Lukas Reichel: Von Rosenheim nach Chicago

Als junger Eishockey-Spieler träumst du von der besten Liga der Welt, der NHL. Da möchte es jeder Eishockey-Profi hin schaffen. Eisbären-Stürmer Lukas Reichel ist an diesem Ziel vergangene Nacht angekommen. Der 18-jährige Youngster wurde im NHL-Draft in der ersten Runde an 17. Stelle von den Chicago Blackhawks gezogen worden und ist somit der erste aktive Eisbären-Spieler, der in Runde Eins gedraftet wurde. Dass es dann auch gleich noch sein Wunschverein Chicago wurde, machte diese Sache für den jüngeren Reichel-Bruder umso perfekter. Entsprechend glücklich war „Luki“ darüber (Quelle: Medieninformation der Eisbären Berlin vom 07.10.2020):

Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Ich bin überglücklich und kann es noch nicht wirklich begreifen. Wenn ich mir ein Team hätte aussuchen dürfen, wären es die Blackhawks gewesen. Auf diesem Wege möchte ich mich bei meinen Mannschaftskollegen bedanken, ohne die ich das nicht geschafft hätte.

Ende September letzten Jahres spielte er mit den Eisbären Berlin noch gegen die Chicago Blackhawks, ein Jahr später wird er genau von diesem Team im NHL-Draft gezogen und gehört somit ab sofort zur NHL-Organisation der Blackhawks. Wahnsinn, so schnell kann es manchmal gehen. Aber der mit dem nötigen Talent ausgestattete Lukas Reichel hat sich das auch redlich verdient.

Hier setzt sich Lukas Reichel in seiner ersten DEL-Saison gegen zwei DEG-Spieler durch. Bald wird er es mit den besten Spielern der Welt in der NHL auf sich nehmen. (DEL / City-Press GmbH)

Wer in seiner Debüt-Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) dermaßen auf sich aufmerksam macht und dafür verantwortlich ist, dass sich die NHL-Scouts bei Spielen der Hauptstädter die Klinke in die Hand geben, braucht sich am Ende nicht über diesen kometenhaften Aufstieg wundern.
42 Spiele absolvierte Lukas Reichel in seiner ersten Profi-Saison bei den Eisbären Berlin, vorrangig an der Seite von Maxim Lapierre, in denen ihm starke 24 Scorerpunkte gelangen. Je zwölf Tore und zwölf Assists gelangen „Luki“ in seiner ersten Saison in der höchsten deutschen Spielklasse, in der er die NHL-Scouts nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht hat. Allen voran anscheinend die der Chicago Blackhawks, die sich ja auch hautnah von seinen Fähigkeiten beim Duell Ende September in Berlin von überzeugen konnten.

Lukas Reichel in seiner Anfangszeit in Rosenheim. Da begann die große Reise von „Luki“, auf der er gestern das große Ziel NHL erreicht hat. (DEL / City-Press GmbH)

Dass die Karriere von Lukas Reichel so schnell so erfolgreich verlaufen würde, daran hatte er vor zwei Jahren bei seinem Wechsel von Rosenheim nach Berlin wohl selbst nicht dran geglaubt. Vor der Saison 2018/2019 stieß Lukas mit seinem älteren Bruder Thomas Reichel zu den Eisbären in die Hauptstadt, sollte aber zunächst einmal für das DNL-Team der Hauptstädter auflaufen.
Seine Karriere begann der 18-jährige, dessen Vater Martin in der DEL kein Unbekannter ist, in Rosenheim bei den Starbulls. Bereits dort wurde sein unglaubliches Talent sichtbar und zeigte er bereits seine Scorer-Qualitäten. Reihenweise schoss er den gegnerischen Goalies die Scheiben um die Ohren. In 95 Spielen in der Schüler-Bundesliga erzielte er satte 97 Treffer.
In der DNL-Mannschaft der Rosenheimer knüpfte „Luki“ nahtlos an die gezeigten Leistungen in der Schüler-Bundesliga an und sammelte in 18 Spielen starke 29 Scorerpunkte (13 Treffer). In fünf Relegationsspielen folgten nochmal fünf Punkte (zwei Tore).
Auch international hatte er bereits seine ersten Einsätze, kam zehnmal für die U16 (zehn Tore/drei Vorlagen) und dreimal für die U17 (zwei Tore/eine Vorlage) zum Einsatz.

Danach führte ihn sein Weg wie bereits erwähnt zu den Eisbären Berlin. Diese waren auf die beiden Reichel-Brüder aufmerksam geworden und lotsten sie an die Spree. Sportdirektor Stéphane Richer äußerte sich damals wie folgt über die neuen jungen Spieler der Eisbären:

Wir planen langfristig hier bei den Eisbären und wollen auch in Zukunft gut aufgestellt sein. Zudem bereiten wir uns auch auf die DEL-Regeländerungen bezüglich der U23-Spieler vor.

