Gastbeitrag – Hannes`Analyse: Die Neuzugänge in der Analyse

Die Eisbären Berlin befinden sich zur Zeit in der Sommerpause, aber natürlich liegen Sie nicht auf der faulen Haut sondern bereiten sich auf die neue DEL-Saison vor. Die Verantwortlichen der Berliner arbeiten daran, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen, die eine bessere Saison spielen soll, als es das Team in der vergangenen Saison getan hat. Dafür wurden schon einige Änderungen am Kader vorgenommen. Spieler mussten gehen und neue Spieler wurden verpflichtet. Doch auf beiden Seiten kann bzw. wird noch einiges passieren. Es könnten noch weitere Spieler gehen, neue Spieler werden aber auf jeden Fall noch kommen. Die bisher neu verpflichteten Spieler hat sich unser Gastautor Hannes von der Eisbären Sektion Nord mal genauer angeschaut und für uns analysiert: 

Wer sind die neuen Spieler der Eisbären? Warum wurden sie verpflichtet? Was sind ihre Stärken, was sind ihre Schwächen? Wir blicken einmal genauer hin.

Sebastian Dahm

Was anfangs durchaus überraschend als Gerücht durch die Medien geisterte, die letzten Tage aber immer konkreter wurde, wurde nun bestätigt: Sebastian Dahm komplettiert das Torhütergespann der Eisbären.
Warum anfangs überraschend? Auf der Torhüterposition gab es zwei Szenarien für die kommende Saison, die wahrscheinlich waren:

Kevin Poulin wird verlängert oder es wird als Ersatz eine neue, klare Nummer 1 verpflichtet

Das Experiment, mit dem Torhütergespann Cüpper/Franzreb in die Saison zu starten, wird wiederholt

Da mit Dahm keine klare Nummer 1 verpflichtet wurde, stellt sich die Frage, was mit Cüpper und Franzreb passiert. Beide haben noch Vertrag für die kommende Saison, es werden aber wohl kaum alle drei Torhüter in Berlin bleiben. Eine mögliche Option ist, mit Dahm und Cüpper in der DEL zu planen und die Starts zwischen beiden Goalies aufzuteilen. Das würde Maximilian Franzreb noch einmal die Möglichkeit geben, eine komplette Saison mit Förderlizenz in Weißwasser zu spielen und sich weiterzuentwickeln.

Aber zurück zu Dahm:

Der 32-jährige galt die letzten Jahre eigentlich als konstanter Goalie. Seit 2014/2015 kam er regelmäßig für die dänische Nationalmannschaft zum Einsatz und verzeichnete in der dänischen Liga, der EBEL und der DEL durchgängig Fangquoten von über 92% – mit Ausnahme der letzten Saison. Da die letzte Saison aber eine absolute Seuchensaison der Iserlohn Roosters war, sie stellten mit 189 Gegentoren die schlechteste Defensive der Hauptrunde, wäre es zu einfach, Dahms Leistung auf seine Fangquote von 89,73% und seine 3,68 Gegentore pro Spiel zu reduzieren.

Dahm ist auf eine gute Defensive angewiesen. Bei Schüssen aus dem Slot hatten in der vergangenen Saison nur vier DEL Goalies (Kuhn, Franzreb, Wölfl, Vogl) eine schlechtere Fangquote als er (79,88%). In einem durchaus soliden Unterzahlspiel der Iserlohn Roosters sticht allerdings auch seine 4on5 Fangquote von 89,57% hervor. Nur sechs DEL Goalies waren in dieser Disziplin besser als Dahm (Franzreb, Pettersson Wentzel, Strahlmeier, a.d. Birken, Hovinen, Niederberger).

Zu guter Letzt die Frage, ob Dahm eine besondere Stärke oder Schwäche in seinem Torhüterspiel hat. Dafür schauen wir uns an, wo er seine Gegentore kassiert hat.

Die Gegentore, die Dahm kassierte, sind gleichmäßig verteilt. Eine konkrete Schwäche ist hieraus nicht zu erkennen. Beim Sichten der Gegentore ist allerdings auffällig, wie anfällig die Defensive der Iserlohn Roosters für Querpässe direkt vor dem Tor war. Dahm kam häufig zu spät mit dem Push oder hatte Schwierigkeiten, nach dem Push die richtige Position zu finden. Mit einer kompakteren Defensive sollte diese Schwäche allerdings kompensierbar sein.

John Ramage

John Ramage ist der erste Saisonneuzugang, der direkt aus Nordamerika zu den Eisbären wechselt. Der 28-jährige spielte die letzten sechs Jahre in der AHL und kam dort in 384 Spielen auf 114 Punkte (31 Tore, 83 Assists). Über die Jahre steigerte sich allerdings seine offensive Produktion, so stellte er in der vergangenen Saison mit 31 Punkten (12 Tore, 19 Assists) in 74 Spielen seine persönliche Bestleistung auf. Zwölf seiner 19 Assists waren sogenannte Primary Assists, also direkte Torvorlagen.

Zur Einordnung, der Eisbärenverteidiger, der in der vergangenen Saison rein von den Stats her am ehesten mit Ramage vergleichbar war, ist Frank Hördler:

Der große Durchbruch blieb ihm in Nordamerika allerdings verwehrt. Er absolvierte zwei Spiele in der NHL, u.a. weil er mit 1,82m Größe als zu klein für die Liga galt, und absolvierte in der AHL nur ein einziges Playoffspiel.

