Die Eisbären Berlin sind auf ihrer Suche nach einem neuen Trainer in der PENNY DEL fündig geworden. Vom Ligakonkurrenten ERC Ingolstadt wechselt Éric Dubois in die Hauptstadt. Bei den Schanzern war der 56-jährige Kanadier in der vergangenen Saison Co-Trainer. Die DEL war aber auch vor seinem Wechsel nach Ingolstadt kein Neuland für Dubois, der in seiner aktiven Zeit für die Revier Löwen Oberhausen und die Schwenninger Wild Wings insgesamt 172 Spiele absolviert hat, in denen er 51 Scorerpunkte (acht Tore) erzielte. Am Donnerstag stellte sich der Kanadier in einer Medienrunde vor und beantworte ausführlich alle Fragen. Ich war vor Ort und fasse für Euch die wichtigsten Aussagen von Éric Dubois zusammen:
Der Kanadier gab direkt zu, dass er überrascht war, als der Anruf von Sportdirektor Stéphane Richer kam:
Ich war schon überrascht. Aber auch, dass Serge Aubin die Eisbären überhaupt verlässt. Aber ich war auch sehr glücklich, als der Anruf kam. Eigentlich war der Plan, als ich nach Ingolstadt in das Team von Mark French gegangen bin, dass ich dort länger bleibe. Aber dann kam der Anruf von Richer.
In Berlin tritt Dubois die Nachfolge von Erfolgscoach Serge Aubin an, der in seinen sieben Jahren in der Hauptstadt fünf Meisterschaften gewann. Er weiß um die großen Fußstapfen, die er nun füllen muss:
Es ist ein großer Schritt und Serge Aubin hat große Fußstapfen hinterlassen. Mir ist bewusst, dass ich diese füllen muss. Ich würde aber niemals sagen, sie sind zu groß. Aber ich bin sehr froh über die Möglichkeit. Die Eisbären haben einen sehr hohen Standard, den sie gesetzt haben. Diesen Standard immer wieder zu erreichen und zu erfüllen, schafft man nicht ohne ein großartiges Führungsteam zu haben. Ich möchte mit diesem großartigen Team zusammen arbeiten.
Mein erster Eindruck von Èric Dubois an diesem Tag: Sehr sympathisch, ein absoluter Eishockey-Fachmann mit klaren Visionen und Strukturen. Und würde Sportdirektor Richer nicht von ihm überzeugt sein, würde er ihm nicht seine erste Trainerstelle im Profibereich bei den Eisbären anbieten. Denn zuvor war Dubois noch nie Trainer außer im Nachwuchsbereich. Aber warum war das so?
Im Nachwuchsbereich war ich schon Trainer. Ich war aber neun Jahre Assistant Coach in Manitoba in der Organisation der Winnipeg Jets. Da habe ich auch mal ausgeholfen, wenn jemand krank war. Aber manchmal muss eben auch das Timing stimmen, was jetzt der Fall war. Ich bin auf jeden Fall bereit für die neue Aufgabe.
In der Hauptstadt ist man aus den letzten Jahren unter Aubin attraktives und offensives Eishockey gewöhnt. Viel wird sich ab September daran nicht ändern:
Ich will schnelles Eishockey spielen lassen und den Gegner unter Druck setzen. Unser Umschaltspiel wird sehr wichtig sein. Es wird aber kein großer Unterschied zu der Art und Weise sein, wie die Eisbären bisher gespielt haben. Man gewinnt auch keine Meisterschaften, ohne eine gute Defensive zu haben. Daher ist mir diese auch sehr wichtig.
Als Dubois letztes Jahr in Ingolstadt vorgestellt wurde, bezeichnete er sich selbst als Lehrer. Im Interview erklärte er, was er damit gemeint hat:
Dafür gibt es viele Bedeutungen: Man kann auf dem Eis Lehrer sein. Man kann unterrichten, wie man ein guter Profi ist und wie man das Spiel zu lesen hat. In den neun Jahren in Manitoba war meine Aufgabe, NHL-Spieler zu entwickeln, vor allem die jungen Spieler an das NHL-Niveau heranzuführen. Das hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, das habe ich wirklich gerne gemacht. Mir geht es aber vor allem darum, eine Beziehung zu den Spielern aufzubauen. Das ist wichtig. Aber auch, wie man einzelne Spieler managed und wie man den Coaching-Staff weiterentwickelt. Den Lehrer in mir werde ich nicht mehr los.
Dubois weiß, dass seine größte Aufgabe darin besteht, die Spieler nach den großen Belastungen in den vergangenen Jahren frisch in die neue Saison zu bekommen. Denn dadurch, dass man eine längere Saison spielt, wenn man Meister wird, hat man automatisch eine kürzere Sommerpause und kann nicht so viel trainieren, wie man es eigentlich möchte. Und dann kommt es natürlich auch darauf an, wie hungrig die Spieler nach all den Erfolgen in den letzten Jahren noch sind. Er selbst ist jedenfalls hungrig auf Titel.
