

Am Freitag in Stockholm zeigten die Hauptstädter ihre zwei Gesichter. Sie kamen super hinein in die Partie, setzten die Schweden stark unter Druck und gingen früh durch Petr Pohl in Führung. Danach hatte man vier Minuten lang Zeit, in Überzahl die Führung auszubauen. Dies gelang jedoch nicht, was vor allem am sehr schlechten Powerplay lag. Die Berliner bekamen es kaum hin, mal ihre Formation aufzuziehen und überhaupt mal zum Abschluss zu kommen. Auch eine doppelte Überzahl wenig später konnte man nicht nutzen.

Und das Überstehen dieser zwei kniffligen Unterzahlsituationen, welche Djurgarden aber auch stark meisterte, machte die Schweden stark und gab ihnen das nötige Selbstvertrauen. Fortan waren die Stockholmer die spielbestimmende Mannschaft und spielten die Eisbären vor allem im Mitteldrittel an die Wand. Die Hausherren wirkten in den Zweikämpfen spritziger, kamen zu einfach an ihren Gegenspielern vorbei und zudem sehr oft zum Abschluss. Wenn Petri Vehanen im Eisbären-Tor nicht so stark gehalten hätte, wäre die Partie frühzeitig zu Gunsten der Schweden entschieden gewesen.

Erst im Schlussdrittel konnten die Mannen von Chefcoach Jeff Tomlinson zu mindestens kämpferisch wieder etwas überzeugen. Sie versuchten dagegen zu halten und waren in einer kurzen, starken Phase auch drauf und dran, das Spiel zu drehen. Doch letztendlich reichen eben wenige Minuten nicht aus, um ein Spiel im Europapokal zu gewinnen. Hätte man so weiter gespielt, wie zu Beginn des Spiels, hätte man aus Stockholm auch etwas Zählbares mitnehmen können.

Man hatte am Freitag schon angedeutet, dass man in der Lage sei, Stockholm zu besiegen. Was am Freitag nicht geklappt hatte, klappte dann aber am Sonntagnachmittag auf eigenem Eis. Dort revanchierte man sich für die 2:3-Niederlage mit einem knappen 4:3-Sieg n.P. Dort sah man endlich eine Eisbären-Mannschaft, welche über die gesamte Spielzeit hoch konzentriert zu Werke ging und sowohl defensiv als auch offensiv zu überzeugen wusste. Über weite Strecken konnten die Eisbären das Spiel sogar dominieren. Man hatte nie das Gefühl, dass sie jetzt wieder eine schwächere Phase hätten. Auch das sonst so schwache zweite Drittel war kein Problem für die Berliner.

Zwar kam Djurgarden auch am Sonntag zu guten Chancen, doch Petri Vehanen war stets zur Stelle und zeigte erneut sein Können. Der finnische Goalie ist bereits jetzt zum Publikumsliebling geworden. Mit seiner Spielweise verzückt er bereits jetzt schon die Eisbären-Fans, welche ihn während des Spiels am Sonntag bereits mit „Vehanen oho, Vehanen oho“-Sprechchören feierten.

Doch auch ein anderer Neuzugang wusste am Sonntag zu überzeugen. Petr Pohl erzielte drei Treffer und war auch am vierten Treffer der Eisbären beteiligt. Der tschechische Stürmer wird von Spiel zu Spiel immer besser und ist somit auch bereits ein Liebling der Fans.

Die Eisbären haben durchaus Potential, in der neuen Saison gutes und erfolgreiches Eishockey zu spielen. Allerdings ist dies nur möglich, wenn man über die gesamte Spielzeit konzentriert zu Werke geht. Aussetzer darf man sich nicht leisten, da diese in der DEL eiskalt bestraft werden. Die Mannschaft muss in der DEL genauso eine geschlossene und kämpferische Leistung zeigen wie am Sonntag gegen Djurgarden. Die Mannschaft muss dann aber auch die durchaus noch vorhandenen Abspielfehler im Spielaufbau abstellen. Und wenn die Mannschaft vom Verletzungspech verschont bleibt, ist durchaus eine gute Saison möglich. Ob es mit dem dünn besetzten Kader aber für oben reicht, ist für mich nach wie vor fraglich.