Die Eisbären vor dem Saisonstart: Der makellosen Vorbereitung folgte die Ernüchterung in der Champions Hockey League

So schnell kann es gehen. Nach der Vorbereitung dachte man noch, die Eisbären wären in einer beachtlichen Frühform, als man alle fünf Testspiele gewonnen hatte. Vier Champions-Hockey-League-Spiele später ist schon wieder Ernüchterung eingekehrt, denn man hat alle vier Gruppenspiele verloren und ist bereits nach der Gruppenphase ausgeschieden. Somit hat man das erste Saisonziel verpasst. Zwar war nicht alles schlecht, es liefen auch schon einige Sachen gut, aber es gibt auch noch Baustellen, welche behoben werden müssen, um eine erfolgreiche Saison zu spielen.

In den fünf Vorbereitungsspielen bewiesen die Eisbären wieder ihre Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, alle vier Reihen strahlten Torgefahr aus und hinten stand man durchaus sicher, was sechs Gegentreffer in fünf Spielen beweisen. Aber bereits da deutete sich schon ein großes Problem an. Es mangelte an der Disziplin und mündete in vielen Strafzeiten, zu vielen. Doch in den Vorbereitungsspielen konnte man Gegentore bei numerischer Unterlegenheit noch verhindern.

Das sollte sich jedoch in den vier CHL-Gruppenspielen ändern. Denn auch wenn Chefcoach Clément Jodoin mahnte, man nehme zu viele Strafzeiten, die Eisbären hörten nicht auf ihren Übungsleiter und fanden sich erneut zu oft in den Kühlboxen der Stadien wieder. Und die Teams aus Zug und Brno wussten das eiskalt zu nutzen. Mit ein Fakt, warum alle vier CHL-Gruppenspiele verloren gingen.

Allerdings nicht der einzige. Denn die Eisbären spielten durchaus in den vier Spielen kein schlechtes Eishockey, nur mangelte es vor dem Tor beim Abschluss manchmal am nötigen Glück. Chancen kreierten die Eisbären durchaus und vor allem im ersten Gruppenspiel gegen Zug wähnte man sich auf dem richtigen Weg, als man mit 3:1 führte. Aber dann fingen die Strafen an und Zug konnte die Partie mit drei Powerplaytreffern drehen.
Man hatte gehofft, die Eisbären würden daraus lernen und es in den folgenden drei Gruppenspielen besser machen. Taten sie aber nicht wirklich, denn auch in diesen Spielen kassierte man wieder zu viele Strafen und brachte sich so um den Lohn der eigentlich ansatzweise guten Leistung.
Denn in Ansätzen zeigten die Eisbären schon, was sie drauf haben, nur eben nicht über volle 60 Minuten. Und zu den Undiszipliniertheiten gesellten sich auch noch zu viele individuelle Fehler im Spielaufbau, gerade von vermeintlichen Leistungsträgern. Auch diese führten zu Gegentoren, und manche Gegentore fielen einfach zu leicht, da machte man es den Gegnern deutlich zu einfach.

Und so wurden aus sechs Gegentoren in fünf Vorbereitungsspielen satte 18 in nur vier Spielen, was deutlich aufzeigt, dass es in der Defensive der Eisbären zur Zeit hapert. Was aber nicht am jungen Goalie Maximilian Franzreb gelegen hat, der sich in den Vordergrund gespielt hat. Franzreb hat bewiesen, was für ein Talent er hat und dass man auf ihn zählen kann. Eigentlich war, so hört man aus Expertenkreisen, Marvin Cüpper als neue Nummer Eins vorgesehen. Doch der junge Goalie fiel nicht nur in den Vorbereitungsspielen aus, nein, er verletzte sich beim Auswärtsspiel in Brno am Sonntag und fällt nun sehr lange aus. Was die Eisbären wohl zum handeln auf der Torhüterposition zwingt, was sie eigentlich nicht wollten. Man wollte mit dem Duo Cüpper/Franzreb in die neue Saison starten. Dieses Vorhaben ist nun leider gescheitert, man darf gespannt sein, wen die Verantwortlichen jetzt als Ersatz aus dem Hut zaubern. Wenn es ein Ausländer wird, müsste ein Feldspieler als überzähliger Akteur auf die Tribüne.

Aber natürlich wollen wir die Vorbereitung und die CHL-Spiele nicht schlecht reden. Wir haben ja bereits angedeutet, dass es auch gute Sachen zu sehen gab, auf die man aufbauen kann. Aber man sollte eben auch nicht die Augen davor verschließen, dass es noch nicht rund läuft, was man nach den fünf Testspielsiegen noch glaubte.
Dennoch macht vor allem das Tempo, mit welchem die Eisbären spielten, Hoffnung. Da war schon ordentlich Zug drin, von allen vier Reihen ging immer wieder Torgefahr aus. Das lässt die Eisbären schwerer ausrechnen.
Die Neuzugänge haben angedeutet, dass sie eine Verstärkung für die Eisbären darstellen. Allen voran natürlich Brendan Ranford und Colin Smith, welche je drei Treffer erzielten. Den Beiden beim Zusammenspiel zuzuschauen, macht schon viel Spaß. Die Beiden könnten den Unterschied ausmachen.

Die Vorbereitung inklusive CHL hat gezeigt, dass die Eisbären schon ein anderes System spielen im Vergleich zu Uwe Krupp. In den fünf Testspielen dachte man auch, dass das Powerplay wiederbelebt wurde. In der CHL stotterte der Motor dann aber wieder. Dennoch hat man viele Sachen gesehen, die Mut machen und wenn man die vielen individuellen Fehler abstellt, zudem an der Disziplin arbeitet, dann kann man in der DEL im Kampf um den Titel durchaus ein Wörtchen mitreden. Denn der Kader ist kein schlechter, die Spieler durchaus sehr erfahren und mit Clément Jodoin hat man einen Trainer hinter der Bande, der diesen Sport in- und auswendig kennt. Mit ihm kann der Rekordmeister in der neuen Saison den nächsten Schritt, den in der letzten Saison noch fehlenden Schritt, machen und sich den achten Stern holen.
Wenn man an den Baustellen, welche in der Vorbereitung und CHL sichtbar wurden, arbeitet und die guten Ansätze noch weiter verfeinert. Dann redet man bei den Eisbären Berlin wieder von einem Titel-Kandidaten.