4. Testspiel, 4. Niederlage: 3:8-Debakel in Wien

Die Saisonvorbereitung der Eisbären Berlin läuft alles andere als rund. Am Freitagabend stand in Wien das vierte Testspiel in Vorbereitung auf die Saison 2019/2020 an. Am Ende verließ man zum vierten Mal in Folge das Eis als Verlierer. Und diesmal gab es eine derbe Klatsche. Beim EBEL-Club Vienna Capitals kamen die Hauptstädter mit 3:8 (0:3,0:3,3:2) unter die Räder. Somit verlief das Wiedersehen für Chefcoach Serge Aubin, Co-Trainer Craig Streu und Verteidiger Ryan McKiernan mit dem Team, mit dem man 2017 den Meistertitel in der EBEL gewann, keinesfalls erfreulich.

Der neue Chefcoach der Eisbären, Serge Aubin, hatte noch vor dem Spiel folgendes gesagt:

Die Jungs haben in der vergangenen Woche hart gearbeitet, die Niederlagen am Wochenende haben Wirkung gezeigt. Jetzt wollen wir das auch im Spiel aufs Eis bringen.

Das Vorhaben war also da, nur an der Umsetzung haperte es am Ende doch deutlich. Zwar sind Ergebnisse in Testspielen eher zweitrangig, aber dienen diese Spiele doch dafür, sich bestmöglich auf die neue Saison vorzubereiten, an Einzelheiten zu arbeiten, die Feinjustierung vorzunehmen, das neue System einzuspielen, usw.
Bisher gab es wenig positive Aspekte zu bestaunen, umso mehr hatte man nach dem Trainingslager in dieser Woche für heute Abend die Hoffnung, dass es nun besser laufen würde. Doch es kam sogar noch schlimmer als in den drei Spielen zuvor. Und der Saisonstart ist nur noch drei Wochen entfernt…

Auch heute rotierte Chefcoach Serge Aubin mal wieder. Neuzugang Sebastian Dahm rückte zurück zwischen die Pfosten, Marvin Cüpper nahm den Platz als Back-up auf der Bank ein.
In der Verteidigung blieben die Pärchen Frank Hördler/John Ramage sowie Florian Kettemer/Ryan McKiernan zusammen. Die beiden anderen Pärchen hießen heute Constantin Braun/Kai Wissmann und Eric Mik/Jonas Müller.
Die Sturmreihen wirbelte Aubin ein wenig durcheinander. PC Labrie/Louis-Marc Aubry/ Austin Ortega hieß die erste Reihe. Die zweite Reihe bildeten Charlie Jahnke/Sean Backman/James Sheppard. Die dritte Reihe war die selbe wie im Spiel um Platz Drei beim Dolomitencup gegen Valerenga IF aus Oslo – Lukas Reichel/Maxim Lapierre/Leo Pföderl. Und in der vierten Reihe stürmten Kapitän André Rankel/Craig Streu/Fabian Dietz. Florian Busch war als zusätzlicher Stürmer im Kader.

Zu Beginn gab es gute Chancen auf beiden Seiten, die beste hatten dabei die Berliner, als Jonas Müller nur den rechten Pfosten traf. Aber die Hausherren sorgten früh für die Führung. Sondre Olden wurde angespielt und nagelte die Scheibe unter die Latte – 0:1 (4.).
Wien machte danach weiter Druck und hätte beinahe das 2:0 erzielt, doch das Aluminium rettete für Sebastian Dahm im Eisbären-Tor. Danach je ein Powerplay für beide Teams, welche jedoch ungenutzt blieben. Als Wien erneut mit einem Mann mehr agieren konnte, klingelte es dann aber doch im Bären-Käfig. Die Capitals mit dem Schuss von der blauen Linie, die Scheibe konnte vor dem Tor nicht unter Kontrolle gebracht werden und Ty Loney staubte zum 0:2 ab (15.).
Wien hatte nun richtig Spaß am Spiel und legte im Auftaktdrittel sogar noch einen dritten Treffer nach. Ali Wukovits mit dem Alleingang Richtung Dahm, welchem er keine Chance ließ – 0:3 (18.), was zugleich der Pausenstand vor 3.400 Zuschauern war.

