Die Eisbären Berlin nach 16 Spielen: Nach schwachem Start besser in Fahrt gekommen, aber nach wie vor einige Baustellen

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Seit einer Woche befindet sich die Deutsche Eishockey Liga (DEL) in der Länderspielpause. Zeit zum Durchschnaufen für die Teams und zur ersten Analyse der nach wie vor noch jungen Saison. Die Eisbären Berlin haben bisher 16 Spiele absolviert und stehen während der Pause auf dem sechsten Tabellenplatz. Mit 47:45-Toren und 25 Punkten ist Platz Drei nur sechs Zähler entfernt, der Vorsprung auf Platz Elf beträgt aber ebenfalls nur sechs Punkte.

Dennoch kann man mit dem aktuellen Platz durchaus zufrieden sein, stand man doch kurz nach Saisonbeginn noch am Tabellenende. Was dem sehr schwachen Saisonstart geschuldet war, als man nur zwei der ersten sechs Ligaspiele gewinnen konnte. Und diese beiden Spiele gewann man auf heimischen Eis, die vier Niederlagen setzte es in den ersten vier Auswärtsspielen. Im fünften Anlauf klappte es dann endlich mit dem ersten Auswärtssieg der Saison, als man sich beim letztjährigen Halbfinalisten Augsburg einen knappen 2:1-Sieg hart erarbeitet hatte. Inzwischen läuft es aber auch auswärts, gewann man doch vier der letzten sechs Gastspiele. Und zu Hause läuft es sowieso in dieser Saison bisher fast perfekt. Fünf der sechs Heimspiele konnte man gewinnen und bei der einzigen Niederlage gegen den unangefochtenen Liga-Primus München (3:5) stimmte trotzdem die Leistung und man konnte erhobenen Hauptes vom Eis gehen. Und München ist eben im Moment die beste deutsche Mannschaft, das muss man einfach neidlos anerkennen. Dennoch verlangte man dem Team von Ex-Eisbären-Coach Don Jackson alles ab, am Ende aber erwies sich München als abgezockter und eiskalter.

Nach 16 Spielen stehen die Eisbären bei neun Siegen, wobei zwei davon erst in der Verlängerung/Penaltyschießen erreicht wurden. Sieben Mal verließ man das Eis als Verlierer, jedes Mal nach regulärer Spielzeit. Mit 47 Toren stellen die Hauptstädter den fünftbesten Angriff der DEL, mit 45 Gegentoren hat man die fünftbeste Abwehr der Liga. Die Heim- und Auswärtsbilanz lässt sich mit den anderen Teams noch nicht wirklich genau vergleichen, da die Eisbären mit sechs Heimspielen die wenigsten und mit zehn Auswärtsspielen die meisten aller Teams bisher absolviert haben. Heißt aber auch, dass man im weiteren Verlauf noch deutlich mehr Heimspiele vor sich hat, was angesichts der diesjährigen Heimstärke durchaus von Vorteil sein kann.

Kein Spieler der Eisbären taucht unter den Top-15 der DEL-Top-Scorer auf, was aber nicht unbedingt schlecht sein muss, heißt es doch viel mehr, dass von allen vier Reihen der Eisbären Gefahr ausgeht. Die Ausgeglichenheit im Team der Eisbären ist sichtbar und so ist man für die Gegner nur schwer auszurechnen. Denn punktet eine Reihe mal nicht wie gewohnt, springt eben eine andere in die Bresche. 16 verschiedene Torschützen hatten die Berliner bisher, ausgerechnet Youngster Lukas Reichel ist dabei mit sechs Toren der Top-Torjäger in den Reihen der Eisbären.

