Eishockey in Corona-Zeiten

Am 08. März 2020 war die Welt noch in Ordnung. Die Eisbären Berlin gewannen ihr letztes Hauptrunden-Heimspiel in der ausverkauften Arena am Ostbahnhof mit 4:3 gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven. Nach diesem Spiel stieg bei allen Spielern und Fans die Vorfreude auf das anstehende Playoff-Viertelfinale gegen die Düsseldorfer EG, welches am 17. März 2020 starten sollte. Wie wir jetzt, gut sieben Monate später, wissen, sollte daraus nichts werden und das Spiel gegen die Mannschaft von Thomas Popiesch das bis dahin letzte Eisbären-Spiel für unbestimmte Zeit gewesen sein.

Denn seit dem beschäftigt ein Thema ganz Eishockey-Deutschland – das Coronavirus. Seit dem steht das deutsche Eishockey still. Was zumindest den Saisonstart in den deutschen Ligen betrifft. Während die DEL2 im November starten will, hat die DEL am Freitag erneut den Saisonstart verschoben. Am 13. November 2020 wird man mit der neuen DEL-Saison nicht starten können und verschob den Start nun vorerst auf Dezember 2020. Aber ob dann auch wirklich wieder Profi-Eishockey in Deutschlands höchster Liga gespielt werden kann, ist mehr als fraglich. Denn außer Forderungen hat die Deutsche Eishockey Liga (DEL) bisher nichts präsentiert. Keine Lösungsvorschläge, wie man das deutsche Eishockey retten kann. Keine Vorschläge, wie ein Saisonstart unter den gegebenen Bedingungen möglich ist. Keine Aussage, was sich bis zum Dezember ändern soll, damit man in die neue Saison starten kann. Kein Termin, damit die Teams und Spieler besser planen und daraufhin trainieren können.

Szene aus dem ersten Halbfinale zwischen München und Weißwasser (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Im Training befinden sich die Teams inzwischen wieder und auch die ersten Testspiele werden absolviert. Auch die Eisbären Berlin sollten an diesem Wochenende beim „So geht sächsisch“-Cup an den Start gehen, ein positiver Corona-Fall im Umfeld der Berliner sorgte jedoch am Freitagnachmittag für die kurzfristige Absage der Hauptstädter. Da ein kleiner Teil von unserem Fanclub aber schon Karten für den Samstag hatte, haben wir uns kurzfristig dazu entschlossen, doch nach Dresden zu fahren und neben ein bisschen Sightseeing auch die beidem Spiele am Samstag anzuschauen. Schließlich ist die Sehnsucht nach Eishockey bei allen Fans riesengroß. Und so waren auch noch ein paar weitere Eisbären-Fans in der Dresdner Energieverbund-Arena anwesend.

Neben der Vorfreude, endlich wieder Eishockey live sehen zu können, war man natürlich darauf gespannt, wie das in Corona-Zeiten eigentlich so abläuft. Eins vorneweg, es ist erwartungsgemäß nichts mehr so, wie wir es noch vor sieben Monaten erlebt haben. Es fängt schon beim Kauf der Tickets an, wo man nun neben dem Ticket auch einen Gesundheitsbogen mit ausgehändigt bekommt, um seine Daten an den Veranstalter zu übermitteln, damit dieser dich im Falle eines positiven Corona-Falls kontaktieren kann. So dauert es am Einlass also schon mal ein wenig länger als ohnehin schon, denn nun muss man Ticket, Gesundheitsbogen und Ausweis vorzeigen.

Zudem kommt natürlich das in diesen Zeiten wichtigste Utensil, der Mund- und Nasenschutz. Ohne diesen kommt man derzeit in kein Stadion hinein. Und so hieß es auch gestern für die Eishockey-Fans, die in Dresden waren, Maske auf und rein ins Eisstadion. Und dort musste sie den gesamten Aufenthalt über (!) getragen werden – auch an seinem Platz. Lediglich zum Essen und Trinken durfte diese runter genommen werden, sonst wurde von den Ordnern immer wieder überprüft, ob auch jeder Zuschauer diesen Mund- und Nasenschutz wirklich auf hatte. Und als Fazit kann ich sagen, dass sich fast alle dran gehalten haben. Vereinzelt konnte man in der Stehkurve hinter dem Tor Fans sehen, die es mit dem Mund- und Nasenschutz nicht so genau nahmen. Was aber vielleicht auch am Alkohol gelegen haben könnte, denn dieser wurde erstaunlicherweise in der Halle ausgeschenkt.

Wie fühlt sich aber nun ein Eishockeyspiel in diesen Zeiten an? Zuerst kann man sagen, dass es sehr gut tat, endlich wieder diesen Eishallenduft in der Nase riechen und dieses Gekratze mit den Schlägern auf dem Eis hören zu können. Generell der Anblick einer Eisfläche, auf der dann auch wieder ein Eishockeyspiel stattfinden sollte. Wie lange hat man auf diesen Augenblick warten müssen. Wenn gleich es uns Eisbären-Fans natürlich noch mehr gefreut hätte, die Eisbären spielen zu sehen.
Doch so sahen wir uns die beiden Halbfinalspiele zwischen dem EHC Red Bull München und den Lausitzer Füchsen (9:2) und den Dresdner Eislöwen und dem kurzfristig eingesprungenem SC Riessersee (8:1) an.

