Eine Sekunde hat gefehlt: Die Eisbären verlieren das erste Testspiel gegen München denkbar knapp mit 2:3

In diesen Zeiten ist alles anders. Normaler weise wäre die Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) jetzt bereits einen Monat alt und die Eisbären Berlin hätten bereits die ersten Gruppenspiele in der Champions Hockey League (CHL) absolviert. Doch Corona hat alles verändert. Die DEL hat bereits zwei Starttermine verschoben und auch der dritte Mitte Dezember ist angesichts der aktuellen Entwicklungen und dem Handeln der DEL-Verantwortlichen mehr als fraglich. Und die CHL hatte ihre Spielzeit zunächst auf ein KO-Format umgestellt, um dann vergangene Woche die Saison doch komplett abzusagen. So kam es heute im Berliner Wellblechpalast zum ersten von insgesamt zwei Testspielen zwischen den Eisbären Berlin und dem EHC Red Bull München. Die Spieler müssen ja irgendwie in Form bleiben und nur trainieren hilft da relativ wenig, wie auch Stürmer Marcel Noebels nach dem Spiel im Interview sagte.

Foto: eisbaerlin.de/jasmin und walker

Und schon beim Gang in die Halle war alles anders. Man kam nur mit personalisiertem Ticket und dem dazu gehörigen Lichtbildausweis in den „Welli“. Und dann in den Blöcken war jede zweite Reihe frei und in einer Reihe selbst saßen oder standen die Fans mit gehörigem Sicherheitsabstand auseinander.
Die Technik hatte wohl auch „Corona-Probleme“, weshalb auch die Musik erst einmal auf sich warten ließ. So auch die Eisbären-Hymne. Und als Stadionsprecher Uwe Schumann das heilige Eis des Wellblechpalastes betrat, war ihm sichtlich anzumerken, wie nah ihm das Ganze geht. Er versuchte, die richtigen Worte zu finden und begrüßte die Fans auf seine altbekannte Art und Weise. Und er wies zugleich noch einmal daraufhin, dass man sich an die Hygieneregeln halten sollte, zu denen im übrigen seit kurzem auch ein Gesangsverbot in Berliner Stadien gehört. So war es also heute ein sehr ungewohntes Eishockeyspiel im altehrwürdigen Wellblechpaalst zu Hohenschönhausen, in dem statt 4.695 Zuschauer nur 214 Zuschauer anwesend waren, welche dann auch nur per Klatschen für Stimmung sorgen konnten. Auch wenn das alles sehr ungewohnt ist, ein Eishockeyspiel ohne Singen und supporten, dafür mit Maske und Sicherheitsabstand zu erleben, so schön war es, die Eisbären endlich wieder einmal auf Berliner Eis sehen zu können. Schließlich war das letzte Heimspiel bereits 224 Tage her. Damals, am 08.03.2020, besiegten die Eisbären in der ausverkauften Mercedes-Benz Arena die Fischtown Pinguins Bremerhaven mit 4:3 im letzten Hauptrundenspiel. Damals, als die Welt noch in Ordnung war.

Kommen wir nun aber zum Spiel, welches heute stattfand. Chefcoach Serge Aubin verzichtete auf

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Goalie Matthias Niederberger, Verteidiger Constantin Braun sowie die Stürmer PC Labrie, Mark Olver und Leo Pföderl. Dafür gaben die Leihspieler der Los Angeles Kings – Goalie Jacob Ingham sowie die Stürmer Alex Turcotte, Akil Thomas, Tyler Madden und Aiden Dudas – ihr Debüt im Trikot mit dem Eisbären-Kopf.
Die Starting-Six von Coach Aubin sah wie folgt aus – Tobias Ancicka – Jonas Müller, John Ramage – Mark Zengerle, Aiden Dudas und Marcel Noebels.

Hinein ins Spiel, wo die Eisbären die ersten Akzente setzen konnten. Keine zwei Minuten waren rum, da ließ Turcotte bereits sein Können aufblitzen, als er sich über links ins Angriffsdrittel tankte und die Scheibe rüber zu Kai Wissmann spielte. Doch der Verteidiger verfehlte das von Kevin Reich gehütete Münchner Tor denkbar knapp. Auch Maxim Lapierre und Leon Gawanke hatten kurze Zeit später gute Möglichkeiten, das Tor wollte den Eisbären aber nicht gelingen.
München kam fortan besser ins Spiel und so entwickelte sich ein erstes Drittel mit hohem Tempo auf beiden Seiten. Sechs Minuten dauerte es bis zur ersten Chance für die Mannschaft von Chefcoach Don Jackson. Jakob Mayenschein war über links durchgekommen, zog vor das Tor und nach rechts, wollte die Scheibe per Rückhand im Tor einnetzen, aber Eisbären-Goalie Tobias Ancicka war zur Stelle.

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Dann überstanden beide ihr erstes Unterzahlspiel, aber München zog merklich das Tempo an und erwies sich zum Ende des ersten Drittels als eiskalt vor dem Tor. Gerade war Frank Mauer von der Strafbank zurück auf das Eis gekommen, da war er schon Vorlagengeber für Maximilian Daubner, welcher zum 0:1 abstauben konnte und aus der Drehung heraus traf (18.).
Nur 68 Sekunden später war Trevor Parkes auf rechts durch, fuhr alleine auf Ancicka zu, zog nach links und netzte cool per Rückhand ein – 0:2 (19.).
Zum ende hin spielte München also seine ganze Klasse aus und da zeigte sich dann auch, wer schon deutlich länger im Training ist und wer mehr Testspiele bereits absolviert hat.

Das Mitteldrittel begannen die Eisbären nach einer Strafe mit der Schlusssirene im ersten Drittel gegen Jonas Müller in Unterzahl. Doch dieses hätten die Eisbären beinahe zum Anschlusstreffer genutzt, aber Maxim Lapierre scheiterte mit seinem Konter an Kevin Reich.
Aber es war der Auftakt in ein zweites Drittel, welches klar den Eisbären gehörte. Die Hauptstädter erhöhten die Schlagzahl und drängten die Gäste immer wieder ins eigene Drittel. München sah man im Mitteldrittel nur selten im Berliner Drittel. München stand aber hinten vorerst kompakt, die Eisbären spielten das teilweise aber auch sehr kompliziert, meistens war es dann doch der eine Pass zu viel.
Dennoch nahm der Druck zu und ein Treffer lag in der Luft. Aber zweimal musste man hinten noch aufpassen, denn Jakob Mayenschein und Chris Bourque hatten die beiden einzigen Münchner Chancen in den zweiten 20 Minuten.
Zur Hälfte des Spiels gab es bei den Eisbären den geplanten Torhüterwechsel. Tobias Ancicka verließ

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das Eis, Jacob Ingham stand von nun an im Bären-Käfig. Und zwei Minuten später sah Ingham einen klasse Pass von Jonas Müller auf den gerade gestarteten Parker Tuomie, welcher zwei Münchner Spieler abschütteln konnte und per Rückhand zum Abschluss kam. Sein Schuss ging an den Pfosten und von dort ging die Scheibe letztendlich über die Linie – 1:2 (32.).
Und weiter machten die Hausherren Druck, konnten aber ein weiteres Powerplay nicht nutzen. Dafür glichen sie eine Minute vor der zweiten Pause zum 2:2 aus. Kai Wissmann bekam von Haakon Hänelt an der blauen Linie den Puck. Wissmann guckte genau, sah die Lücke, spielte die Scheibe scharf vor das Tor, wo Marcel Noebels entscheidend abfälschen konnte und so zum 2:2 traf (39.).
So stand es nach 40 Minuten 2:2 zwischen dem DEL-Rekordmeister und dem dreifachen DEL-Meister.