Generell ist Reichel die positive Erscheinung bei den Berlinern, hatte doch diesen Senkrechtstart des Youngsters so keiner erwartet. Aber Reichel spielt bisher eine bärenstarke Saison, was zahlreiche NHL-Scouts in die Arena am Ostbahnhof lockt. Man kann davon ausgehen, dass Reichel im nächsten NHL-Draft in Runde Eins gezogen wird. Gut für ihn, schlecht für die Eisbären. Aber seine Auftritte sind eben einfach sehr stark und mit elf Scorerpunkten (6 Tore/5Assists) ist Reichel der zweitbeste Scorer im Team der Berliner.
Lediglich „sein Papa“ Maxim Lapierre ist mit zwölf Punkten (4/8) noch besser als der Youngster. Zeitgleich ist Lapierre damit natürlich auch der bisher beste Neuzugang der Eisbären. Leo Pföderl, der eigentlich als Torjäger verpflichtet wurde, steht aktuell ebenfalls erst bei vier Toren, aber fand nur schleppend in die Saison. Was bei ihm jedoch nicht ungewöhnlich ist, wie er selbst sagt. Meistens ab Spieltag Zehn fängt er an, den gegnerischen Torhütern die Scheiben um die Ohren zu hauen. Und so ist es auch kein Wunder, das Pföderl in den letzten drei Spielen in Folge je ein Tor erzielt hat. Mit seinen drei Vorlagen steht er im Moment bei sieben Punkten, was natürlich noch ausbaufähig ist.
PC Labrie ist vor allem dafür da, den gegnerischen Spielern mit seiner Präsenz auf dem Eis Angst einzujagen, als Scorer ist er nun nicht wirklich geholt wurden. Er steht bei sechs Punkten (2/4). Landon Ferraro hat in seinen ersten sechs Spielen bereits angedeutet, wie wichtig er für die Hauptstädter werden kann, sammelte in diesen fünf Scorerpunkte (3/2) – alle gegen Nürnberg übrigens. Und mit Fabian Dietz (1/1) machte im bisherigen Saisonverlauf ein weiterer Youngster auf sich aufmerksam, steht aber dennoch klar im Schatten der Nummer 44.
In der Verteidigung ist derzeit Ryan McKiernan ganz klar eine Top-Verstärkung, sammelte bisher zehn Punkte (2/8), erwies sich aber vor allem durch seine Spielweise als enorm wichtig für die Eisbären. John Ramage, der zweite neue Verteidiger, sammelte zwar auch schon sechs Punkte (1/5), aber fiel vor allem durch die meisten Strafminuten (36/zusammen mit Labrie) auf.
Und im Tor hätten wir da noch Sebastian Dahm, an dem sich die Geister scheiden. Es gibt die „Pro-Dahm-Fans“ und die „Contra-Dahm-Fans“. Es war doch klar, dass die Fußstapfen eines Petri Vehanens, eines Rob Zepps oder aber zuletzt Kevin Poulins sehr groß sein würden. Dementsprechend verlief der Start für Dahm auch keinesfalls gut, aber spätestens seit dem Chicago-Spiel hat sich der dänische Nationalgoalie deutlich gesteigert und teilweise spektakuläre Paraden auf das Eis gezaubert, was die Kritiker verstummt haben sollte. Mit seinen Werten (91,1 Prozent, 2,65 GTS) ist er zwar nicht unter den Top-10 zu finden, aber dennoch hatte auch Dahm seinen Anteil an den starken Leistungen der Eisbären in den letzten Wochen.

Sieben der letzten zehn Spiele konnten die Berliner gewinnen, der Aufwärtstrend war also deutlich zu erkennen. Und doch gibt es auch noch Baustellen im Team der Eisbären. Sie schaffen es noch nicht, mal dauerhaft über 60 Minuten die Leistung abzurufen. Auch gab es in dieser Saison schon zwei Auswärtsspiele, wo man nicht an die Leistung aus dem Vorspiel angeknüpft hatte und sich zwei derbe Klatschen (0:5 in Bremerhaven/0:4 in Düsseldorf) einfing. Man vermisst also ein wenig die Konstanz in den Leistungen der Eisbären, aber wir sind nach wie vor früh in der Saison, es ist ein neuer Trainer mit neuem System und einige neue Spieler. Man begreift das „System Aubin“ immer besser, aber nach wie vor muss man noch an kleinen Stellschrauben drehen, um das perfekte Spiel abzuliefern.

Die Special Teams sind auch noch ein großes Problem, also vor allem das Powerplay. Denn da steht man mit einer Erfolgsquote von gerade einmal 11,8 Prozent (8 Tore in 68 Überzahlspielen) auf dem zwölften Platz in der DEL. Mit 84,5 Prozent stellt man immerhin die fünftbeste Unterzahl der Liga.
Aber das Powerplay hat schon so manche Punkte gekostet, denn da bekommen es die Eisbären gefühlt seit Jahren nicht hin, mal wieder so gefürchtet zu werden, wie es noch zu Zeiten von Pierre Pagé der Fall war. Es ist ja nicht so, dass man das Powerplay im Training nicht üben würde, aber teilweise sieht das dann auf dem Eis doch schon immer sehr harmlos und manchmal echt grauenhaft aus. Auch bei zwei Mann mehr auf dem Eis übrigens. Daran muss man dringend arbeiten, denn Special Teams können enge Spiele entscheiden, wie zuletzt in Straubing gesehen.

Und enge Spiele kann man zudem nur gewinnen, wenn man sich keine dummen Strafzeiten leistet. Aber auch in Sachen Disziplin gehören die Eisbären in diesem Jahr wieder zu den Teams, die mit die meisten Strafzeiten kassieren. Mit bisher 212 Strafminuten (13,3 pro Spiel) ist man auf Platz Zwölf dieser Statistik, nur Straubing und München kassieren mehr Strafzeiten als die Eisbären. Aber die haben eben auch starke Special Teams und stehen trotzdem auf Platz Eins (München) und Zwei (Straubing).

Dennoch hat man in den letzten Spielen deutlich gesehen, welches Potential die Eisbären dieses Jahr haben. Sie sind definitiv ein Top-4-Kandidat, wenn man an den kleinen Baustellen noch schraubt. Die kleinen individuellen Fehler müssen abgestellt werden, die unnötigen Strafen sollte man sein lassen und man sollte endlich daran arbeiten, dass das Berliner Powerplay wieder gefürchtet ist. In der Offensive sieht es schon ganz gut aus, aber auch da hat man sicherlich noch Luft nach oben und in der Defensive verrichtet man schon gute Arbeit. Aber dennoch sehe ich die Eisbären auf einem guten Weg und einer weiteren Saison entgegen, an deren Ende die direkte Play-Off-Qualifikation stehen sollte, wenn man an die Leistungen der letzten Spiele anknüpft und an den Baustellen arbeitet.