Bereits während des Telefonats mit Richer machte er sich schon Gedanken, wie seine erste Ansprache an das Team aussehen könnte:
Direkt, als ich das erste Mal mit ‚Riche‘ gesprochen habe, habe ich mir darüber schon Gedanken gemacht. Die erste Message an die Mannschaft muss einfach klar sein. Weil man hat nur eine Chance für den ersten Eindruck.
Für die Journalisten vor Ort war der erste Eindruck bereits perfekt und Dubois hat uns mit seinen Aussagen in seinen Bann gezogen. Gleiches gilt für die Uber Arena, seinen neuen Arbeitsplatz, von dem er sofort begeistert war:
Ich freue mich sehr auf mein erstes Heimspiel. Vor zwei Tagen waren wir in der Arena und mein erster Gedanke war, dass das eine NHL-Arena ist. Vergleichbar mit Winnipeg, wenn nicht sogar noch schöner. Natürlich ist es verglichen mit Ingolstadt ein großer Unterschied. Als ich die Playoff-Spiele der Eisbären gesehen habe, war ich beeindruckt von der Atmosphäre.
Nun muss Eric Dubois aber auch die Eisbären-Fans von sich überzeugen. Denn wie er selbst gesagt hat, sind die Fußstapfen von Serge Aubin sehr groß. Daher schwingt auch eine gewisse Skepsis in der Fanszene mit, wenn man auf den neuen Trainer schaut. Bevor Eric Dubois sich dazu äußern konnte, warf Richer zurecht ein:
War Don Jackson ein großer Name für euch, als er als Co-Trainer zu den Eisbären gekommen ist? War Serge Aubin ein großer Name?
Die Antworten darauf sind hinlänglich bekannt. Beide haben jeweils eine Dynastie in Berlin gegründet und sind in ihrer Laufzeit bei den Eisbären zu absoluten Legenden geworden. Das will nun auch Eric Dubois werden, der die Skepsis von außen verstehen kann:
Das weiß ich, dass es so sein wird und ich verstehe es auch. Aber ich sage immer zu den Spielern, fokussiert euch darauf, was ihr selbst kontrollieren könnt. Genau das mache ich auch. Ich werde alles für die Eisbären und mein Team machen, das verspreche ich.
Der Kanadier war früher als harter Verteidiger bekannt, der in seiner Laufzeit als Profi auch mehrmals auf die Strafbank musste. Alleine in der DEL waren es 293 Strafminuten in 172 Spielen. Daher kam auch die Frage, ob er auch als Trainer ein harter Hund sei?
Man muss halt bestimmt sein, aber trotzdem auch fair sein. Es gibt natürlich gewisse Dinge, die nicht zu verhandeln sind. Aber am Ende des Tages ist es eine Partnerschaft im Team. Die Arbeitseinstellung der Jungs muss natürlich stimmen, die müssen sie auch jeden Tag bringen. Aber ich habe einen Plan und an dem werde ich festhalten. Aber am Ende des Tages geht es um die Mannschaft und den Teamerfolg. Die Jungs müssen für ihre Eiszeit und ihre Rolle im Team arbeiten, die müssen sie sich verdienen.
Was bereits seit seinem Amtsantritt feststeht, ist die Tatsache, dass es neben André Rankel einen neuen Co-Trainer geben wird und somit die Zeit von Rob Collins in Berlin enden wird:
Es wird noch ein neuer Assistant Coach dazukommen, wir tauschen diesbezüglich gerade Namen aus. Der neue Assistant Coach wird dann für das Powerplay zuständig sein.
Die Aussagen von Èric Dubois sind auf jeden Fall vielversprechend und haben Hand und Fuß. Er verfolgt einen klaren Plan, ist ein absoluter Eishockey-Fachmann und hat bereits viel Erfahrung gesammelt. Wenn auch eher als Co-Trainer und nicht als Head Coach. Aber wie Stéphane Richer bereits sagte: Auch Don Jackson und Serge Aubin waren für die Eisbären-Fans keine großen Namen, als sie ihre Arbeit in Berlin antraten. Gerade Aubin durchlebte zunächst auch eine sehr schwere Zeit, da viele Fans ihn nicht akzeptiert hatten. Daher bleibt zu hoffen, dass die Eisbären-Fans Èric Dubois herzlich Willkommen heißen und ihm eine Chance geben. Vielleicht prägt er nämlich die nächste Eisbären-Dynastie in der PENNY DEL. Und dann würde auch Dubois Legenden-Status in Berlin erlangen – wie seine Vorgänger Don Jackson und Serge Aubin!

Èric Dubois (links) und Stéphane Richer (rechts/Foto von Moritz Eden / City-Press GmbH Bildagentur)