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Im letzten Drittel dann ein Spiel auf Augenhöhe, in dem es hin und her ging und beide Mannschaften ihre Chancen hatten. So scheiterte Noebels an Reich und Mayenschein schoss knapp am Berliner Gehäuse vorbei.
Kurz nach Mayenscheins Chance konnte sich Jacob Ingham ein weiteres Mal auszeichnen, als er einen Knaller von Daryl Boyle von der blauen Linie entschärfen konnte. Auch beim kurz darauf folgendem Überzahlspiel der Münchner war Ingham wieder stark, als er gegen Patrick Hager und Yannic Seidenberg parieren konnte.
Die Chancen auf beiden Seiten häuften sich jetzt. Bei den Eisbären scheiterten zum Beispiel Tuomie, Kapitän Frank Hördler, Lukas Reichel, Alex Turcotte und Akil Thomas mit ihren Chancen, bei München waren es Frank Mauer, Konny Abeltshauser und Chris Bourque.
Aber einer sollte dann doch noch seine Chance nutzen. Und zwar München in Person von Philip Gogulla, der mal wieder seine ganze Klasse aufblitzen ließ. Gogulla tankte sich klasse durch, kam zum Abschluss und ließ Jacob Ingham dabei keine Chance – 2:3, 100 Sekunden vor dem Ende der Partie.
Chefcoach Serge Aubin reagierte und nahm seinen Goalie zu Gunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Was die Eisbären können, können wir schon lange, dachte sich dann wohl München, die es kurzzeitig auch mit sechs Spielern versuchten, was ihnen jedoch eine Zwei-Minuten-Strafe brachte. Die Eisbären für 42 Sekunden also mit zwei Mann mehr auf dem Eis. Aubin reagierte erneut und nahm prompt seine Auszeit. Man wollte nun unbedingt den Ausgleich erzwingen. Und dieser fiel auch tatsächlich durch Aiden Dudas, doch leider ertönte bereits die Schlusssirene, bevor der Puck die Torlinie überquert hatte.
Somit gewann München das erste Testspiel bei den Eisbären knapp mit 3:2.

Dass es für die Eisbären heute erst das zweite Testspiel war und München bereits einige Testspiele in

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den Beinen hatte, war heute nicht wirklich zu sehen. Die Eisbären und München duellierten sich auf Augenhöhe, legten ein hohes Tempo an den Tag und zeigten vor 214 Zuschauern im „Welli“ ein tolles Eishockeyspiel. Und bei den Eisbären darf man ja neben der Tatsache des zweiten Testspiels auch nicht vergessen, dass man heute auf fünf Stammspieler verzichtete und dafür die fünf jungen LA-Spieler einsetzte. Aber die Jungs von den Kings machten einen sehr guten Eindruck und bewiesen, was für ausgezeichnete Talente sie doch sind. Leider konnte Tyler Madden nur wenige Augenblicke mitspielen, verletzte sich dann und konnte nicht mehr weiterspielen. Gute Besserung an dieser Stelle.

Trainer Serge Aubin war dennoch zufrieden mit dem Spiel (Quelle: Medieninformation der Eisbären Berlin vom 17.10.2020):

Das erste Drittel haben wir ein bisschen verschlafen, vielleicht auch, weil wir nervös waren. Man darf nicht vergessen, dass wir heute mit einem sehr jungen Team gespielt haben. München hat unsere Fehler in der Phase direkt ausgenutzt. Ab dem 2. Drittel waren wir dann voll da und haben sehr gut gespielt. Das Gegentor am Ende resultierte aus einem Wechselfehler unsererseits. Insgesamt bin ich aber zufrieden.

Parker Tuomie, welcher heute sein erstes Tor im Eisbären-Trikot geschossen hat, sah das Spiel so:

Am Anfang hat man gemerkt, dass München schon einige Testspiele mehr bestritten hatte als wir. Sie waren gut organisiert und haben uns das Leben unheimlich schwergemacht. Ab dem 2. Drittel haben wir dann aber immer besser ins Spiel gefunden und konnten dagegenhalten.

Und Marcel Noebels fand, dass man ab dem zweiten Drittel sehr gut gespielt hat:

Wir haben ab dem 2. Drittel sehr gut gespielt und hatten viel Scheibenbesitz. Man hat gesehen, dass wir viel Qualität im Team haben. Das war erst unser zweites Testspiel, aber gegen so einen Gegner werden kleine Fehler sofort bestraft.

Ein ausführliches Statement von Marcel Noebels lest Ihr auf unserer Facebookseite.