Zu Beginn des zweiten Drittels stand Marvin Cüpper im Eisbären-Tor, er ersetzte Sebastian Dahm. Doch auch Cüpper musste die schwarze Hartgummischeibe aus dem Tor fischen. Ganze 43 Sekunden dauerte es im zweiten Drittel, ehe Riley Holzapfel auf 0:4 erhöhte (21.).
Kurz darauf gerieten Neu-Eisbär John Ramage und Julian Grosslercher aneinander, während der Caps-Akteur nur zwei Minuten bekam, kassierte Ramage gleich einmal 2+2-Minuten, weshalb Wien in Überzahl spielen konnte. Mit der Konsequenz, dass Sondre Olden per Onetimer das 0:5 erzielen konnte (23.).
Nach dem Sondre Olden schon doppelt getroffen hatte, musste Riley Holzapfel nachziehen. Powerplay Wien nach einer Strafe gegen Florian Kettemer wegen Spielverzögerung und prompt war das halbe Dutzend voll – 0:6 (32.).
Mehr sollte im zweiten Drittel nicht mehr passieren und so nahmen die Berliner ein 0:6 mit in die zweite Drittelpause.

In der Kabine der Berliner muss es dann laut geworden sein, denn die Eisbären tauchten plötzlich auf der Anzeigetafel auf. Kai Wissmann mit dem Ehrentreffer in der 43. Spielminute – 1:6.
Nur 27 Sekunden später gelang den Hauptstädter auf einmal auch noch der zweite Treffer. Der in der Vorbereitung sehr auffällige Youngster Lukas Reichel sorgte für das 2:6 aus Eisbären-Sicht (44.).
Und die Eisbären hatten nun Lunte gerochen, bei 4-gegen-4 auf dem Eis war es Florian Kettemer, der die Scheibe abfing, abzog und Glück hatte, dass sein Schuss unhaltbar abgefälscht wurde – 3:6 (48.).
Nun wurde es den Hausherren aber zu bunt und sie erhöhten ebenfalls bei 4-gegen-4 auf 7:3, Alex Wall sorgte für den siebten Wiener Treffer an diesem Freitagabend (49.).
Damit hatte man den Eisbären den Wind aus den Segeln genommen, die hier auf einmal drei Tore in Folge erzielen konnten. 56 Sekunden vor dem Ende sorgte Philippe Lakos für den achten Treffer der Hausherren, er sah den Puck frei vor Marvin Cüpper liegen, dieser wiederum sah die Scheibe nicht und so stellte Lakos den 3:8-Endstand aus Berliner Sicht her.

Was auch immer sich die Eisbären für dieses vierte Testspiel in Wien vorgenommen haben, sie konnten es nicht umsetzen und gingen mit einer derben Klatsche vom Eis. Je weiter die Vorbereitung fortgeschritten ist, umso mehr möchte man Fortschritte von der Mannschaft auf dem Eis sehen, nur bleiben diese derzeit noch aus. Nach drei knappen Niederlagen zu Beginn der Testspielreihe gab es heute die erste richtig heftige Niederlage. Ob das der harten Trainingswoche im Trainingslager geschuldet war, wird das Geheimnis der Eisbären bleiben.
Fakt ist, die Eisbären müssen sich erst einmal an das neue System vom neuen Coach Serge Aubin gewöhnen. Diese Eingewöhnungsphase scheint nach wie vor anzudauern und es bleibt abzuwarten, ob die Spieler in den nächsten Testspielen das System Aubin mehr und mehr verinnerlicht haben oder aber es weiterhin große Probleme gibt. Eine Vorbereitung ist zum testen und probieren da, aber irgendwann muss man sein System, seine Formation, seine Reihen gefunden haben, um diese dann bestmöglich auf den Saisonstart am 13.09. gegen Wolfsburg vorzubereiten. Im Moment aber sind die Eisbären noch weit davon entfernt, bestmöglich vorbereitet in die neue Saison zu gehen. Aber noch haben die Hauptstädter drei Wochen Zeit, um das System Aubin zu verinnerlichen und auf dem Eis umzusetzen. Vielleicht läuft es ja in dieser Saison anders als in der letzten. Da spielte man eine gute Vorbereitung, versagte dann aber in der CHL und DEL. Dieses Jahr läuft die Vorbereitung alles andere als gut…