Acht Spiele, vier Siege, vier Niederlagen: Eine Vorbereitung mit Licht und Schatten

Wir haben es endlich geschafft: Die leidige Sommerpause ist so gut wie vorbei, die Testspielphase ist beendet. In drei Tagen geht sie endlich los, die neue Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und die Eisbären Berlin werden eine bessere Hauptrunde spielen wollen, als noch in der vergangenen Saison, als man sich über die Pre-Play-Offs zwar noch für das Viertelfinale hat qualifizieren können, dort dann aber am späteren Vizemeister Red Bull München scheiterte.

Zu was die Eisbären zu leisten im Stande gewesen wären, wenn sie ihren kompletten Kader zur Verfügung gehabt hätten, haben sie nach der Februar-Länderspielpause angedeutet, als man plötzlich komplett andere Eisbären auf dem Eis sah. Davor wurden die Fans des siebenfachen Meisters doch arg gequält, mussten sich teilweise katastrophale Leistungen auf dem Eis anschauen, was aber bedingt auch mit der Verletztenmisere zusammenhing. Man konnte schon von einer Verletzten-Seuche sprechen, als teilweise bis zu elf Spieler dem Hauptstadtclub nicht zur Verfügung standen. In dieser schweren Zeit hätte man von den gesunden Leistungsträgern erwartet, dass sie das mit Youngsters aufgefüllte Team dementsprechend führen würden. Doch waren es vorrangig die jungen Spieler, die sich in dieser Zeit hervor taten und nicht die vermeintlichen Leistungsträger. Von einigen Leistungsträgern erwartet man daher eine wesentlich bessere Saison als sie sie zuletzt gespielt haben.

Deswegen gab es den längst überfälligen Umbruch im Sommer, gleich 14 Spieler haben den Verein verlassen, nur neun neue Spieler wurden dagegen verpflichtet. Zwei davon, nämlich PC Labrie und Sebastian Streu, hatten sich über einen Try-out dem Verein empfohlen und wurden daher mit Verträgen belohnt. Zudem gab es auf der Trainerposition den Wechsel von Sprotdirektor Stéphane Richer hin zu seinem Kumpel Serge Aubin. Nicht gerade wenige in der Fanszene sahen diesen Wechsel als sehr skeptisch an, fanden es als Fehleinkauf, mit dem keine bessere Saison möglich wäre.

Und die ersten vier Testspiele müssen die Skeptiker in deren Meinung bestätigt haben, verloren die Eisbären doch gleich einmal die ersten vier Testspiele in Folge. Darunter war auch eine 4:5-Niederlage n.P. beim Kooperationspartner Weißwasser und das 3:8-Debakel bei den Vienna Capitals.
Serge Aubin und sein Trainerteam um die beiden Co-Trainer Gerry Fleming und Craig Streu, welcher ebenfalls neu ist, probierten in der Vorbereitung viel, rotierten die Reihen immer wieder durcheinander und suchten ihre vermeintlich besten Reihen. Je näher das Ende der Vorbereitung rückte, desto weniger änderte das Trainerteam etwas an den Reihen, damit diese sich aufeinander abstimmen und einspielen konnten.
Die Folge war, dass man die letzten vier Spiele in Folge gewinnen und dabei die Gegentorflut der ersten vier Spiele deutlich stoppen konnte. Kassierte man in den ersten vier Testspielen noch satte 17 Gegentore, so waren es in den letzten vier Spielen nur noch deren sieben, im letzten Spiel in Pardubice gelang Sebastian Dahm sogar ein Shutout.
Wurden die Gegentore weniger, so erhöhte man dagegen die Anzahl der geschossenen Tore. Neun Toren in den ersten vier folgten deren 13 in den letzten vier Spielen. Man hat also während der Vorbereitung durchaus eine Verbesserung gesehen, wenn gleich sicherlich noch nicht alles ideal läuft. Aber die Richtung stimmt und macht schon einmal Hoffnung.

Wird er zum großen Rückhalt der Eisbären Berlin? Der neue Torhüter Sebastian Dahm. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Hoffnungen machen auch die Neuzugänge. Maxim Lapierre stach mit vier Toren in der Vorbereitung hervor, er könnte also die fehlenden Tore von Top-Scorer Jamie MacQueen (ging nach Schwenningen) auffangen. Youngster Lukas Reichel war sicherlich die Überraschung der Vorbereitung und dürfte sich nach einem Tor und einigen Torvorlagen durchaus Hoffnung auf einen Einsatz am Freitag beim DEL-Start gegen Wolfsburg machen. Die erst kürzlich mit einem Vertrag ausgestatteten PC Labrie und Sebastian Streu erzielten ebenso je einen Treffer in der Vorbereitung.
Von den anderen Neuzugängen, allen voran Torjäger Leo Pföderl, sah man jetzt noch nicht so viel in Sachen Torerfolgen, aber dennoch machten auch Pföderl, Ryan McKiernan, John Ramage und Fabian Dietz durchaus einen positiven Eindruck. Auch Goalie Sebastian Dahm (siehe Foto links) hatte gute Spiele bei, aber auch welche, in denen er keine glückliche Figur machte. Es wird spannend sein, ob die Eisbären die Starts zwischen ihm, Maximilian Franzreb und Marvin Cüpper gerecht aufteilen oder aber ob einer die etatmäßige Nummer Eins wird.

Spielerisch hat es eine Weile gedauert, bis die Eisbären das System von Serge Aubin verinnerlicht hatten. Was aber normal ist, wenn man einen neuen Trainer bekommt. Aber nicht nur das, neben dem neuen System mussten sich die Spieler ja auch erst einmal als Team zusammenfinden, schließlich gab es doch einige Änderungen im Kader des siebenfachen DEL-Meisters. Und somit war es klar, dass die Jungs Anlaufschwierigkeiten haben würden. Diese hatten sie und trotzdem hat man im Verlaufe der Vorbereitung auch Fortschritte gesehen und auch ein Gefühl dafür bekommen, wie der neue Trainer Serge Aubin spielen lassen will. Wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen, in Berlin mehr arbeitendes Eishockey zu sehen. Was vielleicht nicht immer schön aussehen wird, aber wenn am Ende der Erfolg stimmt, dann ist es wohl jedem Fan egal, wie diese zu Stande kommen.

Die Ansätze sind nicht schlecht, das Team versucht diese so gut wie möglich umzusetzen und die

Jubelnde Eisbären. Ein Bild, welches wir sehr gerne öfters nach den Spielen in dieser DEL-Saison sehen wollen. (Foto: eisbaerlin.de/walker und jasmin)

letzten vier Spiele brachten den Erfolg zurück nach Berlin. Aus diesen vier Siegen in Folge werden die Eisbären das nötige Selbstvertrauen ziehen, um einen bestmöglichen Saisonstart am Freitag gegen Wolfsburg, welche ebenso auf Wiedergutmachung nach einer völlig verkorksten Saison aus sind, hinzulegen.
Die Chemie in den Reihen zwischen den Spielern scheint momentan zu stimmen, Spieler wie Louis-Marc Aubry (3 Tore), James Sheppard und André Rankel (je 2) haben das Tor in der Vorbereitung wieder gefunden. Es wird nun darauf ankommen, das System von Serge Aubin noch besser zu verinnerlichen, zu verstehen und noch besser umzusetzen. Denn natürlich ist auch trotz vier Siegen in Folge noch Luft nach oben und solche Dinge wie gegen Pardubice, als man bei eigener Überzahl zweimal ein Gegentor zuließ, darf dir im Liga-Alltag nicht passieren. Daran müssen die Eisbären arbeiten. Ebenso an ihrer Disziplin, man sollte weniger Strafzeiten nehmen als noch in der Vorsaison. Und wenn man dann vom großen Verletzungspech verschont bleibt, ist laut Sportdirektor Stéphane Richer „vieles möglich„.

So oder so, die Eisbären Berlin stehen vor einer enorm spannenden Saison. Eine, in der man auf Wiedergutmachung nach der schlechten Hauptrunde in der letzten Saison aus ist. Eine, in der das Team stark verändert an den Start geht – sowohl auf als auch neben dem Eis. Vielleicht sind die Hauptstädter in diesem Jahr ja so etwas wie eine Wundertüte. Verteidiger Frank Hördler fasste es in der aktuellen Ausgabe der Eishockey News (vom 10.09.2019) sehr gut zusammen:

Wir stehen vor einer sehr interessanten Saison. Alle Mannschaften haben sich verstärkt und sind gut aufgestellt. Ich glaube, es wird eine sehr spannende Saison mit überraschenden Ergebnissen.