Beim ersten Spiel kam nun nicht wirklich viel Stimmung auf. Lediglich bei den Toren wurde es mal kurz

Szene aus dem zweiten Halbfinale zwischen Dresden und Riessersee. (Foto: eisbaerlin.de)

laut, ansonsten aber konnte man, wie man es aus den Geisterspielen im Fußball gewöhnt war, das Geschehen auf dem Eis hören. Also auch die Rufe der Spieler und Trainer, was man ja sonst in vollen und stimmungsgeladenen Arenen nicht kann.
Beim zweiten Halbfinale kam dann aber auch Stimmung auf, was natürlich vor allem daran lag, dass die Gastgeber aus Dresden spielten. Und so kam man endlich mal wieder in den Geschmack von stimmungsvollen Eishockey, wenn gleich da natürlich noch deutlich Luft nach oben ist. Aber es waren eben auch nur gut 1.400 Zuschauer vor Ort, wenn gleich das nicht das Hauptproblem war. Denn in einem Eisstadion mit Maske Stimmung zu erzeugen, ist alles andere als einfach. Natürlich kann man die Fangesänge anstimmen, aber hindert einen dieser Mund- und Nasenschutz schon arg daran, sein eigenes Team zu supporten. Weil man immer mal wieder nach Luft schnappen muss. Insofern kann man zwar Stimmung machen, aber es ist bei Weitem nicht so emotional und stimmungsvoll, wie noch vor Corona-Zeiten. Denn lange hält man das Singen mit Maske definitiv nicht durch, was einige Zuschauer im Stehbereich dann wohl auch dazu verleitete, die Maske eher auf Halb acht hängen zu lassen, was in diesen Zeiten natürlich alles andere als sinnvoll ist.

Und wie sah es auf den Sitzplatzbereichen auf, wo wir uns niedergelassen hatten? Da wurde immer ein Platz links und rechts neben einem frei gelassen, aber die Reihe davor oder dahinter war nicht versperrt, weshalb man zum Vorder- oder Hintermann nicht wirklich viel Abstand hatte. Und auch der eine Sitz neben einem reicht bei weitem nicht aus, um den vorgeschriebenen Mindestabstand einzuhalten. Insofern war dieses Hygienekonzept aus meiner Sicht noch nicht wirklich durchdacht. Aber es war ja auch der erste Testlauf, um zu schauen, wie es funktioniert.

Sollte die DEL tatsächlich eines Tages wieder starten, wäre es ratsam, bei den Sitzplätzen immer nur jede zweite Reihe zu belegen und dann mindestens zwei Plätze links und rechts freizuhalten. Was sicherlich in größeren Arenen leichter umzusetzen ist als in den kleineren. Wobei man dazu aber sagen muss, dass eine größere Halle sicherlich auch mehr an Miete kosten wird und sich das dann damit auch wieder relativiert.

Auch die Schiedsrichter müssen sich auf Änderungen einstellen. So zum Beispiel tragen sie jetzt, genauso wie die Linesmen, Handschuhe während des Spiels. (Foto: eisbaerlin.de/walker)

Insofern kann man zu der Erkenntnis kommen, dass Eishockey in Corona-Zeiten sicherlich möglich ist und man, wenn die Politik es wieder zu lässt, auch mehr als 20 Prozent in den Hallen Platz finden würden. Dass es dennoch nicht das selbe Erlebnis wie vor Corona ist, sollte dabei jedem bewusst sein. Man wird also Abstriche machen müssen, wenn man seinen Lieblingssport und seinen Lieblingsclub wieder spielen sehen möchte, aber das werden die meisten Fans sicherlich Kauf nehmen.
Zudem müssen aber nicht nur wir Fans uns auf Änderungen einstellen, nein auch die Betreuer auf der Bank, die einen Mund- und Nasenschutz tragen müssen. Und auch die Schiedsrichter tragen ab sofort Handschuhe auf dem Eis.

Eishockey ist also immer noch Eishockey, aber dank Corona mit einigen Änderungen, die es zu einem anderen Erlebnis machen. Aber lieber Eishockey mit gewissen Einschränkungen als gar kein Eishockey. Aber ob wir in dieser Saison überhaupt nochmal DEL-Eishockey sehen werden, steht in den Sternen. Dazu bedarf es endlich mal Taten seitens der Deutschen Eishockey Liga. Insofern sollte die DEL sich das Turnier in Dresden mal genauer anschauen und daraus seine Lehren ziehen, wie man die Saison doch noch an den Start bekommen kann. Natürlich immer unter der Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen.