Die Eisbären Berlin nach 19 Spielen: Im Soll, aber noch deutlich Luft nach oben

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) befindet sich in der Länderspielpause. Während die deutsche Frauen-Nationalmannschaft um das Olympia-Ticket und die deutsche Herren-Nationalmannschaft um den Sieg beim Deutschland Cup kämpft, laden die Spieler der Eisbären Berlin ihre Akkus wieder auf. Was auch dringend notwendig ist, gerade wenn man auf die letzten sechs Spiele zurückschaut, als die Berliner nur zwei Spiele gewannen. Dass die Jungs mit ihren Kräften am Ende waren, war deutlich zu sehen, vor allem in der englischen Woche vor der Länderspielpause. Die Spieler können aktuell also abschalten und sich auf die zweite Phase der Saison vorbereiten, das Trainerteam um Coach Serge Aubin und Co-Trainer Craig Streu kann dagegen nicht abschalten, wie Trainer Aubin nach dem Spiel in Ingolstadt vor einer Woche sagte:

Ich denke es ist für alle gut. Bei den Spielern trifft mentale Müdigkeit auf körperliche Müdigkeit und dann braucht es nicht viel, um zwei Spiele hintereinander zu verlieren so wie wir. Und für das Team um die Spieler herum ist es gut die Batterien aufzuladen und einen sauberen Schnitt zu haben, wenn wir uns wieder alle zusammenfinden. Aber natürlich wird der Trainerstab dennoch ein bisschen weiterarbeiten und sichergehen, dass wir das Team richtig vorbereiten.

Es gilt, die ersten 19 Spiele aufzuarbeiten und da ist dem Trainerteam sicherlich einiges aufgefallen. Da wäre zum einen natürlich der eklatante Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsspielen. Auf eigenem Eis absolvierte man bisher zehn Spiele, von denen man nur vier gewann. Mickrige 13 Punkte sammelte man auf heimischen Eis bei 28:33-Toren.
Ganz anders sieht das auf fremden Eis aus. Da waren es bisher neun Spiele, von denen man sieben gewann und nur zwei verlor, bei einer der beiden Niederlagen punktete man zudem. Auswärts sammelte man starke 22 Punkte bei 38:21-Toren. Was man aber erwähnen muss: Die beiden Niederlagen kassierte man in den letzten beiden Auswärtsspielen, was eben daran lag, dass die Spieler nicht mehr bei vollen Kräften waren.

Auffällig ist zudem, wie schwer sich die Hauptstädter mit dem Tore schießen tun. Zuhause erzielte man nur 4-mal fünf oder mehr Tore, was am Ende dann auch zu den vier Siegen auf eigenem Eis führte. In den restlichen sechs Spielen erzielte man nur zwei oder weniger Tore, diese Spiele gingen allesamt verloren.
Auswärts erzielten die Eisbären in sieben Spielen vier oder mehr Tore, nur eine dieser Partien ging am Ende verloren. Ganze zweimal traf man nur dreimal oder weniger, eins dieser Spiele verlor man.

Auch eine interessante Statistik: Zu Hause verschlafen die Eisbären in der Regel den Start und laufen so stets einem Rückstand hinterher. In acht der zehn Spielen lagen die Berliner mit 0:1 hinten, fünf dieser acht Spiele verlor man am Ende. Dreimal konnte man sich noch den Sieg sichern. Zweimal ging man mit 1:0 in Führung, was zu je einem Sieg und einer Niederlage führte.
Auswärts gingen die Eisbären in neun Spielen fünfmal in Führung, davon gewann man am Ende noch drei Spiele. Viermal gingen die Berliner auf fremden Eis in Rückstand, alle Spiele gewann man jedoch noch. Die Moral auswärts scheint daher deutlich besser zu sein. Woran das liegt, weiß man bei den Eisbären bisher nicht.

Mit 35 Punkten aus 19 Spielen sind die Eisbären definitiv im Soll, stehen auf Platz Vier mit 66:54-Toren. Man stelle sich mal vor, man würde die Heimschwäche in den Griff bekommen, dann wäre man wohl noch weiter oben in der Tabelle zu finden. Aber wie fällt denn das bisherige Fazit des Kapitäns Frank Hördler aus?

Der Tabellenplatz ist gut, wir haben aber noch viel vor uns. Die Pause ist sicherlich gut, um mal den Kopf frei zu kriegen und mal wegzukommen vom Stadion und auch vom Training und mal was anderes zu sehen. Aber wenn wir wieder zurückkommen, müssen wir die Zeit investieren, um einfach den nächsten Schritt zu machen. Wir haben sehr viele individuelle Spieler, die sehr gut sind, jetzt müssen wir das alles ein bisschen mehr zusammen bringen, um als Mannschaft einfach einen besseren Auftritt zu haben.

Einer dieser individuellen Spieler ist Blaine Byron. Man kann definitiv sagen, dass der Stürmer d e r Top-Transfer der Eisbären war. 20 Punkte (9 Tore/11 Assists) in 16 Spielen sprechen da für sich. Doch da wären wir auch schon beim Problem: Denn seit dem Byron verletzt fehlt, ging es mit den Eisbären bergab. In den drei Spielen ohne Byron gewann man nur ein Spiel und holte nur drei Punkte. In den 16 Spielen mit Byron gewann man zehn Spiele und holte satte 32 Punkte. Er ist Teil der Top-Reihe mit Marcel Noebels und Leo Pföderl. Doch die beiden Nationalstürmer waren auch nicht mehr so gut wie mit Blaine Byron zusammen. Die Eisbären scheinen also derzeit abhängig zu sein von ihrem Top-Transfer.
Von daher dürfte die Hoffnung bei den Eisbären groß sein, nach der Pause wieder auf Byron zurückgreifen zu können. Vor allem, weil direkt das Spitzenspiel gegen die Adler Mannheim ansteht.

Was fällt sonst noch auf nach 19 Spielen?

Die Special Teams sind ein großes Problem der Eisbären, sowohl in Überzahl als auch Unterzahl steht man derzeit nur auf dem 13. Platz. In Überzahl weist man eine Erfolgsquote von 16,13 Prozent (13 Tore in 62 Powerplays) auf, in Unterzahl sind es 76,19 Prozent (15 Gegentore in 63 Unterzahlspielen). Wobei man gerade beim Penaltykilling sagen muss, dass das bis zum Wolfsburg-Spiel vor zwei Wochen noch super funktionierte. Doch dann kassierte man vier Gegentore in vier Unterzahlspielen und seit dem kränkelt auch das Unterzahlspiel.

Auch die Chancenverwertung der Hauptstädter lässt arg zu wünschen übrig, da befindet man sich nur im Liga-Mittelfeld. 663-mal schossen die Berliner auf das Tor, 66-mal klingelte es anschließend im Tor. Das macht einer Erfolgsquote von nur 9,95 Prozent und Platz Acht. Gerade Zuhause ist die Chancenverwertung äußerst miserabel.

Und dann schauen wir noch auf die Torhüter Mathias Niederberger und Tobias Ancicka. Das Duo steht aktuell auf Platz Neun in der Gesamtwertung mit einer Fangquote von 90 Prozent. Dabei weist Niederberger die deutlich besseren Werte auf als sein junger Backup. Niederberger absolvierte bisher 14 Spiele, in denen ihm ein Shutout gelang. Seine Fangquote liegt bei 91,34 Prozent und sein Gegentorschnitt beträgt 2,5.
Ancicka kam bisher auf fünf Einsätze, in denen er ebenfalls einen Shutout feiern konnte. In den restlichen vier Spielen kassierte er jedoch einmal drei Gegentore, einmal vier Gegentore und zweimal fünf Gegentore. Tobias Ancicka ist also noch nicht in der Form aus der Vorsaison.

Alles in allem ist es also ein solider Start der Eisbären, welche aber noch viel Luft nach oben haben. Wenn man jetzt noch Zuhause anfängt, konstant zu punkten, wenn man sich in den Special Teams deutlich verbessert und wenn man die Chancen besser nutzt, dann kann man weiter nach oben gucken. Ändert sich jedoch nicht viel in der nächsten Zeit, muss man sich eher nach unten orientieren.

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