Die Eisbären Berlin sind am Donnerstag mit einem 8:2-Auswärtssieg in Grenoble in die neue Saison der Champions Hockey League (CHL) gestartet. Heute Nachmittag geht es bereits mit dem zweiten Spieltag in der CHL weiter. Dann sind die Berliner beim CHL-Rekordsieger Frölunda HC in Göteborg zu Gast. Keine einfache Aufgabe also für die Hauptstädter. Einer, der dabei mithelfen möchte, dass auch das Spiel in Schweden erfolgreich für die Eisbären enden wird, ist Verteidiger Julian Melchiori. Der 30-jährige Kanadier kam vor der Saison von Ligakonkurrent Grizzlys Wolfsburg an die Spree. Und was liegt da näher, als mal bei Sven vom „3on3 Overtime-Podcast“ nachzufragen, ob er uns denn mal ein paar Zeilen zum neuen Verteidiger der Berliner schickt. Das hat Sven sehr gerne gemacht und seine Einschätzung zu Julian Melchiori wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten:

Sven vom „3on3 Overtime-Podcast“ im Interview mit Julian Melchiori in Wolfsburg. (Foto: 3on3 Overtime)
Julian Melchiori, oder Melch wie ihn alle in Wolfsburg nur genannt haben, wurde vor 2 Jahren von Charly Fliegauf nach Wolfsburg gelotst, nachdem seine Verpflichtung bei Neftekhimik Nizhnekamsk in der KHL wegen der Pandemie gescheitert war – er wollte dort wegen der ungewissen Corona Situation nicht spielen.
Er ist ein sehr intelligenter Verteidiger mit einem sehr gutem ersten Pass und war der Denker und Lenker in der Abwehr der Grizzlys über 2 Jahre hinweg. Melchiori setzt seinen beeindruckenden Körper (195cm und 101kg) in der Defensive und bei der Bandenarbeit sehr effizient ein, ist trotz der Gardemaße ein guter und schneller Skater im Backcheck und hat dabei so manchen Neutral-Zone-Turnover seiner Mannschaft oder gegnerische Breakaways entschärft.
Aber auch seine Offensivqualitäten sind eindrucksvoll. Wie in der Defensive kann er seinen Körper dabei hervorragend einsetzen, um den Puck durch Freund und Feind bis ins gegnerische Tor zu befördern. So tat er es einige Male in Overtime (wenn ich mich nicht ganz täusche, sogar gegen Berlin). Seine Punktebilanz in Wolfsburg kann sich vor allem in seinem zweiten Jahr unter Mike Stewarts aggressivem und dynamischen Spielstil durchaus sehen lassen. Er schoss 8 Tore und legte 16 mal auf, erreichte also insgesamt 24 Punkte.
Was ihn auch noch auszeichnet scheint eine eiserne Lunge zu sein, denn Melchiori ist geradezu ein Eiszeitfresser. In seinem 1. Jahre in Wolfsburg, noch unter Pat Cortina, führte er mit einer TOI von unglaublichen 1176:51 vor seinem Wolfsburger Team-Kameraden Jeff Likens (978:37) und dem Ingolstädter Morgan Ellis (973:25) die Statistik an. Man darf nicht vergessen, das war die verkürzte Corona-Saison.
Auch im zweiten Jahr, da dann schon unter Mike Stewart, war er der DEL-Spieler mit der meisten Eiszeit. Hier brachte er es auf eine TOI von 1490:40, vor Jonas Müller (1358:39) und Kai Wissmann (1352:30), die den Berliner Fans durchaus bekannt sein dürften.
Er war – zumindest in Wolfsburg – kein Spieler, der sich dauern geprügelt oder unnötige andere Strafen genommen hat. Im ersten Jahr musste er 18 und im 2. Jahr 22 Minuten in der Kühlbox schmoren. Für einen Verteidiger seiner Statur und verglichen zum Beispiel mit seinen letztjährigen Teamkollegen de Sousa (43), Machacek (63) und Murray (98) war er geradezu ein Weisenknabe.
Neben seinen spielerischen Eigenschaften zeichnete ihn absolute Mannschaftsdienlichkeit auf dem Eis aus. So schützt er seinen Goalie, indem er vor dem Tor mit seinem Körper für Ordnung sorgt oder kommt seinen Kollegen bei Zwistigkeiten zu Hilfe.
Dieser Einsatz für sein Team ging aber auch in der Kabine weiter. Schon in der ersten Saison war er ein Spieler der mannschaftsintern ruhige, aber klare Ansagen gemacht hat und trug in seiner 2. Saison sogar das „A“ auf der Brust.
Als Podcaster bei 3on3Overtime und freier Mitarbeiter der WAZ, kann ich von meinen Kontakten und Interviews mit „Melch“ nur schwärmen. Ich werde ihn als Mensch und Spieler der Grizzlys sehr vermissen, aber freue mich gleichzeitig, dass er der Liga erhalten bleibt und ich ihn mindestens bei 4 Spielen in Wolfsburg und Berlin spielen sehen und nach den Spielen treffen kann.
Damit verbleibe ich mit einem „Farewell Melch“.
An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Sven für diese sehr schönen Zeilen über Julian Melchiori. Wir werden gut auf ihn „aufpassen“ in Berlin.

Julian Melchiori (links) und Sven. (Foto: 3on3 Overtime)