Ramage gilt als solider 2-Wege-Verteidiger, der in der Defensive hart spielt, den Puck aber auch in der Vorwärtsbewegung gut führen kann. In diversen Mannschaften bekleidete er das Amt des Kapitäns oder des Assistants, sodass er durchaus in den Kreis der Führungsspieler rutschen kann, der lt. Stéphane Richer in der kommenden Saison erweitert werden soll. Als eine seiner größten Schwächen gilt seine Undiszipliniertheit.

Leo Pföderl

Pföderl kommt von den Nürnberg Ice Tigers und ist der wahrscheinlich bekannteste Neuzugang der Eisbären. Der Rechtsschütze wird zu Beginn der kommenden Saison 26 Jahre alt und kommt damit in das für deutsche Spieler wahrscheinlich beste Eishockeyalter. Seinen endgültigen Durchbruch schaffte er in der Saison 2014-15, als er erstmals über 25 Scorerpunkte in einer Saison machte. Seitdem punktet er durchgängig über 30x pro Saison, seine Bestleistung liegt sogar bei 48 Punkten in 52 Spielen in der Saison 2016-17.

15 seiner 17 Saisontore erzielte er aus dem Slot, neun sogar aus dem Inner Slot. Damit Pföderl auch in der kommenden Saison erfolgreich ist, bedarf es also Reihenpartnern, die ihn dort auch in Szene setzen können.

Von seinen 34 Punkten aus der vergangenen Saison erzielte er neun in Überzahl, sieben davon waren Tore. Er stand in der vergangenen Saison durchschnittlich 15:48 Minuten pro Spiel auf dem Eis, das ist vergleichbar mit dem Pensum von Brandon Ranford. Genau wie Ranford bekam Pföderl Eiszeit in Überzahl, aber nicht in Unterzahl.

Pföderl ist auf jeden Fall ein Mann für Reihe 1 oder 2. Spannend wird zu sehen sein, wie die drei offensivstarken Rechtsschützen Pföderl, Backman und Ortega auf die Reihen verteilt werden. Meine Vermutung: Pföderl wird seinen Platz neben Marcel Noebels und Louis-Marc Aubry finden.

Ryan McKiernan

McKiernan kommt von der Düsseldorfer EG und wird in der Defensive der Eisbären quasi 1:1 Micki DuPont ersetzen. Genau wie DuPont schießt McKiernan rechts und schaltet sich oft mit in die Offensive ein. Mit einer Größe von 1,82m und einem Gewicht von 91kg ist McKiernan etwas robuster als DuPont (1,77m, 79kg), allerdings konnte DuPont Situationen oftmals durch sein Stellungsspiel und seine schlittschuhläuferischen Fähigkeiten lösen.

Die letzte Saison von DuPont und McKiernan im Vergleich:

Hervorzuheben sind bei Ryan McKiernan die Primary Assists, also die direkten Torvorlagen. Mit einem Wert von 15 lag er ligaweit unter den Verteidigern auf Platz 2 hinter Mark Katic (Mannheim). Was bei den Primary Assists auffällt – bis auf einen (Pass von der eigenen blauen Linie zwischen die Verteidiger) gab er alle Assists innerhalb des offensiven Drittels. Drei Schema sind dabei zu erkennen:

Im Powerplay nimmt McKiernan die Position des linken Verteidigers ein, zieht mit Puckbesitz in die Mitte und bringt die Scheibe zum Abfälschen oder für den Rebound vor’s Tor

Im Powerplay nimmt McKiernan die Position des linken Verteidigers ein und bringt den Querpass Richtung rechten Bullykreis

Bei 5-gegen-5 ist McKiernans Platz bei eigenem Puckbesitz am rechten Bullykreis. Er zieht mit Puckbesitz außen am Gegenspieler vorbei und bringt den Pass scharf vor’s Tor

Grafisch sieht das Ganze wie folgt aus:

Gerade im Powerplay wird es spannend zu sehen sein, welche Position McKiernan einnimmt. DuPont war häufig zentral an der blauen Linie postiert um von dort den Schuss zu bringen oder den Puck auf die Halbpositionen zu verteilen. Die DEG spielte ein komplett anderes Powerplay-System, in dem McKiernan die linke Verteidigerposition bekleidete und rechts neben sich mit Alexander Barta einen rechts schießenden Stürmer hatte.

Fabian Dietz

Fabian Dietz ist der für viele bislang unbekannteste Neuzugang der Eisbären. Der 20-jährige erhält eine Förderlizenz und wird höchstwahrscheinlich einen Großteil der Saison beim Kooperationspartner Lausitzer Füchse verbringen. Dort spielte er in der vergangenen Saison auch seine erste DEL 2 Saison und erzielte in 49 Hauptrundenspielen 12 Tore und sechs Vorlagen. Hinzu kamen ein Tor und eine Vorlage in sieben Playoffspielen. Nach dem Abgang von Cedric Schiemenz könnte Dietz einer der Nachrücker sein, der im Falle von Verletzungen in den DEL Kader rückt.