Während Bruder Thomas im DEL-Team bisher keinen Fuß fassen konnte, setzte sich Lukas Reichel nach und nach durch und machte so immer mehr auf sich aufmerksam. Vor allem die NHL-Scouts wurden auf den Youngster aufmerksam.
In seiner ersten Saison in Berlin kam er 32-mal für die DNL-Mannschaft der Eisbären zum Einsatz, in denen er starke 42 Scorerpunkte sammelte (elf Tore). In den Playoffs ließ er in fünf Spielen nochmal sieben Scorerpunkte (drei Tore) folgen, was die Verantwortlichen der Eisbären dazu bewog, ihn hoch zu den Profis zu ziehen. Eine goldrichtige Entscheidung, wie wir jetzt, ein Jahr später, wissen.

Lukas Reichel schlug voll ein und spielte wie ein alter Hase, als würde er schon lange auf diesem Niveau im Männerbereich spielen. Schnell eroberte er mit seiner Spielweise die Herzen der Fans und avancierte so zum neuen Publikumsliebling der Eisbären-Fans. Auf dem Eis ließ er stets sein Talent aufblitzen, neben dem Eis war er noch der schüchterne und ruhige Youngster, der seine erste Profi-Saison gerade begonnen hatte. Doch je länger die Saison ging, desto mehr blühte „Luki“ auf. Was vor allem auch an seinem Reihenpartner Maxim Lapierre lag, der für ihn unheimlich wichtig geworden war.

Stolz posiert Lukas Reichel in seiner neuen Arbeitskleidung, dem Trikot der Chicago Blackhawks. (DEL / City-Press GmbH)

Dass er nun in der ersten Runde ausgerechnet von seinem Lieblingsteam Chicago gedraftet wurde, macht seine unglaubliche Erfolgsgeschichte endgültig perfekt. Dementsprechend glücklich äußerte sich Lukas Reichel heute auch im Rahmen der DEL-Pressekonferenz:

Chicago war schon immer mein Favorite-Team. Als ich 6, 7 Jahre alt war, habe ich immer die Highlight-Videos von Patrick Kane geschaut.

Er war auf jeden Fall sehr überrascht von der Entscheidung:

Ich war sehr überrascht. Ich hatte mit Chicago gute Gespräche gehabt, aber ich hätte niemals gedacht, dass ich an 17. Stelle von meinem Lieblingsteam gedraftet werde. Es gibt einen kleinen Schub und Selbstvertrauen, wenn man in der ersten Runde gedraftet wird.

Natürlich fragen sich jetzt alle Fans, wie es mit Lukas Reichel weitergeht. Geht er gleich rüber nach Chicago oder bleibt er noch in Berlin und wird, sofern die Saison irgendwann mal losgehen sollte, noch für die Eisbären auflaufen. Er hat dazu eine klare Meinung und diese beweist einmal mehr, wie sehr er trotz seines kometenhaften Aufstiegs auf dem Boden bleibt und nicht droht, abzuheben:

Ich brauche mindestens noch ein Jahr in Berlin, um eine bessere und größere Rolle zu bekommen.

Das zeigt einmal mehr seine Einstellung. Er gibt sich mit nichts zufrieden, will immer besser und besser werden und sieht dafür Berlin als erste Adresse an. Hier hat er sich in seinem ersten Profi-Jahr unglaublich weiter entwickelt und diese Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen. Aber wenn die DEL ihren Spielbetrieb wieder aufnimmt, dann wird Lukas Reichel seine Entwicklung weiter vorantreiben. Damit sein Traum von seinem ersten NHL-Spiel auch Wirklichkeit wird. Dass dieser wirklich werden wird, daran gibt es denke ich keine Zweifel. Es ist viel mehr eine Frage der Zeit, wann Lukas Reichel sein erstes Spiel in der besten Eishockey-Liga der Welt bestreiten wird. Erst dann ist sein kometenhafter Aufstieg aus dem beschaulichen Rosenheim in das große Chicago abgeschlossen. Und dann werden ihm neben den Eisbären-Fans auch die Fans der Blackhawks zu Füßen liegen. Wenn sie das nicht schon längst tun, denn mit Lukas Reichel bekommen die Chicago Blackhawks eines der größten Talente seines Jahrgangs. Und darauf dürfen die Blackhawks mächtig stolz sein. Aber auch die Eisbären und allen voran Rosenheim. Dort, wo die traumhafte Geschichte des Lukas Reichel seinen Anfang nahm.