Platz Vier nach 42 Spieltagen: Die Eisbären Berlin müssen im Hinblick auf die Playoffs noch an kleinen Baustellen arbeiten

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) befindet sich derzeit in der letzten Länderspielpause der Saison 2019/2020. Sie holt sozusagen noch einmal Luft für die alles entscheidende Saisonphase, den Playoffs nämlich. Ab Mitte März geht es in den Playoffs um die deutsche Meisterschaft und die Favoriten auf den Titel sind mit München und Mannheim schnell gefunden. Aber auch vor dem Überraschungsdritten Straubing sollte man gewarnt sein, spielen die Niederbayern doch ihre beste Saison der Vereinsgeschichte und knacken derzeit einen nach dem anderen Vereinsrekord. Die drei genannten Teams sind auch bereits sicher für die Playoffs qualifiziert.

Serge Aubin (links) nach dem Spiel gegen Ingolstadt auf der PK. (Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker)

Und die Eisbären? Die stehen nach 42 Spieltagen (ein Nachholspiel müssen die Berliner noch absolvieren) auf Platz Vier der Tabelle, zehn Punkte hinter dem Dritten Straubing und nur einen Zähler vor Bremerhaven. Aktuell stehen die Berliner also auf einem Platz, welcher Heimrecht im Viertelfinale garantieren würde, aber Bremerhaven drückt von hinten gewaltig. Auf Platz Sieben und damit den ersten Platz, welcher nicht für die direkte Viertelfinal-Qualifikation reicht, haben die Berliner derzeit neun Punkte Vorsprung. Wenn also alles normal läuft, wird es in den verbleibenden zehn Hauptrundenspielen darum gehen, sich Platz Vier und das damit verbundene Heimrecht zu sichern. Was schwer genug wird, denn mit Bremerhaven hat man da einen äußerst hartnäckigen Konkurrenten. Und es ist auch gut möglich, dass die beiden Teams im Fernduell um das Heimrecht in ihrer eigenen Viertelfinalserie kämpfen, denn aktuell sieht alles danach aus, als ob Berlin und Bremerhaven im Viertelfinale aufeinander treffen würden.

Soweit sind wir aber noch lange nicht. Erst einmal gilt es noch zehn Hauptrundenspieltage über die Runden zu bringen. Und bis dahin und auch bis zu den Playoffs haben die Eisbären noch an kleinen Baustellen zu arbeiten. Vor allem an zwei Dingen, wie Trainer Serge Aubin im Anschluss an das Heimspiel gegen Ingolstadt vergangenen Sonntag auf der Pressekonferenz sagte:

An den Special Teams müssen wir auf alle Fälle arbeiten, da gibt es immer noch Verbesserungsmöglichkeiten. Gerade im Hinblick auf die Playoffs, wo es wenig Fünf-gegen-Fünf-Tore geben wird. Man hat heute gesehen, wie viel Schwung und auch Entscheidung das Powerplay in das Spiel gebracht hat.

Die Konstanz über 60 Minuten ein Spiel zu spielen und dann auch konstant durch zu spielen, ist unheimlich wichtig. Wir sind schon besser geworden in dem Aspekt, aber auch da können wir sogar noch besser werden.

Das mit dem Powerplay ist auch unübersehbar, da hapert es an allen Ecken und Kanten. Ligaweit haben die Eisbären das drittschlechteste Überzahlspiel – nur Iserlohn und Köln sind noch schlechter. Damit haben die Hauptstädter also das schlechteste Powerplay aller Top-6 Mannschaften. Und Aubin spricht es ja an, wie wichtig das Überzahlspiel in den Playoffs sein wird. Daran muss man dringend arbeiten, sonst ist erneut im Viertelfinale Feierabend.
Besser sieht es da im Unterzahlspiel aus, wo man das fünftbeste der Liga aufweist. Aber sicher sieht Aubin auch da noch Verbesserungsmöglichkeiten.

Und auch die Geschichte mit der Konstanz ist keine neue für Eisbären-Fans. Wie oft haben wir Spiele der Jungs in dieser Saison gesehen, wo sie nur über 20 oder 40 Minuten gutes Eishockey spielten, den Rest aber vollkommen neben sich standen. Manchmal waren es auch nur wenige Minuten, wo man mal seine Klasse aufblitzen ließ und den Rest des Spiels sein anderes Gesicht zeigte. Daran muss man auch hart arbeiten, seinen Gameplan über die gesamte Spielzeit strikt durchzuziehen und nicht davon abzukommen. Denn in den Playoffs wird jeder Fehler eiskalt bestraft.

Was in dieser Saison auch bereits sehr oft auffiel, war die Tatsache, dass die Eisbären gegen die Top-Teams starke Leistungen zeigten, nur um dann zwei Tage später gegen die vermeintlichen Kellerkinder wieder schlecht zu spielen. Top-Scorer Marcel Noebels, der die Saison seines Lebens spielt, mit einem Erklärungsversuch in der aktuellen Ausgabe der Eishockey NEWS (Nr. 6 vom 04.02.2020):

Wir haben schon oft gutes Hockey gespielt. Aber wenn wie gegen Straubing die Laufbereitschaft fehlt, sieht es gleich trübe aus. Aus meiner Sicht waren beide Teams nicht auf dem Niveau, auf dem sie sonst spielen. Ein neuer Zuschauer hätte bei dem Spiel Eisbären gegen Straubing sicher nicht vermutet, dass hier der DEL-Dritte gegen den Vierten spielt.

Auch mit ein Grund, weshalb sich die Eisbären manchmal schwer tun, ist die teilweise schlechte Chancenverwertung in manchen Spielen. Noebels dazu:

Keiner schießt absichtlich daneben oder wie Rankel an den Pfosten. Wir müssen einfach noch konsequenter unsere Chancen herausarbeiten.

Wenn die Eisbären an diesen kleinen aber enorm wichtigen Baustellen arbeiten, dann ist mit ihnen in den Playoffs zu rechnen. In den verbleibenden zehn Hauptrundenspielen geht es nun darum, sein Spiel zu verfeinern, die Kleinigkeiten, die nicht gut laufen, abzustellen und sich für die Playoffs einzuspielen. Und in den Playoffs, das wissen nun wirklich alle Fans, ist alles möglich. Da kannst du von jedem Platz aus noch Deutscher Meister werden. Wenn, ja wenn man an den kleinen aber feinen Baustellen arbeitet und die Fehler abstellt.

Einer, der in dieser entscheidenden Saisonphase aller Voraussicht nach wieder mitwirken kann, ist Stürmer Louis-Marc Aubry. Das bestätigte Serge Aubin nach dem Ingolstadt-Spiel auf der PK:

Ja, es gibt Hoffnung darauf, dass er zurückkehrt. Er ist schon wieder im Kraftraum und arbeitet ordentlich, fühlt sich gut. Er wird ins Teamtraining voraussichtlich nächsten Sonntag einsteigen.